Sonntagsbrief zum Fest "Erscheinung des Herrn" 6. Januar 2021

5. Januar 2021 von Sigrid Grabmeier

Überwältigt vor Freude

Hilfe in Corona Zeit für die Ärmsten der Armen in Pakistan

 

Als Jesus in Betlehem in Judäa geboren war, in den Tagen des Königs Herodes, seht, da kamen königliche Magier aus dem Osten nach Jerusalem. Sie sagten: „Wo ist der neugeborene König des jüdischen Volkes? Wir haben seinen Stern im Osten aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen.“ Als König Herodes davon hörte, erschrak er zutiefst – und ganz Jerusalem auch. Er berief eine Versammlung aller Hohenpriester und Toragelehrten aus dem Volk, um von ihnen zu erfahren, wo der Messias geboren werden sollte. Sie sagten ihm: „In Betlehem in Judäa. Denn so steht es beim Propheten: Und du, Betlehem im Land Juda, keineswegs bist du die unbedeutendste unter den führenden Städten Judas. Denn aus dir wird ein Herrscher hervorgehen, der mein Volk Israel behütet.“ Da ließ Herodes die königlichen Magier heimlich rufen, um von ihnen in Erfahrung zu bringen, zu welcher Zeit der Stern erschienen war. Dann schickte er sie nach Betlehem und sagte: „Geht! Stellt genaue Nachforschungen über das Kind an. Wenn ihr es gefunden habt, gebt mir Bescheid, damit auch ich kommen kann, um ihm zu huldigen.“ Als sie das vom König gehört hatten, brachen sie auf. Und seht, der Stern, dessen Aufgang sie beobachtet hatten, zog vor ihnen her, bis er ankam und über dem Ort stillstand, an dem das Kind war. Als sie den Stern dort sahen, waren sie überwältigt vor Freude. Sie gingen in das Haus und sahen das Kind zusammen mit Maria, seiner Mutter. Sie fielen vor ihm nieder, ihm zu huldigen. Sie breiteten ihre Schätze aus und überreichten dem Kind Geschenke: Gold, Weihrauch und Myrrhe. Im Traum aber erhielten sie die Weisung, nicht zu Herodes zurückzugehen. So kehrten sie auf einem anderen Weg in ihr Land zurück.

Mt 2, 1-12 Bibel in gerechter Sprache

 

Überwältigt vor Freude

Diese drei Worte. Nicht einfach „sie freuten sich sehr“ oder „sie waren erfüllt von Freude“. In der Basis Bibel heißt es: „außer sich vor Freude“ . Überwältigt. Das hat fast schon etwas gewalttätiges an sich. Es war tatsächlich diese Formulierung die mich an der Freude hängen bleiben ließ.

 

Das Wort beziehungsweise der Wortstamm kommt in der Bibel ja ziemlich oft vor: „Freut euch“ (Phil 4,4), oder „ich verkünde euch große Freude“ (Lk 2,10) „ich will ihre Trauer in Freude verwandeln“ (Jer31, 13)„so wird Freude im Himmel sein“ (Lk15,7)... In den Psalmen, der VerDichtung des Alten Testaments, begegnet uns die Freude an vielen Stellen selbst dann, wenn die Situation eigentlich gar nicht zum Freuen ist, mitten in der Not wird die Freude zur Gotteserfahrung.

 

Freuen werden sich alle, die sich in dir bergen,
jubeln werden sie durch die Zeit.
Du webst Schutz über sie, und sie sind vergnügt in dir –
alle, die deinen Namen lieben. (Ps 5, 12)
 

Wenn die gelehrten Sterndeuter sich also beim Anblick des Sterns, dem sie wohl über tausend Kilometer gefolgt sein müssen, so sehr freuen, dass sie außer sich geraten und überwältigt sind, dann zeigt uns Matthäus, nichts weniger als dass sie Gott erfahren, der „Herr“ ihnen erscheint.

 

Dietrich Bonhoeffer schrieb, in den vierziger Jahren, ob schon im Gefängnis konnte ich nicht in Erfahrung bringen, jedoch schon in sehr bedrängter Zeit beeindruckende Worte über die Freude:

 

Bei Gott
wohnt die Freude
und von ihm kommt sie herab
und ergreift
Geist, Seele und Leib,
und wo diese Freude
einen Menschen gefaßt hat,
dort greift sie um sich,
dort reißt sie mit,
dort sprengt
sie verschlossene Türen.
Es gibt eine Freude,
die von Schmerz,
Not und Angst des Herzens
gar nichts weiß;
sie hat keinen Bestand,
sie kann nur für Augenblicke betäuben.
Die Freude Gottes
ist durch die Armut der Krippe
und die Not des Kreuzes gegangen;
darum ist sie unüberwindlich, unwiderleglich.

 

Nicht, dass ich unsere Zeit mit der damaligen vergleichen möchte. Aber gerade heute erleben viele von uns Not, Existenzangst, Traurigkeit, Einsamkeit, Verlassensein. Und wir sehen, bekommen es täglich über die Medien mit, dass jenseits dieser Nöte auch die ganz grundsätzliche Angst ums Überleben in vielen Teilen der Welt die Menschen quält. Umso dankbarer dürfen wir also um die Freude in Gott und aus Gott sein:

 

Die Freude Gottes
ist durch die Armut der Krippe
und die Not des Kreuzes gegangen;
darum ist sie unüberwindlich, unwiderleglich.

 

Sigrid Grabmeier

 

Bild: Ein christliche Gemeinschaft junger Männer und Frauen in Pakistan organisiert seit Beginn der Pandemie eine Versorgung mit Lebensmitteln für die Ärmsten der Armen. Diese Arbeit wird unter anderem unterstützt durch Personen im Netzwerk Wir sind Kirche International.

 Text von Dietrich Bonhoeffer https://www.dietrich-bonhoeffer.net/zitat/711-ewige-freude-wird-ueber-ihre/ 

 

 

 

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