Sonntagsbrief zum Neujahrstag 2021

31. Dezember 2020 von Sigrid Grabmeier

Das Leben umarmen

La Valse (The Waltzers): Camille Claudel,

Als die Engel im Himmel verschwunden waren, sagten die Hirten und Hirtinnen zueinander: „Kommt, gehen wir bis Betlehem und sehen uns an, was da geschehen ist und was die Lebendige uns hat wissen lassen.“ Sie eilten davon und fanden Maria und Josef und das Neugeborene, das in einer Futterkrippe lag. Und als sie es sahen, teilten sie alles mit, was ihnen über dieses Kind gesagt worden war. Und alle, die es hörten, wunderten sich darüber, was die Hirten und Hirtinnen zu ihnen sagten. Maria aber bewahrte alle Worte und erwog sie in ihrem Herzen. Die Hirtinnen und Hirten kehrten zurück, sie rühmten und lobten Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten, genau wie es zu ihnen gesagt worden war.

Lk2, 15-20  Bibel in gerechter Sprache

 

Das Leben umarmen

Der Evangelist Lukas hat als einziger die Geschichte von Jesu so erzählt, ihr diese Umfeld gegeben. Mit wenigen Worten skizziert er eine Situation, die über das letzte Jahrtausend hinweg in Bildern und literarisch ausgeschmückt und gedeutet wurde. Ich möchte mich auf diesen Satz fokussieren:

„Kommt wir gehen und sehen uns an, was da geschehen ist.“  Da steckt echte Neugier, bedingungsloses Interesse dahinter: Einfach mal so die Herden im Stich lassen und schauen, was es mit der seltsamen Erscheinung da auf sich hatte, ist ja nicht ganz ohne. Selbst wenn noch ein oder zwei Hirten bei den Tieren zurückbleiben, es ist ein Risiko. Die Botschaft muss sie zutiefst getroffen haben. Mich fasziniert diese Neugier und dieser Mut, im Hier und Jetzt der Botschaft auf der Spur zu sein.

Das kann doch auch ein Wegweiser für uns sein. In unserem Hier und Jetzt neugierig bleiben, offen für das was uns begegnet. Hilde Domin schrieb

„ .. dem Leben wie einem Vogel die Hand hinhalten...“ und in einem Gedicht von Gisela Baltes heißt es:

Das Leben umarmen,
im gemeinsamen Tanz
führen und geführt werden,
gestalten und zulassen.

Das Leben umarmen,
es bejahen, so wie es mir begegnet,
jeden Tag, jede Stunde,
in guten und in schweren Zeiten.

Das ganze Gedicht hier:  

 

Das wünsche ich uns allen für diese Neue Jahr:

dass wir unser Leben umarmen und bejahen können,

dass wir dem Lebendigen auf der Spur bleiben,

dass wir Gottes liebende Begleitung spüren.

 

Sigrid Grabmeier

Bild: Camille Claudel La Valse 1889:

 

Zurück