KirchenVolksBewegung Wir sind Kirche - Sonntagsbriefe

6. Sonntag der Osterzeit,10. Mai 2026

Übervater

„Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote befolgen. Und ich werde den Vater um etwas bitten:

Er wird euch an meiner Stelle einen anderen Beistand geben, einen, der für immer bei euch bleibt. Das ist der Geist der Wahrheit. Diese Welt kann ihn nicht empfangen, denn sie sieht ihn nicht und erkennt ihn nicht. Aber ihr kennt ihn, denn er ist mit euch verbunden und wird immer mit euch verbunden bleiben. Ich lasse euch nicht wie Waisenkinder allein. Ich komme wieder zu euch. Es dauert nur noch kurze Zeit, dann wird diese Welt mich nicht mehr sehen. Aber ihr werdet mich sehen, weil ich lebe und weil auch ihr leben werdet. An dem Tag werdet ihr erkennen: Ich bin mit dem Vater verbunden, ihr seid es mit mir, und ich bin es mit euch. Wer meine Gebote hält und sie befolgt, der liebt mich wirklich. Wer mich liebt, wird von meinem Vater geliebt. Und auch ich liebe ihn und werde mich ihm zeigen.“

Joh 14, 15-21 Basisbibel

 

Übervater

Ich zitiere in Auszügen etwas ausführlicher aus dem Aufsatz „Unser Vater Gott – Grund und Grenzen für die Vateranrede für Gott“ von Sabine Bieberstein, Professorin für für Exegese des Neuen Testaments und Biblische Didaktik in Eichstätt, erschienen in: Alexandra Bauer, Angelika Ernst-Zwosta: Gott bin ich und nicht Mann, Perspektiven weiblicher Gottesbilder“, Grünewaldverlag, 2012

Vor Kapitel 5 „Gott als Vater im Neuen Testament“ fächert Bieberstein die verschiedenen Phasen des Vaterbegriffs in den Büchern des Alten Testaments auf, zunächst als göttlicher Vater des menschlichen Gottessohnes, des Königs, später als Vater seines Volkes und in anderer Weise als Vater und Anwalt der Rechtlosen. - Immer sei neben den zwar überwiegenden männlichen Eigenschaften Gottes auch die weibliche Seite dargestellt worden, wie beispielsweise bei Jesaja 66,13: „wie eine Mutter ihren Sohn tröstet so tröste ich euch“, sie führt weitere Beispiele an. 

„Es besteht kein Zweifel: Jesus selbst hat von Gott als Vater gesprochen. Allerdings sind diesbezüglich gegenüber gewissen Einseitigkeiten in der neutestamentlichen Exegese des 20. Jahrhunderts einige Differenzierungen angebracht. Denn über lange Zeit war hier die Überzeugung so gut wie unhinterfragt, dass Jesus es selbst gewesen sei, der auf diese Weise sein ganz neues und einzigartiges Verhältnis zu Gott ins Wort gebracht habe.“ 

Bieberstein vergleicht das Vorkommen des Vaterbegriffs für Gott in den Evangelien: bei Matthäus: 44 mal, im Johannesevangelium 115 mal, bei Lukas dagegen nur 17 mal und im ältesten Evangelium nach Markus gerade 4 mal.

„Dieser Befund gibt zu denken. Offensichtlich nimmt die Verwendung des Vaterbegriffs in den Evangelien im Lauf der Zeit zu.“…

„Über weite Strecken der christlichen Exegese wurde das Bild Jesu, der jenes vermeintlich einzigartige Gottesverhältnis erfand und pflegte, auf Kosten des Judentums konstruiert. Gegenüber einem angeblich strengen und strafenden Gottesbild „des Judentums“ wurde das vertraute und nahe Gottesverhältnis herausgestellt.“

  

Warum dieser lange Exkurs?

Nach Lektüre des Aufsatzes stellte sich mir die Frage angesichts des heutigen Evangeliums, entstanden gut 70 Jahre nach Jesus, wie ich denn weiter mit dem Vaterbegriff und der nahezu anerzogenen Überzeugung, dass eben dieser Jesus so ein ganz besonderes Gottesverhältnis gehabt habe, umgehen soll. (In der Bibel in gerechter Sprache wird konsequenterweise in diesem Text auf die Bezeichnung „Vater“ verzichtet und „Gott“ verwendet)

Es erschüttert mich nicht grundstürzend, denn zu lange ringe ich um ein nicht rein männliches Gottesbild, zu lange bin ich mit vielen Texten des Alten Testamentes vertraut, als dass ich mich auf diese Vaterrolle zu sehr verlasse. - Schon allein deshalb, weil ich gelernt habe, ihr zu misstrauen. Völlig unwissenschaftlich wuchs in mir der Verdacht, dass die behauptete enge Vater-Sohn-Beziehung damit zu tun haben könnte, dass, je weiter sich die frühen Christen von den Zeitzeugen entfernten um so mehr die Vergöttlichung des Jesus von Nazareth Raum griff. 

Vielleicht war es wirklich notwendig für die jungen Gemeinden, dass ihnen dieser Zuspruch zukam. Es war wahrscheinlich nicht einfach, sich vor allem auch in nicht jüdisch geprägten Umfeld einer Religion anzuhängen, die nur einen Gott verehrte, Nächstenliebe als Grundlage hatte und auf eine zeitnahe Erlösung hoffte. Umso wichtiger war es die Überzeugung zu nähren und zu stärken, dass es die richtige Entscheidung war. – Auch wir brauchen heute immer wieder die Bestärkung, dass es richtig ist, die Botschaft Jesu vom menschenfreundlichen Gott und von der menschlichen Verantwortung füreinander zu hören und in unserem Leben fruchtbar zu machen. 

Aber für mich gehört dazu explizit auch, Gott, unsere G*TTheit, nicht als männliche Übernatur wahrzunehmen, sondern mich auf den Weg zu machen, G*TT in ihrer (Plural) ganzen Vielfalt und Vielseitigkeit kennenzulernen. Der zitierte Aufsatz und das Buch sind dazu sehr hilfreich.

Sigrid Grabmeier

 

104. Deutscher Katholikentag 2026 „Hab Mut, steh auf!“ 
13.-17. Mai 2026 (Mi-So über Himmelfahrt)

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„Gespräche am Jakobsbrunnen“ auf der Kirchenmeile

Der Jakobsbrunnen ist in biblischer Tradition ein uraltes Symbol für Kommunikation und Quelle des Lebens.
Er war Ort der Begegnung zwischen Jesus und der Samariterin (Joh 4,5-42) – ein erstes „ökumenisches Gespräch“.

Zelt FB-J-21 auf dem Viehmarktparkplatz am Mainufer südlich der Friedensbrücke

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