KirchenVolksBewegung Wir sind Kirche - Sonntagsbriefe

Sonntagsbrief zum 17. Sonntag im Jahreskreis, 26. Juli 2020

Der Schatz eines hörenden Ohres

Nasenschild

Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Schatz, der in einem Acker vergraben war. Ein Mann entdeckte ihn, grub ihn aber wieder ein. Und in seiner Freude verkaufte er alles, was er besaß, und kaufte den Acker. Auch ist es mit dem Himmelreich wie mit einem Kaufmann, der schöne Perlen suchte. Als er eine besonders wertvolle Perle fand, verkaufte er alles, was er besaß, und kaufte sie. 

Mt 13,44 Einheitsübersetzung

 

Der Schatz eines hörenden Ohres

„Was gefällt ihnen an der Kirche?“, wird ein Journalist gefragt. Antwort: „Dass sie einen großartigen Schatz verwalten darf!“ „Und was nicht?“ Antwort: „Dass sie ihn nicht hebt!“ 

 

Wie lässt sich der sensationelle Gedanke vom Himmelreich als dem wertvollsten Schatz, den es zu gewinnen gibt, in die Köpfe der kirchlichen Hierarchen operieren? Jeder, der es ehrlich und gut im Sinne Jesu mit der Kirche meint, sehnt sich nach Einsicht der Verantwortlichen, den himmlischen Schatz zu erkennen, ihn mit allen Getauften zu heben und zu leben. Den Schatz, den Jesus doch uns allen versprochen hat, damit wir ihn für die Menschheit fruchtbar werden lassen. „Schaut, wie sie einander lieben!“ und an anderer Stelle heißt es, „sie hatten alles gemeinsam!“ Das ist es, was mit dem Himmelreich vergleichbar ist.

Ob die Kleriker die Not nicht spüren, den Schatz immer noch nicht heben zu können?

 

Der Reichtum des Himmels, abgebildet in der Liebe zu den Menschen, bleibt Stachel für die Mächtigen, Besitzenden und Geldgierigen dieser Welt, die sich auch und besonders in der Kirche heimisch fühlen.

 

Die Errungenschaften der Französischen Revolution - Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit und die Gewaltenteilung - machten nach Jahrhunderten der Alleinherrschaft von Kaiser- und Königshäusern den Garaus. Auf einmal war ein menschliches Miteinander möglich, ohne vor dem Herrscher in die Knie zu gehen. Judikative, Exekutive und Legislative sollten künftig für gegenseitige Kontrolle sorgen und Rechenschaft vor dem Volk fordern. 

 

Die Kirche hat diesen Schritt bis heute nicht mit vollzogen. Nach wie vor sehen Bischöfe, wie die Monarchen damals, ihr Amt mit umfassenden Vollmachten ausgestattet. Dem „gemeinen Volk“ wird die Mitarbeit in der Gemeindeleitung verwehrt.  

 

Entschiede man sich in Rom endlich für das System der Gewaltenteilung, käme man Jesu Gleichnis, der laut Matthäus das Himmelreich mit einem unbezahlbaren Schatz gleichsetzt, automatisch näher.

 

Dann fiele nämlich die gar nicht jesuanische, jahrhundertelang erprobte Methode weg: „Wie halte ich möglichst lange die Fäden meiner Macht und damit die Untertanen in der Hand?“ Dann fürchteten die Kleriker nicht mehr die Freude der Christen, ihre Sehnsucht nach Gemeinsamkeit, die alles verwandelnde Liebe, das miteinander Diskutieren, den alles befriedenden Schatz Gottes – denn dann würden auch sie an dem Glück gemeinsamen Hinschauens auf das Himmelreich teilhaben.

 

Der weise König Salomo hatte erkannt, was er als König und Herrscher braucht: nicht Reichtum, nicht Gold, nicht Macht über Menschen, sondern ein Herz, das hören kann, um sein Volk nach der Weisung Gottes führen zu können. 

 

Möge den Bischöfen Salomos weiser Gedanke kommen, Gott nur um den Schatz eines hörenden Herzens zu bitten!

 

G. Mollberg

Bild: Nasenschild