Abram oder Abraham? Simon oder Petrus?
Der HERR sprach zu Abram: Geh fort aus deinem Land, aus deiner Verwandtschaft und aus deinem Vaterhaus in das Land, das ich dir zeigen werde! Ich werde dich zu einem großen Volk machen, dich segnen und deinen Namen groß machen. Ein Segen sollst du sein. Ich werde segnen, die dich segnen; wer dich verwünscht, den werde ich verfluchen. Durch dich sollen alle Sippen der Erde Segen erlangen. Da ging Abram, wie der HERR ihm gesagt hatte.
Gen 12,1-4a Einheitsübersetzung
Abram oder Abraham?
Simon oder Petrus?
Das hat was von Taufe, wer hier tauft ist GOTT selbst. Eine Neugeburt! Diese Neugeburt hat zwei Akteure: da der Mensch in einem vermeintlichen Sicherheitsnetz aus Elternhaus und Verwandtschaft, aus stabilem Material und ordnenden Traditionen. Und da tritt plötzlich GOTT in Dein Leben und fordert Dich auf, alle Sicherheiten zu verlassen und auf GOTTES Geheiss hin Dich in absolute Unsicherheit, ins Unbekannte, aufzumachen.
Als ich in Hünfeld bei Fulda 1987 mein Noviziat ableistete, tagte in unserem Kloster der Genaralobere mit allen leitenden Vertretern meines Missionsordens (OMI) aus vielen Ländern dieser Erde. Während eines Gottesdienstes durfte ich mit Gitarre ein Lied vortragen, dass ich eigens für diesen Anlass selbst geschrieben habe. Mein Lied machte präsent, was in Matthäus 14,28-31erzählt wird. Ich kriege es nicht mehr ganz zusammen. Die erste Strophe war:
An den Bootsrand den schwankenden geklammert,
starre ich in schäumende Wut!
Durch den Wind peitscht es mir in die Ohren:
lass los und fass wieder Mut!
Dann der Refrain:
Und ich öffne meine Augen und wage
den ersten Schritt in den Sturm!
Ich atme auf und wage,
einen Schritt in die Fluten zu tun!
Die zweite und dritte Strophe erinnere ich nicht mehr.
Dieses Lied erzählt von Petrus, der auf das Wort von Jesus hin das Unmögliche wagt. So war es schon bei der ersten Begegnung zwischen Petrus und Jesus:
„Wir haben uns schon die ganze Nacht vergeblich abgemüht, aber wenn Du es sagst!“ Und er warf noch einmal die Netze aus. (vgl. Lk 5,5)
Wegen dieses Mutes, der sich auf keinerlei Sicherheit berufen kann, sondern allein aus Glauben und Vertrauen sprudelt, machte aus dem ängstlichen Simon den mutigen Petrus. Petra ist das griechische Wort für Fels, genau davon leitet sich der Name ab, den Jesus dem Simon gab, nämlich Petrus. (Anm: die gängigsten Übersetzungen für "Fels" im Griechischen sind vráchos (männlich) für Felsen/Klippe und pétra (weiblich) für Fels/Stein. Im antiken Griechisch bezeichnete pétra eher die Felsmasse und pétros, lat. Petrus, ein Felsstück)
Das Fels sein des Petrus darf nicht verwechselt werden mit sicheren Planken, an die man sich klammern kann, als sicheren Fels, der niemals wankt. Den Namen Petrus gab ihm Jesus weil er mutig war, die sicheren Planken loszulassen und allein aus Vertrauen auf GOTTES Wort hin ins Unbekannte aufzubrechen.
Genau dieser Mut, den Schritt ins Unbekannte zu wagen, macht Simon zum Kind Abrahams, denn derselbe Mut machte aus Abram den Stammvater Abraham. Wohin die Reise geht ist für Abram damals nicht ersichtlich. Er ahnt kaum, worauf er sich einlässt. Er ist ein Greis damals von 75 Jahren. Und doch macht er sich auf in ein Land, das GOTT ihm erst unterwegs zeigen wird.
Ich will aktuell werden und zwei bekennende Katholiken zitieren:
Zuerst Marco Rubio, der einmal demonstrativ während eines Interviews ein Aschenkreuz auf der Stirn trug. Das folgende Statement ist allerdings von der Münchener Sicherheitskonferenz 2026: Rubio hat in seiner Ansprache in leuchtenden Farben das Bild zweier Kontinente (Europa und Amerika) gezeichnet, die seit Jahrhunderten durch eine gemeinsame Geschichte, eine gemeinsame Kultur, einen gemeinsamen Glauben und gemeinsame Vorfahren verbunden sind.
Als zweites zitiere ich Friedrich Merz auf dem CDU Parteitag vom 20.02.2026 in Stuttgart:
„Denn in Zeiten des Umbruchs sehnen sich die Menschen nach Sicherheit und Ordnung!“
Sprechen da zwei bekennende Glieder der sogenannten Petrus-Kirche, der Kirche, die auf Petrus als Fels gegründet ist, oder sind sie eher Glieder der ängstlichen Simon-Kirche, die sich an scheinbar sichere Planken klammert? Sind die Vorfahren, von denen Rubio spricht, Kinder Abrahams oder knüpft er an an ein Sicherheitsnetz aus Elternhaus und Verwandtschaft, aus stabilem Material und ordnenden Traditionen?
Verwandtschaft, die sich auf Abraham als Urvater stützt, muss sich auf den Geist stützen, der Abram zu Abraham macht. Genauso muss sich doch ein Katholik auf den Geist stützen, der aus Simon den Petrus macht.
Ein Beispiel zur Unterscheidung dieser Geister: Die lateinische Übersetzung des ersten Buches der Bibel, Genesis, Kapitel 1, war doch so eindeutig: „Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau.“(Genesis 1,27 nach Luther) Das schafft doch Halt und Orientierung, hat Traditionen begründet, hat sichere Planken beschert. So weiß man genau, wer dazu gehört und wer nicht, wer Mensch ist nach dem Bilde GOTTES und wer eben nicht. Doch ist das die Simon-Kirche oder ist es die Petrus-Kirche?
Heute weiß man, dass die bessere Übersetzung des hebräischen Originals wäre: „männlich und weiblich schuf“ GOTT den Menschen nach GOTTES Bild. Was nun?
Ein Demonstrant auf einer Querdenkerdemo wünschte sich neulich in eine Kamera biblische und christliche Werte ohne „Woke-Filter“, wie er es nannte.
Juden, Christen und Muslime sind abrahamitsche Religionen. Abrahmas Glaubenskraft und Mut sollen die uns verbindende Stärke sein.
Abram und Simon oder Abraham und Petrus. Wer sollen unsere wahren Verwandten als GOTT-Gläubige sein?
Nachfolge ist nicht klammern an scheinbar sichere Planken, Nachfolge beweist sich im Mut, Unsicherheiten an sich heran zu lassen aus purem Vertrauen auf GOTTES Weisung sogar ins Unbekannte und Neue!
Ich wünsche einen Sonntag mit dem Mut, nicht Hütten bauen zu wollen und sesshaft zu werden, sondern sich auf den Weg zu machen wie es Abraham einst vormachte. (s. heutiges Evangelium Mt 17,1-9)
Alles Liebe
Johannes Brinkmann / Essen
Herzliche Einladung zu unseren Online-Veranstaltungen, Wir sind Kirche Andachten und Gespräche am Jakobsbrunnen, die wir wieder jeweils dienstags um 19:00 Uhr anbieten.
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Dienstag, 3. März 2026
interakitve Online-Andacht: Dein Wille geschehe. Ein Kreuzweg in 16 Stationen von Andreas Sobeck
Dienstag, 10. März 2026
mit Prof. Dr. Klaus Bieberstein zur Entwicklung des Gottesbildes
Dienstag, 17. März 2026
mit Laurin Ernst, Referent für Kirchenpolitik & Theologische Grundsatzfragen beim BDKJ
Dienstag, 24. März 2026
mit Bilgehan Asena Ayvaz: „Feminismus im Islam und im Christentum: eine Chance für eine interreligiöse Verständigung der besonderen Art?“
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