Gute Nachrichten nur für „einfache“ Menschen mit Herz
Da rief Jesus aus:
Ich preise dich, Vater, du Herr über den Himmel und die Erde!
Denn du hast das alles vor den Weisen und Klugen verborgen.
Aber den einfachen Leuten hast du es offenbart.
Ja, Vater, so hast du es gewollt!
Alles hat mir mein Vater übergeben.
Niemand kennt den Sohn, nur der Vater.
Und niemand kennt den Vater, nur der Sohn –
und die Menschen, denen der Sohn den Vater zeigen will.
Kommt zu mir, ihr alle,
die ihr euch abmüht und belastet seid!
Ich will euch Ruhe schenken.
Nehmt das Joch auf euch, das ich euch gebe.
Lernt von mir: Ich meine es gut mit euch
und sehe auf niemanden herab.
Dann werden eure Seelen Ruhe finden.
Denn mein Joch ist leicht.
Und was ich euch zu tragen gebe, ist keine Last.
Mt 11, 25-20 Basisbibel
Gute Nachrichten nur für „einfache“ Menschen mit Herz
Selbstoptimierung, Perfektionismus, Wachstum, Humankapital zur Steigerung der Produktivität, funktionieren müssen, Herzlosigkeit, Entmenschlichung, KI als Lösung aller Probleme. Viele Menschen in Gesellschaft und Kirche leiden unter diesen Maximen, fühlen sich nicht wahrgenommen, nicht gewertschätzt, dafür aber als Algorithmen benutzt und ausgebeutet, die man manipulieren und steuern kann. Wehe, wenn man krank ist oder nicht mehr mithalten kann. Das greift Papst Leo in seiner Enzyklika „Magnifica humanitas“ auf und kritisiert dies fundiert, auch in seiner beeindruckenden Rede vor Studenten in der Sapienza Università di Roma*. „Ihr seid ein Verlangen nach Sinn, keine Algorithmen. Ihr seid Menschen und geliebt.“
Einen absoluten, aktuellen Kontrapunkt zur gegenwärtigen Entwicklung setzt das Hoch-Fest mit Herz, das Herz-Jesu-Fest.
Das „Herz“ ist nicht nur körperlich das Zentrum des Lebens, sondern auch Sitz der Persönlichkeit mit ihrem Wesen, ihren Emotionen, Eigenschaften. Viele Redewendungen und Begriffe gibt es mit „Herz“, die das beschreiben.
Jesus ist der Mensch, auf den alle positiven Begriffe in der ganzen Ausprägung und Fülle zutreffen. Viele Statuen zeigen Jesus mit einem übergroßen Herzen, auf das er deutet. Darauf kommt es ihm an: Ein liebe – volles Herz für die Menschen zu haben, immerzu, bis zu seinem ungerechten Tod und darüber hinaus.
Dies bewirkt die Liebe Gottes. „Oh Herz, daraus uns überfließt die Liebe des Dreieinen.“ wird an jedem ersten Freitag im Monat, dem Herz-Jesu-Freitag, bei uns gesungen. „Die Liebe ist von Gott“, ist der Tenor des 1. Johannesbriefes. (1 Joh 4, 7- 16)
Es ist das Charakteristische von Jesus, dass er ein Herz für Arme, Ausgestoßene, Schwache, Kranke, Benachteiligte, Sklaven … hat und dies zu seiner Herzensangelegenheit als Zentrum seiner Botschaft macht. Den Auftrag und die Kraft dazu bekommt er von seinem mütterlichen Vater-Gott.
Im Evangelium zum Festtag lässt uns Matthäus teilhaben an Jesu ganz persönlichem Gespräch mit seinem Abba - Vater. Da lobt der Sohn seinen Vater doch tatsächlich dafür, dass ER durch ihn, seinen Sohn, Seine neue Botschaft der bedingungslosen Liebe den Kleinen, Einfachen, Unmündigen, die nichts zu sagen und zu entscheiden haben, mitteilt. Und der Sohn setzt noch eins drauf: Den vermeintlich Weisen, die die Weisheit für sich gepachtet haben, den gelehrten Besserwissern, die Gott zu kennen glauben, den religiösen Anführern und selbst ernannten Machthabern wird sie vorenthalten. Welch eine Kritik an ihnen! Und folglich auch jetzt ganz aktuell an den heutigen Machthabern, den Schlauen, Allwissenden, Bevormundenden, Lügnern, Vertuschern, den Kapitalismus und Neokolonialismus zum Goldenen Kalb Machenden und den Unterdrückern in Gesellschaft und leider auch bei manchen Kirchenvertreter:innen.
So, wie ich Jesus kenne, würde er eine solche Rede halten nach dem Gespräch mit Gott und von ihm beauftragt:
„Ihr, die Ihr euch für Gelehrte und Weise haltet, kommt herunter von eurem hohen Ross, macht euch klein und hört mir zu, was ich euch zu sagen habe. Wisst nicht alles gleich besser und handelt nicht nach euren erdachten Gesetzen, die euch reich werden lassen.
Andere von euch hängen immer noch an alten Sichtweisen, und Ihr weigert euch, meine neue, alles umwerfende Botschaft der allumfassenden Liebe anzunehmen und zu leben. Herzlos geht es euch um euer Ansehen, um Profit, Ihr kleidet euch fein, wollt gegrüßt werden und in der ersten Reihe sitzen, aber Ihr kümmert euch nicht um die Schwachen, z. B. die rechtlosen Witwen, Bedürftigen, die nichts haben, ohnmächtig ausgeliefert sind und enthaltet ihnen vor, für was Ihr zu sorgen hättet. Diese einfachen Menschen haben keine vorgefertigte Meinung, sie sind offen für das, was sie von mir hören, sie kommen zum Glauben und wenden sich an mich mit ihren Gebrechen und Nöten. Ihr steht beobachtend weitab und überlegt, wie Ihr mich beseitigen könnt. Aber Ihr werdet euch wundern.“
Zu den „Unmündigen“ sagt er: „Gerade Ihr seid ausgewählt, Gottes Botschaft der Liebe zu den Menschen und an euch zu erfahren, denn Ihr habt das Herz am rechten Fleck, habt ein offenes Herz. Man sagt ja: ´Wie der Sohn, so der Vater und wie der Vater so der Sohn.` Näher und enger geht es nicht, mein Vater und ich gehören untrennbar zusammen, wir sind sozusagen ein Herz und eine Seele. Kommt einfach zu mir mit eurer Not, ich weiß und sehe doch, wie es euch geht, wie Ihr leidet, Lasten aufgebürdet bekommt und sie tragen müsst, wie fremdbestimmt Ihr seid, wie gerne Ihr frei wärt. Bei mir geht es anders zu, und das wird euch guttun. Kommt erst einmal zur Ruhe, denkt über alles nach und dann folgt mir. Ich sage euch schon einmal: Das ist auch nicht immer leicht, manchmal bleibt das Leid oder Ihr leidet, weil Ihr zu mir gehört. Aber ich bin doch bei euch, ich gehe vor euch her oder neben euch. Schaut euch an, wie ich es mache, lernt davon und tut es mir nach. Güte und Demut, die ich bei euch bemerke, werden euch dazu motivieren, euch um die zu kümmern, die euch brauchen. Habt Mut! Steht auf! Tut euren Mund auf, wenn Unrecht geschieht, lasst euch nicht von denen unterjochen, die ihre Macht missbrauchen und sich auch noch auf Gott berufen. Wenn Ihr so mit mir lebt, seid Ihr nicht Getriebene, sondern Ihr findet Ruhe und nehmt sie euch auch immer wieder. „Nichts kann euch schrecken“, ich trage euers mit, und es wird dadurch leicht. Es führt euch zum Leben in Fülle, das Herz zählt, nicht Geld und das Ansehen. Letztlich wird euch auch die ewige Fülle bei uns im Himmel geschenkt. Noch einmal: Habt Mut! Steht auf!“
Brigitte Karpstein, Sinzig
Zur Historie des Festes: katholisch.de
Vatican-News