Bibeltreue
Der Herr sagte zu Mose und Aaron, als sie in Ägypten waren: „Der jetzige Monat soll für euch der erste Monat sein. Mit diesem Monat soll bei euch das Jahr beginnen. Sagt der ganzen Gemeinde Israels: Am zehnten Tag dieses Monats soll jeder Familienvater ein Lamm nehmen, je ein Lamm für jedes Haus. Wenn eine Familie für ein Lamm zu klein ist, soll sie sich mit anderen zusammentun. Sie soll es mit dem Nachbarn teilen, der dem eigenen Haus am nächsten wohnt. Es sollen so viele Leute sein, dass sie das Lamm ganz aufessen können. Ein männliches Tier muss es sein, das ein Jahr alt und makellos ist. Von den Schafen oder Ziegen sollt ihr es nehmen. Bis zum 14. Tag dieses Monats sollt ihr es von der Herde getrennt halten. Dann soll die ganze Versammlung Israels ihre Lämmer in der Abenddämmerung schlachten. Von dem Blut sollen sie etwas nehmen. Sie sollen es an den Türrahmen des Hauses streichen, in dem sie das Lamm essen werden. Noch in derselben Nacht sollen sie das Fleisch essen. Es soll am Feuer gebraten sein und zu ungesäuertem Brot und bitteren Kräutern gegessen werden.
Und so sollt ihr es essen: den Gürtel schon um die Hüften, die Schuhe an den Füßen, den Stab in der Hand. Esst es in Eile! Es ist das Passa, das für den Herrn gefeiert wird! In dieser Nacht werde ich durch Ägypten schreiten. Alle Erstgeborenen im Land werde ich erschlagen bei Mensch und Vieh. Über alle Götter Ägyptens werde ich Gericht halten, ich, der Herr. Das Blut an den Häusern, in denen ihr seid, soll euer Schutzzeichen sein. Wo ich das Blut sehe, werde ich vorübergehen. Wenn ich das Land Ägypten schlage, soll keine Plage euch treffen und Verderben bringen. Diesen Tag sollt ihr als Gedenktag halten. Feiert ihn als Fest für den Herrn, als Brauch für immer, von Generation zu Generation.“
2 Mose/ Exodus 12,1-8,11-14 Einheitsübersetzung
Bibeltreue
Wofür steht eigentlich das Wort Armageddon in der Bibel wirklich?
Der Begriff taucht in der gesamten Bibel nur ein einziges Mal auf, und zwar in der Offenbarung des Johannes 16,16. Er steht für das Ende der menschlichen Herrschaft und den Sieg Gottes. Der Begriff steht für das finale Gericht und wird oft als Synonym für einen katastrophalen Weltuntergang verwendet, meint biblisch aber das Ende der Gott-feindlichen Weltordnung.
Kleiner Exkurs:
Dies glaubt dem selbsternannte „Kriegsminister“ Hegseth zufolge die Donald Trump Regierung zum Iran-Krieg: Es ist kein irdischer Krieg im Nahen Osten, sondern eine globale, endzeitliche Konfrontation. Jesus Christus führt die himmlischen Heere gegen die Feinde Gottes. Militärkommandeure beschreiben die Iranoffensive Berichten zufolge wie einen christlichen Kreuzzug – unter Verteidigungsminister Pete Hegseth. Auch US-Soldaten klagen über die ihnen erzählte Kriegsbegründung: Trump ist „von Jesus gesalbt“? Ein Kommandeur einer Kampfeinheit erklärte demnach seinen Unteroffizieren am Montag, der Iran-Krieg sei Teil von Gottes Plan. „Präsident Trump wurde von Jesus gesalbt, um das Signalfeuer im Iran zu entzünden, um Armageddon zu verursachen und seine Rückkehr zur Erde zu markieren“, zitiert Journalist Jonathan Larsen aus der Beschwerde eines Unteroffiziers.
Bibeltreue glauben, die Zeit für Armageddon sei nun gekommen. Zugleich glauben Bibeltreue, dass die Bibel selbst göttlich sei und von daher keine Widersprüche aufweisen kann. Deshalb nutze ich diesen Gründonnerstags Sonntagsbrief dazu, einen ziemlich gravierenden Widerspruch sichtbar zu machen.
Johannes betont, dass die Kreuzigung am Tag vor dem Hauptpassafest stattfand, am 14. Nisan im jüdischen Kalender, während die synoptischen Evangelien den Tod am Passafest selbst platzieren, also am 15. Nisan. Er starb laut Johannes gegen 15 Uhr, bevor der Sabbat begann. Wenn die Bibel sich nie widerspräche, müsste ja beides gleichermaßen richtig sein. Was nun?
Das Problem besteht in der Beziehung des Passafestes zur Kreuzigung Jesu. Wurde Jesus am Nachmittag vor oder am Nachmittag nach dem Passamahl gekreuzigt? Im ersteren Fall wäre er am 14. Nisan ans Kreuz genagelt worden, genau zu der Zeit, als im Tempel die Passalämmer geschlachtet wurden. Im letzteren Fall wäre er erst am 15. Nisan gekreuzigt worden.
Damit hängt die Frage zusammen, ob das Mahl, das Jesus mit seinen Jüngern vor seinem Tod gehalten hat, ein Passamahl oder ein anderes Mahl war. Nach der synoptischen Darstellung scheint es ein Passahmahl gewesen zu sein, nach der Chronologie des Johannes wäre dies nicht möglich, da das Mahl einen Tag früher stattgefunden hätte. Dann wäre das sogenannte Herrenmahl als wöchentliches Kiddusch-Mahl (Reinigungsmahl für den Sabbat), als Passa-Kiddusch-Mahl, als vorverlegtes Passamahl ohne Passalamm oder als Haburoth-Mahl (religiöses Gemeinschaftsmahl) anzusehen.
Damit steht zugleich die Frage im Raum, ob Jesus wirklich an einem Sonntag auferstanden ist, denn es soll ja am dritten Tag nach der Kreuzigung stattgefunden haben. Ohje, ein verantwortungsvoller Umgang mit der Bibel ist keine leichte Aufgabe. Eben, weil die Bibel sich doch immer wieder widerspricht!
Ich wünsche inspirierende Gedenk- und Feiertage. Wir feiern in Österreich und Deutschland gemäß der römischen Oster-Traditionen. Das Herrenmahl solle nach römischer Tradition als das neue Passamahl verstanden werden, Jesus löse somit als das wahre Osterlamm das alttestamentliche Passalamm ab. Für mich sind die Unterschiede vor allem theologisch begründet und können uns helfen, verschiedene theologische Auffassungen friedlich nebeneinander stehen zu lassen und die eigene gewohnte Tradition nicht allzu verbissen zu sehen oder gar rechthaberisch gegeneinander zu stehen.
Johannes Brinkmann / Essen