KirchenVolksBewegung Wir sind Kirche - Sonntagsbriefe

Sonntagsbrief zum 27. Sonntag im Jahreskreis, 4. Oktober 2026

In dir steckt mehr!

Es war ein Gutsbesitzer, der legte einen Weinberg an, zog ringsherum einen Zaun, hob eine Kelter aus und baute einen Turm. Dann verpachtete er den Weinberg an Winzer und reiste in ein anderes Land.  Als nun die Erntezeit kam, schickte er seine Knechte zu den Winzern, um seine Früchte holen zu lassen. Die Winzer aber packten seine Knechte; den einen prügelten sie, den andern brachten sie um, wieder einen anderen steinigten sie. Darauf schickte er andere Knechte, mehr als das erste Mal; mit ihnen machten sie es genauso. Zuletzt sandte er seinen Sohn zu ihnen; denn er dachte: Vor meinem Sohn werden sie Achtung haben. Als die Winzer den Sohn sahen, sagten sie zueinander: Das ist der Erbe. Auf, wir wollen ihn umbringen, damit wir sein Erbe in Besitz nehmen. Und sie packten ihn, warfen ihn aus dem Weinberg hinaus und brachten ihn um. Wenn nun der Herr des Weinbergs kommt: Was wird er mit jenen Winzern tun? Sie sagten zu ihm: Er wird diese bösen Menschen vernichten und den Weinberg an andere Winzer verpachten, die ihm die Früchte abliefern, wenn es Zeit dafür ist. Und Jesus sagte zu ihnen: Habt ihr nie in der Schrift gelesen: Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, / er ist zum Eckstein geworden; / vom Herrn ist das geschehen / und es ist wunderbar in unseren Augen? Darum sage ich euch: Das Reich Gottes wird euch weggenommen und einem Volk gegeben werden, das die Früchte des Reiches Gottes bringt. Und wer auf diesen Stein fällt, wird zerschellen; auf wen der Stein aber fällt, den wird er zermalmen.

Mt 21, 33-44 Einheitsübersetzung

 

In dir steckt mehr! 

 

In der ursprünglichen Fassung meines Werkes „Am Anfang war die Einheit!“ aus dem Jahr 2000 habe ich vom „Gehilfen“ gesprochen. „G’tt wünschte sich im Menschen einen Gehilfen“ stand am Anfang und später im Text sprach Jahwe zum Menschen „Wie ich in Dir einen Gehilfen haben wollte, so schenke ich Dir nun selbst einen Gehilfen“.

 

Leider hat mir niemand, dem ich das Werk seitdem zu lesen gab, oder der es von sich aus las, irgendeine Verständnisfrage gestellt. Die ganzen 26 Jahre keine einzige Frage. Alle haben für sich allein ein Urteil gefällt.

Da niemand mit mir sprach, habe ich das Wort Gehilfe mittlerweile in „Hilfe“ umgewandelt. Ich gehe davon aus, dass das Wort „Gehilfe“ besonders bei Frauen Empörung ausgelöst hat, weil sie es so verstanden, als wolle ich die Frau wieder zum Gehilfen der Männer degradieren. Das war damals wie heute ein großes Thema, weil Frauen Gleichberechtigung einforderten. Und ich habe das Werk geschrieben, um sie darin zu unterstützen. Das wurde leider nicht verstanden.

Doch habe ich das Wort Gehilfe benutzt, nicht weil ich dabei an das Verhältnis von Männern zu Frauen dachte, sondern weil es näher am Wort Knecht ist. Ich hatte nicht die Frau vor Augen bei dieser Wortwahl sondern den Gottesknecht aus dem Buch Jesaja im Kapitel 53 und auch den Text vom heutigen Evangelium.

G’tt schuf den Menschen nach dem Bilde des Gottesknechtes, des Menschensohnes Jesus. Dieser war vor aller Zeit bei G’tt. Wie G’tt selbst in ihm zur rechten Zeit in die Zeit geboren werden wird zur liebevollen Zuwendung zum Menschen in Einheit, so soll auch der Mensch eins sein mit G’tt, der sich offenbart im JA vor Moses dem Menschen; der hörte auf die Stimme G’ttes und war bereit als Mensch dem G’ttesvolk voranzugehen hinein und immer mehr hinein in die gelobte Nähe mit G’tt. Diese Nähe ist das wahre „gelobte Land!“. Als G’ttes Gehilfe auf Erden ging Moses dem Herrn voran, und der Herr ging ihm voran.

Männer und Frauen sollen ebenfalls einander Gehilfen sein. Gehilfen auf Augenhöhe! So war mein nach wie vor bedeutsamer und richtiger Gedanke.

Doch hat mir, wie ich schon erwähnte, niemand eine Frage gestellt, sondern ein einsames Urteil gefällt  Selbst Menschen aus meiner unmittelbaren Umgebung kamen nicht darauf, mir eine Frage zu stellen.

Ich musste aus den wenigen offen geäußerten Urteilen heraushören, erahnen und mutmaßen wo es hakte. Ich müsse doch sehr eitel sein, G’tt selbst Worte und Gedanken in den Mund zu legen. „Was? G’tt dachte? Hi hi!“ raunte einer spöttisch. „Wenn einer Schuld hat am Tod Abels, dann G’tt allein!“ reagierte ein anderer. „Wieso soll ein Hirte etwas besseres sein als ein Ackerbauer“, raunte eine andere. Und außerdem: „Einer, der Theologie nicht mal bis zum Abschluss studiert hat. Und dann schreibt er Worte wie ‚Ackerbauern seid Ihr‘ und offensichtlich meint er zudem, des Mannes Gehilfe sei die Frau.“ Sie haben meine theologische Poesie registriert, ihr also Aufmerksamkeit geschenkt, und dann zur Seite geschoben. Gewohnt als Kunden nur in den eigenen Korb zu legen, was einem zusagt und gefällt. Also schob man mein Angebot - es war und ist gratis - zur Seite und weg. Nicht auf Wiedervorlage wurde es gelegt sondern als endgültig verworfen. Meine Hartnäckigkeit, immer wieder damit anzukommen, machte es nicht besser. Eine einsame Beurteilung ohne Lärm, nebenbei abgehakt.

„ABER HALLO!“ Meine ich doch das hier mit meiner Aktion: „Hört mich an! Jede/r Einzelne von Euch hat Macht - denn ich habe mich bewusst an die Kleinen gewandt.“ Doch diese halten sich meist nur für ein winzig kleines Rädchen ohne Macht!

 

Ein weit verbreitetes Denken unter uns Menschen: „Wer bin ich schon.“

Vergesst nicht, Ihr habt Macht. Jede/r Einzelne von Euch! Sowohl über Euer Leben als auch über das Leben anderer. Ihr könnt Berge versetzen!

Aus der erstickenden Logik der Vielen, nämlich Machtlose zu sein, nehme ich mal die Hochprivilegierten heraus. Die wissen nämlich sehr wohl um ihre Macht als Einzelne, wissen über die großen großen Räder, die sie drehen können, weil sie über genug glanzvollen Glitter verfügen, den sie den weniger Priviligierten, den Vielen also, in die Augen streuen können, um sie zu blenden.

Auch unsere Erziehung spielt hier mit hinein: „Sei bescheiden! Sei lieb! Sei nicht frech! Ordne dich unter! Sei leise! Leiser! Noch leiser! Verhalte Dich geduckt! Pass Dich an!“ Wir wurden nicht erzogen zum Mut, nicht mit Sätzen gefördert wie: „In Dir steckt viel mehr, mehr, viel mehr! Du bist etwas Besonderes, Deine Perspektive zählt!“ Und so machen wir als Kleingemachte auch andere Mitmenschen klein, würdigen sie ab, stehen unbewusst mit ihnen in Konkurrenz, fallen übereinander her.

Und des Ende vom Lied: Der gesandte Knecht wird erschlagen!

Oder doch nicht?!

 

Zum Erntedankfest!

Euer Bruder in Eurer Mitte

Johannes Brinkmann / Essen

 

www.johannesbrinkmann.de (hier findet ihr es gratis)

 

Veranstaltungshinweis

Wir sind Kirche-Online-Andachten interaktiv

Die nächsten Termine, jeweils Dienstag, 19:00 Uhr: 6. Oktober, 3. November und 1. Dezember 2026

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Wir sind Kirche "Gespräche am Jakobsbrunnen" online

Die nächsten Termine, jeweils Dienstag, 19:00 Uhr: 13., 20. und 27. Oktober

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