Sonntagsbrief zum Fest Christi Himmelfahrt, 13. Mai 2021

13. Mai 2021 von Georg Mollberg

„Ich werde getragen!“

September, 2010 Clawhammer Mountain hike. Photo credit: Gary Peeples/USFWS

 

Das erste Buch, Theophilus, habe ich über all das verfasst, was Jesus tat und lehrte bis zum Tag, da er hinaufgenommen wurde, als er den Aposteln, die er ausgewählt hatte, durch die heilige Geistkraft Weisung gab. Ihnen stellte er sich auch durch viele Beweise nach seinem Leiden als lebendig dar, indem er 40 Tage hindurch erschien und vom Reich Gottes sprach. Und während er mit ihnen zusammenkam, wies er sie an, sich nicht von Jerusalem zu entfernen, sondern darauf zu warten, was vom Vater verheißen ist; „darüber habt ihr von mir gehört, dass Johannes mit Wasser taufte, ihr aber mit heiliger Geistkraft getauft werdet nicht lange nach diesen Tagen.“ Als sie sich nun versammelt hatten, fragten sie ihn: „Herr, stellst du in dieser Zeit das Reich für Israel wieder her?“ Er sagte ihnen: „Nicht euch kommt es zu, Zeiten und Zeitpunkte zu kennen, die der Vater in eigener Souveränität festgesetzt hat. Ihr werdet vielmehr Kraft empfangen, wenn die heilige Geistkraft über euch kommt, und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis ans Ende der Erde.“

 

Als er das gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf und entzog ihn ihren Augen. Und während sie, als er wegging, zum Himmel blickten, standen da zwei Gestalten in weißen Gewändern bei ihnen; die sagten: „Ihr Männer aus Galiläa, was steht ihr da und blickt zum Himmel? Dieser Jesus ist euch entzogen und zum Himmel hinaufgenommen worden. Wie ihr ihn zum Himmel gehen gesehen habt, so wird er kommen.“

 

Apg 1,1-11 Bibel in gerechter Sprache

 

„Ich werde getragen!“ 

Das Foto haben viele Familien in ihren Fotoalben: Mehr als drei Meter über dem Boden schwebt ein kleines Kind in der Luft. Es lacht über das ganze Gesicht. Wie ein Fallschirmspringer, bevor sich der Schirm öffnet, streckt es alle Viere von sich. Darunter sieht man die hochgereckten Arme seines Vaters, der es über sich in die Luft geworfen hat. Er steht da, um sein Kind wieder aufzufangen. Man sieht auf dem Foto, wie der Kleine so richtig quietschvergnügt ist und das wunderbare Spiel genießt. Wir ahnen, wie es weiter geht: Der kleine Knirps landet sanft in den Armen des Vaters – und ruft voller Freude: „Papa, noch mal!“

 

Diese Szene tut gut und fasziniert, weil sie ganz stark das Vertrauen widerspiegelt, wovon das Kind erfüllt ist und aus dem es lebt - ein Schatz fürs Leben. Der kleine Mensch hat die Erfahrung gemacht: Ich kann mich auf meinen Papa verlassen. Er hält mich und trägt mich. Ich kann ihm trauen und vertrauen. Deshalb kann ich mich von ihm hoch in die Luft werfen lassen. Bevor der Vater das mit ihm gemacht hat, hat er ihn schon oft auf seinen Schultern getragen oder als Baby auf seinen Armen gehalten und an sich gedrückt. Nur mit solch tiefen Erfahrungen kann ein starkes Vertrauen in ihm wachsen. Ein Grundvertrauen, das inneren Halt gibt: „Ich werde getragen.“ Diese Sicherheit hilft, die Herausforderungen des Lebens zu bestehen.

 

Solche Erlebnisse sind auch der Nährboden für so etwas wie „Gottvertrauen“, für die Gewissheit, dass ich mich auf Gott, auf seinen Geist, verlassen kann, dass er/sie für mich da ist und mir Halt gibt. Das haben Menschen in allen Generationen erfahren. „Danket dem Herrn, denn seine Huld währt ewig.“, ruft der Psalmist (108) uns zu.

 

Leider sind viele Nachfolger Jesu, die des Vertrauens und der Liebe ihres Rabbis aus Nazareth immer gewiss sein konnten, dabei, lange gewachsenes Vertrauen ohne Not zu verspielen. Ein mittelalterliches monarchisches System, das weiter auf Menschen- und Grundrechte verzichtet, verstümmelt mit Dogmen und einem herzlosen Kirchenrecht die Liebesbotschaft des Rabbi von Nazareth. Sich mächtig Wähnende verstehen unter liebender Seelsorge schwer zu ertragende Ungereimtheiten, die sich z.B. im Zusammenlegen von über Jahrhunderte gewachsenen kleinen Gemeinden zu anonymen Riesengemeinden mit so irreführenden Titeln wie „Sendungsraum“ zu erkennen geben. 

 

Den Frauen und Männern, die mit ihm unterwegs gewesen waren, gab Jesus, bevor er in den Himmel entschwand, mit auf den Weg: Erzählt allen Menschen von der Liebe Gottes, wie ihr sie mit mir erlebt habt! Geht hinaus in die ganze Welt und verkündet diese Frohbotschaft der gesamten Schöpfung!  Mahnung und Auftrag zugleich! 

 

 Wir sind also auch in dieser Stunde aufgerufen, uns wieder auf seine Botschaft zu besinnen. Sie weiß nichts von Amtskirche, kennt weder Dogmatik noch Kirchenrecht! Die Botschaft des Wanderpredigers Jesus, war und ist ganz einfach: Ein neues Gebot gebe ich euch: Liebt einander! Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben! 

 

G. Mollberg

 

Bild: September, 2010 Clawhammer Mountain hike. Photo credit: Gary Peeples/USFWS nbsp]

 


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Die „Gespräche am Jakobsbrunnen“ sind seit 1998 ein Markenzeichen von Wir sind Kircheauf Katholiken- und Kirchentagen. Da der Ökumenische Kirchentag in diesem Jahr aufgrund der Pandemie im Internet stattfinden wird, werden auch wir die "Gespräche am Jakobsbrunnen" digital gestalten und setzen die Reihe in gemeinsamer Verantwortung von Wir sind Kirche Deutschland und Österreich fort.

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