KirchenVolksBewegung Wir sind Kirche - Sonntagsbriefe

Sonntagsbrief zum 18. Sonntag im Jahreskreis, 2. August 2020

Untrennbar

Relief Abtei Maria Frieden mit der Gründerin Mutter Edeltraut Danner

Wer sollte uns von der Liebe des Messias trennen? Unterdrückung, Angst, Verfolgung, Hunger, Obdachlosigkeit, Gefahr oder politische Verfolgung, die mit dem Tod endet?

Aber in all diesen Situationen sind wir es, die das Leben gewinnen durch den, der uns geliebt hat. Denn ich verlasse mich darauf: Weder Tod noch Leben, weder himmlische noch staatliche Mächte, weder die gegenwärtige Zeit noch das, was auf uns zukommt, weder Gewalten der Höhe noch Gewalten der Tiefe, noch irgendein anderes Geschöpf können uns von der Liebe Gottes trennen, die im Messias Jesus lebendig ist, dem wir gehören.

 Röm 8, 35; 37-39 Bibel in gerechter Sprache

 

Untrennbar

 

„Ich habe so gehandelt, wie Jesus es auch getan hätte. Ich habe nichts falsch gemacht! Flüchtlinge haben ein Kreuz zu tragen, da ist es mir egal, ob sie Christen oder Muslime sind, es sind Menschen in Not“. - Das sagt die Äbtissin Mechthild Thürmer von der Benediktinerinnenabtei Maria Frieden in Zapfendorf, nahe Bamberg. 

 

Sie und ihre Mitschwestern haben über mehrere Jahre hinweg über 30 Frauen, meist Eriträerinnen, in ganz besonderen Härtefällen, unter Berücksichtigung aller gebotenen Regelungen im Kirchenasyl aufgenommen. Sie wurden dort von einem Lehrer*innenteam unterrichtet, sie haben zusammen mit den Schwestern und Gästen gearbeitet, gegessen, gefeiert und auf diese Weise die Möglichkeit gehabt, das Erlebte zu verarbeiten und für sich neue Perspektiven zu sehen. Ich habe selbst einige dieser Frauen kennengelernt und erfahren, warum und unter welchen Umständen sie aus ihrem Land und von ihrem Kontinent geflohen sind. - Vieles davon können wir uns hier gar nicht vorstellen. 

 

Die Äbtissin steht demnächst in Bamberg vor Gericht, da sie sich geweigert hatte, die in einem Strafbefehl auf 2500 Euro festgesetzte Geldstrafe zu zahlen. „Ich käme mir nicht ehrlich vor, die 2500 Euro zu bezahlen, nur um meine Ruhe zu haben“, erklärt Mutter Mechthild.

 

In zweierlei Weise spricht mich vor diesem Hintergrund die heutige Lesung aus dem Brief an die Römer an: zum einen ist es Mutter Mechthilds unerschütterlicher Glaube (den ich auch anderweitig immer wieder erleben durfte), dass sie mit ihrem Handeln nicht allein ist, sondern dass sie untrennbar getragen ist von der Liebe Gottes. Und zum anderen verwirklicht sie und ihr Konvent genau das, was den Unterdrückten und Verfolgten zugesagt ist. Sie schenken ihnen Zuflucht, und Zuwendung, sie lassen sie Gottes Liebe spüren. - Als ich Mutter Mechthild fragte, wie wir sie unterstützen könnten schrieb sie mir: „Beten wir und vernetzen wir uns betend für diese gute Sache der Flüchtlingshilfe in Härtefällen.“

 

Es gibt vieles, was in meiner, in unserer Kirche Anlass geben mag, an ihr zu zweifeln. Aber dass in ihr und durch die Unterstützung vieler, die diese Kirche bilden, so etwas möglich ist, das gibt mir den Mut und die Liebe, mich weiterhin in ihr und für sie zu engagieren. 

 

Ich bete und hoffe, dass es für Mutter Mechthild mit einem Freispruch enden wird. Angesichts der Kreuze, die nach Ministerpräsident Söders Kreuzerlass in allen bayerischen Behörden als „Ausdruck der geschichtlichen und kulturellen Prägung“ des Freistaats hängen sollen, angesichts dieser Kreuze, die Zeugen sind für die jesuanische Botschaft von der Liebe Gottes für die Menschen wäre es für mich ein Hohn, wenn die Äbtissin verurteilt werden sollte.

 

Vernetzen wir uns im Gebet

Sigrid Grabmeier

 

Bild: Relief der Abtei Maria Frieden mit der Gründerin Mutter Edeltraut Danner

 

 Weitere Informationen: 

infranken.de: Mutige Mutter Mechthild

katholisch.de: Warum Mutter Mechthild kein Staatsfeind ist

Süddeutsche Zeitung: Mutter Mechthilds Mission