Einheit oder Vielfalt?

In jener Zeit erhob Jesus seine Augen zum Himmel und betete: Heiliger Vater, ich bitte nicht nur für diese hier, sondern auch für alle, die durch ihr Wort an mich glauben. Alle sollen eins sein: Wie du, Vater in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast. Und ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast; denn sie sollen eins sein, wie wir eins sind, ich in ihnen und du in mir. So sollen sie vollendet sein in der Einheit, damit die Welt erkennt, dass du mich gesandt hast und die Meinen ebenso geliebt hast wie mich. Vater, ich will, dass alle, die du mir gegeben hast, dort bei mir sind, wo ich bin. Sie sollen meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast, weil du mich schon geliebt hast vor der Erschaffung der Welt. Gerechter Vater, die Welt hat mich nicht erkannt, ich aber habe dich erkannt, und sie haben erkannt, dass du mich gesandt hast. Ich habe ihnen deinen Namen bekannt gemacht und werde ihn bekannt machen, damit die Liebe, mit der du mich geliebt hast, in ihnen ist und damit ich in ihnen bin. 

Joh 17,20-26    Einheitsübersetzung  

Einheit oder Vielfalt?

Liebe Schwestern und Brüder,

letzte Worte von Sterbenden haben besonderes Gewicht. Sie gelten als verbindlich, verpflichtend, oft haben sie  testamentarischem Charakter. Klaus Bonhoeffer, ein wenig im Schatten seines Bruders Dietrich Bonhoeffer, wie dieser im Widerstand gegen die Nazis, schreibt vor seiner Hinrichtung im März 1945 an seine Kinder: „Meine lieben Kinder! Ich werde nicht mehr lange leben. Haltet fest zusammen. Helft euch und eurer Mutter, wo ihr könnt. Ist einer traurig, kümmert euch. Pflegt, was euch zusammenführt. Haltet zu eurer Familie, aus der solche Kräfte wachsen.“ Jesus erbittet für seine Jünger kurz vor seiner Hinrichtung den Vater nicht Glück, auch für Gesundheit nicht oder Erfolg, sondern er bittet für seine Nachfolger um Einheit im wahren Glauben. 

Dass es schon unter den ersten Christen und erst recht in den folgenden 2000 Jahren der Kirchengeschichte mit der Einheit nicht so recht geklappt hat, ist bekannt. Die Christenheit ist heute in mehrere  große  Kirchen und zahlreiche kleinere Gemeinschaften zersplittert. Diese Zertrennung wird bei uns oft und laut beklagt. In den Fürbitten wird gerne der Herrgott angefleht, doch bitte für die Einheit unter den Konfessionen zu sorgen. Sogar ein Kirchenlied nimmt diese Bitte auf: „Schaue die Zertrennung an, der sonst niemand wehren kann. Sammle, großer Menschenhirt, alles, was sich hat verirrt.“ 

Drei Gedanken kommen mir dazu. 

Erstens: Ist es nicht vor allem unsere Aufgabe, uns um die Einheit mit den Geschwistern im Glauben zu bemühen, statt diese Aufgabe immer wieder an Gott zu delegieren? 

Zweitens: Welche Einheit steht uns da vor Augen? Sollen alle nicht-katholischen, „verirrten Schafe“ in den römischen Stall zurückgescheucht werden? Oder müssten sich nicht alle Beteiligten darum bemühen, aufeinander zuzugehen und sich gemeinsam auf Christus als den wahren guten Hirten zu besinnen? 

Drittens: Muss Einheit bedeuten, dass die Vielfalt verloren geht? Muss eine Weltkirche nicht in der Lage sein, Unterschiede nicht nur auszuhalten, sondern als Bereicherung zu begrüßen?

Im Munde von Machtsüchtigen hat Einheit einen gänzlich anderen Klang. Diktatoren, die sich mit Einheitsschritt und martialischen Waffenschauen in Einheitsfarbe huldigen lassen, blenden jeden Individualismus aus. Die scheinbare Harmonie fest geschlossener Reihen zeugt von Gleichschaltung. Der Preis war und ist immer der Verlust jedweder Individualität. Einheit im Sinne von Uniformität und Gleichmacherei funktioniert nur per Befehl, Menschenwürde und Nächstenliebe bleiben hier chancenlos. Das gilt auch in unserer Kirche. Viel zu viele träumen noch von einer konservativen Einheitlichkeit ohne Küng, Drewer- und Ranke-Heinemann, Oosterhuis, KirchenVolksBegehren und Maria 2.0. Die Kirche soll am besten weiterhin geschlossen hierarchisch organisiert sein und mit einer Stimme sprechen, nämlich mit der römischen. 

Glaube gedeiht aber nicht in einer Einheit geschlossener Reihen, ausgerichtet wie Bäume in einer barocken Allee, die widernatürlich zurechtgestutzt sind. Glaube kann auch nicht als eine Art Uniform getragen werden, denn zu ihm gehört unverzichtbar der Zweifel. Er treibt mich, weiter und tiefer in die Welt der Frohen Botschaft hineinzulesen, im Gespräch und der Auseinandersetzung mit meinen christlichen Geschwistern sicher Geglaubtes zu hinterfragen und immer weiter der Sehnsucht nach dem einen Gott zu folgen. 

Amen.

G. Mollberg

 

 Wir sind Kirche Online-Andacht interaktiv

Nächste Termine  jeweils Dienstag 19 Uhr 


7. Juni 2022
5. Juli 2022

 

Die Wir sind Kirche-Online-Andachten entstanden, um auch in Corona-Zeiten im Gebet und Gespräch miteinander verbunden zu bleiben. Sie stehen in der Tradition der verschiedenen gottesdienstlichen Feiern bei den Bundesversammlungen, Begegnungstagen und PilgerRadTouren. Auch über die strengen pandemiebedingten Einschränkungen hinaus bieten wir die Online-Andachten mit Austausch zum Bibeltext und gemeinsamer Fürbitte weiterhin an. 

> www.wir-sind-kirche.de/andachten

 

Wir sind Kirche beim 

Katholikentag in Stuttgart 25.-29. Mai 2022 

Keine weiteren Lasten

Da kamen einige Leute aus Judäa nach Antiochia. Sie erklärten den Brüdern: „Ihr müsst euch beschneiden lassen,wie es nach Mose Vorschrift ist. Sonst könnt ihr nicht gerettet werden.“ Das verursachte große Aufregung in der Gemeinde. Paulus und Barnabas gerieten mit den Männern in heftigen Streit. Deshalb beschloss man, Paulus, Barnabas und einige andere aus der Gemeinde nach Jerusalem zu schicken. Dort sollten sie die Streitfrage den Aposteln und Gemeindeältesten vorlegen.

 

Darauf fassten die Apostel und die Gemeindeältesten sowie die ganze Gemeinde einen Beschluss: Sie wollten Männer aus ihrer Mitte wählen, und sie zusammen mit Paulus und Barnabas nach Antiochia schicken. Die Wahl fiel auf Judas, genannt Barsabbas, und Silas, die zu den führenden Männern in der Gemeinde gehörten. Den beiden gaben sie folgendes Schreiben mit: „Wir, die Apostel und Gemeindeältesten, eure Brüder, senden unsere Grüße: an die Brüder und Schwestern in Antiochia, Syrien und Kilikien, die aus den anderen Völkern stammen. Wie wir erfahren haben, waren einige aus unserer Gemeinde bei euch.Was sie euch sagten, hat euch erschreckt und zutiefst beunruhigt. Dazu hatten sie von uns keinen Auftrag. Wir haben einstimmig beschlossen, ausgewählte Männer zu euch zu schicken. Sie kommen zusammen mit unseren geliebten Brüdern Barnabas und Paulus. Es sind Männer, die für unseren Herrn Jesus Christus ihr Leben aufs Spiel gesetzt haben: Wir haben Judas und Silas zu euch geschickt. Sie werden euch dasselbe auch noch mündlich mitteilen. Der Heilige Geist und durch ihn auch wir haben nämlich beschlossen, euch keine weiteren Lasten aufzubürden. Nur die folgenden Dinge solltet ihr unbedingt beachten: Esst kein Fleisch von Tieren, die als Opfer für Götzen geschlachtet wurden. Nehmt kein Blut zu euch.Verzehrt kein Fleisch von Tieren, die nicht ausgeblutet sind, und geht keine verbotenen sexuellen Beziehungen ein.Wenn ihr dies vermeidet, macht ihr alles richtig. Und nun lebt wohl!“

 

Apg 15,1-2; 22-29, Basisbibel  

 

 

 

Keine weiteren Lasten

Paulus und Barnabas hatten bei ihrer Verkündigung wohl sehr schönes, nämlich Bekehrungen und Heilungen erlebt, aber eben auch schlimmes, Paulus wurde in Lystra von Mitgliedern der jüdischen Gemeinden gesteinigt. Gerade jüdische Menschen konnten nicht akzeptieren, dass die neue Lehre, für die sie durchaus offen waren, auch für Menschen anderer Religionen und Herkunft ohne besondere Auflagen kultischen Verhaltens gelten sollte. Sie waren das auserwählte Volk. Nicht die anderen.

 

Die Auseinandersetzung mit den Ältesten und Aposteln in Jerusalem ging dann auch nicht so locker über die Bühne, wie die große Lücke im zitierten Text glauben machen möchte. Es ging ganz schön zur Sache und auch hier gab es die Meinung: das jüdische Volk zuerst. Jakobus, der Bruder Jesu griff vermittelnd ein und schloss die Beschneidung als Voraussetzung für die Aufnahme in die Gemeinden aus.

„Sie sollen sich nicht an der Verehrung von Götzen beteiligen und keine verbotenen sexuellen Beziehungen eingehen.Und sie sollen kein Fleisch von Tieren essen, die nicht ausgeblutet sind,oder auf andere Weise Blut zu sich nehmen.“ - Damit sollte ein Zusammenleben von jüdischen und nichtjüdischen Gemeindemitgliedern ermöglicht werden. 

 

Es waren nicht einfach alte Zöpfe, die da abgeschnitten wurden, es waren tatsächlich für die jüdischen Gemeindemitglieder wirklich tief in die jüdische Tradition einschneidende Entscheidungen, die die Versammlung in Jerusalem traf. Aber es ging ja darum, im wahrsten Sinne Neuland zu gewinnen, und wie sollte das möglich sei, wenn das was Juden von allen anderen unterschied, zur wichtigsten Voraussetzung für die Verbreitung der Botschaft zu machen. Das wäre ja eine ungeheure Ressourcen- und Charismenverschwendung gewesen.

 

Von einer ungeheuren „Ressourcen- und Charismenverschwendung“ zeugt das von Sr. Philippa Rath OSB herausgegebene Buch „Weil Gott es so will“ mit Zeugnissen von 150 Frauen, die über ihr Berufensein für den priesterlichen Dienst schreiben. Die Versammlung der Ältesten und Gemeindemitglieder in Jerusalem hat um eine Entscheidung gerungen, sie haben diese Entscheidung auch nicht allein getroffen:  „Der Heilige Geist und durch ihn auch wir haben nämlich beschlossen, euch keine weiteren Lasten aufzubürden.“ - Wann, frage ich, wann kommt aus Rom und von den Bischofskonferenzen einmal dieser Satz? Wann lassen die Synoden und Konzile sich einmal derart von der Heiligen Geistkraft unterstützen, dass sie den Mut haben, Neuland zu betreten? -

 

Sigrid Grabmeier

 

 Wir sind Kirche Online-Andacht interaktiv

Nächste Termine  jeweils Dienstag 19 Uhr 


7. Juni 2022
5. Juli 2022

 

Die Wir sind Kirche-Online-Andachten entstanden, um auch in Corona-Zeiten im Gebet und Gespräch miteinander verbunden zu bleiben. Sie stehen in der Tradition der verschiedenen gottesdienstlichen Feiern bei den Bundesversammlungen, Begegnungstagen und PilgerRadTouren. Auch über die strengen pandemiebedingten Einschränkungen hinaus bieten wir die Online-Andachten mit Austausch zum Bibeltext und gemeinsamer Fürbitte weiterhin an. 

> www.wir-sind-kirche.de/andachten

 

Wir sind Kirche beim 

Katholikentag in Stuttgart 25.-29. Mai 2022 

Reich Gottes

 

Nachdem sie auch in dieser Stadt verkündigt und zahlreiche Schüler und Schülerinnen gewonnen hatten, kehrten sie zurück nach Lystra, Ikonion und Antiochia, stärkten dabei die Schülerinnen und Schüler, ermunterten und ermahnten sie, beim Glauben zu bleiben und „dass wir durch viele Bedrängnisse hindurch in Gottes Reich hineingehen müssen“. Sie wählten für sie in jeder Gemeinde Älteste, beteten unter Fasten und vertrauten sie dem Herrn an, an den sie nun glaubten. Sie zogen durch Pisidien und kamen dann nach Pamphylien; sie verkündeten die Botschaft in Perge und stiegen dann nach Attalia hinab und segelten von dort nach Antiochia ab, wo sie für die Aufgabe, die sie nun abgeschlossen hatten, der Freundlichkeit Gottes anvertraut worden waren. Dort angekommen, versammelten sie die Gemeinde und berichteten, was alles Gott an ihnen getan hatte und dass den Völkern die Tür zum Glauben von Gott geöffnet worden sei.

 

Apg 14,21-27

Bibel in gerechter Sprache

 

Reich Gottes

Reich Gottes. Das ist das erklärte Ziel der jesuanischen Botschaft. Es ist kein neues Ziel, denn durch die Schriften der hebräischen Bibel zieht sich die Verheißung und die Sehnsucht nach der Verwirklichung des Reiches Gottes. Gerechtigkeit und Frieden sind die Hauptmerkmale dieses Reiches, das irdische und himmlische Wirklichkeit umfasst. Schon Hanna gut 1000 Jahre vor dem Lobpreis der Maria jubelte Hanna, die Mutter des Samuel:

Keiner ist heilig wie der Heilige, ja keiner außer dir.
Keiner ist ein Fels wie unser Gott.

Die Bogen der Helden zerbrechen,
und die Strauchelnden rüsten sich mit Macht.
Die Satten müssen sich um Brot verdingen,
und die Hungrigen kommen zur Ruhe.
Sogar die Unfruchtbare gebiert siebenfach,
und die Kinderreiche welkt dahin.
 
Die Heilige tötet und macht lebendig,
führt hinab in die Unterwelt und herauf.
Die Heilige beraubt und bereichert, erniedrigt und erhöht,
richtet Geringe aus dem Staub auf,
erhebt Arme aus dem Müll,
um sie an die Seite der Edlen zu setzen.
Einen Ehrenplatz gibt ihnen Gott.

1 Sam, 2, 2; 4-8 Bibel in gerechter Sprache 

Das neue an der Botschaft des Jesus von Nazareth vom Reich Gottes ist, dass sie weiter getragen wird, über die jüdische Kultgemeinschaft hinaus. Diese Botschaft war stark, sie muss ungeheuer stark gewesen sein, denn sie versiegt nicht, sondern sie wächst. Gegen Widerstände und Verfolgung gewinnt die Botschaft Nachfolgerinnen und Nachfolge, Menschen, die sie sich zu Herzen nehmen und weitertragen. Sie überwindet sogar die Erfahrung, dass dieses Reich womöglich nicht zu eigenen Lebzeiten kommen wird und wird über Generationen hinweg weitergeben. Denn es wächst die Erfahrung, dass nicht Gott dieses Reich der Menschheit wie ein riesiges Geburtstagsgeschenk überreichen wird, sondern dass wir angewiesen sind, in doppeltem Wortsinn, als Menschen miteinander durch das Leben der Botschaft dieses Reich immer wieder neu zu errichten.

  

Der Evangelist Johannes überliefert die Weisung des Auferstandenen so: 

„Ich gebe euch ein neues Gebot, dass ihr euch gegenseitig liebt, wie ich euch geliebt habe, damit auch ihr euch gegenseitig liebt. Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jüngerinnen und Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt.“

Joh 13, 34-35 Bibel in gerechter Sprache 

Sigrid Grabmeier

 Wir sind Kirche Online-Andacht interaktiv

Nächste Termine  jeweils Dienstag 19 Uhr 


7. Juni 2022
5. Juli 2022

 

Die Wir sind Kirche-Online-Andachten entstanden, um auch in Corona-Zeiten im Gebet und Gespräch miteinander verbunden zu bleiben. Sie stehen in der Tradition der verschiedenen gottesdienstlichen Feiern bei den Bundesversammlungen, Begegnungstagen und PilgerRadTouren. Auch über die strengen pandemiebedingten Einschränkungen hinaus bieten wir die Online-Andachten mit Austausch zum Bibeltext und gemeinsamer Fürbitte weiterhin an. 

> www.wir-sind-kirche.de/andachten

 

Wir sind Kirche beim 

Katholikentag in Stuttgart 25.-29. Mai 2022 

Geborgen

Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir, und ich gebe ihnen ewiges Leben, und sie werden bis in Ewigkeit nicht verloren gehen und niemand wird sie aus meiner Hand rauben. Gott hat sie mir gegeben und ist größer als alle, und niemand kann sie aus der Hand Gottes rauben. Ich und Gott sind eins.

Johannes 10, 27-30 Bibel in gerechter Sprache

 

Geborgen

 

Kann es sein, dass unsere Amtskirche da was nicht richtig verstanden hat? Im Taufbundlied wird die Dogmatik ja ziemlich eindrücklich auf den Punkt gebracht:

 

Fest soll mein Taufbund immer stehn,
ich will die Kirche hören!
Sie soll mich allzeit gläubig sehn
und folgsam ihren Lehren!
Dank sei dem Herrn, der mich aus Gnad
in seine Kirch berufen hat,
nie will ich von ihr weichen!

 

Irgendwie habe ich den Eindruck, das sogenannte Lehramt hat sich da selbstherrlich eine Lehre zusammengebastelt und sich damit an eine Stelle gestellt, wo es nicht hingehört.

 

In meiner Kindheit habe ich das Taufbundlied mit Begeisterung gesungen, allerdings in der damaligen Bamberger Fassung:

 

Fest soll mein Taufbund immer stehn,
ich will dem Herrn gehören,
Er soll mich allzeit gläubig sehn,
gehorsam seinen Lehren.
Dank sei dem Herrn der mich aus Gnad
in seine Kirch berufen hat,
nie will ich von ihm weichen.

 

Das ist hängen geblieben und hat mich stark geprägt. Auch wenn ich mich selbst nicht als Schaf sehe, so macht mir die Botschaft, die der Evangelist Johannes Jesus sagen lässt, doch Mut. Den Umweg über das Lehramt der Kirche, das sich erst mit dem ersten Vaticanum in der uns heute bekannten Form herausbildete, müssen wir also nicht in Kauf nehmen. Niemand wird uns aus der Hand Jesu, geschweige denn aus der Hand Gottes rauben. Darin sind wir geborgen.

Sigrid Grabmeier

 

 Wir sind Kirche Online-Andacht interaktiv

Nächste Termine  jeweils Dienstag 19 Uhr 

10.Mai 2022
7. Juni 2022
5. Juli 2022

 

Die Wir sind Kirche-Online-Andachten entstanden, um auch in Corona-Zeiten im Gebet und Gespräch miteinander verbunden zu bleiben. Sie stehen in der Tradition der verschiedenen gottesdienstlichen Feiern bei den Bundesversammlungen, Begegnungstagen und PilgerRadTouren. Auch über die strengen pandemiebedingten Einschränkungen hinaus bieten wir die Online-Andachten mit Austausch zum Bibeltext und gemeinsamer Fürbitte weiterhin an. 

> www.wir-sind-kirche.de/andachten

 

Wir sind Kirche beim 

Katholikentag in Stuttgart 25.-29. Mai 2022 

Neue Normalitäten

Danach erschien Jesus den Jüngerinnen und Jüngern noch einmal am See von Tiberias. Er erschien so: Simon Petrus und Thomas, der Didymos oder Zwilling genannt wird, und Natanaël aus Kana in Galiläa und die Söhne des Zebedäus und zwei andere von seinen Jüngerinnen und Jüngern waren zusammen. Simon Petrus sagte zu ihnen: „Ich gehe fischen.“ Die anderen sagten zu ihm: „Wir kommen mit dir mit.“ Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot, aber in jener Nacht fingen sie nichts. Als es schon Morgen war, stand Jesus am Ufer, die Jüngerinnen und Jünger wussten jedoch nicht, dass es Jesus war. Da sagte Jesus zu ihnen: „Kinder, ihr habt wohl keinen Fisch?“ Sie antworteten ihm: „Nein.“ Er sagte zu ihnen: „Werft das Netz auf der rechten Seite des Bootes aus, dann werdet ihr welchen finden.“ Sie warfen es aus und konnten es nicht mehr heraufziehen wegen der Menge der Fische. Da sagte jener Jünger, den Jesus liebte, zu Petrus: „Es ist Jesus der Lebendige.“ 

 

Johannes 21, 1-7  Bibel in gerechter Sprache

 

Neue Normalitäten

 

Das heutige Evangelium erinnert mich fatal an die Krisen unserer Zeit. Die Jünger gehen wieder Fischen, zurück in die Normalität. Aber das gewohnte Resultat bleibt aus. Es ist eine „neue Normalität“.

 

Nach mehr als zwei Jahren Coronapandemie kennen wir den Begriff „neue Normalität“ und erleben ihn immer mehr, denn inzwischen ist wieder fast alles ohne Einschränkungen machbar. Aber vieles ist nicht so wie früher – oder zumindest nicht so, wie wir es in Erinnerung hatten. Hat es früher nicht besser funktioniert? Hat es nicht viel mehr Freude gemacht? Viele Netze bleiben leer. Da wünsche ich mir einen Retter am Ufer, der uns zuruft, was wir anders machen sollen. Und ebenso die Einsicht im Boot, dass man es anders machen könnte als früher, dass man manches vielleicht gar nicht mehr macht und dafür Neues versucht. Vielleicht können wir uns damit auch wappnen für den Herbst oder die nächste Virusvariante – denn wie Corona weitergeht, wissen wir nicht, unsere Politiker nicht, unsere Epidemiologen nicht. Wir sind in Gottes Hand. 

 

Die andere, grösste Krise unserer Zeit ist der Klimakollaps. Für die Fischer an der Ostsee, in der Südsee und auf den Resten des fast ausgetrockneten Tschadsees bleiben die Netze oft ganz wörtlich leer. Es hilft auch kein Auswerfen auf der anderen Seite, denn auch dort lassen sich höchstens ein paar Plastiktüten fangen. Immer heftigere und häufigere Wetterextreme zeugen von der neuen Normalität einer wärmen Welt. Bei +1 Grad sind wir schon, 1.5 Grad sind ein Ziel, 3 Grad nicht unwahrscheinlich. Zu den Propheten, die am Ufer stehen und nicht nur rufen, gehört der Jesuit Jörg Alt, der im Winter mit den Aktivistinnen und Aktivisten der „letzten Generation“ Lebensmittel aus Müllcontainern gerettet hat und jetzt auf eine Gerichtsverhandlung wartet. Er ruft der Bundesregierung zu, das Netz auf der anderen Seite auszuwerfen: statt dem Sammeln weggeworfener Lebensmittel sollte eigentlich das Wegwerfen von Lebensmitteln strafbar sein. Einer von vielen kleinen Schritten, die Erderwärmen zu bremsen, und nebenbei vielleicht sogar den Hunger in der Welt zu reduzieren. Die Gruppe „letzte Generation“ nennt sich so, weil wir die letzte Generation sind, die den Klimakollaps noch aufhalten und die Erde als einen grösstenteils lebensfreundlichen Planeten erhalte kann. Vielleicht haben sie auch unrecht, und es ist schon zu spät. Aber ich bin mir sicher: jede und jeder, die da am Ufer stehen und zu einem veränderten Handeln aufrufen, steht da mit Jesus, dem Lebendigen.

 

Und damit zur dritte grosse Krise, dem Ukraine-Krieg. Für die Menschen in die Kriegsgebieten, zum Teil in Bombenkellern, hat der Begriff „neue Normalität“ eine schreckliche Form angenommen. Aber so sehr es uns entsetzen mag: Schändung von Zivilistinnen und Zivilisten, Plünderungen und Brandschatzung sind nicht neu, sie gehören seit jeher zum Krieg. Die Haager Konvention hatte seit ihrem Entstehen 1907 einen schweren Stand: im Zweiten Weltkrieg (z.B. bei den Verbrechen der Wehrmacht, auch in der Ukraine), im Jugoslawienkrieg (mit Srebrenica als traurigem Höhepunkt), in Guantanamo, und natürlich auch bei den russischen Angriffen auf Grosny und Aleppo. Neu sind nur die Präsenz, die Vielzahl und die Schnelligkeit der Medien, durch die wir quasi Live mit Darstellungen, Einzelschicksalen, Informationen und Propaganda versorgt werden. Es liegt an uns, nicht alles zu glauben, was wir erzählt bekommen, aber auch nicht alles für unwahr zu halten. Im Sonntagsbrief von letzter Woche hat Sigrid Grabmeier über den hohen Wert des Zweifels geschrieben. Ich vertraue besonders den Medienberichten, bei denen ich Zweifel und Wahrheitssuche noch spüre, nicht denen, die grade heraus Behauptungen präsentieren. Und besonders misstraue ich in diesem Fall den selbsternannten Propheten, die vom sicheren Ufer aus Ratschläge geben und ganz genau wissen, was getan werden muss. Im Krieg bleiben die Netze immer leer.

 

Weitsichtige Menschen am Ufer brauchen wir in jeder neuen Normalität. Menschen, die die tödlichen und todbringenden Muster der alten Normalität erkennen und aufbrechen, die Strukturen des Todes überwinden, die Fesseln von Angst und Un-Lebendigkeit lösen helfen. Menschen, die aufstehen. Und es braucht uns im Boot, die merken: Es ist Jesus der Lebendige.

 

Solche Begegnungen und Erfahrungen wünsche ich uns allen – und die daraus resultierende Fülle an Lebensmöglichkeiten.

Tobias Grimbacher

 

PS: Ich habe hier nicht über die Krise unserer Kirche gesprochen, denn die Botschaft Jesu wird unabhängig von der katholischen Kirche weiterleben. Es gibt genügend Christinnen und Christen, die am Ufer stehen und den Nachfolgern der Apostel zurufen, sie mögen die Netze auf der rechten Seite auslegen. Irgend jemand im Boot könnte dem Petrus sagt, dass dies die Stimmen des Lebendigen sind.

 

  

 Wir sind Kirche Online-Andacht interaktiv

Nächste Termine  jeweils Dienstag 19 Uhr 

10.Mai 2022
7. Juni 2022
5. Juli 2022

 

Die Wir sind Kirche-Online-Andachten entstanden, um auch in Corona-Zeiten im Gebet und Gespräch miteinander verbunden zu bleiben. Sie stehen in der Tradition der verschiedenen gottesdienstlichen Feiern bei den Bundesversammlungen, Begegnungstagen und PilgerRadTouren. Auch über die strengen pandemiebedingten Einschränkungen hinaus bieten wir die Online-Andachten mit Austausch zum Bibeltext und gemeinsamer Fürbitte weiterhin an. 

> www.wir-sind-kirche.de/andachten

 

 

Zweifeln ist wertvoll

Am Abend dieses ersten Tages nach dem Sabbat, als die Jüngerinnen und Jünger hinter geschlossenen Türen saßen aus Angst vor der jüdischen Obrigkeit, da kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: „Friede sei mit euch!“ Als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen die Hände und die Seite. Da freuten sich die Jüngerinnen und Jünger, dass sie Jesus den Lebendigen sahen. Jesus sagte noch einmal zu ihnen: „Friede sei mit euch! Wie mich Gott gesandt hat, so sende ich euch.“ Und als er das gesagt hatte, blies er sie an und sagte ihnen: „Nehmt die heilige Geistkraft auf. Allen, denen ihr Unrecht vergebt, ist es vergeben. Allen, denen ihr dies verweigert, bleibt es.“

Aber Thomas, einer der Zwölf, der Didymos oder Zwilling genannt wurde, war nicht bei ihnen, als Jesus kam. Die anderen Jüngerinnen und Jünger sagten zu ihm: „Wir haben Jesus den Lebendigen gesehen.“ Er aber sagte zu ihnen: „Wenn ich nicht die Wunden der Nägel in seinen Händen sehe und meinen Finger in die Nägelwunden lege und mit meiner Hand in seine Seite greife, dann werde ich nicht glauben.“ Nach einer Woche saßen die Jüngerinnen und Jünger wieder drinnen und Thomas war bei ihnen. Jesus kam – die Türen waren verschlossen – und trat in ihre Mitte und sagte: „Friede sei mit euch!“ Dann sagte er zu Thomas: „Lege deinen Finger hierher und sieh meine Hände an und nimm deine Hand und greife in meine Seite und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!“ Thomas antwortete und sagte zu ihm: „Ich verehre dich und will dir gehorchen, du bist der Lebendige, mein Gott!“ Jesus sagte zu ihm: „Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Glücklich sind, die nicht sehen und trotzdem glauben.“

 

Johannes 20, 19-31  Bibel in gerechter Sprache

 

Zweifeln ist wertvoll

 

Thomas ist mir sympathisch. Er ist kein Herdentier. Er geht seine eigenen Wege. Er sitzt nicht mit den anderen verstört hinter verschlossenen Türen und Fenstern, furchtsam und gelähmt. Er bleibt skeptisch, als diese ihm erzählen, was sie erlebt haben und was er glauben soll. 

 

Thomas will seine eigenen Erfahrungen machen. Sehen und anfassen. So leicht lässt er sich nicht auf die Euphorie der anderen ein. Und er bekommt die Chance. Wieder sitzen sie beisammen, die Freunde Jesu. Diesmal ist er auch dabei. 

 

Und als sie beisammen sind und Jesus in ihrem Erzählen und Erinnern gegenwärtig wird, da erreicht die Kraft, die davon ausgeht auch ihn. Er erfährt die Gegenwart, anfassen und sehen braucht er nun nicht mehr. 

 

Er ist nicht der erste Zweifler. Schon Judas hatte gezweifelt, er endete in der Verzweiflung. Dann Petrus, auch die Jünger auf dem Weg nach Emmaus. Und ganz sich auch diejenigen, die sich hinter verschlossenen Türen und Fenstern verborgen hielten.

 

Sein Zweifeln hat sich gelohnt. Er war sich seines Zweifels sehr bewusst. So einfach wollte er sich nicht auf das alles einlassen. Er hat an sich selbst gezweifelt und an Jesus, an der Gemeinschaft und an der Euphorie. Er hat seine ganz eigene Erfahrung gemacht.

 

Zweifeln ist wertvoll. Es bewahrt uns davor, uns unserer selbst ganz sicher zu sein. Es gibt uns Gelegenheit, uns selbst zu hinterfragen, unsere Einstellungen, Handlungsweisen, Sicherheiten.

 

Zweifeln ist wertvoll. Es hält uns lebendig. Es öffnet Türen und Fenster. Es hilft uns, innezuhalten, den Standpunkt zu ändern, etwas von einer anderen Seite zu betrachten, neue Aspekte zu entdecken. 

 

Zweifeln ist wertvoll, ich wünsche mir in unserer Zeit mehr Zweifel als Gewissheiten, mehr Menschen, die hinterfragen, sich selbst und ihre Überzeugungen, mehr Bereitschaft, eigene Erfahrungen zu machen. 

 

Sigrid Grabmeier

 

 Wir sind Kirche Online-Andacht interaktiv

Nächste Termine  jeweils Dienstag 19 Uhr 

10.Mai 2022
7. Juni 2022
5. Juli 2022

 

Die Wir sind Kirche-Online-Andachten entstanden, um auch in Corona-Zeiten im Gebet und Gespräch miteinander verbunden zu bleiben. Sie stehen in der Tradition der verschiedenen gottesdienstlichen Feiern bei den Bundesversammlungen, Begegnungstagen und PilgerRadTouren. Auch über die strengen pandemiebedingten Einschränkungen hinaus bieten wir die Online-Andachten mit Austausch zum Bibeltext und gemeinsamer Fürbitte weiterhin an. 

> www.wir-sind-kirche.de/andachten

 

 

Unsterblich?

Am ersten Tag der Woche kam Maria von Magdala frühmorgens, als es noch dunkel war, zum Grab und sah, dass der Stein vom Grab weggenommen war.Da lief sie schnell zu Simon Petrus und dem anderen Jünger, den Jesus liebte, und sagte zu ihnen: Sie haben den Herrn aus dem Grab weggenommen und wir wissen nicht, wohin sie ihn gelegt haben.Da gingen Petrus und der andere Jünger hinaus und kamen zum Grab; sie liefen beide zusammen, aber weil der andere Jünger schneller war als Petrus, kam er als Erster ans Grab. Er beugte sich vor und sah die Leinenbinden liegen, ging jedoch nicht hinein. Da kam auch Simon Petrus, der ihm gefolgt war, und ging in das Grab hinein. Er sah die Leinenbinden liegen und das Schweißtuch, das auf dem Haupt Jesu gelegen hatte; es lag aber nicht bei den Leinenbinden, sondern zusammengebunden daneben an einer besonderen Stelle.

 

Da ging auch der andere Jünger, der als Erster an das Grab gekommen war, hinein; er sah und glaubte. Denn sie hatten noch nicht die Schrift verstanden, dass er von den Toten auferstehen müsse. Dann kehrten die Jünger wieder nach Hause zurück. Maria aber stand draußen vor dem Grab und weinte. Während sie weinte, beugte sie sich in die Grabkammer hinein. Da sah sie zwei Engel in weißen Gewändern sitzen, den einen dort, wo der Kopf, den anderen dort, wo die Füße des Leichnams Jesu gelegen hatten. Diese sagten zu ihr: Frau, warum weinst du? Sie antwortete ihnen: Sie haben meinen Herrn weggenommen und ich weiß nicht, wohin sie ihn gelegt haben. Als sie das gesagt hatte, wandte sie sich um und sah Jesus dastehen, wusste aber nicht, dass es Jesus war.

 

Jesus sagte zu ihr: Frau, warum weinst du? Wen suchst du? Sie meinte, es sei der Gärtner, und sagte zu ihm: Herr, wenn du ihn weggebracht hast, sag mir, wohin du ihn gelegt hast! Dann will ich ihn holen. Jesus sagte zu ihr: Maria! Da wandte sie sich um und sagte auf Hebräisch zu ihm: Rabbuni!, das heißt: Meister. Jesus sagte zu ihr: Halte mich nicht fest; denn ich bin noch nicht zum Vater hinaufgegangen. Geh aber zu meinen Brüdern und sag ihnen: Ich gehe hinauf zu meinem Vater und eurem Vater, zu meinem Gott und eurem Gott. Maria von Magdala kam zu den Jüngern und verkündete ihnen: Ich habe den Herrn gesehen. Und sie berichtete, was er ihr gesagt hatte.

 

Johannes 20, 1-18 Einheitsübersetzung

 

Unsterblich?

Heute wird der Tod als Begrenzung des Lebens zunehmend als technisches Problem wahrgenommen. „Woran ist ein Mensch gestorben?“ fragen wir, als könnte der Mensch ewig leben, wenn jedes technische Problem, das zum Tode führen könnte, erst einmal gelöst wäre. Doch selbst wenn uns das gelänge, wäre der Tod im Diesseits damit nicht besiegt. Ich singe auf meiner CD „Seelentanz“ ein Lied von Hermann van Veen indem es heißt: „Ich lebe und das heißt ich tanze mit dem Tod!“. Dieses Lied beschreibt für mich die Leidenschaft für das Leben, die vom Bewusstsein der Existenz des eigenen Todes hier auf Erden nicht zu trennen ist; wer im Bewusstsein seines irdischen Todes lebt, lebt intensiver, setzt sein Leben bewusster ein und vergeudet nicht seine Zeit! Diese Zeile aus Hermann van Veens Lied hätte nichts von seiner Aktualität eingebüßt, wenn alle Krankheiten und natürlichen Todesursachen durch immer bessere medizinische Technik „besiegt“ worden wären. Wir könnten dann immer noch eines „unnatürlichen“ Todes sterben, z.B. durch Unfall oder menschliche Gewaltanwendung. In meiner poetisch biblischen Reise spricht GOTT: „Krankheit und Tod werden euer Leben in Angst und Schrecken versetzen“. Wäre etwa dieser Satz GOTTES überholt, wenn wir hier auf Erden keines natürlichen Todes mehr sterben könnten? Ich prophezeie, dass Angst und Schrecken dann eher noch zunehmen würden. Würden wir uns dann überhaupt noch über die Straße trauen? Wäre wir nicht viel erpressbarer, weil wir soviel mehr verlieren könnten, z.B. durch Menschen, die uns Gewalt androhen? Kämen überhaupt alle in den Genuss dieser „Unsterblichkeit“, oder könnten sie sich nur Reiche leisten? Hätten wir dann unsterbliche Diktatoren?

Das Leben, das ich meine, stellt jeden von uns in den Strom des Lebens. Von diesem Strom lassen wir uns tragen, in diesem Strom werden wir in bewusster Bejahung seinereinigenden und fordernden Kraft getauft, werden wir bewusst Kinder GOTTES! Dieser Strom strömt aus der Zeit vor uns in eine Zeit nach uns. Und da dieser Strom aus GOTTES liebendem „JA!“, in GOTTES „JA!“ und auf GOTTES „JA!“ zuströmt, endet unser Leben nicht mit unserem irdischen Tod, bleiben wir auch nicht im Tod, selbst dann, wenn wir hier im Diesseits sterben! Egal ob durch einen „natürlichen“ Tod oder durch Gewalt! Wir brauchen den Tod nicht zu fürchten! Diese Gewissheit allein kann den Tod überwinden und ihm jede Angst und jeden Schrecken nehmen.

Dass wir uns bemühen, Krankheiten zu bekämpfen, bleibt dadurch unberührt. Doch haben wir, die wir mit GOTT unsere Wege gehen, nicht das Bestreben, auf ewig im Diesseits zu leben.


Frohe Ostern!
Johannes Brinkmann

 Wir sind Kirche Online-Andacht interaktiv

Nächste Termine  jeweils Dienstag 19 Uhr 

10.Mai 2022
7. Juni 2022
5. Juli 2022

 

Die Wir sind Kirche-Online-Andachten entstanden, um auch in Corona-Zeiten im Gebet und Gespräch miteinander verbunden zu bleiben. Sie stehen in der Tradition der verschiedenen gottesdienstlichen Feiern bei den Bundesversammlungen, Begegnungstagen und PilgerRadTouren. Auch über die strengen pandemiebedingten Einschränkungen hinaus bieten wir die Online-Andachten mit Austausch zum Bibeltext und gemeinsamer Fürbitte weiterhin an. 

> www.wir-sind-kirche.de/andachten

 

 

Karfreitag

 

Da nahm Pilatus Jesus und ließ ihn auspeitschen. Die Soldaten flochten einen Kranz aus Dornen und setzen ihn auf seinen Kopf. Sie zogen ihm ein Purpurgewand an, kamen zu ihm, sagten: „Sei gegrüßt, König von Israel!“ und gaben ihm Ohrfeigen.

 

 

 

Sie nahmen ihn also und er trug selbst das Kreuz und ging hinaus zum Ort, der Schädelstätte genannt wird, das heißt auf Hebräisch Golgota. Dort kreuzigten sie ihn und zusammen mit ihm zwei andere, einen da, einen dort, Jesus aber in der Mitte.

 

 

 

Als die Soldaten Jesus gekreuzigt hatten, nahmen sie seine Kleider und das Unterkleid und teilten sie in vier Teile, für jeden der Soldaten einen. Das Unterkleid war ungenäht, von oben in einem Stück gewebt. Sie sagten zueinander: „Wir wollen es nicht zerschneiden, sondern losen, wer es bekommt.“

 

 

 

Ein Gefäß voll Essig stand da. Sie steckten einen Schwamm voll Essig auf einen Ysopzweig und brachten ihn an seinen Mund. Als Jesus den Essig bekommen hatte, sagte er: „Es ist vollendet.“ Er senkte den Kopf und gab den Geist auf.

 

 

 

 Die Soldaten kamen, brachen dem ersten die Beine und dem anderen mit ihm Gekreuzigten. Als sie aber zu Jesus kamen und sahen, dass er schon gestorben war, brachen sie ihm die Beine nicht, aber einer der Soldaten stach mit der Lanze in seine Seite, und sofort kam Blut und Wasser heraus.

 

 Johannes 19, 2-3; 17-18; 23-24; 29-30; 32-34  Bibel in gerechter Sprache

 

Karfreitag

Karfreitag. Der Tag an dem Gewissenlosigkeit, Hetze, Niedertracht, Geltungsdrang, Herrschsucht, Machtgelüste, Gewalt und Grausamkeit sich durchsetzen, ihren Sieg davontragen.

 

Karfreitag. Jeder Tag in einem Krieg ist ein Karfreitag.
Seit dem 24. Februar sind uns die Karfreitage mit dem Krieg in der Ukraine sehr nahe gekommen.
Und wir wissen, dass sie uns immer näher kommen können. Dass sie trotz Ostern weitergehen werden. 
Wie Ostern feiern? Überhaupt Ostern feiern? Auferstehung mitten im Sterben? Aufstehen?
 

Wann Ostern feiern, wenn nicht jetzt! 
Ostern als Gegenentwurf zu Zerstörung und Mord, zu Erniedrigung und Terror, zu Tod und Verwesung. 
Ostern als Hoffnung gegen alle Verzweiflung. 
Ostern als Erinnerung.
Ostern als Auftrag. 

 

Psalm 

  

In deine Welt hineingegeben hast du uns, 
als Menschen sind wir so geschaffen,
dass es uns frei steht, ob wir das Leben leben wie es dir gefällt.
 

Die eine Welt gehört uns nicht, du hast sie uns geliehen,
als Lebensmittel und als Heim, als Haus für alle und zum Frieden Finden.

 

Zerteilt ist diese Welt, in arm und reich, in fruchtbar und in leblos,
in stark und schwach, in herzlos und in liebend, in Überfluss und Not.
 

Ohnmächtig sind wir doch in deiner Welt, 
zum Frieden eingeladen, suchen wir den Krieg.
Selbst wenn wir diesen Frieden wollen, es fällt uns schwer, den Weg dorthin zu gehen.
 

Die Kriege enden nicht in deiner Welt, 
und wir entsetzen uns darüber Tag für Tag, 
Gott, wende dich nicht ab, bleib bei uns, zeige uns den Weg.
 
 

Wir bitten dich für alle die in deiner Welt, wehrlos, schutzlos, heimatlos,
für die, die ausgebeutet werden und misshandelt,
für Kinder, Alte, Schwache,
für die, die nur ihr eignes Leben haben, denn das der Ihren ging verloren.
 

Für die, die hoffnungslos im Schmerz versinken
für die, die flüchten, die die bleiben, für die, die nicht mehr weiter wissen,
für die, die abgewiesen werden,
für die, die Grenzen öffnen, Schutz bieten, Ruhe schenken.
  

Wir bitten dich für deine Welt, schenk uns die Kraft zum Frieden,
begleite uns, damit wir Menschen werden, die leben, so wie es dir gefällt.

 

Dass wir teilen, das Brot, den Wein, das Wasser und das Leben, 
und uns daran erinnern, dass wir Menschen nur zu Gast sind 
in deiner Welt.

 

Amen.

 

Sigrid Grabmeier

 Wir sind Kirche Online-Andacht interaktiv

Nächste Termine  jeweils Dienstag 19 Uhr 

10.Mai 2022
7. Juni 2022
5. Juli 2022

 

Die Wir sind Kirche-Online-Andachten entstanden, um auch in Corona-Zeiten im Gebet und Gespräch miteinander verbunden zu bleiben. Sie stehen in der Tradition der verschiedenen gottesdienstlichen Feiern bei den Bundesversammlungen, Begegnungstagen und PilgerRadTouren. Auch über die strengen pandemiebedingten Einschränkungen hinaus bieten wir die Online-Andachten mit Austausch zum Bibeltext und gemeinsamer Fürbitte weiterhin an. 

> www.wir-sind-kirche.de/andachten

 

 

Dienet einander!

 

Vor dem Pessachfest wusste Jesus, dass seine Zeit gekommen war und er aus dieser Welt weg und zu Gott, seinem Ursprung, gehen würde. Und wie er alle, die in der Welt zu ihm gehören, immer geliebt hatte, liebte er sie bis zum Ende. Bei einem Essen, als die teuflische Macht schon Judas, dem Sohn von Simon Iskariot, eingegeben hatte, Jesus auszuliefern, wusste Jesus, dass Gott ihm alles anvertraut hatte, und dass er von Gott hergekommen war und wieder zu Gott gehen würde. Da stand er vom Essen auf, zog seine Kleider aus, nahm eine Schürze und band sie sich um. Dann goss er Wasser in die Schüssel und begann die Füße der Jüngerinnen und Jünger zu waschen und sie mit der Schürze, die er umgebunden hatte, abzutrocknen. Als er zu Simon Petrus kam, sagte der zu ihm: „Rabbi, du willst mir die Füße waschen?“ Jesus antwortete und sagte zu ihm: „Was ich mache, verstehst du jetzt nicht, du wirst es aber später begreifen.“ Petrus sagte zu ihm: „Du sollst mir bestimmt niemals die Füße waschen!“ Jesus antwortete ihm: „Wenn ich dich nicht wasche, gehörst du nicht zu mir.“ Simon Petrus sagte zu ihm: „Rabbi, wasche nicht nur meine Füße, sondern auch die Hände und den Kopf!“ Jesus sagte ihm: „Wer gewaschen ist, braucht nichts – außer dass die Füße gewaschen werden –, sondern ist ganz rein. Ihr seid rein, aber nicht alle.“ Denn er wusste, wer ihn ausliefern würde. Deshalb sagte er: „Ihr seid nicht alle rein".

 

Als er ihnen die Füße gewaschen hatte, nahm er seine Kleider und legte sich wieder hin. Er sagte zu ihnen: „Versteht ihr, was ich für euch getan habe? Ihr habt euch mir angeschlossen und lernt von mir, ihr verehrt mich und gehorcht mir, und das ist gut und angemessen. Ich bin euer Lehrer und Herr – wenn nun ich euch die Füße gewaschen habe, dann seid auch ihr verpflichtet, einander die Füße zu waschen. Denn ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr füreinander tut, was ich für euch getan habe.“ 

 

Johannes 13, 1-15Bibel in gerechter Sprache

 

Dienet einander!

In meiner Erinnerung an die Feiern der Karwoche hat der Gründonnerstag einen besonderen Platz. Es waren Feiern von ganz besonderer Dichte und Eindrücklichkeit. Und das ganz sicher nicht nur, weil es dabei etwas " zu essen" gab. Im Nachdenken darüber wurde mir aber doch klar, dass das Mahl schon eine wichtige  Rolle dabei spielte, als Zeichen der Gemeinschaft, die Jesus stiften wollte. Dabei hat er aber ganz sicher nicht an eine Kirche gedacht, sondern eher an Menschen, die sich im Gedenken an ihn zusammentun, miteinander Mahl halten, sich beschenken und beschenken lassen, die auch offen sind für Notleidende und Andersdenkende und so nicht nur Speise und Trank miteinander teilen, sondern auch Leben, Freude und Leid im Füreinander Dasein. Eine Vision für die Kirche der Zukunft?

 

Der Evangelist Johannes erwähnt in seinem Evangelium das Mahl nur ganz kurz. Ihm ist an diesem Abschiedsabend etwas anderes wichtig: die Fußwaschung, die Jesus an seinen Jüngern vollzieht. Er liefert damit die Begründung für den Geist, aus dem heraus die Gemeinschaft der Jesusgemeinden gelingen und zum Anliegen Jesu, dem"Reich Gottes", führen kann. Es ist der Gedanke des Dienens. Dabei ist sich Jesus der Rolle, die er im Kreis seiner Anhänger einnimmt, schon bewußt: „Ihr nennt mich Meister und Herr und ich bin es.“ Aber gerade deshalb will er mit dieser Geste den Jüngern Vorbild und  Beispiel sein: Es darf im Reich Gottes keine Zweiklassengesellschaft geben. Ein Anliegen, das Jesus ungeheuer wichtig ist; denn Macht des einen über den anderen ist sehr in Gefahr, mißbraucht zu werden. Die Kirchenkrise der Gegenwart ist ein beredtes Beispiel dafür. Jesus hat wohl diese Gefahr gesehen und den Sklavendienst der Fußwaschung benutzt, um den Seinen damit Nähe und eine große Wertschätzung zu schenken, das, was jeder Mensch so dringend benötigt.  So wie es zwischen dem Meister und seinen Jüngern keine „Höhenunterschiede“  geben soll („der Sklave ist nicht größer als sein Herr“), so soll es auch keine Rangordnung im Reiche Gottes geben. Das bringt auch Paulus im  3.Galaterbrief zum Ausdruck, in dem er alle Rangunterschiede aufhebt „..indem ihr alle eins seid in Christus“.

 

Alle Probleme, die sich im Laufe der Kirchengechichte angesammelt haben, wären mit dieser Haltung vermeidbar gewesen. Der „Klerikalismus“,als großer Unterschied zwischen Priestern und sog. Laien, ist genau das, was Jesus mit dem Beispiel der Fußwaschung vermeiden wollte: „Selig seid ihr, wenn ihr das wißt und danach handelt“. Die katholisch Kirche hat das nicht getan und steht nun vor einem Scherbenhaufen. Gibt es einen Ausweg? Kann auch in der Kirche dem Karfreitag der Gegenwart ein Ostern folgen? Bischof Galliot hat einmal gesagt: "“Eine Kirche, die nicht dient, dient zu nichts!“ So kann es vielleicht nur einen Weg zu österlicher Auferstehungshoffnung geben, in dem alle  Jesu  Wort folgen: „Ich habe Euch ein Beispiel gegeben, damit auch Ihr so handelt, wie ich an Euch gehandelt habe.“

 

In diesem Sinne wünsche ich allen einen hoffnungsvollen Gründonnerstag!

Eva Maria Kiklas

 

 Wir sind Kirche Online-Andacht interaktiv

Nächste Termine  jeweils Dienstag 19 Uhr 

10.Mai 2022
7. Juni 2022
5. Juli 2022

 

Die Wir sind Kirche-Online-Andachten entstanden, um auch in Corona-Zeiten im Gebet und Gespräch miteinander verbunden zu bleiben. Sie stehen in der Tradition der verschiedenen gottesdienstlichen Feiern bei den Bundesversammlungen, Begegnungstagen und PilgerRadTouren. Auch über die strengen pandemiebedingten Einschränkungen hinaus bieten wir die Online-Andachten mit Austausch zum Bibeltext und gemeinsamer Fürbitte weiterhin an. 

> www.wir-sind-kirche.de/andachten

 

 

Wir kennen ihn nicht

 

Als helfende Deutungshintergründe zur Zusatzlektüre empfohlen: Das Buch Jesaja  Kapitel 50, 4-7:

Jesaja spricht vom Menschen, der sich selbst hinhält,  Jenen, die ihn prügeln; der Alternativen für die Kriegsmaschinerie zwischen Einzel-Menschen und Völkern vorlebt…

 

Ebenfalls in diese Richtung zeigt der Brief an die Gemeinde in Philippi Kapitel 2, 6-11, in dem uns vorgestellt  wird: der aller Vorrechte entsagende Christus, der nicht an Göttlichkeits-Gleichheits-Attributen festgeklammert lebt, der den Weg der Erniedrigung geht, bis zum damalig üblichen Sklaventod am Kreuz, ein Ideal? Nein, eine je mögliche Konsequenz eines solidarischen Lebens unter den Geknechteten. Wem also gilt unser Kniefall z.B. am Karfreitag vor dem Kreuz-Symbol, den Gläubigen zur Verehrung aufgestellt? –

Er gilt einem, mit den Ausgestoßenen, Angegriffenen dieser Erde, solidarischen Christus. 

 

 

Nachdem Jesus dies gesagt hatte, machte er sich auf, um nach Jerusalem hinaufzuziehen. Und als er nach Betfage und Betanien kam und sich dem so genannten Ölberg näherte, da schickte er zwei von seinen Jüngerinnen und Jüngern mit den Worten aus: „Geht in das Dorf gegenüber, und wenn ihr hineinkommt, werdet ihr ein Fohlen angebunden finden, auf dem noch kein Mensch gesessen hat. Bindet es los und führt es her! Und wenn euch jemand fragt, warum ihr es losbindet, so sagt: Der Gebieter braucht es.“ Und die Ausgesandten gingen weg und fanden es so, wie er es ihnen gesagt hatte. Als sie das Fohlen losbanden, sagten seine Besitzer zu ihnen: „Warum bindet ihr das Fohlen los?“ Und sie sagten: „Der Herr braucht es.« Und sie brachten es zu Jesus, warfen ihre Kleider auf das Fohlen und ließen ihn aufsteigen. Als er loszog, breiteten sie ihre Kleider auf dem Weg aus. Aber schon als er sich dem Abhang des Ölbergs näherte, begann die ganze Gruppe der Jüngerinnen und Jünger sich zu freuen und Gott wegen all der machtvollen Taten, die sie gesehen hatten, lauthals mit den Worten zu loben:
„Gepriesen ist, der da kommt, der König, im Namen der Lebendigen. Im Himmel ist Friede
und Gottesglanz in den Höhen!“ Und einige von der pharisäischen Gruppe sagten abgewandt vom Volk zu ihm: „Lehrer, verbiete das deinen Schülern und Schülerinnen!“ Er antwortete: „Ich sage euch: Wenn sie schweigen werden, werden die Steine schreien.“ 

Lk 19,28-40 

Und als die Stunde da war, legte er sich mit den Aposteln zu Tisch. Er sagte zu ihnen: „Ich habe mich danach gesehnt, dieses Pessachmahl mit euch zu essen, bevor ich leide. Ich sage euch: ich esse es nicht mehr, bis es sich erfüllen möge in der Königsmacht Gottes.“ Er nahm den Becher, sprach das Dankgebet darüber und sagte: „Nehmt ihn und teilt ihn unter euch! Denn ich sage euch: Ich werde von jetzt an keinen Saft des Rebstocks mehr trinken, bis das Gottesreich gekommen ist.“ Er nahm Brot, sprach das Dankgebet, brach es, gab es ihnen und sagte: „Das ist mein Leben, das für euch gegeben wird. Das tut zu meiner Erinnerung.“ Genauso nahm er den Becher, nach dem Essen, und sagte: „Dieser Becher ist der neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird. Doch siehe, die Hand dessen, der mich ausliefert, ist mit meiner Hand auf dem Tisch. Es ist so, dass der Mensch den Weg geht, der beschlossen wurde; aber dem Menschen ergeht es schlecht, durch den er ausgeliefert wird.“ Sie fingen an, sich gegenseitig zu prüfen, wer von ihnen wohl so etwas tun würde. 

 

Da sah ihn (Petrus) eine Sklavin beim Feuer sitzen, blickte ihn an und sagte: 

„Auch dieser war mit ihm.“ Er aber leugnete und sagte: „Frau, ich kenne ihn nicht.“ 

 

Lk 22,14-23,56  Bibel in gerechter Sprache

 

Wir kennen ihn nicht

 

Die Bibeltexte der heutigen Leseordnung zeigen den Palmsonntag in seiner ZWIEGESPALTENHEIT auf.- Darüber lohnt es sich, in der Fasten- bzw. Karwoche nachzudenken, es zu überbeten, zu überwinden-, zu erinnern. Wäre ein eindringliches Fasten z.B. Folgendes: In der Erinnerung des Leidens Jesu unsere Welt zu entdecken..., unsere Erde, die Mitgekreuzigte durch uns Menschen, die wir zu laut jubeln...und uns in diesen illusorischen Friedens-Glückseligkeits-Sicherheit baden...?

 

Die Karwoche ist während des Ukraine-Kriegs wohl fast allen Menschen in und auf die  Seele gefallen. Taucht da auch unter uns, und in unseren Christliche Werte verteidigenden Systemen, dieser UNS UNBEKANNTE JESUS auf?  Der von uns Verleumdete?

 

Explodierende Freude macht sich unter den Anhängern Jesu in Jerusalem breit; gebettet in Sicherheitssehnsucht und Verlass auf diesen Jesus..., der die Karre aus dem Dreck schieben wird...; der Lösungen aus dem Ärmel zaubern wird; für das gesamte Volk Israels... Der, heutzutage und zulande, den Ukraine-Krieg ausgehen lassen wird. —Doch wird übersehen, dass er auf dem Fohlen reitet..;  Einige Jünger  bringen das Tier auf Anweisungen Ihres Meisters; kein stolzes Reit-Tier für einen starken Reiter. Ohne nähere Begründung können die Jünger die Anfrage der präsenten Menschen beantworten, es heißt nur: „Der Herr braucht es“...nun ja.

 

„Der Herr…": der endlich das HURRA des Sieges der „Gut-Macht“ in der schutznötigen Wirklichkeit anstimmen wird. Ein Herr, der alles im Griff hat. Es fliegen die Jacken und Kleider nur so teppichhaft auf die Wege und Strassen, um diesem „Herrn“, den verdienten, schon lang bemerkten Gottesglanz zuzusprechen, zuzusingen. 

 

Das Fohlen wird geholt; weil die kleine Ohnmacht Jesu Reittier ist — nicht das bravouröse Zucht-Pferd.  Noch werden die die Kleider auf dem Weg geworfen, passend zum Halleluja...,  zum gerockten Lobpreis..., mit ekstatisch, hypnotisierenden Wiederholungen. — Endlich ist er da, der Siegesglanz...der Gottesglanz auf Erden. So wie es die „follower“ schon lange wollten: Jesus soll sich groß machen und mächtig auftreten... Die empört zuschauenden Pharisäer verbitten sich bei Jesus dieses Volks-Geschrei.....er erwidert: "Schreien sie nicht, werden die Steine es tun..."  Dieses Loben wird von den Pharisäern also als Protest-Tanz und Protest-Marsch gedeutet. Jesus lässt sich kurze Zeit in diesem Volksjubel tragen, lässt es zu — verweist die Pharisäer an ihren Platz.

 

Unsere kirchlichen Feiertags-Liturgien haben diesen begeisternden Jesus-Followertag übernommen in unserem sogenannten Palmsonntag, wissen aber von seiner Zwiegespaltenheit. Jesus entzieht sich diesem Lobesgetümmel und Alleluja-Wahn. Wie oft hat er das erklärt:... „Ja ich bin ein König. Von der Würde eines jeden Menschen her gesehen.....Doch mein Reich ist nicht von dieser Welt..“— 

 

Näher als dieses Lobes-Gestürm von „Gestern“ vor und in der Stadt, das Singen, das Jubeln — auch Gröhlen,  das hauptsächlich dazu dient,  sich selbst zu entlasten von den Pflichten des Alltags und dem Einsatz für Gerechtigkeit im Staatswesen etc. ist Jesus die Sehnsucht mit seinen FreundenInnen das Pessach-Mahl zu halten. 

 

Doch genau in diesem heimeligen Moment, da sie bei Tische liegen und Brot und Wein teilen mit den so Neuen Worten der Hingabe des Lebens Jesus und der Aufmunterung dieses Mahl immer wieder zur Erinnerung zu feiern, gibt es auch ein Blockierung im Geschehen. Der Verrat durch einen Menschen wird sichtbar. Er sitzt mit Jesus am Tisch, ihre jeweiligen Hände berühren sich beim Brot-Teilen. Wenig später hat in dieser, vorher so lauten Jubel-Orgie auch die Verleumdung seitens Petrus, (dem „Fels“) Platz. Aus seiner Angst heraus  will er sich retten: „Ich kenne diesen Menschen nicht...“ Das ist sicherer, um nicht selbst zur Zielscheibe zu werden. In diesem Sinne gibt es genügend Kirchen-Bredouille , in der immer wieder dieser Satz auftaucht: „ICH KENNE DIESEN MENSCHEN NICHT, weder den Menschen von der Strasse in all seinem Leid, noch dem Menschen Jesus, der zur Welt kam.“

Es gibt genügend Grund, sich an den aktuellen Kirchenfürsten festzubeißen. Doch dieser Satz fällt auch tief in mein eigenes Herz.. „Ich kenne diesen MENSCHEN nicht.“ Dieser Jesus hat, nach dem sich ereignenden falschen Jubel, keine größere Sehnsucht als die, das Mahl zu feiern. Und selbst da schwingt in unserem Innern und in der Äußeren Welt der Verrat mit.

 

„Wir kennen IHN nicht...“—Da hängt soviel fest; ist unbeweglich geworden. Ich kenne ihn nicht. Mein Christ-Sein hat von IHM ausgehend, nicht auf mich abgefärbt. Ich trage meine eigen Ideen, — meine eigene Farbe, — tauche ein ins Grau des Mainstreams, — oder ins Gefasel der überall und zu jeder Zeit präsenten Talk-Shows. Ich esse von dem Brot, um später  nach dem rettend-verräterischem  Wort zu leben: „Ich kenne diesen Menschen nicht...“—

Nein! ich kenne ihn nicht, weil ich beim Teilen des Mahles sein Wort nicht verinnerliche, es nicht zur Welt bringe wie eine wirkliche FollowerIn 

 

Cristy Orzechowski

 

DER AUSGELASSENE EINSPRUCH

 

 

…es rächt sich

nur einmal mehr

das zu laute

und frühe jubeln

einer halbherzigen 
weltkirche.
 
am grab glatt
vorbeidrängend,

strömt ihre beharrliche

alleluja-prozession 
glocken und weißrotbefrackte

chöre schmücken den jubel aus.
 
 
das hingegebene blut

vergißt sich im
kelch so leicht 

 
 
das osterlamm wird als

billiges teigwarenangebot

zum munde geführt

wie zur schlachtbank.

eingelullt von

dieser soft-ware

der beschwichtigungen,

wen wundert es
 da noch,

dass uns die

richtigen erinnerungen

ausgingen
 
an Seine geschichte.
 
 

 

VERFRÜHTES ALLELUJA 

 

 

Den Karfreitag
verdrängen wir

in unserer Angst

und verkünden
 
breite Osterwege.
 

So bleibt das Alleluja,

zu früh

zu laut

 

zu oft
an der falschen Stelle

gesungen,
 

 
als unbedeutender

lauer Hauch 
unter uns 
und über
 den Städten der Armen-
über kleinen u. großen Kriegen

in der Luft hängen….
und wir daneben..
 

 

 

 

 

Texte CRISTY Orzechowski aus: SEINE KLEINE GEGENWART S.116./186

 

 Wir sind Kirche Online-Andacht interaktiv

Nächster Termin  Dienstag 19 Uhr 12. April 2022

> www.wir-sind-kirche.de/andachten

 

 

Neuland

Alle gingen in ihre eigenen Häuser, Jesus aber ging auf den Ölberg.Am frühen Morgen begab er sich wieder in den Tempel, und das ganze Volk kam zu ihm, und er setzte sich und lehrte sie. Die Schriftgelehrten, Pharisäerinnen und Pharisäer brachten eine Frau, die beim Ehebruch ergriffen worden war, und stellten sie in die Mitte, und sie sagten ihm: „Lehrer, diese Frau ist ergriffen worden, wie sie gerade dabei war, Ehebruch zu begehen. In der Tora hat uns Mose geboten, solche Frauen zu steinigen. Was meinst du nun dazu?“ Dies sagten sie aber, um ihn auf die Probe zu stellen, damit sie etwas hätten, um ihn anzuklagen. Jesus aber beugte sich nieder und schrieb mit dem Finger in den Sand. Als sie dabei blieben, ihn zu fragen, richtete er sich auf und sagte ihnen: „Welche unter euch ohne Unrecht sind, mögen als Erste einen Stein auf sie werfen.“ Und er beugte sich wieder hinunter und schrieb in den Sand. Als sie dies hörten, gingen sie alle nacheinander weg, angefangen bei den Ältesten, und ließen ihn allein mit der Frau, die in der Mitte war. Jesus richtete sich auf und sagte ihr: „Frau, wo sind sie? Hat dich niemand gerichtet?“ Sie sagte: „Niemand, Rabbi.“ Jesus sagte ihr: „Auch ich richte dich nicht; geh und tue von jetzt an kein Unrecht mehr.“

Joh 7,53 – 8,11 Bibel in gerechter Sprache

 Bibel in gerechter Sprache

 

Neuland

 

Heute haben wir eine sehr spannende Textstelle vor uns. Da verspürt man, wenn man sich die Handlung selbst richtig vorstellt, wie die Luft brennt, zwischen den Schriftgelehrten und Jesus und wie sich ein Spannungsbogen aufbaut bis zum Rückzug der Meute. Zum anderen, und das ist auch spannend, ist die Erzählung von der Ehebrecherin erst sehr spät an genau dieser Stelle des Johannesevangeliums eingefügt worden. Das wissen die Bibelforscher aus dem Vergleich von Ursprungshandschriften und späteren Fassungen sowie der Erforschung von frühen christlichen Schriften aus den ersten Jahrhunderten. Diese, z.B. von Bischof Papias von Hierapolis, im 2. Jahrhundert oder die syrische Didascalia Apostolorum ( Apostellehre) aus dem 3. Jahrhundert beinhalten Erzählungen von der Begegnung Jesu mit der Sünderin.

 

Der Kirchenlehrer Augustinus von Hippo rügte im 4. Jahrhundert, dass dieser Text in manchen Manuskripten entfernt worden sei, um den Eindruck zu vermeiden, Christus habe Ehebruch gebilligt:

„Einige Personen mit kleinem Glauben, oder eher Feinde des wahren Glaubens, fürchten, so meine ich, ihren Frauen wäre Straffreiheit vom Sündigen gegeben worden, und so entfernten sie aus den Manuskripten des Herrn Tat der Vergebung gegenüber der Ehebrecherin, als ob jener, der sagte „Sündige nicht mehr“, damit die Erlaubnis zum Sündigen gegeben hätte.“ (De Adulterinis Conjugiis II 6, 7.: )

 

 

Kann es sein, dass diese Geschichte, die sehr gut zu Jesus passt, aber noch lange nicht in die Moralvorstellungen der Redakteure der canonisierten Evangelien, tatsächlich hätte unterschlagen werden sollen? Wundern würde es mich ja nicht, denn wir wissen ja, dass schon bald ein Kampf um die Deutungshoheit der christlichen Lehre entbrannte. Und da ist Jesus einigen wohl zu weit gegangen. Ehebruch, das war im damaligen Orient kein Pappenstiel, insbesondere nicht für Frauen, die Eigentum des Mannes waren. In der Fassung des Papias klang der Satz, den Jesus an die Ankläger richtete, noch etwas schärfer: „Derjenige von Euch, der sich gewiss ist, selbst unschuldig zu sein in Bezug auf die Sünde, derer sie bezichtigt ist, lasst ihn gegen sie aussagen mit dem Beweis, dass er selbst [unschuldig] ist.“ - Hier wird im Verlauf der Szene klar, dass auch anwesende Männer die eheliche Treue verletzt hatten, was gegenüber der eigenen Ehefrau zwar keine große Bedeutung hatte, im Falle des Ehebruchs mit der Frau eines anderen Mannes aber ein Vergehen gegen dessen Eigentumsrechte darstellte. Jesus zeigt damit, dass ihn diese juristischen Feinheiten nicht interessieren. Er stellt Männer und Frauen und deren Vergehen auf die gleiche Ebene. - 

 

In der Fassung der Erzählung, die es dann doch in eines der Evangelien geschafft hat, spielt noch eine weitere Besonderheit eine wichtige Rolle. Jesus schreibt mit dem Finger in den Sand, in die Erde. Wir erfahren nicht was er schreibt. Aber er schreibt. Und da gibt es die Parallele zu Jer 17,13: 

„Du Hoffnung Israels, Gott! Alle, die dich verlassen, werden zugrunde gehen. Die sich von dir abwenden, werden in Erde geritzt, weil sie die Quelle lebendigen Wassers, Gott, verlassen haben.“ 

 

Wenn es nicht so stattgefunden hat, dann ist es doch sehr gut erfunden. Denn dieses Zitat schafft sozusagen den Hintergrund für das Geschehen. Jesus bricht der Vergebung Bahn indem er daran erinnert, dass alle von Gott abhängig sind. Alle werden immer wieder schuldig, alle ver-fehlen bisweilen das Gute und niemand kann sagen: Ich bin ein besserer Mensch als du. Wir sind darauf angewiesen, uns nicht voneinander abzuwenden, denn wir sind aufeinander angewiesen – wie wir auf die Quelle des lebendigen Wassers angewiesen sind. 

 

Jesus macht mit seinem Verhalten und seinem Verzicht auf die Verurteilung der Frau den Weg frei, er eröffnet Neuland. Weg von den alten Mustern der Einschüchterung und Verachtung, weg von der Missachtung der Frauen, weg von der Todesstrafe und der Lynchjustiz. Die heutige erste Lesung aus Jes 17 spricht auch von diesem neuen Weg:

 

Siehe, ich mache Neues, jetzt sprießt es auf, erkennt ihr es nicht?
Ja, ich mache in der Wüste einen Weg, in der Einöde Wasserströme.
Sie werden mich ehren, die Lebewesen des Feldes,
Schakale und Strauße,
denn ich schenke in der Wüste Wasser, Ströme in der Einöde,
um mein Volk zu tränken, meine Auserwählten.
Das Volk, das ich mir gebildet habe,
wird meinen Ruhm verkünden.
 

 

Es sind Hoffnungsbilder, Bilder vom Aufstehen und Auferstehen, die uns Mut machen können und die unsere Seele braucht. Wir erleben gerade wieder, wie sehr wir in dieser Welt aufeinander angewiesen sind, wie es ist, wenn sich Menschen voneinander abwenden, wenn sie die anderen nicht sehen wollen. Damit wenden sie sich von der Quelle des lebendigen Wassers ab. Aber zugleich reißen sie so viele mit, zugleich verhindern sie das lebendig sein anderer, vernichten deren Leben und Lebensgrundlagen. Den Weg, den Gott in der Wüste weist, den Weg, den Jesus eröffnet, den müssen alle Generationen immer wieder neu beschreiten. Und das müssen wir weitergeben.

 

Sigrid Grabmeier

 

 

 

Wir sind Kirche Gespräche am Jakobsbrunnen onlineG

 

Dienstag, 5. April 2022 Burkhard Hose, Studentenpfarrer und Buchautor, Würzburg

> www.wir-sind-kirche.de/jakobsbrunnen

 

Wir sind Kirche Online-Andacht interaktiv

Nächster Termin  Dienstag 19 Uhr 12. April 2022

> www.wir-sind-kirche.de/andachten

 

 

„Denen“ gönne ich den Himmel nicht!

Es kamen immer wieder alle, die beim Zoll beschäftigt waren und zu den Sündern gezählt wurden, zu Jesus, um ihn zu hören. Die Angehörigen der pharisäischen Glaubensrichtung und die Schriftgelehrten murrten und sagten: „Der akzeptiert ja sündige Leute und isst mit ihnen!“

Jesus aber erzählte ihnen folgendes Gleichnis:„Ein Mann hatte zwei Söhne. Der jüngere von ihnen sagte zum Vater: ´Vater, gib mir den Teil des Vermögens, der mir zusteht.` Und er verteilte seine Habe an sie. Bald danach nahm der jüngere Sohn alles mit sich und zog in ein fernes Land. Dort verschleuderte er sein Vermögen und lebte in Saus und Braus.

Nachdem er aber all das Seine durchgebracht hatte, kam ein gewaltiger Hunger in jenes Land, und er begann, Not zu leiden. Er zog los und begab sich in die Abhängigkeit eines Bürgers jenes Landes, und der schickte ihn auf die Felder, seine Schweine zu hüten. Er hätte sich unheimlich gern satt gegessen an den Schoten des Johannisbrotbaums, die die Schweine fraßen, aber niemand gab ihm davon. Da ging er in sich und sagte: So viele Tagelöhner und Tagelöhnerinnen meines Vaters haben Brot im Überfluss – und ich komme hier um vor Hunger! Ich stehe auf, wandere zu meinem Vater und sage zu ihm: ´Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir. Ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu heißen. Mach' mich zu einem deiner Tagelöhner!`

Er stand auf und ging zu seinem Vater. Schon von ferne sah ihn sein Vater kommen, und Mitleid regte sich in ihm, und er eilte ihm entgegen, fiel ihm um den Hals und küsste ihn. Der Sohn sprach zu ihm: ´Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir. Ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu heißen.` Der Vater aber sagte zu seinen Sklaven und Sklavinnen: ´Schnell, bringt das beste Kleid her und zieht es ihm an, steckt ihm einen Ring an die Hand und Sandalen an die Füße! Holt das Mastkalb und schlachtet es, lasset uns essen und fröhlich sein! Denn dieser, mein Sohn, war tot und ist wieder lebendig, er war verloren und ist gefunden!` Und sie begannen sich zu freuen.

Sein älterer Sohn aber war auf dem Feld. Als er heimkam und sich dem Haus näherte, hörte er Singen und Tanzschritte. Er rief einen der jungen Sklaven und fragte ihn, was denn sei. Der aber sagte ihm: ´Dein Bruder ist gekommen, und dein Vater ließ das Mastkalb schlachten, weil er ihn gesund wieder erhalten hat` Da wurde der Bruder wütend und wollte nicht hineingehen. Sein Vater aber kam heraus und lud ihn ein. Er antwortete aber seinem Vater: ´Siehe, ich diene dir schon so viele Jahre und habe nie ein Gebot von dir übertreten, und nie hast du mir einen Bock gegeben, damit ich mit meinen Freunden fröhlich wäre. Nun aber kommt dein Sohn, der deine Habe mit Unzüchtigen verfressen hat, und du lässt für ihn das Mastkalb schlachten!` Er sagte zu ihm: ´Kind, du warst alle Zeit mit mir zusammen, und alles, was mir gehört, gehört auch dir. Nun ist es Zeit, sich zu freuen und fröhlich zu sein, weil dein Bruder, der tot war, lebendig ist. Er war verloren und ist gefunden!` “

Lk 15,1-3.11-3 Bibel in gerechter Sprache

 

„Denen“ gönne ich den Himmel nicht!

Fangen wir damit an: Stimmt eigentlich der Titel „vom verlorenen Sohn“? Es ist doch die Rede von zwei Söhnen! Der ältere Bruder fällt freilich gern unter den Tisch, er passt ja nicht recht ins System der christlichen Botschaft vom reuigen Sünder. Der jüngere wurde und wird dagegen gern als Vorbild herausgestellt: Gewissenserforschung – Reue – Bekenntnis – Vergebung, das erinnert uns an die Beichte (auch wenn sie heute kaum mehr praktiziert wird). Also wurde vorgeschlagen: das Gleichnis „von den zwei Söhnen“. Sagt uns das mehr? Sicher nicht. Richtig muss es wohl heißen: das Gleichnis „vom barmherzigen Vater und den zwei Söhnen“; denn alle drei spielen ja in diesem Gleichnis eine Rolle.

 

Da ist der Lebemann. Erst als er quasi in der Gosse liegt – er muss als Jude Schweine, unreine Tiere hüten – , geht er in sich. Da ist der Vater. Er hat auf ihn gewartet, geht ihm entgegen, nimmt ihn wieder als seinen Sohn auf und feiert ein Fest. Da ist der treue ältere Sohn. Er ist empört und will nicht ins Haus gehen. Da kommt auch ihm der Vater entgegen und sagt: „Nun ist es Zeit, sich zu freuen und fröhlich zu sein, weil dein Bruder, der tot war, lebendig ist. Er war verloren und ist gefunden!“


Na und? So sehr unsere Sympathie dem barmherzigen Vater gilt, so sehr können wir den Ärger des älteren Bruders verstehen, der den jüngeren nicht mehr als seinen Bruder sehen will und nur von „dem da“, von „deinem Sohn“ spricht. Und wie geht die Geschichte aus? Wir wissen es nicht. Der großartige Erzähler, der Mann aus Nazaret, lässt sie einfach so stehen. Was sollen wir also mit dem letzten Teil anfangen? „Eigentlich geht uns dieser Teil der Geschichte doch gar nichts an“, sagte mir mal jemand vor vielen Jahren, „das Gleichnis richtet sich doch gegen die Pharisäer und Schriftgelehrten, und wir sind doch Christen.“ 


Ja, das Gleichnis erzählt Jesus den Angehörigen der pharisäischen Glaubensrichtung und den Schriftgelehrten. Sie murrten, weil auch Zöllner zu Jesus kamen, Volksverräter, die im Dienst der Römer standen. Sie sagten: „Der akzeptiert ja sündige Leute und isst mit ihnen!“ Ihnen überlässt er die Antwort, denn sie sind mit dem älteren Bruder gemeint als diejenigen, die treu zu den Geboten Gottes stehen.


Schön, jetzt sehen wir die Geschichte in einem neuen Licht. Und führt uns das weiter? Vielleicht. Denn wir finden uns nicht nur im jüngeren, reuigen Bruder wieder, sondern auch im älteren. Ich kann mich noch gut erinnern, dass jemand vor langer Zeit sagte: „Die Evangelischen können nach einer Scheidung wieder heiraten. Für uns Katholiken ist das eine Todsünde. Und ‚die‘ sollen auch in den Himmel kommen? ‚Denen‘ gönne ich den Himmel nicht!“ Vor ein paar Wochen wurde die Petition „#OutInChurch – für eine Kirche ohne Angst“ an die Deutsche Bischofskonferenz übergeben. Nach dem geltenden kirchlichen Arbeitsrecht können kirchliche Mitarbeiter*innen entlassen werden, wenn sie nicht der kirchlichen Norm entsprechen: Homosexuelle, geschieden Wiederverheiratete und und und. Wie stehen wir dazu? Wie der barmherzige Vater oder wie der gesetzestreue Sohn? Nehmen wir sie – endlich – mit offenen Armen auf? Den „Frommen“ passt nicht, dass wir ihnen entgegengehen, sie wittern Verrat am wahren Glauben. Der russisch-orthodoxe Moskauer Patriarch Kyrill I. rechtfertigt den Überfall Putins auf die Ukraine u.a. damit, dass es ein metaphysischer, ein religiöser Kampf gegen die im Westen um sich greifende Homosexuellenfreundlichkeit ist, gegen eine Sünde, die es auszurotten gilt.


Nun, vielleicht ermutigt uns dieses Gleichnis zu einer Umkehr. Als junger Theologiestudent bin ich einer alten Frau begegnet, die mindestens 150 % katholisch war und sich deshalb über all die anderen erhaben gefühlt hat, die nicht so „streng katholisch“ waren. Und die deshalb sicher war, in den Himmel zu kommen. Ein paar Wochen vor ihrem Tod hat sie mich mit ein paar Worten ganz anderer Art überrascht: „Ja, wir haben uns immer als etwas Besseres gefühlt. Da war einer, der ist nie in die Kirche gegangen. Aber er war allen Menschen gegenüber freundlich und hilfsbereit. Vielleicht hat der vom Glauben mehr verstanden als wir.“

 

Magnus Lux

 

Wir sind Kirche Gespräche am Jakobsbrunnen onlineG

 

29. März 2022 mit Sr. Dr. Katharina Ganz, Generaloberin Oberzell

> www.wir-sind-kirche.de/jakobsbrunnen

 

Wir sind Kirche Online-Andacht interaktiv

Nächster Termin  Dienstag 19 Uhr 12. April 2022

> www.wir-sind-kirche.de/andachten

 

 

Der Feigenbaum

Und er erzählte ihnen dieses Gleichnis: Ein Mann hatte in seinem Weinberg einen Feigenbaum gepflanzt; und als er kam und nachsah, ob er Früchte trug, fand er keine. Da sagte er zu seinem Winzer: Siehe, jetzt komme ich schon drei Jahre und sehe nach, ob dieser Feigenbaum Früchte trägt, und finde nichts. Hau ihn um! Was soll er weiter dem Boden seine Kraft nehmen? Der Winzer erwiderte: Herr, lass ihn dieses Jahr noch stehen; ich will den Boden um ihn herum aufgraben und düngen.Vielleicht trägt er in Zukunft Früchte; wenn nicht, dann lass ihn umhauen!

Lk13, 6-9 Einheitsübersetzung

 

Der Feigenbaum

 

Heute, am 15.03.2022, setze ich mich hin um diesen Sonntagsbrief zu schreiben. Heute vor genau einem Jahr hat der Vatikan erklärt, dass er die Sünde nicht segnen könne, und die römisch katholische Kirche eine Segnung homosexueller Partnerschaften deshalb ausdrücklich ablehnt.

Heute, genau ein Jahr später, herrscht Krieg in Europa.

 

Die beiden Klitschko-Brüder appellierten Anfang März schon aus dem umkämpften Kiew heraus an "alle geistigen Führer dieser Welt", nach Kiew zu kommen und Stellung zu beziehen und die „Ihnen verpflichtende moralische Funktion und mit Stolz die Verantwortung Ihrer Religion für unseren Frieden zu übernehmen“. Und dann wendet sich Vitali Klitschko zuerst an Papst Franziskus  und zuletzt an den Patriarchen Kyrill I. und lädt sie ein, nach Kiew zu kommen und ihre Solidarität mit dem ukrainischen Volk zu bekunden, ihr Mitgefühl zu zeigen und sich im Geist der Harmonie zu vereinen, den „mein Land und die ganze Welt brauchen“. Und Wladimir Klitschko fügte hinzu: „Einheit ist unser Schlüssel für Freiheit!“

 

Auch der ökumenische Rat der Kirchen schrieb an Kyrill I.: „Erheben Sie Ihre Stimme, damit der Krieg gestoppt werden kann! Die ganze Welt sieht mit großer Sorge zu und sucht nach einem Zeichen der Hoffnung.“ Der ökumensche Rat vertritt weltweit 580 Millionen Christinnnen und Christen, die russich-orthodoxe Kirche ist seit 1961 Mitglied in diesem Rat.

 

Aber Kyrill I. machte unmissverständlich klar, dass er dem Kriegsherrn Putin nichts entgegensetzen will, im Gegenteil. Er rechtfertigt den Krieg gegen den, Zitat, „sündigen Westen“ als „metaphysischen Kampf“. Er sprach von der Notwendigkeit, den christlichen Glauben zu verteidigen, und nutze dabei angeblich vom Westen aufgezwungene Schwulen-Paradren als quasi Rechtfertigung für kriegerische Handlungen.

 

Der Westen will die Sünde segnen und wer da nicht mitmachen will, wird ausgeschlossen! "Die Forderung vieler, eine Gay-Pride-Parade zu veranstalten, ist ein Test der Loyalität zu dieser sehr mächtigen Welt; und wir wissen, dass Menschen oder Länder, die diese Forderungen ablehnen, nicht Teil dieser Welt werden, sie werden zu Fremden in dieser Welt.“ sagte Kyrill I. in einer Predigt in der Christ-Erlöser-Kathedrale in Moskau.

 

Wir Homosexuellen sind an allem Schuld!

 

Weder Franziskus noch Kyrill I. haben die Einladung der Klitschko-Brüder annehmen wollen. Stattdessen vermeldet der Vatikan, dass Franziskus sich gerne in Moskau mit Kyrill I. zum Dialog treffen wolle. Auch Franziskus hatte Gay-Paraden schon als Schwulen-Propagnada bezeichnet und abgelehnt als Propaganda für die Sünde, die, wie wir vor einem Jahr wieder einmal erfahren mussten, ja auf keinen Fall gesegnet werden kann. Die von GOTT angeblich gewollte „Schöpfungsordnung“ muss verteidigt werden gegen den Angriff derer, die Sünde nicht mehr Sünde nennen.

 

Im Jahr 2000 habe ich mein Angebot aufgeschrieben, diese Schöpfungsordnung neu zu denken. Mein Angebot ist nicht gefällig gegenüber dem „Zeitgeist“, es verwässert nicht die Schriften, sodass Tiefsinn verloren ginge, im Gegenteil, der Tiefsinn nimmt zu. Und wurde ich erhört? Nein, meine Stimme rief ins Leere! Auf meiner Homepage www.johannesbrinkmann.de kann man meine Angebot einfach herunterladen und sich damit auseinandersetzen. Es ist ein Büchlein von nur 68 Seiten.

 

Was machen wir also mit diesem Baum der geistlichen Führer Franziskus I. und Kyrill I.? Trägt er Früchte? Ich habe den Boden um ihn herum aufgraben wollen und habe ihm Dünger zuführen wollen. Er ließ sich nicht aufgraben und hat den Dünger nicht aufgenommen, so verhärtet war er! Haut ihn nun um!

 

Johannes Brinkmann

 

 

Wir sind Kirche Gespräche am Jakobsbrunnen onlineG

 

22. März 2022 mit Prof. Dr. Wolfgang Beck, Pastoraltheologe

29. März 2022 mit Sr. Dr. Katharina Ganz, Generaloberin Oberzell

> www.wir-sind-kirche.de/jakobsbrunnen

 

Wir sind Kirche Online-Andachten interaktiv

Nächster Termine  Dienstag 19 Uhr 12. April 2022

> www.wir-sind-kirche.de/andachten

 

 

Kein Gottkönig

Jesus nahm Petrus, Johannes und Jakobus mit sich. Er stieg auf einen Berg, um zu beten. Während er betete, sah sein Gesicht auf einmal ganz verändert aus,und seine Kleidung glänzte strahlend weiß. Da redeten zwei Männer mit ihm. Es waren Mose und Elija, die in Herrlichkeit erschienen. Sie sprachen mit Jesus über den Tod,der ihm nach Gottes Plan in Jerusalem bevorstand. Aber Petrus und die anderen waren fast eingeschlafen. Trotzdem hielten sie sich wach. So sahen sie Jesus in seiner Herrlichkeit und die zwei Männer, die bei ihm standen. Als die beiden sich von Jesus trennen wollten, sagte Petrus zu ihm:“Meister, es ist gut, dass wir hier sind.Wir wollen drei Zelte aufschlagen:eins für dich, eins für Mose und eins für Elija.“Aber er wusste nicht, was er da sagte.

Während Petrus noch redete, zog eine Wolke auf,und ihr Schatten legte sich über sie.Die Wolke hüllte sie ganz ein, und sie fürchteten sich. Eine Stimme erklang aus der Wolke: „Das ist mein Sohn, ihn habe ich erwählt. Hört auf ihn!“ Während die Stimme noch erklang,war Jesus plötzlich wieder allein. Die Jünger behielten das alles für sich. Sie erzählten damals niemandem, was sie gesehen hatten.


Lukas 9, 28-36 Basisbibel 

 

Kein Gottkönig

 

Die Bilder, die Lukas in dieser Erzählung mit Worten entstehen lässt, wären für eine Phantasy - Produktion eine reizvolle Episode. Und natürlich hat gerade diese Szene in der Malerei eine großartige Ausgestaltung erfahren. Um so schwerer ist es für uns heute damit umzugehen. Das ist nicht der Jesus, den wir sonst so kennen, der unter den Leuten ist, für sie da, aktiv, heilend, segnend, verkündend. Hier wird uns Jesus aus einer völlig anderen Perspektive gezeigt: zurückgezogen, kontemplativ, in innigem Austausch mit Gott. Und vor allem wird uns – wie auch dem Publikum damals - nahegebracht, dass dieser Mann aus Nazareth ganz sicher alles andere als ein normaler Mensch ist und dem Göttlichen nahesteht. 

 

Den Menschen damals, zumal den „Heiden“ waren die Ideen von Göttersöhnen nicht fremd. Zum einen wimmelte es in der Mythologie vor Halbgöttern, zum anderen gehörte es zum guten Ruf beispielsweise eines römischen Kaisers, sich als göttlich zu bezeichnen und sich wie ein Gott verehren zu lassen. Die Göttlichkeit, die Gottessohnschaft Jesu aber, die schon bei Markus und dann auch bei Lukas vermittelt wird, ist eine völlig andere. 

 

Tragen die römischen oder griechischen Gottheiten durchaus menschliche Züge, so entwickelte sich die Vorstellung von Jahwe im Verlauf vieler Jahrhunderte zu einem einzig und allmächtig waltenden Gott, dessen Name nicht ausgesprochen werden darf,und von der es kein Bildnis gibt. Der Mythos des von einer Jungfrau geborenen Gottessohnes ist in der antiken Gedankenwelt angesiedelt, doch das Leben und Wirken Jesu entwickelt sich in eine ganz andere Richtung. Geboren unter widrigen Umständen, schon als Säugling verfolgt von einem blutrünstigen Herrscher, bedeutet für ihn Gottessohnschaft nicht ein Auftritt in Herrlichkeit und Machtvollkommenheit sondern als Überbringer einer Botschaft von sozialer Gerechtigkeit, Demut, gegenseitigem Respekt, Hilfsbereitschaft und Versöhnung. Er fordert anders als die römischen Kaiser keine Verehrung als Gottkönig ein sondern er verkündet einen liebenden Gott, dessen Liebe zu den Menschen unter den Menschen weitergegeben und weitergelebt werden soll.

 

Jesus, der Mann aus Nazaret steht in der Tradition von Mose und Elija, den großen Propheten, die selbst, wie er in dieser Bergbegegnung auch, Gott in Erscheinungen begegnet sind. Moses im brennenden Dornbusch, Elija im säuselnden Wind. Seine Botschaft aber soll über das jüdische Volk hinaus wirken.

 

Wie schmerzhaft erleben wir und gerade die direkt Betroffenen, wie grausam die Göttersöhne in der Tradition der antiken Gottkönige ihre Macht missbrauchen, auch im Namen dessen, der die Liebe Gottes und die Nächstenliebe verkündet hat. Wie sie Verbündete finden unter Vertretern einer Religion, die sich eigentlich nicht den Mächtigen sondern den Machtlosen zuwenden soll. Die Hässlichkeit, die Brutalität, die Gnadenlosigkeit dieser Despoten zerstört, vernichtet und tötet. Um so wichtiger muss uns daher die Botschaft und der Auftrag Jesu sein.

 

Sigrid Grabmeier 

 

Verleih uns Frieden genädiglich,
Herr Gott, zu unsern Zeiten,
es ist doch ja kein ander nicht,
der für uns könnte streiten,
denn du, unser Gott alleine.

Martin Luther

 

Heinrich Schütz

Geistliche Chormusik - Verleih uns Frieden genädiglich SWV 372

 

 

Wir sind Kirche Online-Andachten interaktiv

Die nächsten Termine jeweils Dienstag 19 Uhr 15. März 2022, 12. April 2022

> www.wir-sind-kirche.de/andachten

 

Wir sind Kirche Gespräche am Jakobsbrunnen onlineG

 

22. März 2022 mit Prof. Dr. Wolfgang Beck, Pastoraltheologe

29. März 2022 mit Sr. Dr. Katharina Ganz, Generaloberin Oberzell

> www.wir-sind-kirche.de/jakobsbrunnen

 

 

Der Versuchung widersagen

 

Jesus aber kehrte voller heiliger Geistkraft vom Jordan zurück und wurde vom Geist in der Wildnis herumgetrieben. Während 40 Tagen wurde er vom Teufel schwer geprüft. In jenen Tagen aß er nichts, und als diese Tage vorbei waren, hatte er großen Hunger. Da sagte der Teufel zu ihm:

 

„Bist du ein Sohn Gottes, so sage zu diesem Stein, dass er Brot werden soll!“ Jesus aber antwortete ihm: „Es steht in der Schrift geschrieben: Die Menschen werden nicht vom Brot allein leben.“

 

Und er führte ihn hinauf und zeigte ihm alle Reiche des Erdkreises in einem Augenblick. Und der Teufel sprach zu ihm: „Dir will ich alle Macht und all ihren Ruhm geben, denn mir gehören sie und ich gebe sie, wem ich will. Wenn du dich vor mir verbeugst, soll alles dir gehören.“ Jesus aber antwortete ihm: „Es steht geschrieben: Du sollst DIE LEBENDIGE, deinen Gott, anbeten und allein ihr dienen.“

 

Darauf führte der Teufel ihn nach Jerusalem, stellte ihn auf die Zinne des Tempels und sagte zu ihm: „Bist du ein Gottessohn, so stürze dich hinab! Denn es steht geschrieben: Deinetwegen wird er seine Engel senden, dich zu behüten, und sie werden dich auf Händen tragen, damit dein Fuß nicht an einen Stein stoße.“ Jesus aber antwortete: „Es heißt: Du sollst DIE LEBENDIGE, deinen Gott, nicht herausfordern.“ Und als der Teufel die Prüfung ganz vollendet hatte, blieb er von ihm fern bis zur gelegenen Zeit.

 

 

 

Lk 4, 1-13Bibel in gerechter Sprache

 

Der Versuchung widersagen

 

 

Wie junge Menschen heute, so suchte auch Jesus nach Wegen für eine bessere Zukunft. Was würde mir Freude machen? Welche Anlagen habe ich? Wie könnte eine gesicherte Zukunft in dem armen Nazareth gelingen? Die Wüste mit ihrer Stille schien ihm der richtige Ort zu sein, um passende Antworten zu finden. Gut möglich, dass dem jungen Mann sekündlich ein besseres Leben aus der Armut der Schreinerwerkstatt heraus in eine offene Zukunft mit sicherem Einkommen durch den Kopf geschossen war. Zum Greifen nahe, zumindest im Kopf, die Annehmlichkeiten dieser Welt! 

 

Und schon meldet sich der selbsternannte Weltenherrscher: Als Gottes Sohn müsstest du doch aus diesen Steinen Brot machen können? Könnte ich? Doch Jesus wurde schnell klar, diese Versuchung widersprach allem, was seine frommen Eltern ihm vorgelebt hatten. Es vibrierte in ihm! Gottes Vorgabe war doch ganz anders: IHN lieben, den Nächsten und sich selbst! Jesus setzt die Tora gegen die Versuchung: Nicht nur vom Brot allein lebt der Mensch, sondern von jedem Wort, dass aus dem Munde Gottes kommt! Und dieses Wort brauchen wir lebensnotwendig. Das Kind braucht die vertraute Stimme der Mutter, der Schüler die seiner Lehrer, Liebende brauchen sie und Eheleute, Freunde und Freundinnen, Vorgesetze in Politik und Kirche auch. Wir alle sehnen uns nach dem guten Wort, aus dem wir heraushören, hier mag mich jemand. hier bin ich sicher. Durch SEIN Wort sind wir Menschen. 

 

Ob das nächste Angebot zieht? Jetzt verspricht der Teufel dem ausgezehrten Handwerkersohn alle Reiche dieser Erde mit samt deren ganzer Herrlichkeit. Einzige Bedingung: Er als Gottes Sohn müsse sich vor ihm niederwerfen und ihn anbeten. Jesus weicht zurück und kontert mit der Schrift: Du sollst den Herrn, deinen Gott, anbeten und ihm allein dienen.

 

Reich zu sein und viel besitzen, als einziges Lebensziel zu sehen, passt nicht zu der Liebesbotschaft, die den Nächsten, den Armen, den Kranken und Hilfsbedürftigen sieht. Das Bild des Reichen und Mächtigen hat sich uns in den vergangenen Tagen eingeprägt: Zwei Menschen sitzen an den Kopfenden eines Tisches. Auf der einen Seite der mächtige Reiche, der Aggressor, Putin. Ihm gegenüber in zehn Metern Entfernung der Bittsteller: der Alleinherrscher möge doch von seinen Kriegsplänen absehen. 

 

Macht, Geld, Luxus und Konsumismus verbannen aus vielen Hirnen, denen es gut geht, die Wirklichkeit, in der die Mehrheit der Weltbevölkerung leben muss. Der Konsumismus hat auch uns fest im Griff. Was geben wir nicht alles vor, darauf nicht verzichten zu können! Die Folge dieses ungebremsten Verbrauchs von immer mehr Ressourcen führt über kurz oder lang zum Zusammenbruch der von Gott geschenkten Natur. Den irdischen Verlockungen zu widerstehen und den Raubbau an unseren Lebensgrundlagen zu minimieren, wird unsere Sendung sein müssen, um als Jesu Jünger*innen seiner Botschaft immer wahrhaftiger nachzukommen. 

 

Jetzt greift der Widersacher selbst zur Tora und legt in einem dritten Versuch Jesu auf dessen Gottessohnschaft fest. Ohne Sorge könne er sich von der Zinne des Tempels stürzen, denn die Engel seines Vaters würden ihn doch auf Händen tragen, nicht mal ein Fuß werde an einen Stein stoßen. „Du sollst den Herrn, deinen Gott nicht auf die Probe stellen!“, ist die unmissverständliche Ansage an den Satan.

 

Lukas schreibt: Da der Teufel nicht zum Ziel gekommen sei, habe er für eine Weile von ihm abgelassen. Will heißen, der Satan gibt nicht auf, das Böse ist unter uns. „Widersteht ihm fest im Glauben“, beten wir in der Komplet.

 

Für Jesus stand nun fest, welchen Weg er einschlagen würde. Er spürte und wusste, dass Gott bei ihm ist, ihn liebt und ihn sendet: „Ich möchte, dass du mit meinem Mund sprichst, mit meinen Augen siehst, mit meinen Ohren hörst und mit meinen Händen berührst. Alles was mein ist, ist dein. Vertrau mir nur, ich möchte dein Gott sein!“ (Henri J.M. Nouwen, Die innere Stimme der Liebe, S. 118 ff) 

 

Gottes Zusage an jedes seiner Geschöpfe: „Ich liebe dich und bin bei dir“, bildete für Jesus nach seiner 40-tägigen Wüstenerfahrung den Grundstein seiner beginnenden Friedensmission, insbesondere den Armen, Kranken, Traurigen und Verlassenen beizustehen. Macht und Reichtum waren nicht seine Sache. Seine Mission konnte nur lauten, die Menschen zu lieben, wie Gott liebte, sie mit des Schöpfers liebenden Augen anzuschauen, ihnen zuzuhören und sie heilend zu berühren. Dafür zu leben, dass Gottes Plan der Nächstenliebe sich in die Herzen der Menschen einnisten möge, darin sah der junge Mann aus Nazareth nun seinen Missionsauftrag. Jesu Credo bleibt ewig: Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben!

 

Georg Mollberg

 

 

"Gespräche am Jakobsbrunnen" online

 

8. März 2022 mit Magdalena-Klara Pittracher, verantwortlich für die „Weltsynode“ in der Diözese Innsbruck

22. März 2022 mit Prof. Dr. Wolfgang Beck, Pastoraltheologe

29. März 2022 mit Sr. Dr. Katharina Ganz, Generaloberin Oberzell

 

> www.wir-sind-kirche.de/jakobsbrunnen

 

Wir sind Kirche Online-Andachten interaktiv

Die nächsten Termine jeweils Dienstag 19 Uhr 15. März 2022, 12. April 2022

> www.wir-sind-kirche.de/andachten



Von Balken, Splittern und Hoffnung

Ewiger Gott,

vor Dich bringen wir an diesem Tag unsere Fassungslosigkeit,

unsere Trauer und unseren Zorn. 

Die diplomatischen Bemühungen, auf die wir so gehofft hatten, haben nicht zum Ziel geführt. 

Die Sprache der brutalen Gewalt gibt jetzt den Ton an. 

Der Machthunger hat die Oberhand behalten gegenüber der Vernunft.

Sei Du jetzt bei den Menschen in der Ukraine, die durch die Gewalt der Waffen in Not und Gefahr sind. 

Lass sie spüren, dass überall auf der Welt Menschen für sie beten.

Sende Du Deinen Geist in die Herzen derer, die verantwortlich sind für aggressive Gewalt. 

Lass sie erkennen, dass durch die Gewalt alle verlieren. 

Öffne ihre Herzen, dass sie sich anrühren lassen von dem Leid, dass ihre Gewalt verursacht.

Sei bei denen, die jetzt politische Verantwortung tragen und die richtigen Entscheidungen zu treffen haben. 

Öffne Wege, der militärischen Gewalt die Klarheit in der Verurteilung des Unrechts, wirksame Gegenmaßnahmen und eine Deeskalation der Gewalt entgegenzustellen.

In uns allen stärke das, was die Basis unseres Lebens ist: Stärke unseren Glauben. 

Stärke unsere Hoffnung. Stärke unsere Liebe.

Auf dich vertrauen wir – auch jetzt.

Amen

(Heinrich Bedford-Strohm, Landesbischof der ELKB)

 

 

 

Er sagte ihnen auch ein Gleichnis: „Kann eine blinde Person eine andere blinde führen? Werden nicht beide in den Straßengraben fallen? Ein Lehrling steht nicht über der Meisterin oder dem Meister; erst wenn sie die Lehre vollendet haben, werden sie sein wie die, von denen sie gelernt haben. Warum siehst du den Splitter im Auge deiner Geschwister, nimmst aber den Balken in deinem eigenen Auge nicht wahr? Wie kannst du sagen: Geschwister, wartet, ich werde den Splitter in eurem Auge herausziehen – wenn du selbst den Balken in deinem Auge nicht siehst? Du machst dir etwas vor! Entferne zuerst den Balken aus deinem Auge, und dann wirst du sehen, ob du den Splitter aus dem Auge deiner Geschwister herausziehen kannst.“

 

„Denn es gibt keinen guten Baum, der faule Frucht bringt, und auch keinen faulen Baum, der gute Frucht bringt. Denn jeder Baum wird an seiner Frucht erkannt; von Dornen sammeln sie ja keine Feigen, und von einem Dornbusch schneiden sie keine Trauben. Wohlwollende Menschen bringen aus dem guten Schatz ihres Herzens Wohl hervor, Übelwollende aus dem schlechten Schatz Übles. Wovon dein Herz erfüllt ist, davon redet dein Mund!“

Lk 6, 39-45 Bibel in gerechter Sprache

 

Von Balken, Splittern und Hoffnung

 

Am Faschingssonntag ist es Brauch
und deshalb wollen wir es auch:
Wir halten heute keine Predigt,
die Sache ist für uns erledigt.
Und deshalb hört ihr heute hier
`ne Büttenpredigt ohne Bier.

 

Wem würd‘ es auch beim Bier behagen,
wenn wir doch alle Masken tragen!
Drum wollt‘ ich lieber drauf verzichten
Und euch ne schöne Predigt dichten.
Das Bier wird nicht mehr so schnell schlecht
und irgendwann kommt‘s wieder recht.

 

Auch heuer sehn wir uns nicht um,
es geht ums Evangelium.
Denn Lukas ist der fromme Dichter,
ich hoffe, euch geh‘n auf die Lichter.
Der Text ist wie für uns gemacht,
als wär er heute ausgedacht.
 

 

Ein Blinder geht die Straße lang,
er wird geführt bei seinem Gang.
Jedoch, man traut den Augen kaum:
Er läuft direkt gegen den Baum.
Wie kam das denn, das ist doch Mist!
Weil auch sein Führer Blinder ist.

 

Ein Blinder, der nen Blinden leitet,
dass der nicht ins Verderben gleitet?
Das würde man nicht unterstützen.
Was soll der einem Blinden nützen?
So etwas kommt bei uns nicht vor.
Meint Ihr? Da habt ihr ja Humor!
Schaut doch nur in die Politik.
Da hat so mancher „Blinde“ Glück,
ist‘s nur die richtige Partei,
ist der oft vorne mit dabei
und gibt selbst dann die Richtung an,
wenn er sie gar nicht sehen kann.

 

Und so geht’s ständig Hüh und Hott,
erst sagt er „Suppe“, dann „Kompott“,
die Leute reiben sich die Augen-
was soll ein solcher Führer taugen?
Wie soll man da die Richtung finden,
da droht man selbst noch zu erblinden.

 

Oder schau abends in die Stadt,
wer da zu demonstrieren hat.
„Erfunden ist die Pandemie,
es gibt sie nicht, es gab sie nie!“
Und kann auch mancher kaum noch pusten,
„das ist halt nur ein starker Husten“.

 

Manch „Blinder“ sieht ne Weltverschwörung-
der hat nur ne Bewusstseinsstörung.
Das Internet bestärkt ihn sehr:
„Das alles kommt von draußen her,
Drum sollen Fremde draußen bleiben,
wir wollen sie direkt vertreiben!“

 

Und in der Kirche, wo wir sind,
war da nicht mancher Bischof blind,
als Kinder haben Leid erfahren-
wollt nur die Contenance bewahren
und steht jetzt vor nem Scherbenhaufen,
weil Christen ihm davongelaufen.

  

Nun lesen wir bei Lukas weiter!
Auf andre schimpfen, das ist heiter,
sind wir denn besser als die „Blinden“?
Da wird man schnell was andres finden.
Ich les vom Balken und vom Splitter
und da wird’s gleich für manchen bitter.

 

Kannst du den andern richtig sehn
und dann das Gleichnis bald verstehn?
Du magst beim Nächsten Splitter suchen:
Du hast den Balken – Pustekuchen!
Und ich befürchte, das wird heißen,
zuerst den Balken rauszureißen.

 

Ein Balken ist in dieser Welt:
Zuerst komm‘ ich mit meinem Geld.
Dann kommt mein Land und meine Stadt,
wo der nur was zu sagen hat,
der denkt und handelt so wie ich.
Wer anders ist, der trolle sich.

 

Solange ich das Urteil fälle,
sitz‘ ich natürlich an der Quelle,
wo jeden ich bewerten kann.
Was mich betrifft- geht keinen an!
So finde ich als edler Ritter
in Deinem Auge jeden Splitter-

 

und wäre er auch noch so klein.
Da kannst Du wirklich sicher sein?!
„Nein“, sagt da Jesus, „oh Ihr Blinden,
wie wollt Ihr denn den Splitter finden
bei dem, den Ihr den Bruder nennt,
wenn Euch der Balken von ihm trennt-

 

in Euerm Auge. Ach Du Tropf! 
Damit stößt Du ihn vor den Kopf
und kommst gar nicht so dicht heran, 
dass man den Splitter finden kann
in seinem Auge. Geh jetzt heim,
wir gehen Dir nicht auf den Leim!“ 

 

Da steh’n wir nun mit unsern Balken
Und hoffen, dass wir nicht verkalken,
bevor wir sie herausgezogen
und ihren Inhalt abgewogen: 
Den Egoismus und den Frust,
dass irgendwas Du teilen musst.

 

Die Feigheit und Bequemlichkeit,
wenn jemand Hassparolen schreit;
was sind die Balken lang und dick!
Wir grollen unserm Mißgeschick-
Sind wir nicht meist recht gute Christen?!
Du kannst nicht Jesus überlisten!

 

Bei Jesus Sirach gibt’s ein Sieb, 
in dem manch Balken hängenblieb.
Warum ging ich nur hin zum Sieben,
wär ich doch nur zuhaus geblieben
mit meinem Balken gut versteckt,
dann hätte keiner ihn entdeckt!

 

Der Balken ist die Nostalgie.
Die alte Zeit, wie schön war sie!
Es soll so werden, wie es war;
fast alles war doch wunderbar!
Das Klima haben wir zerstört 
und die Reserven aufgezehrt.

 

Die Wälder brennen, Tiere sterben,
was wollen wir denn mal vererben
an unsre Enkel? Denkt ihr dran?
Ob man noch mal beginnen kann?!
Das fordern alle unsre Kinder,
und unsre Enkel auch nicht minder.
 

Die Schöpfung, die ist in Gefahr,
es wird stets schlimmer, Jahr um Jahr.
Sehr Ihr das nicht, Ihr Weisen alle?!
Verblendet seid Ihr, in der Falle!
Wir müssen ganz von vorn beginnen
Und uns auf Gottes Geist besinnen.

 

Ab Mittwoch ist die Fastenzeit,
vielleicht ist mancher dann bereit,
statt Autofahren mehr zu laufen,
was man nicht braucht, auch nicht zu kaufen.
Und manchmal auch daran zu denken,
dem Nächsten etwas Zeit zu schenken.

 

Und wenn wir die Natur beschützen,
dann wird sie uns ganz sicher nützen.
Sie lehrt uns, mit ihr umzugehen,
dass neue Viren nicht entstehen.
So werden Covid wir besiegen
Und insgesamt die Kurve kriegen!

 

Wer solches tut, der wird belohnt,
weil Gottes Geist dann in ihm wohnt.
Nur so kommt seine Weisheit an,
die unsre Welt noch retten kann.
Und diese Weisheit hat die Kraft,
die unsern Kindern Zukunft schafft.

 

Wenn wir nur unsres Geistes Gaben,
die wir von Gott empfangen haben,
stets nutzen und auch Gutes tun,
dann wird der Heil’ge Geist nicht ruhn.
um die Zerstörung auszuschalten; 
wird uns und unsre Welt erhalten.

 

Dass unser Tun zum Segen werde
für uns und für die ganze Erde,
das kann uns sicher noch gelingen,
dann können wir auch wieder singen! 
Versuchen wir`s in Gottes Namen!
Das wollt‘ ich heute sagen. 
Amen. 

 

Reinhard Olma

 

Er hätt‘ heut‘ gern nen Brief geschrieben
Für seine Leser, all die lieben.
Ihm kam der Faschingsnarr dazwischen
Mit seinen Reimen, diesen frischen.
So muss Johannes etwas warten,
kann seinen Brief erst später starten.
 
Die Verse sind davon geflogen;
Dass es mir leid tut, wär gelogen.
 

R. O.

 

 

"Gespräche am Jakobsbrunnen" online

1. März 2022 mit  Pierre Stutz, spiritueller Autor

8. März 2022 mit Magdalena-Klara Pittracher, verantwortlich für die „Weltsynode“ in der Diözese Innsbruck

22. März 2022 mit Prof. Dr. Wolfgang Beck, Pastoraltheologe

29. März 2022 mit Sr. Dr. Katharina Ganz, Generaloberin Oberzell

 

> www.wir-sind-kirche.de/jakobsbrunnen

 

Wir sind Kirche Online-Andachten interaktiv

Die nächsten Termine jeweils Dienstag 19 Uhr 15. März 2022, 12. April 2022

> www.wir-sind-kirche.de/andachten



Vergelt´s Gott

 

Aber zu euch, die ihr zuhört, sage ich:
Liebet, die euch feindlich gegenüberstehen, und tut Gutes denen, die euch hassen. Heißt die willkommen, die euch fluchen, und betet für die, die euch schlecht behandeln.
Wenn dich jemand auf die eine Wange schlägt, halte auch die andere Wange hin, und wenn jemand dein Obergewand wegnimmt, kämpfe nicht für das Untergewand. 

 

Gib allen, die dich bitten, und fordere von denen, die von dir nehmen, nichts zurück.
Wie ihr wollt, dass euch die Leute tun, so sollt auch ihr ihnen tun. 

 

Wenn ihr nur die liebt, die euch lieben – welchen Dank erhaltet ihr dann? Denn auch diejenigen, die Unrecht tun, lieben die, die sie lieben. Wenn ihr denen Gutes tut, die euch Gutes getan haben, welchen Dank erwerbt ihr euch? Diejenigen, die Unrecht tun, verhalten sich auch so. Und wenn ihr denen ausleiht, von denen ihr hofft, zu erhalten, welchen Dank erhaltet ihr? Auch diejenigen, die in Unrecht verstrickt sind, leihen ihresgleichen, damit sie gleichermaßen auch erhalten.
Jedoch: Liebet eure Feinde und Feindinnen, tut Gutes und leiht aus, ohne etwas zu erhoffen! Dann wird eure Vergütung groß sein, und ihr werdet Söhne und Töchter des Höchsten, denn auch Gott wendet sich gütig den Ungütigen und Bösen zu. 

 

Habt Mitleid, wie auch Gott mit euch leidet. 

 

Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet. Verurteilt nicht, damit ihr nicht verurteilt werdet. Sprecht frei und ihr werdet freigesprochen! 

 

Gebt und Gott wird euch geben. Was dann in euren Schoß fallen wird, ist wie ein gutes Maß Getreide, voll gedrückt, gerüttelt, überfließend! Denn mit dem Maß, mit dem ihr messt, wird Gott euch im Gegenzug abmessen. 

 

Lk 6,27-38

Bibel in gerechter Sprache

 

Vergelt´s Gott

 

Die christliche Formulierung für „Danke“, auch wenn sie heute nur noch selten verwendet wird, ist „Vergelt's Gott“. Sie fällt mir ein, wenn ich diese wohlsortierte Sammlung von Sprüchen aus dem Lukasevangelium lese. Geben, ohne eine Gegenleistung zu erwarten, das heisst auf der anderen Seite ja auch, Nehmen dürfen ohne Gegenleistung, nur mit einem dankenden „vergelt's Gott“. Gott ordnet unser Geben und Nehmen ein, unsere ganze zwischenmenschliche Interaktion. Das ist die Klammer um alle diese einzelnen Sprüche, zu denen wie nebenbei auch die goldene Regel gehört: „Wie ihr wollt, dass euch die Leute tun, so sollt auch ihr ihnen tun.“

 

Und die Feindesliebe? Wenn mir jemand den Mantel raubt, soll ich ihm auch noch das Hemd drauflegen – und „vergelt's Gott“ sagen? Wenn mich einer schlägt, die andere Wange hinhalten - und wenn er nicht zurückschlägt, sage ich „danke für gar nichts“? Vielleicht ist so ein „vergelt's Gott“ tatsächlich besser als mich auf einen Kampf einzulassen, bei dem ich doch nur verlieren kann. Es ist nicht vergessen, aber es übersteigt meine Macht, Gott ordnet ein. Wir, die Jüngerinnen und Jünger Jesu, sollen auch angesichts von Gewalt lieben und Gutes tun, nicht richten und verurteilen, denn so werden wir „Söhne und Töchter des Höchsten“.

 

Die grosse Gefahr dieser Argumentation ist die Relativierung. Wir sollen alles hinnehmen und Gott vergilt es irgendwann? Soll ich etwa auch die Missbrauchstäter und Vertuscher nicht verurteilen, nur für sie beten, und wissen, dass Gott einordnet? Das ist mir zu wenig. Auch unsere heutige Bibelstelle weiss sehrwohl, dass es Unrecht gibt, dass es die gibt, die Unrecht tun – und dass wir als die Jüngerinnen und Jünger Jesu uns von denen unterscheiden sollen, die Unrecht tun! Ausserdem gibt es da den unscheinbaren kleinen Spruch: „Habt Mitleid, wie auch Gott mit euch leidet.“ Mitleid gilt immer den Opfern, also denen, die sich nicht wehren können. Mit ihnen leidet Gott. Für solche Menschen setzt sich Jesus ein, in vielen biblischen Begebenheiten, nicht mit dem Ziel, zu richten und zu verurteilen, sondern mit dem Ziel, zurechtzurücken. Jesus gib den Menschen Respekt, Zuspruch oder Heilung, ohne eine Gegenleistung zu erwarten, zumindest nicht mehr als ein „vergelt's Gott“. Daran sollen wir uns orientieren, wenn wir nicht zurückschlagen, wenn wir nicht so sind wie diejenigen, die Unrecht tun. Vielleicht ändert sich – ändern wir - so die Gesellschaft.

 

Auch der letzte Spruch - „Gebt und Gott wird euch geben“ - ist nicht unbedingt auf das Jenseits gemünzt. Das gute Mass, die gerechte Fülle, soll uns schon in dieser Welt in den Schoss fallen, wenn wir nach Jesu Vorschlägen handeln, wenn wir mit Gottvertrauen die Gesellschaft verändert. 

 

Ihnen allen, die Sie daran mithelfen, ein herzliches „vergelt's Gott“ und einen schönen Sonntag!

Tobias Grimbacher

 

"Gespräche am Jakobsbrunnen" online

1. März 2022 mit  Pierre Stutz, spiritueller Autor

8. März 2022 mit Magdalena-Klara Pittracher, verantwortlich für die „Weltsynode“ in der Diözese Innsbruck

22. März 2022 mit Prof. Dr. Wolfgang Beck, Pastoraltheologe

29. März 2022 mit Sr. Dr. Katharina Ganz, Generaloberin Oberzell

 

> www.wir-sind-kirche.de/jakobsbrunnen

 

Wir sind Kirche Online-Andachten interaktiv

Die nächsten Termine jeweils Dienstag 19 Uhr 15. März 202212. April 2022

> www.wir-sind-kirche.de/andachten



Auferstehung: Was ist das eigentlich?

Wenn verkündigt wird, dass der Messias von den Toten aufgestanden ist, wie ist es dann möglich, dass einige von euch sagen: Es gibt keine Auferstehung der Toten? Wenn die Toten nicht aufstehen, so ist auch Christus nicht aufgestanden. Ist aber der Messias nicht aufgestanden, ist euer Vertrauen sinnlos und ihr seid noch in euren Sünden. Verloren sind dann auch die, die im Vertrauen auf den Messias gestorben sind. Wenn wir nur in der sichtbaren Lebenswirklichkeit auf Christus vertrauen, sind wir die armseligsten unter allen Menschen. Jetzt aber ist der Messias von den Toten aufgeweckt worden – als Beginn des Lebens für die Verstorbenen. 

 

1.Kor 15,12.16-20 Bibel in gerechter Sprache

 

Auferstehung: Was ist das eigentlich?

 

Jesus ist leibhaftig von den Toten auferstanden – wer glaubt denn so was noch? Keine 20 Prozent der Deutschen stimmen dieser Aussage zu, bei den katholischen Befragten sind es gerade mal 28 Prozent, bei den evangelischen 23 Prozent (Umfrage 2019). Frage: Ist unser Vertrauen sinnlos und sind wir noch in unseren Sünden, wie Paulus meint? Oder haben wir vielleicht nur eine verengte Vorstellung von dem, was Auferstehung meint? 



Vielleicht ist euch aufgefallen, dass es im Text oben heißt: Der Messias ist von den Toten aufgestanden – nicht auferstanden, wie wir es doch gewohnt sind. Er ist von den Toten aufgeweckt worden. Aufwecken, aufstehen: Das sind alltägliche Begriffe, gar nicht theologisch überfrachtet. Ja, aufwecken, aufstehen geschieht tagtäglich. Geschieht vielleicht Auferstehung der Toten jeden Tag, nicht erst dann, wenn der Mensch gestorben ist? Johannes lässt in seinem Evangelium Jesus sagen: „Ich bin die Auferstehung und das Leben: Alle, die an mich glauben, werden leben, auch wenn sie sterben; und alle, die leben und an mich glauben, werden bis in Ewigkeit nicht sterben“ (Joh 11,25f). Leben, auch wenn wir sterben? Leben und in Ewigkeit nicht sterben? Kommt mir bitte nicht mit der Floskel: Das muss man halt glauben! So nach dem Motto des Fronleichnamsliedes: „Was dem Auge sich entziehet, dem Verstande selbst entfliehet, sieht der feste Glaube ein.“ Mit Karl Rahner, dem großen Theologen des letzten Jahrhunderts, geht es mir um intellektuelle Redlichkeit auch im Glauben.



Fragen wir uns also: Was heißt „sterben“, was meint „tot sein“? Wir verwenden diese Worte auch für Lebende: „Der ist für mich gestorben“ bedeutet: Der hat in meinem Leben keinen Platz mehr, der ist für mich tot. Doch eine Freundschaft kann wieder auf-„leben“. Genauso verwendet Jesus diese Begrifflichkeit im Gleichnis vom verlorenen Sohn, als der Bruder wütend wird, dass „der da“ mit allen Ehren wieder aufgenommen ist: „Dieser, mein Sohn war tot und lebt wieder.“ Ja, er ist auferstanden von den Toten!



„Ich bin die Auferstehung und das Leben.“ Das Bekenntnis der Auferstehung an Ostern wird grundgelegt in den Auferstehungserfahrungen, die Menschen mit diesem Mann aus Nazaret gehabt haben. Er hat Krankheiten geheilt und immer wieder darauf hingewiesen: Dein Glaube hat dir geholfen. Glaube, dieses Ur-Vertrauen, dass Gott an meiner Seite steht. Ein Vertrauen, das mir heute Leben schenkt und Leben gibt über den Tod hinaus. „Der Buchstabe tötet, der Geist aber macht lebendig", schreibt Paulus (2. Kor 3,6). Wer sich sklavisch am Buchstaben festklammert, kann den Sinn des Ganzen nicht verstehen. Übrigens: Paulus bekennt die Auferstehung, ohne die Deutungs-Erzählung vom leeren Grab zu verwenden.



Wir bekennen Jesus, den Christus, den Messias als Erlöser von den Sünden. Auch das geschieht nicht erst durch seinen Tod am Kreuz. Er hat den Menschen vorgelebt, dass die „Sünde“, der Egoismus, das Unrecht, das Verbrechen, also das von Gott und den Menschen Trennende, diese zerstörerische Kraft überwunden werden kann. Gott* hat Jesus, den Christus, von den Toten auferweckt: Gott*, unser Vater und unsere Mutter, hat bestätigt, dass sein Leben richtig und vorbildhaft ist. Und so ist die Auferstehung von den Toten tatsächlich die Basis für den Glauben, der heute wirksam wird: Die befreiende Botschaft vom Reich Gottes zeigt sich in unserem Tun hier und heute, durch unseren Einsatz für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung. Diese Hoffnung trägt uns heute und über den Tod hinaus.

Manchmal feiern wir mitten im Tag ein Fest der Auferstehung.
Manchmal feiern wir mitten im Streit ein Fest der Auferstehung.
Waffen werden umgeschmiedet und ein Friede ist da.
Manchmal feiern wir mitten im Tun ein Fest der Auferstehung.
Sperren werden übersprungen und ein Geist ist da.

(Text Alois Albrecht, 1974)

Magnus Lux

 

Digitaler Thementag 19. Februar 2022

Welche Dienste brauchen wir in der Gemeinde heute und morgen?
> www.wir-sind-kirche.de/thementag2022

Welche Dienste brauchen wir innerhalb einer Gemeinde wirklich? Welche Möglichkeiten gibt es, das umzusetzen? 

Mit Impulsen von Dr. Harald Prinz (Österreich) und Prof'in Dr. Agnes Wuckelt (Deutschland)

 

"Gespräche am Jakobsbrunnen" online

1. März 2022 mit  Pierre Stutz, spiritueller Autor

8. März 2022 mit Magdalena-Klara Pittracher, verantwortlich für die „Weltsynode“ in der Diözese Innsbruck

22. März 2022 mit Prof. Dr. Wolfgang Beck, Pastoraltheologe

29. März 2022 mit Sr. Dr. Katharina Ganz, Generaloberin Oberzell

 

> www.wir-sind-kirche.de/jakobsbrunnen

 

Wir sind Kirche Online-Andachten interaktiv

Die nächsten Termine jeweils Dienstag 19 Uhr15. Februar 202215. März 202212. April 2022

> www.wir-sind-kirche.de/andachten



Missbrauchte Macht

 

Einmal, als sich viele Leute um ihn scharten, um das Wort Gottes zu hören, stand er am Ufer des Sees Gennesaret. Er sah zwei Boote am Wasser aufgestellt. Die gefischt hatten, waren ausgestiegen und wuschen die Netze. Da stieg er in eines der Boote, das Simon gehörte, und bat ihn, ein wenig vom Land wegzufahren. Nun setzte er sich hin, um die Scharen vom Boot aus zu lehren.

 

Als er zu sprechen aufgehört hatte, sagte er zu Simon: „Fahr zum tiefen Wasser hinaus. Dort werft eure Netze aus, um einen Fang zu machen!“ Simon gab aber zur Antwort: „Meister, wir haben die ganze Nacht über geschuftet und nichts gefangen. Aber ich werfe die Netze aus – auf dein Wort!“ Als sie dies getan hatten, zogen sie eine riesige Menge Fische zusammen, so dass ihre Netze zu zerreißen drohten. Sie winkten ihren Gefährten, sie sollten mit dem anderen Boot kommen, um den Fang gemeinsam zu heben. Sie kamen und füllten beide Boote so voll, bis diese sanken. Als Simon Petrus dies sah, warf er sich vor die Knie Jesu und rief: „Geh fort von mir, Herr, ich habe versagt!“ Ein Schrecken hatte ihn erfasst, ihn und alle, die mit ihm beim Fang der Fische zusammengearbeitet hatten – so auch Jakobus und Johannes, Söhne des Zebedäus, die Fangpartner des Simon waren. Jesus aber sagte zu Simon: „Fürchte dich nicht, von nun an wirst du einer, der Menschen fängt!“ Und sie zogen die Boote aufs trockene Land, ließen alles liegen und folgten ihm nach.

 

Lk 5,1-11 Bibel in gerechter Sprache

 

Missbrauchte Macht

 

Mißbrauchte Macht

Als ich begann, mich mit dem obenstehenden Text zu befassen, war ich wieder verblüfft, wie genau er in die derzeitige  Situation paßt. Man könnte diese erste Nachfolge der Jünger Jesu als „Keimzelle“ der Kirche bezeichnen. Jesu beruft und sendet sie, um Menschen zu „fischen“, um mit ihnen das „Reich Gottes“ zu bauen. Jesus war für sie so überzeugend, so glaubwürdig, dass sie alles liegen ließen und ihm nachfolgen. Sie folgten ihm in die Ungewissheit, in das Risiko und die Besitzlosigkeit. Als er von ihnen Abschied nimmt, zeigt er ihnen auch die Struktur dieses Reiches: Das Einander-dienen, das er mit der Fußwaschung demonstriert, die gegenseitige Liebe und Achtung, die im Mahlhalten zum Ausdruck kommt, das Dasein für die, die am Rande stehen, für die Schwächsten, die der Hilfe bedürfen, der absolute Verzicht auf Macht – die Zurechtweisung der Zebedäussöhne – und Besitz,wie er in der Erzählung vom reichen Jüngling zum Ausdruck kommt. Als Jesus vor dem Beginn seines öffentlichen Wirkens in der Wüste vom Teufel versucht wird, zeigt sich sein Verhältnis zu Macht: er widersteht allen seinen Machtangeboten und unterwirft sich auch nicht seiner Macht.Und immer wieder macht er seinen Jüngern deutlich, dass Macht nicht zum Reich Gottes paßt. Und er ist für diese Überzeugung in den Tod gegangen. Ich denke, er hätte in der damaligen aufgeheizten Situation einen Volksaufstand der Juden gegen die Römer initiieren und sich zum Helden oder Martyrer machen können. Aber sein Führungsbild ist ein anderes: das des Hirten, der das verlorene Schaf sucht und nicht das des Herrschers, der von seinen Untertanen Gehorsam und Opfer verlangt.

 

Und die ersten Gemeinden sind wohl auch   diesem Ideal gefolgt. Der erste Dienst, den es gab, war der der Diakonin, des Diakons: also eine dienende Gemeinschaft. "Wer unter euch groß sein will, werde euer Diener"(Mt 20).  Aber diesen Weg hat die Kirche im Laufe der Geschichte verlassen und ist der Verführung "Macht" zum Opfer gefallen, deren Mißbrauch nun offenbar geworden ist. Mit tiefer Trauer und Entsetzen stehen wir in diesen Tagen vor dem Scherbenhaufen dieser Kirche. "Ein Desaster" nennt es Kardinal Marx.

 

Viele Katholikinnen und Katholiken überlegen, ob sie aus der Kirche austreten. Dagegen spricht für viele, dass sie auch viel Beglückendes in der Kirche erlebt, dass sie Beistand und Hilfe erfahren haben und dass sie Menschen begegnet sind, die ihnen Wegweiser wurden. Dort, wo Gemeinschaft erfahrbar war, wo es nicht um Macht, sondern  um gegenseitige Wertschätzung ging, da war "Reich Gottes" . Vielleicht sollten wir diese positiven Erfahrungen nutzen, um eine neue und andere Kirche zu bauen, wo Menschen in kleinen Gruppen Leben und Glauben miteinander teilen, Gottesdienste miteinander feiern und keinen Priester mehr dazu brauchen. Das Versprechen Jesu lautet:" Wo zwei oder drei in meinem Namen beisammen sind, da bin ich mitten unter ihnen". Denn: Wir sind Kirche!

 

Einen schönen Sonntag wünsche ich Ihnen!

Eva- Maria Kiklas




Wir sind Kirche "Gespräche am Jakobsbrunnen" online

8. Februar 2022, 19:00 Uhr  - Rosi Mittermeier, Initiative Sauerteig - Garching; 

Eine Gemeinde und die Folgen sexualisierte Gewalt

> www.wir-sind-kirche.de/jakobsbrunnen

 

Wir sind Kirche-Online-Andachten interaktiv
Die nächsten Termine jeweils Dienstag 19 Uhr

15. Februar 2022
15. März 2022
12. April 2022
> www.wir-sind-kirche.de/andachten



Ohne Liebe - Es geschah „in verbreiteter Unkenntnis“!?

Wenn ich wie ein Mensch rede oder wie ein Engel und bin ohne Liebe, 
bin ich ein schepperndes Blech und eine gellende Zimbel. 
Und wenn ich die Gabe habe, die Zeichen der Zeit zu deuten, 
und alles Verborgene weiß und alle Erkenntnis habe und alles Vertrauen, 
so dass ich Berge versetzen kann, und bin ohne Liebe, 
dann bin ich nichts.
Und wenn ich alles, was ich kann und habe, für andere aufwende 
und mein Leben aufs Spiel setze selbst unter der Gefahr, 
auf dem Scheiterhaufen zu enden, und bin ohne Liebe, 
hat alles keinen Sinn. 
Die Liebe hat einen langen Atem und sie ist zuverlässig, 
sie ist nicht eifersüchtig, sie spielt sich nicht auf, 
um andere zu beherrschen. 
Sie handelt nicht respektlos anderen gegenüber 
und sie ist nicht egoistisch, 
sie wird nicht jähzornig und nachtragend. 
Wo Unrecht geschieht, freut sie sich nicht, 
vielmehr freut sie sich mit anderen an der Wahrheit. 
Sie ist fähig zu schweigen und zu vertrauen, 
sie hofft mit Ausdauer und Widerstandskraft. 
Die Liebe gibt niemals auf. 
Prophetische Gaben werden aufhören, 
geistgewirktes Reden wird zu Ende gehen, 
Erkenntnis wird ein Ende finden. 
Wir erkennen nur Bruchstücke, 
und unsere Fähigkeit, Zusammenhänge zu erkennen, ist begrenzt. 
Wenn aber die Vollkommenheit kommt, 
dann hört die Zerrissenheit auf. 
Als ich ein Kind war, redete und dachte ich wie ein Kind 
und war klug wie ein Kind. 
Als ich erwachsen wurde, ließ ich zurück, was kindlich war. 
Wir sehen vorläufig nur ein rätselhaftes Spiegelbild, 
dann aber von Angesicht zu Angesicht. 
Heute erkenne ich bruchstückhaft, 
dann aber werde ich erkennen, 
wie ich von Gott erkannt worden bin. 
Jetzt aber leben wir mit Vertrauen, Hoffnung und Liebe, 
diesen drei Geschenken. 
Und die größte Kraft von diesen dreien ist die Liebe.

1 Kor 13  Bibel in gerechter Sprache

 

Ohne Liebe -  Es geschah „in verbreiteter Unkenntnis“!?

 

Die missbrauchte Ex-Nonne (Das Werk) Doris Reisinger/Wagner, preiswürdig mutige Aufklärerin, nennt den amerikanischen Dominikaner-Pater Thomas Doyle „Held der ersten Stunde“ (ZEIT, 13.5.2021). 1944 geboren in einer irisch-stämmigen Familie, trat er 1964 in den Orden ein. Doyle erfasste bereits 1984 (!) das Ausmaß des Missbrauchsskandals in den USA. Er war jemand, der seine Kirche liebte und deshalb nicht schweigen konnte. Ein enormer Missbrauchsskandal sickerte an die Öffentlichkeit. „Viele Bischöfe in den USA versetzten seit Jahren Priester, die Kinder missbraucht hatten, stillschweigend von einer Pfarrei in die nächste, regelten Anzeigen außergerichtlich und nötigten die Familien zu schweigen, um Gerichtsverfahren und schlechte Presse zu vermeiden.“

 

Um die überforderten Würdenträger auf die unausweichliche Krise vorzubereiten, schrieb Doyle 1984/85 ein Handbuch und „stellte klar, dass Pädophilie nicht heilbar war, dass beschuldigte Priester nicht weiterversetzt werden durften, sondern unmittelbar suspendiert werden sollten, dass die Vernichtung von Akten strafbar sei und dass die oberste Priorität die Sorge um die Betroffenen sein musste.“ 

 

Sein Vorstoß zur Aufklärung wurde (wie der später von Bischof Robinson/Australien) abgefangen und ausgebremst von der Hierarchie. Wie viele Aufklärer, die Opfer ernst nehmen, musste er bestürzt erleben, „dass Bischöfe Missbrauchsopfer wie Feinde der Kirche behandelten, gegen die sie ihre Anwälte in Stellung brachten, um jedes noch so kleine Eingeständnis von Schuld zu verhindern und um jeden Dollar Entschädigung zu feilschen.“ Auf der Anklageliste stand damals übrigens auch: Papst Benedikt XVI.

 

Heute ist Pater Thomas Doyle 77 Jahre alt. Auch wenn einzelne Bischöfe sich geändert und richtig gehandelt hätten, verhalte sich die Hierarchie im Großen und Ganzen „heute genauso wie 1985", resümiert Doyle. Kirche als Tatort. Diese Krise führt die katholische Kirche an ihre Schmerzgrenzen: Gewalt gegen Kinder und Nonnen ist routinemäßig in Kauf genommen worden. Neben der Täterlobby spielt die Verstrickung vieler Normalgläubigen eine Rolle, in deren Vorstellungsbereich es unmöglich schien, dass „Geweihte“ solche Verbrechen begehen könnten und/oder – es nicht sehen wollten. Hand aufs Herz: Wie würde denn eine katholische Gemeinde reagieren, wenn Opfer das Schweigegebot durchbrechen und mit der Wahrheit herausrücken würden…

 

Die katholische Kirche steht als moralische Ruine da. Schadenfreude ist fehl am Platz. Entsetzen wohl. Selbst angeblich „Unfehlbare in Glaubens- und Sittenfragen“ und „Mitarbeiter der Wahrheit“ haben sich im Namen der Verteidigung des eigenen Ladens einer monströsen Vertuschungspraxis schuldig gemacht. Bevor man von „Selbstreinigung“ (Kardinal Wetter) und Wiedergewinn von Glaubwürdigkeit faselt, muss radikal Aufklärung und angemessen Entschädigung geleistet werden. Denn Opfer trifft schon gar keine Schuld. Sich auf „verbreitete Unkenntnis“ (Kardinal Wetter) hinauszureden, versäumt die Frage, wer denn Kenntnis verweigert und Unkenntnis verbreitet hat. 

 

Die österreichische und deutsche Reformgruppe „Wir sind Kirche“ entstand 1995, auch aus Empörung über den Missbrauch eines Kardinal Groer. Der Münchner Kardinal Marx hat nachweislich 2011/12 dafür gesorgt, dass beim Forschungsvorhaben (Ergebnis 2018 MHG-Studie) keine Transparenz zur Praxis der einzelnen Diözesen möglich wurde. Fehler einzuräumen reicht da nicht mehr. Kirchensystemische Ursachen sind zur Korrektur überfällig. Tiefgreifende Fehlentwicklungen gehören auf den Prüfstand: Klerikalismus, Überlegenheitskomplex, Machtmissbrauch, magische Praktiken, Amtsausschluss von Frauen, Angst vor der Moderne… 

 

Der Staat ist endlich in der Pflicht, zum Schutz der Opfer Maßnahmen zu ergreifen.

Was tun? Um zu heilen, müssten Christen radikal auf die hierarchiekritische, ganz und gar menschenfreundliche Botschaft Jesu zurückgreifen. Höchste Zeit, betont Doris Reisinger/Wagner aus Erfahrung und mit Scharfsinn, „die spirituelle Selbstbestimmung“ in den Vordergrund zu stellen! 

Zum Glück beruhte mein Glauben niemals auf dem Verhalten von Päpsten seit Petrus…

 

27.1.2022 

Günther M. Doliwa, Theologe, 2016-21 im Bundesteam von Wir sind Kirche Deutschland

 

Wir sind Kirche "Gespräche am Jakobsbrunnen" online

1. Februar 2022 19:00 Uhr

mit Maria Mesrian, Theologin, Maria 2.0 Köln

> www.wir-sind-kirche.de/jakobsbrunnen

 

Wir sind Kirche-Online-Andachten interaktiv
Die nächsten Termine jeweils Dienstag 19 Uhr

15. Februar 2022
15. März 2022
12. April 2022
> www.wir-sind-kirche.de/andachten



Heute

 

Jesus kehrte, erfüllt von der Kraft des Geistes, nach Galiläa zurück. Und die Kunde von ihm verbreitete sich in der ganzen Gegend. Er lehrte in den Synagogen und wurde von allen gepriesen.

So kam er auch nach Nazaret, wo er aufgewachsen war, und ging, wie gewohnt, am Sabbat in die Synagoge. Als er aufstand, um vorzulesen, reichte man ihm die Buchrolle des Propheten Jesaja. Er öffnete sie und fand die Stelle, wo geschrieben steht: 

Der Geist des Herrn ruht auf mir; denn er hat mich gesalbt. 
Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine frohe Botschaft bringe; 
damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde 
und den Blinden das Augenlicht; 
damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setze 
und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe. 

 

Dann schloss er die Buchrolle, gab sie dem Synagogendiener und setzte sich. Die Augen aller in der Synagoge waren auf ihn gerichtet. Da begann er, ihnen darzulegen: Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt

 

Lk 4,14-21 Einheitsübersetzung

Heute!

 

„Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt.“ Jesus sagt nicht „jetzt hat es sich erfüllt“ sondern „heute“! Jetzt ist ein dehnbares Wort; Jetzt ist immer gültig! Wie jetzt? Sofort jetzt? Morgen ist auch noch Jetzt! Nehmen wir das nächste Jetzt! Oder besser erst das übernächste!

Heute ist Heute! Eine begrenzte Zeitspanne von genau 24 Stunden! Jesus liest seiner Heimatgemeinde einen alten Text vor, einen Text von vorgestern, einen Text der etwas in Zukunft verheißt! Morgen oder Übermorgen, nächstes Jahr oder irgendwann, keiner weiß es genau, oder? Doch einer weiß, sagt er jedenfalls, der junge Kerl von Nebenan, Jesus. Und der sagt „Heute“!
Wer sich in der Bibel auskennt, weiß wie es weitergeht in Lukas Überlieferung! Seine lieben Nachbarn wollten ihn den Abhang runterstürzen! Einer von uns, ist und bleibt einer von uns und darf nicht einfach behaupten etwas, oder besser, jemand Besonderes zu sein! Ein NO GO!

Jesus tritt vor ein Publikum und erwartet, dass es bestimmtes erwartet, Erfüllung der Schriften erwartet! Warum sollte es sich sonst in der Synagoge versammeln? Ja sicher, erwarten was die Schriften verheißen, ja sicher, da sind wir dabei! Aber doch nicht so und nicht ausgerechnet Heute! Also wirklich!

Heute, 20.01.2021, kam die Missbrauchsstudie ans Licht. Heute! Heute wird deutlich, dass die Kirche in ihrem Führungsapparat geradezu mafiöse Strukturen hat, dass dieses Führungspersonal, das von uns „Schäfchen“ per Kirchenrecht nicht weniger als blinden Gehorsam erwartet, nicht einmal moralische Mindeststandarts eingehalten hat. Heute ist das ans Licht gekommen! Unübersehbar!

Heute habe ich auch entschieden, per Excelliste, wann ich im diesem Jahresverlauf den Sonntagsbrief verfassen will! An meinem nächsten Sonntag wird Jesus fragen: "Kann etwa ein Blinder einen Blinden führen? Werden nicht beide in eine Grube fallen?"


Ein nachdenklichen Sonntag in die ganze Runde wünsche ich
Johannes Brinkmann / Essen

Wir sind Kirche "Gespräche am Jakobsbrunnen" online
Die nächsten Termine jeweils Dienstag 19 Uhr


25. Januar 2022 mit Dr. Claudia Lücking-Michel, ZdK-Mitglied und Synoldaer Weg 

1. Februar 2022 mit Maria Mesrian, Theologin, Maria 2.0 Köln

> www.wir-sind-kirche.de/jakobsbrunnen

 

Wir sind Kirche-Online-Andachten interaktiv
Die nächsten Termine jeweils Dienstag 19 Uhr

15. Februar 2022
15. März 2022
12. April 2022
> www.wir-sind-kirche.de/andachten



Zum Nutzen für alle

Es gibt zwar verschiedene Gaben, aber es ist immer derselbe Geist. Es gibt verschiedene Aufgaben, aber es ist immer derselbe Herr. Es gibt verschiedene Kräfte, aber es ist immer derselbe Gott. Er bewirkt das alles in allen Menschen. Das Wirken des Geistes zeigt sich bei jedem auf eine andere Weise. Es geht aber immer um den Nutzen für alle. 

Der eine ist durch den Geist in der Lage, mit Weisheit zu reden. Ein anderer kann Einsicht vermitteln – durch denselben Geist! Einem Dritten wird durch denselben Geist ein besonders starker Glauben gegeben.Wieder ein anderer hat durch den einen Geist die Gabe zu heilen. Ein anderer hat die Fähigkeit, Wunder zu tun. Ein anderer kann als Prophet reden. Und wieder ein anderer kann die Geister unterscheiden. Der Nächste redet in verschiedenen unbekannten Sprachen, ein weiterer kann diese Sprachen deuten. Aber das alles bewirkt ein und derselbe Geist. Er teilt jedem eine Fähigkeit zu, ganz so, wie er es will. 

 1Kor 12,4-11 Basisbibel 

 

Zum Nutzen für alle

 

In der Gemeinde in Korinth tobt das Leben und somit auch Uneinigkeit und Streit. Paulus erfuhr dies durch eine kleine Gesandtschaft und schreibt eine Art Gardinenpredigt. Aus den unterschiedlichen Themen des Briefes können wir auf die Schwierigkeiten in der Gemeinde, einer Hausgemeinde, schließen. Wie groß die Gemeinde war, wissen wir nicht, vielleicht 30 – 40 Personen, bestehend aus der Familie inklusive Sklavinnen und Sklaven, womöglich noch einigen Personen im Umfeld des Hausherren; auf jeden Fall groß genug, um sich zu streiten. Offensichtlich gab es noch keine festen Regeln, wie etwas zu funktionieren hatte. Die Abkehr von bisherigen Gepflogenheiten, seien sie jüdischer oder paganer Art, die Konsequenzen des Gebotes der Nächstenliebe im Verhältnis von Mann und Frau oder von Herrschaft und Untergebenen waren schwer umzusetzen.

 

Insbesondere, und da wird Paulus sehr ausführlich, die Pflege der gottesdienstlichen Gemeinschaft und des Herrenmahles stellte wohl eine Herausforderung dar. Vor dem Hintergrund des starken sozialen Gefälles innerhalb der Gemeinde: „ Das Wirken des Geistes zeigt sich bei jedem auf eine andere Weise. Es geht aber immer um den Nutzen für alle.“ müssen wir uns vorstellen, was das bedeutete. Zwar heißt es im gleichen Brief „Frauen sollen in der Gemeindeversammlung schweigen. Ihnen ist es nicht erlaubt, dort zu sprechen.Vielmehr sollen sie sich unterordnen, wie es das Gesetz vorschreibt.“, (1Kor 14, 34) doch das widerspricht der Feststellung des Autors einige Kapitel vorher: „Doch vor dem Herrn gilt: Es gibt die Frau nicht ohne den Mann und den Mann nicht ohne die Frau. Denn die Frau ist aus dem Mann geschaffen, doch der Mann wird von der Frau geboren. Aber alles kommt von Gott her. (1 Kor, 11, 11). So gehen Bibelforscher davon aus, dass die Schweigeverordnung später hinein gemogelt wurde. - Für mich ist klar: im Gottesdienst - „vor dem Herrn“ - gab es keine Benachteiligung oder Unterdrückung von Frauen. - Doch das Schweigegebot für Frauen hat seine Auswirkungen bis heute. Das ist das Eine.

 

Das Andere: Zum Leben der Gemeinde und zum Gottesdienst gehörte die Beteiligung der Gemeindeglieder, jeder, jede ist begabt. „Aber das alles bewirkt ein und derselbe Geist. Er teilt jedem eine Fähigkeit zu, ganz so, wie er es will.“ - Auch im Brief, den Paulus etwa fünf Jahre später an die Christinnen und Christen in Rom schreibt, ermutigt er die Gemeindeglieder sich in den Dienst der Gemeinde zu stellen: „Wenn jemand die Gabe hat, als Prophet zu reden,soll er das in Übereinstimmung mit dem Glauben tun. Wenn jemand die Gabe hat, Aufgaben in der Gemeinde zu übernehmen, soll er ihr diesen Dienst tun.Wenn jemand die Gabe hat zu lehren, soll er als Lehrer wirken. Wenn jemand die Gabe hat zu ermutigen, soll er Mut machen.Wer etwas gibt, soll das ohne Hintergedanken tun. Wer für die Gemeinde sorgt, soll es mit Hingabe tun.Wer sich um die Notleidenden kümmert, soll Freude daran haben. (Röm 12, 6-8) 

 

Ich frage mich oft, und angesichts dieser Passagen bei Paulus auch heute wieder, ob wir die Priesterkirche, die sich innerhalb vieler Jahrhunderte entwickelt und verfestigt hat und die wir heute noch erleben, wirklich brauchen. Struktur und Ordnung ist wichtig, das hat auch Paulus so gesehen. Aber brauchen wir heute wirklich noch eine hierarchische Struktur, in der die Letztverantwortung für alles beim Priester liegt? Es ist höchste Zeit, dass wir als Söhne und Töchter, Erben und Erbinnen des lebendigen Gottes die Gaben, die uns gegeben sind, entwickeln und einsetzen. Und es ist höchste Zeit, dass wir uns dazu gegenseitig ermutigen und Raum geben. Zum Nutzen für alle.

 

Sigrid Grabmeier



Liebe Leser und Leserinnen der Sonntagsbriefe, 

seit nunmehr sieben Jahren gibt es das Format der Sonntagsbriefe. Circa 10 bis 12 Autorinnen und Autoren schreiben mehrmals im Jahr einen Text zu einem oder mehreren der Sonntagstexte. Die meisten sind von Anfang an dabei, einige sind im Laufe der Zeit ein- oder auch ausgestiegen. Die wenigsten von uns haben ein Theologiestudium absolviert, was uns bewegt, ist die Freude daran, eigene Gedanken zu Bibel und Kirche mit anderen zu teilen. Wir freuen uns über Rückmeldungen und versuchen auch, diese zu beantworten. - Der heutige Text legt nahe, dass wir in unserem Leser- und Leserinnenkreis einmal nachfragen, wer von Ihnen auch bereit wäre, in unserer Schreibwerkstatt mitzumachen und ebenfalls den einen oder anderen Sonntagsbrief zu verfassen. Bei Interesse melden Sie sich doch unter: grabmeier@wir-sind-kirche.de

 

Wir sind Kirche "Gespräche am Jakobsbrunnen" online
Die nächsten Termine jeweils Dienstag 19 Uhr
25. Januar 2022 mit Dr. Claudia Lücking-Michel, ZdK-Mitglied und Synoldaer Weg 
> www.wir-sind-kirche.de/jakobsbrunnen

 

Wir sind Kirche-Online-Andachten interaktiv
Die nächsten Termine jeweils Dienstag 19 Uhr
18. Januar 2022 
15. Februar 2022
15. März 2022
12. April 2022
> www.wir-sind-kirche.de/andachten



Geistesblitz

Petrus begann zu sprechen und sagte: „Wahrhaftig, jetzt begreife ich, dass Gott nicht parteilich ist. Vielmehr sind Gott in jedem Volk diejenigen recht, die Gott achten und rechtschaffen handeln. Das ist die Botschaft, die dem Volk Israel gesandt wurde, als Gott durch Jesus, den Gesalbten, der Macht hat über alle, Frieden verkünden ließ. Ihr wisst, was sich in ganz Judäa herumgesprochen hat: Begonnen hat Jesus aus Nazaret in Galiläa nach der Taufe, die Johannes verkündigte, als Gott ihn mit heiliger Geistkraft und Macht wie mit Salböl übergoss. Da zog er umher, tat Gutes und heilte alle, die vom Teufel unterjocht wurden, weil Gott mit ihm war.“ 

 

Apg 10, 34-38 Bibel in gerechter Sprache

 

Geistesblitz

 

Petrus ist zu Gast bei dem römischen Centurio Kornelius in Caesarea, „fromm und gottesfürchtig mit seinem ganzen Haus, erwies dem jüdischen Volk viele Wohltaten und betete immer nur zu Gott.“ Dieser hatte ihn nach einer Botschaft eines Engels zu sich rufen lassen, damit er zu ihm und seiner Familie sprechen könne. In der Mittagszeit hatte sich Petrus auf das Dache eines Hauses zum Gebet begeben, hungrig wie er war hatte auch er eine Vision: „Er sah den Himmel geöffnet und ein Behältnis, einem großen Leintuch gleich, herabkommen, das an seinen vier Zipfeln zur Erde herabgelassen wurde. In ihm waren alle Vierfüßler und Kriechtiere der Erde und die Vögel des Himmels und eine Stimme erging an ihn: „Auf, Petrus, schlachte und iss!“ Petrus sagte: „Auf keinen Fall, Herr! Habe ich doch noch nie irgendetwas gegessen, was vor Gott als abscheulich und unrein gilt.“ Aber die Stimme richtete sich wiederum an ihn: „Was Gott für rein erklärt hat, erkläre du nicht für abscheulich!“ Das geschah dreimal und sogleich wurde das Behältnis in den Himmel hinaufgenommen.“ - Noch von dieser himmlischen Botschaft bewegt, hatte Petrus sich also von Joppe aus (heute Jaffa bei Tel Aviv) etwa zwei Tagesreisen weit nach Caesarea (heute Kaiserea) aufgemacht. Und da ereilt ihn nun dieser Geistesblitz.

 

Petrus, Kephas, der Fels, wie Jesus ihn bei seiner ersten Begegnung nannte (Joh 1,42) erwies sich immer wieder als recht bröselig. Gerade dieser Petrus, auf dem Jesus der römisch-katholischen Überlieferung nach seine Kirche gründete, erfuhr in seinem Leben tiefgreifende Erschütterungen. Einmal musste er sich gar anhören: „Weiche von mir Satan.“ (Mt 16, 23) Und gerade in der Nacht, als Jesus dem Hohen Rat vorgeführt wurde, da verleugnete er diesen drei Mal. Um so wertvoller seine Erkenntnis: „Wahrhaftig, jetzt begreife ich, dass Gott nicht parteilich ist. Vielmehr sind Gott in jedem Volk diejenigen recht, die Gott achten und rechtschaffen handeln.“

 

Die römisch-katholische Kirche, die sich so gerne auf diesem bröseligen Felsen gegründet sehen möchte, bröselt selbst erheblich. Es bröselt nicht mehr nur das Ansehen, nein, es bröselt die Substanz. Und mit Substanz meine ich nicht die Riten, Liturgien, Dogmen, Traditionen. Mit Substanz meine ich: „Gott sind in jedem Volk diejenigen recht, die Gott achten und rechtschaffen handeln. Das ist die Botschaft, die dem Volk Israel gesandt wurde, als Gott durch Jesus, den Gesalbten, der Macht hat über alle, Frieden verkünden ließ.“ Denn immer mehr von diesen wenden sich von dem System „römisch-katholische Kirche“ ab.

 

Und allen Bekenntnissen zum Trotz, dass sich etwas ändern müsse: außer weiterem Substanzverlust ändert sich nichts. - Anders als bei Petrus. Der hatte nach seinem Geistesblitz das Ruder umgelegt, er blieb nicht in Israel. Er dachte radikal um. Er machte sich auf zu neuen Ufern. Er wurde Menschenfischer. 

 

Wann legt das System, die Amtskirche, endlich das Ruder herum? Ist auf Geistesblitze überhaupt noch zu hoffen?

 

Sigrid Grabmeier

Kommunikation und Kreativität

Im Anfang war das Wort
und das Wort war bei Gott
und das Wort war Gott.
Dieses war im Anfang bei Gott.

Alles ist durch das Wort geworden
und ohne es wurde nichts, was geworden ist.
In ihm war Leben und
das Leben war das Licht der Menschen.
Und das Licht leuchtet in der Finsternis
und die Finsternis hat es nicht erfasst.

Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet,
kam in die Welt.
Er war in der Welt
und die Welt ist durch ihn geworden,
aber die Welt erkannte ihn nicht.
Er kam in sein Eigentum,
aber die Seinen nahmen ihn nicht auf.
Allen aber, die ihn aufnahmen,
gab er Macht, Kinder Gottes zu werden,
allen, die an seinen Namen glauben,
die nicht aus dem Blut,
nicht aus dem Willen des Fleisches,
nicht aus dem Willen des Mannes,
sondern aus Gott geboren sind.
Und das Wort ist Fleisch geworden
und hat unter uns gewohnt
und wir haben seine Herrlichkeit geschaut,
die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater,
voll Gnade und Wahrheit.

Joh 1,1-5; 9-14 Einheitsübersetzung

 

Kommunikation und Kreativität.

 

„Im Anfang“ so beginnt ja auch das erste Buch der Bibel, die Genesis. Ganz bewusst stellt Johannes an den Beginn seines Buches über die Botschaft Jesu. Damit ist ein Bezug gesetzt, der den Anspruch erhebt: Hier wird die Bibel weitergeschrieben. Im Hebräischen bedeutet das Wort „Wort“ nicht nur „Wort“ . Es bedeutet auch „Tat.“ Das Wort ist also nicht nur das Gesprochene, es beinhaltet auch zugleich die Wirkung des Wortes. Und so knüpft diese Aussage noch weiter an das erste Buch an: „Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde“ - durch das Wort. Johannes tastet sich in den ersten zweiundzwanzig Worten an das Wesen der Gottheit heran: Kommunikation und Kreativität. 

 

Seit 1991 wird in Deutschland im Januar das „Unwort des Jahres“ aus dem Vorjahr gewählt. In den letzten Jahren waren das: Corona-Diktatur und Rückführungspatenschaften (2020), Klimahysterie (2019), Antiabschiebeindustrie (2018), Gutmensch (2015), Lügenpresse (2014) oder Sozialtourismus (2013). - Die Auswahl macht deutlich, was Unworte des Jahres besonders auszeichnet: Sie diskreditieren, die diskriminieren, sie verharmlosen oder machen Menschen oder Situationen lächerlich. Diese Unworte bleiben keine Worte, auch sie werden zu Taten, aber sie setzen nicht auf Kommunikation sonder auf Beleidigung, auf Verhetzung und falsche Darstellung, sie haben nicht das Ziel etwas zu erschaffen, sondern zu zerstören.

 

Die Gottheit, die Johannes uns vor Augen stellt, ist anders. Wir wissen nicht genau wie, aber sie hat den Menschen das Wort geschenkt und die Fähigkeit zu schaffen. Das Göttliche ist in unserem Leben verwirklicht. Ein Grund mehr, darauf zu achten, was wir mit unseren Worten und Taten bewirken.

 

 

Sigrid Grabmeier

Neujahr - Erfüllen lassen

Aber als die Zeit gekommen war, sandte Gott seinen Sohn.

Er wurde von einer Frau geboren und war dem Gesetz unterstellt. 

Dadurch wollte Gott alle freikaufen, die dem Gesetz unterworfen waren.

Auf diese Weise wollte Gott uns als seine Kinder annehmen.

Weil ihr nun seine Kinder seid, hat Gott den Geist seines Sohnes in unsere Herzen gesandt. 

Der ruft: »Abba, Vater«!

Du bist also kein Sklave mehr, sondern ein mündiges Kind.

Wenn du aber Kind bist, dann bist du auch Erbe. Dazu hat Gott dich bestimmt.

Gal 4,4-7 Basisbibel

 



Der Beginn des Neuen Jahres: den Rückblick haben wir hinter uns. Oder auch nicht, Denn Erinnerungen kennen keine Jahresgrenzen. Sie sind immer da, manchmal verborgen, manchmal ans Licht geholt durch Bilder, Töne, Gerüche, Worte, Gesten. Manchmal rufen sie schöne Gefühle hervor, manchmal traurige, bedrückende, vielleicht rufen sie alte Ängste, alte Wut hervor. Und trotzdem, rückwärts ist nicht alles. Vorwärts auch nicht. Manchmal wäre das hier und jetzt gerade das wichtigste. 

Und jetzt ist gerade Heute. Der Tag an dem wir uns ein gesundes, gesünderes, gutes, besseres, neues, neueres... Jahr wünschen. Wir haben Hoffnungen, Wünsche, Sehnsüchte. Bei Texten wie dem der heutigen zweiten Lesung überlege ich mir, ob Gott auch Wünsche, Hoffnungen, Sehnsüchte hat. Das Bild das Paulus verwendet, das der mündigen Kindschaft, legt dies nahe. Was sind die Erwartungen, die Hoffnungen, die Gott in uns Menschen setzt? 

Treffende Worte hat Charlie Chaplin gefunden, die er dem kleinen jüdischen Friseur in dem Film „Der große Diktator“ in den Mund legte: 

„Jeder Mensch sollte dem anderen helfen, nur so verbessern wir die Welt. Wir sollten am Glück des andern teilhaben und nicht einander verabscheuen. Hass und Verachtung bringen uns niemals näher. Auf dieser Welt ist Patz genug für jeden, und Mutter Erde ist reich genug, um jeden von uns satt zu machen.
Das Leben kann ja so erfreulich und wunderbar sein. Wir müssen es nur wieder zu leben lernen.

Die Habgier hat das Gute im Menschen verschüttet und Missgunst hat die Seelen vergiftet und uns im Paradeschritt zu Verderb und Blutschuld geführt. Wir haben die Geschwindigkeit entwickelt aber innerlich sind wir stehen geblieben. Wir lassen Maschinen für uns arbeiten und sie denken auch für uns.

Die Klugheit hat uns hochmütig werden lassen, und unser Wissen kalt und hart. Wir sprechen zu viel und fühlen zu wenig. Aber zuerst kommt die Menschlichkeit und dann erst die Maschinen. Vor Klugheit und Wissen kommt Toleranz und Güte. Ohne Menschlichkeit und Nächstenliebe ist unser Dasein nicht lebenswert.“

https://www.mitwelt.org/der-grosse-diktator-charlie-chaplin-rede.html
Der große Diktator: Charlie Chaplins große Rede an die Welt 

 

Wollen wir uns aufmachen 

hoffnungvoll

mehr und mehr Mensch werden

uns erfüllen lassen

von der Geistkraft

die auch unseren Bruder Jesus erfüllte

Gott vertrauend

dem Gesetz der Liebe folgen

dem Leben zugewandt,

klug und bescheiden,

tolerant und gütig.

 

So segne uns Gott 

mit Deinem Wohlwollen,

behüte uns und halte Bedrohung, Gefahr und Schaden von uns ab,

hülle uns in Licht, wenn es um uns dunkel wird, 

sei uns zugeneigt, wenn wir nicht weiter wissen.

 

 

Mögen wir das Neue Jahr im Bewusstsein der Liebe Gottes beginnen 

und als Gesegnete den Segen Gottes in die Welt hineinleben.

 

 

Sigrid Grabmeier

Christkönig — die Krone verrutscht…

Verrutschte Krone © Cristy Orzechowski

Liebe Leserinnen und Leser,

mit dem heutigen Sonntagsbrief endet der Versand der Sonntagsbriefe für das Jahr 2021. Am 28. November, dem 1. Adventsonntag, beginnt der Wir sind Kirche Adventskalender. In diesem Jahr liegt der Schwerpunkt auf den Psalmtexten der Adventszeit, in Beziehung gesetzt zu Ereignissen oder Texten der Gegenwart oder jüngeren Vergangenheit. - Wenn Sie den Adventskalender nicht erhalten wollen, dann können Sie bei Erhalt der ersten Sendung sich selbstverständlich abmelden.

mit herzlichen Grüßen zum Ende des Kirchenjahres

Sigrid Grabmeier 

 

 

Heute werden uns drei Texte zur Reflexion angeboten: Johannes 18, 33-37 Evgl; 7. Kapitel Daniel u. Offbg. 1, 5-8  

Nicht alle Texte zitiere ich komplett, doch benutze ich sie in meinem Kommentar.

 

Pilatus ging wieder in das Prätorium hinein, ließ Jesus rufen und fragte ihn: Bist du der König der Juden? Jesus antwortete: Sagst du das von dir aus, oder haben es dir andere über mich gesagt?

Pilatus entgegnete: Bin ich denn ein Jude? Dein eigenes Volk und die Hohenpriester haben dich an mich ausgeliefert. Was hast du getan?

Jesus antwortete: Mein Königtum ist nicht von dieser Welt. Wenn es von dieser Welt wäre, würden meine Leute kämpfen, damit ich den Juden nicht ausgeliefert würde.Aber mein Königtum ist nicht von hier..

Pilatus sagte zu ihm: Also bist du doch ein König? 

Jesus antwortete: Du sagst es, ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, dass ich für die Wahrheit Zeugnis ablege. Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme.

Joh. 18,33-37 Einheitsübersetzung 

 

Daniel berichtet seine Vision von  vier Tieren, die er im Traum aus dem Meer aussteigend gesehen hat. In meinem Kommentar erwähne ich einige davon…

      Beschreibung des vierten Tieres: --

10    Ein Strom von Feuer ging von ihm aus. 

Tausendmal Tausende dienten ihm, zehntausendmal Zehntausende standen vor ihm. Das Gericht nahm Platz, und es wurden Bücher aufgeschlagen.

13    Immer noch hatte ich die nächtlichen Visionen:

Da kam mit den Wolken des Himmels einer wie ein Menschensohn. 

Er gelangte bis zu dem Hochbetagten und wurde vor ihn geführt.

14    Ihm wurden Herrschaft, Würde und Königtum gegeben. 

Daniel 7/, 2a 13b bis 14 Einheitsübersetzung

 

6   Er hat uns zu Königen gemacht und zu Priestern vor Gott, seinem Vater. Ihm sei die Herrlichkeit und die Macht in alle Ewigkeit:-Amen

 Offb. 1,5-8 Einheitsübersetzung

 

Christkönig — die Krone verrutscht…

Grundsätzliches zum Christkönigsfest:

CHRIST-KÖNIG, da sträuben sich mir zunächst die Nackenhaare und Seelen-Antennen…

Doch ist dieser König nur mit den eigenen Worten Jesu sag-und denkbar: 

„MEIN REICH IST NICHT VON DIESER WELT…; nicht mit dieser Art des Machtvollzugs vergleichbar! –Vielmehr bin ich königlich in dem Sinne, dass ich erhaben bin über den Gerechtigkeits-Verstoß u. Lügenvorrat des weltlichen Königtums. Nur in diesen anderen  Kategorien also ist Christkönig zu denken.

 

Er repräsentiert sein Königtum, indem er in die Welten der Lüge, des Zusehens, des Rand-Daseins, der Verwahrlosung und Hauslosigkeit, des Missbrauchs jeder Art - begleitend eintaucht. Dieser „andere König“ macht sich präsent: Wie der „andere Advent“, um uns ermahnend und ermutigend zuzurufen: „Mit solchem eher Un-königlichen Gehabe haben mein Königtum und die Nachfolge meines königlichen Daseins nichts zu tun. Vielmehr gehe ich auf dem Weg voraus, der aus der Löwengrube all dieser Missstände und menschlicher Bedrohungs-Zuständen, herausführt….“

 

Mir ist so, als hörte ich Jesus weitersagen:  „Das Erste was dabei notwendend ist, will ich tun, die Flügel der Macht und des Überfliegers ausreißen; vom Boden emporheben und wie ein Mensch auf zwei Füße stellen, und jedem Menschlichen Wesen auch ein menschliches Herz verleihen, sozusagen wiedergeben…wiederbeleben.

In den vorherigen Löwengruben-Beschreibungen werden verschiedene falsche, sich groß machende Könige beschrieben: – die z.B. zur Gerichtsverhandlungen BÜCHER AUFSCHLAGEN,welche den Menschen erdrücken… umgarnen… würgen… fesseln…

 

Unsere Gesellschaft, unsere Kirche, haben weltirdisches Königtum bestens entwickelt: Wir beugen davor die Knie.Was soll ich da aufzählen? Es wäre Geschwätz vom ewigen Gestern, sozusagen unserem Schmerzgedächtnis aus der Begegnung mit dem Allmachts-Getue entsprungen. Vor uns liegt der Aufruf zum Tun:

Um den Christkönig, mittels unserer Nachfolge wahrhaft loben zu können, zu besingen, zu ehren, ist angesagt: 

„HÖRNER-ABSTOßEN“…

Im Danieltext werden zehn an der Zahl genannt. Auf wie viele kommen wir persönlich? Auf wie viele unsere Kirchliche Institution? Gehören vielleicht gar die >Mitren< zu Hörnern?? Auch geht es darum, uns unserer, als königliche Insignien getragenen Machtzähne zu entledigen, auszubeißen. 

 

Trotz meiner obigen Aussage, spricht es aus meinem Innern zu mir: „Da hilft kein `Mit-dem—Finger-auf-andere-zeigen". Erst bin jeweils ich dran!“ — Bin ich bereit, auf das aufgewühlte Meer, der in mir lebendigen Vision, seit Taufe und Berufungsweg, neuerdings und innovativ zu reagieren? Sitze ich schon fest auf dem königlichen Hochsitz meines  Rentner-Daseins oder biologischen Alters? „Tagwerk getan“, tönt es da zufrieden:  die Hörner wachsen nach…  die falschen Zähne fallen aus…!

 Verrutschte Krone © Cristy OrzechowskiVielmehr ist die Daniel-Vision 7,13 mein innigster Wunsch: „Da kam mit den Wolken des Himmels einer wie ein Menschensohn. Er gelangte bis zu dem Hochbetagten und wurde vor ihn geführt.“ 

Da will ich mich tatsächlich anschließen, mitgehen! Mein, dem Älter-Werden geschuldet, abnehmendes Lebenslicht erhellend in meine jetzige Wegstrecke einfügen; –in Hoffnung weitergehen, mich selbst als Königin sehen; ja sogar als „PRIESTERIN“ (Offbg. 1,6 *), die ich war und bin in den Höhen des Altiplanos-/Peru…, wo nicht die Bücher aufgeschlagen werden, sondern, wie unser dortige Bischof Jesús Calderon zu sagen pflegte: „Im Hochland der Anden ist das Kanonische Recht aufgehoben, aufgrund  der 4000m Höhe u. der daraus resultierenden Nähe zur Gottheit.. “  

"CHRISTUS hat uns zu Königen gemacht und zu Priestern vor Gott, seinem Vater. Ihm seien die Herrlichkeit und die Macht in alle Ewigkeit. Amen" 

In diesen Schwung kann ich meinen Lebensdank einbeten…

 

Und dann noch…

Es wäre fahrlässig an dem neugeborenen König vorbeizusehen, dem In-Windel-Gewickelten-König (Biblische Blasphemie???) Dieser König, tut schon seinen ersten Schrei:

-in Kälte

-Ungeborgenheit

-Hunger-Fremde. 

-Baldiger Flucht-Bedrohung. 

Der Neugeborene KÖNIG hebt die gewohnten Kategorien auf: von den Herrschern da Oben…und den Beherrschten da Unten.-(Im Weltgeschehen so üblich!…) Da fallen einem(r) Jeden(er) von uns genügend Analogien ein, aus dem täglichen Weltgeschehen und naher Alltags-Umwelt.

 

Dieser König, vor Pilatus stehend, ist aufzurufen. Es ist der, der sich in unseren Qualen; mitten unter uns erdet, — der sich mit Mutter Erde (=Pacha Mama) verbindet, der sich im Schmerz einer jeden Ackerfurche windet. Er ist der präsente König der Ernte, die er mit uns, wenn auch gebückt, im Schweiße unseres Angesichtes, Jubelnd mit uns einholt. Auch der Dornengekrönte König aus der Passionist nicht der Prototyp von König!

 

Die mit Tränen säen, werden in Freude ernten. In jeder Ernte, materieller oder spiritueller Art, zeigt Christus sich als König über unseren Schmerz; als Priester u. Priesterin der Wandlung.

Auch dies ist Erfahrung meines Lebens…

Der Schmerz ist es…, der die Liebe—Freude befreit…

 

© Texte u. Fotos:  Cristy Orzechowski

 

 

 

26. Mai 2022 von Georg Mollberg

Sonntagsbrief zum 7. Sonntag der Osterzeit, 29. Mai 2022

Einheit oder Vielfalt?

In jener Zeit erhob Jesus seine Augen zum Himmel und betete: Heiliger Vater, ich bitte nicht nur für diese hier, sondern auch für alle, die durch ihr Wort an mich glauben. Alle sollen eins sein: Wie du, Vater in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast.

Weiterlesen …

22. Mai 2022 von Sigrid Grabmeier

Sonntagsbrief zum 6. Sonntag der Osterzeit, 22. Mai 2022

Keine weiteren Lasten

Da kamen einige Leute aus Judäa nach Antiochia. Sie erklärten den Brüdern: „Ihr müsst euch beschneiden lassen,wie es nach Mose Vorschrift ist. Sonst könnt ihr nicht gerettet werden.“ Das verursachte große Aufregung in der Gemeinde.

 

Weiterlesen …

14. Mai 2022 von Sigrid Grabmeier

Sonntagsbrief zum 5. Sonntag der Osterzeit, 15. Mai 2022

Reich Gottes

Nachdem sie auch in dieser Stadt verkündigt und zahlreiche Schüler und Schülerinnen gewonnen hatten, kehrten sie zurück nach Lystra, Ikonion und Antiochia, stärkten dabei die Schülerinnen und Schüler, ermunterten und ermahnten sie, beim Glauben zu bleiben und „dass wir durch viele Bedrängnisse hindurch in Gottes Reich hineingehen müssen“.

 

Weiterlesen …

6. Mai 2022 von Sigrid Grabmeier

Sonntagsbrief zum 4. Sonntag der Osterzeit, 8. Mai 2022

Geborgen

Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir, und ich gebe ihnen ewiges Leben, und sie werden bis in Ewigkeit nicht verloren gehen und niemand wird sie aus meiner Hand rauben.

 

Weiterlesen …

30. April 2022 von Tobias Grimbacher

Sonntagsbrief zum 3. Sonntag der Osterzeit, 1. Mai 2022

Neue Normalitäten

Danach erschien Jesus den Jüngerinnen und Jüngern noch einmal am See von Tiberias. Er erschien so: Simon Petrus und Thomas, der Didymos oder Zwilling genannt wird, und Natanaël aus Kana in Galiläa und die Söhne des Zebedäus und zwei andere von seinen Jüngerinnen und Jüngern waren zusammen. Simon Petrus sagte zu ihnen: „Ich gehe fischen.“

 

Weiterlesen …

23. April 2022 von Sigrid Grabmeier

Sonntagsbrief zum 2. Sonntag der Osterzeit, 24. April 2022

Zweifeln ist wertvoll

Am ersten Tag der Woche kam Maria von Magdala frühmorgens, als es noch dunkel war, zum Grab und sah, dass der Stein vom Grab weggenommen war.Da lief sie schnell zu Simon Petrus und dem anderen Jünger, den Jesus liebte, und sagte zu ihnen: Sie haben den Herrn aus dem Grab weggenommen und wir wissen nicht, wohin sie ihn gelegt haben.

 

Weiterlesen …

16. April 2022 von Johannes Brinkmann

Sonntagsbrief zum Ostersonntag, 17. April 2022

Unsterblich?

Am ersten Tag der Woche kam Maria von Magdala frühmorgens, als es noch dunkel war, zum Grab und sah, dass der Stein vom Grab weggenommen war.Da lief sie schnell zu Simon Petrus und dem anderen Jünger, den Jesus liebte, und sagte zu ihnen: Sie haben den Herrn aus dem Grab weggenommen und wir wissen nicht, wohin sie ihn gelegt haben.

 

Weiterlesen …

15. April 2022 von Sigrid Grabmeier

Sonntagsbrief zum Karfreitag, 15. April 2022

Karfreitag

Da nahm Pilatus Jesus und ließ ihn auspeitschen. Die Soldaten flochten einen Kranz aus Dornen und setzen ihn auf seinen Kopf. Sie zogen ihm ein Purpurgewand an, kamen zu ihm, sagten: „Sei gegrüßt, König von Israel!“ und gaben ihm Ohrfeigen.

 

Weiterlesen …

14. April 2022 von Eva-Maria Kiklas

Sonntagsbrief zum Gründonnerstag, 14. April 2022

Dienet einander

Vor dem Pessachfest wusste Jesus, dass seine Zeit gekommen war und er aus dieser Welt weg und zu Gott, seinem Ursprung, gehen würde. Und wie er alle, die in der Welt zu ihm gehören, immer geliebt hatte, liebte er sie bis zum Ende.

 

Weiterlesen …

8. April 2022 von Cristy Orzechowski

Sonntagsbrief zum Palmsonntag, 10. April 2022

Wir kennen ihn nicht

„Gepriesen ist, der da kommt, der König, im Namen der Lebendigen. Im Himmel ist Friede
und Gottesglanz in den Höhen!“ Und einige von der pharisäischen Gruppe sagten abgewandt vom Volk zu ihm: „Lehrer, verbiete das deinen Schülern und Schülerinnen!“ Er antwortete: „Ich sage euch: Wenn sie schweigen werden, werden die Steine schreien.“ 

 

Weiterlesen …