Sonntagsbrief zum 23. Sonntag im Jahreskreis, 10. September 2017

Friede ist immer in Gott

Meditationsbild Radmotiv

Gebt allen, was ihr ihnen schuldig seid: Steuern, wem ihr Steuern schuldet, Zoll, wem ihr Zoll schuldet, Respekt, wem ihr Respekt schuldet, Ehre, wem ihr Ehre schuldet. Bleibt niemandem etwas schuldig, ausser dass ihr einander liebt. Denn wer den andern liebt, hat das Gesetz erfüllt. Das Gebot nämlich: Du sollst nicht ehebrechen, du sollst nicht töten, du sollst nicht stehlen, du sollst nicht begehren, und was es sonst noch an Geboten gibt, wird in dem einen Wort zusammengefasst: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Die Liebe fügt dem Nächsten nichts Böses zu. Des Gesetzes Erfüllung also ist die Liebe.

Röm 13,7-10 (Zürcher Bibel)

 

Im letzten Sonntagsbrief habe ich über den schweizer Nationalheiligen Niklaus von Flüe erzählt – und eine Fortsetzung versprochen. Hier ist sie.

Niklaus von Flüe wird 1417, vor 600 Jahren, in Flüeli im Kanton Obwalden geboren. Er führt einem grossen Bauernhof, ist Richter und Politiker. Im Alter von 50 Jahren verlässt er Hof, Familie und Politik und zieht sich in die Ranft-Schlucht zurück. Dort lebt er in aller Einfachheit, dem Gebet verbunden: Bruder Klaus.

Sein Meditationsbild ist als Radmotiv bekannt. Wie die Speichen eines Rades gehen drei Strahlen von der Mitte aus, von Gott, um den sich unser Dasein dreht. Genauso gehen aber auch Strahlen von aussen, vom Rand der Welt, zur Mitte. Gott und Mensch, Schöpfung und Schöpfer, sie bedingen sich. Ob wir nun leben oder sterben, wir gehören dem Herrn, werden wir kommenden Sonntag in der Lesung hören (Röm 14,8). Das entspricht der Bitte des Gebets, das Bruder Klaus täglich gebetet haben soll:

Mein Herr und mein Gott
nimm alles von mir
was mich hindert von Dir
 
Mein Herr und mein Gott
gib alles mir
was mich führet zu Dir
 
Mein Herr und mein Gott
oh nimm mich mir
und gib mich ganz zu eigen Dir

 

In dieser Einigkeit mit Gott lebt Bruder Klaus, und bleibt in seiner Schlucht nicht allein. Viele suchen den Rat des Eremiten - einfache Menschen, die ihn schon als Richter und Politiker geschätzt haben, ebenso wie Fürsten aus Nah und Fern. Um mit den Worten der heutigen Lesung zu sprechen, nehmen der Respekt, ja die Ehre, die man ihm erweist, noch zu, nachdem er sich aus dem Alltag zurückzieht. Und Bruder Klaus bleibt niemandem einen Rat schuldig.

1481 verhindert seine Mahnung zum Zusammenhalt, dass die Schweizer Eidgenossenschaft auseinanderbricht (Stanser Verkommnis). An den Rat der Stadt Bern schreibt Bruder Klaus 1482: „Friede ist immer in Gott, denn Gott ist der Friede. [...] Darum sollt ihr darauf bedacht sein, dass ihr immer den Frieden im Auge behaltet, Witwen und Waisen in Schutz nehmt, wie ihr es bisher getan habt. Und wenn jemand auf Erden erfolgreich ist, dann soll er dafür Gott gegenüber dankbar sein.“ Die Hilfe für die am Rande stehenden, die Notleidenden und Unterdrückten, ist also zentral für den Frieden – für den Frieden der Welt und den Frieden in Gott! Bleibt niemandem etwas schuldig, denn (nur) wer den andern liebt, hat das Gesetz erfüllt, im 1. Jahrhundert zur Zeit Jesu und des Römerbriefs genauso wie im 15. Jahrhundert und bis heute. Bei Bruder Klaus gehen die Zurückgezogenheit des Gottessuchers und die Weltzugewandtheit des rat- und hilfestiftenden Mitmenschen überein. Das macht ihn zu einem Heiligen - auch für heute und nicht nur für die Schweiz.

Einen segensreichen Sonntag und eine friedvolle Woche wünscht

Tobias Grimbacher