KirchenVolksBewegung Wir sind Kirche - Sonntagsbriefe

Sonntagsbrief zum 1. Sonntag in der Fastenzeit, 21. Februar 2021

Kehrt um zum Leben!

Kreuz-Christus © Cristy Orzechowski

 

Sofort trieb die Geistkraft ihn in die Wüste hinaus. In der Wüste blieb er 40 Tage lang. In dieser Zeit wurde er vom Satan auf die Probe gestellt.

Er lebte mit den wilden Tieren, und die Engel sorgten umfassend für ihn.
Nachdem Johannes ins Gefängnis gesperrt worden war, ging Jesus nach Galiläa, um das Evangelium, die frohe Botschaft Gottes zu verkünden. 

Er sagte: „Der Augenblick ist gekommen, die Zeit erfüllt. Die Gottesherrschaft ist nahe gekommen! Kehrt zum Leben um und vertraut dem Evangelium!“

Mk 1,12-15 Bibel in gerechter Sprache 

 

 

Kehrt um zum Leben!

Es lohnt sich, den gesamten heutigen Schriftbogen zum Markus Evgl. hinzuzuordnen:

 

Den Regenbogen, das Geschehen rund um die Arche, zur Arten-Erhaltung Gen 9,8-15 

Und hiermit gehe ich meine Bundesverpflichtung euch gegenüber ein: Nicht noch einmal soll alles Fleisch von den Wassern der Himmelsflut vernichtet werden, nicht noch einmal soll die Flut kommen, die Erde zu verderben.“ Und Gott sagte: „Darin besteht das Zeichen der Bundesverpflichtung, die ich festlege zwischen mir und euch und allen lebendigen Wesen, die bei euch sind, auf ewige Zeiten: Meinen Bogen setze ich in die Wolken. Der soll das Zeichen der Bundesverpflichtung sein zwischen mir und der Erde“.

Gen 9,11-13 Bibel in gerechter Sprache

Das Aufmerksam-Machen aufs rettende Zeichen der Taufe bei Petrus. 1Petr 3,18-22 

Dieses Tauf-Wasser ist ein Gegenbild zum Wasser der Sintflut…. Jetzt rettet euch das Wasser, nämlich die Taufe.Sie bedeutet nicht, dass der Schmutz des irdischen Lebens abgewaschen wird, sondern ihre Bedeutung ist es, Gott um ein gutes Gewissen und um Hoffnung zu bitten. Das wird euch durch die Auferstehung Jesu Christi möglich.“ 1Petr,21-22  Bibel in gerechter Sprache 

 

In der Text-Knappheit bei Markus, ausführlich bei Lukas 4, 1-13, geschieht die Ansage des Evangeliums. Nach 40 Tagen in der Geistgegenwart und Wüsten-Einkehr. Sehr eindrücklich das geschilderte vorangegangene, freiwillige gefährliche Dasein unter wilden Tieren, sogar Satans-Versuchungen:- Einflüsterungen eines leichteren Weges…voller Logik vorgetragen---glaubhaft geMACHT..

Das erinnert fatal an unsere eigenen Wüstenbegehungen, welche die Sintflut erzeugen: Tsunamis… Pandemien…, Klima-Katastrophe…, Artensterben…; wir kennen all diese Namen der „Sintflut“ – Gelangen wir zu diesen wunderbaren Engels-Begegnungen, die uns versorgen mit neuen Nachrichten, verwandelten Überzeugungen u. Lebensmodellen…? – Jesus kommt aus seiner selbst gewählten Wüste, als Vorbereitung zu seinem öffentlichen Dienst, nicht als jemand zurück, dem die Selbstverwirklichung in dieser Auszeit ein Anliegen wäre sondern dem die Welt am Herzen liegt, die sich in Geborgenheit im Bund mit Gott wieder zu orten hat; unter dem vielfarbigen Zeichen, unter dem Bogen der Liebe, der Brücke zwischen Gott und den Menschen! 

Der Regenbogen, das Nachhinein welches der Katastrophe folgt: ein tröstliches Bild, ein mythisches Bild; das Bild einer „Romanze“ zwischen IHR, dem zärtlichen Gottesgeist und uns. – Und so spritzt u. explodiert es nur so aus Jesus heraus: 

„ Der Augenblick ist gekommen, die Zeit erfüllt -Leute worauf wartet Ihr noch? …immer noch auf die Ankunft des Messias..?-- Macht Ernst mit der greifbaren Nähe des Reiches Gottes…, der Gottes-Herrschaft!“  - Ein Wort, das uns sozusagen ´zum Hals raushängt`,weil es zu oft, über Jahrhunderte lang, für Macht und Zwang stand…

 

Bei Markus steht es für den Anbruch einer neuen Zeit, die uns aufruft, Propheten zu sein, wenn auch dieses Amt oft in die Verließe der Welt führt. Jesus geht zeitgleich mit Johannes Gefängnisaufenthalt in die Wüste… u. bereitet sich für eben diesen Johannitischen Weg vor. Seine Wüsten-Erfahrung bündelt er im Aufruf: 

 

KEHRT ZUM LEBEN UM und VERTRAUT DEM EVANGELIUM!«

In diesen Zusammenhangsbogen stelle ich meine nun folgenden Texte; damit spreche ich mich als Erste an…und alle Menschen, die wir uns in der Jesu-Nachfolge begegnen.

KEHRT UM ZUM LEBEN

Ein Fasten unter diesem Aufruf kann uns weiterbringen:

  • Ein Fasten des Hinnehmens von Zuständen der Lebensvernichtung

  • Ein Fasten von unseren Gleichgültigkeiten und Unsensibilitäten ála: „Ich kann nicht über jeden Toten trauern…; wir können nicht alle Flüchtlinge aufnehmen…In Corona sind wir alle gleich..., im selben Boot“ --…u. wie die >Beruhigungspillen< alle heißen…etc…etc… 

  • Priorität hat das Fasten von unserem Nichtvertrauen ins Evangelium. - Auch da stelle ich mich in vorderste Linie: Mir fehlt leider immer wieder das Vertrauen ins Evangelium, obwohl ich auch schon den sorgenden Engeln in den Unbilden meines Lebens begegnet bin - doch ich falle wiederholter Weise zurück in die mich selbst deprimierenden Zweifel.--

 

Im wege stehen

 

I. die lieblichen,
in die landschaft
eingeschobenen kreuze
wollen wir versetzen,
auf dass sie uns
im wege stehn,

statt als verzierung
unseren weg zu säumen,
werden sie uns dann
anstößig neu verkünden:
IHM
nach-und nach-zu-folgen.

 

II. Hermano*, Jesus 
wenn nicht Du
uns unterbrichst,
werden wir uns nimmermehr
stören lassen.

wenn Du nicht
dazwischenfährst,

wird sich bei uns
so schnell nichts
mehr bewegen.

mach uns bereit,
kreuzwege wieder zu gehen,
statt sie Dir 
in unseren kirchen,

den kühlen kopf bewahrend,
aus büchern vorzulesen . . .

dann könnten wir
vielleicht auch wieder

 

weitermachen als
unser eigener
atem reicht.

IIII. im wege stehn
wollen wir
den allzu zufriedenen

im wege stehn
den schändern
der menschheit

im wege stehn
den sich am leben vergreifenden

dank sei Dir
für die menschen,
die sich querlegten
und deshalb
umgelegt wurden.

im wege stehn
damit es nicht länger aufwärts geht
mit unserem einsam-starken 

Wirtschaftswunder—

WOHLFAHRTS-system---

im wege stehn
auf dass unsere kirche
wieder jemanden reizt—und beWEGT

im wege stehn
damit wir nicht länger
um IHN herumkommen 

 

 

 

Was uns momentan die Coronakrise wie ein Brennglas aufzeigt, ist die friedlose krasse Spaltung unserer Welt. Die Umkehr zum Leben weist auf das Ziel Frieden hin: mit Gott, dem Kosmos, mit uns selbst u. unseren Mitmenschen. In diesem Sinne wünsche ich uns allen eine Gute Fasten-Zeit, mit neuer Ausgestaltung unserer Nachfolge Jesu! 

der solidarische Christus

 

nicht nur
steht ER
als verzierung
400-kreuzig
auf ihren gräbern

ER weint auch
mit den herzen
der gewerkschaftler
auf deren kopf
die todesschwadrone
die dornenkrone
der jagdprämie setzten

ER
entzieht sich
energisch
dem sicheren
tabernakelplätzchen

stattdessen
kommt ER
auf beiden
füßen daher

in der
arbeitskolonne

ER wischt sich
den schweiß
von der stirne
hustet den
staub aus

 

ER steht mitten
unter ihnen
und läßt sich
den hunger
auszahlen.

reckt die stirn
in den himmel,
um mit uns
zu bekräftigen:

"auf eurer seite
hermanos*
für brot und leben
hier auf erden."

*Schwestern u. Brüder 

 

© Texte Cristy Orzechowski, Seine kleine Gegenwart S.152. /S.118 –

Foto: Cristy O. Serie: NKK= >naturkannkunst<