Jesus von Nazareth – König der Juden

Das Volk stand dabei und sah es. Die Oberen aber spotteten und sagten: „Andere hat er gerettet. Er rette sich selbst, wenn er der Gesalbte Gottes, der Auserwählte ist!“ Aber auch die Soldaten verspotteten ihn, wenn sie zu ihm hintraten, um ihm Essig zu bringen, und sagten: „Wenn du der König über das jüdische Volk bist, rette dich selbst!“ Über ihm war nämlich eine Schrifttafel angebracht worden mit den Worten: „Dieser ist der König des jüdischen Volkes“. Einer der Übeltäter, als sie am Kreuz hingen, verhöhnte ihn mit den Worten: „Bist du nicht der Christus? Rette dich und uns!“ 40Der andere aber entgegnete ihm ärgerlich: „Fürchtest du denn Gott überhaupt nicht? Du bist ja genauso verurteilt. Wir sind gerechterweise verurteilt, denn was wir empfangen, wiegt gleich schwer wie das, was wir getan haben. Aber er hat keinen Verstoß begangen.“ Und er sagte: „Jesus, denk an mich, wenn du in dein Königreich kommst!“ Jesus sagte zu ihm: „Amen, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein.“

 

Lk 23, 35-43 Bibel in gerechter Sprache

 

Jesus von Nazareth – König der Juden

 

Könige gehörten in den Augen der Menschen schon immer zu der Kategorie der Herrscher, die ihre Untertanen für sich arbeiten und kämpfen ließen. Macht, Egoismus, Unterdrückungund Ausbeutung waren und sind die Standards von Machtmenschen und Diktatoren. 


Muss denn Macht immer etwas Schlimmes sein? Sollten wir uns nicht fähige Leute für die Kirche wünschen, die mehr Mut zur Macht hätten, statt feige den Mund zu halten? Steckt nicht in jedem Menschen ein natürlicher Drang von anderen anerkannt, gelobt, auf den Schild gehoben zu werden? Überall, werden Ranglisten aufgestellt, wird gewertet, nicht nur im Sport. Solange der Kampf um vordere Plätze fair ausgetragen wird, wird niemand etwas dagegen sagen! Das Gute im fairen Mit– und Gegeneinander ist, wer Macht hat, hat auch Einfluss. Die Chance ist also groß, dass der, der zu sagen hat, sich auch für alle die einsetzt, die zu kurz gekommen sind, die unterdrückt und ausgegrenzt werden. Wenn er will, kann er tatsächlich etwas bewegen! 

 

Natürlich wird Macht missbraucht von Eltern,  vom Chef im Büro, von Lehrern,  von Bürgermeistern und Priestern. Der sexuelle, spirituelle und liturgische Machtmissbrauch durch Geistliche saugt die Kirchen derzeit wie ein Strudel nach unten. Das Beharren auf innerkirchlichem Recht als Machtinstrument, es funktioniert seit Jahrhunderten antidemokratisch, monarchistisch, diktatorisch,  vertreibt weiter Menschen aus ihrer Heimat, ihrer Kirche. Macht zu verlieren, lässt denn auch viele kirchlichen Titelträger seelenlos agieren. Um in den 1752 Paragraphen des CIC die am Kreuz gezeigte Liebesbotschaftaufzuspüren,  muss ich lange suchen. Schon der machtbesessene König Herodes fürchtet um seine Macht, erschrickt in Jerusalem, als die Magier ihn fragen, wo sie den neugeborenen König der Juden finden könnten! 

 

Ortswechsel: Auf dem Hinrichtungsplatz außerhalb Jerusalems, auf Golgotha,  wird  „Jesus von Nazareth - König der Juden”, so hatte es Pilatus auf ein Täfelchen schreiben und am Kreuz anbringen lassen, mit zwei Verbrechern hingerichtet. Mitglieder des Hohen Rates spotten, andern habe er geholfen, sich selbst könne er nicht helfen! 
Was für ein König,  ein Narr gar? 
Obwohl im Todeskampf zeigt Jesus , welche Sorte König er vertritt!  
Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe!  Aus dieser Haltung heraus kann er sogarseinen Peinigern verzeihen:  “Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!” 

Christus unser König!

Sollten wir nicht froher sein, zu dem Tora-Lehrer aus Nazareth zu gehören, der uns seine Freunde*innen nennt? Dieser König kommt ohne Dogmen und 1752 Paragraphen Kirchenrecht aus, ein wahrhafter, guter menschenfreundlicher König, ein echter Hirte. Er ist wirklich Seelsorger, dessen Hirtenstab nicht vergoldet und mit Edelsteinen besetzt ist. Seine Diamanten sind die glänzenden Augen, derer, denen er mit und in seiner Liebesbotschaft begegnet. Als dieser ungewöhnliche König auch noch seinen Jüngerinnen und Jüngern die Füße wusch und sie aufforderte, diesem Beispiel zu folgen,  wenn er nicht mehr da sein werde, war ihnen klar, was sie zu tun hatten. Der Auftrag ihres Lehrers lautete:  Alle Kraft, Freude und Macht ins Dienen zu verlegen.  Ja ich bin ein König, hatten die gehört, die ihnverurteilten. Ich bin gekommen, um für die Wahrheit Zeugnis abzulegen. Der Rabbi und König, dessen Reich nicht von dieser Welt ist,  war einzig gekommen,  um nichts anderes zu tun als den Menschen zu dienen, zu dienen und nochmals zu dienen!  

 

G. Mollberg

 

Eine Kirche, die nicht dient, dient zu nichts! Bischof Gaillot

 

Liebe Leser und Leserinnen der Sonntagsbriefe,

mit dem Brief von Georg Mollberg zum letzten Sonntag in diesem Kirchenjahr gehen die Sonntagsbriefe für dieses Jahr zu Ende. Herzlichen Dank für Ihr Mitlesen und die Rückmeldungen.

Ab dem nächsten Sonntag beginnt der Adventskalender mit kurzen Texten aus der Bibel nach der Leseordnung  und aktuellen, theologischen oder sozialen Kontexten, so wie in den vergangenen Jahren. - Wir würden uns freuen, wenn Sie auch den Adventskalender, der sowohl als Mail verschickt wird wie auch auf der Seite von Wir sind Kirche Deutschland abrufbar ist, beziehen und lesen. - Falls Sie den Adventskalender jedoch nicht abonnieren wollen, dann bitten wir Sie, uns das mitzuteilen: redaktion@sonntagsbriefe.de

mit herzlichen Grüßen

Sigrid Grabmeier

Endzeit – Drohung oder Verheißung?

Als einige darüber sprachen, dass der Tempel mit schön bearbeiteten Steinen und Weihegeschenken geschmückt sei, sagte Jesus: Es werden Tage kommen, an denen von allem, was ihr hier seht, kein Stein auf dem andern bleibt, der nicht niedergerissen wird.

 

Sie fragten ihn: Meister, wann wird das geschehen und was ist das Zeichen, dass dies geschehen soll? Er antwortete: Gebt Acht, dass man euch nicht irreführt! Denn viele werden unter meinem Namen auftreten und sagen: Ich bin es! und: Die Zeit ist da. - Lauft ihnen nicht nach! Wenn ihr von Kriegen und Unruhen hört, lasst euch nicht erschrecken! Denn das muss als Erstes geschehen; aber das Ende kommt noch nicht sofort. Dann sagte er zu ihnen: Volk wird sich gegen Volk und Reich gegen Reich erheben. Es wird gewaltige Erdbeben und an vielen Orten Seuchen und Hungersnöte geben; schreckliche Dinge werden geschehen und am Himmel wird man gewaltige Zeichen sehen. Aber bevor das alles geschieht, wird man Hand an euch legen und euch verfolgen. Man wird euch den Synagogen und den Gefängnissen ausliefern, vor Könige und Statthalter bringen um meines Namens willen. Dann werdet ihr Zeugnis ablegen können. Nehmt euch also zu Herzen, nicht schon im Voraus für eure Verteidigung zu sorgen; denn ich werde euch die Worte und die Weisheit eingeben, sodass alle eure Gegner nicht dagegen ankommen und nichts dagegen sagen können. Sogar eure Eltern und Geschwister, eure Verwandten und Freunde werden euch ausliefern und manche von euch wird man töten. Und ihr werdet um meines Namens willen von allen gehasst werden. Und doch wird euch kein Haar gekrümmt werden. Wenn ihr standhaft bleibt, werdet ihr das Leben gewinnen.

Lk 21,5-19 Einheitsübersetzung

 

 

Endzeit – Drohung oder Verheißung?

 


Zwei im Christentum sehr bedeutsame Worte stehen im Mittelpunkt dieses Textes aus dem Lukasevangelium: Endzeit und Parusie (Wiederkunft Christi). Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber wenn ich mir die Welt von Heute anschaue, kommt mir das Wort Endzeit in den Sinn.



Der geschichtliche Jesus war ein Endzeit-Prophet. Er war sich sicher, dass die Endzeit angebrochen war. Er sprach immer wieder davon, dass "der Menschensohn" bald vom Himmel herab kommen werde. Wohl nur im kleinsten Kreis seiner Anhänger, also den Zwölf, inkl. Judas Iskariot, hat er darüber offen gesprochen, dass er selbst dieser verheißene Menschensohn sei, der am Ende der Zeiten erscheinen wird. Und so ist es kein Wunder, dass das frühe Christentum von einer Naherwartung geprägt war. Noch in der selben Generation wurde die Wiederkunft Christi erwartet. Eine Generation umspannt in der Definition dieses Begriffs ca. 33 Jahre.



Der Text im heutigen Evangelium kommt fast wörtlich auch bei den anderen Synoptikern vor. Manchmal noch drastischer ausgemalt. Am Anfang des Textes steht jedes Mal die Prophezeiung von Jesus, der Tempel in Jerusalem würde zerstört werden. Ja und tatsächlich geschah das im Jahr 70 n. Chr. durch die Römer. Das zentrale Heiligtum (Ein GOTT, Ein Volk und ein Tempel gemeinsamer Anbetung!) wurde zerstört und das Volk Israel versprengt. Ein traumatisches Erlebnis!



Eine deutliche Mehrheit der führenden Theologen sind sich heute sicher, dass der Text über die Prophezeiung der Zerstörung des Tempels durch Jesus erst nach diesem Ereignis entstanden ist und daher also kein authentisches Wort von Jesus ist. Vielmehr wurde das Ereignis genutzt, um die Naherwartung zu relativieren oder gar zu beenden. Die Erzählung lautete: Wenn Jesus die Zerstörung des Tempels schon damals vorhergesagt hatte, dann stimmen auch die nun folgenden Prophezeiungen. Und manche davon haben sich ja schon ereignet: die Verfolgung der ersten Christen und ihre Bedrängnis. Diese war nicht vergebens auch dann nicht, wenn die Wiederkunft Christi auf sich warten lässt. Es wird sogar angekündigt, dass es noch schlimmer kommen wird und dass dies dennoch nicht zwangsläufig das Ende sein wird. Der Text gipfelt im Vers 33 mit den Worten, die man Jesus in den Mund legt: „Himmel und Erde werden vergehen, meine Worte aber werden nicht vergehen.“ Die Erwartung auf Erfüllung der Verheißungen wird sanft vom Diesseits ins Jenseits verschoben. Der Hintergrund liegt wohl auch darin, dass sich mittlerweile kirchliche Strukturen entwickelt hatten, die zu sprengen drohten, wenn die Gläubigen aus Enttäuschung von der Fahne gingen. Deshalb wird auch davor gewarnt, sich nicht verführen zu lassen von Leuten, die angeblich der Wiedergekommene Jesus sein wollen. Das Bestreben war, den Laden im wahrsten Sinne des Wortes zusammen zu halten.



Wie leicht Menschen sich verführen lassen, wenn sie Angst vor Untergang (eingeredet bekommen) haben, erleben wir gerade plastisch. Mit Schrecken sehen wir im Fernsehen eine weinende christgläubige Frau in Brasilien, die entsetzt ist, dass ihre geglaubte Lichtgestalt Bolsenaro nicht wiedergewählt wurde. Oder wie eine Frau in einer Christengemeinde und wohl Anhängerin von Trump in den USA mit unschuldiger Mine in die Kamera des deutschen Fernsehens sagt, dass sie sich mittlerweile vorstellen kann, dass es notwendig sei, Hillary und Bill Clinton zu enthaupten. Selbst Putin wird von frommen Orthodoxen als Heilsbringer gesehen, der Moral und Werte hochhält gegen die angeblichen Perversionen aus dem Westen.



Doch wieso steht das Wort Endzeit für uns mittlerweile für die Zerstörung der Welt, für die Vorstellung von einem Amargeddon z.B. durch Katastrophen, Atomkriege, einem Kometeneinschlag oder durch Terrorismus? Die Offenbarung nach Johannes spricht doch vom Herabkommen des Himmlischen Jerusalems und von der Verheißung: „Siehe ich mache alles neu!“ War es vielleicht gerade dieser Text, der Jesus im 21. Kapitel des Lukasevangeliums, im 24. Kapitel des Matthäusevangeliums oder im 13. des Markusevangeliums in den Mund gelegt wird, um die Gläubigen trotz enttäuschter Naherwartung bei der Stange zu halten, der dann die Vorstellung eines Weltuntergangs in der Endzeit beflügelte?



Nach jüdischer Vorstellung bricht die Endzeit mit dem Kommen des Messias an, und das kann nur durch das Handeln der Menschen in Richtung Frieden und Gerechtigkeit herbeigerufen werden. Von daher kann man auch den Glauben einiger Juden begreifen, die davon überzeugt sind, dass, wenn Israel nur einmal wirklich gelingen würde den Schabbat konsequent zu halten, der Messias kommen würde.



Diese Vorstellung, dass das für uns Christen erwartete Wiederkommen von Jesus durch das Handeln von uns Menschen in Richtung Frieden und Gerechtigkeit geradezu herbeigerufen werden kann, gefällt mir gut. Entspricht es doch dem deutschen Sprichwort „hilf dir selbst, dann hilft dir GOTT!“ und es entspricht auch dem Bild vom Blitz, der sich von Unten her zum Himmel hin entlädt, das ich in meinem letzten Sonntagsbrief vom 16.10.22 gezeichnet habe (s. Archiv WsK oder auf meiner Homepage).



Ich wünsche einen gesegneten Sonntag in die ganze Runde
Johannes Brinkmann / Essen

 

PS:

ich bin überzeugt, dass zwei Sätze, die bei allen Synoptikern im Zusammenhang mit der Zerstörung des Tempels erwähnt werden, originale Jesusworte sind, die dadurch, dass sie hier in den Kontext von Untergang und Zerstörung eingewoben werden in ihrer ursprünglichen Bedeutung gewendet werden. Die zwei Jesusworte sind: „Diese Generation wird nicht vergehen, bis das alles geschehen wird.“ und „Himmel und Erde werden vergehen, meine Worte aber werden nicht vergehen.“ Mit diesen beiden Sätzen, die bisher mündlich überliefert wurden, verbanden die Gläubigen ihre Naherwartung. Himmel und Erde werden nicht untergehen, sondern Jesus wird kommen und einen neuen Himmel und eine neue Erde aufrichten, und diese Generation wird nicht vergehen bis das alles geschieht. Das griechische Wort geneá ist aber nicht eindeutig. Es könnte sowohl Generation bedeuten, eine Gruppe von gleichzeitig geborenen, also eine Menschengeneration, es könnte aber auch die Abstammenden eines gemeinsamen Ahnherrn beschreiben und damit eine Sippe oder ein Geschlecht. Luther hat es mit „dieses Geschlecht“ übersetzt. Die Naherwartung wurde ins Unbestimmte verschoben und die Hoffnung auf eine Erfüllung im Diesseits sanft ins Jenseits verschoben. An die Stelle der Hoffnung auf einen neuen Himmel und eine neue Erde im Diesseits rückte die Vision von Untergang und Zerstörung.



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Schau mal wieder ins Net:
www.johannesbrinkmann.de

 

Auferstehen - Aufstehen

In jenen Tagen geschah es, dass man sieben Brüder mit ihrer Mutter festnahm. Der König Antíochus wollte sie zwingen, entgegen dem göttlichen Gesetz Schweinefleisch anzurühren, und ließ sie darum mit Geißeln und Riemen peitschen. Einer von ihnen ergriff für die andern das Wort und sagte: Was willst du uns fragen und was willst du von uns lernen? Eher sterben wir, als dass wir die Gesetze unserer Väter übertreten.


Als der Erste der Brüder auf diese Weise gestorben war, führten sie den Zweiten zur Folterung.
Als er in den letzten Zügen lag, sagte er: Du Unmensch! Du nimmst uns dieses Leben; aber der König der Welt wird uns zu einem neuen, ewigen Leben auferstehen lassen, weil wir für seine Gesetze gestorben sind.
Nach ihm folterten sie den Dritten. Als sie seine Zunge forderten, streckte er sie sofort heraus und hielt mutig die Hände hin. Dabei sagte er gefasst: Vom Himmel habe ich sie bekommen und wegen seiner Gesetze achte ich nicht auf sie. Von ihm hoffe ich sie wiederzuerlangen.
Sogar der König und seine Leute staunten über den Mut des jungen Mannes, dem die Schmerzen nichts bedeuteten. Als er tot war, quälten und misshandelten sie den Vierten genauso. 

 

Dieser sagte, als er dem Ende nahe war: Gott hat uns die Hoffnung gegeben, dass er uns auferstehen lässt. Darauf warten wir gern, wenn wir von Menschenhand sterben. Für dich aber gibt es keine Auferstehung zum Leben.

2 Makk 7, 1-2, 7a, 9-14 Einheitsübersetzung

 

 

 

Auferstehen - Aufstehen

 

Ein schrecklicher Text. Grausam, eine Zumutung. Die brutalsten Passagen sind schon herausgenommen, und dennoch war ich beim ersten Lesen zutiefst erschüttert. Ich wollte das nicht an mich heran lassen. Aber wie es so ist: das war nicht mehr möglich. Das Kopfkino lief, zu viele schreckliche Bilder reihten sich vor meinem inneren Auge. - Und ja, der Text ist eine Zumutung. Es geht um Mut, um den Mut zu widerstehen und aufzustehen

 

Wiewohl schon über 2000 Jahre alt ist diese Erzählung aus der Zeit der Besetzung Israels durch König Antiochus IV. Epiphanes*, so ist sie von bedrückender Aktualität und spiegelt diktatorisches Allmachtsverhalten despotischer Regime sowohl der jüngeren Geschichte als auch der Gegenwart. 

 

Verfolgungen aus religiösen, ethnischen, sexuellen - und letztlich immer politischen Gründen fanden und finden in unterschiedlicher Intensität auf der ganzen Welt statt. Dazu gehören die Errichtung und Absolutierung von exklusiven Normen, Kriminalisierung bei Nichterfüllung, oft genug Sippenhaft, Erniedrigung, Folter, Ermordung. Mit solchem Verhalten wird Stärke demonstriert, wird Exklusivität vermittelt, wird das eigene Ego, die eigene Peer-Group mit einer quasi-göttlichen Aura umgeben.

 

Nicht alle Betroffenen müssen unbedingt aus eigener Überzeugung Widerstand gegen ungerechte Normen leisten, wie es die sieben Söhne und die Mutter getan haben. Viele, wahrscheinlich die meisten, werden einfach deswegen vernichtet, weil sie von einem Regime aus dem einfachen Grund ihrer Existenz verfolgt werden. Auch die in Kauf genommene und insbesondere vorsätzliche und intensiv betriebene Vernichtung der Zivilbevölkerung im Verlauf eines Überfalls auf ein anderes Land und der Krieg gegen dieses ist letztlich nichts anderes. Menschen wird ihr Leben genommen – um die eigene Machtfülle und Herrlichkeit zu demonstrieren und auch selbst zu spüren. 

 

Die Brüder und ihre Mutter sterben in der festen Überzeugung, im Recht zu sein, auf der richtigen Seite zu stehen und vertrauend, dass der Schöpfer, dem sie ihr Leben verdanken, ihnen ein neues, ewiges Leben schenken würde, der Machthaber aber im Staub versinken. Der jüngste Sohn, der als letzter standhaft in den Tod geht, schmettert dem König noch diese Worte entgegen: 

„Du Ruchloser aber, du größter Verbrecher der Menschheit, überheb dich nicht vergeblich im Übermut ungewisser Hoffnungen, wenn du deine Hand gegen die Kinder des Himmels erhebst! Denn noch bist du dem Gericht des allmächtigen Gottes, der alles sieht, nicht entronnen. Unsere Brüder sind jetzt nach kurzem Leiden mit der göttlichen Zusicherung ewigen Lebens für den Bund Gottes gestorben; du jedoch wirst beim Gericht Gottes die gerechte Strafe für deinen Übermut zahlen.“ (2 Makk 7, 34-36)

 

Auch in der heutigen 2. Lesung aus dem Brief an die Gläubigen in Thessaloniki geht es um dieses Vertrauen:

Betet auch darum, dass wir vor den bösen und schlechten Menschen gerettet werden; denn nicht alle nehmen den Glauben an. Aber der Herr ist treu; er wird euch Kraft geben und euch vor dem Bösen bewahren. (2 Thess 3, 2-3)

 

Und Jesus bestärkt seine Freunde und Freundinnen:

„Dass aber die Toten auferstehen, hat schon Mose in der Geschichte vom Dornbusch angedeutet, in der er den Herrn den Gott Abrahams, den Gott Ísaaks und den Gott Jakobs nennt. Er ist doch kein Gott von Toten, sondern von Lebenden; denn für ihn leben sie alle.“ (Lk 20, 37-38)

 

Das ist tröstlich. Und ich bete für diejenigen, die all das Schreckliche erleben und durchleiden müssen, dass sie dieses Vertrauen, diese Zuversicht, diese Hoffnung haben können. Dass diejenigen, die überleben, wieder aufstehen können. - Aber es ist an uns, aufzustehen und dazu beizutragen, dass Verfolgungen aus religiösen, ethnischen, sexuellen und politischen Gründen beendet werden, dass durch Kriminalisierung, Folter, Ermordung und Kriege keine Menschenleben mehr vernichtet werden.

 

Sigrid Grabmeier 

 

*„Der Text 2 Makk 7 stammt aus einer Zeit erbitterter Auseinandersetzungen zwischen gläubigen Juden und Nichtgläubigen. Schwere Verfolgungen waren vorausgegangen: Der herrschende hellenistische König Antiochus IV. Epiphanes (175–164 v. Chr.) hatte die jüdische Religion – die Tora – verboten, den Tempel in Jerusalem dem Zeus geweiht, und den Zwang zur heidnischen Opferpraxis angeordnet. Wer das dem griechischen Gott geweihte Opferfleisch nicht aß und zur griechischen Lebensweise nicht überging, wer an der jüdischen Lebensweise festhielt und den Verzehr von Schweinefleisch verweigerte, wurde hingerichtet.“

Dipl.-Theol. Dipl.-Päd. Helga Kaiser Bibelwerk, 32. Sonntag im Jahreskreis C

Unschuldige Hände und ein reines Gewissen

 

Dem Herrn gehört die ganze Erde 
mit allem, was darauf lebt.
Er hat sie fest gegründet über dem Wasser 
und ihre Fundamente auf den Grund des Meeres gelegt.
»Wer hat Zutritt zum Berg des Herrn? 
Was für Menschen dürfen den heiligen Boden betreten?«
»Nur Menschen, die unschuldige Hände haben und ein reines Gewissen. 
In ihren Herzen gibt es keine Falschheit, von ihren Lippen kommt nie ein Meineid.
Der Herr wird sie segnen und ihnen Hilfe senden, 
wie er es den Seinen zugesagt hat.
So sind die Menschen, die nach Gott fragen und in seine Nähe kommen dürfen. 
So sind die wahren Nachkommen Jakobs.«

Ps 24, 1-6, Gute Nachricht Bibel 

 

Unschuldige Hände und ein reines Gewissen

 

Wer sind eigentlich Heilige? Diese Frage stelle ich mir, wenn ich mal wieder von einer Heiligsprechung höre, wenn ich zufällig auf Wikipedia einem Heiligen begegne, und natürlich besonders heute, zum Fest Allerheiligen.

 

Heilige sind Menschen, von denen wir glauben können und wollen (oder im Sinne einer lehramtlichen Dogmen-Kirche: glauben müssen), dass sie bei Gott sind. Dazu gehören Päpste, Kirchenlehrer, Ordensleute, Märtyrerinnen. Für mich gehört dazu auch meine Oma – so wie ich sie erlebt und in Erinnerung habe. Natürlich glaube ich gern, dass die mir allesamt unbekannten sechs Männer und vier Frauen, die dieses Jahr zu Heiligen gesprochen wurden, im Jenseits in Frieden leben. Aber von meiner Oma glaube ich es gerner und unbedingter, und es ist für mich sogar persönlich relevant.

 

Psalm 24 nennt als Kriterium dafür, wer heiligen Boden, den Berg des Herrn betreten darf: „Menschen, die unschuldige Hände haben und ein reines Gewissen“. Ein reines Gewissen alleine reicht also nicht, man muss das Gute auch tun. Ebenso reicht die gute Tat aus Versehen auch nicht unbedingt. Das ist ein hoher Anspruch. Niemand von uns – die offiziellen Heiligen nicht, und auch nicht meine Oma – hatten immer ein reines Gewissen und richtig gehandelt. Wenn der Psalmist schreibt, Gott „wird sie segnen und ihnen Hilfe senden“, dann gilt das nicht nur für die Heiligen, die schon auf dem „Berg des Herrn“ sind, sondern ist auch Zuspruch für uns, die wir uns redlich – und manchmal doch mit schlechtem Gewissen – bemühen.

 

Die Kirche Allerheiligen in Zürich wurde in den 1960ern in der Nähe eines grossen städtischen Friedhofs gebaut. Sie erhielt ihr Patrozinium auch im Vertrauen darauf, dass die Menschen auf dem Friedhof Alle Heilige seien, egal ob sie nun reformiert oder katholisch oder etwas anderes sind. Ein schöner Gedanke, finde ich, als Grundhaltung. Natürlich hat die Allerheiligenkirche im Altarstein trotzdem eine Reliquie, einen kleinen Knochen irgendeines richtigen, heiliggesprochenen, Heiligen liegen, der die Verbindung zum Himmel herstellen soll, wie in jeder Kirche. Fast. Die Mönche im Kloster Engelberg haben auf eine solche Reliquie verzichtet. Ihr Altar steht direkt über der Krypta, in der die Rest der verstorbenen Mitbrüder aufbewahrt werden. Das genügt ihnen als Sicherheit, auch wenn keiner der Mönche, die dort liegen, ein formaler Heiliger ist. 

 

Und noch etwas: Heilig ist man nicht alleine, für sich selbst. Heilig ist und wird man in Gemeinschaft, wird man mit anderen und für andere. Heilige werden wir miteinander und aneinander - oder eben nicht. 

 

Dem Herrn gehört die ganze Erde mit allem, was darauf lebt. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen geheiligten Tag.

Tobias Grimbacher 

 

Die Wandlung in uns - heraus aus den Grabkammern!

 

FOTO: Zachäus wollte weitersehen... als seine kleine Gestalt hergab...

 

Und er kam nach Jericho und zog hindurch. Siehe, da war ein Mann namens Zachäus, der war Oberzöllner und reich. Er versuchte, zu sehen, wer Jesus denn sei, aber wegen der Menge Leute konnte er es nicht. Denn er war klein gewachsen. Er eilte voraus und stieg auf einen Maulbeerbaum hinauf, damit er ihn sehe, wenn er vorbeiziehen würde. Und als Jesus an jenem Ort vorbeikam, sah er hinauf und sagte zu ihm: „Zachäus, komm schnell herunter! Denn heute muss ich in deinem Haus bleiben!“ Er kam schnell herunter und nahm ihn mit Freuden auf. Und alle sahen es und murrten, indem sie sagten: „Bei einem Sünder kehrt er ein, um zu übernachten.“ Zachäus aber stellte sich vor den Befreier hin und sagte: „Sieh, Gebieter, die Hälfte meines Vermögens gebe ich den Armen. Und wenn ich von jemandem etwas erpresst habe, gebe ich es vierfach zurück!“ 

Darauf sagte Jesus zu ihm: „Heute ist diesem Haus Rettung widerfahren, denn dieser Mann ist auch ein wahrer Nachkomme Abrahams. Denn ich bin gekommen, um zu suchen und zu retten, was verloren ging.“ 

Luk. 19, 1-9 Bibel in gerechter Sprache

 

 

 

 

Die Wandlung in uns - heraus aus den Grabkammern!

Hier wird das Zöllnerereignis zum Bericht über die Barmherzigkeit Gottes in Gestalt Jesu aufgezeigt. Da sitzt der kleine Zöllner, der Geldeintreiber, jedoch treu nach dem Gesetz, im Baum, weil er neugierig ist auf diesen Jesus: Gottesverkünder – Heiler – Wunder – Wirkender – etc. Zachäus will sehen, weitersehen, aus der Höhe des Baumes heraus, denn er ist klein von Gestalt. Dieses neugierige Sich-Strecken und sein Suchen nach Jesus, bringt ihm die Überraschung eines Abendmahl-Gastes...: „Steig herunter komm … wir werden in Deinem Haus gemeinsam speisen … ich werde Dein Gast sein“. 

 

Stirnrunzeln und Gemurmel beim Publikum. Doch Jesus gibt dem Zöllner diesen Freiraum von seinem scheinbar sündhaften Leben herabzusteigen. ER nimmt ihn wahr als den, der alle Anstrengungen unternimmt, ihn kennen zu lernen und zu sehen. Tatsächlich richtet der Zöllner nun das Mahl an, nicht Jesus, wie im biblischen Abendmahl überliefert. Welch eine neue überraschende Sicht: der Zöllner soll alles bereiten oder anders gesagt und geglaubt: Wir können das Mahl ausrichten!


Es bedarf nur eines Requisits: UMKEHR. Das wirkliche Mahl trägt diese Handschrift: Versöhnung — Frieden – Neuausrichtung – WANDLUNG. Nicht die Wandlungworte sind das Primäre sondern die Wandlung in uns selbst. Zu Beginn steht Zachäus noch ganz in dem Gesetzes-System: Bekennt sein Vergehen und rühmt sich gleichzeitig, „...ich nehme viel Geld ein.., Ja! Zugegeben! ...doch ich gebe; in der Regel, einen gewissen Teil an die Armen.“ Die Antwort Jesu ist nicht großes Lob für die Aufzählungen der guten Werke Zachäus´ sondern die Manifestation der offenen Tür: „Du gehörst dazu … bist Abrahams Sohn ... ohnehin komme ich nicht zu den Perfekten … sondern bin da , um zu suchen und zu retten, was verloren war...“ Aus diesem Vorgang entsteht das Groß-Projekt, auch unseres Lebens. Denn so wird dem verdutzen Publikum erklärt: „Heute ist diesem Haus Rettung widerfahren...“ Zachäus versucht mit Erfolg, zu sehen, wer Jesus denn sei. 

 

In der Offenbarung Johannes erfahren wir, wohin er ebenfalls zu schauen hat, wenn er zu Jesus gehört. Nämlich auf die unzähligen Scharen der Weißgekleideten aller Völker dieser Erde.. Offb. 13 ff Die Weißgekleideten – wer sind sie und woher sind sie gekommen?« (...)Er sagte mir: »Das sind die, die aus der großen Bedrängnis gekommen sind. Sie haben ihre Gewänder gewaschen und im Blut des Schafs weiß gemacht. 

 

Weißgewaschen im Blute des „Lammes“, welches ja ebenfalls zur Schlachtbank geführt wurde. Sie haben ihr Leben hingegeben für den Weg der Gerechten, in Richtung wahren Friedens. 

Die WANDLUNG dieser Völkerscharen entsteht, bis heute, bei der Befreiung aus den jeweiligen eigenen Lebens-Grabkammern.

Cristy Orzechowski



Dazu sind wir, seit Beginn unserer kleinen „Zöllner-Leben“, berufen... 

"BEFREIE DEIN LEBEN AUS DER. GRABKAMMER'' 

Diesen Gruß 
will ich Dir zuflüstern
Als Kraftquelle in Deine dunklen Gemäuer' 
Leben ist mehr 
Als nur existieren 
oder vor-sich-hin-vegetieren' 

LEBEN IN FÜLLE strahlt 
Gnade, Erfüllung, Glückseligkeit' 
So ist das Leben schon immer' 
Es gibt kein anderes, 
es sei denn, wir lehrten es den Tod' 

 

BEFREIE DEIN LEBEN AUS DER GRABKAMMERI 
komm hervor 
aus der von Dir selbst gemauerten Enge. 

 

EIN LEBEN IN FÜLLE 
lacht die Sonne durch honiggelbe Strahlen 
in unsere Welt hinein, 
wenn wir nicht schwarze undurchsichtige 
Dunstwände dazwischen schieben. 



EIN LEBEN IN FÜLLE 
funkeln die Sterne vor Freude 
und durchdringendem Tatendrang, 
wenn sie ihren Blick 
nicht >tränig< verhängen 
aus Trauer über unsere Liebe zur Dunkelheit. 



"EIN LEBEN IN FÜLLE" 
flüstert das Leben,
"verspreche ich Dir, 
wenn Du mich ausgräbst 
und befreist aus der Grabkammer, 
aus dem Russ, aus dem Smog, 
aus dem egoistischen und habgierigen Sumpf 
Deiner vergeblichen Suche, 
aus Deinem desinteressierten Schlafen, 
aus Deinem Kummer um Hab und Gut 
und Nichtgehabtes, 
aus Deinem Kadavergehorsam 
und so vielen verbauten finsteren Gängen.



Sag JA, und komm, 
weil auch Du strahlen - 
lachen -versprechen - 
atmen -springen - 
singen -funkeln - 
sprudeln jubeln kannst! 



Befreie Dein Leben 
aus den Fesseln des Todes, 
die der Mensch 
schmiedet und flicht, 
webt und hämmert. 
Steig aus! —und vom Baum herab... 
Steh auf 
– geh
und WANDLE." 

 

© Cristy Orzechowski—aus. MIT GEBÜCKTER FEDER S. 84 ff 

FOTO: Zachäus wollte weitersehen... als seine kleine Gestalt hergab...

aus der Serie: NKK= naturkannkunst –C.O.

Heuchlerische Frömmigkeit oder ehrlich eingestandenes Versagen

Einigen, die von ihrer eigenen Gerechtigkeit überzeugt waren und die anderen verachteten, erzählte Jesus dieses Gleichnis: Zwei Männer gingen zum Tempel hinauf, um zu beten; der eine war ein Pharisäer, der andere ein Zöllner. Der Pharisäer stellte sich hin und sprach bei sich dieses Gebet: Gott, ich danke dir, dass ich nicht wie die anderen Menschen bin, die Räuber, Betrüger, Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner dort. Ich faste zweimal in der Woche und gebe den zehnten Teil meines ganzen Einkommens. Der Zöllner aber blieb ganz hinten stehen und wollte nicht einmal seine Augen zum Himmel erheben, sondern schlug sich an die Brust und betete: Gott, sei mir Sünder gnädig!  Ich sage euch: Dieser ging gerechtfertigt nach Hause hinab, der andere nicht. Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, wer sich aber selbst erniedrigt, wird erhöht werden

Lk 18,9-14 Einheitsübersetzung 

 

 

Heuchlerische Frömmigkeit oder ehrlich eingestandenes Versagen

 

Pharisäer und Zöllner. Das Wort „Pharisäer“ hat sich bei uns ins kollektive Bewusstsein eingeprägt. Jesus hat oft genug einen Strauß mit ihnen ausgefochten. Dabei stand er der pharisäischen Bewegung nahe. Die Pharisäer waren seine wichtigsten Diskussionspartner, ehe er sich von ihnen abwandte.

 

Wer waren die Pharisäer? Sie waren gebildete Bürger, bibelkundig, oft Schriftgelehrte, die in den Gottesdiensten predigten. Sie nahmen die biblischen Gesetze sehr ernst und wollten sie peinlich genau erfüllen. Damit gerieten sie in Zwist mit der hellenistisch gebildeten und wohlhabenden Priesterkaste der Sadduzäer; der Hohepriester war mit dem Hohen Rat gleichzeitig die politische Führung. Überworfen hat sich Jesus mit den Pharisäern, da sie zwar dem Gesetz Genüge tun wollten, dabei aber den Menschen hintanstellten. „Wehe euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer! Ihr Heuchler! Sogar von Küchenkräutern wie Minze, Dill und Kümmel gebt ihr Gott den zehnten Teil. Aber die viel wichtigeren Forderungen Gottes nach Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Treuesind euch gleichgültig“ (Mt 22,23). Und so lehrt Jesus die Menschen: „Richtet euch nach ihren Worten und tut alles, was sie euch sagen! Nehmt euch aber kein Beispiel an ihren Taten! Denn sie halten selbst nicht ein, was sie von den anderen verlangen.Sie denken sich schwere, fast unerträgliche Forderungen aus und bürden sie den Menschen auf, doch sie selbst rühren keinen Finger, um diese Lasten zu tragen“ (Mt.22,2ff).



Tja. „Sie machen ihre Gürtel breit und ihre Quasten lang.“ Als junger Theologiestudent habe ich gewagt, diese Sätze gegen die Pharisäer auf die Kleriker anzuwenden. Das ist ganz und gar nicht gut angekommen: „Diese Worte sind gegen die Pharisäer gerichtet, aber wir sind doch Christen!“ Je älter ich geworden bin, desto mehr habe ich erkennen müssen, dass Heuchelei nicht nur ein Kennzeichen der Pharisäer war, sondern dass wir sie allenthalben in unserer Kirche vorfinden. Die Kirchenleitung verkündet eine rigide Sexualmoral, aber viele decken die Sexualstraftäter in ihren eigenen Reihen bis heute, um durch diese Vertuschung die Kirche nach außen als „heilig“ erscheinen zu lassen. So erweisen sich viele Kirchenleiter als „ein Fass mit doppeltem Boden“. Eine Erneuerung der kirchlichen Sexualethik hat die Sperrminorität der deutschen Bischöfe verweigert, indem sie die „Grundlinien einer erneuerten Sexualethik“ beim Synodalen Weg abgelehnt hat; sie entspreche nicht den kirchlichen Lehraussagen. Die kirchliche Lehre ist aber nicht in Zement gegossen und hat sich im Laufe der Geschichte der Kirche immer wieder geändert, weil sie sich in jeder Zeit immer wieder neu an der Botschaft von Jesus, dem Christus ausrichten muss.



Doch Normen und Gesetze stehen bis heute vielfach über dem Menschen. Wenn längst überfällige Reformen angemahnt werden, dann ziehen reaktionäre Kleriker und autoritätshörige Laien das scharfe Schwert: „Das stimmt aber nicht mit dem Kirchenrecht überein!“ Als ob das „Recht“ nicht in stetem Wandel begriffen sei. Nehmen wir als Beispiel den Zölibat, die Ehelosigkeit der römisch-katholischen Priester. Von den Konservativen wird die Pflicht zum Zölibat mit aller Gewalt als Zeichen der Ganzhingabe verteidigt, dem Priestermangel und dem Recht der Gemeinde auf die Feier der Eucharistie zum Trotz. Dabei übersehen sie: Um des Himmelreiches willen ehelos zu leben, ist ein Charisma, eine Gnadengabe, die wohl kaum per Gesetz erzwungen werden kann. Was nicht publik wird, das wird nicht geahndet, aber wenn ein Pfarrer zu seiner Frau stehen will, dann muss er gehen. Kann sein, dass als Nachfolger ein ehemaliger evangelischer Pfarrer nach seiner Konversion mit Frau und Kindern ins Pfarrhaus einzieht. Ein geschiedener Mann mit Kindern kann zum Priester geweiht werden, wenn er in einer zivilen, kirchenrechtlich nicht anerkannten Ehe gelebt hat. Ein kirchlich verheirateter Mann kann nicht Priester werden. Aber er kann Dispens vom Eheband beantragen, die ihm in einem Gnadenakt gewährt wird, wenn er sich zu Höherem berufen fühlt, also in einen Orden eintreten will. Das gilt für die römische Kirche. In den mit Rom verbundenen katholischen Kirchen gibt es selbstverständlich verheiratete Priester. Und auch die während des Kommunismus in Tschechien geweihten verheirateten Männer bleiben Priester; die geweihten Frauen, die die Kirche insgeheim in den Frauengefängnissen repräsentierten, mussten in der Versenkung verschwinden. Wo bleiben da Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Treue?



Was die Ehe betrifft, wird peinlich genau auf das Wort von Jesus hingewiesen: „Was Gott verbunden hat, darf der Mensch nicht trennen!“ Geschieden Wiederverheiratete leben nach Kirchenrecht „hartnäckig in einer offenkundigen schweren Sünde“ und sind deshalb nicht zur Kommunion zugelassen, das gilt auch für die bislang nicht verheiratete Frau, den bislang nicht verheirateten Mann. Die pastorale Praxis ist zwar weithin längst eine andere, aber das ist eben gegen das Gesetz. Wenn freilich ein Priester allenthalben „seine Schäfchen ins Trockene bringt“, hat das keinen Einfluss darauf, dass er Eucharistie feiern kann. Da hat sich das Konzil von Trient im 16. Jahrhundert den Kniff „ex opere operato“, also der Wirksamkeit aufgrund der vollzogenen Handlung unabhängig von der Einstellung und dem sittlichen Verhalten des Spenders wie des Empfängers ausgedacht: „Wer sagt, durch die Sakramente des neuen Bundes werde die Gnade nicht aufgrund der vollzogenen Handlung verliehen, sondern zur Erlangung der Gnade genüge allein der Glaube an die göttliche Verheißung, der sei mit dem Anathema belegt“, also mit dem Kirchenbann, der Exkommunikation, ja einer Verfluchung. Für mich grenzt das an Magie. Glaube? Zweitrangig.



Andere Worte von Jesus werden nicht so penibel, bis ins Einzelne genau angewendet. „Keiner von euch soll sich Vater nennen; denn nur einer ist euer Vater, der im Himmel.“ Wir haben sogar einen „Heiligen Vater“, und damit ist nicht Gott gemeint wie im Zweiten Hochgebet: „In Wahrheit ist es würdig und recht, dir, Herr, heiliger Vater, immer und überall zu danken.“ Ganz selbstverständlich geht uns über die Lippen: „Einer ist euer Meister, ihr alle seid Brüder (und Schwestern)“. In Wirklichkeit trennen wir immer noch in zwei Stände, die „Kleriker“ und die „Laien“, ungeachtet dessen, dass im Neuen Testament alle Getauften „Kleriker – von Gott Erwählte“ und alle „Laien – Mitglieder des Volkes Gottes“ sind. Kleriker wollen immer noch als etwas Besonderes angesehen werden, über den „Laien“ stehend. Als zur Eröffnung des Synodalen Wegs die Synodalen in lockeren, gemischten Grüppchen eingezogen sind, meinte Kardinal Woelki, das sei aber nicht katholisch. Das Wort aus dem heutigen Evangelium „alle, die sich selbst erhöhen, werden erniedrigt werden“ ist bei vielen „höheren Klerikern“ offenbar nicht angekommen.



Der Pharisäer im Gleichnis geht nicht gerechtfertigt nach Hause. Wie sieht es mit dem Zöllner aus (damals ein verachteter Mitbürger, weil er mit den Römern zusammenarbeitete und bei der Steuereintreibung gern in die eigene Tasche wirtschaftete)? Sind seine Worte nur eine demütige Frömmigkeitsübung? Nein. Die ehrliche Einsicht, dass er hinter dem zurückbleibt, was von Gott eigentlich gefordert ist, macht ihn groß: „Wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.“



So frage ich mich, was sich jeder und jede fragen sollte: Bin ich mehr Pharisäer, der meint, fromm zu sein und auf andere herabschaut oder sie gar verachtet, oder bin ich mehr Zöllner, der sich als Sünder versteht, als klein und schwach? „Tue Gutes und rede darüber“ ist ein richtiges Verhalten; denn es öffnet anderen Augen und Herz, das Gleiche zu tun. Doch prahlend aufzulisten, was ich alles Gutes tue, um in den Augen der Menschen als großartig angesehen zu werden, bewirkt wohl eher das Gegenteil und macht vor Gott klein. Einzugestehen, was bei mir nicht richtig läuft trotz allen Bemühens, halte ich für ein Zeichen von Stärke. Viele sehen das auch so, wenn Kirchenleiter und Politiker*innen ehrlich sind und neben ihren Erfolgen auch von ihrem Versagen reden. Papst Franziskus sagt dazu: „Mir ist eine verbeulte Kirche, die verletzt und beschmutzt ist, weil sie auf die Straßen hinausgegangen ist, lieber, als eine Kirche, die aufgrund ihrer Verschlossenheit und ihrer Bequemlichkeit, sich an die eigenen Sicherheiten zu klammern, krank ist. Ich will keine Kirche, die darum besorgt ist, der Mittelpunkt zu sein“ (Evangelii gaudium 49).

Magnus Lux

Gegenüber gefragt

Jesus sagte ihnen durch ein Gleichnis, dass sie allezeit beten und darin nicht nachlassen sollten: In einer Stadt lebte ein Richter, der Gott nicht fürchtete und auf keinen Menschen Rücksicht nahm. In der gleichen Stadt lebte auch eine Witwe, die immer wieder zu ihm kam und sagte: Verschaff mir Recht gegen meinen Widersacher! Und er wollte lange Zeit nicht. Dann aber sagte er sich: Ich fürchte zwar Gott nicht und nehme auch auf keinen Menschen Rücksicht; weil mich diese Witwe aber nicht in Ruhe lässt, will ich ihr Recht verschaffen. Sonst kommt sie am Ende noch und schlägt mich ins Gesicht. Der Herr aber sprach: Hört, was der ungerechte Richter sagt! Sollte Gott seinen Auserwählten, die Tag und Nacht zu ihm schreien, nicht zu ihrem Recht verhelfen, sondern bei ihnen zögern? Ich sage euch: Er wird ihnen unverzüglich ihr Recht verschaffen. Wird jedoch der Menschensohn, wenn er kommt, den Glauben auf der Erde finden?

 

Lk 18,1-8 Einheitsübersetzung

 

 

Gegenüber gefragt

„Wird jedoch der Menschensohn, wenn er kommt, den Glauben auf der Erde finden?“

Warum sagt Jesus diesen letzten Satz? Was würde passieren, wenn der verheißene Menschensohn kommt, aber keinen Glauben auf der Erde findet? Wäre dann alles vergebens gewesen? Würde der Menschensohn dann vergeblich kommen? Wieso ist dieser beim Kommen überhaupt auf den Glauben der Menschen angewiesen? Kann er nicht einfach so machtvoll und überzeugend kommen, dass jedes Knie sich beugt, ob es noch Glauben gibt oder auch nicht?

Und was heißt „allezeit beten?“ im ersten Satz? Jeder für sich und im stillen Kämmerlein, passiv und abwartend? Der Aufruf geht an ein Kollektiv, an alle Jüngerinnen und Jünger! Zusammen!

 

Wenn niemand mehr auf Rückendeckung hofft, weil niemand mehr gegen Ungerechtigkeiten Sturm läuft, weil niemand mehr Hoffnung hat, weil niemand mehr an Veränderungen glaubt, dann findet der Menschensohn kein Gegenüber mehr, das er im Kampf um Gerechtigkeit unterstützen könnte, wenn er kommt. Keine Sehnsucht wäre, die den Menschensohn erfleht und erwartet, weil sie an seine reale Existenz glaubt und sein Eingreifen hier auf Erden für möglich hält! Er käme und niemand nähme ihn wahr. Das Himmelreich käme und liefe ins Leere.

 

GOTT wird also nicht einfach Fakten schaffen und alle Knie werden sich beugen, weil die Menschheit vom Himmel her wie von einem Blitz* der Erkenntnis getroffen wird, unabhängig davon, ob es Glauben auf Erden gibt oder nicht. Es hängt von den Jüngerinnen und Jüngern ab, ob das geschieht! Sich zurücklehnen, Unrecht schlucken und auf GOTT warten, dass ER und SIE mit Macht dreinschlägt und die Qual beendet, ist keine Option!

 

*Bei einer Blitzentladung entsteht zunächst ein Vorblitz. Dieser nicht sichtbare Teil des Blitzes sucht sich seinen Weg von der Wolke zum Erdboden. Ist der Blitz fast unten angekommen, so wächst ihm von einer hohen Stelle, etwa einer Kirchturmspitze oder eines Baumes, ein kleinerer Blitz entgegen. Treffen sich die beiden Blitze ist die Leitung geschlossen und es kommt zum Hauptblitz. Diese Entladung wandert von unten nach oben.

Einen gesegneten Sonntag in die ganze Runde

Johannes Brinkmann / Essen

www.johannesbrinkmann.de

Ich will

Beim Eingang eines Dorfes kamen ihm zehn Männer entgegen, die an Aussatz erkrankt waren. Diese blieben in der Ferne stehen und riefen laut: „Jesus, Meister, hab Erbarmen mit uns!“ Und Jesus sah sie und sagte zu ihnen: „Geht und zeigt euch den Priestern.“ Und, während sie fortgingen, geschah es: Sie wurden rein. Einer von ihnen kehrte zurück, als er sah, dass er geheilt war, und lobte Gott mit lauter Stimme, fiel auf sein Angesicht vor Jesu Füße und dankte ihm. Er war ein Samaritaner. Jesus antwortete und sagte: „Sind nicht zehn rein geworden? Wo sind aber die neun? Waren sie nicht bereit, umzukehren und Gott die Ehre zu geben außer diesem, der aus einem anderen Volk kommt?“ Und Jesus sprach zu ihm: „Richte dich auf und geh! Deine Glaubensstärke hat dich gerettet.“

Lk 17, 11-19 Bibel in gerechter Sprache

 

Ich will

 

ich will aber

 

ich will
dass es mir gut geht
ich will
nicht verzichten
ich will
gesund sein
ich will
mir was leisten können
ich will
nicht frieren
ich will
billiges Essen
ich will
wohlstand
ich will

 

das steht mir zu
ich habe ein recht darauf
das steht mir zu
das lass ich mir nicht nehmen
das steht mir zu
dafür muss ich nicht dankbar sein
das steht mir zu
dafür gehe ich auf die strasse
das steht mir zu
das ist doch selbstverständlich
 

dankbar sein
wofür
wem
warum

 

ich will
das ist doch selbstverständlich

 

Sigrid Grabmeier

 

Erntedank

Deshalb erinnere ich dich: Fache das Feuer der Gnadengabe Gottes, das durch das Auflegen meiner Hände in dir ist, wieder an, denn Gott hat uns keineswegs einen Geist der Feigheit gegeben, sondern einen Geist der tätigen Kraft und der liebevollen Zuwendung, einen Geist, der zur Vernunft bringt. Also weiche nicht peinlich berührt davor zurück, dich zu dem zu bekennen, dem wir gehören – und ebenso wenig zu mir, der ich sein Gefangener bin! Sondern nimm für das Evangelium, die Botschaft der Rettung, auch das Schlimme mit auf dich, wozu Gott dir die nötige Kraft gibt.

 

Halte du in der Treue und Liebe, die das Leben in dem Christos Jesus auszeichnen, an den vorbildlichen vernünftigen Worten, die du von mir gehört hast, fest. Bewahre die dir anvertraute wertvolle Glaubensüberlieferung unversehrt! Dies kann dir gelingen durch die heilige Geistkraft, die in uns lebt.

2 Tim 1, 6-8, 13-14 Bibel in gerechter Sprache

 

Erntedank

 

Letzte Woche war also die lange angekündigte Kirchen VolksKonferenz in Köln. Ich habe sie als so etwas ähnliches wie ein Erntedankfest erlebt. 38 Gruppen, Initiativen und Verbände haben dieses Treffen unterstützt, mitgetragen, sich eingebracht und oder Teilnehmende entsendet. Unter diesen Gruppen waren große und kleine, schon lange bestehende oder noch ganz junge, im Zentralkomitee deutscher Katholiken vertretene oder völlig unabhängige. Auch Einzelpersonen, die nicht in einer der Gruppen organisiert waren oder sich aus der Kirchensteuer-Körperschaft verabschiedet haben, machten mit. Diese Vielfalt erinnerte mich an das bunte Bild mit Erntegaben, wie wir sie in unseren Kirchen am Erntedankfest sehen können. 

 

Erntedank können wir ja immer irgendwie feiern, nicht nur einmal im Jahr. War es früher das Fest, in dem die Menschen für die Lebensgaben Gottes, die sie auf dem Feld, Garten und in der Viehwirtschaft geerntet, eingebracht haben, so müssen wir heute nicht nur dankbar für diese Ernte sein, sondern tatsächlich für alles, was uns an vielfältigen Gaben das Leben ermöglicht, und darüber hinaus angenehm und lebenswert macht. In diesem Sommer haben wir in Deutschland erlebt, wie wichtig, wie notwendig Wasser ist, nicht nur als unmittelbares Lebensmittel, sondern auch in seinen unterschiedlichsten Produktions- und Transportfunktionen. Gas und Elektrizität, ganz allgemein Energie, die bei allem wachsenden Klimabewusstsein irgendwie auch immer vorhanden und bezahlbar war, ist auf einmal besonders kostbar. Kann es sein, dass wir diese Kostbarkeit brauchen, um auch wieder dankbar zu sein? Auch solche Gedanken haben uns bei der KVK in Köln bewegt. Aber auch etwas anderes hat mich dieses Treffen als so etwas wie ein Entedankfest erleben lassen. (Gabengebet beim Gottesdienst der KVK unten)

 

 

Dieser „Geist der tätigen Kraft und der liebevollen Zuwendung“, wie er von Paulus beschrieben wurde, der war da. Für diejenigen von uns, die seit Beginn der KirchenVolksBewegung dabei sind, war es wirklich auch ermutigend, wie sehr die Anliegen des KirchenVolksBegehrens von 1995 in den Ideen und Aktionen der unterschiedlichen Gruppen aufgegriffen und mitgetragen wurden, wie auch wir Wir sind Kirche Leute von den Initiativen, Denkanstössen, Erfahrungen und Erkenntnissen profitieren und stets auch weiterlernen. Das, was in vielen Jahren gewachsen ist, wurde hier sichtbar und erfahrbar. - 

 

„Bewahre die dir anvertraute wertvolle Glaubensüberlieferung unversehrt!“ - Ein Satz, auf den gerade die Traditionalisten gerne zurück greifen . - Aber auch für uns, gerade für uns muss dieser Satz doch zentral sein, und auch dieser Appell war vernehmbar: Wir alle haben die Verantwortung, den Kern der Botschaft Jesu vom Reich Gottes, von der Liebe zu den Nächste und für die Verwirklichung von Gerechtigkeit und Frieden – gegen alle Widerstände einzutreten. - Von Klerus, Kurie und Kardinälen war in dieser Botschaft nichts zu vernehmen.

 

Alle, die wir viel Zeit und Engagement in die Vorbereitung des Treffens gesteckt haben, waren Dankbar für den guten Verlauf, das große Interesse und für die Ermutigung und Stärkung, die daraus hervor gingen. Unser Motto „wir gehen schon mal voran – für eine synodale Kirche der Zukunft“ wird auch weiter das Leitwort sein. 

 

Lasst uns in dem festen Glauben wie ein Senfkorn, der einen Maulbeerbaum mit seinem immensen Wurzelwerk dazu bringen würde, sich zu entwurzeln und ins Meer zu verpflanzen, voran gehen und weiter eintreten, dass die Botschaft vom Reich Gottes verkündet und gelebt wird. (Lk 17, 6; Evangelium von heute)

 

Sigrid Grabmeier

 

Dokumentation mit Texten und Bildern der KirchenVolksKonferenz, noch wachsend.

Gabengebet beim Gottesdienst zur KVK am 25. September

V1: In den Zeichen von Brot und Wein erinnern wir uns an die Hingabe Jesu. Er half den Hilfsbedürftigen, er hatte ein Ohr für die Menschen ohne Stimme und am Rand der Gesellschaft, er war da für die, die hungern, körperlich oder seelisch leiden. Er wurde zur Lebensgabe Gottes für die Welt.

V2: Während des letzten gemeinsamen Mahles mit den Seinen nahm Jesus ein Brot und brach es: So wie ich das Brot nun teile, so teile ich mein Leben mit euch. So wie ihr dieses Brot nun esst, so nehmt mein Leben in euch auf. Nach dem Mahl reichte er ihnen einen Becher mit Wein: So wie ihr den Wein aus einem Becher trinkt,  teilt euer Leben und nehmt meine Liebe in euch auf.

 

A: Alle Lebensgaben kommen von dir, Gott – Schöpferin Liebe. 

 

V1: Wir danken Dir und preisen dich für das Brot des Lebens. 

Du gibst uns das tägliche Brot und durch Jesu Leben Zugang zum Sinn des Lebens. 

Stärke uns, dass wir einander immer mehr Brot zum Leben werden.

 

V2: Wir danken Dir und loben dich für den Wein der Freude, der Liebe und Hoffnung.

Wie der Wein aus den Trauben, die im Weinberg verstreut sind, gesammelt wurde, sind wir verbunden in deiner göttlichen Liebe.

Durchdringe uns, dass wir deine Liebe weitergeben.

 

A: Alle Lebensgaben kommen von dir, Gott – Ursprung und Grund

 

V1: Wir danken dir und rühmen dich mit unseren Mitgeschöpfen, den Tieren und Pflanzen, mit denen wir leben. Ihre Vielfalt zeugt von deiner Unermesslichkeit. 

Erfülle uns, damit wir die Schöpfung achten und sie zum Heil aller gebrauchen.

 

V2: Wir danken dir und ehren dich für das Wasser, das uns zum Leben hilft, die Luft, die uns atmen lässt, das Licht, das unser Leben hell macht. 

Berühre uns, damit wir uns deiner Gegenwart bewusst sind

 

A: Alle Lebensgaben kommen von dir Gott, du Quelle unseres Lebens.

 

V1: Ein Segen seien die Gaben, die Du uns schenkst, segne auch unsere Gemeinschaft und unser Denken und Tun. 

 

V2: Kommt nun, denn es ist alles bereit. Gottes Lebensgaben sollen Herz und Sinn erfreuen.

 

Agape: An den vier Tischen bedienen sich Gruppen von 6 bis 8 Personen gegenseitig mit Brot, Wein ,Wasser und oder Weintrauben

 

 

 

Ohren spitzen!

Es war einmal ein reicher Mann, der sich in Purpur und feines Leinen kleidete und Tag für Tag glanzvolle Feste feierte. Vor der Tür des Reichen aber lag ein armer Mann namens Lazarus, dessen Leib voller Geschwüre war.  Er hätte gern seinen Hunger mit dem gestillt, was vom Tisch des Reichen herunterfiel. Stattdessen kamen die Hunde und leckten an seinen Geschwüren.  Es geschah aber: Der Arme starb und wurde von den Engeln in Abrahams Schoß getragen. Auch der Reiche starb und wurde begraben.  In der Unterwelt, wo er qualvolle Schmerzen litt, blickte er auf und sah von Weitem Abraham und Lazarus in seinem Schoß.  Da rief er: Vater Abraham, hab Erbarmen mit mir und schick Lazarus; er soll die Spitze seines Fingers ins Wasser tauchen und mir die Zunge kühlen, denn ich leide große Qual in diesem Feuer.  Abraham erwiderte: Mein Kind, erinnere dich daran, dass du schon zu Lebzeiten deine Wohltaten erhalten hast, Lazarus dagegen nur Schlechtes. Jetzt wird er hier getröstet, du aber leidest große Qual.  Außerdem ist zwischen uns und euch ein tiefer, unüberwindlicher Abgrund, sodass niemand von hier zu euch oder von dort zu uns kommen kann, selbst wenn er wollte.  Da sagte der Reiche: Dann bitte ich dich, Vater, schick ihn in das Haus meines Vaters! 28 Denn ich habe noch fünf Brüder. Er soll sie warnen, damit nicht auch sie an diesen Ort der Qual kommen. Abraham aber sagte: Sie haben Mose und die Propheten, auf die sollen sie hören.  Er erwiderte: Nein, Vater Abraham, aber wenn einer von den Toten zu ihnen kommt, werden sie umkehren. Darauf sagte Abraham zu ihm: Wenn sie auf Mose und die Propheten nicht hören, werden sie sich auch nicht überzeugen lassen, wenn einer von den Toten aufersteht.

Lk 16, 19-31 Einheitsübersetzung 

 

Ohren spitzen!

 

Ich zäume das Pferd mal von Hinten auf. „Sie haben Mose und die Propheten, auf sie sollen sie hören.“ Ich frage mich, ob eine entsprechende und angemessene moderne römisch katholische Übersetzung „Sie haben das Lehramt und die Bischöfe, auf sie sollen sie hören.“ heißen darf oder sogar müsste?

Da melde ich erhebliche Bedenken an!

 

Im Zentrum des zitierten Satzes aus dem heutigen Evangelium steht das Wort ‚hören'. Man könnte es auch mit ‚horchen' oder 'Ohren spitzen' übersetzen. Ein Vorgang ist gemeint, der vom bloßen Hören zum Verstehen führt.

 

Die Ursünde der Führung der römischen Kirche besteht m.E. darin, dass sie das Wort ‚horchen' zu ‚gehorchen' umgewandelt hat. Statt die Ohren der Gläubigen zu schärfen, ihren Sensus für die Heilige Geistkraft zu stärken, damit sie aus all den Stimmen in der Zeit die Stimme GOTTES herauszufiltern lernen, haben sie diesen Sensus behindert, ja verschüttet! Anstatt die Gläubigen zu lehren, angstfrei auf wankenden Planken, ja auf Wasser zu gehen, haben sie die Illusion abolut stabiler Planken vermittelt, nach dem Motto: Ihr braucht nicht selber denken, Ihr braucht nur unsere Lehre gehorsam, ja blind gehorsam, anzunehmen und ihr seid in Sicherheit, ja in absoluter Sicherheit!

 

Diese Lehrer haben sich an die Stelle GOTTES gesetzt. Jede und jeder, die oder der ihrer Lehre nicht zustimmt, stellt sich damit außerhalb der Kirche, exkommuniziert sich selbst oder wurde von der Kirche exkommuniziert und über Jahrhunderte sogar auf Scheiterhaufen verbrannt. Niemand kann kommen, voll von Heiligem Geist, die oder der etwas verkündet, das nicht voll und ganz ihrer Lehre entspricht. Sollte sie oder er es dennoch wagen, ist dieser jemand automatisch eine falsche Prophetin oder ein falscher Prophet und wird vor die Tür gesetzt. Gekreuzigt werden muss da niemand mehr, es reicht aus, sie oder ihn einfach zu ignorieren!

 

Insofern ist der sogenannte „synodale Weg“ hier in Deutschland ein Schritt in die richtige Richtung, um den alten Frevel, die Ursünde der römischen Kirche, wieder wett zu machen. Umso erschreckender ist es, wenn einzelne Bischöfe immer noch auf das System des blinden Gehorsams setzten und selbstverständlich erwarten, dass das Volk bei ihnen bleiben muss, selbst dann, wenn sie selber nicht beim Volk bleiben. Oder wie es die Ordensschwester Katharina Kluitmann ausrief: „Es kann doch nicht sein, dass die Gläubigen bei den Bischöfen bleiben müssen, aber die Bischöfe bleiben nicht bei uns!“

 

Zum Schluss möchte ich noch einmal auf den namenlosen Reichen zurückkommen, der unbekümmert in seinem Reichtum schwelgt, während vor seiner Tür der arme Lazarus um Erbarmen fleht. Nach dem Tod der beiden kehren sich dann die Verhältnisse dramatisch ins Gegenteil um.

 

Unser Sinn für Gerechtigkeit sitzt in den Ohren zusammen mit dem Gleichgewichtssinn.

 

Und wenn jemand tatsächlich davon ausgehen sollte, dass es GOTT gefällt, wenn Reiche ungehemmt ihren Reichtum auskosten, während sie für die Armen keinen Blick haben, dann haben sie in Wahrheit überhaupt keine Ohren!

 

Eine neue Club-of-Rome-Studie fordert drastische Schritte für eine lebenswerte Zukunft. Derzeit werde die Saat für den Zusammenbruch ganzer Weltregionen gelegt - ohne eine Umverteilung des Reichtums lasse sich die Klimakrise nicht lösen. Der Umbau müsse "noch in diesem Jahrzehnt" beginnen. "Wir werden die Welt nicht retten, wenn nicht die reichsten zehn Prozent die Rechnung bezahlen“ mahnt die Studie. Ferner müssten die vermögendsten Menschen in allen Ländern stärker besteuert werden.

 

Die Gründer des Club-of-Rome hatten bereits 1965 bei einem Treffen in Rom eine "selbstmörderische Ignoranz" als Ursache für den "Irrweg der Menschheit" identifiziert. 1972 erschien die von der Gruppe in Auftrag gegebene Studie "Die Grenzen des Wachstums". Der viel beachtete Bericht warnte schon damals: wenn das Wachstum von Bevölkerung, Wirtschaft und Konsum ungehindert weitergehe, drohe Mitte des 21. Jahrhunderts die Katastrophe, Nahrungsmittel und Ressourcen würden schwinden.

 

Auch diesem Frevel muss nun beherzt ein Ende bereitet werden! Damit das gelingt bedarf es eines scharfen Sinnes für die Geistkraft GOTTES! Ein 'weiter so' oder ein ‚zurück' in fatale falsche Machtstrukturen darf es nicht geben!

 

Einen gesegneten Sonntag in die ganze Runde

Johannes Brinkmann / Essen

www.johannesbrinkmann.de

 

Als Antwort auf die tiefe Krise der römisch-katholischen Kirche und des damit einhergehenden Bedeutungsverlustes in unserem Land kommen Reformgruppen, Betroffeneninitiativen sowie katholische Verbände und Initiativen zu einer Kirchen­Volks­Konferenz am 24. und 25. September­ 2022 in Köln zusammen und laden alle Interessierten und Engagierten aus nah und fern herzlich dazu ein.

Am Freitag, 23. September 2022 findet am selben Tagungsort, der Jugendherberge Köln-Deutz, die 47. öffentliche Wir sind Kirche-Bundesversammlung statt.

Die Gesamtorganisation erfolgt durch die KirchenVolksBewegung Wir sind Kirche.

Weitere Informationen und Anmeldung hier: KirchenVolksKonferenz

 

 

Sich Freunde machen mit unredlich erworbenem Besitz, dem Mammon?

Er sagte zu seinen Jüngerinnen und Jüngern: „Es lebte ein reicher Mann, der hatte einen Verwalter, und dieser wurde bei ihm verleumdet, dass er seinen Besitz verschleudere. Er rief ihn und sagte zu ihm: ´Was hat es auf sich mit dem, was ich über dich höre? Lege Rechenschaft ab über deine Verwaltung, sonst kannst du nicht weiter verwalten.` Der Verwalter sprach zu sich: ´Was soll ich bloß tun, wenn mein Herr die Verwaltung von mir fortnimmt? Ich kann nicht mit der Schaufel umgehen und zu betteln schäme ich mich. Ich weiß, was ich tun will, damit sie mich in ihre Häuser aufnehmen, wenn ich von der Verwaltung abgesetzt bin.` Er ließ jeden einzelnen Schuldner seines Herrn zu sich rufen und sagte zum Ersten: ´Wie viel bist du meinem Herrn schuldig?` Der antwortete ihm: ´100 Bat Öl.` Da sagte er zu ihm: ´Nimm hier deinen Schuldschein, setzt dich schnell hin und schreibe: 50 !`  Danach sagte er zu einem anderen: ´Und du, wie viel bist du schuldig?` Der antwortete: ´100 Kor Weizen.` Er sagte zu ihm: ´Nimm hier deinen Schuldschein und schreibe: 80.` Der Herr lobte den ungerechten Verwalter, dass er klug gehandelt habe. Denn die Kinder dieser Welt sind ihrem Geschlecht gegenüber klüger als die Kinder des Lichts. Und ich sage euch: Auch mit ungerechtem Geld lassen sich Freunde machen, die euch immer ein Obdach geben, wenn es euch fehlt. Wer im Kleinsten Vertrauen erwirbt, erwirbt es sich auch im Großen. Und wer im Kleinsten ungerecht ist, ist es auch im Großen. Wenn ihr euch nun mit dem ungerechten Geld kein Vertrauen erwerben konntet, wer wird euch das Wahre anvertrauen? Und wenn ihr mit dem, was anderen gehört, kein Vertrauen erworben habt, wer wird etwas für euch geben? Keine Dienerschaft kann zwei Herren dienen; denn entweder wird sie den einen hassen und den anderen lieben, oder sie wird dem einen anhangen und den anderen verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Geld.“ 

 Lk 16,1-13  Bibel in gerechter Sprache

 

Sich Freunde machen mit unredlich erworbenem Besitz, dem Mammon?

 

Was ist denn da in Jesus gefahren?

Widerspricht er nicht in dieser Geschichte aus dem Alltag seiner Jüngerinnen und Jünger seinen bisherigen Forderungen und seiner Botschaft?

 

Jesus lobt einen hinterlistigen, betrügerischen Verwalter, der, weil ihm das Wasser am Hals steht, mit Tricks arbeitet und seinen Herrn bestiehlt, um sich bei den Leuten beliebt zu machen, damit sie ihm, wenn er seine Stelle verliert, vielleicht sogar noch Obdach gewähren? Ist es in Ordnung, wenn man sich zu einem Komplizen oder Verbündeten eines ausbeuterischen Systems macht und sich mit zu Unrecht erworbenem Besitz Vorteile verschafft, so, wie es im römischen Reich üblich war? Ein bisschen betrügen, ein bisschen mogeln sind die Methoden der Kinder der Welt, während die biederen, schlafmützigen, viel zu ehrlichen Kinder des Lichtes wohl nicht so erfolgreich sind. Diese Betrüger sollen sie sich zum Vorbild nehmen? 

Der Blick auf den griechischen Text und die Situation im von den Römern beherrschten Israel gibt Antwort: Im Urtext lobt Jesus einen „Verwalter der Ungerechtigkeit“, denn sein Herr ist ein reicher Großgrundbesitzer, der seine Ländereien verpachtet. Die Pächter dürfen einen Teil der Ernte behalten, müssen aber auch ihre Pacht bezahlen. Fällt die Ernte schlecht aus und sie können nicht zahlen, droht eine auch noch durch die Zinsen wachsende Verschuldung, mitunter bis zur Verarmung der ganzen Familie oder dass alle für den Reichen arbeiten müssen. - Verwalter aber haben die verbriefte Befugnis zu entscheiden, ob sie die Pächter zur Ader lassen oder ihnen einen Teil der Schulden erlassen. 

 

Offenbar erfüllt der Verwalter seine Aufgabe, den Reichtum zu vermehren, nicht, sondern verschleudert ihn, sodass die Leute ihn bei seinem Herrn anschwärzen. Nun muss er sich etwas einfallen lassen, um einer Kündigung zu entgehen: Raffiniert verringert er kurzerhand die sehr hohen Schulden und sorgt so für Erleichterung und Dankbarkeit bei den Schuldnern. 

 

Zinsen zu verlangen, war in Israel ausdrücklich verboten, dies wurde aber oft durch Formulierungstricks ausgehebelt. Der israelitische Verwalter hat jedoch einfach die verbotenen Zinsen gestrichen und so den biblischen Schuldenerlass umgesetzt (J. D. M. Derret) und eine Umverteilung des Besitzes vorgenommen. Das rückt den Verwalter nun in ein ganz anderes Licht: Er ist kein Steigbügelhalter des Reichen. Er nimmt das Zinsverbot ernst und sorgt klug, frei, selbstbewusst und aus Solidarität und einem Zusammengehörigkeitsgefühl heraus für Recht und Gerechtigkeit gegenüber den nicht römischen, sondern israelitischen Schuldnern und macht sie sich zu Freunden. DAS alles lobt Jesus. 

 

Jesus motiviert seine Jüngerinnen und Jünger, sich ebenso entschieden für Arme, Verschuldete, in Not Geratene einzusetzen und ihnen aus ihrer Situation herauszuhelfen. Und wenn der Reichtum, der Mammon, einmal zu Ende geht, haben sie sich eine „ewige Wohnung“ erworben. Dabei sind Zuverlässigkeit und Rechtschaffenheit für ihn entscheidend; wenn jemand zunächst nur im Kleinen wirken kann, dies aber zuverlässig ausführt, vertraut man ihm und überträgt ihm größere Aufgaben. Dies gilt, so zeigt die Lebenserfahrung, gleichermaßen für schlechtes und für rechtes Umgehen mit den „Dingen“.

 

Am Schluss kommt dann die entscheidende Botschaft: „Mammon“ steht für unredlich und auf unmoralische Weise erworbenen, angehäuften Reichtum. Unter diesem ungerechten Mammon des römischen Reiches haben Arme zu leiden, manche sind Sklaven und diesem System machtlos ausgeliefert. Dieser Mammon hat die Macht, Menschen von Gott wegzuführen. 

 

Wenn man aber Gott dient, ändern sich die Besitzverhältnisse und die Einstellung zum Besitz. Dem Mammon zu dienen, ist verboten, vorhandener Reichtum muss geteilt werden und allen zugute kommen. Er hat keinen Wert, der Reiche keine Chance, eine ewige Wohnung zu erhalten (Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr ...), Sklaven werden zu Freunden, Ungerechtigkeiten, Betrügereien sollen erst gar nicht vorkommen. Gelebt wurde das in den jesuanischen Urgemeinden.

 

Wie steht es denn heute um den Mammon? 

 

Der Reichtum, z. B. der Konzerne, der Großgrundbesitzer in aller Welt, vieler Menschen in den reichen Ländern ... basiert in den meisten Fällen auf Ausbeutung, auf Kosten Ärmerer, durch Kinderarbeit und Sklaverei; ca. 25 Millionen Menschen befinden sich in Zwangsarbeit für den europäischen Binnenmarkt; die Schuldenfalle und unfaire Preise treiben Produzenten in Hunger, Krankheit, Unfreiheit, Existenznot und Tod, und er führt zur Klimakatastrophe mit Bedrohung und Zerstörung des Lebens auf der Erde. 

 

Der nichtmaterielle Mammon zeigt sich in der Welt und in der Kirche in Machtmissbrauch, Vertuschung, Lüge, narzisstischer Eigenliebe, Unbarmherzigkeit … ergänzen Sie selbst – kurz, in allem, was unrechtmäßig, selbstherrlich, ohne Rücksicht auf Mitmenschen erworben und als Goldenes Kalb absolut gesetzt, angebetet wird. 

 

Und wie gewinnt man sich Freunde?

 

Der Verwalter sorgte nach seinen Möglichkeiten für mehr Gerechtigkeit und Verminderung der Armut und der Unfreiheit. Dies nachzuahmen, aber auch Ungerechtigkeit, Machtmissbrauch usw. aufzudecken, auf der Seite der Betroffenen zu stehen, generell mitzuwirken am Reich Gottes - das ist Gottesdienst - , ist auch unser Auftrag. Jede und jeder von uns findet mit Sicherheit im Umfeld oder auf der Welt genügend Gelegenheiten dazu.

 

PS. Nichts ist in Jesus gefahren!

 

Brigitte Karpstein

 

Die Auslegung von Dominic Groß vom Ökumenischen Netzwerk, Koblenz, gab mit wertvolle Impulse.

 

 

Als Antwort auf die tiefe Krise der römisch-katholischen Kirche und des damit einhergehenden Bedeutungsverlustes in unserem Land kommen Reformgruppen, Betroffeneninitiativen sowie katholische Verbände und Initiativen zu einer Kirchen­Volks­Konferenz am 24. und 25. September­ 2022 in Köln zusammen und laden alle Interessierten und Engagierten aus nah und fern herzlich dazu ein.
Am Freitag, 23. September 2022 findet am selben Tagungsort, der Jugendherberge Köln-Deutz, die 47. öffentliche Wir sind Kirche-Bundesversammlung statt.

Die Gesamtorganisation erfolgt durch die KirchenVolksBewegung Wir sind Kirche.

Weitere Informationen und Anmeldung hier: KirchenVolksKonferenz

 

 

Der barmherzige Vater

Es kamen immer wieder alle, die beim Zoll beschäftigt waren und zu den Sündern gezählt wurden, zu Jesus, um ihn zu hören. Die Angehörigen der pharisäischen Glaubensrichtung und die Schriftgelehrten murrten und sagten: „Der akzeptiert ja sündige Leute und isst mit ihnen!“ Jesus aber erzählte ihnen folgendes Gleichnis: „Gibt es jemanden unter euch, der 100 Schafe hat, und wenn er eines von ihnen verliert, nicht die 99 in der Wildnis zurücklässt, um dem Verlorenen nachzugehen, bis er es findet? Und wenn er es gefunden hat, so setzt er es voll Freude auf seine Schultern. Zu Hause ruft er seine Freunde und die Nachbarschaft zusammen und sagt ihnen: ´Freut euch mit mir: Ich habe mein Schaf gefunden, das verloren war!` Ich sage euch: So wird im Himmel mehr Freude sein über einen Sünder, der umkehrt, als über 99 Gerechte, die eine Umkehr nicht nötig haben.

Oder: Gibt es eine Frau, die zehn Silberstücke hat und eins davon verliert, die nicht eine Lampe anzündet und das Haus mit dem Besen kehrt und sorgfältig durchsucht, bis sie das Geldstück findet? Und wenn sie es gefunden hat, ruft sie ihre Freundinnen und die Nachbarschaft zusammen und sagt: ´Freut euch mit mir: Ich habe das Silberstück, das ich verloren hatte, wieder gefunden!` Ich sage euch: Genauso wird bei den Engeln Gottes Freude sein über eine sündige Person, die umkehrt.“

Er sprach: „Ein Mann hatte zwei Söhne. Der jüngere von ihnen sagte zum Vater: ´Vater, gib mir den Teil des Vermögens, der mir zusteht.` Und er verteilte seine Habe an sie. Bald danach nahm der jüngere Sohn alles mit sich und zog in ein fernes Land. Dort verschleuderte er sein Vermögen und lebte in Saus und Braus. Nachdem er aber all das Seine durchgebracht hatte, kam ein gewaltiger Hunger in jenes Land, und er begann, Not zu leiden. Er zog los und begab sich in die Abhängigkeit eines Bürgers jenes Landes, und der schickte ihn auf die Felder, seine Schweine zu hüten. Er hätte sich unheimlich gern satt gegessen an den Schoten des Johannisbrotbaums, die die Schweine fraßen, aber niemand gab ihm davon. Da ging er in sich und sagte: So viele Tagelöhner und Tagelöhnerinnen meines Vaters haben Brot im Überfluss – und ich komme hier um vor Hunger! Ich stehe auf, wandere zu meinem Vater und sage zu ihm: ´Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir. Ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu heißen. Mach' mich zu einem deiner Tagelöhner!` Er stand auf und ging zu seinem Vater. Schon von ferne sah ihn sein Vater kommen, und Mitleid regte sich in ihm, und er eilte ihm entgegen, fiel ihm um den Hals und küsste ihn. Der Sohn sprach zu ihm: ´Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir. Ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu heißen.` Der Vater aber sagte zu seinen Sklaven und Sklavinnen: ´Schnell, bringt das beste Kleid her und zieht es ihm an, steckt ihm einen Ring an die Hand und Sandalen an die Füße! Holt das Mastkalb und schlachtet es, lasset uns essen und fröhlich sein! Denn dieser, mein Sohn, war tot und ist wieder lebendig, er war verloren und ist gefunden!` Und sie begannen sich zu freuen.

Sein älterer Sohn aber war auf dem Feld. Als er heimkam und sich dem Haus näherte, hörte er Singen und Tanzschritte. Er rief einen der jungen Sklaven und fragte ihn, was denn sei. Der aber sagte ihm: ´Dein Bruder ist gekommen, und dein Vater ließ das Mastkalb schlachten, weil er ihn gesund wieder erhalten hat!` Da wurde der Bruder wütend und wollte nicht hineingehen. Sein Vater aber kam heraus und lud ihn ein. Er antwortete aber seinem Vater: ´Siehe, ich diene dir schon so viele Jahre und habe nie ein Gebot von dir übertreten, und nie hast du mir einen Bock gegeben, damit ich mit meinen Freunden fröhlich wäre. Nun aber kommt dein Sohn, der deine Habe mit Unzüchtigen verfressen hat, und du lässt für ihn das Mastkalb schlachten!` Er sagte zu ihm: ´Kind, du warst alle Zeit mit mir zusammen, und alles, was mir gehört, gehört auch dir. Nun ist es Zeit, sich zu freuen und fröhlich zu sein, weil dein Bruder, der tot war, lebendig ist. Er war verloren und ist gefunden!`“

LK 15,1-32 Bibel in gerechter Sprache

 

 

 

Der barmherzige Vater

 

Liebe Leser*innen unserer Sonntagsbriefe, ich möchte Sie heute einmal einladen zu einer Bildbetrachtung. Es geht um das Gemälde „Die Heimkehr des verlorenen Sohnes“ von Rembrandt. Das Original hängt in der Eremitage  in Petersburg. Sie finden die Abbildung sicher in Ihrem Bücherschrank, ansonsten im Internet  Obwohl der Titel vom "Sohn" spricht, finde ich die andere Formulierung dieser Perikope: „Der barmherzige Vater“ für treffender. Er steht im Mittelpunkt des Rembrandt-Gemäldes. Vom „Sohn“ sieht man nicht viel als die Rückansicht.

 

Jesus stellt in diesem Gleichnis sein Gottesbild vor: das, des liebendes Vaters, der auch den bedingungslos annimmt, der Irrwege beschritten hat in der Vergangenheit. Nun zählt nur die Gegenwart: er ist umgekehrt, er ist wieder da. Das Gottesbild Jesu ist das einen Abba, das man mit Papi  übersetzen kann. Aber ganz eindeutig männlich ist das Gottesbild nicht: Schauen Sie sich die , um den Heimgekehrten gelegten, bergenden Hände des Vaters an: Eine derbe Männerhand und eine  schlanke Frauenhand. Das ist natürlich Rembrandts Sicht.  Aber auch Jesus gibt seinem Gottesbild weibliche Züge, z.B. in dem Gleichnis  von der Frau, die die Drachme sucht (Vgl. Bild des Guten Hirten).

 

Die Bibel in gerechter Sprache benutzt sehr oft das Wort „Ruach“ - die Geistin, für Gott. Alles Versuche, das Phänomen Gott zu fassen. Wir Menschen brauchen Bilder, um ein Gegenüber zu haben, zu dem man beten und dem man vertrauen kann, durch das wir Transzendenz erfahren können.

 

In Exodus 20.4 steht geschrieben: „Mache die kein Gottesbild, noch irgendein Idol...“ Ein sehr weises Gebot! So verschieden die Menschen sind, so verschieden sind auch die Gottesbilder. So hat z.B. das Bild des leiblichen Vaters großen Einfluß auf das Bild Gottes: ein autoritärer Vater bewirkt oft das Bild eines Gottes, der alles „sieht“ und alles Böse bestraft. Wie so Vieles birgt auch das Bild, das sich Menschen von Gott machen, die Gefahr des Mißbrauchs (Ex.20,7) in sich, der wohl alle Religionen erlegen sind. So ist noch heute die christliche Liturgie von der Opfertheologie geprägt, die Gott als einen Vater darstellt, der ein Blutopfer seines Sohnes braucht, um die Schuld eines Adams und seiner Nachkommen zu sühnen. Im Islam gibt es „Gläubige“ , die glauben, Gott wohlgefällig zu sein, wenn sie möglichst viele Menschen  und oft sich selbst töten. Und wie oft werden in Religionen Gebote und Verbote ausgesprochen und damit begründet, dass das Gottes Wille sei. Wir können als Geschöpfe Gott nicht erfassen. Wie wollen wir dann ganz genau wissen, was Gott will? Für mich ist z.Zt. das  treffendste Gottesbild die Aussage: "Gott ist Liebe",wobei wir wieder bei dem Rembrandt-Bild sind. Diese Vater-Figur sagt für mich alles aus, was uns zu Gott zurück kehren läßt, wenn wir uns verirrt haben, vertrauend auf Annahme, Geborgenheit, Versöhnung und bedingungslose Liebe. Wie diese Erkenntnis in der „Praxis“ aussieht, hat uns der Lebensweg Jesu gezeigt. Im auf diesem Weg nachzufolgen, ist mit Sicherheit der "Wille Gottes".

 

Einen gesegneten Sonntag Ihnen!

Eva- Maria Kiklas



 

Als Antwort auf die tiefe Krise der römisch-katholischen Kirche und des damit einhergehenden Bedeutungsverlustes in unserem Land kommen Reformgruppen, Betroffeneninitiativen sowie katholische Verbände und Initiativen zu einer Kirchen­Volks­Konferenz am 24. und 25. September­ 2022 in Köln zusammen und laden alle Interessierten und Engagierten aus nah und fern herzlich dazu ein.
Am Freitag, 23. September 2022 findet am selben Tagungsort, der Jugendherberge Köln-Deutz, die 47. öffentliche Wir sind Kirche-Bundesversammlung statt.

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In Frage gestellt

Deshalb auch das Folgende: Unter Berufung auf Christus könnte ich dir ja vorschreiben, was du tun sollst. Aber wegen der Liebe, die du gezeigt hast, bitte ich dich einfach so, wie ich bin: ich, Paulus, ein alter Mann, der jetzt wegen Christus Jesus auch noch ein Gefangener ist. Ich bitte dich für meinen Sohn, für den ich während der Haft zum Vater geworden bin. Es geht um Onesimus! Früher war er für dich nutzlos, aber jetzt kann er für dich und mich nützlich sein. Ich sende ihn zu dir zurück. Und das ist so, als würde ich mein eigenes Herz senden.

Ich hätte ihn gerne bei mir behalten, damit er mich an deiner Stelle unterstützt – solange ich wegen der Guten Nachricht in Haft bin. Aber ohne deine Zustimmung wollte ich das nicht tun. Deine gute Tat sollte ja nicht unter Zwang geschehen, sondern aus freien Stücken.

Vielleicht war er ja deshalb eine Zeit lang von dir getrennt, damit du ihn für immer zurückbekommst. Du bekommst allerdings keinen Sklaven mehr, sondern etwas viel Besseres: einen geliebten Bruder. Schon für mich ist er das in ganz besonderem Maße. Wie viel mehr muss er es dann erst für dich sein – sowohl im täglichen Leben als auch in der Zugehörigkeit zum Herrn! Wenn du dich nun wirklich eng mit mir verbunden fühlst, dann nimm ihn auf – so als ob ich es selber wäre.

Brief an Philemon, 8-17 Basisbibel

 

 

In Frage gestellt

 

Paulus schreibt seinem Freund Philemon aus der Haft bzw. einem Hausarrest, vermutlich in Ephesus. Sein Anliegen ist zugleich ein sehr persönliches wie auch ein über die persönlichen Beziehungen hinauswirkendes. Onesimus hat Paulus wohl bei seinem Besuch im Hause des Philemon, in dem sich die junge Gemeinde von Kolossai trifft, kennengelernt. Dass der junge Sklave entlaufen ist, wird erst im späteren Verlauf des Briefes, der aus einem einzigen Kapitel mit 25 Versen besteht, deutlich. Was ihn bewegt hat, die gefährliche Flucht zu wagen, erfahren wir nicht, aber sein Vertrauen in Paulus muss sehr groß gewesen sein, denn als entlaufener Sklave drohte ihm das einzige zu verlieren, was er hatte: sein Leben. - Paulus ist in einer schwierigen Situation. Auf der einen Seite der Freund, der ihn bei der Verbreitung der Frohen Botschaft unterstützt, auf der anderen Seite der Mensch auf der Flucht. 

 

Interessant finde ich seine Argumentation, mit der er sich für Onesimus einsetzt. Er bittet den Freund um seiner selbst willen den Flüchtigen wieder aufzunehmen und lobt diesen in den höchsten Tönen. Er und der Sklave, Vater und Sohn, sie stehen beide auf der gleichen Stufe. Für Paulus gibt es durch den Glauben an Jesus Christus weder Sklaven noch Freie, Männer noch Frauen, Juden noch Griechen (Gal 3, 28). - Und mit seinem Handeln verlangt er von Philemon – und von anderen, die Sklaven und Sklavinnen haben und sich zu Jesus Christus bekennen, dass sie das im Alltag umsetzen. 

 

Letztlich überträgt Paulus die Aufforderung Jesu: „Was ihr euren Nächsten tut, das tut ihr mir“ auf sich selbst. Aber das ist keine Anmaßung, vielmehr lädt er damit Philemon ein, es ihm gleich zu tun. „Schau, so wie ich es mache so mach auch du das.“ Dabei ist es trotz alledem heftig, was der Apostel und Handlungsreisende in Sachen Jesu von Unternehmern und Gutsbesitzern verlangt. Nicht viel weniger als die Freilassung von Sklaven. Und das in einer Gesellschaft, in der Sklavenhaltung und Leibeigenschaft zur Normalität und zum Funktionieren des Wirtschaftslebens gehörte. 

 

Wir wissen nicht, wie die Sache für Onesimus ausgegangen ist. Ich wünsche mir immer, wenn ich wieder mal auf diesen Text stosse, dass Philemon die Wünsche des Paulus ernst genommen hat und der junge Mann ein Leben in Wertschätzung und Freiheit leben konnte. - 

 

Wie ernst würden wir so eine Bitte eines Freundes, einer Freundin nehmen? Und in wie weit sind wir in der Lage, die Aufforderung Jesu im letzten Satz der heutigen Perikope Lukas 14, 25-33 ernst zu nehmen?

 „So gilt auch: Wer von euch nicht alles aufgibt, was er hat, der kann nicht mein Jünger sein.“ –

 Nein. Ich habe keine Antworten und will auch keine Versuche machen, das zu deuten. Da sind wir alle angefragt und auch in Frage gestellt. 

 

Ich wünsche uns allen einen nachdenklichen Sonntag

Sigrid Grabmeier

 

Als Antwort auf die tiefe Krise der römisch-katholischen Kirche und des damit einhergehenden Bedeutungsverlustes in unserem Land kommen Reformgruppen, Betroffeneninitiativen sowie katholische Verbände und Initiativen zu einer Kirchen­Volks­Konferenz am 24. und 25. September­ 2022 in Köln zusammen und laden alle Interessierten und Engagierten aus nah und fern herzlich dazu ein.
Am Freitag, 23. September 2022 findet am selben Tagungsort, der Jugendherberge Köln-Deutz, die 47. öffentliche Wir sind Kirche-Bundesversammlung statt.

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Demütige Gelassenheit

Mein Sohn, meine Tochter, alles, was du tust, tue in demütiger Gelassenheit, dann wirst du mehr geliebt als Menschen, die Geschenke verteilen. Je mehr Einfluss du hast, umso mehr nimm dich selbst zurück, dann wirst du Gefallen finden vor der Ewigen. Denn groß ist die Macht der Ewigen, von den Demütigen und Niedrigen wird sie gepriesen. Suche nicht, was dich in zu große Gefahr bringt, erforsche nicht, was deine Kräfte übersteigt. Denke über das nach, was dir als Mensch anvertraut wurde; der Umgang mit Dingen, die dem Menschen verborgen sind, ist nicht deine Sache. Beschäftige dich nicht hartnäckig mit dem, was über deine Aufgabe hinausgeht, denn dir wurde schon mehr gezeigt, als der Verstand von Menschen fassen kann. Schon viele führte die Spekulation über verborgene Dinge in die Irre, und schlimme Einbildungen brachten ihre Gedanken auf Abwege.

Ein verhärtetes Herz wird am Ende Schlimmes erleiden, und wer Risiko liebt, wird dadurch zugrunde gehen. Ein verhärtetes Herz wird niedergedrückt werden von Leid und Schmerz, und gewissenlose Menschen häufen Schuld auf Schuld. Für das Elend, das die Hochmütigen durch ihr Verhalten über sich bringen, gibt es keine Heilung, denn eine bösartige Pflanze hat in ihnen Wurzeln geschlagen. Ein einsichtiges Herz denkt über einen Sinnspruch nach, und über ein aufmerksames Ohr freuen sich weise Menschen. Wie Wasser loderndes Feuer löscht, so machen barmherzige Gaben Schuld unwirksam. Menschen, die Gutes tun, wird auch selbst Gutes begegnen; wenn sie zu fallen drohen, werden sie eine Stütze finden. 

Sir 3, 17-31 Bibel in gerechter Sprache

 

 

Demütige Gelassenheit,

  dieses Leitmotiv bildet den Anfang und eine Klammer über die heutige Perikope aus dem Buch Jesus Sirach. Wer gelassen handelt, sich selbst nicht so wichtig nimmt, steht in der Gunst Gottes.

Auf dieser Grundlage betrachtet Jesus Sirach den „Umgang mit Dingen, die dem Menschen verborgen sind“, und er rät davon ab. Als Naturwissenschaftler muss ich hier natürlich einhaken. Die Wissenschaft befasst sich seit je mit dem, was noch nicht bekannt ist, sonst wären wir nicht vom Satz des Pythagoras zum Higgs-Boson gekommen. Dabei muss sich die Wissenschaft an gewisse Regeln halten, sie muss gewissermassen demütig und gelassen mit ihrem Forschungsgegenstand umgehen. Ein wichtiges Kriterium ist die Evidenz, die Überprüfbarkeit von Theorien. Ein anderes ist, dass wir uns immer der Voraussetzungen und Randbedingungen bewusst sein müssen, unter denen eine Gesetzmässigkeit oder Theorie gilt (z.B. gilt der Satz des Pythagoras nur auf ebenen Flächen). Wer seine Voraussetzungen und Randbedingungen vergisst, landet schnell, wie Jesus Sirach beschreibt, auf schlimmen Abwegen. 

Dazu gehört auch der Unterschied zwischen Theorie (unbewiesene oder noch nicht bewiesene These) und (logisch hergeleitete) Gesetzmässigkeit. Auch die Theorie des menschengemachten Klimawandels ist streng logisch nicht beweisbar, es gibt aber eine erdrückende Kette von Indizien, und die Messwerte passen zu den Vorhersagen. Die demütige Gelassenheit, mit der die Klimatologen seit Jahrzehnten den Klimawandel erforschen und auf die Klimakatastrophe für dem Planeten hinweisen, ist dabei nicht zu verwechseln mit der naiven Ignoranz von Politik und Gesellschaft, die inzwischen massive Proteste auf sich ziehen. So kleben sich die Mitglieder der „Letzten Generation“ auf dem Strassenbelag fest, um gelassen aber auch eindringlich darauf hinzuweisen, dass wir im Moment unsere Lebensgrundlagen zugrunde richten. 

Ich bin überzeugt davon, dass diese wissenschaftlichen Grundsätze auch für die Theologie gelten, auch wenn es hier um Offenbarung geht und ein Nachweis viel schwerer ist. Die Theorie einer Schöpfung in sieben Tagen ist evident widerlegt. Die These, Jesus sei von den Toten auferstanden, muss sich ihrer Voraussetzungen bewusst sein: sie setzt einen Glauben an die Auferstehung voraus, und ausserdem die Erfahrung, dass in Jesu Handeln Gott wirksam geworden ist. Nur aufgrund dieser Erfahrung konnten die Frauen am Grab glaubhaft vermitteln, dass er lebt. Vielleicht habe ich diese Erfahrung auch gemacht, oder ich kann den Berichten glauben. Jedenfalls soll ich mit demütiger Gelassenheit denen gegenüberstehen, die meiner Theorie nicht folgen, denn streng wissenschaftlich beweisen kann ich eine Offenbarungswahrheit nie. Wie Jesus Sirach schreibt, führt solche „Spekulation über verborgene Dinge“ oft in die Irre. Wenn sie zudem mit einem verhärteten Herz (z.B. einem Dogma) vertreten wird, häuft sich Schuld auf Schuld.

Interessant ist, was unsere Perikope weiter zur Schuld sagt. Wir sollen ja glauben, dass Jesu Tot unsere Schuld ein für alle mal getilgt hat. Aber das reicht nicht. Barmherzige Gaben, gute Taten, können Schuld unwirksam machen, können sie nach und nach auslöschen wie das Wasser von Löschflugzeugen einen Waldbrand löscht. Wir sollen selber Gutes tun, im Kleinen wie auch in der Dimension der kollektiven Schuld, die wir z.B. als globaler Norden an den Weltregionen aufgehäuft haben, die dank unseres CO2-Ausstosses bald nicht mehr bewohnbar sein werden. 

Wer Gutes tut, dem wird auch Gutes begegnen. Das ist nicht der Grund, um Gutes zu tun, sondern es ist eine Erfahrung, die wir machen dürfen, wenn wir einfach so, ohne Berechnung, Gutes tun - aus demütiger Gelassenheit.

 

Tobias Grimbacher

 

Als Antwort auf die tiefe Krise der römisch-katholischen Kirche und des damit einhergehenden Bedeutungsverlustes in unserem Land kommen Reformgruppen, Betroffeneninitiativen sowie katholische Verbände und Initiativen zu einer Kirchen­Volks­Konferenz am 24. und 25. September­ 2022 in Köln zusammen und laden alle Interessierten und Engagierten aus nah und fern herzlich dazu ein.
Am Freitag, 23. September 2022 findet am selben Tagungsort, der Jugendherberge Köln-Deutz, die 47. öffentliche Wir sind Kirche-Bundesversammlung statt.

Die Gesamtorganisation erfolgt durch die KirchenVolksBewegung Wir sind Kirche.

Weitere Informationen und Anmeldung hier: KirchenVolksKonferenz

 

 

Vom Engpass zu einem anderen Zustand

Auf seinem Weg nach Jerusalem zog er von Stadt zu Stadt und von Dorf zu Dorf und lehrte. Da fragte ihn einer: Herr, sind es nur wenige, die gerettet werden? Er sagte zu ihnen: Bemüht euch mit allen Kräften, durch die enge Tür zu gelangen; denn viele, sage ich euch, werden versuchen hineinzukommen, aber es wird ihnen nicht gelingen. Wenn der Herr des Hauses aufsteht und die Tür verschließt und ihr draußen steht, an die Tür klopft und ruft: Herr, mach uns auf!, dann wird er euch antworten: Ich weiß nicht, woher ihr seid. Dann werdet ihr anfangen zu sagen: Wir haben doch in deinem Beisein gegessen und getrunken und du hast auf unseren Straßen gelehrt. Er aber wird euch erwidern: Ich weiß nicht, woher ihr seid. Weg von mir, ihr habt alle Unrecht getan! Dort wird Heulen und Zähneknirschen sein, wenn ihr seht, dass Abraham, Isaak und Jakob und alle Propheten im Reich Gottes sind, ihr selbst aber ausgeschlossen seid. Und sie werden von Osten und Westen und von Norden und Süden kommen und im Reich Gottes zu Tisch sitzen. Und siehe, da sind Letzte, die werden Erste sein, und da sind Erste, die werden Letzte sein.

 

Lk 13,22 – 30 Einheitsübersetzung 

 

 

Vom Engpass zu einem anderen Zustand

Was bedeutet „bemüht euch mit aller Kraft durch die enge Tür zu gelangen.“?

Beim CSD in Essen sah ich eine kleine Schar von Menschen, die ein Schild hochhielt auf dem stand: „Die Strafe für die Sünde ist der Tod! Römer 6,23“

Sind das vorbildliche Christenmenschen, die in Gottes Namen anderen Sünden vorhalten und mit Todesstrafen um sich werfen? Sind das Leute, die durch die enge Tür gelangen werden? Werden sie gerettet werden, während die, die auf ihre Warnungen nicht hören, in der ewigen Verdammnis, im ewigen Tod, landen werden? Sie berufen sich auf Gottes Macht und schleudern ihren Bannstrahl auf vermeintliche Sünder. Wer oder was gibt ihnen das Recht dazu? Wieso fühlen sie sich selbst so gerecht, dass ihnen von Gott her gestattet ist, zu richten?

Zum einen ist da ihr Bibelverständnis: sie nehmen die Bibel wort-wörtlich. Ich denke aber, da steckt noch mehr dahinter. Wahrscheinlich fühlen sie sich schon jetzt im Zustand der Seligkeit, weil sie das Opfer Jesu am Kreuz glaubend angenommen haben. Ihre eigenen Sünden sind dadurch vollkommen und vollständig bezahlt. Sie sind gereinigt durch Jesu Blut! Und wer rein ist, darf oder muss sogar auf „Schmutz“ weisen. Sie zeigen auf den Splitter, den sie im Auge der anderen, der „Sünder“, sehen und werfen, im festen Glauben dazu von Gott gesandt zu sein, den Bannstrahl auf sie! Sie sehen sich als gerechte Werkzeuge der Allmacht Gottes! Gerecht gemacht aus ihrem Glauben an das Opfer Christi und an Christus selbst, der sie reingemacht hat im Sühneopfer und ausgesandt hat, die Sünde aufzuzeigen und deutlich zu benennen! Sie sehen sich als die Elite, als die wahrhaft Gläubigen.

Meist haben sie einen freikirchlichen Hintergrund, denn dort wird der „Opfertod Jesu am Kreuz“ als Grundlage des Heils und der Sündenvergebung als zentraler Glaubenswert besonders betont und gepflegt. Ich frage mich: hätte George W. Bush damals nach 9/11 als Präsident der USA sein „Wir die USA sind die Guten – und dort sind die Bösen und die Achse des Bösen“ mit derselben, von jeglichen Selbstzweifeln freie, Überzeugung vertreten, wenn er nicht zuvor durch Billy Graham bekehrt worden wäre und sich danach als „wiedergeborenen Christen“ bezeichnet hätte. Ein Geist, ein Hochmut, der bis heute nicht nur die USA vergiftet.

Auch in der römisch katholischen Kirche sehe ich einen Zusammenhang zwischen elitärer Selbstwahrnehmung und dem Glauben an das Sühneopfer Jesu.

Den Mythos des Sühneopfers fand ich immer schon befremdlich!

So oder so ähnlich habe ich, und vielleicht auch viele von euch, es schon in Kindergottesdiensten gelehrt bekommen: Jesus ist der einzige Mensch, der nie gesündigt hat, denn er ist Gottes Sohn. Jesus ist Gott, aber er hat wie ein Mensch auf der Erde gelebt. Er hat nie etwas falsch gemacht. Und trotzdem musste er sterben. Jesus ist für deine Sünden gestorben. Als er am Kreuz gestorben ist, hat er sich für das, was du falsch gemacht hast, bestrafen lassen. Er ist für dich gestorben. Vertraue voll und ganz auf das Opfer Jesu als die vollkommene und vollständige Zahlung für deine Sünden. Wenn du dies tust, verspricht Gottes Wort, dass du erlöst wirst, deine Sünden vergeben werden und du die Ewigkeit im Himmel verbringen wirst. Es gibt keine wichtigere Entscheidung.

Demnach hat Gott die Kreuzigung gewollt, sie war sein Plan zum Heil! Ein Sühneopfer, damit Gott auf die gerechte Bestrafung der Sünden verzichten kann! Jesus hat die Sünden aller Menschen auf sich genommen und hat durch sein Opfer am Kreuz die Sünde getilgt. Jemand muss die Schuld bezahlen, damit Gott vergeben kann! Gnade, Barmherzigkeit und Vergebung reichen nicht, eine/r muss bezahlen! Eine Haltung, die sich auf die Gläubigen abfärbt!

Die Verantwortung für die Kreuzigung liegt also bei Gott! Denn Gott hat sie gewollt! Oder doch nicht?

Ich sage:

Der Mensch hat die Kreuzigung gewollt, und GOTT hat sie geschehen lassen! Die Verantwortung dafür trägt der Mensch! Die Hinrichtung Jesu war kein heilstiftendes Sühneopfer, sondern ein Justizverbrechen, eine vor allem politisch begründete Liquidation eines Unruhestifters. Es war ein sinnloses Ende eines großartigen Menschen!

GOTT hat die Gewalt geschehen lassen, ist einfach durch sie hindurch gegangen! Das Problem der Kreuzigung wird nicht durch einen Machtbeweis GOTTES gelöst, sondern allein durch die Liebe, die zum Leiden bereit ist bis zum Tod! So wird uns Jesus zum guten Beispiel, das vorangeht und die Gewaltspirale der Menschen durchbricht.

Machtspiele sind Sache der Menschen: Denn wer Macht innehat, der ist Bestimmer hier auf Erden! Die damaligen Machthaber, allen voran Pontius Pilatus, haben an Jesus ein Exempel ihrer Machtfülle statuiert. Jesus als Bild eines abschreckenden Beispiels für alle sichtbar aufgehängt!

Wer machtlos ist, kann nichts bestimmen. Macht und Geld sind bestimmend! „Haste was, biste was, haste nix, biste nix!“ GOTT hat dieses Machtspiel am Kreuz zerschlagen, erschien als machtlos in den Augen der Menschen! GOTT ließ sich nicht durch die Menschen zur Demonstration eigener Macht verführen, denn dann hätte GOTT sich mit den Menschen gleich gemacht statt die Menschen zu sich zu ziehen in einen anderen Zustand. GOTT wäre zum Bild der Menschen geworden. Der Mensch aber soll nach GOTTES Plan zum Bilde GOTTES werden!

Das Kreuz ist der Engpass, die enge Tür, denn es stellt das von Angst vor Ohnmacht geprägte Machtdenken der Menschen auf den Kopf und zurück auf die Füße, auf den guten Boden von GOTTES Reich!

Jesus blieb treu als er das Leid ertrug: „Ich aber sage euch: Leistet dem, der euch etwas Böses antut, keinen Widerstand, sondern wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt, dann halt ihm auch die andere hin!“ (Mt 5,39)

Und der kleinen Schar auf dem CSD rufe ich zu: „Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet!“ (Mt 7,1)

„Und siehe, da sind Letzte, die werden Erste sein, und da sind Erste, die werden Letzte sein.“

 

Einen gesegneten Sonntag in die ganze Runde

Johannes Brinkmann / Essen

www.johannesbrinkmann.de

 

Als Antwort auf die tiefe Krise der römisch-katholischen Kirche und des damit einhergehenden Bedeutungs­verlustes in unserem Land kommen Reform­gruppen, Betroffenen­initiativen sowie katholische Verbände und Initiativen zu einer Kirchen­Volks­Konferenz am 24. und 25. September­ 2022 in Köln zusammen und laden alle Interessierten und Engagierten aus nah und fern herzlich dazu ein.
Am Freitag, 23. September 2022 findet am selben Tagungsort, der Jugendherberge Köln-Deutz, die 47. öffentliche Wir sind Kirche-Bundesversammlung statt.

Die Gesamtorganisation erfolgt durch die KirchenVolksBewegung Wir sind Kirche.

Weitere Informationen und Anmeldung hier: KirchenVolksKonferenz

 

 

MAGNIFICAT

Meine Seele lobt die Lebendige,
und mein Geist jubelt über Gott, die mich gerettet hat.
Sie hat auf die Erniedrigung ihrer Sklavin geschaut. 
Seht, von nun an werden mich alle Generationen glücklich preisen, 
denn Großes hat die göttliche Macht an mir getan,
und heilig ist ihr Name.
Ihr Erbarmen schenkt sie von Generation zu Generation
denen, die Ehrfurcht vor ihr haben.
Sie hat Gewaltiges bewirkt.
Mit ihrem Arm hat sie die auseinander getrieben,
die ihr Herz darauf gerichtet haben,
sich über andere zu erheben.
Sie hat Mächtige von den Thronen gestürzt und
Erniedrigte erhöht,
Hungernde hat sie mit Gutem gefüllt
und Reiche leer weggeschickt.
Sie hat sich Israels, ihres Sklavenkindes, angenommen
und sich an ihre Barmherzigkeit erinnert,
wie sie es unseren Vorfahren zugesagt hatte,
Sara und Abraham und ihren Nachkommen für alle Zeit.

Lk 1, 46-5 Bibel in gerechter Sprache 

 

 

Magnificat

Das Magnificat! - Was für ein starker Text! Ich singe und bete ihn gern, weil er meinem Zorn über die Ungerechtigkeit in der Welt und in der Kirche Ausdruck verleiht. Er paßt aber nicht zu dem Bild von der Mutter Jesu, das wir von der Marienverehrung und auch von der bildenden Kunst her kennen: Maria als die demütige „Magd des Herrn“, die so bis in die jüngere Vergangenheit das christliche Frauenbild prägte. Wenn Lukas den Text des Magnificat Maria in den Mund legt, dann zeigt das, wie Lukas und die ersten Jesusgemeinden die Rolle und die Persönlichkeit der Mutter Jesu sahen: eine Revolutonärin, eine Aufmüpfige, die die herrschenden gesellschaftlichen Zustände kritisiert und auf den Kopf stellt - und eine Visionärin in Bezug auf das „Reich Gottes", um das es Jesus geht. Darin spielt Gerechtigkeit, auch die soziale, eine wichtige Rolle. Gerechtigkeit ist das am meisten vorkommende Wort in der Bibel. Hubertus Halbfas schreibt in seinem Bibelkommentar: „Das gesamte ( Lukas) Evangelium durchzieht eine soziale Botschaft....Lukas stellt die freiwillige Armut der Jünger Jesu heraus, die alles aufgegeben haben, um Jesus nachfolgen zu können. Dabei versteht er die Armut der Jünger als Kritik an den Reichen der eigenen Zeit."

 

Aber Gerechtigkeit umfasst ja nicht nur das Thema Armut -Reichtum, sondern fordert auch gleiches Recht für alle, wie es Paulus beschreibt(Gal.3,28): „Da ist nicht jüdisch noch griechisch, da ist nicht versklavt noch frei, da ist nicht männlich noch weiblich: denn alle seid ihr einzig - einig im Messias Jesus". Aber diese Gerechtigkeit ist weder in der Gesellschaft noch in der Kirche bis heute verwirklicht. So hat sich die Bewegung der Frauen, die um Geschlechtergerechtigkeit in der Kirche kämpft, den Namen "Maria 2.0 "gegeben, die Maria des Magnificat. Aber wir schreiben inzwischen das Jahr 2022! Dass nach fast 2 Jahrtausenden gegenüber Frauen in allen Ländern der Erde noch immer eine schreiende Ungerechtigkeit herrscht, ist leider ein erschreckende Tatsache, deren Beseitigung eine der wichtigsten Aufgaben für die Zukunft ist. In der Gesellschaft scheint das Bewusstsein, dass die Ungleichheit der Geschlechter beendet werden muß, aufzubrechen. Man wird sich auch des Potenzials bewußt, das Frauen einbringen können und auf das man bei der Komplexiität der Welt nicht mehr verzichten kann. Und wenn die katholische Kirche diese Tatsache weiter ignoriert, wird sie nach der Jugend auch die Frauen verlieren. Es wäre eigentlich ihre Aufgabe in der Nachfolge Jesu  gewesen, sich für Gerechtigkeit einzusetzen und dafür zu kämpfen, besonders auch für Frauen. Aber so lange sie nicht selbst allen getauften Christ*innen gegenüber Gerechtigkeit walten läßt, hat sie kein Recht, diese von der Gesellschaft zu fordern. Deshalb bleiben:

 

frauenfragen

 

wenn eine frau
das WORT geboren hat
warum sollten frauen dann
das wort nicht von der kanzel künden
 

wenn eine frau
für ihr zuhören gelobt wird
warum sollten frauen dann
das gelernte nicht auch lehren

 

wenn eine frau
die füße jesu küsste
warum sollten frauen dann
den altar nicht küssen können

 

wenn eine frau
den leib christi salben konnte
warum sollten frauen dann
nicht zum salbungsdienst befähigt sein

 

wenn eine frau
jesu sinneswandlung durch ein brotwort wirkte
warum sollten frauen dann
bei der wandlung nicht das brotwort sprechen

 

wenn eine frau
von jesus krüge voller wein erbitten konnte
warum sollten frauen dann
über einen kelch mit wein nicht auch den segen beten
 

wenn eine frau
den jüngern als apostolin vorausging
warum sollten frauen dann
zur apostelnachfolge nicht auch gerufen sein

 Andreas Knapp, veröffentlicht in „Christ in der Gegenwart" 22 / 2015

Ihnen allen einen schönen Feiertag

Eva- Maria Kiklas



Kirchliche Reformgruppen, Betroffeneninitiativen sowie katholische Verbände und Initiativen  treffen sich am Samstag 24. und Sonntag 25. September 2022 in Köln bei einer

KirchenVolksKonferenz

„Wir gehen schon mal voran – für eine synodale Kirche der Zukunft“  

 und laden auch alle Interessierten und Engagierten aus nah und fern herzlich dazu ein.  

 

Wenn der Friede ausgeht

„Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu schleudern, und ich wollte, es wäre schon entfacht! Mit einer Taufe aber muss ich getauft werden, und wie sehr werde ich gequält, bis sie sich erfüllt! Meint ihr, es sei mir gegeben, Frieden auf der Erde zu stiften? Nein, ich sage euch: Zwietracht. Es werden nämlich von jetzt an fünf in einem Hause sein, die werden entzweit, drei mit zweien und zwei mit dreien. Ein Vater wird mit seinem Sohn streiten und ein Sohn mit seinem Vater, eine Mutter mit ihrer Tochter und eine Tochter mit ihrer Mutter, eine Schwiegermutter mit der jungen Frau und die junge Frau mit der Schwiegermutter.“

Lk 12, 49-53 Bibel in gerechter Sprache 

 

 

Wenn der Friede ausgeht

hervorheben und anschließend durch Gedichtstexte erweitern 

 

1 Kor 15, 54-57 (Vorabend für den 15. August, Aufnahme Mariens in den Himmel) legt uns ans Herz die Frage zu stellen: Tod wo ist Dein Sieg? Sünde, wo und was ist Deine ureigene Peitsche? Gerade jetzt zu Zeiten eines Krieges vor der Haustür bzw. inmitten Europas. Die „peitschende Sünde“ für mich zurzeit ist das ausschließliche  u. isolierte Setzen auf Waffengewalt bezüglich des Russischen Krieges in der Ukraine.

 

Ja, Eindeutig! Es ist ein Angriffskrieg, der ja auch täglich und in internationaler Solidarität; so benannt wird. Doch ich vermisse dieselbe internationale Solidarität für die brachliegende Aufgabe: gemeinsam kreativ-alternative Möglichkeiten auszuhecken und Hebammendienst zu leisten für wirksamere  Lösungsmöglichkeiten. Denn von Krieg kommt Krieg, so kennen wir ihn, die wir schon etwas länger auf dieser Erde leben.

 

Und Lk 12, 49-53 zeigt,  dass Friede „ausgeht“ - erlischt, wenn Spaltung systematisch, mit verleumderischem Vorsatz, übersehen wird.—Wie tief ist der Riss bereits?, steht als Frage auf dem Titelblatt der neuen Publik-Forum? Wie tief haben wir ihn werden lassen...hier und da? Und wie mannigfaltig sind die Spaltungen in unserer Gesamt-Gesellschaft? 

 

Ach sie sind unzählbar geworden: zwischen Arm und Reich, zwischen „normal“ und anders, zwischen Klerus und Volk, zwischen „Zivilisierten“ und „Primitiven Völkern“. — Ja sogar ein Spalt hineingedrängt ins  Wort Gottes: Es wird für die Sünde instrumentalisiert: teilt Lasten aus statt Befreiung.

 

Da wird, auch mal eben, die Eroberung eines ganzen Kontinentes (Latein-Amerika 1492,)als Entdeckung kaschiert. Es werden auch die so „anderen“  Theologen mundtot gemacht, als kommunistisch abgestempelt und protestlos seitens der Kirche, von rechten Militärs umgebracht...etc...etc...etc... Ich kannte einige dieser Menschen!! welche ´bis aufs Blut widerstanden haben` (Hebr 12, 1-4) Sie geben uns Mut, wie Jesus Christus weiterzukämpfen, stets von Neuem aufzustehen u. einen Schritt zu wagen. 

 

Welch gigantischer Riss auch zwischen der Licht bringenden, lebendigen Einhaltung des „WORTES“  und dessen zum Gesetz gefrorene Unübertretbarkeit zur Last und Peitsche der Sünde geronnen. 

 

Dass Feuer entfacht werden muss,  ja  regelrecht auf die Erde geschleudert werden muss, damit Frieden werden kann...Dass unsere Taufe sich neu zur Quelle des Lichtes der Gerechtigkeit in uns und  für die Menschen denen wir begegnen, auswachsen kann, 

 

 

WENN DER HAHN KRÄHT
 
 
 
Machen wir
sie unsichtbar,
die uns den Schlaf rauben wollen,
 
Verbannen wir
jene aus unseren Breitengraden, 
die zu auffällig
Wunden zeigen, die uns nichts angehen,

 

 

Das gelingt uns am besten
in der Flut der täglich überflüssigen
und nichtssagenden Unter-Haltung,
 
Wir hängen die neue Seidenbluse
zärtlich auf den Bügel, da wird
der Schatten der Armen schon kleiner,
 
Und während wir ausruhen 
in dem aalglatten Leben 
unserer unverdienten Behaglichkeit,
kräht der Hahn schon zum dritten Mal.
 
Wir überhören es...
wie immer

 

 

JESUS DIE TREUE HALTEN

 

I. PRELUDIO


Unsicherheit
wächst in
unübersehbaren
vierblättrigen Kleeblättern
an unserem Weg
und ermöglicht uns
Seine Gnade zu empfangen
die uns hineinholen könnte
in SEINE Zeit
in SEIN Gericht
in SEINE Entscheidung
in SEINE GANZHEIT
in SEINE Schöpfung.

 

 

 

 

II. WAS?


Finsternis
breitet sich aus
über unsere
arbeitsgespickten Tage
weil wir sie angestrengt
mit eigenem Licht
erfüllen.
Erst wenn wir uns
Seiner Dunkelheit
des Kreuzes aussetzen
werden wir auch
Licht ausgießen
über die uns
anvertraute Herde.

 

 

III. WENIGSTENS DAS


Wenn 
Du nicht weißt
was Du tun kannst
verlass Dich ganz
auf Sein Wort
die keine Zweifel
daran aufkommen
lassen
dass ER auch Dich
als Baumeister ruft
für Seine
menschliche Geschichte

 IV. DAS AUCH


Seine Quelle des Lebens
versiegt  im Ballast
unserer Zaghaftigkeit
und unseres Wankelmutes
mit denen wir verstopfen
das Auge des Ursprungs.
Wir versinken in dem
von uns ausgebreiteten
Teppich der Enttäuschung
bis wir uns zur
Buße entschließen.

 V. UND DAS

An der
Seite der Armen
könnte unsere
Treue neu erblühen
wie der feierliche Ginster
an verlassenen Mauern
und verschenken
Klarheit und Sicherheit
an die schon verloren geglaubte Kirche.

 

 

   
 

WENN ES ABER WAHR IST...

 

Wenn es nicht
Aufgabe der Kirche ist 
zugunsten
des Lebens
zu sprechen
dann verdächtigt uns.
 
Wenn es nicht
Aufgabe der Kirche ist
gegen die
Todsünde
zu protestieren
dann verfolgt uns.
 
Wenn es nicht
Aufgabe der Kirche ist
Tränen zu vergießen
in dieWunden
des Gottesknechtes
dann verbannt
die Lüge des Kreuzes
aus unseren Kirchen.
 

 

Wenn es nicht
Aufgabe der Kirche ist
an der Seite
der Armen
die Last des Kreuzes
zu mildern
dann nehmt
uns gefangen.
          Wenn es nicht
das Zentrum
unseres Glaubens ist
die Auferstehung
fest für wahr
zu halten
dann vermauert
die Öffnung
des leeren Grabes.
 
Wenn es
aber wahr ist
was wir sagen
und glauben
dann schlagt Euch
auf unsere Seite
ehe ER
von neuem
ans Kreuz geschlagen wird.

© Foto—u. Texte Cristy Orzechowski...aus.  UNVERFRORENEN HOFFNUNG...

 

 

 

Kirchliche Reformgruppen, Betroffeneninitiativen sowie katholische Verbände und Initiativen  treffen sich am Samstag 24. und Sonntag 25. September 2022 in Köln bei einer

KirchenVolksKonferenz

„Wir gehen schon mal voran – für eine synodale Kirche der Zukunft“  

 und laden auch alle Interessierten und Engagierten aus nah und fern herzlich dazu ein.  

 

Erlösung? Verwandlung? Verklärung?

Es geschah aber: Etwa acht Tage nach diesen Worten nahm Jesus Petrus, Johannes und Jakobus mit sich und stieg auf einen Berg, um zu beten. Und während er betete, veränderte sich das Aussehen seines Gesichtes und sein Gewand wurde leuchtend weiß. Und siehe, es redeten zwei Männer mit ihm. Es waren Mose und Elija; sie erschienen in Herrlichkeit und sprachen von seinem Ende, das er in Jerusalem erfüllen sollte. Petrus und seine Begleiter aber waren eingeschlafen, wurden jedoch wach und sahen Jesus in strahlendem Licht und die zwei Männer, die bei ihm standen. Und es geschah, als diese sich von ihm trennen wollten, sagte Petrus zu Jesus: Meister, es ist gut, dass wir hier sind. Wir wollen drei Hütten bauen, eine für dich, eine für Mose und eine für Elija. Er wusste aber nicht, was er sagte. Während er noch redete, kam eine Wolke und überschattete sie. Sie aber fürchteten sich, als sie in die Wolke hineingerieten. Da erscholl eine Stimme aus der Wolke: Dieser ist mein auserwählter Sohn, auf ihn sollt ihr hören. Während die Stimme erscholl, fanden sie Jesus allein. Und sie schwiegen und erzählten in jenen Tagen niemandem von dem, was sie gesehen hatten.

Lk 9,28–36  Einheitsübersetzung 

 

Erlösung? Verwandlung? Verklärung? 

 

Wenn einer mit mir gehen will, verleugne er sich selbst, nehme täglich sein Kreuz auf sich und folge mir nach! Etwa 8 Tage, nachdem Jesus die Jüngerinnen und Jünger mit seinem Extremprogramm auf das εὐαγγέλιον, die gute Nachricht, eingeschworen hatte, nahm er Petrus, Johannes und Jakobus zum Beten mit auf einen Berg. Er wusste um den Wert der Stille, die Berge und Wüsten abseits vom Trubel der Menschen und dem Lärm der Städte bieten, um mit Gottes Geist in Kontakt zu kommen, vielleicht sogar seine Stimme zu hören. 

 

Während er betete, habe sich sein Gesicht total verändert und sein Gewand sei leuchtend weiß geworden, erzählt Lukas. Dann seien die Alttestamentler Mose und Elija “in Herrlichkeit” erschienen. Sie hätten mit Jesus gesprochen und von dessen baldigem Ende in Jerusalem gewusst. Plötzlich habe eine Wolke sie alle eingehüllt. Für einen Augenblick hätten die drei Auserwählten so teilnehmen können an der “Herrlichkeit des Himmels”! 

 

Torakundige wissen von Gottesanwesenheit in der Wolke: “Dieser ist mein auserwählter Sohn; auf ihn sollt ihr hören!“ Der Satz öffnete den Aposteln die Glaubenstüre: Jesus ist der Messias, Gottes Sohn. Seine Worte sind wahr, seine Taten Gottes Taten. Und Jesus selbst sah sich nun mit göttlicher Macht beauftragt: Wer mich hört, hört den Vater! 

 

Welche Freude und Herrlichkeit, welch himmlischer Zustand, zeitlos, jenseits der geschaffenen Welt auf sie wartet, das sollten die Jünger erfahren. Deshalb wurde ihnen für einen Augenaufschlag gewährt, Jesus als den verklärten Auferstandenen sicht – und hörbar zu erfahren. Nach dem Blick ins Alte Testament steigt er mit den Dreien wieder den Berg hinab. Sie kehren in den Alltag Jerusalems zurück, wo geschieht, was in der Verklärung oben schon zur Sprache kam: Ihr Rabbi, Lehrer und Freund wird wie ein Verbrecher am Schandkreuz hingerichtet. 

 

Erlösung?

Verwandlung?

Verklärung?

 

5o Tage nach der Ermordung ihres Freundes und Lehrers, waren seine mit heiligem Geist gestärkten Anhäger am Pfingsttag die Augen geöffnet worden. Aus Angst, wie Jesus getötet zu werden, hatten sie sich eingeschlossen. Befreit von aller Verfolgungsnot stürmten sie nun auf die Straßen und Plätze und riefen Gottes große Taten ausgehend vom Todesschatten hinein in die Verklärung himmlicher Herrlichkeit mit unbändiger Freude in die Welt hinaus. 

 

Bis heute erinnert die Kirche an den offenen Gräbern unserer lieben Verstorbenen tröstend an diesen Wandlungsprozess aus der irdischen in die ewige verklärte Wirklichkeit: Unsern Verstorbenen wird das Leben gewandelt, nicht genommen!

 

Mit unvoreingenommener Liebe jedem Mitmenschen zu begegnen, ihn zu verwandeln, diesen göttlichen Kerngedanken führt Jesus vor dem letzten Abendmahl noch einmal im Beispiel des Dienens vor. Er wäscht seinen Jüngern die Füße: Ich, euer Meister, habe euch ein Beispiel gegeben, tut auch ihr so!

Das Beste daran ist, Jesus kommt ganz ohne menschengemachte religiöse Gesetze aus. 

 

In dem Punkt sind monarchistisch geprägte Kirchenvertreter deutlich aus der Art geschlagen. Niedere, allzu menschliche Machtinstinkte befriedigend, „Ich bin der Priester!“ zementierten sie über Jahrhunderte menschenunwürdige Passagen in Dogmen und Kirchenrechten hinein, die besonders Frauen ausgrenzen. Mit der Frohen Botschaft des verklärten Herrn lassen sich Alleinherrschaft, Ausgrenzung und Missachtung derer, die doch Gott selbst seine Kinder nennt, niemals vereinbaren. Umkehr und Wandlung, Einkehr und Schweigen, sich hinunter bücken zu den Mitmenschen auf Augenhöhe – so geht bedingungslose Liebe unseres Gottes, eines Wesens mit mütterlichem Herzen! 

 

„Kardinal Gerhard Ludwig Müller ist ein rotes Tuch für alle deutschen Reformkatholiken” Mit diesem Aufschlagsatz startete Christoph Driessen, Journalist der Koblenzer Rhein-Zeitung, am Montag, dem 1. August 2022 einen Report über den gebürtigen Mainzer und heutigen Römer, wie Müller sich selbst sieht. Driesen zitiert darin den ehemaligen Präfekten der römischen Glaubenskongregration: “Die Botschaft Jesu ist das Beste was es gibt! Warum sollte man da irgendwelche Anpassungen vornehmen?” 

 

Davon sind Christinnen und Christen, die das leben, was Jesu uns im Abendmahlssaal noch einmal demonstriert hatte, überzeugt. Leider hält der Kardinal jedoch weiter 1 zu 1 an längst erstarrter römischen Dogmatik und Kirchenrecht fest. Wie sonst ist das öffentliche “Bekenntnis” zu deuten, wenn der Bekennende ἐπίσκοπος, seinen wie er mit hl. Geist getauften Mitschwestern und Mitbrüder den Einsatz beim Katholikentag in Regensburg verwehrt und sie, unfassbar, in der Presse als Parasiten bezeichnet?

 

Indem sie uns jeden Aschermittwoch Einsicht und Umkehr ans Herz legt, bekennt und erklärt die römische Kirche selbst immer neu, allein samaritanisch Handeln führe zum Kern der Liebesbotschaft!


Petrus, Johannes und Jakobus jedenfalls war auf dem Berg klar worden, was sie drei Jahre lang hautnah miterlebt und inhaliert hatten. Sie hatten sich entschieden! Wenn einer mit mir gehen will, verleugne er sich selbst, nehme täglich sein Kreuz auf sich und folge mir nach! 

Ein schwerer Satz! 

Mir hilft, zu tun, was mir heute möglich ist! Das befreit mich von dem Zwang, auch noch Dinge tun zu müssen, die nicht in meiner Macht stehen! Was daraus wird, ist allein Gottes Sache, der auch meine kleinste Münze in Herrlichkeit verwandeln wird. 

G. Mollberg
Diakon

 

Kirchliche Reformgruppen, Betroffeneninitiativen sowie katholische Verbände und Initiativen  treffen sich am Samstag 24. und Sonntag 25. September 2022 in Köln bei einer

KirchenVolksKonferenz

„Wir gehen schon mal voran – für eine synodale Kirche der Zukunft“  

 und laden auch alle Interessierten und Engagierten aus nah und fern herzlich dazu ein.  

 

Geh, wohin Dein Herz dich zieht

Geh, wohin dein Herz dich zieht

Erfahrungen von Leere und Fülle 

 

Heute haben wir – und mit diesem Beitrag verabschiede ich mich als Sonntagsbriefschreiber - ein schönes Kontrastprogramm vor uns, ein Spitzenspiel zwischen dem Meister des Mangel-Blicks (dem Prediger/Kohelet) und dem Meister des Fülle-Blicks (Jesus). Beim erstgenannten Prediger sind alle Antworten sozusagen „Blowin‘ in The Wind…“ (Bob Dylan). Alles hat seine Zeit. Alles Strampeln sei für die Katz. „So viele Träume, so viel Nichtigkeit - Haschen nach dem Wind.“ (Koh 5,6)

 

Bedrückte ohne Tröster Tränen ohne Trost
Reichtum ohne Frieden Besitz ohne Behalten 
Unrast ohne Muße Plappern ohne Weisheit
Urteil ohne Maß Faustrecht ohne Recht
Mühe ohne Ruhm Planen ohne Glück
Gaffen ohne Fühlen Versprechen ohne Halt
Vermögen ohne Erben Erbschaft ohne Anstand
Tische ohne Gäste Sattheit ohne Schlaf
Leben ohne Güte Gärten ohne Baum
Anfang ohne Ende Unglück ohne Wende
Unrecht ohne Folgen – und alle trifft dasselbe Geschick
Was rät der Prediger Zeitgenossen?
Besser ist Weisheit als Kriegsgerät (9,18)
Iss fröhlich, trinke wohlgemut (bevor’ s für dich ein andrer tut!)
Trag weiß, trag bunt und mach dich schön
Genieß das Leben mit dem, den du liebst
Tu du ganz, was du zu tun vermagst
Sei guter Dinge, egal was blüht
Bann den Ärger fest aus dem Sinn
Halt Böses fern von Anbeginn
Geh, wohin dein Herz dich zieht (11,9)
Besser ist’s, sich bei all seinem Tun zu freu‘ n

 

Welt und Mensch im Mangelzustand (theologischer Schlüsselbegriff: Erbsünde; Erfinder: Augustinus; über Luther tief ins evangelische Bewusstsein eingedrungen). Immer fehlt was ohne das andere. Der Himmel als eigentliche Heimat? Wir seien nur „Gast auf Erden“ (betonen auch russisch-orthodoxe Prediger). Was heißt hier „nur“? Das Gastrecht auf Erden vom Ende her aufzufassen und es somit gering zu achten, wäre Selbst-Entwurzelung vor der Zeit, die uns geschenkt ist. Weltflüchter, die Jesus in eine lebensfeindliche Norm pressen wollen, halten uns gerne Tugendkataloge vor die Nase. Als ob man damit dem Leben gerecht werden könnte. Töte das Irdische: Unreinheit, Leidenschaft, Begierde, Habsucht, Lüge, Götzendienst… was immer das unter damaligen Vorzeichen meinen sollte. Arthur Schopenhauer kommt zum Schluss: „was einer für sich selber ist, was ihn in die Einsamkeit begleitet und was ihm keiner geben oder nehmen kann, ist offenbar für ihn wesentlicher, als alles, was er besitzen, oder auch was er in den Augen anderer sein mag.“ (Aphorismen zur Lebensweisheit) Glück liege in Gesundheit und Geistesruhe. Das kommt dem Prediger (Kohelet) sehr nah. 

 

Und wie agiert Jesus, „in dem die Fülle wohnt“ (Kol 1,19)? Leib und Leben zu lieben, nicht nur das eigene, ist uns leibhaftig aufgegeben. Jesus ist darin ganz Mensch. Wer meint, Jesus sei zur Welt gekommen, um der Welt zu sagen: Sei nicht! der hat Jesu Dasein (Inkarnation) gründlich missverstanden. Er kam nicht, um aufzuheben, sondern um es mit Leben und Liebe zu erfüllen. Wie er das Denken entrümpelt und öffnet, lesen wir in gleichnishaften Versprechen, in denen sich das Leben erfüllt. Er legt Spuren, indem er im höchsten Maße sensibel ist für Re-sonanz (zurück-tönen). Er bettet Fragen und Normen in Geschichten, die plötzlich aufblühen und tönen wie Menschen, die aufblühen und mittönen – zur Freude des Klang-Schöpfers. Man könnte es „Resonanzglück“ nennen, wenn sie vertrauen und zum Leben finden. Welche Rolle soll Jesus in der Kirche spielen? Was der Meister nicht alles soll! Wie Herkules den Stall, so soll er seine Kirche ausmisten! Meister, sag Franziskus, er soll die Kirche reformieren! Aber noch zu Lebzeiten! Meister, sag Woelki, er soll endlich abhauen aus seinem Amt, dem er nicht gewachsen ist! Meister, sag Kyrill, er soll nicht mit Putin paktieren! Wie korrigierte Franziskus Kyrill? „Bruder, wir sind keine Staatskleriker und dürfen nicht die Sprache der Politik, sondern wir müssen die Sprache Jesu sprechen. Der Patriarch kann sich nicht zum Messdiener Putins machen." (März 2022) 

 

Was aber, wenn Machtworte der Mächtigen aufräumen mit der Wortmacht der Sprachgewaltigen? Was, wenn die Welt nicht mehr spricht zu uns, nicht seufzt, nicht schreit, nicht in Liebe berührt, nicht zu Hilfe ruft? Was, wenn Welt unsausgebrannt zurücklässt? Was, wenn eine liebe Beziehung sprachlos geworden ist? Was, wenn Kirche und ihre vorgebeteten Rituale uns leer ausgehen lassen? Was, wenn Kirche in Stände zerfällt, in Kleriker und Laien? Was, wenn sie reformresistent scheint? Was, wenn die theologische Forschungsdynamik die traditionellen Lehren als unhaltbar erweist und Kirche als „dringend umgestaltbar“ diagnostiziert? Was aber wünscht die Kleriker-Kaste? Evangelisation! Ohren auf Empfang stellen, als wären Menschen nicht auch Sender und Träger von Erfahrungen, die uns berühren, ergreifen, vor Rätsel stellen, herausfordern, anfragen. Da taucht jäh die Frage auf, was man hier noch zu suchen hat. 2021 haben 360.000 Stimmberechtigte allein der katholischen Kirche den Rücken gekehrt. Sie „kündigen“ gleichsam, weil sie sich der institutionellen Logik widersetzen und suchen ihr Glück draußen. Außerhalb der Kirche ist auch Heil. (Oder will jemand den gegenteiligen Lehrsatz aufrechterhalten!?) Gottes Welt ist groß und resonanzfähig genug. Wenn ein Weltbereich uns nichts mehr zu sagen hat, müssen wir weggehen, um nicht unsere Stimme zu verlieren. Gehen ist eine Stimmabgabe. Die Stimme brauchen wir, um selber antwortfähig zu sein. Wenn all diese Austritte der Kirchenleitung nichts sagen, darf man von „Resonanzkatastrophe“ sprechen. Menschen müssen erwarten dürfen, selbst wirksam zu sein, Welt zu berühren, etwas zu erreichen, sich und die Welt ein Stück zu transformieren. Ohne Selbstwirksamkeitsperspektive, keine gemeinsame Gegenwart. (Vgl. dazu Hartmut Rosa, Resonanz)

 

Worin besteht also Reichtum? In Antwortbeziehungen (Resonanz) leben, ist Reichtum. Die Welt für Interessen zu instrumentalisieren, verarmt uns und bringt Welt zum Verstummen durch Wachstumszwang, Beschleunigung, Ressourcenfixierung. Der Gegenbegriff ist Entfremdung, Verweigern einer Welt-Beziehung, erfahrbar in Psychokrisen: Erschöpfung, Angst, Burnout, Depression. Resonanz und Entfremdung sind (nach H. Rosa) in dialektischer Beziehung. Räume, in denen keine Antwortbeziehungen mehr möglich sind (oder scheinen), laden gleichsam aus. Wird die Eigenschwingung der Beteiligten gedämpft, gar unterdrückt (Gehorsam, Schweigen aus Angst vor Repression), und werden Stimmen unhörbar gemacht (durch Ächtung, Gefängnis, Niederschlagung von Protest), dann stehen sich Subjekt und Welt starr und stur gegenüber (Putins extrem langer Distanz-Tisch als Symbol). Um das Unverfügbare zu erzwingen, werden Wahrheitsmonopole errichtet. Das Volk wird zum Empfänger von Deutungen. Für Patriotismus um jeden Preis liegen Gewaltexzesse im Bereich des Möglichen. So stumpft der Geist ab. Wo kommt dann der frische Wind der Veränderung her?

 

Wie reagiert Jesus auf Festgefahrenes? Er tritt höchst streitbar für das Leben ein. Er zertrümmert Egoismus und Legalismus. Er versprüht frischen Geist. Er vertuscht nicht, schützt Täter nicht, hat einen Blick für Opfer, (nicht für deren angebliche „Sünden“). Er konfrontiert Tradition mit Empathie. Er wickelt Antworten in Geschichten ein. Jesus erfindet meisterhaft poetische Gleichnisse, die anregen, selber zu denken. Mensch, bin ich denn Richter? Bin ich denn Jurist und Scheidungsanwalt? Bin ich denn Priester!? Bin ich Schiedsrichter? Bin ich moralischer Grenzlinienverwalter? Jesus fragt, und allein dies sollte allen Zweiflern Aufwind geben, zu ihren Fragen zu stehen: Wer ist mein Nächster? Das gilt auch im Krieg, den sein Bruder „Kain“ anfängt (mit zweifelhaften Gründen). Wie sollte ich nicht dein Hüter sein, Abel!? „Abel steh auf/ damit es anders anfängt/ zwischen uns allen“ (Hilde Domin). 

 

Jesus als Meister der Resonanz, der im Begegnen zum Klingen und Schwingen bringt, was die Welt so dringend braucht, stiftet unterwegs (!) an zu Solidarität und Gastfreundschaft. Er distanziert sich von Macht-, Vorteils- und Besitz-Denken. Nachfolge verlangt Abkehr von Sicherheit, vom Horten vergänglicher Schätze (Kohelet). Die Stunde ist nicht in unserer Hand. Jesus findet Halt im wandernden Sternenzelt Gottes. Er gibt sich nicht her, Erwartungen zu bedienen nach Gusto. Er handelt mit Weisheit, lebt die Goldene Regel; sie ist unendlich im Vorteil: denn sie enttäuscht nie. Torheit ist, nichts für alles zu halten, da alles nichts ist. Außer der Fülle, die allerdings ist - unverfügbar

© Günther M. Doliwa - 31.7.2022 – www.doliwa-online.de

Bild:

 Günther M. Doliwa "Farben-Fülle" der Evangelisten" - St. Georg, Weikersheim, 

 

Kirchliche Reformgruppen, Betroffeneninitiativen sowie katholische Verbände und Initiativen  treffen sich am Samstag 24. und Sonntag 25. September 2022 in Köln bei einer

KirchenVolksKonferenz

„Wir gehen schon mal voran – für eine synodale Kirche der Zukunft“  

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Lehre uns beten!

Jesus betete einmal an einem Ort; als er das Gebet beendet hatte, sagte einer seiner Jünger zu ihm: Herr, lehre uns beten, wie auch Johannes seine Jünger beten gelehrt hat!
Da sagte er zu ihnen: Wenn ihr betet, so sprecht: Vater, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Gib uns täglich das Brot, das wir brauchen! Und erlass uns unsere Sünden; denn auch wir erlassen jedem, was er uns schuldig ist. Und führe uns nicht in Versuchung!
Lukas 11, 1-4 Einheitsübersetzung

 

Lehre uns beten!

Das Vater unser, wir alle kennen es, viele beten es täglich, teils sogar mehrmals. Dennoch lohnt sich ein genauerer Blick. Ich möchte ihn heute auf drei Verse werfen:

 

„Und führe uns nicht in Versuchung“. Manche Christinnen und Christen tun sich schwer damit, denn das könne doch nicht sein: Gott ist die absolute Liebe, und würde uns niemals absichtlich in Versuchung führen, in die falsche Richtung lenken! Ich glaube, dass darin schon ein Teil der Lösung liegt: Gott ist Liebe; aber Gott ist immer auch mehr, viel mehr, als wir mit unserer Vorstellungskraft fassen können. Dieses Nicht-Erfassen, dieses Zu-Klein-Denken des Göttlichen, das ist meines Erachtens die grosse Versuchung, in die Gott – unsere begrenzte Vorstellung von Gott – uns immer wieder führt. Mit fatalen Folgen. Die grössten Verbrechen der Menschheits- und Kirchengeschichte wurden (und werden) nicht begangen, weil sich Menschen Gott zu gross vorstellen, sondern weil sie Gott nicht zutrauen, auch noch mehr zu sein, als die eigene Vorstellungskraft zulässt – auch noch anders zu sein, als die begrenzten Erfahrungen vorspielen. Weil wir Gott letztlich nicht als übersteigende, andersartige – und damit infragestellende – Möglichkeit anerkennen wollen. Wobei ich Gott gar nicht all die Liebe und vertraute Nähe zu Menschen absprechen möchte; wenn Gott zwischen Menschen wirkt, kann manchmal etwas entstehen, was sie sich nie vorgestellt, nie für möglich gehalten hätten. In den zehn Geboten, die fast so bekannt sind wie das Vater unser, heisst es: du brauchst nicht lügen, stehlen, begehren – vor allem und zuerst aber: du brauchst dir kein Bild machen von Gott. Weil jedes Bild die Versuchung birgt, dass wir das Bild für absolut setzen, dass wir das Bild anbeten, und Gott vergessen.

 

Vielleicht hilft uns aber auch der nachfolgende Vers, „sondern erlöse uns von dem Bösen“. Aufmerksam Lesende haben bestimmt bemerkt, dass dieser Vers in der heutigen Perikope fehlt. Laut Lukas gehört er also nicht zum Gebet Jesu. Wurde er möglicherweise ergänzt, um den vorhergehenden Vers auszudeuten, als dessen Antithese? Das Gegenteil der Versuchung wäre demnach die Erlösung vom Bösen. In vielen Episoden der frohen Botschaft entlarvt Jesus die Strukturen der Gesellschaft als „böse“. Er weist hin auf zu Unrecht Benachteiligte, zu Unrecht Ausgegrenzte, zu Unrecht Reiche, zu Unrecht Herrschende. Die Anerkennung dieses Unrechts ist ein erster Schritt zu Erlösung, ein Schritt zur Lösung. „Dein Reich komme“ beten wir mit Jesus. „Dein Wille geschehe“ betet Jesus hier nicht – denn Gottes Wille geschieht nicht einfach so, er geschieht nur, wenn wir ihn tun, wenn wir an der Erlösung, der Lösung der ungerechten gesellschaftlichen Strukturen mitarbeiten, und uns nicht den Versuchungen der für mich doch ganz angenehmen und stabilen Ordnung hingeben.

 

Zum Schluss, es führt kein Weg daran vorbei: das täglich gebrauchte Brot (oder ein anderer Kohlenhydrat-Lieferant). Der zunehmende Kollaps der Klimasysteme führt – global betrachtet – schon seit einigen Jahren zu rückläufigen Ernteerträgen. Nicht erst in diesem Sommer wird weniger geerntet, als verbraucht wird. Hitze, Dürre, Überschwemmungen, Stürme – da kommt der Krieg (übrigens auch in Teilen Afrikas) nur oben drauf. Bei uns macht das teurere Getreide nur ein paar Cent pro Brotlaib aus – auch wenn höhere Energie- und sonstige Kosten den Mühlen, Bäckereien, Gross- und Einzelhändlerinnen zugegeben zusätzlich zu schaffen machen. Für Menschen in fast reinen Importländern ist die Situation dramatisch und bringt z.B. im Libanon, in Sri Lanka oder im Sudan die ohnehin instabile Gesellschaft vollends ins Wanken. Für die Hungernden ist es egal, ob Russland nun eigenes, oder geklautes ukrainisches Getreide verschifft, Hauptsache es komme überhaupt etwas an! Natürlich gilt „du brauchst nicht stehlen, töten, begehren“ auch für Putin und andere Kriegstreiber. Natürlich sollen wir genau hinschauen. Aber das grösste Menschheitsproblem bleibt die ungebrochene Erhitzung unseres Planeten.

Mit den Jüngerinnen und Jüngern möchte man aufs Neue bitten: Jesus, lehre uns beten. Damit „Dein Reich komme“!

Tobias Grimbacher 

 

Kirchliche Reformgruppen, Betroffeneninitiativen sowie katholische Verbände und Initiativen  treffen sich am Samstag 24. und Sonntag 25. September 2022 in Köln bei einer

KirchenVolksKonferenz

„Wir gehen schon mal voran – für eine synodale Kirche der Zukunft“  

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Vom Gefängnis der stereotypen Geschlechterrollen

Als sie weiterzogen, kam er in ein Dorf. Eine Frau namens Marta nahm ihn gastlich auf. Sie hatte eine Schwester, die Maria hieß. Maria setzte sich dem Herrn zu Füßen und hörte seinen Worten zu. Marta aber war ganz davon in Anspruch genommen zu dienen. Sie kam zu ihm und sagte: Herr, kümmert es dich nicht, dass meine Schwester die Arbeit mir allein überlässt? Sag ihr doch, sie soll mir helfen! Der Herr antwortete: Marta, Marta, du machst dir viele Sorgen und Mühen. Aber nur eines ist notwendig. Maria hat den guten Teil gewählt, der wird ihr nicht genommen werden.

Lk 10, 38-42 Einheitsübersetzung

 

 

 

Vom Gefängnis der stereotypen Geschlechterrollen!

 

Die sogenannte „Sorgearbeit“ ist Teil des Stereotypes Frauenrolle.

„Männer und Jungen gelten als entschieden, rational und durchsetzungsstark; Frauen und Mädchen sind der imaginierte Gegenpol: wankelmütig, sorgend, bescheiden und emotional. Dieses Band ist extrem robust, flexibel, langlebig und nur unter großen Anstrengungen zu durchtrennen. Der Ort, an dem das wundersame Band gefertigt wird, die Spinnerei der Ungerechtigkeit der Geschlechter, ist das Patriarchat.“ 

Das schreibt Boris von Heesen in dem Kapitel „Gerechtigkeit“ seines zurecht viel beachteten Buches „Was Männer kosten: Der hohe Preis des Patriarchats“ (erschienen am 09. Mai 2022 im HEYNE-Verlag). 

 

Es stellt den Versuch dar, die Folgen einer toxischen Männlichkeit in einer monetären Quantifizierung sichtbar zu machen. Das Patriarchat entblößt er als Quelle des ganzen Dilemmas von Ungerechtigkeit und Krieg! Themen sind: Häusliche Gewalt, geschlagene Frauen, Suizid und Depressionen, exzessiver Drogenkonsum, sexualisierte Sprache und Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung, blinde Wut, sowie über Männer, die jede soziale Verantwortung zugunsten des eigenen Profits komplett ausblenden, u.v.m.. Er kommt zu der erschreckenden Zahl von 63 Milliarden Euro Schaden im Jahr allein in Deutschland, die diese toxische Männlichkeit anrichtet! Dabei ist er bei seinen Berechnungen eher vorsichtig als forsch. Er räumt auch ein, dass viele der Kosten der toxischen Männlichkeit gar nicht beziffert werden können und so die wahren Kosten noch deutlich höher liegen!

 

Als die Menschen sesshaft wurden, rissen sie den Menschen in zwei Hälften und ordneten sie den Geschlechtern zu. Das geschah um sicher zu stellen, dass alle zusammenblieben, obwohl ihr neues Leben nun sehr viel anstrengender und entbehrungsreicher wurde. Und der Mann, der ja schließlich den kraftaufreibendsten und körperlich anstrengendsten Part, nämlich das Ackern übernahm, fand es angemessen, ein bisschen bemuttert zu werden, umsorgt von seinem Weibe! Ein Muster, dass wir bis heute kennen. Der Frau wurde die Sorgearbeit zugeteilt. Die Sorgearbeit hielt und fesselte das von den Männern als wankelmütig empfundene und gefürchtete Weib so im Gesamtgefüge der neuen Lebensweise Ackerbau. Sicher ist sicher! Wahrscheinlich wären wohl die Männer am liebsten selbst davongelaufen, doch die Not forderte alle, sich der neuen Lebensweise unterzuordnen.

 

Boris von Heesen zeigt in seinem Buch „Was Männer kosten“ eindrucksvoll auf, dass es unendlich viel Energie kostet, den jeweils anderen Pol abzuspalten. Darunter leiden auch die Männer; weil eine toxische Männlichkeit entsteht, die Männer zu harten Einzelkämpfern erzieht, von sich selbst Entfremdete ohne Zugang zu den eigenen Gefühlen, die als Schwäche gefürchtet und verdrängt werden. Wer es mit dem Feminismus wirklich ernst meint, kann nicht dabei stehen bleiben, das Stereotyp der weiblichen Geschlechterrolle zu überwinden, sondern muss auch das Stereotyp der männlichen Geschlechterrolle mit gleicher Kraft bekämpfen wollen.

 

Ich weiß nicht wie es Ihnen geht, aber für mich ist Marta die ältere Schwester und Maria die jüngere. Und dann gibt es m.E. noch das Nesthäkchen, den jüngeren Bruder Lazarus. Aber der taucht erst im Johannesevangelium auf.

„Maria, Marta und Lazarus leben zusammen in ihrem Elternhaus in Betanien. Die Eltern sind längst verstorben, aber die drei sind einander eng verbunden. Sie haben eine Art von Gemeinschaft gefunden, in der es ihnen miteinander gut geht. Manche im Ort munkeln über sie, das ist ihnen klar: Wie merkwürdig, keiner verheiratet, keine Kinder, was ist das denn?“

so sagte es einmal Margot Käßmann über diese ungewöhnlichen in einem Haus zusammenlebenden Geschwister! Das ist sehr spekulativ von Margot Käßmann und auch von mir, denn fest steht nur, dass das Haus ausdrücklich als Haus von Marta benannt ist und nicht als das Haus des Mannes Lazarus, in dem auch seine beiden Schwestern Marta und Maria wohnten, gleichwie im „Hause des Petrus“ auch seine Schwiegermutter lebte. (s. Mk 1,29–31, Lk 4,38–39 und Mt 8,14–15)

Ich als Poet möchte natürlich die Fantasie nicht ausklammern, sondern ihr bewusst einen Raum geben, der allerdings einer sauberen Exegese nicht zuwiderlaufen darf.

 

Spannend ist, wie das elfte Kapitel des Johannesevangeliums Lazarus in seine Erzählung einführt: Irgendein Mann ist krank! Mit einem unbestimmten Pronomen (griechisch „tis“) nämlich führt er ihn ein, aber erst nach dieser Unbestimmtheit bekommt dieser Irgendjemand seinen Namen Lazarus zugewiesen. Und auch erst danach erfahren wir, dass dieser Lazarus der Bruder von Marta und Maria ist.

„Irgendein Mann war krank, Lazarus aus Betanien, dem Dorf, in dem Maria und ihre Schwester Marta wohnten. Maria ist die, die den Herrn mit Öl gesalbt und seine Füße mit ihrem Haar abgetrocknet hat; deren Bruder Lazarus war krank. Daher sandten die Schwestern Jesus die Nachricht: Herr, dein Freund ist krank.“ (Joh 11,1-2)

Johannes greift hier übrigens einer Erzählung voraus, die erst im Kapitel 12 des nach ihm benannten Evangelium folgen wird: Maria salbt Jesus die Füße mit kostbarem Öl! (s. Joh 12,1-8) Diese Darstellung stellt ganz offensichtlich die beiden Schwestern Marta und Maria in den Vordergrund seiner Verkündigung und den Bruder Lazarus in den Hintergrund, als Teil der Masse der Männer.

 

Doch zurück zum heutigen Text aus dem Lukasevangelium Kapitel 10 aus meiner Sicht: Marta, die ältere, übernahm ganz selbstverständlich, wohl ohne darüber nachzudenken, die der Frau zugeschriebene Rolle der Sorgearbeit. Für sie war klar, Sorgearbeit war nun, weil ein Mann im Hause zu Besuch war, ihre Aufgabe, die Aufgabe der Frau!

 

Ihre Schwester schien diese Rolle aber nicht anzuerkennen, sie entschied sich einfach dagegen und stattdessen dafür, als Jünger zu Jesu Füßen zu sitzen und ihm zuzuhören.Ich bin sicher, sie wusste ganz genau, was Marta eigentlich von ihr ganz selbstverständlich erwartete: mit anpacken, Sorgearbeit übernehmen! Damit durchbrach Maria wohl bewusst das ackerbäuerliche und patriarchale Rollenmuster, denn in ihm gelten allein die Jungs und Männer als entschieden, rational und durchsetzungsstark und nicht die Mädchen und Frauen!

 

Doch was sagte Jesus als Marta ihn aufforderte, solidarisch mit ihr von Maria das tradierte Rollenmuster einzufordern? Er lobte die Entschiedenheit der Schwester. Jesus war nicht der Mann, der sich bedienen lassen wollte, das wusste eigentlich auch Marta. Sie hätte nun einfach sagen können: „Weißt du was, Jesus? Dann höre ich jetzt auch zu und du machst am Ende den Abwasch!“ Und Jesus hätte nur genickt und gelächelt und sich gefreut, dass auch Marta nun zu seinen Füßen saß. Sie hätten gemeinsam die Sorgearbeit einfach entspannt neu verteilt.

 

Jesus vor den Karren des Patriarchats zu spannen, um es so auf Dauer zu bewahren, weil Männer ihre angeblich von GOTT selbst autorisierten Privilegien bewahren wollen, ist mit dem Jesus, der uns in dieser Erzählung vorgestellt wird, nicht zu machen. Und erst recht nicht mit dem billigen Argument, dass Jesus schließlich ein Mann gewesen war. Wäre Jesus eine Frau gewesen, hätte Mann sie nicht zu Wort kommen lassen. Nur als Mann konnte Jesus den kranken Mann heilen, ihn aus dem Grabe und dem Gefängnis seiner stereotypen Geschlechterrolle rufen, in dem dieser mittlerweile schon fault und stinkt: „Komm heraus!“

 

Johannes Brinkmann / Essen

PS: Mein Reden! Nicht "Der Mann ist das Problem", wie Udo Jürgens es in einem Lied besingt, sondern das Patriarchat. Das Problem ist also nicht das männliche Geschlecht, sondern seine kulturelle Prägung! Es gibt also Grund zur realistischen Hoffnung auf Heilung! Leider hat das Patriarchat sehr tiefe und alte Wurzeln und auch starke Helfer. Der wohl mächtigste Helfer ist der wohl mächtigste Mythos aller Zeiten: die 2. Schöpfungsgeschichte um Adam und Eva und ihren beiden Söhnen Kain und Abel. Ich stellte diesen alten Mythos schon im Jahr 2000 vom Kopf zurück auf die Füße in meiner Adaption "Am Anfang war die Einheit!". Die kann man einfach gratis zur Inspiration auf meiner Homepage herunterladen.



Kirchliche Reformgruppen, Betroffeneninitiativen sowie katholische Verbände und Initiativen  treffen sich am Samstag 24. und Sonntag 25. September 2022 in Köln bei einer

KirchenVolksKonferenz

„Wir gehen schon mal voran – für eine synodale Kirche der Zukunft“  

 und laden auch alle Interessierten und Engagierten aus nah und fern herzlich dazu ein.  

 

Nächstenliebe – was ist das?


 

Ein Toragelehrter erhob sich, um ihn gründlich zu befragen und sprach: „Lehrer, was muss ich tun, damit ich am ewigen Leben Anteil erhalten werde?“ Jesus sprach zu ihm: „Was ist in der Tora geschrieben? Wie liest du?“ Er antwortete ihm:

 

Du sollst die Lebendige, deinen Gott, lieben aus deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deiner ganzen Kraft und mit deinem ganzen Denken, und deine Nächsten wie dich selbst.“ Jesus sagte: „Du hast richtig geantwortet. Handle so und du wirst leben.“ Jener wollte aber weiter Recht bekommen und sagte darum zu Jesus: „Und wer sind meine Nächsten?“ Jesus nahm diese Frage auf und erwiderte: „Ein Mann ging von Jerusalem nach Jericho hinab und fiel Räubern in die Hände. Diese zogen ihn aus, misshandelten ihn und machten sich davon und ließen ihn halb tot liegen. Zufällig kam ein Priester des Weges, sah ihn und ging vorüber. Gleichermaßen kam ein Levit an dem Ort vorbei, sah ihn und ging vorüber. Da kam einer aus Samaria des Weges, sah ihn und hatte Mitleid mit ihm. Er ging zu ihm hin und verband seine Wunden, indem er Öl und Wein darauf goss, dann hob er ihn auf sein Tier, brachte ihn in eine Herberge und pflegte ihn dort. Am folgenden Tag nahm er zwei Denare, gab sie dem Wirt und sagte: ´Umsorge ihn! Und was du mehr ausgibst, will ich dir bezahlen, wenn ich wiederkomme.` Was meinst du, welcher von den dreien sei der Nächste dieses Mannes geworden, der den Räubern in die Hände gefallen war?“ Er sagte: „Der ihm Barmherzigkeit erwiesen hat.“ Jesus antwortete ihm: „So mache auch du dich auf und handle entsprechend!“

 Lk 10.25-37  Bibel in gerechter Sprache

 

Nächstenliebe – was ist das?

 

Wenn uns heute eine*r fragen würde: „Kannst du mir in einem Satz sagen, was das Wesentliche des Christentums ist?“, dann käme vielleicht wie aus der Pistole geschossen ein einziges Wort: Nächstenliebe. Würde weitergefragt: „Und was ist das?“, ja dann breitete sich vermutlich erst einmal das große Schweigen und Überlegen aus und dann ließe sich ein zögerliches, ausweichendes Antworten vernehmen: Na ja, das ist nicht so ganz einfach.

 

Und in der Tat, es ist nicht ganz einfach. Gibt es doch das seltsame Wort „Jeder ist sich selbst der Nächste“. Die Nächstenliebe wird damit pervertiert und wird zum Egoismus. Die Auswirkungen einer Ellenborgen-Gesellschaft finden wir in der Politik, wenn nur an die eigene Klientel gedacht wird. Das geschieht selbst dann noch, wenn anscheinend Wohltaten für alle verteilt werden: Der Tankrabatt (erinnert ihr euch noch?) sollte Benzin für alle billiger machen – und hat letztlich die Taschen der Konzerne gefüllt.

 

Da fällt mir ein: „Bei euch soll es nicht so sein!“ Schauen wir also in unsere Kirche, die sich doch das „wahre Christentum“ auf die Fahne geschrieben hat, wie wir oft genug in der Eucharistiefeier singen: Die Welt soll einig werden im wahren Christentum. Und das wahre Christentum, das ist natürlich nach römischer Lesart in der römisch-katholischen Kirche zu finden. Denn da sind ja alle „Brüder“ – dass es auch „Schwestern“ gibt, hat sich noch nicht überall herumgesprochen. Und zur Kennzeichnung der besonderen Brüder, der Kleriker-Brüder, gibt das das entlarvende und doch so selbstverständlich gebrauchte Wort „Mitbruder“, und diesen Gedanken haben sich auch die sonst vergessenen Schwestern zu eigen gemacht: „Mitschwester“. Wo bringe ich nur unter: „Einer ist euer Meister, ihr alle seid Brüder (und Schwestern)“? – verwirrend!

 

Immerhin reden wir nicht mehr von „den Protestanten“, also von einer Art Clique, die gegen die wahre Kirche protestiert. Beim Wort „die Evangelischen“ klingt freilich mehr der Gedanke „die anderen“ mit als der Gedanke „die nach dem Evangelium leben“. Nein, nein, die Nächsten sind die uns nicht, bestenfalls „die getrennten Brüder“ – na gut, auch „Schwestern“, aber die sind ja immer „mitgemeint“. Wenn da einige Unverfrorene meinen, wir seien doch alle Christ*innen, dann kommt sofort das große „Ja-Aber“, sprich: das geht nicht. Wo bringe ich nur unter, was der Mann aus Nazaret, auf den sich doch alle berufen, gesagt hat: „Dass alle eins seien“? – verwirrend!


Wir alle sind „Kinder Gottes“ – wenigstens hier hat sich ein umfassender Begriff durchgesetzt, könnte man meinen. Wirklich? Hand aufs Herz: Schließen wir wirklich alle ein? Was haben sich die Dalits, die im hinduistischen Kastensystem als kastenlose Unberührbare und Unreine gelten, gefreut, dass einer der Ihren zum Kardinal erhoben worden ist; denn sonst gehören so gut wie alle indischen Bischöfe einer der höheren Kasten an. Kastenwesen im Christentum? Keine schnelle Verurteilung der indischen Kirche! Wie lange konnte in Deutschland nur ein Adliger Bischof werden? Wo bringe ich nur unter: „Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht männlich und weiblich; denn ihr alle seid eins in Christus“? – verwirrend!


Zerbrechen wir uns nicht Kopf darüber, wer „die Nächsten sind“. Jesus, den wir als den Christus bekennen, denkt ganz anders, nämlich: „Wem bin ich der Nächste, wem bin ich die Nächste?“ Wenn wir diese Sichtweise übernehmen, dann kann uns aufgehen, was Nächstenliebe bedeutet: Liebe zu den Menschen, die mich brauchen, die nahen und die fernen. Liebe zu den am Rande Stehenden, Liebe zu den Diskriminierten, Liebe zu den Ausgestoßenen. Liebe zu den Flüchtlingen, Liebe zu den Hungernden, Liebe zu den Unterdrückten. Liebe zu den Gescheiterten, Liebe zu den Verzweifelten, Liebe zu den Abgehängten. Was ist das Wesentliche des Christentums? Nicht Glanz und Gloria, nicht die Rettung der eigenen Seele, sondern die Bereitschaft, sich für die Menschen, die uns brauchen, auch mal die Finger schmutzig zu machen.


Magnus Lux

 

 

 Wir sind Kirche Online-Andacht interaktiv

Nächster Termin: Dienstag 12. Juli 2022, 19 Uhr 

 

Die Wir sind Kirche-Online-Andachten entstanden, um auch in Corona-Zeiten im Gebet und Gespräch miteinander verbunden zu bleiben. Sie stehen in der Tradition der verschiedenen gottesdienstlichen Feiern bei den Bundesversammlungen, Begegnungstagen und PilgerRadTouren. Auch über die strengen pandemiebedingten Einschränkungen hinaus bieten wir die Online-Andachten mit Austausch zum Bibeltext und gemeinsamer Fürbitte weiterhin an. 

> www.wir-sind-kirche.de/andachten

 

Kirchliche Reformgruppen, Betroffeneninitiativen sowie katholische Verbände und Initiativen  treffen sich am Samstag 24. und Sonntag 25. September 2022 in Köln bei einer

KirchenVolksKonferenz

„Wir gehen schon mal voran – für eine synodale Kirche der Zukunft“  

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Gewissenhaft, frei und souverän

Danach nahm Jesus 70 weitere Schülerinnen und Schüler auf und schickte sie zu zweit voraus in alle Städte und Orte, wohin er selbst kommen wollte. Er sagte zu ihnen: „Das Erntefeld ist groß, die Menge der Arbeiterinnen und Arbeiter aber gering. Bittet nun den Herrn der Ernte, dass er Arbeitskräfte für sein Erntefeld sprießen lasse. Wohlan – seht, ich sende euch aus als Lämmer, die unter Wölfen leben müssen. Tragt keinen Geldbeutel bei euch, keine Tasche, keine Schuhe und hängt euch an niemanden unterwegs! Wo ihr aber in ein Haus eintretet, sagt als Erstes: ´Friede diesem Haus!` Und wenn dort Menschen leben, die Frieden lieben, wird euer Friede auf ihnen ruhen. Wenn aber nicht, wird der Friede auf euch zurückkommen. Bleibt in diesem Haus, esst und trinkt, was von ihnen kommt. Denn wer arbeitet, hat Lohn verdient. Geht nicht von einem Haus zum anderen. Und wenn ihr in einen Ort kommt und Aufnahme findet, so esst, was euch gegeben wird. Heilt die Schwachen am Ort und sagt ihnen: ´Das Reich Gottes ist nahe zu euch gekommen!` Wenn ihr aber in einen Ort kommt, wo ihr keine Aufnahme findet, geht hinaus ins Weite und ruft: ´Wir schütteln den Staub von unseren Füßen, der sich von eurem Ort an uns geklebt hat! Trotzdem wisset: Das Reich Gottes ist nahe herbeigekommen!` Ich sage euch: Es wird Sodom am Gerichtstag erträglicher gehen als jenem Ort!“ 

 

Die 70 kehrten mit Freude zurück und sagten: „Herr, auch die dämonischen Kräfte haben sich uns in deinem Namen untergeordnet“. Er sagte zu ihnen: „Ich sah die satanische Macht wie einen Blitz aus dem Himmel herabstürzen. Seht, ich gab euch die Macht, auf Schlangen und Skorpione zu treten, sowie über die gesamte Kraft des Feindes – nichts wird euch mehr schaden können. Darüber hinaus freut euch nicht, dass die Geister und Mächte euch untergeordnet sind, aber freut euch, dass eure Namen in den Himmeln aufgeschrieben stehen!“

Lk10,1-12, 17-20 Bibel in gerechter Sprache

 

Gewissenhaft, frei und souverän

 

„Ach, geh mir doch weg mit deiner Kirche und alle dem, damit will ich überhaupt nichts zu tun haben. Ich will sowieso austreten.“ Kennen wir nicht alle, gerade aktuell besonders oft, diese Äußerungen der absoluten Ablehnung? Fühlen wir uns nicht manchmal auch noch persönlich zurückgestoßen? „Oh, warte, ich werd dir noch Argumente liefern,“ denke ich manchmal, „da hab ich doch genug auf Lager. Das muss ich doch wohl hinkriegen.“ 

 

Die Jünger, die für Jesus auf dem Weg nach Jerusalem Quartier suchen sollten, waren über die Menschen in Samaria, denen die Juden feindlich gegenüberstanden, so erzürnt, dass sie zum Äußersten bereit waren, weil diese sogar Jesus ablehnten.

 

Aber das macht Jesus nicht mit, denn er weiß, dass die Feindschaft vom Jerusalemer Tempel ausgeht und er verhält sich ihnen als Friedensstifter ganz anders gegenüber. (S. Gleichnis vom barmherzigen Samariter und das Gespräch mit der samaritanischen Frau in aller Öffentlichkeit). Jesus gibt den neuen 70 Jüngern, die er zur gegenseitigen Unterstützung und Stärkung zu Zweit als Vorboten auf seinem Weg nach Jerusalem aussendet, ganz andere Verhaltensregeln und Handlungsanweisungen mit, denn sie verkünden einen liebenden Gott. Er macht ihnen klar, dass sie einen großen Auftrag haben, und deshalb ist es notwendig, dass sie viele sind, und darum sollen sie Gott bitten. Und Jesus weiß, dass es nicht leicht für sie sein wird, sogar lebensgefährlich für Leib und Seele. 

 

Um wirklich frei zu sein für ihre Aufgabe, sollen sie nichts mitnehmen – es wird ihnen schon geholfen werden - und immer ohne Umschweife ihre Aufgabe im Blick haben. Und ganz wichtig ist es ihm: Er empfiehlt ihnen, wie es die Psychologen heute auch tun, die sog. gewaltfreie Kommunikation, mehr noch: Gleich sollen sie ihre positive Gesinnung und ihre friedliche Einstellung bekunden, wenn sie in ein Haus gehen. Das steckt an, und wer dann immer noch feindselig ist, der wird es auch bleiben, das lehrt die Erfahrung. Sie sind keine Sklaven, die ausgebeutet werden, sondern sie werden ihren Lohn für ihre Arbeit erhalten, sozusagen mit Kost und Logis. 

 

Da abstrakte Ideen niemanden bewegen, sondern nur die Erfahrung und der Bezug zur Realität der Menschen (Papst Franziskus), sollen sie als Beweis der Richtigkeit ihrer Botschaft von Gottes Liebe und neuer Welt Kranke heilen. So, wie es Jesus auch tut. 

 

Und dann kommt das Entlastende, Befreiende: Ihr seid Freie, nicht Abhängige, tut das, was ansteht, gewissenhaft, aber Ihr habt keinen Erfolgs- und Leistungsdruck. Ihr braucht euch nicht wie Bittsteller zu verhalten, Ihr könnt souverän und ohne Groll die ablehnenden Menschen verlassen und sie sich überlassen, denn sie tragen die Verantwortung für sich selbst und nicht Ihr. Lasst das alles bei ihnen, und um das Loslassen perfekt zu machen, schüttelt sogar den Staub von deren Straßen und verlasst das Terrain. Dass sich diese Menschen nichts Gutes tun, sondern sich selbst schwerwiegend schaden, wenn sie seine Botschaft ablehnen, das macht Jesus sehr deutlich. 

 

Als die Jünger, freudig über ihre von Gott gegebene Wirkkraft erzählend, zurückkehren, rückt Jesus sie zurecht: sie sollen sich nur darüber freuen, dass Gott sie nun mit Namen kennt. Das wird ihr wahrer, unvergänglicher, unverhandelbarer Lohn sein!

 

Jesus gibt zeitlose, von psychologischer Kompetenz zeugende Regeln aus, die auch oder gerade heute noch für alle in der Glaubensverkündigung Tätigen gelten. Auch den Umgang mit Ablehnungen und Zurückweisungen - das muss ich mir auch immer wieder klarmachen – gibt er uns mit auf den Weg. Wir haben eine wunderbare Frohe Botschaft vom Gott des Lebens, der Liebe und der Freiheit zu verkünden, die für alle in allen Lebenslagen passt. Das gibt uns Sicherheit und Souveränität. Gehen wir also ebenso mit friedlicher, positiver Ausstrahlung gewissenhaft, frei und unabhängig an unseren Auftrag, nicht abhängig von einem druckmachenden Chef. Lassen wir uns von niemandem ins Bockshorn jagen, fühlen wir uns nicht im Erfolgsstress, lassen wir keine Frustration aufkommen oder werfen wir auch nicht das Handtuch. Das haben wir nicht nötig und es würde nicht zu dem passen, was uns Jesus in seiner Liebe zu uns im Weinberg Arbeitenden rät und verspricht. Wenn wir abgelehnt werden, sagen wir uns ohne Groll oder gar Wut: Auch andere machen diese Erfahrungen, wir sind nicht allein, und es gibt so viele andere, bei denen wir gerne gesehen sind und aufgenommen werden. Schließlich wissen wir ja auch, wofür und für wen wir arbeiten.

 

Brigitte Karpstein

 

  

 Wir sind Kirche Online-Andacht interaktiv

Nächste Termine  jeweils Dienstag 19 Uhr 


statt 5. Juli 2022 verlegt auf 12. Juli 2022

 

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Kirchliche Reformgruppen, Betroffeneninitiativen sowie katholische Verbände und Initiativen  kommen am Samstag 24. und Sonntag 25. September 2022 in Köln zu einer

 

KirchenVolksKonferenz

 

„Wir gehen schon mal voran – für eine synodale Kirche der Zukunft“  

 

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Keine Komfortzone

 

Und als die Tage seines Aufstiegs sich erfüllten, stand sein Beschluss fest, sich nach Jerusalem aufzumachen. Er schickte Boten und Botinnen vor sich her. Diese kamen in ein Dorf Samarias, wo sie für ihn um Aufnahme suchten. Sie nahmen ihn aber nicht auf, weil er darauf bestand, nach Jerusalem zu gehen. Als die Jünger Jakobus und Johannes dies sahen, sagten sie: „Du Herr, willst du, dass wir sagen: Feuer komme herab aus dem Himmel und verbrenne sie?“ Er wandte sich ab und drohte ihnen. Und sie gingen in ein anderes Dorf.

 

Als Jesus mit seinen Jüngerinnen und Jüngern unterwegs war, sprach ihn jemand an und sagte: „Ich will dir folgen, wohin auch immer du gehst.“ Da antwortete Jesus: „Die Füchse haben Höhlen und die Vögel des Himmels Nester, aber wir haben keinen Ort, an dem wir uns ausruhen können.“

 

Zu einem anderen sagte er: „Folge mir!“ Der aber antwortete: „Erlaube mir, dass ich zuerst noch einmal weggehe, um meinen Vater zu begraben.“ Jesus aber sagte zu ihm: „Lass die Toten ihre Toten begraben. Du aber mach dich auf und verkünde das Reich Gottes.“

 

Wieder jemand sagte: „Ich will dir nachfolgen, Herr. Aber zuerst erlaube mir, von denen in meinem Haus Abschied zu nehmen.“ Jesus aber sagte: „Wer die Hand an den Pflug legt und nach hinten blickt, ist nicht geeignet für das Reich Gottes.“

 

Lk 9, 51-62 Bibel in gerechter Sprache

 

Keine Komfortzone

 

Nein, kein netter Kerl, dieser Jesus. Ungemütlich, herausfordernd, radikal. Und auf jeden Fall nicht gut für einfache Lösungen. Seine Freunde bügelt er ab, als sie sich mit den falschen Mitteln für ihn einsetzen wollen. Er hält nichts von Drohungen und markigen Sprüchen. Dem, der sich ihm anschließen will, macht er klar, dass es kein Zuckerschlecken werden wird, wenn er sich der wandernden Schar um ihn anschließen will, und von dem, den er zum Mitwandern und Mitleben einlädt,fordert er, dass er damit die alten Brücken ins bisherige Leben abbricht und alle Rücksichten darauf ablegt.

 

Wer sich mit ihm einlassen will, muss beweglich bleiben, bereit sein, weiter zu gehen. Wer sich mit ihm auf den Weg macht, darf sich keine Hoffnung auf Kuschelecken machen. Wer mit ihm leben will, kann sich nicht mehr auf die alten Gewissheiten verlassen oder auf Traditionen pochen. 

 

Das ist alles eher unangenehm. Sowohl für uns selbst, denn für jeden, jede von uns ist es eine Herausforderung, nicht stehen zu bleiben, mit Unsicherheiten zu leben oder lieb gewordene Gewohnheiten oder Besitzstände loszulassen. Aber auch für die Institution, die sich auf die Fahnen geschrieben hat, ihren Weg für und mit Jesus zu gehen. 

 

Aber gerade in seiner Radikalität sind diese Herausforderungen für uns persönlich wie auch für die Kirche als ganzes in ihrer wohl größten Krise hilfreich und wegweisend. Denn sie zeigen uns, welche Fragen wir uns stellen müssen, wenn wir uns einsetzen wollen für das Reich Gottes. Wie können wir, wie kann Kirche Reich Gottes glaubwürdig verkünden? Welche Komfortzonen und Kuschelecken sind da hinderlich? Welche Traditionen stehen im Weg, wenn es voran gehen soll? Welche Rück-Sichten verstellen den Blick in die Zukunft?

 

Sowohl der Synodale Weg in Deutschland, dessen Richtung von mutlosen, ewig Gestrigen immer wieder in Zweifel gezogen wird, jedoch auch viel internationale Anerkennung erfährt, ebenso wie der weltweite Synodale Prozess müssen sich mit diesen Fragen auseinandersetzen und tun das bereits auch. 

 

Als Antwort auf die tiefe Krise der römisch-katholischen Kirche und des damit einhergehenden Bedeutungsverlustes in unserem Land kommen Reformgruppen, Betroffeneninitiativen sowie katholische Verbände und Initiativen zu einer Kirchen­Volks­Konferenz am letzten September­wochenende in Köln zusammen und laden auch alle Interessierten und Engagierten aus nah und fern herzlich dazu ein.

 

Es bedarf einer breiten Bewegung an der Kirchen­basis, die sich dafür einsetzt, die grundlegenden Transformations­prozesse in unserer Kirche voranzubringen und neue Weg zu suchen. Das Motto dieser Kirchen­Volks­Konferenz am 24. und 25. September 2022 in Köln lautet deshalb: 

Wir gehen schon mal voran – für eine synodale Kirche der Zukunft“

 

In der aktuellen Multikrise – Krieg in der Ukraine (und auch anderswo), Corona-Pandemie, Weltklima- und Hunger­krise, Kirchen­dauerkrise – braucht es Hoffnungs­botschaften, wie die des Rabbi aus Nazareth, und solidarisches Engagement. Im Geist der Ökumene wollen wir neue Hoffnung in die Kirchen und in die Gesellschaft bringen, um die Heraus­forderungen unserer heutigen Zeit gemeinsam aktiv anzugehen!

 

Sigrid Grabmeier

  

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Nächste Termine  jeweils Dienstag 19 Uhr 



statt 5. Juli 2022 verlegt auf 12. Juli 2022

 

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Kleider machen Leute oder die Qual der Wahl

Ihr alle nämlich seid Gottes Kinder im Messias Jesus durch das Vertrauen. Alle, die ihr in den Messias hineingetauft seid, habt den Messias angezogen wie ein Kleid. Da ist nicht jüdisch noch griechisch, da ist nicht versklavt noch frei, da ist nicht männlich und weiblich: denn alle seid ihr einzig-einig im Messias Jesus. Wenn ihr aber dem Messias angehört, dann seid ihr folgerichtig auch Abrahams Samen, erbberechtigt aufgrund der Verheißung.

Gal 3, 26-29 Bibel in gerechter Sprache

 

Kleider machen Leute oder die Qual der Wahl

 

Wer kennt das nicht? Man steht vor dem wohlgefüllten Kleiderschrank und empfindet Ratlosigkeit, manchmal Stress, denn: Was soll ich anziehen? 

 

Was habe ich heute vor? Wie wird das Wetter? Was steht Wichtiges an? Wie präsentiere ich mich am besten? Wie ist mir zumute? Was möchte ich durch mein Outfit ausdrücken? Was ziehe ich zur Einladung, zur Feier an? Bin ich dann auch richtig angezogen? Overdressed oder underdressed – beides wäre unangenehm; ganz falsch gekleidet zu sein, wäre evtl. blamabel.

 

Eine Modedesignerin beschrieb im Deutschlandfunk, welche Rolle die Kleidung bei vielen Menschen spielt. Die Kleiderwahl unterliegt oft der gegenwärtigen Mode und wird zur sozialen Angelegenheit; man unterwirft sich dem Modediktat, möchte nachahmen, passt sich an oder grenzt sich bewusst ab, man zeigt die Zugehörigkeit zu einer ausgesuchten Gruppe oder Schicht, man möchte deren Ansprüchen und Erwartungen gerecht werden, möchte einen Status ausdrücken oder sich im ganz eigenen, manchmal ausgefallenen, gar verrückten Stil abheben von anderen, provozieren, gegen den Strich bürsten.

 

Uniformen rufen Respekt hervor, bewirken Autorität, schaffen aber auch Distanz; Berufskleidung lässt den Beruf erkennen, und auch dort gibt es große Unterschiede im „Design“, Clowns schlüpfen in Kleidung, die die Menschen erheitern soll, Ordnungshüter flößen mitunter Angst ein ...

 

Eine große Bedeutung hat die Kleidung - denn Kleider machen auch heute immer noch Leute – oft bei Privilegierten und Reichen. Da gibt es sogar die sog. Etikette, Stilberatung und Vorschriften helfen dabei, immer standesgemäß auszusehen und den Reichtum zu demonstrieren. 

 

Gestatten Sie mir an dieser Stelle, nur einmal kurz den Blick auf die Kleidung der Bischöfe während der Messe und im zivilen Leben zu werfen:

 

Die liturgische Bekleidung muss schön, gut gemacht und auffallend sein. Sie stammt tatsächlich von der Bekleidung, die von den griechischen und römischen Würdenträgern getragen worden sind, die der reichsten Klasse angehörten und die dies ebenfalls durch ihre Bekleidung zum Ausdruck brachten. Die Exzellenz der ersten christlichen Priester war selbstverständlich geistig, aber nichtsdestotrotz mussten ihre Gewänder diese Größe zum Ausdruck bringen, um ihre Rolle nachvollziehbarer zu machen und unmittelbar für die Gläubigen.

Einige kirchliche Gewänder werden ebenfalls außerhalb der liturgischen Feste benutzt. Hier, beziehen wir uns auf das Priestergewand und das Scheitelkäppchen, dem Ferraiolo, ein leichter Seidenmantel, von Diplomaten des Vatikans genutzt, dem Saturno, ein Hut, dessen Form in der Tat den Planeten Saturn widerspiegelt.
Die verschiedenen Bedeutungen der liturgischen Bekleidung – Holy Art 

 

Die Bekleidung zur Zeit Jesu kennen wir von Gemälden, die sie gemäß der geschichtlichen Informationen aus der damaligen Zeit und Gegend darstellen. Die Fischerkleidung war mit Sicherheit schlicht und praktisch, und Jesus trug ein einfaches Gewand und grenzte sich von den prachtvollen Gewändern der religiösen Anführer ab, denn er ging mit und zu den Armen, den Ausgestoßenen, Abgelehnten, solidarisierte sich mit ihnen und drückte damit seine Zugehörigkeit zu ihnen aus. 

 

„Alle, die ihr in den Messias hineingetauft seid, habt den Messias angezogen wie ein Kleid. Da ist nicht jüdisch noch griechisch, da ist nicht versklavt noch frei, da ist nicht männlich und weiblich: denn alle seid ihr einzig-einig im Messias Jesus.“  -  In der Urgemeinde trugen die Täuflinge, die in der Osternacht getauft wurden, eine Woche lang weiße Kleider, um zu zeigen, dass sie den Messias angezogen haben wie ein Kleid. Dieses Kleid macht Leute: Denn alle werden zu Gottes geliebten Kindern, und da gibt es keine Unterschiede wegen der Herkunft, des Standes, des Geschlechtes. 

 

Die Qual der Kleiderwahl und die ganzen oben beschriebenen Überlegungen werden in diesem Zusammenhang völlig überflüssig, denn ich habe das beste Kleid bereits bei der Taufe bekommen. Durch mein Leben kann ich die Zugehörigkeit zu diesem Messias Jesus ausdrücken und meine Aufgaben und die sich ergebenden Situationen je nach meinen Begabungen und meiner persönlichen Berufung bewältigen, denn dieses Kleid ist genau auf mich zugeschnitten, es passt mir und zu mir und verleiht eine besondere Ausstrahlung und Würde. Ich trage es als geliebtes Individuum mit meinen Stärken und Schwächen, mit meinen Ängsten, Nöten, Hoffnungen, Wünschen, Visionen und mit meiner ganz persönlichen Sehnsucht. Nach meinen Möglichkeiten und an meinem Platz kann ich, zusammenfassend formuliert, mitarbeiten am Reich Gottes und mich für eine bessere, gerechtere Welt einsetzen, bei „Wind und Wetter“, ohne einengende Vorschriften und Verbote, ohne mich in ein rechtes Licht rücken zu müssen, ohne zu repräsentieren, ohne Druck von außen und innen. Ich darf so sein, wie ich bin. Das Kleid legitimiert mich und gibt meinem Inneren Schutz gegen dummes Gerede oder Anfeindungen.

 

Hier drängt sich die Frage auf: Womit legitimiert die Kirche solche Unterschiede und konträre Gepflogenheiten, zu dem, was wir hier an Froher Botschaft hören? Wo ist die Geschlechter-gerechtigkeit geblieben, warum haben nach Kirchenrecht nur die klerikalen Männer das Sagen? Wieso ziehen sie sich immer noch dermaßen unpassend und unmöglich an? 

 

Durch unser weißes Kleid sollten wir uns auch deutlich abgrenzen gegenüber allem, was der Botschaft des Messias widerspricht und gegenüber allen Menschen, die ihr bewusst zuwider-handeln. 

 

Tragen wir gemeinsam das weiße Kleid mit Phantasie, Kreativität, Esprit und seien wir mutig, ideenreich und auch manchmal etwas ver-rückt.

 

Brigitte Karpstein

 

 Wir sind Kirche Online-Andacht interaktiv

Nächste Termine  jeweils Dienstag 19 Uhr 



statt 5. Juli 2022 verlegt auf 12. Juli 2022

 

Die Wir sind Kirche-Online-Andachten entstanden, um auch in Corona-Zeiten im Gebet und Gespräch miteinander verbunden zu bleiben. Sie stehen in der Tradition der verschiedenen gottesdienstlichen Feiern bei den Bundesversammlungen, Begegnungstagen und PilgerRadTouren. Auch über die strengen pandemiebedingten Einschränkungen hinaus bieten wir die Online-Andachten mit Austausch zum Bibeltext und gemeinsamer Fürbitte weiterhin an. 

> www.wir-sind-kirche.de/andachten

 

 

 

Ver-teilen

Viele Menschen entschlossen sich und folgten ihm nach. Er nahm sie auf und redete mit ihnen über das Gottesreich und heilte diejenigen, die Heilung brauchten. Als der Tag zu Ende ging, kamen die Zwölf zu ihm und sagten: „Lass die Vielen ziehen, damit sie gehen können und in den Dörfern und Feldern rasten und etwas zu essen finden, denn hier sind wir an einem unwirtlichen Ort.“ Er sprach zu ihnen: „Gebt ihr ihnen doch zu essen!“ Sie erwiderten: „Wir besitzen nicht mehr als fünf Brote und zwei Fische, oder sollen wir etwa für das ganze Volk Essbares kaufen gehen!“ Es waren ungefähr 5 000 Leute. Da sagte er zu seinen Schülern und Schülerinnen: „Lasst sie in Gruppen von etwa 50 lagern.“ Sie taten so und ließen alle lagern. Er nahm die fünf Brote und die zwei Fische, blickte in den Himmel und segnete sie, brach sie und gab sie seinen Schülerinnen und Schülern, damit diese sie an die Menge verteilten. Und sie aßen, und alle wurden satt. Was an Brocken übrig war, wurde für sie aufgehoben: zwölf Körbe.

 

Lk 9, 11-17 Bibel in gerechter Sprache

 

Ver-teilen

„An Wunder glaube ich nicht, und wie soll das überhaupt gehen mit der Brotvermehrung?“ - so pflegen einige meiner Schüler*innen beim Thema „Wunder“ zu sagen. 

 

Die Flutkatastrophe bei uns an der Ahr jährt sich am 14. Juli zum ersten Mal. Unsägliches Leid ist über die Menschen hereingebrochen; viele standen fassungslos vor dem Nichts, die Not war unbeschreiblich groß. Spenden wurden erbeten. - „Gebt Ihr ihnen zu essen!“ Schon am selben Tag kamen Menschen von überall her mit Eimern, Schaufeln, Geräten, brachten Kleider, Haushaltsgeräte, Möbel, Spielsachen, Firmen gaben Rabatt, und die Schüler des betroffenen Gymnasiums gingen umher mit Kaffee und belegten Brötchen, andere verteilten warmes Essen. Nach einigen Tagen waren, weil so viel an Hilfsgütern gebracht wurde, unsere Zelte zu klein, und sogar aus Süddeutschland kam ein Trupp, der uns ein großes Zelt aufstellte. In vielen Gemeinden in ganz Deutschland wurde Geld auf unterschiedliche Weise gesammelt. Es war überwältigend. Als am 24. Februar der Krieg in der Ukraine ausbrach, war noch genug da, um dann dort zu helfen.

All diese Erfahrungen machen zu dürfen, war für viele in der Tat wunder-voll, und mein Glauben an den „Gott mit uns“, der da ist, wo am nötigsten, hat sich bestätigt.

Mit meinen Schüler*innen führte ich immer das folgende Experiment durch: Wir setzten uns um einen großen Tisch und jede und jeder sollte alles Essbare aus dem Rucksack darauf legen: „Ooh! Da kommt aber viel zusammen!“, stellten sie erstaunt fest. Wir frühstückten miteinander, und auch die, die nichts dabei hatten, wurden satt, und es blieb noch übrig. 
Ja, so „gehen“ Wunder bei und durch Jesus, und das ist auch heute noch so: Jesus fordert auf zu ver - teilen. Es wird befolgt. Das motiviert die, die noch etwas mithaben, ebenfalls zu teilen, und so werden alle satt, und es bleibt noch übrig für später. Das passiert natürlich auch in nicht religiös gebundenen Gemeinschaften. Jesus kennt sich generell aus mit dem, zu was wir Menschen in der Lage sind und er löst dies aus und unterstützt uns dabei. So kann sich nach diesem einfachen Rezept auch anderes Gutes wunder-bar vermehren lassen. Wenn es alle nur wollten und auch so verfahren würden, dürfte es doch keinen Hunger, keine Not mehr in der Welt geben?! Lassen wir uns von Jesus auffordern, und fangen wir im Kleinen an, und wer die Möglichkeit dazu hat, auch im Großen und lassen wir uns in Erstaunen versetzen.

Brigitte Karpstein

 

 Wir sind Kirche Online-Andacht interaktiv

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statt 5. Juli 2022 verlegt auf 12. Juli 2022

 

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Tanz der Dreifaltigkeit

Wir können in Gottes Frieden leben, weil Gott uns auf Grund unseres Vertrauens gerecht spricht und wir dem Messias Jesus gehören. Durch ihn haben wir Zugang in den Raum der Freundlichkeit Gottes. Das ist unser Ort. Wir können uns glücklich preisen, weil wir darauf hoffen, dass Gottes Gegenwart alles durchdringt. Auch in Stunden großer Not können wir uns glücklich preisen, denn wir haben die Erfahrung gemacht, dass große Not die Kraft zum Widerstehen stärkt. Diese Kraft stärkt uns, dass wir standhalten können; die Erfahrung standzuhalten stärkt die Hoffnung. Die Hoffnung führt nicht ins Leere, denn die Liebe Gottes ist durch die heilige Geistkraft in unsere Herzen gegossen. Sie ist uns geschenkt.

Röm 5, 1-5 Bibel in gerechter Sprache

 

Tanz der Dreifaltigkeit

Als Steyler Missionsschwester, Dienerin des Heiligen Geistes gehört der Dreifaltigkeitssonntag neben Pfingsten zu den wichtigsten Festen meiner Gemeinschaft. Wir dürfen an eine dreifaltige Gottheit mit väterlichem und mütterlichem Antlitz glauben, die in sich Beziehung ist. Schon früh haben Glaubende mit dem Geheimnis der Dreifaltigkeit gerungen. Die frühe Kirche drückte die Beziehung zwischen den drei Personen mit dem griechischen Begriff der perichoresis aus. Dieser theologische Begriff setzt sich aus peri (um) und choresis (Tanz oder Bewegung, die empfängt und nimmt) zusammen. Das Substantiv kann mit der Metapher des Tanzes der Dreifaltigkeit umschrieben werden. Wir Schwestern fühlen uns in unserem weltweiten Wirken in diesen Tanz der Dreifaltigkeit hineingenommen, um die Welt durch mitfühlendes Erbarmen zu verändern.

 

In meiner Vorstellung ist bei einem solchen Tanz der drei göttlichen Personen die Offenheit sehr wichtig, die einladende Haltung, dass jede:r dazukommen kann. Diese Offenheit sehe ich in meiner Kirche leider nicht in dem Maße, wie ich es mir wünschen würde. Wenn ich mir überlege, was Jesus uns im heutigen Evangelium noch gerne sagen möchte, wir aber jetzt noch nicht (er-)tragen können (vgl. Joh 16,12), kommt mir ein Satz in den Sinn, den ich in einem Brief an die Bischöfe Österreichs im Rahmen der Innsbrucker Gebetsinitiative Maria Magdalena und Co im Februar diesen Jahres geschrieben habe:

 

„(…) diese Kirche leidet. An mehreren Ecken drohen lebendige Steine, engagierte Menschen herauszubrechen, weil sie sich unverstanden, nicht wahr- und ernstgenommen fühlen: Opfer von Machtmissbrauch durch geweihte Amtsträger, Frauen und Männer, denen der Zugang zum Priesteramt verwehrt wird, obwohl sie in sich die Berufung dazu spüren, gleichgeschlechtlich Liebende, geschiedene und wiederverheiratete Menschen, …“

 

Wie können sich diese Menschen in diesen göttlichen Tanz hineingenommen fühlen? Ich bin überzeugt: Akzeptanz und das Gefühl der Annahme, wie man ist, sind Sehnsüchte, die alle Menschen aller Kulturen in sich tragen. Gerade von einer großen, weltumspannenden Institution wie der katholischen Kirche, die den Menschen die gute Nachricht verkündet, dass die Gottheit die Liebe ist (1 Joh 4,16b), kann und soll man erwarten dürfen, dass sie die Liebe als das höchste Gut und umfassend akzeptiert. So bin ich sehr dankbar für den Mut der Menschen, die hinter der Initiative #OutInChurch. Für eine Kirche ohne Angst stehen. Ich teile die dahinterstehenden Anliegen aus tiefstem Herzen. 

 

Als Ordensfrau, die zutiefst mit der Kirche verbunden ist, aber gleichzeitig auch sehr an und in ihr leidet, möchte ich Ihren Blick, liebe Leser:innen dieses Sonntagsbriefes nochmal auf die sehr tröstlichen Lesungen des heutigen Sonntags lenken: Die Geistkraft der Wahrheit wird uns alle in die Wahrheit führen (Joh 16,13) Diese Kraft stärkt uns, dass wir standhalten können; die Erfahrung standzuhalten stärkt die Hoffnung. Die Hoffnung führt nicht ins Leere, denn die Liebe Gottes ist durch die heilige Geistkraft in unsere Herzen gegossen. Sie ist uns geschenkt. (Röm 5,4-5)

 

Setzen wir uns gemeinsam für den Wandel in unserer Kirche ein und tanzen wir, wie es die Mystikerin, Poetin und Sozialarbeiterin Madeleine Delbrêl im „Ball des Gehorsams“ ausdrückt, hoffnungsvoll durch diesen Sonntag:

 

„Wenn wir wirklich Freude an dir hätten, O, Herr,
könnten wir dem Bedürfnis zu tanzen nicht widerstehen
Um gut tanzen zu können
braucht man nicht zu wissen, wohin der Tanz führt.
Man muss ihm nur folgen.“

Sr. Christina Blätterbinder SSpS

 

 Wir sind Kirche Online-Andacht interaktiv

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5. Juli 2022

 

Die Wir sind Kirche-Online-Andachten entstanden, um auch in Corona-Zeiten im Gebet und Gespräch miteinander verbunden zu bleiben. Sie stehen in der Tradition der verschiedenen gottesdienstlichen Feiern bei den Bundesversammlungen, Begegnungstagen und PilgerRadTouren. Auch über die strengen pandemiebedingten Einschränkungen hinaus bieten wir die Online-Andachten mit Austausch zum Bibeltext und gemeinsamer Fürbitte weiterhin an. 

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Zusammenrücken

Als der Tag des Pfingstfestes gekommen war, waren alle zusammen am selben Ort. Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder. Und alle wurden vom Heiligen Geist erfüllt und begannen, in anderen Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab. In Jerusalem aber wohnten Juden, fromme Männer aus allen Völkern unter dem Himmel. Als sich das Getöse erhob, strömte die Menge zusammen und war ganz bestürzt; denn jeder hörte sie in seiner Sprache reden. Sie waren fassungslos vor Staunen und sagten: „Seht! Sind das nicht alles Galiläer, die hier reden? Wieso kann sie jeder von uns in seiner Muttersprache hören: Parther, Meder und Elamiter, Bewohner von Mesopotamien, Judäa und Kappadokien, von Pontus und der Provinz Asien,  von Phrygien und Pamphylien, von Ägypten und dem Gebiet Libyens nach Kyrene hin, auch die Römer, die sich hier aufhalten, Juden und Proselyten, Kreter und Araber - wir hören sie in unseren Sprachen Gottes große Taten verkünden.“ Alle gerieten außer sich und waren ratlos. Die einen sagten zueinander: „Was hat das zu bedeuten? Andere aber spotteten: Sie sind vom süßen Wein betrunken.“

Apg 2, 1-13 Einheitsübersetzung

 

Zusammenrücken

Da ist ein bestimmter Tag gekommen, der Tag des Pfingstfestes. Alle waren an einem bestimmten Ort versammelt, aber nicht um Pläne zu schmieden sondern weil sie gelähmt waren und ratlos, gelähmt von der Angst. Doch in die gelähmten Glieder strömt plötzlich ein ungeahnter Schwung. Eine tolle Geschichte, eine Geschichte gegen die Angst!So eine Geschichte würde ich auch gerne heute erzählen, eine Geschichte, die im Heute zündet! Auch heute ist der Tag des Pfingstfestes gekommen.

 

Was hat es mit diesem Fest auf sich?

Das Wort Pfingsten hat sich wohl aus „der fünfzigste“ entwickelt, auf griechisch „pentekoste“, der fünfzigste Tag nach Pascha bzw. Ostern. Überall her strömten Menschen in die Stadt Jerusalem, der Stadt mit dem Wort Schalom* im Namen. Es war ein Erntedankfest, denn nach dem Pessach begann die Weizenernte.

 

Wie wunderbar ist doch der Weizen: kleine Körner, die einfach ausgestreut werden und zu wachsen beginnen. Aus einem Korn, das stirbt, werden viele und Viele kann es ernähren! Wenige können Viele ernähren und satt machen! Das hat die großen Zivilisationen der Geschichte erst möglich gemacht: Energie wurde freigesetzt, die sonst an die Nahrung gebunden war. Menschen konnten ihre Talente ausbilden, weil der Kampf ums Überleben und die tägliche Suche nach Nahrung nicht mehr an erster Stelle stand. Handwerker, Gelehrte und auch Künstler konnten sich entfalten. Menschen konnten plötzlich ihren Träumen nachgehen, zu einem Reichtum für Viele werden und damit den Reichtum aller befördern.

 

Weizen musste auch nicht sofort oder schnell verzehrt werden, denn man konnte ihn lagern! Mit vollen Lagern ließ sich entspannt leben! – Spätestens jetzt denken wir wohl alle an Putin, der volle Lager besetzt hält und die Welt damit in Angst und Schrecken versetzt. Uns wird plötzlich klar, wie wichtig Weizen ist und wie wenig selbstverständlich! Die neue Ernte steht schon bevor, doch die Lager sind nicht geleert. Das so wichtige Lebens-mittel ist zum Todes-mittel geworden, zur Waffe, die Angst und Schrecken verbreitet. Der Hunger erhebt sich! Besonders die ärmsten Länder trifft es wieder am Härtesten. „Gebt Ihr ihnen zu essen!“

 

Wir dürfen nicht in Egoismen verhaftet bleiben und in Nationalismen sondern müssen füreinander sorgen! Uns so dem Bösen entgegenstellen, uns gemeinsam widersetzen. Und uns zugleich daran erinnern, wie zerbrechlich alles ist und verwundbar. Wir müssen zusammenrücken! Wir müssen! Wir haben keine Wahl! Bürgerkriege drohen und Verrohung, Verlust von Kultur, von Zivilisation, von Menschlichkeit!

 

Wenn es heute eine Gabe gibt, eine Lebensgabe, die den Bund mit GOTT erneuert, eine Gabe, die Totes lebendig machen, die getrenntes verbinden, Erstarrtes erwärmen kann, gefährliche Glut kühlen und Müdes erfrischen kann, dann liegt sie wohl in dieser Erkenntnis im Angesicht der sich aufbäumenden Not! Wir müssen zusammenrücken, denn wir sitzen alle im selben zerbrechlich kleinen Boot! Ein anderes Brausen von Himmel her als dieses, kann ich heute nicht verkünden! Es ist kein lautes Getöse, das alle aufschreckt. Es ist ein leises, es erinnert nur! Es ist Pfingsten!

 

Johannes Brinkmann / Essen

*Das Wort Schalom sagt mehr als unser deutsches Wort Frieden. Mit Frieden ist nur die Abwesenheit von Krieg gemeint. Schalom aber steht nicht nur für Frieden und körperliche Unversehrtheit, sondern in einem größeren Begriffsrahmen auch für Heil, Freiheit von jeglichem Unglück und Widrigkeiten, Gesundheit, Sicherheit, (innere) Ruhe und Wohlstand. — Das alles ist mit Schalom gemeint. Schalom will uns alle miteinander in seinem inneren Frieden verbinden! Mein Gruß Heute ist deshalb

„Schalom sei mit Euch allen!“



 

 Wir sind Kirche Online-Andacht interaktiv

Nächste Termine  jeweils Dienstag 19 Uhr 


7. Juni 2022
5. Juli 2022

 

Die Wir sind Kirche-Online-Andachten entstanden, um auch in Corona-Zeiten im Gebet und Gespräch miteinander verbunden zu bleiben. Sie stehen in der Tradition der verschiedenen gottesdienstlichen Feiern bei den Bundesversammlungen, Begegnungstagen und PilgerRadTouren. Auch über die strengen pandemiebedingten Einschränkungen hinaus bieten wir die Online-Andachten mit Austausch zum Bibeltext und gemeinsamer Fürbitte weiterhin an. 

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Die Kraft des Geistes gipfelt in der Liebe

Am letzten, dem Haupttag des Sukkotfestes, stand Jesus da und rief aus: „Alle, die durstig sind, sollen zu mir kommen und trinken. Alle, die an mich glauben, über die heißt es in der Schrift: `Flüsse lebendigen Wassers werden aus ihrem Inneren fließen.´“ Dies sagte er über die Geistkraft, die alle empfangen sollten, die an ihn glaubten; denn es gab noch keine Geistkraft, weil Jesus noch nicht in göttlichem Glanz war.

Joh 7,37-39 Bibel in gerechter Sprache

 

Die Kraft des Geistes gipfelt in der Liebe

 

Wo taucht der „Geist“ auf in der Evolution? Die Evolution des Lebendigen bringt unaufhörlich Überraschungen hervor. „Alles ist Wechselwirkung.“ (1793) Alexander von Humboldt (1769-1859) sieht eine „ewige, allverbreitete Kraft“ zusammenwirken. Das sanfte Beben der Mensch-Werdung besteht darin, geistig selbstbewusst Intelligenz in Anschlag zu bringen, das Zwielicht der Wirklichkeit aufzuhellen. Im Fackellauf des Denkens freundet sich der Mensch mit der Liebe zur Wahrheit an. Ziel ist „Besonnenheit, die Humanität bedeutet“ (P. Sloterdijk).

 

Der Weg (Tao), die Spirale sind Metaphern der Evolution. Sein (Materie) - Leben - Bewusstsein! heißen die Durchbrüche der Evolution. Sich-seines-Lebens-bewusst-sein! lautet in Analogie die Aufgabe des Menschen. Sozusagen vom Brennpunkt der Evolution her erweist sich, dass das Leben und der lebendige Geist der Materie erst zu ihrem Triumph verhelfen. Erkenntnis ist ein Aufwachen für Gut und Böse. Der offene Horizont spricht eine Einladung aus. Geist ist stets leiblich verfasst. Ist es nun Gnade oder eine in uns angelegte Gabe, dass in uns die geistig-leibliche Kraft zu lieben schlummert, die, sobald einmal geweckt, sich verausgaben will? Löscht nur eins nicht aus: den Geist! Warnt die Schrift (1 Thessalonicher 5,19)! 

 

Ich denke nicht, dass der windige Geist nur eine Gabe der Christen ist. Hebräisch denkt man bei Geist an Atem, Wind, Wehen. Wer kann den Wind einsperren? Hätte man je von Windbesitzern gehört? „Der Wind weht, wo er will, und du hörst sein Sausen; aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er geht. So verhält es sich mit jedem, der aus dem Geist geboren ist.“ (Joh. 3,8). Weshalb sollte sich der Sauser auf kirchliche Räume, Lehrbücher und Sprache beschränken!? Er ist die Kraft zu vollbringen. Er überfällt, ergießt sich ins Herz, bewegt das Innerste, treibt an, leitet, steht bei, wirkt, verwandelt, erneuert, schenkt Freundlichkeit, Sanftmut, Liebe (Gal 5,22), wirkt mit an dem, was Gott will: Gerechtigkeit, Friede, Freude (Röm 14,17) Er ist die Lebenskraft. Er trägt auch das nachösterliche Leben der Kirche - solange sie nicht Buchstabe und Geist verwechselt - indem er Glaube Liebe Hoffnung stiftet. Ist er da, ist Freimut da. Wahrheit schlägt Lüge und Fundamentalismus in die Flucht. 

 

Geistlos aber wie Menschen sind, wollen sie hoch und höher hinaus, um zu schauen, was machbar ist. Sie verwechseln Höhe und Größe, und merken es nicht einmal, so dumm sind sie. Besser, weiter, höher? Die höchsten Bauwerke der Menschen kratzen nicht einmal die Kumulus-Wolken: 830 Meter hoch ist der Burj Khalifa in Dubai mit 163 nutzbaren Etagen. Mit der Parabel vom Turmbau zu Babel warnt die Bibel den Superehrgeiz vor der Katastrophe. Zerstreut sich die Kraft, verwirren sich die Sprachen, zersplittern Machtinteressen, kämpfen Reiche gegeneinander. Am Anfang Irrsal und Wirrsal (Martin Buber), Tohuwabohu, am Ende wieder Chaos? So wird kein solidarisches Menschheitsprojekt an ein Ziel kommen. 

 

Was nützen Protzbauten, wenn ein Anschlag, wenn Krieg sie zerstören kann!? Dann liegen „die Gebeine der Toten“ (Ez 37,1-14) herum.„Krieg“ (Alfred Kubin) zermalmt alles, was Menschen gebaut haben. Bilder zertrümmerter Städte in der Ukraine entsetzen. Dazu das Leid der Terrorisierten, welches ein Willkür-Gewalthaber, der die Ohnmacht der Subjekte will, im Namen seiner Paranoia bezweckt, um seinen imperialen Wahn zu befriedigen. Wir spüren, was es kostet, den Schmerz auszuhalten, Illusionen zu ernüchtern, Zorn und Hass zu zügeln. Krieg lähmt, weil er schockt. Mit jeder Explosion wird der Reizschutz durchbrochen. „Operationen werden durchgeführt, bis kein Gras mehr wächst. Der Feind fungiert als Patient und Leiche.“ „Es gehört zum Mechanismus der Herrschaft, die Erkenntnis des Leidens, das sie produziert, zu verbieten“ (Adorno, Minima Moralia 1944). Krieg wird vollständig verdeckt durch Propaganda. Da hilft geistreicher Widerstand durch Mobilisierung von Sachlichkeit und Empathie. Das Ungetüm des Krieges beherrscht kein Mensch. Krieg ist ein Poltergeist, ein Produkt des Hasses, der vervielfacht, was ihn antreibt. Allmachtsfantasien – verwünschen, bestrafen, leugnen der Kräfteverhältnisse - wirken grotesk. Widersprüchlichkeit zu akzeptieren, gehört zum Arbeitsfeld des Geistes.

 

Welcher Geist aber macht lebendig!? Der gute, allgütige, nicht der böse, von Hass zerfressene. Ezechiel erzählt eine Parabel. Israel ist ausgetrocknet, seine Hoffnung ist untergegangen, wie abgeschnitten. Im Jahr 587 wird Jerusalem zerstört, viel Volk verschleppt. Eine Macht hat sie niedergestreckt. Wer nur an Rache für die Ermordeten denkt, verlängert die Katastrophe der Entmenschlichung. Gibt es eine größere Macht als die Vernichtungsmacht des Todes? Die Wiederkehr des Lebens macht den Tod zu einem Moment. Liebe ist stärker, wenn die milde Macht Gottes aus Erbarmen Gräber öffnet und den Geist der Hoffnung einhaucht. Der Geist fliegt ein aus vier Himmelrichtungen wie zu einer Konferenz der Friedenswilligen. Guter Geist macht lebendig, weil er belebend ins Leere strömt. Mit Vision befeuert. Flügel verleiht. Das Leben feiert. „Es ist der Sinn der Sprache zu feiern, und jede Sprache, die zu feiern vergäße, ist von allen guten Geistern verlassen.“ (Peter Sloterdijk)

 

Der Prophet Joel lehrt: Ohne den Ruf des Geistes regiert nur Schrecken. Geist wird ausgegossen wie Wasser über alles, was nur vegetiert und nach Leben dürstet. Alte träumen, erzählt Joel, Junge entwerfen Visionen, Söhne und Töchter atmen prophetischen Geist. Knechte und Mägde erwachen.

 

Aber ehrlich gesagt, die Schöpfung stöhnt, jammert, keucht, seufzt wie in Wehen vor der Geburt. Sie geht mit Hoffnung schwanger. Röm 8,22f. Manche seufzen bei der Flut von Kirchenaustritten. Anders gefragt: Was wird da geboren? Der Mystiker David Steindl-Rast sieht „voll Hoffnung ein Austreten der Kirche über ihre herkömmlichen Ufer“, also kein Leck, sondern einen Befruchtungsvorgang. Bei aller Erfüllung – immer bleibt etwas offen. Erforsche dein Herz, dann erkennst du, was es will. „Immer versagt die Erfüllung im Realen, aber der Weg der Sehnsucht und der Freiheit ist unendlich und niemals ausschreitbar, ist schmal und abseitig wie der des Schlafwandlers...“ (Hermann Broch, Die Schlafwandler Frankfurt 1978, S. 380) 

 

Eins bleibt gewiss: Dummheit und Lüge spielen Geisttöter, fade, dröge, ohne Esprit. Geistbegabt sind alle, geisterfüllt nur wenige. Ein gerüttelt‘ Maß an Selbstvertrauen braucht jeder. Wir sind soweit, dass der Verzicht auf Triumphe eine Frage der Vernunft wird. Einerseits braucht der Mensch eine Spannung, um die Spannkraft auszutesten, auszureizen. Man darf ihm nicht zu früh mit Grenzen kommen. Andererseits braucht es innere Qualitäten, um nach außen hin vorzulegen. Man muss auch dem Scheitern gewachsen sein. Eins der schönsten Filmbeispiele dafür ist „Alexis Sorbas“, der nach dem Misslingen eines Projekts am Strand einen Tanz hinlegt. 

 

Im Evangelium wird im Fokus aufbewahrt, ein Mensch ist ganz vom Geist erfüllt: Jesus als Magnet und Brennpunkt der Evolution. Der lösende Geist der Befreiung kommt mit ihm. Er weckt aus Lethargie und Melancholie, löscht Todessehnsucht. Ostern kündet: Mensch, blüh‘ auf in der Hoffnung über das Grab hinaus! Liebe ist eine Gabe ohne genauen Absender, aber eine Aufgabe mit präzisen Adressen: den Armen. Woher hat der Nazarener diese Lebendigkeit, diese Klarheit, diese Sanftmut? Er schöpft aus der Quelle der Fülle. So eine sinnliche, annäherungsfreundliche Geistesgegenwärtigkeit und Lebensfrische wünschen wir uns doch auch! Also, weg mit Jammer-Masochismus und Sünden-Depression! Glauben wir mit ihm, wächst provozierende Großzügigkeit. Der Feuergeist Jesu ist die Kraft, die guttut – da sind Dogmen trübe Tassen. Er nimmt den Reichtum in sich und in anderen wahr. Er hat die Kraft, mit der Versuchung der Allmachtsphantasien, des Besitzes, des Personenkults fertig zu werden. Er hat die Freiheit sich zu steigern! Hoffnung ragt hinüber in die heitere Utopie von einem gastfreundlichen Zusammenleben, von offener „Tischgemeinschaft“ (Halbfas). Der Hoffende erfreut sich eines fröhlichen Windes, der von Pfingsten her weht. Seinen Leib konnten sie brechen, seinen Geist nicht. Der begeistert – bis auf den heutigen Tag.

  

„Gewalt ist keine Lösung. Krieg ist keine Lösung. Mord ist keine Lösung. 
Wir müssen endlich begreifen, 
dass wir entweder gemeinsam gesegnet oder 
dass wir gegeneinander zum Untergang verdammt sind.“
Daniel Barenboim (*1942)
 

Günther M. Doliwa

 

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7. Juni 2022
5. Juli 2022

 

Die Wir sind Kirche-Online-Andachten entstanden, um auch in Corona-Zeiten im Gebet und Gespräch miteinander verbunden zu bleiben. Sie stehen in der Tradition der verschiedenen gottesdienstlichen Feiern bei den Bundesversammlungen, Begegnungstagen und PilgerRadTouren. Auch über die strengen pandemiebedingten Einschränkungen hinaus bieten wir die Online-Andachten mit Austausch zum Bibeltext und gemeinsamer Fürbitte weiterhin an. 

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Einheit oder Vielfalt?

In jener Zeit erhob Jesus seine Augen zum Himmel und betete: Heiliger Vater, ich bitte nicht nur für diese hier, sondern auch für alle, die durch ihr Wort an mich glauben. Alle sollen eins sein: Wie du, Vater in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast. Und ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast; denn sie sollen eins sein, wie wir eins sind, ich in ihnen und du in mir. So sollen sie vollendet sein in der Einheit, damit die Welt erkennt, dass du mich gesandt hast und die Meinen ebenso geliebt hast wie mich. Vater, ich will, dass alle, die du mir gegeben hast, dort bei mir sind, wo ich bin. Sie sollen meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast, weil du mich schon geliebt hast vor der Erschaffung der Welt. Gerechter Vater, die Welt hat mich nicht erkannt, ich aber habe dich erkannt, und sie haben erkannt, dass du mich gesandt hast. Ich habe ihnen deinen Namen bekannt gemacht und werde ihn bekannt machen, damit die Liebe, mit der du mich geliebt hast, in ihnen ist und damit ich in ihnen bin. 

Joh 17,20-26    Einheitsübersetzung  

Einheit oder Vielfalt?

Liebe Schwestern und Brüder,

letzte Worte von Sterbenden haben besonderes Gewicht. Sie gelten als verbindlich, verpflichtend, oft haben sie  testamentarischem Charakter. Klaus Bonhoeffer, ein wenig im Schatten seines Bruders Dietrich Bonhoeffer, wie dieser im Widerstand gegen die Nazis, schreibt vor seiner Hinrichtung im März 1945 an seine Kinder: „Meine lieben Kinder! Ich werde nicht mehr lange leben. Haltet fest zusammen. Helft euch und eurer Mutter, wo ihr könnt. Ist einer traurig, kümmert euch. Pflegt, was euch zusammenführt. Haltet zu eurer Familie, aus der solche Kräfte wachsen.“ Jesus erbittet für seine Jünger kurz vor seiner Hinrichtung den Vater nicht Glück, auch für Gesundheit nicht oder Erfolg, sondern er bittet für seine Nachfolger um Einheit im wahren Glauben. 

Dass es schon unter den ersten Christen und erst recht in den folgenden 2000 Jahren der Kirchengeschichte mit der Einheit nicht so recht geklappt hat, ist bekannt. Die Christenheit ist heute in mehrere  große  Kirchen und zahlreiche kleinere Gemeinschaften zersplittert. Diese Zertrennung wird bei uns oft und laut beklagt. In den Fürbitten wird gerne der Herrgott angefleht, doch bitte für die Einheit unter den Konfessionen zu sorgen. Sogar ein Kirchenlied nimmt diese Bitte auf: „Schaue die Zertrennung an, der sonst niemand wehren kann. Sammle, großer Menschenhirt, alles, was sich hat verirrt.“ 

Drei Gedanken kommen mir dazu. 

Erstens: Ist es nicht vor allem unsere Aufgabe, uns um die Einheit mit den Geschwistern im Glauben zu bemühen, statt diese Aufgabe immer wieder an Gott zu delegieren? 

Zweitens: Welche Einheit steht uns da vor Augen? Sollen alle nicht-katholischen, „verirrten Schafe“ in den römischen Stall zurückgescheucht werden? Oder müssten sich nicht alle Beteiligten darum bemühen, aufeinander zuzugehen und sich gemeinsam auf Christus als den wahren guten Hirten zu besinnen? 

Drittens: Muss Einheit bedeuten, dass die Vielfalt verloren geht? Muss eine Weltkirche nicht in der Lage sein, Unterschiede nicht nur auszuhalten, sondern als Bereicherung zu begrüßen?

Im Munde von Machtsüchtigen hat Einheit einen gänzlich anderen Klang. Diktatoren, die sich mit Einheitsschritt und martialischen Waffenschauen in Einheitsfarbe huldigen lassen, blenden jeden Individualismus aus. Die scheinbare Harmonie fest geschlossener Reihen zeugt von Gleichschaltung. Der Preis war und ist immer der Verlust jedweder Individualität. Einheit im Sinne von Uniformität und Gleichmacherei funktioniert nur per Befehl, Menschenwürde und Nächstenliebe bleiben hier chancenlos. Das gilt auch in unserer Kirche. Viel zu viele träumen noch von einer konservativen Einheitlichkeit ohne Küng, Drewer- und Ranke-Heinemann, Oosterhuis, KirchenVolksBegehren und Maria 2.0. Die Kirche soll am besten weiterhin geschlossen hierarchisch organisiert sein und mit einer Stimme sprechen, nämlich mit der römischen. 

Glaube gedeiht aber nicht in einer Einheit geschlossener Reihen, ausgerichtet wie Bäume in einer barocken Allee, die widernatürlich zurechtgestutzt sind. Glaube kann auch nicht als eine Art Uniform getragen werden, denn zu ihm gehört unverzichtbar der Zweifel. Er treibt mich, weiter und tiefer in die Welt der Frohen Botschaft hineinzulesen, im Gespräch und der Auseinandersetzung mit meinen christlichen Geschwistern sicher Geglaubtes zu hinterfragen und immer weiter der Sehnsucht nach dem einen Gott zu folgen. 

Amen.

G. Mollberg

 

 Wir sind Kirche Online-Andacht interaktiv

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7. Juni 2022
5. Juli 2022

 

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Wir sind Kirche beim 

Katholikentag in Stuttgart 25.-29. Mai 2022 

Keine weiteren Lasten

Da kamen einige Leute aus Judäa nach Antiochia. Sie erklärten den Brüdern: „Ihr müsst euch beschneiden lassen,wie es nach Mose Vorschrift ist. Sonst könnt ihr nicht gerettet werden.“ Das verursachte große Aufregung in der Gemeinde. Paulus und Barnabas gerieten mit den Männern in heftigen Streit. Deshalb beschloss man, Paulus, Barnabas und einige andere aus der Gemeinde nach Jerusalem zu schicken. Dort sollten sie die Streitfrage den Aposteln und Gemeindeältesten vorlegen.

 

Darauf fassten die Apostel und die Gemeindeältesten sowie die ganze Gemeinde einen Beschluss: Sie wollten Männer aus ihrer Mitte wählen, und sie zusammen mit Paulus und Barnabas nach Antiochia schicken. Die Wahl fiel auf Judas, genannt Barsabbas, und Silas, die zu den führenden Männern in der Gemeinde gehörten. Den beiden gaben sie folgendes Schreiben mit: „Wir, die Apostel und Gemeindeältesten, eure Brüder, senden unsere Grüße: an die Brüder und Schwestern in Antiochia, Syrien und Kilikien, die aus den anderen Völkern stammen. Wie wir erfahren haben, waren einige aus unserer Gemeinde bei euch.Was sie euch sagten, hat euch erschreckt und zutiefst beunruhigt. Dazu hatten sie von uns keinen Auftrag. Wir haben einstimmig beschlossen, ausgewählte Männer zu euch zu schicken. Sie kommen zusammen mit unseren geliebten Brüdern Barnabas und Paulus. Es sind Männer, die für unseren Herrn Jesus Christus ihr Leben aufs Spiel gesetzt haben: Wir haben Judas und Silas zu euch geschickt. Sie werden euch dasselbe auch noch mündlich mitteilen. Der Heilige Geist und durch ihn auch wir haben nämlich beschlossen, euch keine weiteren Lasten aufzubürden. Nur die folgenden Dinge solltet ihr unbedingt beachten: Esst kein Fleisch von Tieren, die als Opfer für Götzen geschlachtet wurden. Nehmt kein Blut zu euch.Verzehrt kein Fleisch von Tieren, die nicht ausgeblutet sind, und geht keine verbotenen sexuellen Beziehungen ein.Wenn ihr dies vermeidet, macht ihr alles richtig. Und nun lebt wohl!“

 

Apg 15,1-2; 22-29, Basisbibel  

 

 

 

Keine weiteren Lasten

Paulus und Barnabas hatten bei ihrer Verkündigung wohl sehr schönes, nämlich Bekehrungen und Heilungen erlebt, aber eben auch schlimmes, Paulus wurde in Lystra von Mitgliedern der jüdischen Gemeinden gesteinigt. Gerade jüdische Menschen konnten nicht akzeptieren, dass die neue Lehre, für die sie durchaus offen waren, auch für Menschen anderer Religionen und Herkunft ohne besondere Auflagen kultischen Verhaltens gelten sollte. Sie waren das auserwählte Volk. Nicht die anderen.

 

Die Auseinandersetzung mit den Ältesten und Aposteln in Jerusalem ging dann auch nicht so locker über die Bühne, wie die große Lücke im zitierten Text glauben machen möchte. Es ging ganz schön zur Sache und auch hier gab es die Meinung: das jüdische Volk zuerst. Jakobus, der Bruder Jesu griff vermittelnd ein und schloss die Beschneidung als Voraussetzung für die Aufnahme in die Gemeinden aus.

„Sie sollen sich nicht an der Verehrung von Götzen beteiligen und keine verbotenen sexuellen Beziehungen eingehen.Und sie sollen kein Fleisch von Tieren essen, die nicht ausgeblutet sind,oder auf andere Weise Blut zu sich nehmen.“ - Damit sollte ein Zusammenleben von jüdischen und nichtjüdischen Gemeindemitgliedern ermöglicht werden. 

 

Es waren nicht einfach alte Zöpfe, die da abgeschnitten wurden, es waren tatsächlich für die jüdischen Gemeindemitglieder wirklich tief in die jüdische Tradition einschneidende Entscheidungen, die die Versammlung in Jerusalem traf. Aber es ging ja darum, im wahrsten Sinne Neuland zu gewinnen, und wie sollte das möglich sei, wenn das was Juden von allen anderen unterschied, zur wichtigsten Voraussetzung für die Verbreitung der Botschaft zu machen. Das wäre ja eine ungeheure Ressourcen- und Charismenverschwendung gewesen.

 

Von einer ungeheuren „Ressourcen- und Charismenverschwendung“ zeugt das von Sr. Philippa Rath OSB herausgegebene Buch „Weil Gott es so will“ mit Zeugnissen von 150 Frauen, die über ihr Berufensein für den priesterlichen Dienst schreiben. Die Versammlung der Ältesten und Gemeindemitglieder in Jerusalem hat um eine Entscheidung gerungen, sie haben diese Entscheidung auch nicht allein getroffen:  „Der Heilige Geist und durch ihn auch wir haben nämlich beschlossen, euch keine weiteren Lasten aufzubürden.“ - Wann, frage ich, wann kommt aus Rom und von den Bischofskonferenzen einmal dieser Satz? Wann lassen die Synoden und Konzile sich einmal derart von der Heiligen Geistkraft unterstützen, dass sie den Mut haben, Neuland zu betreten? -

 

Sigrid Grabmeier

 

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7. Juni 2022
5. Juli 2022

 

Die Wir sind Kirche-Online-Andachten entstanden, um auch in Corona-Zeiten im Gebet und Gespräch miteinander verbunden zu bleiben. Sie stehen in der Tradition der verschiedenen gottesdienstlichen Feiern bei den Bundesversammlungen, Begegnungstagen und PilgerRadTouren. Auch über die strengen pandemiebedingten Einschränkungen hinaus bieten wir die Online-Andachten mit Austausch zum Bibeltext und gemeinsamer Fürbitte weiterhin an. 

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Katholikentag in Stuttgart 25.-29. Mai 2022 

Reich Gottes

 

Nachdem sie auch in dieser Stadt verkündigt und zahlreiche Schüler und Schülerinnen gewonnen hatten, kehrten sie zurück nach Lystra, Ikonion und Antiochia, stärkten dabei die Schülerinnen und Schüler, ermunterten und ermahnten sie, beim Glauben zu bleiben und „dass wir durch viele Bedrängnisse hindurch in Gottes Reich hineingehen müssen“. Sie wählten für sie in jeder Gemeinde Älteste, beteten unter Fasten und vertrauten sie dem Herrn an, an den sie nun glaubten. Sie zogen durch Pisidien und kamen dann nach Pamphylien; sie verkündeten die Botschaft in Perge und stiegen dann nach Attalia hinab und segelten von dort nach Antiochia ab, wo sie für die Aufgabe, die sie nun abgeschlossen hatten, der Freundlichkeit Gottes anvertraut worden waren. Dort angekommen, versammelten sie die Gemeinde und berichteten, was alles Gott an ihnen getan hatte und dass den Völkern die Tür zum Glauben von Gott geöffnet worden sei.

 

Apg 14,21-27

Bibel in gerechter Sprache

 

Reich Gottes

Reich Gottes. Das ist das erklärte Ziel der jesuanischen Botschaft. Es ist kein neues Ziel, denn durch die Schriften der hebräischen Bibel zieht sich die Verheißung und die Sehnsucht nach der Verwirklichung des Reiches Gottes. Gerechtigkeit und Frieden sind die Hauptmerkmale dieses Reiches, das irdische und himmlische Wirklichkeit umfasst. Schon Hanna gut 1000 Jahre vor dem Lobpreis der Maria jubelte Hanna, die Mutter des Samuel:

Keiner ist heilig wie der Heilige, ja keiner außer dir.
Keiner ist ein Fels wie unser Gott.

Die Bogen der Helden zerbrechen,
und die Strauchelnden rüsten sich mit Macht.
Die Satten müssen sich um Brot verdingen,
und die Hungrigen kommen zur Ruhe.
Sogar die Unfruchtbare gebiert siebenfach,
und die Kinderreiche welkt dahin.
 
Die Heilige tötet und macht lebendig,
führt hinab in die Unterwelt und herauf.
Die Heilige beraubt und bereichert, erniedrigt und erhöht,
richtet Geringe aus dem Staub auf,
erhebt Arme aus dem Müll,
um sie an die Seite der Edlen zu setzen.
Einen Ehrenplatz gibt ihnen Gott.

1 Sam, 2, 2; 4-8 Bibel in gerechter Sprache 

Das neue an der Botschaft des Jesus von Nazareth vom Reich Gottes ist, dass sie weiter getragen wird, über die jüdische Kultgemeinschaft hinaus. Diese Botschaft war stark, sie muss ungeheuer stark gewesen sein, denn sie versiegt nicht, sondern sie wächst. Gegen Widerstände und Verfolgung gewinnt die Botschaft Nachfolgerinnen und Nachfolge, Menschen, die sie sich zu Herzen nehmen und weitertragen. Sie überwindet sogar die Erfahrung, dass dieses Reich womöglich nicht zu eigenen Lebzeiten kommen wird und wird über Generationen hinweg weitergeben. Denn es wächst die Erfahrung, dass nicht Gott dieses Reich der Menschheit wie ein riesiges Geburtstagsgeschenk überreichen wird, sondern dass wir angewiesen sind, in doppeltem Wortsinn, als Menschen miteinander durch das Leben der Botschaft dieses Reich immer wieder neu zu errichten.

  

Der Evangelist Johannes überliefert die Weisung des Auferstandenen so: 

„Ich gebe euch ein neues Gebot, dass ihr euch gegenseitig liebt, wie ich euch geliebt habe, damit auch ihr euch gegenseitig liebt. Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jüngerinnen und Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt.“

Joh 13, 34-35 Bibel in gerechter Sprache 

Sigrid Grabmeier

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Katholikentag in Stuttgart 25.-29. Mai 2022 

Geborgen

Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir, und ich gebe ihnen ewiges Leben, und sie werden bis in Ewigkeit nicht verloren gehen und niemand wird sie aus meiner Hand rauben. Gott hat sie mir gegeben und ist größer als alle, und niemand kann sie aus der Hand Gottes rauben. Ich und Gott sind eins.

Johannes 10, 27-30 Bibel in gerechter Sprache

 

Geborgen

 

Kann es sein, dass unsere Amtskirche da was nicht richtig verstanden hat? Im Taufbundlied wird die Dogmatik ja ziemlich eindrücklich auf den Punkt gebracht:

 

Fest soll mein Taufbund immer stehn,
ich will die Kirche hören!
Sie soll mich allzeit gläubig sehn
und folgsam ihren Lehren!
Dank sei dem Herrn, der mich aus Gnad
in seine Kirch berufen hat,
nie will ich von ihr weichen!

 

Irgendwie habe ich den Eindruck, das sogenannte Lehramt hat sich da selbstherrlich eine Lehre zusammengebastelt und sich damit an eine Stelle gestellt, wo es nicht hingehört.

 

In meiner Kindheit habe ich das Taufbundlied mit Begeisterung gesungen, allerdings in der damaligen Bamberger Fassung:

 

Fest soll mein Taufbund immer stehn,
ich will dem Herrn gehören,
Er soll mich allzeit gläubig sehn,
gehorsam seinen Lehren.
Dank sei dem Herrn der mich aus Gnad
in seine Kirch berufen hat,
nie will ich von ihm weichen.

 

Das ist hängen geblieben und hat mich stark geprägt. Auch wenn ich mich selbst nicht als Schaf sehe, so macht mir die Botschaft, die der Evangelist Johannes Jesus sagen lässt, doch Mut. Den Umweg über das Lehramt der Kirche, das sich erst mit dem ersten Vaticanum in der uns heute bekannten Form herausbildete, müssen wir also nicht in Kauf nehmen. Niemand wird uns aus der Hand Jesu, geschweige denn aus der Hand Gottes rauben. Darin sind wir geborgen.

Sigrid Grabmeier

 

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Neue Normalitäten

Danach erschien Jesus den Jüngerinnen und Jüngern noch einmal am See von Tiberias. Er erschien so: Simon Petrus und Thomas, der Didymos oder Zwilling genannt wird, und Natanaël aus Kana in Galiläa und die Söhne des Zebedäus und zwei andere von seinen Jüngerinnen und Jüngern waren zusammen. Simon Petrus sagte zu ihnen: „Ich gehe fischen.“ Die anderen sagten zu ihm: „Wir kommen mit dir mit.“ Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot, aber in jener Nacht fingen sie nichts. Als es schon Morgen war, stand Jesus am Ufer, die Jüngerinnen und Jünger wussten jedoch nicht, dass es Jesus war. Da sagte Jesus zu ihnen: „Kinder, ihr habt wohl keinen Fisch?“ Sie antworteten ihm: „Nein.“ Er sagte zu ihnen: „Werft das Netz auf der rechten Seite des Bootes aus, dann werdet ihr welchen finden.“ Sie warfen es aus und konnten es nicht mehr heraufziehen wegen der Menge der Fische. Da sagte jener Jünger, den Jesus liebte, zu Petrus: „Es ist Jesus der Lebendige.“ 

 

Johannes 21, 1-7  Bibel in gerechter Sprache

 

Neue Normalitäten

 

Das heutige Evangelium erinnert mich fatal an die Krisen unserer Zeit. Die Jünger gehen wieder Fischen, zurück in die Normalität. Aber das gewohnte Resultat bleibt aus. Es ist eine „neue Normalität“.

 

Nach mehr als zwei Jahren Coronapandemie kennen wir den Begriff „neue Normalität“ und erleben ihn immer mehr, denn inzwischen ist wieder fast alles ohne Einschränkungen machbar. Aber vieles ist nicht so wie früher – oder zumindest nicht so, wie wir es in Erinnerung hatten. Hat es früher nicht besser funktioniert? Hat es nicht viel mehr Freude gemacht? Viele Netze bleiben leer. Da wünsche ich mir einen Retter am Ufer, der uns zuruft, was wir anders machen sollen. Und ebenso die Einsicht im Boot, dass man es anders machen könnte als früher, dass man manches vielleicht gar nicht mehr macht und dafür Neues versucht. Vielleicht können wir uns damit auch wappnen für den Herbst oder die nächste Virusvariante – denn wie Corona weitergeht, wissen wir nicht, unsere Politiker nicht, unsere Epidemiologen nicht. Wir sind in Gottes Hand. 

 

Die andere, grösste Krise unserer Zeit ist der Klimakollaps. Für die Fischer an der Ostsee, in der Südsee und auf den Resten des fast ausgetrockneten Tschadsees bleiben die Netze oft ganz wörtlich leer. Es hilft auch kein Auswerfen auf der anderen Seite, denn auch dort lassen sich höchstens ein paar Plastiktüten fangen. Immer heftigere und häufigere Wetterextreme zeugen von der neuen Normalität einer wärmen Welt. Bei +1 Grad sind wir schon, 1.5 Grad sind ein Ziel, 3 Grad nicht unwahrscheinlich. Zu den Propheten, die am Ufer stehen und nicht nur rufen, gehört der Jesuit Jörg Alt, der im Winter mit den Aktivistinnen und Aktivisten der „letzten Generation“ Lebensmittel aus Müllcontainern gerettet hat und jetzt auf eine Gerichtsverhandlung wartet. Er ruft der Bundesregierung zu, das Netz auf der anderen Seite auszuwerfen: statt dem Sammeln weggeworfener Lebensmittel sollte eigentlich das Wegwerfen von Lebensmitteln strafbar sein. Einer von vielen kleinen Schritten, die Erderwärmen zu bremsen, und nebenbei vielleicht sogar den Hunger in der Welt zu reduzieren. Die Gruppe „letzte Generation“ nennt sich so, weil wir die letzte Generation sind, die den Klimakollaps noch aufhalten und die Erde als einen grösstenteils lebensfreundlichen Planeten erhalte kann. Vielleicht haben sie auch unrecht, und es ist schon zu spät. Aber ich bin mir sicher: jede und jeder, die da am Ufer stehen und zu einem veränderten Handeln aufrufen, steht da mit Jesus, dem Lebendigen.

 

Und damit zur dritte grosse Krise, dem Ukraine-Krieg. Für die Menschen in die Kriegsgebieten, zum Teil in Bombenkellern, hat der Begriff „neue Normalität“ eine schreckliche Form angenommen. Aber so sehr es uns entsetzen mag: Schändung von Zivilistinnen und Zivilisten, Plünderungen und Brandschatzung sind nicht neu, sie gehören seit jeher zum Krieg. Die Haager Konvention hatte seit ihrem Entstehen 1907 einen schweren Stand: im Zweiten Weltkrieg (z.B. bei den Verbrechen der Wehrmacht, auch in der Ukraine), im Jugoslawienkrieg (mit Srebrenica als traurigem Höhepunkt), in Guantanamo, und natürlich auch bei den russischen Angriffen auf Grosny und Aleppo. Neu sind nur die Präsenz, die Vielzahl und die Schnelligkeit der Medien, durch die wir quasi Live mit Darstellungen, Einzelschicksalen, Informationen und Propaganda versorgt werden. Es liegt an uns, nicht alles zu glauben, was wir erzählt bekommen, aber auch nicht alles für unwahr zu halten. Im Sonntagsbrief von letzter Woche hat Sigrid Grabmeier über den hohen Wert des Zweifels geschrieben. Ich vertraue besonders den Medienberichten, bei denen ich Zweifel und Wahrheitssuche noch spüre, nicht denen, die grade heraus Behauptungen präsentieren. Und besonders misstraue ich in diesem Fall den selbsternannten Propheten, die vom sicheren Ufer aus Ratschläge geben und ganz genau wissen, was getan werden muss. Im Krieg bleiben die Netze immer leer.

 

Weitsichtige Menschen am Ufer brauchen wir in jeder neuen Normalität. Menschen, die die tödlichen und todbringenden Muster der alten Normalität erkennen und aufbrechen, die Strukturen des Todes überwinden, die Fesseln von Angst und Un-Lebendigkeit lösen helfen. Menschen, die aufstehen. Und es braucht uns im Boot, die merken: Es ist Jesus der Lebendige.

 

Solche Begegnungen und Erfahrungen wünsche ich uns allen – und die daraus resultierende Fülle an Lebensmöglichkeiten.

Tobias Grimbacher

 

PS: Ich habe hier nicht über die Krise unserer Kirche gesprochen, denn die Botschaft Jesu wird unabhängig von der katholischen Kirche weiterleben. Es gibt genügend Christinnen und Christen, die am Ufer stehen und den Nachfolgern der Apostel zurufen, sie mögen die Netze auf der rechten Seite auslegen. Irgend jemand im Boot könnte dem Petrus sagt, dass dies die Stimmen des Lebendigen sind.

 

  

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Zweifeln ist wertvoll

Am Abend dieses ersten Tages nach dem Sabbat, als die Jüngerinnen und Jünger hinter geschlossenen Türen saßen aus Angst vor der jüdischen Obrigkeit, da kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: „Friede sei mit euch!“ Als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen die Hände und die Seite. Da freuten sich die Jüngerinnen und Jünger, dass sie Jesus den Lebendigen sahen. Jesus sagte noch einmal zu ihnen: „Friede sei mit euch! Wie mich Gott gesandt hat, so sende ich euch.“ Und als er das gesagt hatte, blies er sie an und sagte ihnen: „Nehmt die heilige Geistkraft auf. Allen, denen ihr Unrecht vergebt, ist es vergeben. Allen, denen ihr dies verweigert, bleibt es.“

Aber Thomas, einer der Zwölf, der Didymos oder Zwilling genannt wurde, war nicht bei ihnen, als Jesus kam. Die anderen Jüngerinnen und Jünger sagten zu ihm: „Wir haben Jesus den Lebendigen gesehen.“ Er aber sagte zu ihnen: „Wenn ich nicht die Wunden der Nägel in seinen Händen sehe und meinen Finger in die Nägelwunden lege und mit meiner Hand in seine Seite greife, dann werde ich nicht glauben.“ Nach einer Woche saßen die Jüngerinnen und Jünger wieder drinnen und Thomas war bei ihnen. Jesus kam – die Türen waren verschlossen – und trat in ihre Mitte und sagte: „Friede sei mit euch!“ Dann sagte er zu Thomas: „Lege deinen Finger hierher und sieh meine Hände an und nimm deine Hand und greife in meine Seite und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!“ Thomas antwortete und sagte zu ihm: „Ich verehre dich und will dir gehorchen, du bist der Lebendige, mein Gott!“ Jesus sagte zu ihm: „Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Glücklich sind, die nicht sehen und trotzdem glauben.“

 

Johannes 20, 19-31  Bibel in gerechter Sprache

 

Zweifeln ist wertvoll

 

Thomas ist mir sympathisch. Er ist kein Herdentier. Er geht seine eigenen Wege. Er sitzt nicht mit den anderen verstört hinter verschlossenen Türen und Fenstern, furchtsam und gelähmt. Er bleibt skeptisch, als diese ihm erzählen, was sie erlebt haben und was er glauben soll. 

 

Thomas will seine eigenen Erfahrungen machen. Sehen und anfassen. So leicht lässt er sich nicht auf die Euphorie der anderen ein. Und er bekommt die Chance. Wieder sitzen sie beisammen, die Freunde Jesu. Diesmal ist er auch dabei. 

 

Und als sie beisammen sind und Jesus in ihrem Erzählen und Erinnern gegenwärtig wird, da erreicht die Kraft, die davon ausgeht auch ihn. Er erfährt die Gegenwart, anfassen und sehen braucht er nun nicht mehr. 

 

Er ist nicht der erste Zweifler. Schon Judas hatte gezweifelt, er endete in der Verzweiflung. Dann Petrus, auch die Jünger auf dem Weg nach Emmaus. Und ganz sich auch diejenigen, die sich hinter verschlossenen Türen und Fenstern verborgen hielten.

 

Sein Zweifeln hat sich gelohnt. Er war sich seines Zweifels sehr bewusst. So einfach wollte er sich nicht auf das alles einlassen. Er hat an sich selbst gezweifelt und an Jesus, an der Gemeinschaft und an der Euphorie. Er hat seine ganz eigene Erfahrung gemacht.

 

Zweifeln ist wertvoll. Es bewahrt uns davor, uns unserer selbst ganz sicher zu sein. Es gibt uns Gelegenheit, uns selbst zu hinterfragen, unsere Einstellungen, Handlungsweisen, Sicherheiten.

 

Zweifeln ist wertvoll. Es hält uns lebendig. Es öffnet Türen und Fenster. Es hilft uns, innezuhalten, den Standpunkt zu ändern, etwas von einer anderen Seite zu betrachten, neue Aspekte zu entdecken. 

 

Zweifeln ist wertvoll, ich wünsche mir in unserer Zeit mehr Zweifel als Gewissheiten, mehr Menschen, die hinterfragen, sich selbst und ihre Überzeugungen, mehr Bereitschaft, eigene Erfahrungen zu machen. 

 

Sigrid Grabmeier

 

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Unsterblich?

Am ersten Tag der Woche kam Maria von Magdala frühmorgens, als es noch dunkel war, zum Grab und sah, dass der Stein vom Grab weggenommen war.Da lief sie schnell zu Simon Petrus und dem anderen Jünger, den Jesus liebte, und sagte zu ihnen: Sie haben den Herrn aus dem Grab weggenommen und wir wissen nicht, wohin sie ihn gelegt haben.Da gingen Petrus und der andere Jünger hinaus und kamen zum Grab; sie liefen beide zusammen, aber weil der andere Jünger schneller war als Petrus, kam er als Erster ans Grab. Er beugte sich vor und sah die Leinenbinden liegen, ging jedoch nicht hinein. Da kam auch Simon Petrus, der ihm gefolgt war, und ging in das Grab hinein. Er sah die Leinenbinden liegen und das Schweißtuch, das auf dem Haupt Jesu gelegen hatte; es lag aber nicht bei den Leinenbinden, sondern zusammengebunden daneben an einer besonderen Stelle.

 

Da ging auch der andere Jünger, der als Erster an das Grab gekommen war, hinein; er sah und glaubte. Denn sie hatten noch nicht die Schrift verstanden, dass er von den Toten auferstehen müsse. Dann kehrten die Jünger wieder nach Hause zurück. Maria aber stand draußen vor dem Grab und weinte. Während sie weinte, beugte sie sich in die Grabkammer hinein. Da sah sie zwei Engel in weißen Gewändern sitzen, den einen dort, wo der Kopf, den anderen dort, wo die Füße des Leichnams Jesu gelegen hatten. Diese sagten zu ihr: Frau, warum weinst du? Sie antwortete ihnen: Sie haben meinen Herrn weggenommen und ich weiß nicht, wohin sie ihn gelegt haben. Als sie das gesagt hatte, wandte sie sich um und sah Jesus dastehen, wusste aber nicht, dass es Jesus war.

 

Jesus sagte zu ihr: Frau, warum weinst du? Wen suchst du? Sie meinte, es sei der Gärtner, und sagte zu ihm: Herr, wenn du ihn weggebracht hast, sag mir, wohin du ihn gelegt hast! Dann will ich ihn holen. Jesus sagte zu ihr: Maria! Da wandte sie sich um und sagte auf Hebräisch zu ihm: Rabbuni!, das heißt: Meister. Jesus sagte zu ihr: Halte mich nicht fest; denn ich bin noch nicht zum Vater hinaufgegangen. Geh aber zu meinen Brüdern und sag ihnen: Ich gehe hinauf zu meinem Vater und eurem Vater, zu meinem Gott und eurem Gott. Maria von Magdala kam zu den Jüngern und verkündete ihnen: Ich habe den Herrn gesehen. Und sie berichtete, was er ihr gesagt hatte.

 

Johannes 20, 1-18 Einheitsübersetzung

 

Unsterblich?

Heute wird der Tod als Begrenzung des Lebens zunehmend als technisches Problem wahrgenommen. „Woran ist ein Mensch gestorben?“ fragen wir, als könnte der Mensch ewig leben, wenn jedes technische Problem, das zum Tode führen könnte, erst einmal gelöst wäre. Doch selbst wenn uns das gelänge, wäre der Tod im Diesseits damit nicht besiegt. Ich singe auf meiner CD „Seelentanz“ ein Lied von Hermann van Veen indem es heißt: „Ich lebe und das heißt ich tanze mit dem Tod!“. Dieses Lied beschreibt für mich die Leidenschaft für das Leben, die vom Bewusstsein der Existenz des eigenen Todes hier auf Erden nicht zu trennen ist; wer im Bewusstsein seines irdischen Todes lebt, lebt intensiver, setzt sein Leben bewusster ein und vergeudet nicht seine Zeit! Diese Zeile aus Hermann van Veens Lied hätte nichts von seiner Aktualität eingebüßt, wenn alle Krankheiten und natürlichen Todesursachen durch immer bessere medizinische Technik „besiegt“ worden wären. Wir könnten dann immer noch eines „unnatürlichen“ Todes sterben, z.B. durch Unfall oder menschliche Gewaltanwendung. In meiner poetisch biblischen Reise spricht GOTT: „Krankheit und Tod werden euer Leben in Angst und Schrecken versetzen“. Wäre etwa dieser Satz GOTTES überholt, wenn wir hier auf Erden keines natürlichen Todes mehr sterben könnten? Ich prophezeie, dass Angst und Schrecken dann eher noch zunehmen würden. Würden wir uns dann überhaupt noch über die Straße trauen? Wäre wir nicht viel erpressbarer, weil wir soviel mehr verlieren könnten, z.B. durch Menschen, die uns Gewalt androhen? Kämen überhaupt alle in den Genuss dieser „Unsterblichkeit“, oder könnten sie sich nur Reiche leisten? Hätten wir dann unsterbliche Diktatoren?

Das Leben, das ich meine, stellt jeden von uns in den Strom des Lebens. Von diesem Strom lassen wir uns tragen, in diesem Strom werden wir in bewusster Bejahung seinereinigenden und fordernden Kraft getauft, werden wir bewusst Kinder GOTTES! Dieser Strom strömt aus der Zeit vor uns in eine Zeit nach uns. Und da dieser Strom aus GOTTES liebendem „JA!“, in GOTTES „JA!“ und auf GOTTES „JA!“ zuströmt, endet unser Leben nicht mit unserem irdischen Tod, bleiben wir auch nicht im Tod, selbst dann, wenn wir hier im Diesseits sterben! Egal ob durch einen „natürlichen“ Tod oder durch Gewalt! Wir brauchen den Tod nicht zu fürchten! Diese Gewissheit allein kann den Tod überwinden und ihm jede Angst und jeden Schrecken nehmen.

Dass wir uns bemühen, Krankheiten zu bekämpfen, bleibt dadurch unberührt. Doch haben wir, die wir mit GOTT unsere Wege gehen, nicht das Bestreben, auf ewig im Diesseits zu leben.


Frohe Ostern!
Johannes Brinkmann

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Karfreitag

 

Da nahm Pilatus Jesus und ließ ihn auspeitschen. Die Soldaten flochten einen Kranz aus Dornen und setzen ihn auf seinen Kopf. Sie zogen ihm ein Purpurgewand an, kamen zu ihm, sagten: „Sei gegrüßt, König von Israel!“ und gaben ihm Ohrfeigen.

 

 

 

Sie nahmen ihn also und er trug selbst das Kreuz und ging hinaus zum Ort, der Schädelstätte genannt wird, das heißt auf Hebräisch Golgota. Dort kreuzigten sie ihn und zusammen mit ihm zwei andere, einen da, einen dort, Jesus aber in der Mitte.

 

 

 

Als die Soldaten Jesus gekreuzigt hatten, nahmen sie seine Kleider und das Unterkleid und teilten sie in vier Teile, für jeden der Soldaten einen. Das Unterkleid war ungenäht, von oben in einem Stück gewebt. Sie sagten zueinander: „Wir wollen es nicht zerschneiden, sondern losen, wer es bekommt.“

 

 

 

Ein Gefäß voll Essig stand da. Sie steckten einen Schwamm voll Essig auf einen Ysopzweig und brachten ihn an seinen Mund. Als Jesus den Essig bekommen hatte, sagte er: „Es ist vollendet.“ Er senkte den Kopf und gab den Geist auf.

 

 

 

 Die Soldaten kamen, brachen dem ersten die Beine und dem anderen mit ihm Gekreuzigten. Als sie aber zu Jesus kamen und sahen, dass er schon gestorben war, brachen sie ihm die Beine nicht, aber einer der Soldaten stach mit der Lanze in seine Seite, und sofort kam Blut und Wasser heraus.

 

 Johannes 19, 2-3; 17-18; 23-24; 29-30; 32-34  Bibel in gerechter Sprache

 

Karfreitag

Karfreitag. Der Tag an dem Gewissenlosigkeit, Hetze, Niedertracht, Geltungsdrang, Herrschsucht, Machtgelüste, Gewalt und Grausamkeit sich durchsetzen, ihren Sieg davontragen.

 

Karfreitag. Jeder Tag in einem Krieg ist ein Karfreitag.
Seit dem 24. Februar sind uns die Karfreitage mit dem Krieg in der Ukraine sehr nahe gekommen.
Und wir wissen, dass sie uns immer näher kommen können. Dass sie trotz Ostern weitergehen werden. 
Wie Ostern feiern? Überhaupt Ostern feiern? Auferstehung mitten im Sterben? Aufstehen?
 

Wann Ostern feiern, wenn nicht jetzt! 
Ostern als Gegenentwurf zu Zerstörung und Mord, zu Erniedrigung und Terror, zu Tod und Verwesung. 
Ostern als Hoffnung gegen alle Verzweiflung. 
Ostern als Erinnerung.
Ostern als Auftrag. 

 

Psalm 

  

In deine Welt hineingegeben hast du uns, 
als Menschen sind wir so geschaffen,
dass es uns frei steht, ob wir das Leben leben wie es dir gefällt.
 

Die eine Welt gehört uns nicht, du hast sie uns geliehen,
als Lebensmittel und als Heim, als Haus für alle und zum Frieden Finden.

 

Zerteilt ist diese Welt, in arm und reich, in fruchtbar und in leblos,
in stark und schwach, in herzlos und in liebend, in Überfluss und Not.
 

Ohnmächtig sind wir doch in deiner Welt, 
zum Frieden eingeladen, suchen wir den Krieg.
Selbst wenn wir diesen Frieden wollen, es fällt uns schwer, den Weg dorthin zu gehen.
 

Die Kriege enden nicht in deiner Welt, 
und wir entsetzen uns darüber Tag für Tag, 
Gott, wende dich nicht ab, bleib bei uns, zeige uns den Weg.
 
 

Wir bitten dich für alle die in deiner Welt, wehrlos, schutzlos, heimatlos,
für die, die ausgebeutet werden und misshandelt,
für Kinder, Alte, Schwache,
für die, die nur ihr eignes Leben haben, denn das der Ihren ging verloren.
 

Für die, die hoffnungslos im Schmerz versinken
für die, die flüchten, die die bleiben, für die, die nicht mehr weiter wissen,
für die, die abgewiesen werden,
für die, die Grenzen öffnen, Schutz bieten, Ruhe schenken.
  

Wir bitten dich für deine Welt, schenk uns die Kraft zum Frieden,
begleite uns, damit wir Menschen werden, die leben, so wie es dir gefällt.

 

Dass wir teilen, das Brot, den Wein, das Wasser und das Leben, 
und uns daran erinnern, dass wir Menschen nur zu Gast sind 
in deiner Welt.

 

Amen.

 

Sigrid Grabmeier

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Dienet einander!

 

Vor dem Pessachfest wusste Jesus, dass seine Zeit gekommen war und er aus dieser Welt weg und zu Gott, seinem Ursprung, gehen würde. Und wie er alle, die in der Welt zu ihm gehören, immer geliebt hatte, liebte er sie bis zum Ende. Bei einem Essen, als die teuflische Macht schon Judas, dem Sohn von Simon Iskariot, eingegeben hatte, Jesus auszuliefern, wusste Jesus, dass Gott ihm alles anvertraut hatte, und dass er von Gott hergekommen war und wieder zu Gott gehen würde. Da stand er vom Essen auf, zog seine Kleider aus, nahm eine Schürze und band sie sich um. Dann goss er Wasser in die Schüssel und begann die Füße der Jüngerinnen und Jünger zu waschen und sie mit der Schürze, die er umgebunden hatte, abzutrocknen. Als er zu Simon Petrus kam, sagte der zu ihm: „Rabbi, du willst mir die Füße waschen?“ Jesus antwortete und sagte zu ihm: „Was ich mache, verstehst du jetzt nicht, du wirst es aber später begreifen.“ Petrus sagte zu ihm: „Du sollst mir bestimmt niemals die Füße waschen!“ Jesus antwortete ihm: „Wenn ich dich nicht wasche, gehörst du nicht zu mir.“ Simon Petrus sagte zu ihm: „Rabbi, wasche nicht nur meine Füße, sondern auch die Hände und den Kopf!“ Jesus sagte ihm: „Wer gewaschen ist, braucht nichts – außer dass die Füße gewaschen werden –, sondern ist ganz rein. Ihr seid rein, aber nicht alle.“ Denn er wusste, wer ihn ausliefern würde. Deshalb sagte er: „Ihr seid nicht alle rein".

 

Als er ihnen die Füße gewaschen hatte, nahm er seine Kleider und legte sich wieder hin. Er sagte zu ihnen: „Versteht ihr, was ich für euch getan habe? Ihr habt euch mir angeschlossen und lernt von mir, ihr verehrt mich und gehorcht mir, und das ist gut und angemessen. Ich bin euer Lehrer und Herr – wenn nun ich euch die Füße gewaschen habe, dann seid auch ihr verpflichtet, einander die Füße zu waschen. Denn ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr füreinander tut, was ich für euch getan habe.“ 

 

Johannes 13, 1-15Bibel in gerechter Sprache

 

Dienet einander!

In meiner Erinnerung an die Feiern der Karwoche hat der Gründonnerstag einen besonderen Platz. Es waren Feiern von ganz besonderer Dichte und Eindrücklichkeit. Und das ganz sicher nicht nur, weil es dabei etwas " zu essen" gab. Im Nachdenken darüber wurde mir aber doch klar, dass das Mahl schon eine wichtige  Rolle dabei spielte, als Zeichen der Gemeinschaft, die Jesus stiften wollte. Dabei hat er aber ganz sicher nicht an eine Kirche gedacht, sondern eher an Menschen, die sich im Gedenken an ihn zusammentun, miteinander Mahl halten, sich beschenken und beschenken lassen, die auch offen sind für Notleidende und Andersdenkende und so nicht nur Speise und Trank miteinander teilen, sondern auch Leben, Freude und Leid im Füreinander Dasein. Eine Vision für die Kirche der Zukunft?

 

Der Evangelist Johannes erwähnt in seinem Evangelium das Mahl nur ganz kurz. Ihm ist an diesem Abschiedsabend etwas anderes wichtig: die Fußwaschung, die Jesus an seinen Jüngern vollzieht. Er liefert damit die Begründung für den Geist, aus dem heraus die Gemeinschaft der Jesusgemeinden gelingen und zum Anliegen Jesu, dem"Reich Gottes", führen kann. Es ist der Gedanke des Dienens. Dabei ist sich Jesus der Rolle, die er im Kreis seiner Anhänger einnimmt, schon bewußt: „Ihr nennt mich Meister und Herr und ich bin es.“ Aber gerade deshalb will er mit dieser Geste den Jüngern Vorbild und  Beispiel sein: Es darf im Reich Gottes keine Zweiklassengesellschaft geben. Ein Anliegen, das Jesus ungeheuer wichtig ist; denn Macht des einen über den anderen ist sehr in Gefahr, mißbraucht zu werden. Die Kirchenkrise der Gegenwart ist ein beredtes Beispiel dafür. Jesus hat wohl diese Gefahr gesehen und den Sklavendienst der Fußwaschung benutzt, um den Seinen damit Nähe und eine große Wertschätzung zu schenken, das, was jeder Mensch so dringend benötigt.  So wie es zwischen dem Meister und seinen Jüngern keine „Höhenunterschiede“  geben soll („der Sklave ist nicht größer als sein Herr“), so soll es auch keine Rangordnung im Reiche Gottes geben. Das bringt auch Paulus im  3.Galaterbrief zum Ausdruck, in dem er alle Rangunterschiede aufhebt „..indem ihr alle eins seid in Christus“.

 

Alle Probleme, die sich im Laufe der Kirchengechichte angesammelt haben, wären mit dieser Haltung vermeidbar gewesen. Der „Klerikalismus“,als großer Unterschied zwischen Priestern und sog. Laien, ist genau das, was Jesus mit dem Beispiel der Fußwaschung vermeiden wollte: „Selig seid ihr, wenn ihr das wißt und danach handelt“. Die katholisch Kirche hat das nicht getan und steht nun vor einem Scherbenhaufen. Gibt es einen Ausweg? Kann auch in der Kirche dem Karfreitag der Gegenwart ein Ostern folgen? Bischof Galliot hat einmal gesagt: "“Eine Kirche, die nicht dient, dient zu nichts!“ So kann es vielleicht nur einen Weg zu österlicher Auferstehungshoffnung geben, in dem alle  Jesu  Wort folgen: „Ich habe Euch ein Beispiel gegeben, damit auch Ihr so handelt, wie ich an Euch gehandelt habe.“

 

In diesem Sinne wünsche ich allen einen hoffnungsvollen Gründonnerstag!

Eva Maria Kiklas

 

 Wir sind Kirche Online-Andacht interaktiv

Nächste Termine  jeweils Dienstag 19 Uhr 

10.Mai 2022
7. Juni 2022
5. Juli 2022

 

Die Wir sind Kirche-Online-Andachten entstanden, um auch in Corona-Zeiten im Gebet und Gespräch miteinander verbunden zu bleiben. Sie stehen in der Tradition der verschiedenen gottesdienstlichen Feiern bei den Bundesversammlungen, Begegnungstagen und PilgerRadTouren. Auch über die strengen pandemiebedingten Einschränkungen hinaus bieten wir die Online-Andachten mit Austausch zum Bibeltext und gemeinsamer Fürbitte weiterhin an. 

> www.wir-sind-kirche.de/andachten

 

 

Wir kennen ihn nicht

 

Als helfende Deutungshintergründe zur Zusatzlektüre empfohlen: Das Buch Jesaja  Kapitel 50, 4-7:

Jesaja spricht vom Menschen, der sich selbst hinhält,  Jenen, die ihn prügeln; der Alternativen für die Kriegsmaschinerie zwischen Einzel-Menschen und Völkern vorlebt…

 

Ebenfalls in diese Richtung zeigt der Brief an die Gemeinde in Philippi Kapitel 2, 6-11, in dem uns vorgestellt  wird: der aller Vorrechte entsagende Christus, der nicht an Göttlichkeits-Gleichheits-Attributen festgeklammert lebt, der den Weg der Erniedrigung geht, bis zum damalig üblichen Sklaventod am Kreuz, ein Ideal? Nein, eine je mögliche Konsequenz eines solidarischen Lebens unter den Geknechteten. Wem also gilt unser Kniefall z.B. am Karfreitag vor dem Kreuz-Symbol, den Gläubigen zur Verehrung aufgestellt? –

Er gilt einem, mit den Ausgestoßenen, Angegriffenen dieser Erde, solidarischen Christus. 

 

 

Nachdem Jesus dies gesagt hatte, machte er sich auf, um nach Jerusalem hinaufzuziehen. Und als er nach Betfage und Betanien kam und sich dem so genannten Ölberg näherte, da schickte er zwei von seinen Jüngerinnen und Jüngern mit den Worten aus: „Geht in das Dorf gegenüber, und wenn ihr hineinkommt, werdet ihr ein Fohlen angebunden finden, auf dem noch kein Mensch gesessen hat. Bindet es los und führt es her! Und wenn euch jemand fragt, warum ihr es losbindet, so sagt: Der Gebieter braucht es.“ Und die Ausgesandten gingen weg und fanden es so, wie er es ihnen gesagt hatte. Als sie das Fohlen losbanden, sagten seine Besitzer zu ihnen: „Warum bindet ihr das Fohlen los?“ Und sie sagten: „Der Herr braucht es.« Und sie brachten es zu Jesus, warfen ihre Kleider auf das Fohlen und ließen ihn aufsteigen. Als er loszog, breiteten sie ihre Kleider auf dem Weg aus. Aber schon als er sich dem Abhang des Ölbergs näherte, begann die ganze Gruppe der Jüngerinnen und Jünger sich zu freuen und Gott wegen all der machtvollen Taten, die sie gesehen hatten, lauthals mit den Worten zu loben:
„Gepriesen ist, der da kommt, der König, im Namen der Lebendigen. Im Himmel ist Friede
und Gottesglanz in den Höhen!“ Und einige von der pharisäischen Gruppe sagten abgewandt vom Volk zu ihm: „Lehrer, verbiete das deinen Schülern und Schülerinnen!“ Er antwortete: „Ich sage euch: Wenn sie schweigen werden, werden die Steine schreien.“ 

Lk 19,28-40 

Und als die Stunde da war, legte er sich mit den Aposteln zu Tisch. Er sagte zu ihnen: „Ich habe mich danach gesehnt, dieses Pessachmahl mit euch zu essen, bevor ich leide. Ich sage euch: ich esse es nicht mehr, bis es sich erfüllen möge in der Königsmacht Gottes.“ Er nahm den Becher, sprach das Dankgebet darüber und sagte: „Nehmt ihn und teilt ihn unter euch! Denn ich sage euch: Ich werde von jetzt an keinen Saft des Rebstocks mehr trinken, bis das Gottesreich gekommen ist.“ Er nahm Brot, sprach das Dankgebet, brach es, gab es ihnen und sagte: „Das ist mein Leben, das für euch gegeben wird. Das tut zu meiner Erinnerung.“ Genauso nahm er den Becher, nach dem Essen, und sagte: „Dieser Becher ist der neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird. Doch siehe, die Hand dessen, der mich ausliefert, ist mit meiner Hand auf dem Tisch. Es ist so, dass der Mensch den Weg geht, der beschlossen wurde; aber dem Menschen ergeht es schlecht, durch den er ausgeliefert wird.“ Sie fingen an, sich gegenseitig zu prüfen, wer von ihnen wohl so etwas tun würde. 

 

Da sah ihn (Petrus) eine Sklavin beim Feuer sitzen, blickte ihn an und sagte: 

„Auch dieser war mit ihm.“ Er aber leugnete und sagte: „Frau, ich kenne ihn nicht.“ 

 

Lk 22,14-23,56  Bibel in gerechter Sprache

 

Wir kennen ihn nicht

 

Die Bibeltexte der heutigen Leseordnung zeigen den Palmsonntag in seiner ZWIEGESPALTENHEIT auf.- Darüber lohnt es sich, in der Fasten- bzw. Karwoche nachzudenken, es zu überbeten, zu überwinden-, zu erinnern. Wäre ein eindringliches Fasten z.B. Folgendes: In der Erinnerung des Leidens Jesu unsere Welt zu entdecken..., unsere Erde, die Mitgekreuzigte durch uns Menschen, die wir zu laut jubeln...und uns in diesen illusorischen Friedens-Glückseligkeits-Sicherheit baden...?

 

Die Karwoche ist während des Ukraine-Kriegs wohl fast allen Menschen in und auf die  Seele gefallen. Taucht da auch unter uns, und in unseren Christliche Werte verteidigenden Systemen, dieser UNS UNBEKANNTE JESUS auf?  Der von uns Verleumdete?

 

Explodierende Freude macht sich unter den Anhängern Jesu in Jerusalem breit; gebettet in Sicherheitssehnsucht und Verlass auf diesen Jesus..., der die Karre aus dem Dreck schieben wird...; der Lösungen aus dem Ärmel zaubern wird; für das gesamte Volk Israels... Der, heutzutage und zulande, den Ukraine-Krieg ausgehen lassen wird. —Doch wird übersehen, dass er auf dem Fohlen reitet..;  Einige Jünger  bringen das Tier auf Anweisungen Ihres Meisters; kein stolzes Reit-Tier für einen starken Reiter. Ohne nähere Begründung können die Jünger die Anfrage der präsenten Menschen beantworten, es heißt nur: „Der Herr braucht es“...nun ja.

 

„Der Herr…": der endlich das HURRA des Sieges der „Gut-Macht“ in der schutznötigen Wirklichkeit anstimmen wird. Ein Herr, der alles im Griff hat. Es fliegen die Jacken und Kleider nur so teppichhaft auf die Wege und Strassen, um diesem „Herrn“, den verdienten, schon lang bemerkten Gottesglanz zuzusprechen, zuzusingen. 

 

Das Fohlen wird geholt; weil die kleine Ohnmacht Jesu Reittier ist — nicht das bravouröse Zucht-Pferd.  Noch werden die die Kleider auf dem Weg geworfen, passend zum Halleluja...,  zum gerockten Lobpreis..., mit ekstatisch, hypnotisierenden Wiederholungen. — Endlich ist er da, der Siegesglanz...der Gottesglanz auf Erden. So wie es die „follower“ schon lange wollten: Jesus soll sich groß machen und mächtig auftreten... Die empört zuschauenden Pharisäer verbitten sich bei Jesus dieses Volks-Geschrei.....er erwidert: "Schreien sie nicht, werden die Steine es tun..."  Dieses Loben wird von den Pharisäern also als Protest-Tanz und Protest-Marsch gedeutet. Jesus lässt sich kurze Zeit in diesem Volksjubel tragen, lässt es zu — verweist die Pharisäer an ihren Platz.

 

Unsere kirchlichen Feiertags-Liturgien haben diesen begeisternden Jesus-Followertag übernommen in unserem sogenannten Palmsonntag, wissen aber von seiner Zwiegespaltenheit. Jesus entzieht sich diesem Lobesgetümmel und Alleluja-Wahn. Wie oft hat er das erklärt:... „Ja ich bin ein König. Von der Würde eines jeden Menschen her gesehen.....Doch mein Reich ist nicht von dieser Welt..“— 

 

Näher als dieses Lobes-Gestürm von „Gestern“ vor und in der Stadt, das Singen, das Jubeln — auch Gröhlen,  das hauptsächlich dazu dient,  sich selbst zu entlasten von den Pflichten des Alltags und dem Einsatz für Gerechtigkeit im Staatswesen etc. ist Jesus die Sehnsucht mit seinen FreundenInnen das Pessach-Mahl zu halten. 

 

Doch genau in diesem heimeligen Moment, da sie bei Tische liegen und Brot und Wein teilen mit den so Neuen Worten der Hingabe des Lebens Jesus und der Aufmunterung dieses Mahl immer wieder zur Erinnerung zu feiern, gibt es auch ein Blockierung im Geschehen. Der Verrat durch einen Menschen wird sichtbar. Er sitzt mit Jesus am Tisch, ihre jeweiligen Hände berühren sich beim Brot-Teilen. Wenig später hat in dieser, vorher so lauten Jubel-Orgie auch die Verleumdung seitens Petrus, (dem „Fels“) Platz. Aus seiner Angst heraus  will er sich retten: „Ich kenne diesen Menschen nicht...“ Das ist sicherer, um nicht selbst zur Zielscheibe zu werden. In diesem Sinne gibt es genügend Kirchen-Bredouille , in der immer wieder dieser Satz auftaucht: „ICH KENNE DIESEN MENSCHEN NICHT, weder den Menschen von der Strasse in all seinem Leid, noch dem Menschen Jesus, der zur Welt kam.“

Es gibt genügend Grund, sich an den aktuellen Kirchenfürsten festzubeißen. Doch dieser Satz fällt auch tief in mein eigenes Herz.. „Ich kenne diesen MENSCHEN nicht.“ Dieser Jesus hat, nach dem sich ereignenden falschen Jubel, keine größere Sehnsucht als die, das Mahl zu feiern. Und selbst da schwingt in unserem Innern und in der Äußeren Welt der Verrat mit.

 

„Wir kennen IHN nicht...“—Da hängt soviel fest; ist unbeweglich geworden. Ich kenne ihn nicht. Mein Christ-Sein hat von IHM ausgehend, nicht auf mich abgefärbt. Ich trage meine eigen Ideen, — meine eigene Farbe, — tauche ein ins Grau des Mainstreams, — oder ins Gefasel der überall und zu jeder Zeit präsenten Talk-Shows. Ich esse von dem Brot, um später  nach dem rettend-verräterischem  Wort zu leben: „Ich kenne diesen Menschen nicht...“—

Nein! ich kenne ihn nicht, weil ich beim Teilen des Mahles sein Wort nicht verinnerliche, es nicht zur Welt bringe wie eine wirkliche FollowerIn 

 

Cristy Orzechowski

 

DER AUSGELASSENE EINSPRUCH

 

 

…es rächt sich

nur einmal mehr

das zu laute

und frühe jubeln

einer halbherzigen 
weltkirche.
 
am grab glatt
vorbeidrängend,

strömt ihre beharrliche

alleluja-prozession 
glocken und weißrotbefrackte

chöre schmücken den jubel aus.
 
 
das hingegebene blut

vergißt sich im
kelch so leicht 

 
 
das osterlamm wird als

billiges teigwarenangebot

zum munde geführt

wie zur schlachtbank.

eingelullt von

dieser soft-ware

der beschwichtigungen,

wen wundert es
 da noch,

dass uns die

richtigen erinnerungen

ausgingen
 
an Seine geschichte.
 
 

 

VERFRÜHTES ALLELUJA 

 

 

Den Karfreitag
verdrängen wir

in unserer Angst

und verkünden
 
breite Osterwege.
 

So bleibt das Alleluja,

zu früh

zu laut

 

zu oft
an der falschen Stelle

gesungen,
 

 
als unbedeutender

lauer Hauch 
unter uns 
und über
 den Städten der Armen-
über kleinen u. großen Kriegen

in der Luft hängen….
und wir daneben..
 

 

 

 

 

Texte CRISTY Orzechowski aus: SEINE KLEINE GEGENWART S.116./186

 

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Nächster Termin  Dienstag 19 Uhr 12. April 2022

> www.wir-sind-kirche.de/andachten

 

 

Neuland

Alle gingen in ihre eigenen Häuser, Jesus aber ging auf den Ölberg.Am frühen Morgen begab er sich wieder in den Tempel, und das ganze Volk kam zu ihm, und er setzte sich und lehrte sie. Die Schriftgelehrten, Pharisäerinnen und Pharisäer brachten eine Frau, die beim Ehebruch ergriffen worden war, und stellten sie in die Mitte, und sie sagten ihm: „Lehrer, diese Frau ist ergriffen worden, wie sie gerade dabei war, Ehebruch zu begehen. In der Tora hat uns Mose geboten, solche Frauen zu steinigen. Was meinst du nun dazu?“ Dies sagten sie aber, um ihn auf die Probe zu stellen, damit sie etwas hätten, um ihn anzuklagen. Jesus aber beugte sich nieder und schrieb mit dem Finger in den Sand. Als sie dabei blieben, ihn zu fragen, richtete er sich auf und sagte ihnen: „Welche unter euch ohne Unrecht sind, mögen als Erste einen Stein auf sie werfen.“ Und er beugte sich wieder hinunter und schrieb in den Sand. Als sie dies hörten, gingen sie alle nacheinander weg, angefangen bei den Ältesten, und ließen ihn allein mit der Frau, die in der Mitte war. Jesus richtete sich auf und sagte ihr: „Frau, wo sind sie? Hat dich niemand gerichtet?“ Sie sagte: „Niemand, Rabbi.“ Jesus sagte ihr: „Auch ich richte dich nicht; geh und tue von jetzt an kein Unrecht mehr.“

Joh 7,53 – 8,11 Bibel in gerechter Sprache

 Bibel in gerechter Sprache

 

Neuland

 

Heute haben wir eine sehr spannende Textstelle vor uns. Da verspürt man, wenn man sich die Handlung selbst richtig vorstellt, wie die Luft brennt, zwischen den Schriftgelehrten und Jesus und wie sich ein Spannungsbogen aufbaut bis zum Rückzug der Meute. Zum anderen, und das ist auch spannend, ist die Erzählung von der Ehebrecherin erst sehr spät an genau dieser Stelle des Johannesevangeliums eingefügt worden. Das wissen die Bibelforscher aus dem Vergleich von Ursprungshandschriften und späteren Fassungen sowie der Erforschung von frühen christlichen Schriften aus den ersten Jahrhunderten. Diese, z.B. von Bischof Papias von Hierapolis, im 2. Jahrhundert oder die syrische Didascalia Apostolorum ( Apostellehre) aus dem 3. Jahrhundert beinhalten Erzählungen von der Begegnung Jesu mit der Sünderin.

 

Der Kirchenlehrer Augustinus von Hippo rügte im 4. Jahrhundert, dass dieser Text in manchen Manuskripten entfernt worden sei, um den Eindruck zu vermeiden, Christus habe Ehebruch gebilligt:

„Einige Personen mit kleinem Glauben, oder eher Feinde des wahren Glaubens, fürchten, so meine ich, ihren Frauen wäre Straffreiheit vom Sündigen gegeben worden, und so entfernten sie aus den Manuskripten des Herrn Tat der Vergebung gegenüber der Ehebrecherin, als ob jener, der sagte „Sündige nicht mehr“, damit die Erlaubnis zum Sündigen gegeben hätte.“ (De Adulterinis Conjugiis II 6, 7.: )

 

 

Kann es sein, dass diese Geschichte, die sehr gut zu Jesus passt, aber noch lange nicht in die Moralvorstellungen der Redakteure der canonisierten Evangelien, tatsächlich hätte unterschlagen werden sollen? Wundern würde es mich ja nicht, denn wir wissen ja, dass schon bald ein Kampf um die Deutungshoheit der christlichen Lehre entbrannte. Und da ist Jesus einigen wohl zu weit gegangen. Ehebruch, das war im damaligen Orient kein Pappenstiel, insbesondere nicht für Frauen, die Eigentum des Mannes waren. In der Fassung des Papias klang der Satz, den Jesus an die Ankläger richtete, noch etwas schärfer: „Derjenige von Euch, der sich gewiss ist, selbst unschuldig zu sein in Bezug auf die Sünde, derer sie bezichtigt ist, lasst ihn gegen sie aussagen mit dem Beweis, dass er selbst [unschuldig] ist.“ - Hier wird im Verlauf der Szene klar, dass auch anwesende Männer die eheliche Treue verletzt hatten, was gegenüber der eigenen Ehefrau zwar keine große Bedeutung hatte, im Falle des Ehebruchs mit der Frau eines anderen Mannes aber ein Vergehen gegen dessen Eigentumsrechte darstellte. Jesus zeigt damit, dass ihn diese juristischen Feinheiten nicht interessieren. Er stellt Männer und Frauen und deren Vergehen auf die gleiche Ebene. - 

 

In der Fassung der Erzählung, die es dann doch in eines der Evangelien geschafft hat, spielt noch eine weitere Besonderheit eine wichtige Rolle. Jesus schreibt mit dem Finger in den Sand, in die Erde. Wir erfahren nicht was er schreibt. Aber er schreibt. Und da gibt es die Parallele zu Jer 17,13: 

„Du Hoffnung Israels, Gott! Alle, die dich verlassen, werden zugrunde gehen. Die sich von dir abwenden, werden in Erde geritzt, weil sie die Quelle lebendigen Wassers, Gott, verlassen haben.“ 

 

Wenn es nicht so stattgefunden hat, dann ist es doch sehr gut erfunden. Denn dieses Zitat schafft sozusagen den Hintergrund für das Geschehen. Jesus bricht der Vergebung Bahn indem er daran erinnert, dass alle von Gott abhängig sind. Alle werden immer wieder schuldig, alle ver-fehlen bisweilen das Gute und niemand kann sagen: Ich bin ein besserer Mensch als du. Wir sind darauf angewiesen, uns nicht voneinander abzuwenden, denn wir sind aufeinander angewiesen – wie wir auf die Quelle des lebendigen Wassers angewiesen sind. 

 

Jesus macht mit seinem Verhalten und seinem Verzicht auf die Verurteilung der Frau den Weg frei, er eröffnet Neuland. Weg von den alten Mustern der Einschüchterung und Verachtung, weg von der Missachtung der Frauen, weg von der Todesstrafe und der Lynchjustiz. Die heutige erste Lesung aus Jes 17 spricht auch von diesem neuen Weg:

 

Siehe, ich mache Neues, jetzt sprießt es auf, erkennt ihr es nicht?
Ja, ich mache in der Wüste einen Weg, in der Einöde Wasserströme.
Sie werden mich ehren, die Lebewesen des Feldes,
Schakale und Strauße,
denn ich schenke in der Wüste Wasser, Ströme in der Einöde,
um mein Volk zu tränken, meine Auserwählten.
Das Volk, das ich mir gebildet habe,
wird meinen Ruhm verkünden.
 

 

Es sind Hoffnungsbilder, Bilder vom Aufstehen und Auferstehen, die uns Mut machen können und die unsere Seele braucht. Wir erleben gerade wieder, wie sehr wir in dieser Welt aufeinander angewiesen sind, wie es ist, wenn sich Menschen voneinander abwenden, wenn sie die anderen nicht sehen wollen. Damit wenden sie sich von der Quelle des lebendigen Wassers ab. Aber zugleich reißen sie so viele mit, zugleich verhindern sie das lebendig sein anderer, vernichten deren Leben und Lebensgrundlagen. Den Weg, den Gott in der Wüste weist, den Weg, den Jesus eröffnet, den müssen alle Generationen immer wieder neu beschreiten. Und das müssen wir weitergeben.

 

Sigrid Grabmeier

 

 

 

Wir sind Kirche Gespräche am Jakobsbrunnen onlineG

 

Dienstag, 5. April 2022 Burkhard Hose, Studentenpfarrer und Buchautor, Würzburg

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Nächster Termin  Dienstag 19 Uhr 12. April 2022

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„Denen“ gönne ich den Himmel nicht!

Es kamen immer wieder alle, die beim Zoll beschäftigt waren und zu den Sündern gezählt wurden, zu Jesus, um ihn zu hören. Die Angehörigen der pharisäischen Glaubensrichtung und die Schriftgelehrten murrten und sagten: „Der akzeptiert ja sündige Leute und isst mit ihnen!“

Jesus aber erzählte ihnen folgendes Gleichnis:„Ein Mann hatte zwei Söhne. Der jüngere von ihnen sagte zum Vater: ´Vater, gib mir den Teil des Vermögens, der mir zusteht.` Und er verteilte seine Habe an sie. Bald danach nahm der jüngere Sohn alles mit sich und zog in ein fernes Land. Dort verschleuderte er sein Vermögen und lebte in Saus und Braus.

Nachdem er aber all das Seine durchgebracht hatte, kam ein gewaltiger Hunger in jenes Land, und er begann, Not zu leiden. Er zog los und begab sich in die Abhängigkeit eines Bürgers jenes Landes, und der schickte ihn auf die Felder, seine Schweine zu hüten. Er hätte sich unheimlich gern satt gegessen an den Schoten des Johannisbrotbaums, die die Schweine fraßen, aber niemand gab ihm davon. Da ging er in sich und sagte: So viele Tagelöhner und Tagelöhnerinnen meines Vaters haben Brot im Überfluss – und ich komme hier um vor Hunger! Ich stehe auf, wandere zu meinem Vater und sage zu ihm: ´Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir. Ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu heißen. Mach' mich zu einem deiner Tagelöhner!`

Er stand auf und ging zu seinem Vater. Schon von ferne sah ihn sein Vater kommen, und Mitleid regte sich in ihm, und er eilte ihm entgegen, fiel ihm um den Hals und küsste ihn. Der Sohn sprach zu ihm: ´Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir. Ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu heißen.` Der Vater aber sagte zu seinen Sklaven und Sklavinnen: ´Schnell, bringt das beste Kleid her und zieht es ihm an, steckt ihm einen Ring an die Hand und Sandalen an die Füße! Holt das Mastkalb und schlachtet es, lasset uns essen und fröhlich sein! Denn dieser, mein Sohn, war tot und ist wieder lebendig, er war verloren und ist gefunden!` Und sie begannen sich zu freuen.

Sein älterer Sohn aber war auf dem Feld. Als er heimkam und sich dem Haus näherte, hörte er Singen und Tanzschritte. Er rief einen der jungen Sklaven und fragte ihn, was denn sei. Der aber sagte ihm: ´Dein Bruder ist gekommen, und dein Vater ließ das Mastkalb schlachten, weil er ihn gesund wieder erhalten hat` Da wurde der Bruder wütend und wollte nicht hineingehen. Sein Vater aber kam heraus und lud ihn ein. Er antwortete aber seinem Vater: ´Siehe, ich diene dir schon so viele Jahre und habe nie ein Gebot von dir übertreten, und nie hast du mir einen Bock gegeben, damit ich mit meinen Freunden fröhlich wäre. Nun aber kommt dein Sohn, der deine Habe mit Unzüchtigen verfressen hat, und du lässt für ihn das Mastkalb schlachten!` Er sagte zu ihm: ´Kind, du warst alle Zeit mit mir zusammen, und alles, was mir gehört, gehört auch dir. Nun ist es Zeit, sich zu freuen und fröhlich zu sein, weil dein Bruder, der tot war, lebendig ist. Er war verloren und ist gefunden!` “

Lk 15,1-3.11-3 Bibel in gerechter Sprache

 

„Denen“ gönne ich den Himmel nicht!

Fangen wir damit an: Stimmt eigentlich der Titel „vom verlorenen Sohn“? Es ist doch die Rede von zwei Söhnen! Der ältere Bruder fällt freilich gern unter den Tisch, er passt ja nicht recht ins System der christlichen Botschaft vom reuigen Sünder. Der jüngere wurde und wird dagegen gern als Vorbild herausgestellt: Gewissenserforschung – Reue – Bekenntnis – Vergebung, das erinnert uns an die Beichte (auch wenn sie heute kaum mehr praktiziert wird). Also wurde vorgeschlagen: das Gleichnis „von den zwei Söhnen“. Sagt uns das mehr? Sicher nicht. Richtig muss es wohl heißen: das Gleichnis „vom barmherzigen Vater und den zwei Söhnen“; denn alle drei spielen ja in diesem Gleichnis eine Rolle.

 

Da ist der Lebemann. Erst als er quasi in der Gosse liegt – er muss als Jude Schweine, unreine Tiere hüten – , geht er in sich. Da ist der Vater. Er hat auf ihn gewartet, geht ihm entgegen, nimmt ihn wieder als seinen Sohn auf und feiert ein Fest. Da ist der treue ältere Sohn. Er ist empört und will nicht ins Haus gehen. Da kommt auch ihm der Vater entgegen und sagt: „Nun ist es Zeit, sich zu freuen und fröhlich zu sein, weil dein Bruder, der tot war, lebendig ist. Er war verloren und ist gefunden!“


Na und? So sehr unsere Sympathie dem barmherzigen Vater gilt, so sehr können wir den Ärger des älteren Bruders verstehen, der den jüngeren nicht mehr als seinen Bruder sehen will und nur von „dem da“, von „deinem Sohn“ spricht. Und wie geht die Geschichte aus? Wir wissen es nicht. Der großartige Erzähler, der Mann aus Nazaret, lässt sie einfach so stehen. Was sollen wir also mit dem letzten Teil anfangen? „Eigentlich geht uns dieser Teil der Geschichte doch gar nichts an“, sagte mir mal jemand vor vielen Jahren, „das Gleichnis richtet sich doch gegen die Pharisäer und Schriftgelehrten, und wir sind doch Christen.“ 


Ja, das Gleichnis erzählt Jesus den Angehörigen der pharisäischen Glaubensrichtung und den Schriftgelehrten. Sie murrten, weil auch Zöllner zu Jesus kamen, Volksverräter, die im Dienst der Römer standen. Sie sagten: „Der akzeptiert ja sündige Leute und isst mit ihnen!“ Ihnen überlässt er die Antwort, denn sie sind mit dem älteren Bruder gemeint als diejenigen, die treu zu den Geboten Gottes stehen.


Schön, jetzt sehen wir die Geschichte in einem neuen Licht. Und führt uns das weiter? Vielleicht. Denn wir finden uns nicht nur im jüngeren, reuigen Bruder wieder, sondern auch im älteren. Ich kann mich noch gut erinnern, dass jemand vor langer Zeit sagte: „Die Evangelischen können nach einer Scheidung wieder heiraten. Für uns Katholiken ist das eine Todsünde. Und ‚die‘ sollen auch in den Himmel kommen? ‚Denen‘ gönne ich den Himmel nicht!“ Vor ein paar Wochen wurde die Petition „#OutInChurch – für eine Kirche ohne Angst“ an die Deutsche Bischofskonferenz übergeben. Nach dem geltenden kirchlichen Arbeitsrecht können kirchliche Mitarbeiter*innen entlassen werden, wenn sie nicht der kirchlichen Norm entsprechen: Homosexuelle, geschieden Wiederverheiratete und und und. Wie stehen wir dazu? Wie der barmherzige Vater oder wie der gesetzestreue Sohn? Nehmen wir sie – endlich – mit offenen Armen auf? Den „Frommen“ passt nicht, dass wir ihnen entgegengehen, sie wittern Verrat am wahren Glauben. Der russisch-orthodoxe Moskauer Patriarch Kyrill I. rechtfertigt den Überfall Putins auf die Ukraine u.a. damit, dass es ein metaphysischer, ein religiöser Kampf gegen die im Westen um sich greifende Homosexuellenfreundlichkeit ist, gegen eine Sünde, die es auszurotten gilt.


Nun, vielleicht ermutigt uns dieses Gleichnis zu einer Umkehr. Als junger Theologiestudent bin ich einer alten Frau begegnet, die mindestens 150 % katholisch war und sich deshalb über all die anderen erhaben gefühlt hat, die nicht so „streng katholisch“ waren. Und die deshalb sicher war, in den Himmel zu kommen. Ein paar Wochen vor ihrem Tod hat sie mich mit ein paar Worten ganz anderer Art überrascht: „Ja, wir haben uns immer als etwas Besseres gefühlt. Da war einer, der ist nie in die Kirche gegangen. Aber er war allen Menschen gegenüber freundlich und hilfsbereit. Vielleicht hat der vom Glauben mehr verstanden als wir.“

 

Magnus Lux

 

Wir sind Kirche Gespräche am Jakobsbrunnen onlineG

 

29. März 2022 mit Sr. Dr. Katharina Ganz, Generaloberin Oberzell

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Der Feigenbaum

Und er erzählte ihnen dieses Gleichnis: Ein Mann hatte in seinem Weinberg einen Feigenbaum gepflanzt; und als er kam und nachsah, ob er Früchte trug, fand er keine. Da sagte er zu seinem Winzer: Siehe, jetzt komme ich schon drei Jahre und sehe nach, ob dieser Feigenbaum Früchte trägt, und finde nichts. Hau ihn um! Was soll er weiter dem Boden seine Kraft nehmen? Der Winzer erwiderte: Herr, lass ihn dieses Jahr noch stehen; ich will den Boden um ihn herum aufgraben und düngen.Vielleicht trägt er in Zukunft Früchte; wenn nicht, dann lass ihn umhauen!

Lk13, 6-9 Einheitsübersetzung

 

Der Feigenbaum

 

Heute, am 15.03.2022, setze ich mich hin um diesen Sonntagsbrief zu schreiben. Heute vor genau einem Jahr hat der Vatikan erklärt, dass er die Sünde nicht segnen könne, und die römisch katholische Kirche eine Segnung homosexueller Partnerschaften deshalb ausdrücklich ablehnt.

Heute, genau ein Jahr später, herrscht Krieg in Europa.

 

Die beiden Klitschko-Brüder appellierten Anfang März schon aus dem umkämpften Kiew heraus an "alle geistigen Führer dieser Welt", nach Kiew zu kommen und Stellung zu beziehen und die „Ihnen verpflichtende moralische Funktion und mit Stolz die Verantwortung Ihrer Religion für unseren Frieden zu übernehmen“. Und dann wendet sich Vitali Klitschko zuerst an Papst Franziskus  und zuletzt an den Patriarchen Kyrill I. und lädt sie ein, nach Kiew zu kommen und ihre Solidarität mit dem ukrainischen Volk zu bekunden, ihr Mitgefühl zu zeigen und sich im Geist der Harmonie zu vereinen, den „mein Land und die ganze Welt brauchen“. Und Wladimir Klitschko fügte hinzu: „Einheit ist unser Schlüssel für Freiheit!“

 

Auch der ökumenische Rat der Kirchen schrieb an Kyrill I.: „Erheben Sie Ihre Stimme, damit der Krieg gestoppt werden kann! Die ganze Welt sieht mit großer Sorge zu und sucht nach einem Zeichen der Hoffnung.“ Der ökumensche Rat vertritt weltweit 580 Millionen Christinnnen und Christen, die russich-orthodoxe Kirche ist seit 1961 Mitglied in diesem Rat.

 

Aber Kyrill I. machte unmissverständlich klar, dass er dem Kriegsherrn Putin nichts entgegensetzen will, im Gegenteil. Er rechtfertigt den Krieg gegen den, Zitat, „sündigen Westen“ als „metaphysischen Kampf“. Er sprach von der Notwendigkeit, den christlichen Glauben zu verteidigen, und nutze dabei angeblich vom Westen aufgezwungene Schwulen-Paradren als quasi Rechtfertigung für kriegerische Handlungen.

 

Der Westen will die Sünde segnen und wer da nicht mitmachen will, wird ausgeschlossen! "Die Forderung vieler, eine Gay-Pride-Parade zu veranstalten, ist ein Test der Loyalität zu dieser sehr mächtigen Welt; und wir wissen, dass Menschen oder Länder, die diese Forderungen ablehnen, nicht Teil dieser Welt werden, sie werden zu Fremden in dieser Welt.“ sagte Kyrill I. in einer Predigt in der Christ-Erlöser-Kathedrale in Moskau.

 

Wir Homosexuellen sind an allem Schuld!

 

Weder Franziskus noch Kyrill I. haben die Einladung der Klitschko-Brüder annehmen wollen. Stattdessen vermeldet der Vatikan, dass Franziskus sich gerne in Moskau mit Kyrill I. zum Dialog treffen wolle. Auch Franziskus hatte Gay-Paraden schon als Schwulen-Propagnada bezeichnet und abgelehnt als Propaganda für die Sünde, die, wie wir vor einem Jahr wieder einmal erfahren mussten, ja auf keinen Fall gesegnet werden kann. Die von GOTT angeblich gewollte „Schöpfungsordnung“ muss verteidigt werden gegen den Angriff derer, die Sünde nicht mehr Sünde nennen.

 

Im Jahr 2000 habe ich mein Angebot aufgeschrieben, diese Schöpfungsordnung neu zu denken. Mein Angebot ist nicht gefällig gegenüber dem „Zeitgeist“, es verwässert nicht die Schriften, sodass Tiefsinn verloren ginge, im Gegenteil, der Tiefsinn nimmt zu. Und wurde ich erhört? Nein, meine Stimme rief ins Leere! Auf meiner Homepage www.johannesbrinkmann.de kann man meine Angebot einfach herunterladen und sich damit auseinandersetzen. Es ist ein Büchlein von nur 68 Seiten.

 

Was machen wir also mit diesem Baum der geistlichen Führer Franziskus I. und Kyrill I.? Trägt er Früchte? Ich habe den Boden um ihn herum aufgraben wollen und habe ihm Dünger zuführen wollen. Er ließ sich nicht aufgraben und hat den Dünger nicht aufgenommen, so verhärtet war er! Haut ihn nun um!

 

Johannes Brinkmann

 

 

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22. März 2022 mit Prof. Dr. Wolfgang Beck, Pastoraltheologe

29. März 2022 mit Sr. Dr. Katharina Ganz, Generaloberin Oberzell

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Kein Gottkönig

Jesus nahm Petrus, Johannes und Jakobus mit sich. Er stieg auf einen Berg, um zu beten. Während er betete, sah sein Gesicht auf einmal ganz verändert aus,und seine Kleidung glänzte strahlend weiß. Da redeten zwei Männer mit ihm. Es waren Mose und Elija, die in Herrlichkeit erschienen. Sie sprachen mit Jesus über den Tod,der ihm nach Gottes Plan in Jerusalem bevorstand. Aber Petrus und die anderen waren fast eingeschlafen. Trotzdem hielten sie sich wach. So sahen sie Jesus in seiner Herrlichkeit und die zwei Männer, die bei ihm standen. Als die beiden sich von Jesus trennen wollten, sagte Petrus zu ihm:“Meister, es ist gut, dass wir hier sind.Wir wollen drei Zelte aufschlagen:eins für dich, eins für Mose und eins für Elija.“Aber er wusste nicht, was er da sagte.

Während Petrus noch redete, zog eine Wolke auf,und ihr Schatten legte sich über sie.Die Wolke hüllte sie ganz ein, und sie fürchteten sich. Eine Stimme erklang aus der Wolke: „Das ist mein Sohn, ihn habe ich erwählt. Hört auf ihn!“ Während die Stimme noch erklang,war Jesus plötzlich wieder allein. Die Jünger behielten das alles für sich. Sie erzählten damals niemandem, was sie gesehen hatten.


Lukas 9, 28-36 Basisbibel 

 

Kein Gottkönig

 

Die Bilder, die Lukas in dieser Erzählung mit Worten entstehen lässt, wären für eine Phantasy - Produktion eine reizvolle Episode. Und natürlich hat gerade diese Szene in der Malerei eine großartige Ausgestaltung erfahren. Um so schwerer ist es für uns heute damit umzugehen. Das ist nicht der Jesus, den wir sonst so kennen, der unter den Leuten ist, für sie da, aktiv, heilend, segnend, verkündend. Hier wird uns Jesus aus einer völlig anderen Perspektive gezeigt: zurückgezogen, kontemplativ, in innigem Austausch mit Gott. Und vor allem wird uns – wie auch dem Publikum damals - nahegebracht, dass dieser Mann aus Nazareth ganz sicher alles andere als ein normaler Mensch ist und dem Göttlichen nahesteht. 

 

Den Menschen damals, zumal den „Heiden“ waren die Ideen von Göttersöhnen nicht fremd. Zum einen wimmelte es in der Mythologie vor Halbgöttern, zum anderen gehörte es zum guten Ruf beispielsweise eines römischen Kaisers, sich als göttlich zu bezeichnen und sich wie ein Gott verehren zu lassen. Die Göttlichkeit, die Gottessohnschaft Jesu aber, die schon bei Markus und dann auch bei Lukas vermittelt wird, ist eine völlig andere. 

 

Tragen die römischen oder griechischen Gottheiten durchaus menschliche Züge, so entwickelte sich die Vorstellung von Jahwe im Verlauf vieler Jahrhunderte zu einem einzig und allmächtig waltenden Gott, dessen Name nicht ausgesprochen werden darf,und von der es kein Bildnis gibt. Der Mythos des von einer Jungfrau geborenen Gottessohnes ist in der antiken Gedankenwelt angesiedelt, doch das Leben und Wirken Jesu entwickelt sich in eine ganz andere Richtung. Geboren unter widrigen Umständen, schon als Säugling verfolgt von einem blutrünstigen Herrscher, bedeutet für ihn Gottessohnschaft nicht ein Auftritt in Herrlichkeit und Machtvollkommenheit sondern als Überbringer einer Botschaft von sozialer Gerechtigkeit, Demut, gegenseitigem Respekt, Hilfsbereitschaft und Versöhnung. Er fordert anders als die römischen Kaiser keine Verehrung als Gottkönig ein sondern er verkündet einen liebenden Gott, dessen Liebe zu den Menschen unter den Menschen weitergegeben und weitergelebt werden soll.

 

Jesus, der Mann aus Nazaret steht in der Tradition von Mose und Elija, den großen Propheten, die selbst, wie er in dieser Bergbegegnung auch, Gott in Erscheinungen begegnet sind. Moses im brennenden Dornbusch, Elija im säuselnden Wind. Seine Botschaft aber soll über das jüdische Volk hinaus wirken.

 

Wie schmerzhaft erleben wir und gerade die direkt Betroffenen, wie grausam die Göttersöhne in der Tradition der antiken Gottkönige ihre Macht missbrauchen, auch im Namen dessen, der die Liebe Gottes und die Nächstenliebe verkündet hat. Wie sie Verbündete finden unter Vertretern einer Religion, die sich eigentlich nicht den Mächtigen sondern den Machtlosen zuwenden soll. Die Hässlichkeit, die Brutalität, die Gnadenlosigkeit dieser Despoten zerstört, vernichtet und tötet. Um so wichtiger muss uns daher die Botschaft und der Auftrag Jesu sein.

 

Sigrid Grabmeier 

 

Verleih uns Frieden genädiglich,
Herr Gott, zu unsern Zeiten,
es ist doch ja kein ander nicht,
der für uns könnte streiten,
denn du, unser Gott alleine.

Martin Luther

 

Heinrich Schütz

Geistliche Chormusik - Verleih uns Frieden genädiglich SWV 372

 

 

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Der Versuchung widersagen

 

Jesus aber kehrte voller heiliger Geistkraft vom Jordan zurück und wurde vom Geist in der Wildnis herumgetrieben. Während 40 Tagen wurde er vom Teufel schwer geprüft. In jenen Tagen aß er nichts, und als diese Tage vorbei waren, hatte er großen Hunger. Da sagte der Teufel zu ihm:

 

„Bist du ein Sohn Gottes, so sage zu diesem Stein, dass er Brot werden soll!“ Jesus aber antwortete ihm: „Es steht in der Schrift geschrieben: Die Menschen werden nicht vom Brot allein leben.“

 

Und er führte ihn hinauf und zeigte ihm alle Reiche des Erdkreises in einem Augenblick. Und der Teufel sprach zu ihm: „Dir will ich alle Macht und all ihren Ruhm geben, denn mir gehören sie und ich gebe sie, wem ich will. Wenn du dich vor mir verbeugst, soll alles dir gehören.“ Jesus aber antwortete ihm: „Es steht geschrieben: Du sollst DIE LEBENDIGE, deinen Gott, anbeten und allein ihr dienen.“

 

Darauf führte der Teufel ihn nach Jerusalem, stellte ihn auf die Zinne des Tempels und sagte zu ihm: „Bist du ein Gottessohn, so stürze dich hinab! Denn es steht geschrieben: Deinetwegen wird er seine Engel senden, dich zu behüten, und sie werden dich auf Händen tragen, damit dein Fuß nicht an einen Stein stoße.“ Jesus aber antwortete: „Es heißt: Du sollst DIE LEBENDIGE, deinen Gott, nicht herausfordern.“ Und als der Teufel die Prüfung ganz vollendet hatte, blieb er von ihm fern bis zur gelegenen Zeit.

 

 

 

Lk 4, 1-13Bibel in gerechter Sprache

 

Der Versuchung widersagen

 

 

Wie junge Menschen heute, so suchte auch Jesus nach Wegen für eine bessere Zukunft. Was würde mir Freude machen? Welche Anlagen habe ich? Wie könnte eine gesicherte Zukunft in dem armen Nazareth gelingen? Die Wüste mit ihrer Stille schien ihm der richtige Ort zu sein, um passende Antworten zu finden. Gut möglich, dass dem jungen Mann sekündlich ein besseres Leben aus der Armut der Schreinerwerkstatt heraus in eine offene Zukunft mit sicherem Einkommen durch den Kopf geschossen war. Zum Greifen nahe, zumindest im Kopf, die Annehmlichkeiten dieser Welt! 

 

Und schon meldet sich der selbsternannte Weltenherrscher: Als Gottes Sohn müsstest du doch aus diesen Steinen Brot machen können? Könnte ich? Doch Jesus wurde schnell klar, diese Versuchung widersprach allem, was seine frommen Eltern ihm vorgelebt hatten. Es vibrierte in ihm! Gottes Vorgabe war doch ganz anders: IHN lieben, den Nächsten und sich selbst! Jesus setzt die Tora gegen die Versuchung: Nicht nur vom Brot allein lebt der Mensch, sondern von jedem Wort, dass aus dem Munde Gottes kommt! Und dieses Wort brauchen wir lebensnotwendig. Das Kind braucht die vertraute Stimme der Mutter, der Schüler die seiner Lehrer, Liebende brauchen sie und Eheleute, Freunde und Freundinnen, Vorgesetze in Politik und Kirche auch. Wir alle sehnen uns nach dem guten Wort, aus dem wir heraushören, hier mag mich jemand. hier bin ich sicher. Durch SEIN Wort sind wir Menschen. 

 

Ob das nächste Angebot zieht? Jetzt verspricht der Teufel dem ausgezehrten Handwerkersohn alle Reiche dieser Erde mit samt deren ganzer Herrlichkeit. Einzige Bedingung: Er als Gottes Sohn müsse sich vor ihm niederwerfen und ihn anbeten. Jesus weicht zurück und kontert mit der Schrift: Du sollst den Herrn, deinen Gott, anbeten und ihm allein dienen.

 

Reich zu sein und viel besitzen, als einziges Lebensziel zu sehen, passt nicht zu der Liebesbotschaft, die den Nächsten, den Armen, den Kranken und Hilfsbedürftigen sieht. Das Bild des Reichen und Mächtigen hat sich uns in den vergangenen Tagen eingeprägt: Zwei Menschen sitzen an den Kopfenden eines Tisches. Auf der einen Seite der mächtige Reiche, der Aggressor, Putin. Ihm gegenüber in zehn Metern Entfernung der Bittsteller: der Alleinherrscher möge doch von seinen Kriegsplänen absehen. 

 

Macht, Geld, Luxus und Konsumismus verbannen aus vielen Hirnen, denen es gut geht, die Wirklichkeit, in der die Mehrheit der Weltbevölkerung leben muss. Der Konsumismus hat auch uns fest im Griff. Was geben wir nicht alles vor, darauf nicht verzichten zu können! Die Folge dieses ungebremsten Verbrauchs von immer mehr Ressourcen führt über kurz oder lang zum Zusammenbruch der von Gott geschenkten Natur. Den irdischen Verlockungen zu widerstehen und den Raubbau an unseren Lebensgrundlagen zu minimieren, wird unsere Sendung sein müssen, um als Jesu Jünger*innen seiner Botschaft immer wahrhaftiger nachzukommen. 

 

Jetzt greift der Widersacher selbst zur Tora und legt in einem dritten Versuch Jesu auf dessen Gottessohnschaft fest. Ohne Sorge könne er sich von der Zinne des Tempels stürzen, denn die Engel seines Vaters würden ihn doch auf Händen tragen, nicht mal ein Fuß werde an einen Stein stoßen. „Du sollst den Herrn, deinen Gott nicht auf die Probe stellen!“, ist die unmissverständliche Ansage an den Satan.

 

Lukas schreibt: Da der Teufel nicht zum Ziel gekommen sei, habe er für eine Weile von ihm abgelassen. Will heißen, der Satan gibt nicht auf, das Böse ist unter uns. „Widersteht ihm fest im Glauben“, beten wir in der Komplet.

 

Für Jesus stand nun fest, welchen Weg er einschlagen würde. Er spürte und wusste, dass Gott bei ihm ist, ihn liebt und ihn sendet: „Ich möchte, dass du mit meinem Mund sprichst, mit meinen Augen siehst, mit meinen Ohren hörst und mit meinen Händen berührst. Alles was mein ist, ist dein. Vertrau mir nur, ich möchte dein Gott sein!“ (Henri J.M. Nouwen, Die innere Stimme der Liebe, S. 118 ff) 

 

Gottes Zusage an jedes seiner Geschöpfe: „Ich liebe dich und bin bei dir“, bildete für Jesus nach seiner 40-tägigen Wüstenerfahrung den Grundstein seiner beginnenden Friedensmission, insbesondere den Armen, Kranken, Traurigen und Verlassenen beizustehen. Macht und Reichtum waren nicht seine Sache. Seine Mission konnte nur lauten, die Menschen zu lieben, wie Gott liebte, sie mit des Schöpfers liebenden Augen anzuschauen, ihnen zuzuhören und sie heilend zu berühren. Dafür zu leben, dass Gottes Plan der Nächstenliebe sich in die Herzen der Menschen einnisten möge, darin sah der junge Mann aus Nazareth nun seinen Missionsauftrag. Jesu Credo bleibt ewig: Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben!

 

Georg Mollberg

 

 

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8. März 2022 mit Magdalena-Klara Pittracher, verantwortlich für die „Weltsynode“ in der Diözese Innsbruck

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Von Balken, Splittern und Hoffnung

Ewiger Gott,

vor Dich bringen wir an diesem Tag unsere Fassungslosigkeit,

unsere Trauer und unseren Zorn. 

Die diplomatischen Bemühungen, auf die wir so gehofft hatten, haben nicht zum Ziel geführt. 

Die Sprache der brutalen Gewalt gibt jetzt den Ton an. 

Der Machthunger hat die Oberhand behalten gegenüber der Vernunft.

Sei Du jetzt bei den Menschen in der Ukraine, die durch die Gewalt der Waffen in Not und Gefahr sind. 

Lass sie spüren, dass überall auf der Welt Menschen für sie beten.

Sende Du Deinen Geist in die Herzen derer, die verantwortlich sind für aggressive Gewalt. 

Lass sie erkennen, dass durch die Gewalt alle verlieren. 

Öffne ihre Herzen, dass sie sich anrühren lassen von dem Leid, dass ihre Gewalt verursacht.

Sei bei denen, die jetzt politische Verantwortung tragen und die richtigen Entscheidungen zu treffen haben. 

Öffne Wege, der militärischen Gewalt die Klarheit in der Verurteilung des Unrechts, wirksame Gegenmaßnahmen und eine Deeskalation der Gewalt entgegenzustellen.

In uns allen stärke das, was die Basis unseres Lebens ist: Stärke unseren Glauben. 

Stärke unsere Hoffnung. Stärke unsere Liebe.

Auf dich vertrauen wir – auch jetzt.

Amen

(Heinrich Bedford-Strohm, Landesbischof der ELKB)

 

 

 

Er sagte ihnen auch ein Gleichnis: „Kann eine blinde Person eine andere blinde führen? Werden nicht beide in den Straßengraben fallen? Ein Lehrling steht nicht über der Meisterin oder dem Meister; erst wenn sie die Lehre vollendet haben, werden sie sein wie die, von denen sie gelernt haben. Warum siehst du den Splitter im Auge deiner Geschwister, nimmst aber den Balken in deinem eigenen Auge nicht wahr? Wie kannst du sagen: Geschwister, wartet, ich werde den Splitter in eurem Auge herausziehen – wenn du selbst den Balken in deinem Auge nicht siehst? Du machst dir etwas vor! Entferne zuerst den Balken aus deinem Auge, und dann wirst du sehen, ob du den Splitter aus dem Auge deiner Geschwister herausziehen kannst.“

 

„Denn es gibt keinen guten Baum, der faule Frucht bringt, und auch keinen faulen Baum, der gute Frucht bringt. Denn jeder Baum wird an seiner Frucht erkannt; von Dornen sammeln sie ja keine Feigen, und von einem Dornbusch schneiden sie keine Trauben. Wohlwollende Menschen bringen aus dem guten Schatz ihres Herzens Wohl hervor, Übelwollende aus dem schlechten Schatz Übles. Wovon dein Herz erfüllt ist, davon redet dein Mund!“

Lk 6, 39-45 Bibel in gerechter Sprache

 

Von Balken, Splittern und Hoffnung

 

Am Faschingssonntag ist es Brauch
und deshalb wollen wir es auch:
Wir halten heute keine Predigt,
die Sache ist für uns erledigt.
Und deshalb hört ihr heute hier
`ne Büttenpredigt ohne Bier.

 

Wem würd‘ es auch beim Bier behagen,
wenn wir doch alle Masken tragen!
Drum wollt‘ ich lieber drauf verzichten
Und euch ne schöne Predigt dichten.
Das Bier wird nicht mehr so schnell schlecht
und irgendwann kommt‘s wieder recht.

 

Auch heuer sehn wir uns nicht um,
es geht ums Evangelium.
Denn Lukas ist der fromme Dichter,
ich hoffe, euch geh‘n auf die Lichter.
Der Text ist wie für uns gemacht,
als wär er heute ausgedacht.
 

 

Ein Blinder geht die Straße lang,
er wird geführt bei seinem Gang.
Jedoch, man traut den Augen kaum:
Er läuft direkt gegen den Baum.
Wie kam das denn, das ist doch Mist!
Weil auch sein Führer Blinder ist.

 

Ein Blinder, der nen Blinden leitet,
dass der nicht ins Verderben gleitet?
Das würde man nicht unterstützen.
Was soll der einem Blinden nützen?
So etwas kommt bei uns nicht vor.
Meint Ihr? Da habt ihr ja Humor!
Schaut doch nur in die Politik.
Da hat so mancher „Blinde“ Glück,
ist‘s nur die richtige Partei,
ist der oft vorne mit dabei
und gibt selbst dann die Richtung an,
wenn er sie gar nicht sehen kann.

 

Und so geht’s ständig Hüh und Hott,
erst sagt er „Suppe“, dann „Kompott“,
die Leute reiben sich die Augen-
was soll ein solcher Führer taugen?
Wie soll man da die Richtung finden,
da droht man selbst noch zu erblinden.

 

Oder schau abends in die Stadt,
wer da zu demonstrieren hat.
„Erfunden ist die Pandemie,
es gibt sie nicht, es gab sie nie!“
Und kann auch mancher kaum noch pusten,
„das ist halt nur ein starker Husten“.

 

Manch „Blinder“ sieht ne Weltverschwörung-
der hat nur ne Bewusstseinsstörung.
Das Internet bestärkt ihn sehr:
„Das alles kommt von draußen her,
Drum sollen Fremde draußen bleiben,
wir wollen sie direkt vertreiben!“

 

Und in der Kirche, wo wir sind,
war da nicht mancher Bischof blind,
als Kinder haben Leid erfahren-
wollt nur die Contenance bewahren
und steht jetzt vor nem Scherbenhaufen,
weil Christen ihm davongelaufen.

  

Nun lesen wir bei Lukas weiter!
Auf andre schimpfen, das ist heiter,
sind wir denn besser als die „Blinden“?
Da wird man schnell was andres finden.
Ich les vom Balken und vom Splitter
und da wird’s gleich für manchen bitter.

 

Kannst du den andern richtig sehn
und dann das Gleichnis bald verstehn?
Du magst beim Nächsten Splitter suchen:
Du hast den Balken – Pustekuchen!
Und ich befürchte, das wird heißen,
zuerst den Balken rauszureißen.

 

Ein Balken ist in dieser Welt:
Zuerst komm‘ ich mit meinem Geld.
Dann kommt mein Land und meine Stadt,
wo der nur was zu sagen hat,
der denkt und handelt so wie ich.
Wer anders ist, der trolle sich.

 

Solange ich das Urteil fälle,
sitz‘ ich natürlich an der Quelle,
wo jeden ich bewerten kann.
Was mich betrifft- geht keinen an!
So finde ich als edler Ritter
in Deinem Auge jeden Splitter-

 

und wäre er auch noch so klein.
Da kannst Du wirklich sicher sein?!
„Nein“, sagt da Jesus, „oh Ihr Blinden,
wie wollt Ihr denn den Splitter finden
bei dem, den Ihr den Bruder nennt,
wenn Euch der Balken von ihm trennt-

 

in Euerm Auge. Ach Du Tropf! 
Damit stößt Du ihn vor den Kopf
und kommst gar nicht so dicht heran, 
dass man den Splitter finden kann
in seinem Auge. Geh jetzt heim,
wir gehen Dir nicht auf den Leim!“ 

 

Da steh’n wir nun mit unsern Balken
Und hoffen, dass wir nicht verkalken,
bevor wir sie herausgezogen
und ihren Inhalt abgewogen: 
Den Egoismus und den Frust,
dass irgendwas Du teilen musst.

 

Die Feigheit und Bequemlichkeit,
wenn jemand Hassparolen schreit;
was sind die Balken lang und dick!
Wir grollen unserm Mißgeschick-
Sind wir nicht meist recht gute Christen?!
Du kannst nicht Jesus überlisten!

 

Bei Jesus Sirach gibt’s ein Sieb, 
in dem manch Balken hängenblieb.
Warum ging ich nur hin zum Sieben,
wär ich doch nur zuhaus geblieben
mit meinem Balken gut versteckt,
dann hätte keiner ihn entdeckt!

 

Der Balken ist die Nostalgie.
Die alte Zeit, wie schön war sie!
Es soll so werden, wie es war;
fast alles war doch wunderbar!
Das Klima haben wir zerstört 
und die Reserven aufgezehrt.

 

Die Wälder brennen, Tiere sterben,
was wollen wir denn mal vererben
an unsre Enkel? Denkt ihr dran?
Ob man noch mal beginnen kann?!
Das fordern alle unsre Kinder,
und unsre Enkel auch nicht minder.
 

Die Schöpfung, die ist in Gefahr,
es wird stets schlimmer, Jahr um Jahr.
Sehr Ihr das nicht, Ihr Weisen alle?!
Verblendet seid Ihr, in der Falle!
Wir müssen ganz von vorn beginnen
Und uns auf Gottes Geist besinnen.

 

Ab Mittwoch ist die Fastenzeit,
vielleicht ist mancher dann bereit,
statt Autofahren mehr zu laufen,
was man nicht braucht, auch nicht zu kaufen.
Und manchmal auch daran zu denken,
dem Nächsten etwas Zeit zu schenken.

 

Und wenn wir die Natur beschützen,
dann wird sie uns ganz sicher nützen.
Sie lehrt uns, mit ihr umzugehen,
dass neue Viren nicht entstehen.
So werden Covid wir besiegen
Und insgesamt die Kurve kriegen!

 

Wer solches tut, der wird belohnt,
weil Gottes Geist dann in ihm wohnt.
Nur so kommt seine Weisheit an,
die unsre Welt noch retten kann.
Und diese Weisheit hat die Kraft,
die unsern Kindern Zukunft schafft.

 

Wenn wir nur unsres Geistes Gaben,
die wir von Gott empfangen haben,
stets nutzen und auch Gutes tun,
dann wird der Heil’ge Geist nicht ruhn.
um die Zerstörung auszuschalten; 
wird uns und unsre Welt erhalten.

 

Dass unser Tun zum Segen werde
für uns und für die ganze Erde,
das kann uns sicher noch gelingen,
dann können wir auch wieder singen! 
Versuchen wir`s in Gottes Namen!
Das wollt‘ ich heute sagen. 
Amen. 

 

Reinhard Olma

 

Er hätt‘ heut‘ gern nen Brief geschrieben
Für seine Leser, all die lieben.
Ihm kam der Faschingsnarr dazwischen
Mit seinen Reimen, diesen frischen.
So muss Johannes etwas warten,
kann seinen Brief erst später starten.
 
Die Verse sind davon geflogen;
Dass es mir leid tut, wär gelogen.
 

R. O.

 

 

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1. März 2022 mit  Pierre Stutz, spiritueller Autor

8. März 2022 mit Magdalena-Klara Pittracher, verantwortlich für die „Weltsynode“ in der Diözese Innsbruck

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Vergelt´s Gott

 

Aber zu euch, die ihr zuhört, sage ich:
Liebet, die euch feindlich gegenüberstehen, und tut Gutes denen, die euch hassen. Heißt die willkommen, die euch fluchen, und betet für die, die euch schlecht behandeln.
Wenn dich jemand auf die eine Wange schlägt, halte auch die andere Wange hin, und wenn jemand dein Obergewand wegnimmt, kämpfe nicht für das Untergewand. 

 

Gib allen, die dich bitten, und fordere von denen, die von dir nehmen, nichts zurück.
Wie ihr wollt, dass euch die Leute tun, so sollt auch ihr ihnen tun. 

 

Wenn ihr nur die liebt, die euch lieben – welchen Dank erhaltet ihr dann? Denn auch diejenigen, die Unrecht tun, lieben die, die sie lieben. Wenn ihr denen Gutes tut, die euch Gutes getan haben, welchen Dank erwerbt ihr euch? Diejenigen, die Unrecht tun, verhalten sich auch so. Und wenn ihr denen ausleiht, von denen ihr hofft, zu erhalten, welchen Dank erhaltet ihr? Auch diejenigen, die in Unrecht verstrickt sind, leihen ihresgleichen, damit sie gleichermaßen auch erhalten.
Jedoch: Liebet eure Feinde und Feindinnen, tut Gutes und leiht aus, ohne etwas zu erhoffen! Dann wird eure Vergütung groß sein, und ihr werdet Söhne und Töchter des Höchsten, denn auch Gott wendet sich gütig den Ungütigen und Bösen zu. 

 

Habt Mitleid, wie auch Gott mit euch leidet. 

 

Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet. Verurteilt nicht, damit ihr nicht verurteilt werdet. Sprecht frei und ihr werdet freigesprochen! 

 

Gebt und Gott wird euch geben. Was dann in euren Schoß fallen wird, ist wie ein gutes Maß Getreide, voll gedrückt, gerüttelt, überfließend! Denn mit dem Maß, mit dem ihr messt, wird Gott euch im Gegenzug abmessen. 

 

Lk 6,27-38

Bibel in gerechter Sprache

 

Vergelt´s Gott

 

Die christliche Formulierung für „Danke“, auch wenn sie heute nur noch selten verwendet wird, ist „Vergelt's Gott“. Sie fällt mir ein, wenn ich diese wohlsortierte Sammlung von Sprüchen aus dem Lukasevangelium lese. Geben, ohne eine Gegenleistung zu erwarten, das heisst auf der anderen Seite ja auch, Nehmen dürfen ohne Gegenleistung, nur mit einem dankenden „vergelt's Gott“. Gott ordnet unser Geben und Nehmen ein, unsere ganze zwischenmenschliche Interaktion. Das ist die Klammer um alle diese einzelnen Sprüche, zu denen wie nebenbei auch die goldene Regel gehört: „Wie ihr wollt, dass euch die Leute tun, so sollt auch ihr ihnen tun.“

 

Und die Feindesliebe? Wenn mir jemand den Mantel raubt, soll ich ihm auch noch das Hemd drauflegen – und „vergelt's Gott“ sagen? Wenn mich einer schlägt, die andere Wange hinhalten - und wenn er nicht zurückschlägt, sage ich „danke für gar nichts“? Vielleicht ist so ein „vergelt's Gott“ tatsächlich besser als mich auf einen Kampf einzulassen, bei dem ich doch nur verlieren kann. Es ist nicht vergessen, aber es übersteigt meine Macht, Gott ordnet ein. Wir, die Jüngerinnen und Jünger Jesu, sollen auch angesichts von Gewalt lieben und Gutes tun, nicht richten und verurteilen, denn so werden wir „Söhne und Töchter des Höchsten“.

 

Die grosse Gefahr dieser Argumentation ist die Relativierung. Wir sollen alles hinnehmen und Gott vergilt es irgendwann? Soll ich etwa auch die Missbrauchstäter und Vertuscher nicht verurteilen, nur für sie beten, und wissen, dass Gott einordnet? Das ist mir zu wenig. Auch unsere heutige Bibelstelle weiss sehrwohl, dass es Unrecht gibt, dass es die gibt, die Unrecht tun – und dass wir als die Jüngerinnen und Jünger Jesu uns von denen unterscheiden sollen, die Unrecht tun! Ausserdem gibt es da den unscheinbaren kleinen Spruch: „Habt Mitleid, wie auch Gott mit euch leidet.“ Mitleid gilt immer den Opfern, also denen, die sich nicht wehren können. Mit ihnen leidet Gott. Für solche Menschen setzt sich Jesus ein, in vielen biblischen Begebenheiten, nicht mit dem Ziel, zu richten und zu verurteilen, sondern mit dem Ziel, zurechtzurücken. Jesus gib den Menschen Respekt, Zuspruch oder Heilung, ohne eine Gegenleistung zu erwarten, zumindest nicht mehr als ein „vergelt's Gott“. Daran sollen wir uns orientieren, wenn wir nicht zurückschlagen, wenn wir nicht so sind wie diejenigen, die Unrecht tun. Vielleicht ändert sich – ändern wir - so die Gesellschaft.

 

Auch der letzte Spruch - „Gebt und Gott wird euch geben“ - ist nicht unbedingt auf das Jenseits gemünzt. Das gute Mass, die gerechte Fülle, soll uns schon in dieser Welt in den Schoss fallen, wenn wir nach Jesu Vorschlägen handeln, wenn wir mit Gottvertrauen die Gesellschaft verändert. 

 

Ihnen allen, die Sie daran mithelfen, ein herzliches „vergelt's Gott“ und einen schönen Sonntag!

Tobias Grimbacher

 

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1. März 2022 mit  Pierre Stutz, spiritueller Autor

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22. März 2022 mit Prof. Dr. Wolfgang Beck, Pastoraltheologe

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Auferstehung: Was ist das eigentlich?

Wenn verkündigt wird, dass der Messias von den Toten aufgestanden ist, wie ist es dann möglich, dass einige von euch sagen: Es gibt keine Auferstehung der Toten? Wenn die Toten nicht aufstehen, so ist auch Christus nicht aufgestanden. Ist aber der Messias nicht aufgestanden, ist euer Vertrauen sinnlos und ihr seid noch in euren Sünden. Verloren sind dann auch die, die im Vertrauen auf den Messias gestorben sind. Wenn wir nur in der sichtbaren Lebenswirklichkeit auf Christus vertrauen, sind wir die armseligsten unter allen Menschen. Jetzt aber ist der Messias von den Toten aufgeweckt worden – als Beginn des Lebens für die Verstorbenen. 

 

1.Kor 15,12.16-20 Bibel in gerechter Sprache

 

Auferstehung: Was ist das eigentlich?

 

Jesus ist leibhaftig von den Toten auferstanden – wer glaubt denn so was noch? Keine 20 Prozent der Deutschen stimmen dieser Aussage zu, bei den katholischen Befragten sind es gerade mal 28 Prozent, bei den evangelischen 23 Prozent (Umfrage 2019). Frage: Ist unser Vertrauen sinnlos und sind wir noch in unseren Sünden, wie Paulus meint? Oder haben wir vielleicht nur eine verengte Vorstellung von dem, was Auferstehung meint? 



Vielleicht ist euch aufgefallen, dass es im Text oben heißt: Der Messias ist von den Toten aufgestanden – nicht auferstanden, wie wir es doch gewohnt sind. Er ist von den Toten aufgeweckt worden. Aufwecken, aufstehen: Das sind alltägliche Begriffe, gar nicht theologisch überfrachtet. Ja, aufwecken, aufstehen geschieht tagtäglich. Geschieht vielleicht Auferstehung der Toten jeden Tag, nicht erst dann, wenn der Mensch gestorben ist? Johannes lässt in seinem Evangelium Jesus sagen: „Ich bin die Auferstehung und das Leben: Alle, die an mich glauben, werden leben, auch wenn sie sterben; und alle, die leben und an mich glauben, werden bis in Ewigkeit nicht sterben“ (Joh 11,25f). Leben, auch wenn wir sterben? Leben und in Ewigkeit nicht sterben? Kommt mir bitte nicht mit der Floskel: Das muss man halt glauben! So nach dem Motto des Fronleichnamsliedes: „Was dem Auge sich entziehet, dem Verstande selbst entfliehet, sieht der feste Glaube ein.“ Mit Karl Rahner, dem großen Theologen des letzten Jahrhunderts, geht es mir um intellektuelle Redlichkeit auch im Glauben.



Fragen wir uns also: Was heißt „sterben“, was meint „tot sein“? Wir verwenden diese Worte auch für Lebende: „Der ist für mich gestorben“ bedeutet: Der hat in meinem Leben keinen Platz mehr, der ist für mich tot. Doch eine Freundschaft kann wieder auf-„leben“. Genauso verwendet Jesus diese Begrifflichkeit im Gleichnis vom verlorenen Sohn, als der Bruder wütend wird, dass „der da“ mit allen Ehren wieder aufgenommen ist: „Dieser, mein Sohn war tot und lebt wieder.“ Ja, er ist auferstanden von den Toten!



„Ich bin die Auferstehung und das Leben.“ Das Bekenntnis der Auferstehung an Ostern wird grundgelegt in den Auferstehungserfahrungen, die Menschen mit diesem Mann aus Nazaret gehabt haben. Er hat Krankheiten geheilt und immer wieder darauf hingewiesen: Dein Glaube hat dir geholfen. Glaube, dieses Ur-Vertrauen, dass Gott an meiner Seite steht. Ein Vertrauen, das mir heute Leben schenkt und Leben gibt über den Tod hinaus. „Der Buchstabe tötet, der Geist aber macht lebendig", schreibt Paulus (2. Kor 3,6). Wer sich sklavisch am Buchstaben festklammert, kann den Sinn des Ganzen nicht verstehen. Übrigens: Paulus bekennt die Auferstehung, ohne die Deutungs-Erzählung vom leeren Grab zu verwenden.



Wir bekennen Jesus, den Christus, den Messias als Erlöser von den Sünden. Auch das geschieht nicht erst durch seinen Tod am Kreuz. Er hat den Menschen vorgelebt, dass die „Sünde“, der Egoismus, das Unrecht, das Verbrechen, also das von Gott und den Menschen Trennende, diese zerstörerische Kraft überwunden werden kann. Gott* hat Jesus, den Christus, von den Toten auferweckt: Gott*, unser Vater und unsere Mutter, hat bestätigt, dass sein Leben richtig und vorbildhaft ist. Und so ist die Auferstehung von den Toten tatsächlich die Basis für den Glauben, der heute wirksam wird: Die befreiende Botschaft vom Reich Gottes zeigt sich in unserem Tun hier und heute, durch unseren Einsatz für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung. Diese Hoffnung trägt uns heute und über den Tod hinaus.

Manchmal feiern wir mitten im Tag ein Fest der Auferstehung.
Manchmal feiern wir mitten im Streit ein Fest der Auferstehung.
Waffen werden umgeschmiedet und ein Friede ist da.
Manchmal feiern wir mitten im Tun ein Fest der Auferstehung.
Sperren werden übersprungen und ein Geist ist da.

(Text Alois Albrecht, 1974)

Magnus Lux

 

Digitaler Thementag 19. Februar 2022

Welche Dienste brauchen wir in der Gemeinde heute und morgen?
> www.wir-sind-kirche.de/thementag2022

Welche Dienste brauchen wir innerhalb einer Gemeinde wirklich? Welche Möglichkeiten gibt es, das umzusetzen? 

Mit Impulsen von Dr. Harald Prinz (Österreich) und Prof'in Dr. Agnes Wuckelt (Deutschland)

 

"Gespräche am Jakobsbrunnen" online

1. März 2022 mit  Pierre Stutz, spiritueller Autor

8. März 2022 mit Magdalena-Klara Pittracher, verantwortlich für die „Weltsynode“ in der Diözese Innsbruck

22. März 2022 mit Prof. Dr. Wolfgang Beck, Pastoraltheologe

29. März 2022 mit Sr. Dr. Katharina Ganz, Generaloberin Oberzell

 

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Wir sind Kirche Online-Andachten interaktiv

Die nächsten Termine jeweils Dienstag 19 Uhr15. Februar 202215. März 202212. April 2022

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Missbrauchte Macht

 

Einmal, als sich viele Leute um ihn scharten, um das Wort Gottes zu hören, stand er am Ufer des Sees Gennesaret. Er sah zwei Boote am Wasser aufgestellt. Die gefischt hatten, waren ausgestiegen und wuschen die Netze. Da stieg er in eines der Boote, das Simon gehörte, und bat ihn, ein wenig vom Land wegzufahren. Nun setzte er sich hin, um die Scharen vom Boot aus zu lehren.

 

Als er zu sprechen aufgehört hatte, sagte er zu Simon: „Fahr zum tiefen Wasser hinaus. Dort werft eure Netze aus, um einen Fang zu machen!“ Simon gab aber zur Antwort: „Meister, wir haben die ganze Nacht über geschuftet und nichts gefangen. Aber ich werfe die Netze aus – auf dein Wort!“ Als sie dies getan hatten, zogen sie eine riesige Menge Fische zusammen, so dass ihre Netze zu zerreißen drohten. Sie winkten ihren Gefährten, sie sollten mit dem anderen Boot kommen, um den Fang gemeinsam zu heben. Sie kamen und füllten beide Boote so voll, bis diese sanken. Als Simon Petrus dies sah, warf er sich vor die Knie Jesu und rief: „Geh fort von mir, Herr, ich habe versagt!“ Ein Schrecken hatte ihn erfasst, ihn und alle, die mit ihm beim Fang der Fische zusammengearbeitet hatten – so auch Jakobus und Johannes, Söhne des Zebedäus, die Fangpartner des Simon waren. Jesus aber sagte zu Simon: „Fürchte dich nicht, von nun an wirst du einer, der Menschen fängt!“ Und sie zogen die Boote aufs trockene Land, ließen alles liegen und folgten ihm nach.

 

Lk 5,1-11 Bibel in gerechter Sprache

 

Missbrauchte Macht

 

Mißbrauchte Macht

Als ich begann, mich mit dem obenstehenden Text zu befassen, war ich wieder verblüfft, wie genau er in die derzeitige  Situation paßt. Man könnte diese erste Nachfolge der Jünger Jesu als „Keimzelle“ der Kirche bezeichnen. Jesu beruft und sendet sie, um Menschen zu „fischen“, um mit ihnen das „Reich Gottes“ zu bauen. Jesus war für sie so überzeugend, so glaubwürdig, dass sie alles liegen ließen und ihm nachfolgen. Sie folgten ihm in die Ungewissheit, in das Risiko und die Besitzlosigkeit. Als er von ihnen Abschied nimmt, zeigt er ihnen auch die Struktur dieses Reiches: Das Einander-dienen, das er mit der Fußwaschung demonstriert, die gegenseitige Liebe und Achtung, die im Mahlhalten zum Ausdruck kommt, das Dasein für die, die am Rande stehen, für die Schwächsten, die der Hilfe bedürfen, der absolute Verzicht auf Macht – die Zurechtweisung der Zebedäussöhne – und Besitz,wie er in der Erzählung vom reichen Jüngling zum Ausdruck kommt. Als Jesus vor dem Beginn seines öffentlichen Wirkens in der Wüste vom Teufel versucht wird, zeigt sich sein Verhältnis zu Macht: er widersteht allen seinen Machtangeboten und unterwirft sich auch nicht seiner Macht.Und immer wieder macht er seinen Jüngern deutlich, dass Macht nicht zum Reich Gottes paßt. Und er ist für diese Überzeugung in den Tod gegangen. Ich denke, er hätte in der damaligen aufgeheizten Situation einen Volksaufstand der Juden gegen die Römer initiieren und sich zum Helden oder Martyrer machen können. Aber sein Führungsbild ist ein anderes: das des Hirten, der das verlorene Schaf sucht und nicht das des Herrschers, der von seinen Untertanen Gehorsam und Opfer verlangt.

 

Und die ersten Gemeinden sind wohl auch   diesem Ideal gefolgt. Der erste Dienst, den es gab, war der der Diakonin, des Diakons: also eine dienende Gemeinschaft. "Wer unter euch groß sein will, werde euer Diener"(Mt 20).  Aber diesen Weg hat die Kirche im Laufe der Geschichte verlassen und ist der Verführung "Macht" zum Opfer gefallen, deren Mißbrauch nun offenbar geworden ist. Mit tiefer Trauer und Entsetzen stehen wir in diesen Tagen vor dem Scherbenhaufen dieser Kirche. "Ein Desaster" nennt es Kardinal Marx.

 

Viele Katholikinnen und Katholiken überlegen, ob sie aus der Kirche austreten. Dagegen spricht für viele, dass sie auch viel Beglückendes in der Kirche erlebt, dass sie Beistand und Hilfe erfahren haben und dass sie Menschen begegnet sind, die ihnen Wegweiser wurden. Dort, wo Gemeinschaft erfahrbar war, wo es nicht um Macht, sondern  um gegenseitige Wertschätzung ging, da war "Reich Gottes" . Vielleicht sollten wir diese positiven Erfahrungen nutzen, um eine neue und andere Kirche zu bauen, wo Menschen in kleinen Gruppen Leben und Glauben miteinander teilen, Gottesdienste miteinander feiern und keinen Priester mehr dazu brauchen. Das Versprechen Jesu lautet:" Wo zwei oder drei in meinem Namen beisammen sind, da bin ich mitten unter ihnen". Denn: Wir sind Kirche!

 

Einen schönen Sonntag wünsche ich Ihnen!

Eva- Maria Kiklas




Wir sind Kirche "Gespräche am Jakobsbrunnen" online

8. Februar 2022, 19:00 Uhr  - Rosi Mittermeier, Initiative Sauerteig - Garching; 

Eine Gemeinde und die Folgen sexualisierte Gewalt

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15. Februar 2022
15. März 2022
12. April 2022
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Ohne Liebe - Es geschah „in verbreiteter Unkenntnis“!?

Wenn ich wie ein Mensch rede oder wie ein Engel und bin ohne Liebe, 
bin ich ein schepperndes Blech und eine gellende Zimbel. 
Und wenn ich die Gabe habe, die Zeichen der Zeit zu deuten, 
und alles Verborgene weiß und alle Erkenntnis habe und alles Vertrauen, 
so dass ich Berge versetzen kann, und bin ohne Liebe, 
dann bin ich nichts.
Und wenn ich alles, was ich kann und habe, für andere aufwende 
und mein Leben aufs Spiel setze selbst unter der Gefahr, 
auf dem Scheiterhaufen zu enden, und bin ohne Liebe, 
hat alles keinen Sinn. 
Die Liebe hat einen langen Atem und sie ist zuverlässig, 
sie ist nicht eifersüchtig, sie spielt sich nicht auf, 
um andere zu beherrschen. 
Sie handelt nicht respektlos anderen gegenüber 
und sie ist nicht egoistisch, 
sie wird nicht jähzornig und nachtragend. 
Wo Unrecht geschieht, freut sie sich nicht, 
vielmehr freut sie sich mit anderen an der Wahrheit. 
Sie ist fähig zu schweigen und zu vertrauen, 
sie hofft mit Ausdauer und Widerstandskraft. 
Die Liebe gibt niemals auf. 
Prophetische Gaben werden aufhören, 
geistgewirktes Reden wird zu Ende gehen, 
Erkenntnis wird ein Ende finden. 
Wir erkennen nur Bruchstücke, 
und unsere Fähigkeit, Zusammenhänge zu erkennen, ist begrenzt. 
Wenn aber die Vollkommenheit kommt, 
dann hört die Zerrissenheit auf. 
Als ich ein Kind war, redete und dachte ich wie ein Kind 
und war klug wie ein Kind. 
Als ich erwachsen wurde, ließ ich zurück, was kindlich war. 
Wir sehen vorläufig nur ein rätselhaftes Spiegelbild, 
dann aber von Angesicht zu Angesicht. 
Heute erkenne ich bruchstückhaft, 
dann aber werde ich erkennen, 
wie ich von Gott erkannt worden bin. 
Jetzt aber leben wir mit Vertrauen, Hoffnung und Liebe, 
diesen drei Geschenken. 
Und die größte Kraft von diesen dreien ist die Liebe.

1 Kor 13  Bibel in gerechter Sprache

 

Ohne Liebe -  Es geschah „in verbreiteter Unkenntnis“!?

 

Die missbrauchte Ex-Nonne (Das Werk) Doris Reisinger/Wagner, preiswürdig mutige Aufklärerin, nennt den amerikanischen Dominikaner-Pater Thomas Doyle „Held der ersten Stunde“ (ZEIT, 13.5.2021). 1944 geboren in einer irisch-stämmigen Familie, trat er 1964 in den Orden ein. Doyle erfasste bereits 1984 (!) das Ausmaß des Missbrauchsskandals in den USA. Er war jemand, der seine Kirche liebte und deshalb nicht schweigen konnte. Ein enormer Missbrauchsskandal sickerte an die Öffentlichkeit. „Viele Bischöfe in den USA versetzten seit Jahren Priester, die Kinder missbraucht hatten, stillschweigend von einer Pfarrei in die nächste, regelten Anzeigen außergerichtlich und nötigten die Familien zu schweigen, um Gerichtsverfahren und schlechte Presse zu vermeiden.“

 

Um die überforderten Würdenträger auf die unausweichliche Krise vorzubereiten, schrieb Doyle 1984/85 ein Handbuch und „stellte klar, dass Pädophilie nicht heilbar war, dass beschuldigte Priester nicht weiterversetzt werden durften, sondern unmittelbar suspendiert werden sollten, dass die Vernichtung von Akten strafbar sei und dass die oberste Priorität die Sorge um die Betroffenen sein musste.“ 

 

Sein Vorstoß zur Aufklärung wurde (wie der später von Bischof Robinson/Australien) abgefangen und ausgebremst von der Hierarchie. Wie viele Aufklärer, die Opfer ernst nehmen, musste er bestürzt erleben, „dass Bischöfe Missbrauchsopfer wie Feinde der Kirche behandelten, gegen die sie ihre Anwälte in Stellung brachten, um jedes noch so kleine Eingeständnis von Schuld zu verhindern und um jeden Dollar Entschädigung zu feilschen.“ Auf der Anklageliste stand damals übrigens auch: Papst Benedikt XVI.

 

Heute ist Pater Thomas Doyle 77 Jahre alt. Auch wenn einzelne Bischöfe sich geändert und richtig gehandelt hätten, verhalte sich die Hierarchie im Großen und Ganzen „heute genauso wie 1985", resümiert Doyle. Kirche als Tatort. Diese Krise führt die katholische Kirche an ihre Schmerzgrenzen: Gewalt gegen Kinder und Nonnen ist routinemäßig in Kauf genommen worden. Neben der Täterlobby spielt die Verstrickung vieler Normalgläubigen eine Rolle, in deren Vorstellungsbereich es unmöglich schien, dass „Geweihte“ solche Verbrechen begehen könnten und/oder – es nicht sehen wollten. Hand aufs Herz: Wie würde denn eine katholische Gemeinde reagieren, wenn Opfer das Schweigegebot durchbrechen und mit der Wahrheit herausrücken würden…

 

Die katholische Kirche steht als moralische Ruine da. Schadenfreude ist fehl am Platz. Entsetzen wohl. Selbst angeblich „Unfehlbare in Glaubens- und Sittenfragen“ und „Mitarbeiter der Wahrheit“ haben sich im Namen der Verteidigung des eigenen Ladens einer monströsen Vertuschungspraxis schuldig gemacht. Bevor man von „Selbstreinigung“ (Kardinal Wetter) und Wiedergewinn von Glaubwürdigkeit faselt, muss radikal Aufklärung und angemessen Entschädigung geleistet werden. Denn Opfer trifft schon gar keine Schuld. Sich auf „verbreitete Unkenntnis“ (Kardinal Wetter) hinauszureden, versäumt die Frage, wer denn Kenntnis verweigert und Unkenntnis verbreitet hat. 

 

Die österreichische und deutsche Reformgruppe „Wir sind Kirche“ entstand 1995, auch aus Empörung über den Missbrauch eines Kardinal Groer. Der Münchner Kardinal Marx hat nachweislich 2011/12 dafür gesorgt, dass beim Forschungsvorhaben (Ergebnis 2018 MHG-Studie) keine Transparenz zur Praxis der einzelnen Diözesen möglich wurde. Fehler einzuräumen reicht da nicht mehr. Kirchensystemische Ursachen sind zur Korrektur überfällig. Tiefgreifende Fehlentwicklungen gehören auf den Prüfstand: Klerikalismus, Überlegenheitskomplex, Machtmissbrauch, magische Praktiken, Amtsausschluss von Frauen, Angst vor der Moderne… 

 

Der Staat ist endlich in der Pflicht, zum Schutz der Opfer Maßnahmen zu ergreifen.

Was tun? Um zu heilen, müssten Christen radikal auf die hierarchiekritische, ganz und gar menschenfreundliche Botschaft Jesu zurückgreifen. Höchste Zeit, betont Doris Reisinger/Wagner aus Erfahrung und mit Scharfsinn, „die spirituelle Selbstbestimmung“ in den Vordergrund zu stellen! 

Zum Glück beruhte mein Glauben niemals auf dem Verhalten von Päpsten seit Petrus…

 

27.1.2022 

Günther M. Doliwa, Theologe, 2016-21 im Bundesteam von Wir sind Kirche Deutschland

 

Wir sind Kirche "Gespräche am Jakobsbrunnen" online

1. Februar 2022 19:00 Uhr

mit Maria Mesrian, Theologin, Maria 2.0 Köln

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Die nächsten Termine jeweils Dienstag 19 Uhr

15. Februar 2022
15. März 2022
12. April 2022
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Heute

 

Jesus kehrte, erfüllt von der Kraft des Geistes, nach Galiläa zurück. Und die Kunde von ihm verbreitete sich in der ganzen Gegend. Er lehrte in den Synagogen und wurde von allen gepriesen.

So kam er auch nach Nazaret, wo er aufgewachsen war, und ging, wie gewohnt, am Sabbat in die Synagoge. Als er aufstand, um vorzulesen, reichte man ihm die Buchrolle des Propheten Jesaja. Er öffnete sie und fand die Stelle, wo geschrieben steht: 

Der Geist des Herrn ruht auf mir; denn er hat mich gesalbt. 
Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine frohe Botschaft bringe; 
damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde 
und den Blinden das Augenlicht; 
damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setze 
und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe. 

 

Dann schloss er die Buchrolle, gab sie dem Synagogendiener und setzte sich. Die Augen aller in der Synagoge waren auf ihn gerichtet. Da begann er, ihnen darzulegen: Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt

 

Lk 4,14-21 Einheitsübersetzung

Heute!

 

„Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt.“ Jesus sagt nicht „jetzt hat es sich erfüllt“ sondern „heute“! Jetzt ist ein dehnbares Wort; Jetzt ist immer gültig! Wie jetzt? Sofort jetzt? Morgen ist auch noch Jetzt! Nehmen wir das nächste Jetzt! Oder besser erst das übernächste!

Heute ist Heute! Eine begrenzte Zeitspanne von genau 24 Stunden! Jesus liest seiner Heimatgemeinde einen alten Text vor, einen Text von vorgestern, einen Text der etwas in Zukunft verheißt! Morgen oder Übermorgen, nächstes Jahr oder irgendwann, keiner weiß es genau, oder? Doch einer weiß, sagt er jedenfalls, der junge Kerl von Nebenan, Jesus. Und der sagt „Heute“!
Wer sich in der Bibel auskennt, weiß wie es weitergeht in Lukas Überlieferung! Seine lieben Nachbarn wollten ihn den Abhang runterstürzen! Einer von uns, ist und bleibt einer von uns und darf nicht einfach behaupten etwas, oder besser, jemand Besonderes zu sein! Ein NO GO!

Jesus tritt vor ein Publikum und erwartet, dass es bestimmtes erwartet, Erfüllung der Schriften erwartet! Warum sollte es sich sonst in der Synagoge versammeln? Ja sicher, erwarten was die Schriften verheißen, ja sicher, da sind wir dabei! Aber doch nicht so und nicht ausgerechnet Heute! Also wirklich!

Heute, 20.01.2021, kam die Missbrauchsstudie ans Licht. Heute! Heute wird deutlich, dass die Kirche in ihrem Führungsapparat geradezu mafiöse Strukturen hat, dass dieses Führungspersonal, das von uns „Schäfchen“ per Kirchenrecht nicht weniger als blinden Gehorsam erwartet, nicht einmal moralische Mindeststandarts eingehalten hat. Heute ist das ans Licht gekommen! Unübersehbar!

Heute habe ich auch entschieden, per Excelliste, wann ich im diesem Jahresverlauf den Sonntagsbrief verfassen will! An meinem nächsten Sonntag wird Jesus fragen: "Kann etwa ein Blinder einen Blinden führen? Werden nicht beide in eine Grube fallen?"


Ein nachdenklichen Sonntag in die ganze Runde wünsche ich
Johannes Brinkmann / Essen

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Die nächsten Termine jeweils Dienstag 19 Uhr


25. Januar 2022 mit Dr. Claudia Lücking-Michel, ZdK-Mitglied und Synoldaer Weg 

1. Februar 2022 mit Maria Mesrian, Theologin, Maria 2.0 Köln

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15. Februar 2022
15. März 2022
12. April 2022
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Zum Nutzen für alle

Es gibt zwar verschiedene Gaben, aber es ist immer derselbe Geist. Es gibt verschiedene Aufgaben, aber es ist immer derselbe Herr. Es gibt verschiedene Kräfte, aber es ist immer derselbe Gott. Er bewirkt das alles in allen Menschen. Das Wirken des Geistes zeigt sich bei jedem auf eine andere Weise. Es geht aber immer um den Nutzen für alle. 

Der eine ist durch den Geist in der Lage, mit Weisheit zu reden. Ein anderer kann Einsicht vermitteln – durch denselben Geist! Einem Dritten wird durch denselben Geist ein besonders starker Glauben gegeben.Wieder ein anderer hat durch den einen Geist die Gabe zu heilen. Ein anderer hat die Fähigkeit, Wunder zu tun. Ein anderer kann als Prophet reden. Und wieder ein anderer kann die Geister unterscheiden. Der Nächste redet in verschiedenen unbekannten Sprachen, ein weiterer kann diese Sprachen deuten. Aber das alles bewirkt ein und derselbe Geist. Er teilt jedem eine Fähigkeit zu, ganz so, wie er es will. 

 1Kor 12,4-11 Basisbibel 

 

Zum Nutzen für alle

 

In der Gemeinde in Korinth tobt das Leben und somit auch Uneinigkeit und Streit. Paulus erfuhr dies durch eine kleine Gesandtschaft und schreibt eine Art Gardinenpredigt. Aus den unterschiedlichen Themen des Briefes können wir auf die Schwierigkeiten in der Gemeinde, einer Hausgemeinde, schließen. Wie groß die Gemeinde war, wissen wir nicht, vielleicht 30 – 40 Personen, bestehend aus der Familie inklusive Sklavinnen und Sklaven, womöglich noch einigen Personen im Umfeld des Hausherren; auf jeden Fall groß genug, um sich zu streiten. Offensichtlich gab es noch keine festen Regeln, wie etwas zu funktionieren hatte. Die Abkehr von bisherigen Gepflogenheiten, seien sie jüdischer oder paganer Art, die Konsequenzen des Gebotes der Nächstenliebe im Verhältnis von Mann und Frau oder von Herrschaft und Untergebenen waren schwer umzusetzen.

 

Insbesondere, und da wird Paulus sehr ausführlich, die Pflege der gottesdienstlichen Gemeinschaft und des Herrenmahles stellte wohl eine Herausforderung dar. Vor dem Hintergrund des starken sozialen Gefälles innerhalb der Gemeinde: „ Das Wirken des Geistes zeigt sich bei jedem auf eine andere Weise. Es geht aber immer um den Nutzen für alle.“ müssen wir uns vorstellen, was das bedeutete. Zwar heißt es im gleichen Brief „Frauen sollen in der Gemeindeversammlung schweigen. Ihnen ist es nicht erlaubt, dort zu sprechen.Vielmehr sollen sie sich unterordnen, wie es das Gesetz vorschreibt.“, (1Kor 14, 34) doch das widerspricht der Feststellung des Autors einige Kapitel vorher: „Doch vor dem Herrn gilt: Es gibt die Frau nicht ohne den Mann und den Mann nicht ohne die Frau. Denn die Frau ist aus dem Mann geschaffen, doch der Mann wird von der Frau geboren. Aber alles kommt von Gott her. (1 Kor, 11, 11). So gehen Bibelforscher davon aus, dass die Schweigeverordnung später hinein gemogelt wurde. - Für mich ist klar: im Gottesdienst - „vor dem Herrn“ - gab es keine Benachteiligung oder Unterdrückung von Frauen. - Doch das Schweigegebot für Frauen hat seine Auswirkungen bis heute. Das ist das Eine.

 

Das Andere: Zum Leben der Gemeinde und zum Gottesdienst gehörte die Beteiligung der Gemeindeglieder, jeder, jede ist begabt. „Aber das alles bewirkt ein und derselbe Geist. Er teilt jedem eine Fähigkeit zu, ganz so, wie er es will.“ - Auch im Brief, den Paulus etwa fünf Jahre später an die Christinnen und Christen in Rom schreibt, ermutigt er die Gemeindeglieder sich in den Dienst der Gemeinde zu stellen: „Wenn jemand die Gabe hat, als Prophet zu reden,soll er das in Übereinstimmung mit dem Glauben tun. Wenn jemand die Gabe hat, Aufgaben in der Gemeinde zu übernehmen, soll er ihr diesen Dienst tun.Wenn jemand die Gabe hat zu lehren, soll er als Lehrer wirken. Wenn jemand die Gabe hat zu ermutigen, soll er Mut machen.Wer etwas gibt, soll das ohne Hintergedanken tun. Wer für die Gemeinde sorgt, soll es mit Hingabe tun.Wer sich um die Notleidenden kümmert, soll Freude daran haben. (Röm 12, 6-8) 

 

Ich frage mich oft, und angesichts dieser Passagen bei Paulus auch heute wieder, ob wir die Priesterkirche, die sich innerhalb vieler Jahrhunderte entwickelt und verfestigt hat und die wir heute noch erleben, wirklich brauchen. Struktur und Ordnung ist wichtig, das hat auch Paulus so gesehen. Aber brauchen wir heute wirklich noch eine hierarchische Struktur, in der die Letztverantwortung für alles beim Priester liegt? Es ist höchste Zeit, dass wir als Söhne und Töchter, Erben und Erbinnen des lebendigen Gottes die Gaben, die uns gegeben sind, entwickeln und einsetzen. Und es ist höchste Zeit, dass wir uns dazu gegenseitig ermutigen und Raum geben. Zum Nutzen für alle.

 

Sigrid Grabmeier



Liebe Leser und Leserinnen der Sonntagsbriefe, 

seit nunmehr sieben Jahren gibt es das Format der Sonntagsbriefe. Circa 10 bis 12 Autorinnen und Autoren schreiben mehrmals im Jahr einen Text zu einem oder mehreren der Sonntagstexte. Die meisten sind von Anfang an dabei, einige sind im Laufe der Zeit ein- oder auch ausgestiegen. Die wenigsten von uns haben ein Theologiestudium absolviert, was uns bewegt, ist die Freude daran, eigene Gedanken zu Bibel und Kirche mit anderen zu teilen. Wir freuen uns über Rückmeldungen und versuchen auch, diese zu beantworten. - Der heutige Text legt nahe, dass wir in unserem Leser- und Leserinnenkreis einmal nachfragen, wer von Ihnen auch bereit wäre, in unserer Schreibwerkstatt mitzumachen und ebenfalls den einen oder anderen Sonntagsbrief zu verfassen. Bei Interesse melden Sie sich doch unter: grabmeier@wir-sind-kirche.de

 

Wir sind Kirche "Gespräche am Jakobsbrunnen" online
Die nächsten Termine jeweils Dienstag 19 Uhr
25. Januar 2022 mit Dr. Claudia Lücking-Michel, ZdK-Mitglied und Synoldaer Weg 
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Die nächsten Termine jeweils Dienstag 19 Uhr
18. Januar 2022 
15. Februar 2022
15. März 2022
12. April 2022
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Geistesblitz

Petrus begann zu sprechen und sagte: „Wahrhaftig, jetzt begreife ich, dass Gott nicht parteilich ist. Vielmehr sind Gott in jedem Volk diejenigen recht, die Gott achten und rechtschaffen handeln. Das ist die Botschaft, die dem Volk Israel gesandt wurde, als Gott durch Jesus, den Gesalbten, der Macht hat über alle, Frieden verkünden ließ. Ihr wisst, was sich in ganz Judäa herumgesprochen hat: Begonnen hat Jesus aus Nazaret in Galiläa nach der Taufe, die Johannes verkündigte, als Gott ihn mit heiliger Geistkraft und Macht wie mit Salböl übergoss. Da zog er umher, tat Gutes und heilte alle, die vom Teufel unterjocht wurden, weil Gott mit ihm war.“ 

 

Apg 10, 34-38 Bibel in gerechter Sprache

 

Geistesblitz

 

Petrus ist zu Gast bei dem römischen Centurio Kornelius in Caesarea, „fromm und gottesfürchtig mit seinem ganzen Haus, erwies dem jüdischen Volk viele Wohltaten und betete immer nur zu Gott.“ Dieser hatte ihn nach einer Botschaft eines Engels zu sich rufen lassen, damit er zu ihm und seiner Familie sprechen könne. In der Mittagszeit hatte sich Petrus auf das Dache eines Hauses zum Gebet begeben, hungrig wie er war hatte auch er eine Vision: „Er sah den Himmel geöffnet und ein Behältnis, einem großen Leintuch gleich, herabkommen, das an seinen vier Zipfeln zur Erde herabgelassen wurde. In ihm waren alle Vierfüßler und Kriechtiere der Erde und die Vögel des Himmels und eine Stimme erging an ihn: „Auf, Petrus, schlachte und iss!“ Petrus sagte: „Auf keinen Fall, Herr! Habe ich doch noch nie irgendetwas gegessen, was vor Gott als abscheulich und unrein gilt.“ Aber die Stimme richtete sich wiederum an ihn: „Was Gott für rein erklärt hat, erkläre du nicht für abscheulich!“ Das geschah dreimal und sogleich wurde das Behältnis in den Himmel hinaufgenommen.“ - Noch von dieser himmlischen Botschaft bewegt, hatte Petrus sich also von Joppe aus (heute Jaffa bei Tel Aviv) etwa zwei Tagesreisen weit nach Caesarea (heute Kaiserea) aufgemacht. Und da ereilt ihn nun dieser Geistesblitz.

 

Petrus, Kephas, der Fels, wie Jesus ihn bei seiner ersten Begegnung nannte (Joh 1,42) erwies sich immer wieder als recht bröselig. Gerade dieser Petrus, auf dem Jesus der römisch-katholischen Überlieferung nach seine Kirche gründete, erfuhr in seinem Leben tiefgreifende Erschütterungen. Einmal musste er sich gar anhören: „Weiche von mir Satan.“ (Mt 16, 23) Und gerade in der Nacht, als Jesus dem Hohen Rat vorgeführt wurde, da verleugnete er diesen drei Mal. Um so wertvoller seine Erkenntnis: „Wahrhaftig, jetzt begreife ich, dass Gott nicht parteilich ist. Vielmehr sind Gott in jedem Volk diejenigen recht, die Gott achten und rechtschaffen handeln.“

 

Die römisch-katholische Kirche, die sich so gerne auf diesem bröseligen Felsen gegründet sehen möchte, bröselt selbst erheblich. Es bröselt nicht mehr nur das Ansehen, nein, es bröselt die Substanz. Und mit Substanz meine ich nicht die Riten, Liturgien, Dogmen, Traditionen. Mit Substanz meine ich: „Gott sind in jedem Volk diejenigen recht, die Gott achten und rechtschaffen handeln. Das ist die Botschaft, die dem Volk Israel gesandt wurde, als Gott durch Jesus, den Gesalbten, der Macht hat über alle, Frieden verkünden ließ.“ Denn immer mehr von diesen wenden sich von dem System „römisch-katholische Kirche“ ab.

 

Und allen Bekenntnissen zum Trotz, dass sich etwas ändern müsse: außer weiterem Substanzverlust ändert sich nichts. - Anders als bei Petrus. Der hatte nach seinem Geistesblitz das Ruder umgelegt, er blieb nicht in Israel. Er dachte radikal um. Er machte sich auf zu neuen Ufern. Er wurde Menschenfischer. 

 

Wann legt das System, die Amtskirche, endlich das Ruder herum? Ist auf Geistesblitze überhaupt noch zu hoffen?

 

Sigrid Grabmeier

Kommunikation und Kreativität

Im Anfang war das Wort
und das Wort war bei Gott
und das Wort war Gott.
Dieses war im Anfang bei Gott.

Alles ist durch das Wort geworden
und ohne es wurde nichts, was geworden ist.
In ihm war Leben und
das Leben war das Licht der Menschen.
Und das Licht leuchtet in der Finsternis
und die Finsternis hat es nicht erfasst.

Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet,
kam in die Welt.
Er war in der Welt
und die Welt ist durch ihn geworden,
aber die Welt erkannte ihn nicht.
Er kam in sein Eigentum,
aber die Seinen nahmen ihn nicht auf.
Allen aber, die ihn aufnahmen,
gab er Macht, Kinder Gottes zu werden,
allen, die an seinen Namen glauben,
die nicht aus dem Blut,
nicht aus dem Willen des Fleisches,
nicht aus dem Willen des Mannes,
sondern aus Gott geboren sind.
Und das Wort ist Fleisch geworden
und hat unter uns gewohnt
und wir haben seine Herrlichkeit geschaut,
die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater,
voll Gnade und Wahrheit.

Joh 1,1-5; 9-14 Einheitsübersetzung

 

Kommunikation und Kreativität.

 

„Im Anfang“ so beginnt ja auch das erste Buch der Bibel, die Genesis. Ganz bewusst stellt Johannes an den Beginn seines Buches über die Botschaft Jesu. Damit ist ein Bezug gesetzt, der den Anspruch erhebt: Hier wird die Bibel weitergeschrieben. Im Hebräischen bedeutet das Wort „Wort“ nicht nur „Wort“ . Es bedeutet auch „Tat.“ Das Wort ist also nicht nur das Gesprochene, es beinhaltet auch zugleich die Wirkung des Wortes. Und so knüpft diese Aussage noch weiter an das erste Buch an: „Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde“ - durch das Wort. Johannes tastet sich in den ersten zweiundzwanzig Worten an das Wesen der Gottheit heran: Kommunikation und Kreativität. 

 

Seit 1991 wird in Deutschland im Januar das „Unwort des Jahres“ aus dem Vorjahr gewählt. In den letzten Jahren waren das: Corona-Diktatur und Rückführungspatenschaften (2020), Klimahysterie (2019), Antiabschiebeindustrie (2018), Gutmensch (2015), Lügenpresse (2014) oder Sozialtourismus (2013). - Die Auswahl macht deutlich, was Unworte des Jahres besonders auszeichnet: Sie diskreditieren, die diskriminieren, sie verharmlosen oder machen Menschen oder Situationen lächerlich. Diese Unworte bleiben keine Worte, auch sie werden zu Taten, aber sie setzen nicht auf Kommunikation sonder auf Beleidigung, auf Verhetzung und falsche Darstellung, sie haben nicht das Ziel etwas zu erschaffen, sondern zu zerstören.

 

Die Gottheit, die Johannes uns vor Augen stellt, ist anders. Wir wissen nicht genau wie, aber sie hat den Menschen das Wort geschenkt und die Fähigkeit zu schaffen. Das Göttliche ist in unserem Leben verwirklicht. Ein Grund mehr, darauf zu achten, was wir mit unseren Worten und Taten bewirken.

 

 

Sigrid Grabmeier

Neujahr - Erfüllen lassen

Aber als die Zeit gekommen war, sandte Gott seinen Sohn.

Er wurde von einer Frau geboren und war dem Gesetz unterstellt. 

Dadurch wollte Gott alle freikaufen, die dem Gesetz unterworfen waren.

Auf diese Weise wollte Gott uns als seine Kinder annehmen.

Weil ihr nun seine Kinder seid, hat Gott den Geist seines Sohnes in unsere Herzen gesandt. 

Der ruft: »Abba, Vater«!

Du bist also kein Sklave mehr, sondern ein mündiges Kind.

Wenn du aber Kind bist, dann bist du auch Erbe. Dazu hat Gott dich bestimmt.

Gal 4,4-7 Basisbibel

 



Der Beginn des Neuen Jahres: den Rückblick haben wir hinter uns. Oder auch nicht, Denn Erinnerungen kennen keine Jahresgrenzen. Sie sind immer da, manchmal verborgen, manchmal ans Licht geholt durch Bilder, Töne, Gerüche, Worte, Gesten. Manchmal rufen sie schöne Gefühle hervor, manchmal traurige, bedrückende, vielleicht rufen sie alte Ängste, alte Wut hervor. Und trotzdem, rückwärts ist nicht alles. Vorwärts auch nicht. Manchmal wäre das hier und jetzt gerade das wichtigste. 

Und jetzt ist gerade Heute. Der Tag an dem wir uns ein gesundes, gesünderes, gutes, besseres, neues, neueres... Jahr wünschen. Wir haben Hoffnungen, Wünsche, Sehnsüchte. Bei Texten wie dem der heutigen zweiten Lesung überlege ich mir, ob Gott auch Wünsche, Hoffnungen, Sehnsüchte hat. Das Bild das Paulus verwendet, das der mündigen Kindschaft, legt dies nahe. Was sind die Erwartungen, die Hoffnungen, die Gott in uns Menschen setzt? 

Treffende Worte hat Charlie Chaplin gefunden, die er dem kleinen jüdischen Friseur in dem Film „Der große Diktator“ in den Mund legte: 

„Jeder Mensch sollte dem anderen helfen, nur so verbessern wir die Welt. Wir sollten am Glück des andern teilhaben und nicht einander verabscheuen. Hass und Verachtung bringen uns niemals näher. Auf dieser Welt ist Patz genug für jeden, und Mutter Erde ist reich genug, um jeden von uns satt zu machen.
Das Leben kann ja so erfreulich und wunderbar sein. Wir müssen es nur wieder zu leben lernen.

Die Habgier hat das Gute im Menschen verschüttet und Missgunst hat die Seelen vergiftet und uns im Paradeschritt zu Verderb und Blutschuld geführt. Wir haben die Geschwindigkeit entwickelt aber innerlich sind wir stehen geblieben. Wir lassen Maschinen für uns arbeiten und sie denken auch für uns.

Die Klugheit hat uns hochmütig werden lassen, und unser Wissen kalt und hart. Wir sprechen zu viel und fühlen zu wenig. Aber zuerst kommt die Menschlichkeit und dann erst die Maschinen. Vor Klugheit und Wissen kommt Toleranz und Güte. Ohne Menschlichkeit und Nächstenliebe ist unser Dasein nicht lebenswert.“

https://www.mitwelt.org/der-grosse-diktator-charlie-chaplin-rede.html
Der große Diktator: Charlie Chaplins große Rede an die Welt 

 

Wollen wir uns aufmachen 

hoffnungvoll

mehr und mehr Mensch werden

uns erfüllen lassen

von der Geistkraft

die auch unseren Bruder Jesus erfüllte

Gott vertrauend

dem Gesetz der Liebe folgen

dem Leben zugewandt,

klug und bescheiden,

tolerant und gütig.

 

So segne uns Gott 

mit Deinem Wohlwollen,

behüte uns und halte Bedrohung, Gefahr und Schaden von uns ab,

hülle uns in Licht, wenn es um uns dunkel wird, 

sei uns zugeneigt, wenn wir nicht weiter wissen.

 

 

Mögen wir das Neue Jahr im Bewusstsein der Liebe Gottes beginnen 

und als Gesegnete den Segen Gottes in die Welt hineinleben.

 

 

Sigrid Grabmeier

Christkönig — die Krone verrutscht…

Verrutschte Krone © Cristy Orzechowski

Liebe Leserinnen und Leser,

mit dem heutigen Sonntagsbrief endet der Versand der Sonntagsbriefe für das Jahr 2021. Am 28. November, dem 1. Adventsonntag, beginnt der Wir sind Kirche Adventskalender. In diesem Jahr liegt der Schwerpunkt auf den Psalmtexten der Adventszeit, in Beziehung gesetzt zu Ereignissen oder Texten der Gegenwart oder jüngeren Vergangenheit. - Wenn Sie den Adventskalender nicht erhalten wollen, dann können Sie bei Erhalt der ersten Sendung sich selbstverständlich abmelden.

mit herzlichen Grüßen zum Ende des Kirchenjahres

Sigrid Grabmeier 

 

 

Heute werden uns drei Texte zur Reflexion angeboten: Johannes 18, 33-37 Evgl; 7. Kapitel Daniel u. Offbg. 1, 5-8  

Nicht alle Texte zitiere ich komplett, doch benutze ich sie in meinem Kommentar.

 

Pilatus ging wieder in das Prätorium hinein, ließ Jesus rufen und fragte ihn: Bist du der König der Juden? Jesus antwortete: Sagst du das von dir aus, oder haben es dir andere über mich gesagt?

Pilatus entgegnete: Bin ich denn ein Jude? Dein eigenes Volk und die Hohenpriester haben dich an mich ausgeliefert. Was hast du getan?

Jesus antwortete: Mein Königtum ist nicht von dieser Welt. Wenn es von dieser Welt wäre, würden meine Leute kämpfen, damit ich den Juden nicht ausgeliefert würde.Aber mein Königtum ist nicht von hier..

Pilatus sagte zu ihm: Also bist du doch ein König? 

Jesus antwortete: Du sagst es, ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, dass ich für die Wahrheit Zeugnis ablege. Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme.

Joh. 18,33-37 Einheitsübersetzung 

 

Daniel berichtet seine Vision von  vier Tieren, die er im Traum aus dem Meer aussteigend gesehen hat. In meinem Kommentar erwähne ich einige davon…

      Beschreibung des vierten Tieres: --

10    Ein Strom von Feuer ging von ihm aus. 

Tausendmal Tausende dienten ihm, zehntausendmal Zehntausende standen vor ihm. Das Gericht nahm Platz, und es wurden Bücher aufgeschlagen.

13    Immer noch hatte ich die nächtlichen Visionen:

Da kam mit den Wolken des Himmels einer wie ein Menschensohn. 

Er gelangte bis zu dem Hochbetagten und wurde vor ihn geführt.

14    Ihm wurden Herrschaft, Würde und Königtum gegeben. 

Daniel 7/, 2a 13b bis 14 Einheitsübersetzung

 

6   Er hat uns zu Königen gemacht und zu Priestern vor Gott, seinem Vater. Ihm sei die Herrlichkeit und die Macht in alle Ewigkeit:-Amen

 Offb. 1,5-8 Einheitsübersetzung

 

Christkönig — die Krone verrutscht…

Grundsätzliches zum Christkönigsfest:

CHRIST-KÖNIG, da sträuben sich mir zunächst die Nackenhaare und Seelen-Antennen…

Doch ist dieser König nur mit den eigenen Worten Jesu sag-und denkbar: 

„MEIN REICH IST NICHT VON DIESER WELT…; nicht mit dieser Art des Machtvollzugs vergleichbar! –Vielmehr bin ich königlich in dem Sinne, dass ich erhaben bin über den Gerechtigkeits-Verstoß u. Lügenvorrat des weltlichen Königtums. Nur in diesen anderen  Kategorien also ist Christkönig zu denken.

 

Er repräsentiert sein Königtum, indem er in die Welten der Lüge, des Zusehens, des Rand-Daseins, der Verwahrlosung und Hauslosigkeit, des Missbrauchs jeder Art - begleitend eintaucht. Dieser „andere König“ macht sich präsent: Wie der „andere Advent“, um uns ermahnend und ermutigend zuzurufen: „Mit solchem eher Un-königlichen Gehabe haben mein Königtum und die Nachfolge meines königlichen Daseins nichts zu tun. Vielmehr gehe ich auf dem Weg voraus, der aus der Löwengrube all dieser Missstände und menschlicher Bedrohungs-Zuständen, herausführt….“

 

Mir ist so, als hörte ich Jesus weitersagen:  „Das Erste was dabei notwendend ist, will ich tun, die Flügel der Macht und des Überfliegers ausreißen; vom Boden emporheben und wie ein Mensch auf zwei Füße stellen, und jedem Menschlichen Wesen auch ein menschliches Herz verleihen, sozusagen wiedergeben…wiederbeleben.

In den vorherigen Löwengruben-Beschreibungen werden verschiedene falsche, sich groß machende Könige beschrieben: – die z.B. zur Gerichtsverhandlungen BÜCHER AUFSCHLAGEN,welche den Menschen erdrücken… umgarnen… würgen… fesseln…

 

Unsere Gesellschaft, unsere Kirche, haben weltirdisches Königtum bestens entwickelt: Wir beugen davor die Knie.Was soll ich da aufzählen? Es wäre Geschwätz vom ewigen Gestern, sozusagen unserem Schmerzgedächtnis aus der Begegnung mit dem Allmachts-Getue entsprungen. Vor uns liegt der Aufruf zum Tun:

Um den Christkönig, mittels unserer Nachfolge wahrhaft loben zu können, zu besingen, zu ehren, ist angesagt: 

„HÖRNER-ABSTOßEN“…

Im Danieltext werden zehn an der Zahl genannt. Auf wie viele kommen wir persönlich? Auf wie viele unsere Kirchliche Institution? Gehören vielleicht gar die >Mitren< zu Hörnern?? Auch geht es darum, uns unserer, als königliche Insignien getragenen Machtzähne zu entledigen, auszubeißen. 

 

Trotz meiner obigen Aussage, spricht es aus meinem Innern zu mir: „Da hilft kein `Mit-dem—Finger-auf-andere-zeigen". Erst bin jeweils ich dran!“ — Bin ich bereit, auf das aufgewühlte Meer, der in mir lebendigen Vision, seit Taufe und Berufungsweg, neuerdings und innovativ zu reagieren? Sitze ich schon fest auf dem königlichen Hochsitz meines  Rentner-Daseins oder biologischen Alters? „Tagwerk getan“, tönt es da zufrieden:  die Hörner wachsen nach…  die falschen Zähne fallen aus…!

 Verrutschte Krone © Cristy OrzechowskiVielmehr ist die Daniel-Vision 7,13 mein innigster Wunsch: „Da kam mit den Wolken des Himmels einer wie ein Menschensohn. Er gelangte bis zu dem Hochbetagten und wurde vor ihn geführt.“ 

Da will ich mich tatsächlich anschließen, mitgehen! Mein, dem Älter-Werden geschuldet, abnehmendes Lebenslicht erhellend in meine jetzige Wegstrecke einfügen; –in Hoffnung weitergehen, mich selbst als Königin sehen; ja sogar als „PRIESTERIN“ (Offbg. 1,6 *), die ich war und bin in den Höhen des Altiplanos-/Peru…, wo nicht die Bücher aufgeschlagen werden, sondern, wie unser dortige Bischof Jesús Calderon zu sagen pflegte: „Im Hochland der Anden ist das Kanonische Recht aufgehoben, aufgrund  der 4000m Höhe u. der daraus resultierenden Nähe zur Gottheit.. “  

"CHRISTUS hat uns zu Königen gemacht und zu Priestern vor Gott, seinem Vater. Ihm seien die Herrlichkeit und die Macht in alle Ewigkeit. Amen" 

In diesen Schwung kann ich meinen Lebensdank einbeten…

 

Und dann noch…

Es wäre fahrlässig an dem neugeborenen König vorbeizusehen, dem In-Windel-Gewickelten-König (Biblische Blasphemie???) Dieser König, tut schon seinen ersten Schrei:

-in Kälte

-Ungeborgenheit

-Hunger-Fremde. 

-Baldiger Flucht-Bedrohung. 

Der Neugeborene KÖNIG hebt die gewohnten Kategorien auf: von den Herrschern da Oben…und den Beherrschten da Unten.-(Im Weltgeschehen so üblich!…) Da fallen einem(r) Jeden(er) von uns genügend Analogien ein, aus dem täglichen Weltgeschehen und naher Alltags-Umwelt.

 

Dieser König, vor Pilatus stehend, ist aufzurufen. Es ist der, der sich in unseren Qualen; mitten unter uns erdet, — der sich mit Mutter Erde (=Pacha Mama) verbindet, der sich im Schmerz einer jeden Ackerfurche windet. Er ist der präsente König der Ernte, die er mit uns, wenn auch gebückt, im Schweiße unseres Angesichtes, Jubelnd mit uns einholt. Auch der Dornengekrönte König aus der Passionist nicht der Prototyp von König!

 

Die mit Tränen säen, werden in Freude ernten. In jeder Ernte, materieller oder spiritueller Art, zeigt Christus sich als König über unseren Schmerz; als Priester u. Priesterin der Wandlung.

Auch dies ist Erfahrung meines Lebens…

Der Schmerz ist es…, der die Liebe—Freude befreit…

 

© Texte u. Fotos:  Cristy Orzechowski

 

 

 

28. März 2015 von Sigrid Grabmeier

Sonntagsbrief zum 29. März 2015

Palmsonntag

Wie den Palmsonntag begehen, verstehen, ertragen? Traditionellerweise beginnt bei uns die Liturgie dieses Feiertages mit einem Umzug um die Kirche, die Kinder haben große Palmbuschen, geschmückt mit bunten Bändern, die Erwachsenen kleine Sträußchen. In vergangenen Jahrhunderten

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21. März 2015 von Georg Mollberg

Sonntagsbrief zum 22. März 2015

Es muss in mir brennen, was ich in anderen anzünden will. So werden auch ohne Maßgaben von oben die Menschen Gott erkennen.

5. Sonntag der österlichen Bußzeit

Gebt Acht, die Zeit wird kommen, – so Gottes Spruch – da will ich mit dem Haus Israel und mit dem Haus Juda einen neuen Bund schließen.  Dieser Bund gleicht nicht dem Bund, den ich mit ihren Eltern geschlossen habe an dem Tag, als ich sie an ihrer Hand nahm,

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14. März 2015 von Johannes Brinkmann

Sonntagsbrief zum 15. März 2015

So allein, durch den Glauben, wird der Menschensohn erhöht; und so allein, eben durch den Glauben, wird der Glaubende gerettet.

4. Sonntag der österlichen Bußzeit

Und wie Mose die Schlange in der Wüste erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden, damit jeder, der (an ihn) glaubt, in ihm das ewige Leben hat. Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat.

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7. März 2015 von Sigrid Grabmeier

Sonntagsbrief zum 8. März 2015

Die Gebote Gottes sind aktuelle Angebote, das Gleichgewicht, Gerechtigkeit, Frieden und die Schöpfung zu wahren.

3. Sonntag der österlichen Bußzeit

Gott gab ihnen die folgenden Grundsätze bekannt:
„Ich, `ICH-BIN-DA´, bin deine Gottheit, weil ich dich aus der Versklavung in Ägypten befreit habe. Neben mir soll es für dich keine anderen Gottheiten geben. Mache dir kein Gottesbild

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28. Februar 2015 von Cristy Orzechowski

Sonntagsbrief zum 1. März 2015

Der Auferstehung aus den erntebereiten Furchen ans Licht zu verhelfen, ist uns Christen auf den Leib geschrieben

2. Sonntag der österlichen Bußzeit

Nach sechs Tagen nahm Jesus dann Petrus, Jakobus und Johannes mit und führte sie abseits und allein auf einen hohen Berg. Da wurde er vor ihren Augen verwandelt: Seine Kleider wurden strahlend hell, so stark leuchtend, wie keine Handwerksleute auf der Erde es zustande bringen. Elija erschien ihnen mit Mose,

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22. Februar 2015 von Johannes Brinkmann

Sonntagsbrief zum 22. Februar 2015

GOTT spannt nicht den Bogen eines Kriegers. In GOTTES Zeichen bricht bunt sich das Licht.

Dann sprach Gott zu Noach und seinen Söhnen, die bei ihm waren: Hiermit schließe ich meinen Bund mit euch und mit euren Nachkommen und mit allen Lebewesen bei euch, mit den Vögeln, dem Vieh und allen Tieren des Feldes, mit allen Tieren der Erde, die mit euch aus der Arche gekommen sind. Ich habe meinen Bund mit euch geschlossen:

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14. Februar 2015 von Reinhard Olma

Sonntagsbrief zum 15. Februar 2015

Für Jesus steht der konkrete Mensch im Mittelpunkt

Der Herr sprach zu Mose und Aaron: Wenn sich auf der Haut eines Menschen eine Schwellung, ein Ausschlag oder ein heller Fleck bildet, liegt Verdacht auf Hautaussatz vor. Man soll ihn zum Priester Aaron oder zu einem seiner Söhne, den Priestern, führen. Der Priester soll ihn untersuchen. Stellt er auf dem Hinterkopf oder auf der Stirnglatze eine hellrote Aussatzschwellung fest, die wie Hautaussatz aussieht, so ist der Mensch aussätzig;

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7. Februar 2015 von Cristy Orzechowski

Sonntagsbrief zum 8. Februar 2015

Die Gräber verlassen, vom Schlaf aufwachen

Ist nicht Frondienst den Menschen auf Erden bestimmt,
sind ihre Tage nicht wie die Tage des Lohnknechts –
wie eine Sklavin, die nach Schatten schnappt,
wie ein Söldner, der auf Lohn hofft?
So habe ich zum Erbteil bekommen Monate des Schadens,
Nächte der Mühsal teilte man mir zu.

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31. Januar 2015 von Regina Grotefend-Müller

Sonntagsbrief zum 1. Februar 2015

„Lassen Sie sich von Gott überraschen. Gott hat keine Angst vor Neuem.“

Die Leute waren überwältigt von seiner Lehre, denn er lehrte sie wie einer, der Vollmacht hat, und nicht wie manche toragelehrte Frauen und Männer. In ihrer Synagoge stand eine Person mit einem unreinen Geist und schrie auf: »Was haben wir mit dir zu schaffen, Jesus aus Nazaret?

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23. Januar 2015 von Georg Mollberg

Sonntagsbrief zum 25. Januar 2015

Das Wort des Herrn erging zum zweiten Mal an Jona:

Mach dich auf den Weg und geh nach Ninive, in die große Stadt, und droh ihr all das an, was ich dir sagen werde. Jona machte sich auf den Weg und ging nach Ninive

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