Sonntagsbrief zum Fest Dreifaltigkeit, Sonntag nach Pfingsten, 31. Mai 2015

30. Mai 2015 von Regina Grotefend-Müller

Gott ist selber gegenwärtig als Atem, Lebenskraft und Sauerstoff für unsere Seele.

Sonntagsbrief zum Fest Dreifaltigkeit, Sonntag nach Pfingsten

Die elf Jünger wanderten nach Galiläa auf den Berg, auf den Jesus sie hingewiesen hatte. Und als sie ihn sahen, huldigten sie ihm, einige aber zweifelten. Jesus trat heran und sprach zu ihnen: „Gott hat mir alle Macht im Himmel und auf der Erde gegeben. Macht euch auf den Weg files/wsk/sonntagsbriefe/20150531-02-Bild zum Sonntagsbrief.jpgund lasst alle Völker mitlernen. Taucht sie ein in den Namen Gottes, Vater und Mutter für alle, des Sohnes und der heiligen Geistkraft. Und lehrt sie, alles, was ich euch aufgetragen habe, zu tun. Und seht: Ich bin alle Tage bei euch, bis Zeit und Welt vollendet sind.“

Mt 28,16-20
Bibel in gerechter Sprache

Alle, die sich von der göttlichen Geistkraft leiten lassen, sind Töchter und Söhne Gottes. Denn ihr habt ja nicht eine Geistkraft erhalten, die euch zu Sklaven und Sklavinnen macht, so dass ihr weiterhin in Angst leben müsstet. Ihr habt eine Geistkraft empfangen, die euch zu Töchtern und Söhnen Gottes macht. Durch sie können wir zu Gott schreien: „Du Ursprung allen Lebens, sei unser Schutz“ . Die Geistkraft selbst bezeugt es zusammen mit unserer Geistkraft, dass wir Kinder Gottes sind. Wenn wir aber Kinder Gottes sind, dann bekommen wir auch einen Anteil von dem, was ihr gehört. Wenn wir einen Anteil vom Reichtum Gottes erhalten, verbindet uns das mit dem Messias, so gewiss wir sein Schicksal teilen, auf dass auch wir zusammen mit ihm von Gottes Glanz erfüllt werden.

Röm 8, 14-17
Bibel in gerechter Sprache

Dreifaltigkeit – ein Grunddogma katholischen Glaubens, verankert im Glaubensbekenntnis der christlichen und reformierten Kirchen, der den christologischen Streit der Konzilien von Nicäa (325 n.Chr.) bis Chalcedon (451 n.Chr.) auslöste. Die Streitfrage damals lautete: Wer ist Gott, wer ist Jesus, wer ist der Heilige Geist und wie stehen sie zueinander? Es geht also um IDENTITÄT: welche Identität hat Gott?

Jeder behördlich ausgestellte Personalauweis enthält uns bekannte Merkmale: Foto, Name, Anschrift, persönliche körperliche Merkmale, Eigentum des zugehörigen Staates und eine individuelle Ziffernfolge. GOTTES PERSONALAUSWEIS zeigt sich in der Segensformel der Taufe, im Gottesdienst „im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes“. Gott wohnt überall, sein Wohnsitz ist die Welt und seine gegenwärtige Anschrift ist immer identisch mit der Anschrift des Menschen, der sich in welcher Sprache und Religion auch immer an ihn wendet, in Sorgen und Freuden, Nöten und Sehnsüchten. Seine Größe ist nicht wie auf unserem Personalausweis in Zentimetern zu fassen, weder im Großen noch im Kleinen, weder im Universum noch im kleinsten Atom. Gottes Personalausweis ist gültig bis zum Ende der Welt, der Erde, des Universums oder bis zum Tod eines jeden Menschen vor uns, neben uns, nach uns und auch gültig bis zu unserem eigenen Tod.

Gott will, dass wir Menschen, wir, seine Bilder, seine Gleichnisse, in Würde und Freiheit auf Erden leben. Dieser Gott hat in dem Juden Jesus von Nazareth für uns ein Gesicht bekommen, Augen, Mund und Ohren, Hände und Füße. Durch ihn ist Gott ansprechbar: „Vater unser im Himmel…“. Hier und jetzt ist dieser Jesus unsichtbar für unsere Augen, nicht vernehmbar für unsere Ohren - und doch sichtbar für unsere inneren Augen und hörbar für unsere inneren Ohren, durch die Geistkraft, die die Liebe ist.

Gott ist selber gegenwärtig als Atem, Lebenskraft und Sauerstoff für unsere Seele. Es ist die Weisheit Gottes, die durch Vater und Sohn unter uns angekommen ist. Dazu aber braucht es keine Glaubenssätze, höchstens Spielregeln. Wir Menschen brauchen keinen Aufpasser, aber gerne einen Begleiter, einen Mitspieler, der uns durch das Spiel, das Leben führt. Wir brauchen keine Aufspaltung in drei wesenhafte Gottheiten. Es geht nicht darum, was Gott für sich ist, sondern was er für uns ist. Bei allen Bildern und Vorstellungen, die wir Menschen uns von der Dreifaltigkeit machen, bleibt immer ein Rest des Unverstehbaren, des möglicherweise nur in mystischer Sehweise Erahnbaren, wie es die Dichterin Christa Peikert-Flaspöhler sehr ansprechend und dicht formuliert:

„Nie schöpfen wir dich aus,
unerschöpfliche Lebensquelle.
Nie nennen wir dich zu Ende,
aller Namen heiliger Mund.
Nie grenzen dich unsere Bilder,
ungegrenztes heiliges Sein.
Durchatme uns mit der Hoffnung
Bewege uns werdend in Sehnsucht.
Ergänze uns, göttliche Liebe."

Regina Grotefend-Müller

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