Tochter Zion
Als Jesus hörte, dass man Johannes den Täufer gefangen genommen hatte, zog er sich nach Galiläa zurück. Er blieb aber nicht in Nazareth, sondern wohnte von da an in Kapernaum am See Genezareth, im Gebiet von Sebulon und Naftali. Das geschah, damit sich erfüllte, was Gott durch den Propheten Jesaja angekündigt hatte: »Das Land Sebulon und Naftali, das Land am See und jenseits des Jordan, das Galiläa der heidnischen Völker, das Volk, das in der Finsternis wohnt, sieht ein großes Licht. Hell strahlt es auf über denen, die im Schatten des Todes leben und ohne Hoffnung sind.« Von da an begann Jesus zu predigen: »Kehrt um zu Gott! Denn Gottes himmlisches Reich ist nahe.«
Als Jesus am See Genezareth entlangging, sah er dort zwei Männer: Simon, der später Petrus genannt wurde, und dessen Bruder Andreas. Sie waren Fischer und warfen gerade ihre Netze aus. Da forderte Jesus sie auf: »Kommt, folgt mir nach! Ich werde euch zu Menschen machen, die andere für Gott gewinnen.« Sofort ließen die beiden Männer ihre Netze liegen und gingen mit ihm. Nicht weit davon entfernt begegnete Jesus zwei anderen Fischern, den Brüdern Jakobus und Johannes. Sie waren mit ihrem Vater Zebedäus im Boot und brachten ihre Netze in Ordnung. Auch sie forderte Jesus auf, ihm nachzufolgen. Ohne zu zögern, verließen sie das Boot und ihren Vater und gingen mit Jesus.
Jesus zog durch Galiläa, lehrte in den Synagogen und verkündete überall die rettende Botschaft, dass Gottes Reich nun begonnen hatte.
Mt 4,12-23, Hoffnung für alle
Tochter Zion
Dritter Sonntag im Jahreskreis, 25. Januar – genau einen Monat nach Weihnachten! Ein Kollege von mir schickt einen seiner beliebten Service-Tweets: „In elf Monaten ist Weihnachten, habt Ihr schon alle Geschenke?“ Und ich erinnere mich an den Mailwechsel in der Sonntagsbriefe-Redaktion, wie lange denn die Weihnachtszeit geht – und wer von uns in diesem einen Punkt vorkonziliar ist und Weihnachten bis Mariä Lichtmess gehen lässt, obwohl die Weihnachtszeit seit der Liturgiereform offiziell mit dem Fest Taufe des Herrn als 1. Sonntag im Jahreskreis endet.
Ich gestehe: meine Krippe steht noch, darüber der Engel mit dem Spruchband „Friede auf Erden bei allen Menschen seiner Gnade“. Gerne lasse ich die Erinnerungen an diese besondere Zeit nachklingen, obwohl ich wieder tief im Alltag angekommen bin. Und ich summe in Gedanken nochmal: Tochter Zion, freue Dich! Ja, er kommt, der Friedefürst. Künde nun Dein ewig Reich, Du des ewgen Vaters Kind.
Was wir an den Weihnachtstagen mögen, was wir an Weihnachten feiern, das muss sich später im Alltag bewahrheiten. So ist es auch im heutigen Evangelium: Jesus kündet nun sein ewig Reich – gleich zwei Mal. Zuerst predigt er »Kehrt um zu Gott! Denn Gottes himmlisches Reich ist nahe.« Und später verkündet er überall, dass Gottes Reich nun begonnen hat.
Dazwischen spricht er Menschen an, die mit ihm an der Sache Gottes arbeiten sollen. Er holt sie sich aus den selbständigen Fischern am See, also sozusagen aus der Mittelschicht. In anderen Übersetzungen heisst es an dieser Stelle „Ich werde Euch zu Menschenfischern machen“. Ich mag diese Variante: Menschen, „die andere für Gott gewinnen“. Wir – die wir uns wie die Fischer angesprochen fühlen – sollen nicht im Trüben fischen, wir sollen für Gott und für andere ein Gewinn sein. Was das konkreter heisst, erfahren wir von Jesaja: wir sollen Licht sein „über denen, die im Schatten des Todes leben und ohne Hoffnung sind.“
Wenn wir das schaffen – wenn wir das auch nur versuchen – dann hat Gottes Reich begonnen. Dann ist es ein bisschen wie Weihnachten, nur ohne Ochs und Esel, Hirten und Dreikönige. Es ist in diesen geopolitischen Zeiten schwierig, vom Frieden zu reden, aber wenn wir einander für Gott gewinnen, kann die Welt vielleicht in Kleinen ein bisschen friedlicher sein. Der Friedefürst, des ewgen Vaters Kind, kommt eben nicht von oben herab (fast möchte ich schreiben: leider), sondern nur dadurch, dass wir eine Haltung des Friedens einnehmen: Licht sind, Schatten vertreiben, Hoffnung und Freude geben.
In diesem Sinne wünsche ich allen einen gesegneten Sonntag – und mit dem Engel Frieden auf Erden bei den Menschen seiner Gnade!
Tobias Grimbacher
Herzliche Einladung zu unseren Online-Veranstaltungen, Wir sind Kirche Andachten und Gespräche am Jakobsbrunnen, die wir wieder jeweils dienstags um 19:00 Uhr anbieten.
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Dienstag, 27. Januar 2026
mit Prof'in Dr. Sabine Bieberstein: „Synodalität in den ersten Gemeinden. Impulse von damals für heute“
Dienstag, 3. Februar 2026
Interaktive Online-Andacht
mit Sr. Dr. Beate Glania: „(Psychiatrie)Seelsorge mit Menschen ohne Religion“
Dienstag, 17. Februar 2026
mit Pfarrer Max Stetter: „Base Ecclesial Community, Small Christian Community und Erfahrung von Synodalität“
Dienstag, 24. Februar 2026
mit Prof. Bernhard Anuth: „Der Synodale Weg (2019-2026): Eine Bilanz aus kanonistischer Sicht“