Sonntagsbrief zum Fest Taufe des Herrn

11. Januar 2020 von Sigrid Grabmeier

Mit heiliger Geistkraft

Rom, Vatikan, Petersdom,   

 

Petrus begann zu sprechen und sagte: „Wahrhaftig, jetzt begreife ich, dass Gott nicht parteilich ist. Vielmehr sind Gott in jedem Volk diejenigen recht, die Gott achten und rechtschaffen handeln. Das ist die Botschaft, die dem Volk Israel gesandt wurde, als Gott durch Jesus, den Gesalbten, der Macht hat über alle, Frieden verkünden ließ. Ihr wisst, was sich in ganz Judäa herumgesprochen hat: Begonnen hat Jesus aus Nazaret in Galiläa nach der Taufe, die Johannes verkündigte, als Gott ihn mit heiliger Geistkraft und Macht wie mit Salböl übergoss. Da zog er umher, tat Gutes und heilte alle, die vom Teufel unterjocht wurden, weil Gott mit ihm war.“ 

 

(„Wir bezeugen alles, was er im jüdischen Gebiet und in Jerusalem getan hat. Ihn hat man durch Aufhängen am Holz umgebracht. Den hat Gott am dritten Tag erweckt und es gewährt, dass er gesehen werden konnte – nicht vom ganzen Volk, sondern von denen, die Gott vorher zur Zeugenschaft bestimmt hatte: von uns, die wir mit ihm gegessen und getrunken haben, nachdem er von den Toten aufgestanden war.“)

 

Apostelgeschichte 10, 34-38; (39-41) Bibel in gerechter Sprache

 

Mit heiliger Geistkraft

Wir beobachten gerade, wie Petrus ein „Aha-Erlebnis“ hat. Wie kommt es zu dieser Erkenntnis?

Im Kapitel 10 der Apostelgeschichte wird berichtet, wie Petrus und der römische Hauptmann Cornelius sich in Folge zweier Visionen begegnen. Cornelius ist zwar kein Jude, er hat sich aber mit der jüdischen Religion vertraut gemacht und lebt nach deren Regeln, vor allem wird er als gottesfürchtig und wohltätig beschrieben. Er lässt auf eine Vision hin nach Petrus schicken.

Petrus hatte beim Beten auch eine Vision, in der sich dreimal die gleiche Szene wiederholte: In einem Tuch, das vom Himmel auf die Erde gesenkt wurde, befanden sich Tiere aller Art: Vierfüßler, Kriechtiere und Vögel, und er wurde aufgefordert, sie schlachten und zu essen. Petrus reagierte heftig:

„Auf keinen Fall, Herr! Habe ich doch noch nie irgendetwas gegessen, was vor Gott als abscheulich und unrein gilt.“ Aber die Stimme richtete sich wiederum an ihn: „Was Gott für rein erklärt hat, erkläre du nicht für abscheulich!“

Danach hatte er noch eine Eingebung, nämlich den beiden Männern, die nach ihm fragten, zu Cornelius zu folgen. -Soweit also die Vorgeschichte.

Das was wir gerade mitbekommen, ist nicht weniger als die Erkenntnis, dass die Botschaft Jesu nicht nur für Juden bestimmt ist, sondern für alle Menschen guten Willens, also der Beginn der „Heidenmission“. Die nächsten Worte sind mehr an Cornelius und seine Hausgemeinschaft gerichtet. Und auch sie haben eine Bedeutung, die weit über den Augenblick hinaus weist. Genau betrachtet sind sie der Beginn eines Glaubensbekenntnisses. Im Gegensatz zu dem Glaubensbekenntnis, das wir heute sprechen, kommt allerdings das Leben Jesu und seine Botschaft vor, nicht jedoch die Spekulationen über Jungfrauengeburt und eine unmittelbare Gottessohnschaft.

Mich hat beim ersten Lesen der Perikope dieser Satz besonders angesprochen: „Begonnen hat Jesus aus Nazaret in Galiläa nach der Taufe, die Johannes verkündigte, als Gott ihn mit heiliger Geistkraft und Macht wie mit Salböl übergoss.“

Lukas, der in seinem Evangelium eine Mythologisierung der Herkunft Jesu betrieben hat, gibt hier eine völlig andere Version wieder. Für Petrus ist Jesus, der ihn berufen hat, mit dem er umhergezogen ist, mit dem er gegessen hat, ein Mensch. Ein Mensch, über den Gott „Geistkraft und Macht wie mit Salböl“ ausgoss. An Jesu Menschlichkeit ändert auch die Erfahrung der Auferstehung und der nachösterlichen Begegnungen nichts. So wie Petrus hier auftritt kommt die Botschaft authentisch und und unmanipuliert rüber. Bei ihm wabern keine vorderorientalischen oder griechischen Göttervorstellungen herum, er ist ein bodenständiger Jude, der vor seinem jüdischen Hintergrund, wie er beispielsweise auch in der 1. Lesung bei Jesaja vorkommt, seine Erfahrungen mit Jesus deutet:

Ich, Gott, habe dich gerufen in Gerechtigkeit
und ich halte dich fest an deiner Hand.
Ich habe dich gebildet und dich eingesetzt
zum Bund mit einem Volk,
zum Licht für die fremden Völker,
um die blinden Augen zu öffnen,
um Gefangene aus dem Gefängnis zu führen,
heraus aus dem Kerker jene, die in Finsternis sitzen.
Jes 42, 6-7

 

Sein Glaubensbekenntnis spricht mich an und ich kann es, anders als das sogenannte apostolische, nachvollziehen und überzeugt mitsprechen. - Die Botschaft ist übrigens auch beim Hauptmann Cornelius voll angekommen:

„Während Petrus noch diese Worte sprach, kam die heilige Geistkraft über alle, die seine Rede hörten. Alle an Jesus Glaubenden aus dem Volk der Beschneidung, die mit Petrus gekommen waren, konnten es nicht fassen, dass die Gabe der heiligen Geistkraft auch auf Menschen aus den Völkern ausgegossen war.“ - (Apg 10, 44-45)

Daraufhin ordnete Petrus an, dass Cornelius und die Seinen getauft würden.

  

Sigrid Grabmeier

Bild: 

Rom, Vatikan, Petersdom, Die Taube des Hl. Geistes (Cathedra Petri, Bernini)

  

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