Sonntagsbrief zum Neujahrstag 2020

31. Dezember 2019 von Sigrid Grabmeier

Mit der Dimension des Segens leben

eibsee 

Gott! Sie schenke uns ihre Zuneigung und segne uns.
Sie lasse ihr Antlitz leuchten bei uns. 

Damit man auf der Erde deinen Weg erkenne,
unter allen Völkern dein Befreien.

Es sollen dich loben die Völker, Gott.
Es sollen dich loben alle Völker zusammen.

Die Nationen sollen sich freuen und ihre Freude laut in die Luft werfen –
ja, du richtest die Völker in Geradlinigkeit.
Den Nationen auf der Erde zeigst du deinen Weg. 
Es sollen dich loben die Völker, Gott.
Es sollen dich loben alle Völker zusammen.

Die Erde gab ihren Ertrag. Es segne uns Gott, unsere Gottheit.
Es segne uns Gott. Es sollen Gott fürchten alle Enden der Erde.
 

Psalm 67, Bibel in gerechter Sprache

 

Mit der Dimension des Segens leben

Vor einigen Jahren sprach mich ein älterer evangelischer Pfarrer nach einer Tagung an, bei der ich einen Vortrag gehalten hatte, er wolle mir einen Segen zusprechen, ob ich das annehmen könne. Ich habe wohl etwas skeptisch geschaut, er wollte schon zurückziehen, da bat ich ihn, das doch zu tun.

Ich weiß nicht mehr, was er gebetet hat, aber er legte mir die Hände auf und mich erfüllte eine große Ruhe und Freude, der Segensspruch tat mir in der Seele gut.

Der Segen öffnete in mir einen Raum, in dem mehr Platz war als nur ein gutes Wort oder ein dickes Lob. Er stellte eine Verbindung her, die über die Beziehung zwischen dem Pfarrer und mir hinaus ging. Im Geschehen wandten wir uns einander zu und doch war klar, dass es um mehr ging als um uns. Gott war da, wir waren in Verbindung.

Vielleicht erinnern sie sich an den Sonntagsbrief vom 10. November, „Eingebunden in den Bund des Lebens“. Auch durch einen Segen wird unser Leben in den Bund des Lebens eingebunden, es wird eine andere Dimension eröffnet, die uns aus dem hier und jetzt hinausführt.

Früher war es sehr verbreitet, z.B. das Brot vor dem Anschneiden zu segnen. Mütter zeichneten ihren Kindern vor dem Schulweg ein Kreuz auf die Stirn. Es war ein anheim Stellen, ein Anvertrauen, ein Bewusstsein, dass man nicht alles selbst in der Hand hat, nicht alles selbst bestimmen kann. -

Ich wünsche uns allen für das Neue Jahr, dass wir wieder lernen, mit der Dimension des Segens und des Segnens zu leben.

 

Gesegnet bist du vom allwaltenden Gott,
der dich segnet mit aller Fülle des Segens,
ob vom Himmel hoch oben oder aus den Tiefen der Erde,
mit der Fülle des Segens
aus Brust und Schoß der Mutter,
mit der Segensfülle
der Ähren und Blüten,
mit der Segensfülle
der ewigen Gebirge,
der Pracht der uralten Berge
 
nach Genesis 49,25 -26 

Sigrid Grabmeier

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