KirchenVolksBewegung Wir sind Kirche - Sonntagsbriefe

Sonntagsbrief zum Fest, Mariä Heimsuchung, 2. Juli 2026

Die Begegnung zwischen Maria und Elisabet

In diesen Tagen machte sich Maria auf den Weg und eilte in eine Stadt im Bergland von Judäa. Sie ging in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabet. Und es geschah, als Elisabet den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib. Da wurde Elisabet vom Heiligen Geist erfüllt und rief mit lauter Stimme: Gesegnet bist du unter den Frauen und gesegnet ist die Frucht deines Leibes. Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? Denn siehe, in dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib. Und selig, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ. Da sagte Maria:

 

Meine Seele preist die Größe des Herrn 
und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter. 
Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut. 
Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter. 
Denn der Mächtige hat Großes an mir getan 
und sein Name ist heilig. 
Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht 
über alle, die ihn fürchten. 
Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten: 
Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind; 
er stürzt die Mächtigen vom Thron 
und erhöht die Niedrigen. 
Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben 
und lässt die Reichen leer ausgehen. 
Er nimmt sich seines Knechtes Israel an
und denkt an sein Erbarmen, 
das er unsern Vätern verheißen hat, 
Abraham und seinen Nachkommen auf ewig. 
 

Und Maria blieb etwa drei Monate bei ihr; dann kehrte sie nach Hause zurück. 

 

Lk 1,38 – 56 Einheitsübersetzung

Die Begegnung zwischen Maria und Elisabet

Ähnlichkeiten beim folgenden Text zum Magnifikat Mariens sind gewollt, besonders bezogen auf die Zeile „ER stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen“ :

Da treffen sich im heutigen Evangelium zwei Frauen: die junge Frau Maria und die reifere Frau Elisabeth. Keine Mächtigen des Landes, keine Mächtigen auf Erden. Nur zwei Frauen.

Wenn mir als Therapeut die Bewohnerinnen auf meinem Wohnbereich im Seniorenzentrum von ihrer Jugend erzählen, so sind sie aufgewachsen mit Sätzen wie: „Du bist ja nur ein Mädchen, Du heiratest ja eh, Du musst nichts lernen!“

Das kenne ich auch aus meiner eigenen Herkunftsfamilie. Uns Jungs haben meine Eltern den Führerschein finanziert; meiner Schwester aber sagten sie, "für sie als Mädchen reicht das Geld nicht“. Wir Jungs waren privilegiert gegenüber unserer eigenen Schwester, einfach nur, weil wir Jungs waren. Meine Schwester tat mir auch immer Leid, wenn sie zu Weihnachten statt für sie persönlich etwas für die „Aussteuer“ (auch Heiratsgut, früher Heimsteuer) als Geschenk bekam. Du Zukunft eines Mädchens war ihr zukünftiger Ehemann!

Elisabeth und Maria, Maria und Elisabeth stützen sich gegenseitig, standen einander bei. Beide schwanger! Maria gerade erst, Elisabeth bereits im 6. Monat. 6 Monate nach Johannes ist der Heilige Abend im Jahreskreis der Kirche.

Auf einer starken weiblichen Basis reifte das Neue Leben in diesen beiden verbündeten Frauen heran. Schon im Mutterleib zueinander in Gespür füreinander und alle vier, Mütter wie Söhne, durchdrungen vom göttlichen Odem! Alle vier atmeten eine im Einklang zueinander tragende und behütende weibliche Energie.

Beide Frauen wussten, dass sie am Ende hinten runter fallen werden in einer von Männern dominierten Welt. Schließlich werden sie beide Jungs gebären. Hinter ihren Jungs verschwinden ihre Mütter in ihren Schatten, das war ihnen ganz klar. Doch war in diesen ersten drei Monaten bis Johannes Geburt eine gute Saat gepflanzt! In eine Krieger- und Siegerwelt schenkten diese zwei starken Frauen zwei auf neue Weise starke Jungs hinein! GOTT dankend, dass sie anders sein werden, andere Männer sein werden als die Krieger und Sieger und Frauenbeherrscher! Denn sie sind von guten Mächten mütterlich gestärkt für ihr ganzes berufenes Leben. Deshalb werden diese beide viel predigen über Umkehr und über gute Saat und über das Vertrauen darin, dass diese am Ende auch gewiss aufgehen wird.

 

Gute Saat

Johannes Brinkmann / Essen

 

P.S.: Was sagt Ihr dazu, Freundinnen und Freunde? Wir Menschen - Männer wie Frauen! - neigen dazu, Informationen so zu ermitteln, auszuwählen und zu interpretieren, dass diese die eigenen Erwartungen bestätigen. Wir suchen und sammeln, was wir schon glauben begriffen zu haben! Wir nehmen also vor allem das als wahr an, was in unser eigenes Bild passt. Das nennt die Psychologie Bestätigungsfehler (confirmation bias).

Nun stellt Euch mal vor, die Menschen hätten in ihrer Geschichte den Männern die Herrschaft übergeben und sie hätten dem Geschlecht des Mannes im Patriarchat besondere Macht zugesprochen, verstärkt auch, weil sie ihre GOTTheit(en) besonders an der Seite der Männer verorteten. Der Mann hat den Samen, hat damit wie GOTT schöpferische Kraft! Die Einzelle der Frau wurde erst 1827 entdeckt. Die Tendenz zum Bestätigungsfehler bedenkend bekommt so selbstverständlich der Verständnisfehler der Patriarchen das Sagen. Er prägt die Menschheitsgeschichte mit Macht! Die Macht wird männlich!

Die heterosexuellen Cis-Männer werden so die Besserwisser gemäß einer angeblich göttlichen Ordnung! Worauf läuft dann die Menschheitsgeschichte hinaus mit Blick auf diesen dem Menschen eigenen Bestätigungsfehler? Die Perspektive dieser Männer bekommt immer Recht! Privilegien auf Privilegien schütten sich über ihnen aus.

Was wird wohl passieren, wenn plötzlich Frauen dieselben Rechte wie Männer einfordern und auch die Sorte Männer für sich Gleichberechtigung fordern, die nicht als Patriarchen auftreten können und wollen, weil sie nun mal Männer lieben und mit Fortpflanzung nicht dienen können?

Erst wenn der Mensch aus seiner Perspektive tritt oder treten muss, weil er z.B. schmerzhaft erkennen musste, dass sich nicht das gesamte Universum um ihn herum im Zentrum dreht und bewegt, gewinnt der Mensch neue Horizonte. Der confirmation bias macht uns träge, denn alles um uns herum bestätig scheinbar eindeutig, wie Recht wir haben. So stolpern wir, wenn wir nicht aufwachen, am Ende über uns selbst! Was sagt Ihr dazu Freunde?