Sonntagsbrief zum Pfingstmontag, 24. Mai 2021

23. Mai 2021 von Johannes Brinkmann

Auf dem Weg zum Gipfel der Erkenntnis

Am Morgen vor der Berghütte © Cäcilie Grabmeier

In dieser Stunde rief Jesus, vom Heiligen Geist erfüllt, voll Freude aus: „Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du das vor den Weisen und Klugen verborgen und es den Unmündigen offenbart hast. Ja, Vater, so hat es dir gefallen. Alles ist mir von meinem Vater übergeben worden; niemand erkennt, wer der Sohn ist, nur der Vater, und niemand erkennt, wer der Vater ist, nur der Sohn und der, dem es der Sohn offenbaren will.“ Jesus wandte sich an die Jünger und sagte zu ihnen allein: „Selig sind die Augen, die sehen, was ihr seht. Denn ich sage euch: Viele Propheten und Könige wollten sehen, was ihr seht, und haben es nicht gesehen, und wollten hören, was ihr hört, und haben es nicht gehört.“

 

Lk 10, 21-24 Einheitsübersetzung 

 

 

Auf dem Weg zum Gipfel der Erkenntnis

 

Jesus ruft hier in jener Stunde voll Freude aus: Ich preise Dich Vater und Mutter im Himmel, Herr und Herrin des Himmels und der Erde, weil Du das den Weisen und Klugen verborgen und den Unmündigen offenbart hast. So hat es Dir geliebter Papa! geliebte Mama! gefallen.

Was für ein Satz! Was für eine Provokation in Richtung aller, die sich selbst für klug und weise halten oder die wir oder andere als klug und weise wähnen.  - Doch wer sind diese gepriesenen Unmündigen? Unmündig will doch keiner von uns sein.

 

Mit dem Jahr 2000 trat ich für einige Zeit eine Stelle in einer Einrichtung für sogenannte „geistig Behinderte“ an, als Pädagoge. Mit ihnen zusammen gründete ich einen Chor: den Urbachchor. Denn die Einrichtung war am Ende der Urbachstrasse in Essen-Werden, ganz oben auf'm Berg.

 

Das vielleicht schönste kleine Lied, das ich je geschrieben habe, hat dort seine Heimat gefunden, die schönste Heimat, die ich für dieses Liedchen denken kann. Es heißt: „Die kleinen Wunder“. Und der Text lautet: „Ich will die kleinen Wunder sehn / an denen wir sooft vorüber gehn.“

 

Der Klang des Urbachchores überzeugte nicht durch schöne Stimmen sondern durch schöne Herzen! Das hörte man nicht nur sofort, das spürte man auch, das überwältigte und entmachtete jede und jeden, der diesen Chor sehen und hören durfte. Ohne jedes Brimborium kam er daher und traf mitten ins Herz.

 

Eine Freundin, die uns damals regelmäßig in dieser familiären Einrichtung besuchte, sagte damals zu mir: „Wenn ich bei Euch zu Gast bin, verliere ich jede Eitelkeit. Was wahre Schönheit und Weisheit ist, erfahre ich hier bei Euch. Man lernt zu unterscheiden, was wichtig ist und was unwichtig. Eine wahrhaft erlösende Erfahrung.“ Diese Freundin hatte wohl bei uns eine geradezu nahrhafte Begegnung gehabt. Da bekommt die Bitte im Vater unser „unser tägliches Brot gib uns heute“ einen ganz neuen Geschmack und die Lobpreisung der „armen im Geiste“ aus der sogenannten Bergpredigt wird wie nebenbei begriffen. Ein Licht geht einem auf!

 

Und was tun wir, die wir uns für ach so mündig halten? Wir hören auf die vermeintlich Klugen im Lande, auf schwere Köpfe, die uns schwere Reden halten.

 

Und während ich so darüber nachdenke, wer denn nun die Unmündigen in Wahrheit sind, erwartet mich und meine Freundinnen und Freunde am Gipfel der Erkenntnis bis heute der Urbachchor und verführt zu einem erlösten Lachen. „Unser Haus liegt auf'm Berg am Ende einer Straße / wer zu uns will muss hoch hinaus / wer mit uns singt kriegt gute Laune / Urbachchor, Urbachchor so schön singt nur der Urbachchor!“ so sangen wir damals - wunderschön!

 

diesem Sinne frohe Pfingsten

 

Bild: Am Morgen vor der Berghütte © Cäcilie Grabmeier

 

Nächste interaktive Wir sind Kirche-Online-Andacht am 25. Mai 2021, 19:00 Uhr

 

​​Die Wir sind Kirche-Online-Andachten sind eine neue und gute Möglichkeit, auch in Corona-Zeiten im Gebet und Gespräch miteinander verbunden zu bleiben. Sie stehen in der Tradition der verschiedenen gottesdienstlichen Feiern bei den Bundesversammlungen, Begegnungstagen und PilgerRadTouren. Diese gehörten - und gehören - zu den Höhepunkten unserer Treffen. Gerade in dieser Zeit der eingeschränkten Kontakte und der oft drückenden Einsamkeit wollen wir mit diesem Angebot uns geistlich nahe sein und die kommunikative Gottesdient-Gemeinschaft pflegen.

Voranmeldung ist nicht erforderlich. ab 18:45 Uhr möglich, Zugang über diese Webseite. Texte und Gebete werden eingeblendet. 

Nächster online Jakobsbrunnen am Dienstag, 1. Juni 2021, 19-20 Uhr

Dr. Christiane Florin, Deutschlandfunk Redaktion „Religion und Gesellschaft“Dienstag, 18. Mai 2021,19-20 Uhr 

Die „Gespräche am Jakobsbrunnen“ sind seit 1998 ein Markenzeichen von Wir sind Kircheauf Katholiken- und Kirchentagen. Da der Ökumenische Kirchentag in diesem Jahr aufgrund der Pandemie im Internet stattfinden wird, werden auch wir die "Gespräche am Jakobsbrunnen" digital gestalten und setzen die Reihe in gemeinsamer Verantwortung von Wir sind Kirche Deutschland und Österreich fort.

Zugang  über diese Webseite

 

 

 

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