Sonntagsbrief zum 5. Sonntag im Jahreskreis, 5. Februar 2017

4. Februar 2017 von Regina Grotefend-Müller

Ihr seid das Salz und das Licht ! Ein Aufruf zur Solidarität

Ihr seid das Salz und das Licht ! Ein Aufruf zur Solidarität

Rose

Geht es nicht darum? Mit Hungrigen dein Brot teilen, umherirrende Arme führst du ins Haus!
Wenn du Leute nackt siehst, bekleidest du sie, vor deinen Angehörigen versteckst du dich nicht.
Dann wird dein Licht wie die Morgenröte hervorbrechen, eilends wächst deine Wunde zu.
Dann wird deine Gerechtigkeit vor dir hergehen, der Glanz Gottes sammelt dich auf.
Dann wirst du rufen, und Gott wird dir antworten. Du schreist um Hilfe, und Gott wird sagen: »Hier bin ich!« Wenn du aus deiner Mitte das Joch wegräumst, das Fingerzeigen und die üble Nachrede,und wenn du dich ganz den Hungrigen hingibst und die Niedergedrückten sättigst,
dann wird dein Licht in der Finsternis aufstrahlen, deine Dunkelheit wird wie der Mittag sein.

Jes 58, 7-10 
Bibel in gerechter Sprache

Es ist kein Geheimnis: die Schere zwischen Arm und Reich geht immer weiter auseinander. Abertausende Flüchtlinge machen sich auf unsichere Wege in politisch wie wirtschaftlich sichere, friedliche Länder. Wir alle sehen uns vor große, neue Aufgaben gestellt, die herausfordern. Aber genau diese Herausforderung thematisieren auch alle biblischen Texte des heutigen Sonntags.

Im Matthäusevangelium steht derzeit die „Bergpredigt“ im Focus, der heutige Jesajatext knüpft inhaltlich daran an: Die biblische Botschaft- die einzige Norm für das persönliche und kirchliche Verhalten- lautet: Gerechtigkeit, Erbarmen, Gotteserkenntnis und Gottesverehrung sind untrennbar miteinander verbunden. Jesus greift diese Worte auf, wenn er sagt:“ Was ihr dem Geringsten meiner Geschwister getan habt, habt ihr mir getan.“ In Jesus solidarisiert sich Gott mit den Armen. Jesus ist die menschgewordene Solidarität Gottes mit den Bedürftigen. Sich den Armen, Kleinen aktiv zuwenden, alles mit ihnen teilen, die Lasten den anderen abnehmen, sie mittragen, das ist wahre christliche Solidarität.

In Zeiten der Not sind Menschen solidarischer, als in Zeiten des Wohlstandes. Das spüren wir besonders in diesen Tagen. Als im vergangenen Jahrhundert christliche Missionare nach Indien gingen, um die Hindis für den christlichen Glauben zu gewinnen, hatten sie keinen Erfolg. Sie wandten sich an Mahatma Gandhi, um bei ihm Rat einzuholen. Gandhi kannte die Bergpredigt. Sie war für ihn Quelle für seine Lebensgestaltung und so antwortete er ihnen: „Denken Sie an das Geheimnis der Rose. Alle mögen sie, weil sie duftet. Also, duften Sie, meine Herren.“

Eine Rose entwickelt keine Strategien, um attraktiver zu erscheinen. Sie hat es nicht nötig. Sie ist attraktiv, sie duftet, sie strahlt Schönheit aus. Deshalb wird sie bewundert und geliebt. Sie wirkt durch ihr Sein. Genau dieses schreibt uns Jesus im heutigen Evangelium ins Stammbuch: „Ihr seid das Salz der Erde! Ihr seid das Licht der Welt!“ Diese Sätze stehen am Ende der Seligpreisungen der Bergpredigt. Christliche Solidarität ist eine Lebenshaltung, sie bleibt, jeden Tag. Von den ersten Christen wissen wir, dass sie ALLES gemeinsam hatten, alles miteinander teilten.

Diese Haltung entspringt auch der Einsicht, dass mir alles, was ich an materiellen Gütern, Begabungen, Talenten besitze, geschenkt wurde. Ich darf sie verwalten immer auch zum Wohl jener, die sie brauchen. Kirchliche Synodenbeschlüsse der vergangenen Jahrzehnte, die sich dieser besonderen Verantwortung bewußt wurden, sind kaum bis gar nicht umgesetzt, weil immer wieder andere Prioritäten gesetzt wurden. Papst Franziskus legt hier zu recht wieder Finger in offene Wunden (z.B. in der Enzyklika „Amoris laetitia“), weil er sich bewußt ist, dass der kirchliche Auftrag zur Solidarität stark an Glaubwürdigkeit verloren hat.

Noch eine andere Botschaft wird uns mit diesen Worten „Ihr seid das Salz der Erde! Ihr seid das Licht der Welt“ vermittelt. Salz war in früheren Zeiten sehr wertvoll. Wie wichtig das Salär (abgeleitet von „Sal“, Salz), das Gehalt, für uns ist, wissen wir alle. Licht war in früheren Zeiten sehr kostbar. Viele konnten sich keine Kerzen und Öllampen leisten. Ohne Licht gäbe es gar kein Leben. Salz und Licht sind lebensnotwendig für uns Menschen, deswegen unendlich kostbar. W i r sind kostbar und wertvoll! Jesu Zuspruch ist so einfach wie anspruchsvoll: Ihr seid das Salz der Erde. Seid das Salz. Ihr seid das Licht. Seid das Licht. All das Andere wird sich ergeben.

Regina Grotenfend-Müller

Bildnachweis: Rose in Reginas Garten; © Regina Grotefend-Müller

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