KirchenVolksBewegung Wir sind Kirche - Sonntagsbriefe

Sonntagsbrief zum Ostersonntag 4. April 2021

Halt mich nicht fest!

Ostern 2020: Die Schöpfung in 7 Eiern; Sigrid Grabmeier

 

Am ersten Tag nach dem Sabbat kam Maria aus Magdala früh, als es noch dunkel war, zum Grab und sah, dass der Stein vom Grab weggenommen war. Da lief sie los und kam zu Simon Petrus und dem anderen Jünger, dem, den Jesus liebte. Sie sagte zu ihnen: »Sie haben den Rabbi aus dem Grab weggenommen und wir wissen nicht, wo sie ihn hingebracht haben.« Da gingen Petrus und der andere Jünger los und kamen zum Grab. Die beiden liefen zusammen, aber der andere Jünger lief schneller als Petrus und kam zuerst zum Grab. Er bückte sich und sah die Tücher daliegen, aber er ging nicht hinein. Simon Petrus, der ihm folgte, kam auch, ging in das Grab hinein und sah die Tücher daliegen, aber das Tuch, das seinen Kopf bedeckt hatte, lag nicht bei den anderen Tüchern, sondern zusammengefaltet für sich an einem eigenen Ort. Dann ging auch der andere Jünger, der zuerst zum Grab gekommen war, hinein und er sah und glaubte. Allerdings wussten sie noch nicht aus der Schrift, dass er von den Toten auferstehen musste. Die beiden Jünger gingen wieder zu sich.

 

Maria aber stand draußen vor dem Grab und weinte. Als sie weinte, beugte sie sich in das Grab hinein und sah zwei Engel in weißen Kleidern dasitzen, einer am Kopf und einer an den Füßen, wo der Körper Jesu gelegen hatte. Sie sagten zu ihr: „Frau, warum weinst du?“ Sie sagte zu ihnen: „Sie haben meinen Rabbi fortgenommen, und ich weißnicht, wo sie ihn hingebracht haben.“ Als sie dies gesagt hatte, drehte sie sich um und sah Jesus dastehen, aber sie wusste nicht, dass es Jesus war. Jesus sagte zu ihr: „Frau, warum weinst du? Wen suchst du?“ Sie dachte, dass er der Gärtner wäre, und sagte zu ihm: „Herr, wenn du ihn weggetragen hast, sage mir, wo du ihn hingebracht hast, und ich werde ihn holen.“ Jesus sagte zu ihr: „Maria!“ Sie wandte sich um und sagte zu ihm auf Hebräisch: „Rabbuni!“ – das heißt Lehrer. Jesus sagte zu ihr: „Halte mich nicht fest, denn ich bin noch nicht zu Gott, meinem Ursprung, aufgestiegen. Geh aber zu meinen Geschwistern und sage ihnen: Ich steige auf zu meinem Gott und eurem Gott, zu Gott, die mich und euch erwählt hat.“ Maria aus Magdala kam und verkündete den Jüngerinnen und Jüngern: „Ich habe Jesus den Lebendigen gesehen.“ Und dies hat er ihr gesagt.

 

 Joh.20, 1-18 Bibel in gerechter Sprache

 

Halt mich nicht fest!

 

Vor uns liegt das zweite Osterfest, das von der Coronapandemie überschattet ist. Aber in diesem Jahr liegt noch ein dunklerer Schatten über diesem Fest: die Krise, in die unsere Kirche geraten ist. Die Folgen sind massenhafte Kirchenaustritte, die Glaubwürdigkeit ist durch die Vorgänge in Köln noch mehr geschädigt und das Segnungsverbot für Homosexuelle hat das Fass zum Überlaufen gebracht: selbst Bischöfe kritisieren diese Entscheidung und Seelsorger verweigern Rom den Gehorsam. Die Kirchenspaltung ist nicht mehr zu übersehen. Ein Szenario, das man als  Katastrophe verstehen kann. 25 Jahre lang hat die KirchenVolksBewegung sich bemüht, diese zu verhindern. 

 

Und was nun? Wie soll es weitergehen? Fragen, die sich auch die Jesusgemeinschaft nach dem Kreuzestod Jesu gestellt hat. Die Jünger resignierten, fürchteten sich, verriegelten die Türen und waren ohne Hoffnung. 

Aber Eine überwand diese Lähmung, die Angst und machte sich auf, „als es noch dunkel war“. Ihre Liebe zu ihrem Freund Jesus war stärker als ihre Angst und so wurde sie zur ersten Zeugin der „Auferstehung“. Maria Magdalena war auch die Erste, die dem Auferstandenen begegnen durfte, nicht der „Fels“ Petrus, nicht der Lieblingsjünger Johannes. Diese Begegnung im Garten vor dem leeren Grab ist eine der schönsten Liebeszenen, die ich kenne. Mit welcher Zärtlichkeit spricht Jesus Maria Magdalena an! Wie verständlich ihre Reaktion, ihn zu berühren! Doch da holt Jesus sie in die Realität zurück: "Halt mich nicht fest!" Die gemeinsame Weggemeinschaft ist Vergangenheit. Beide begeben sich in eine neue Wirklichkeit: Jesus geht zu seinem Vater, Maria Magdalena wird zu den Aposteln als Verkünderin der Frohbotschaft der Auferstehung gesandt: Jesus ist nicht „weg“, ist nicht „tot“ , sondern bei uns, wenn wir seiner Botschaft folgen und sie verkünden. 

 

Das Ende ist ein neuer Anfang, das Gesetz des Lebens ist Bewegung, Veränderung, Wandlung, nicht Stagnation, Beharren, Festhalten an Erprobtem, Gewohntem, an sinnlos gewordenen Traditionen. Wer nur etwas festhält, hat keine Hand frei, um tätig zu sein, um dem Leben zu dienen. Im Loslassen werden Menschen frei. Ein stures Festhalten an Altem führt zu Erstarrung, zum „Tod“. Von Gustav Heinemann stammt das Wort: „Wer nichts verändern will. wird auch das verlieren, was er bewahren möchte.“

 

Ostern ist ein Fest der Hoffnung, der Veränderung, ein neuer Anfang. Könnte es das nicht auch für unsere Kirche sein? Und es gibt Hoffnungszeichen: dass es Wir sind Kirchenach 25 Jahren noch gibt, dass es Maria 2.0 gibt, dass es öffentlichen Widerstand gegen lebensfremde Verbote von Rom gibt, dass sich Christ_innen als Volk Gottes auf dem Weg empfinden, von dem Jesus sagt: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“. Darum feiern wir zu Ostern das Leben- trotz Corona und Kirchenkrise.

 

In diesem Sinne:  Ein gesegnetes, frohes Osterfest!

Eva- Maria Kiklas

 

Bild: Ostern 2020: Die Schöpfung in 7 Eiern; Sigrid Grabmeier 

OSTER-FEST-BRIEF

Wie im vergangenen Jahr hat Wir sind Kirche auch in diesem Jahr wieder einen Wir sind Kirche-Osterbrief erstellt, der das Leben Jesu in den Mittelpunkt stellt. Der Oster-Brief ist als Impuls für Zuhause, für Gespräche und Gottesdienste im coronabedingt kleinen Kreis (Hauskirche) wie auch zum Aushängen z.B. im Kirchenschaukasten oder Auslegen in den Kirchen geeignet.

 

Nächster online Jakobsbrunnen: Dienstag, 6. April 2021,19-20 Uhr (in deutscher Sprache)

Die „Gespräche am Jakobsbrunnen“ sind seit 1998 ein Markenzeichen von Wir sind Kircheauf Katholiken- und Kirchentagen. Da der Ökumenische Kirchentag in diesem Jahr aufgrund der Pandemie im Internet stattfinden wird, werden auch wir die "Gespräche am Jakobsbrunnen" digital gestalten und beginnen schon jetzt damit in gemeinsamer Verantwortung von Wir sind Kirche Deutschland und Österreich.

Unser Gast ist Colm Holmes, Irland, We are Church Irland + Sprecher Wir sind Kirche International .

Zugang  über diese Webseite