Lebensbrot
Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben. Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch für das Leben der Welt. Da stritten sich die Juden und sagten: Wie kann er uns sein Fleisch zu essen geben? Jesus sagte zu ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst und sein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben und ich werde ihn auferwecken am Jüngsten Tag. Denn mein Fleisch ist wahrhaft eine Speise und mein Blut ist wahrhaft ein Trank. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich bleibe in ihm. Wie mich der lebendige Vater gesandt hat und wie ich durch den Vater lebe, so wird jeder, der mich isst, durch mich leben. Dies ist das Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Es ist nicht wie das Brot, das die Väter gegessen haben, sie sind gestorben. Wer aber dieses Brot isst, wird leben in Ewigkeit.
Joh 6,51-58 Einheitsübersetzung
Lebensbrot
Happy Kadaver heißt Fronleichnam scherzhaft. Das hat natürlich mit seinem Inhalt nicht wirklich was zu tun. Trotz der Ähnlichkeit im Wort hat Fronleichnam nichts mit einer Leiche zu tun, im Gegenteil, Fronleichnam erinnert an den lebendigen Leib des Herrn in der Mitte der glaubenden Gemeinde. Und dieser lebendige Herr ist Jesus der Christus als lebendige Gegenwart in der lebendigen Gemeinde!
„Was verbinden wir mit dem Wort „Der Leib Christi“? Vermutlich ‚Amen'. Denn so sind wir es bei der Kommunion gewöhnt. Aber wir müssen viel weiter denken.“ zitiere ich hier Magnus Lux aus seinem Sonntagsbrief von Pfingstsonntag. Der „lebendige Leib des Herrn“ wird als gewandelte Oblate durch die Straßen getragen in einer feierlichen Prozession. Diese Oblate ist die durch die Hand eines geweihten Klerikers gewandelte Hostie in eben diesen im Brot anwesenden Herrn. Der Heilige Pfarrer von Ars sagte einmal über die Priester, sie könnten den Herrn Jesus jederzeit in dieses armselige Stück Brot hineinzwingen aufgrund ihrer besonderen Stellung im römisch katholischen Glaubensgebäude.Wörtlich sagte er: „Die Zunge des Priesters macht aus einem Stück Brot einen Gott, das ist mehr als die Welt zu erschaffen."Sozusagen durch die Zunge des Priesters ausgelöst und danach auf die Zunge der Gläubigen gelegt! Und so trägt der Kleriker als Spitze des Systems diese geheiligte Oblate an Fronleichnam unter einem Himmel aus Stoff (Baldachin) vorne weg und die Gemeinde folgt nach. Nachfolge ruft in mir allerdings ein anderes Bild hervor als eine Prozession, sage ich ehrlich.
Ich selber habe 1988 als Oblate (der Name des Ordens https://oblaten.org/de ) meine Gelübde abgelegt. Oblate sein heißt, so zu leben und zu wirken, dass man nahrhaft wirkt, Speise ist, Oblate eben.Ich habe die Ordensgemeinschaft schon lange verlassen aber diesen Eid habe ich dabei nicht vergessen. Nein, nein, er hat mein Leben fortan geprägt. Als Oblate leben, Oblate sein, das sagt man so leicht daher, doch ist es echt schwer. Da muss man hinein wachsen wie in einen zu großen Mantel, da lernt man niemals aus. Die Frage bleibt: Was ist es? Womit kann ich nähren? Was habe ich für Möglichkeiten, was habe ich dafür in der Hand? Was ist, womit ich wuchern kann? Was sind meine Talente und Pfunde? Und dann die Frage: „Wie mache ich´s?“
Doch nun will ich das Wort abgeben an den palästinensischen Komiker Abdul Kader Chahin aus einer Folge von Fun Facts ( https://www.youtube.com/watch?v=-phF8hHMTm8 ) . Er macht darin klar, dass Fronleichnam mehr ist als Brot und Brot mehr ist, als das, was wir Brot nennen. Ich stelle mich zu ihm, obwohl er sich selbst wohl eher nicht als bekennender Christ zu Jesus stellt: „Nach einer Umfrage von War Child hat 96 % der Kinder (in Gaza) das Gefühl, ihr Tod stehe unmittelbar bevor, 49 % wünschen sich sogar den eigenen Tod. (…) die Kinder in Gaza sagen, sie wollen sterben, weil es im Himmel Wasser gibt. Das musst du dir mal vorstellen! Nicht 'ich will Fußballer werden', 'ich will Prinzessin (…) werden‘ sondern 'ich will sterben, vielleicht gibt´s da Wasser.‘ Und wir diskutieren hier immer noch, ob der ‚Nahostkonflikt‘ kompliziert ist. Der Gazastreifen ist heute der gefährlichste Ort der Welt für Kinder. Die Kriegstrauma sind jetzt schon so gewaltig, dass die nächsten Generationen sie noch in sich tragen werden. Die Welt von Morgen sieht für die Kinder von Gaza heute so aus, dass sie hoffen, sie gar nicht mehr erleben zu müssen. Aber genau diese Kinder haben wie alle Kinder die ganze Welt verdient: ein Leben in Frieden und Freiheit mit riesigen Spielplätzen statt Parkplätzen, sichere Schulen statt Todesangst, Süßigkeiten anstatt Bomben und natürlich Wasser!“ (s. aus der heutigen Lesung Dtn 8,15)
Mashalla Ihr Lieben (arabischer Ausdruck, der wörtlich „Was Gott gewollt hat“ bedeutet)
Johannes Brinkmann / Essen