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Sonntagsbrief zum 18. Sonntag im Jahreskreis, 5. August 2018

Kehrt zum Leben um!

Wäschekorb © Tobias Grimbacher

Dies also sage und bezeuge ich bei Gott, dass ihr euer Leben nicht mehr wie die Menschen aus den Völkern führen sollt, die in der Begrenztheit ihres Denkens leben. Deren Verstand ist umnachtet, sie sind entfremdet vom Leben Gottes, weil Unwissenheit bei ihnen wohnt und ihre Herzen verhärtet sind. Mutlos haben sie sich selbst der Hemmungslosigkeit ausgeliefert zu jeder unreinen Betätigung in Geldgier.
Ihr aber habt den Christus so nicht kennen gelernt, wenigstens wenn ihr ihn gehört habt und in ihm gelehrt worden seid, wie es Wahrheit ist in Jesus. Ihr habt gelernt, den alten Menschen eures früheren Lebens, der entsprechend den betrügerischen Begierden zu Grunde geht, abzulegen, euch aber in der Geistkraft eures Denkens zu erneuern und den neuen Menschen anzuziehen, der Gott entsprechend geschaffen wurde in Gerechtigkeit und Heiligkeit der Wahrheit.

 Eph 4,17-24 Bibel in gerechter Sprache 

 

Kehrt zum Leben um!

Ja, wenn das mal so einfach wäre, meine Laster, Schwächen und Begierden abzulegen wie ein altes, dreckiges Hemd! Und: könnte ich dann wirklich das von der Geistkraft gewebte Hemd des „neuen Menschen“ anziehen, und alle meine Schwächen wären weg, für immer? Will ich das überhaupt? Auch meine Schwächen gehören doch zu mir, manche mag ich sogar.

Leider finde ich den Text, den mir die Schreiber und Übersetzer des Epheserbriefes heute vorlegen, ziemlich komplex und eher verworren. (Das gilt schon für den ersten Teil der heutigen Perikope: dass die „Menschen aus den Völkern“ von Gott entfremdet seien, widerspricht meiner Erfahrung und der Lehre des zweiten Vatikanums, und leider Gottes kenne ich auch genug geldgierige Menschen, die sich Christen nennen.) Wenn ich die Argumentation des Textes richtig verstehe, ist die Kernaussage: Jesus ist unser Christus. Also: der konkrete Mensch Jesus von Nazareth ist unser Retter und Vorbild. Wenn es je Einer geschafft hat, das lasterbehaftete menschliche Hemd abzustreifen und das Hemd göttlicher Gerechtigkeit und Heiligkeit überzuziehen, dann ja wohl Jesus (so sehr sogar, dass ihm das Göttliche zur zweiten Natur wird)! Wobei ich das auch nicht recht glaube. Jesus hat seine Botschaft, dass soziale und zwischenmenschliche Gerechtigkeit wirklich möglich ist, doch nicht einfach übergestülpt wie ein Hemd! Das ist doch kein Gewandt, das ist seine Haut, das mit Fleisch und Blut Jesus.

Im heutigen Evangelium sagt Jesus „Ich bin das Brot des Lebens“ (Joh 6,35a). Auch das finde ich so abstrakt, dass ich nicht viel damit anzufangen weiss (ausser natürlich der eucharistischen Bemerkung, die sich zum ceterum censeo der Sonntagsbriefe entwickelt hat: wenn Jesus selbst das Brot ist, wieso darf unsere Kirche dann dieses Brot manchen Christen vorenthalten, nur weil sie die falsche Konfession oder sexuelle Orientierung haben oder weil sie sich nach einer gescheiterten Beziehung auf einen neuen Menschen einlassen?!).

Mich überzeugt immer noch das am meisten, was Jesus ganz am Anfang seines Auftreten sagt: „Die Gottesherrschaft ist nahe gekommen! Kehrt zum Leben um und vertraut dem Evangelium!“ (Mk 1,15b). Das möchte ich gern tun: an der sozialen und zwischenmenschlichen Gerechtigkeit des Gottesreichs mitarbeiten. Immer neu umkehren (am Besten jeden Tag aufs Neue, auch wenn ich es manchmal vergesse), mit meinem ganzen Leben, mit Haut und Haaren, mitsamt meinen Schwächen und Begierden, und mich danach ausrichten, welche Botschaft wirklich froh macht (also Evangelium ist). Aber mein bisheriges Leben wie ein schmutziges Gewandt wegwerfen, egal um welcher Wahrheit willen, das kann und will ich nicht!

Allen, die mit mir umkehren wollen, wünsche ich einen frohen Sonntag!
Tobias Grimbacher

 

Foto: Wäschekorb©Tobias Grimbacher.