Das, was Du brauchst
Auf, alle Durstigen, kommt zum Wasser!
Die ihr kein Geld habt, kommt,
kauft Getreide und esst, kommt und kauft ohne Geld
und ohne Bezahlung Wein und Milch!
Warum bezahlt ihr mit Geld, was euch nicht nährt,
und mit dem Lohn eurer Mühen,
was euch nicht satt macht?
Hört auf mich, dann bekommt ihr das Beste zu essen
und könnt euch laben an fetten Speisen!
Neigt euer Ohr und kommt zu mir,
hört und ihr werdet aufleben!
Ich schließe mit euch einen ewigen Bund:
Die Erweise der Huld für David sind beständig.
Jes 55,1-3 Einheitsübersetzung
Das, was Du brauchst
Einkaufen ohne Geld? Wie soll das denn gehen? Warum steht da nicht einfach: „Bedient Euch, es ist Euch geschenkt!“? Wieso sollen die Leute kaufen, was umsonst, was gratis, ist?
Wer einkauft gibt etwas für ihn Wertvolles, nämlich sein Geld, um etwas anderes von Wert zu bekommen.
Wer kauft, wer sein Geld hergibt, wird nicht gierig sein, sondern kaufen, was er braucht. „Nimm, was Du brauchst!“ ist das Motto und nicht „nimm was Du kriegen kannst!“
Was also soll der Mensch herbringen, was für ihn selbst von großem Wert ist, um die Geschenke G’ttes zu erwerben? Sich selbst! Die Währung ist er selbst! Die Wertschätzung ist hier die Währung! G’tt wertschätzt den Menschen und beschenkt ihn reich; der Mensch wertschätzt das Geschenk G’ttes und das verpflichtet ihn: zum Dank, zur Bewahrung, zur Bescheidenheit, zum Gönnen des Wohlstands für alle, zum Nacheifern der Güte G’ttes aus eben dieser Dankbarkeit heraus.
Als ich im Jahr 1959 geboren wurde, gab die russisch-amerikanische Schriftstellerin Ayn Rand („Altlas Shrugged“ „The Fountainhead“ ihre bekanntesten Romane) im Fernsehen ein Interview. Sie hatte eine Philosophie entwickelt, die Individualismus, Eigennutz und den freien Markt in den Mittelpunkt stellte. In dem Interview sagte sie: „Ich stelle den moralischen Code des Altruismus in Frage. also die Idee, das Menschen für andere Menschen leben sollten. Damit kritisiere ich auch die Institutionen, die auf diesem Prinzip beruhen. Solange wir die Konzepte des Wohlfahrtsstaates nicht aufgeben, steuern wir auf den Untergang zu. Diese Entwicklungen treiben die Welt ins Verderben. Wir rutschen in den Kollektivismus und Sozialismus ab, ein System, in dem jeder durch jeden versklavt wird - nur weil wir einer altruistischen Moral folgen.“
Ayn Rand begründete einen Kult um Unternehmensgründer als „Visionäre“, die über allem und allen stehen. Ayn Rand ist die geistige Patin dieses Kultes. Die Unternehmer sind wie Künstler, die man in ihrer „Freiheit“ nicht begrenzen darf und soll. Diese Künstler sollen sich „frei“ durch ihre Firma selbst verwirklichen dürfen. Das hätten sie verdient! Statt des Mottos: „Nimm was Du brauchst!“ erhebt sich das Motto: „Nimm was Du kriegen kannst!“ Der Unternehmer als Held, der das Schicksal der Welt auf seinen Schultern trägt. Die „Macher“ dürfen nicht gebremst werden durch „Überregulierung“. Sie nennen deshalb Freiheit, wenn ihnen keinerlei Grenzen gesetzt werden. Einer von ihnen, Peter Thiel, formulierte folgerichtig, dass für ihn Freiheit und Demokratie nicht miteinander vereinbar wären. Diese rechtsgerichtete Vision strebt eine autoritäre technokratische Herrschaft an. Die neuen „Anführer“ sehen sich als Elite, als Auserwählte. Ihr wirtschaftlicher Erfolg bestätigt ihre Auserwählung. Da hilft auch das in Amerika tief verwurzelte „Wohlstandsevangelium“, das nämlich Reichtum ein Zeichen sei für G’ttes besonderen Segen.
„Nimm was du kriegen kannst!“ wird zum Un-Geist des herrschenden Mainstream.
„Was man alles kriegen kann, wenn man Präsident wird“, wird zum Motiv, um Präsident der USA zu werden. Hinter so einem Präsidenten versammeln sich diese angeblichen „Helden“ einer „freien Welt“ gerne. Und dann helfen auch noch mächtige Prediger mit, die denken, das wäre G’ttes Wille.
Ausgerechnet diese Leute geben heute vor, gegen den „Antichrist“ zu kämpfen. Was für eine Verdrehung der Wirklichkeit das ist! Die Ideen von Ayn Rand stellen sich eindeutig gegen Jesus, der dafür steht, dass einer des anderen Last tragen soll. (s. Galaterbrief 6,2)
Ich wünsche einen Sonntag zur Auferstehung der wirklich christlichen Lehre
Johannes Brinkmann
P.S.: Dieses Video ist hilfreich zu verstehen, was sich da gerade als anti-christlicher Geist autoritär erhebt:
ZDF/ 3sat Kulturzeit Warum sich die Tech-Elite mit Trump verbündet bei youtube