Sonntagsbrief zum Fest Allerheiligen 2020

30. Oktober 2020 von Cristy Orzechowski

... die aus der Bedrängnis kommen

Pamuk Santiago Manuin Valera

Die Beschreibung der 12 Stämme, die das Siegel der 4 Engel erhalten, mit dem sie als Gottesknechte geadelt werden —

Und ich erfuhr die Zahl derer, die mit dem Siegel gekennzeichnet waren. Es waren hundertvierundvierzigtausend aus allen Stämmen der Söhne Israels, die das Siegel trugen:

Danach sah ich: eine große Schar aus allen Nationen und Stämmen, Völkern und Sprachen; niemand konnte sie zählen. 

Sie standen in weißen Gewändern vor dem Thron und vor dem Lamm und trugen Palmzweige in den Händen.

Da fragte mich einer der Ältesten: Wer sind diese, die weiße Gewänder tragen, und woher sind sie gekommen?

Und er sagte zu mir: Es sind die, die aus der großen Bedrängnis kommen; sie haben ihre Gewänder gewaschen und im Blut des Lammes weiß gemacht.

Offb. 7,4;9;13-; 14b Einheitsübersetzung

 

 

Wer darf hinaufziehn zum Berg des Herrn,
wer darf stehn an seiner heiligen Stätte?

Der reine Hände hat und ein lauteres Herz,
der nicht betrügt und keinen Meineid schwört. 

Er wird Segen empfangen vom Herrn 
und Heil von Gott, seinem Helfer. 

Das sind die Menschen, die nach ihm fragen, 
die dein Antlitz suchen, Gott Jakobs. 
 

Ps 24,3-6 Einheitsübersetzung 

 

 

Die Bergpredigt: Die Rede von der wahren Gerechtigkeit:


Selig, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott schauen.
Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Söhne Gottes genannt werden.
Selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihnen gehört das Himmelreich.

Mt 5, 8-10 Einheitsübersetzung 

 

 

... die aus der Bedrängnis kommen

Es geht in diesen Texten um die Menschen reinen Herzens, reiner Hände; um die Friedensstifter, die Nicht-Beirrbaren, um die aufs Reich Gottes Ausgerichteten…, die Nach-Gerechtigkeit-Hungernden- u.-Dürstenden. Da werden nicht Gebote aufgezählt, nicht kleinliche Dogmengehäuse angerichtet. Sondern die Gottes-Frager, die nach SEINEM Antlitz suchen, werden genannt. Die Zielrichtung ist angegeben, allverständlich, ohne theologisch-brokate Verschleierungen. Die Frage nach den Weissgekleideten wird klar beantwortet: Es sind jene, die aus der Bedrängnis kommen.

Für mich sind es die Propheten derer wir zu Allerheiligen u. ALLERSEELEN gedenken. Ich habe mir ein „Haus-Kapellen-Buch“ angelegt über meine Seelen- u. Blutsverwandten Ahnen…

Mit diesem kleinen „Nachschlagwerk meines Lebens“ gedenke ich gleichzeitig der großen prophetischen Gestalten in allen Völkern und allen Religionen, die für Heilung und Aussöhnung arbeiten; die oft Gefängnisstrafen u. Folter erduldeten und erdulden als Konsequenz ihres Mutes und offenen LEBENSEINSATZES FÜR DAS LICHT.

Ich denke an und bete für solche  Menschen in unserem Land.

Mit dankbaren Herzen bete ich auch für meine Familie und die mir  lieben Menschen. -- Gottes Segen und unsere gegenseitige Segnung kann uns eins machen und die Versöhnung untereinander, mit Gott und unserer Vergangenheit wirkkräftig und heilend für Leib u. SEELE initiieren.…Verstorbene, wie unsere Ahnen, die auf den Fluchtwegen dieser Welt  im ersten und zweiten Weltkrieg ihr Leben beendeten, kann ich mit ihren jeweiligen Talentgaben mit einschließen..

Und ich will sprechen von „sogenannten Toten“, weil ich fest annehme, dass sie nicht wirklich tot sind, sondern in ihrer jetzigen Daseinsweise ein erfüllteres Leben leben als je zuvor…aufgrund des Geheimnisses der Auferstehung Jesu.

Ich erinnere dabei auch die indigene Weisheit:

UNSERE AHNEN SIND NICHT TOT, 
SIE SIND EINE LEBENDIGE KRAFT IN UNS. 
WIR SIND TEIL VON IHNEN -
SIND MIT IHNEN AUFS INNIGSTE VERBUNDEN. 

Und meine Gedanken gehen zu den Propheten, mit denen ich hautnah in Lateinamerika gelebt u. gearbeitet habe… an denen ich gesehen habe, dass Leben eine Saat ist...; dass es möglich ist, „reines“ Leben einzufädeln in die Welten-Wandlung…

 

Um dieser Menschen-Erfahrung willen, die ihre `Kleider im Blut des Lammes`´ wuschen, die alles gaben, was sie hatten, die durchhielten, die unterwegs zur Selig-Werdung  waren, halte ich es in Kirche aus. - Ich bezeichne diese meine Erfahrung mit solchen Menschen als Gnade.- Nach diesem Maßstab haben wir alle, die wir auf denuniversalenChristus IN der Welt getauft sind, … dieses `weiße Kleid´ anzuziehen. Ohne `Hochzeitsgewand´ werden wir nicht zum gemeinsamen Weltenmahl gelangen…

 

Ja! dazu gehört Einiges. Selig die um DIESER Spur willen, verfolgt werden, selig, die sich nicht irritieren oder verbittern lassen von Einsprüchen wie „THEMENWECHSEL“…sondern Zeugnis von ihrer Hoffnung geben, indem sie berichten von dem was sie gesehen u. gehört haben. —

 

Ein herausfordernder Weg: tastend u. stolpernd. Ein Lebenslabyrinth, das nach Gestaltung ruft, doch auch von Momenten des Jubelns u. Tanzens unterbrochen, in solidarischer Gemeinschaft mit den Bedrängten…-Das ist die lebendige Wahlverwandtschaftsfeier mit Allerseelen u. Allerheiligen; wir alle können daran Anteil haben , gemeinsam mit Gott, der unter den Menschen weilt… (INKARNATION!!)

 

AHNEN-LICHT
Ihr seid nicht aus der Welt..
IHR seid Propheten Innen
in Euch tanzt das Licht
und machtvoll
erklingt uns
Euer Lied
Aus Euch
singt der Traum
vom Sturz aller Täter
vom Aufstand aller Opfer
zur Freundschaft
und Lebenslust!
IHR seid ProphetenInnen
ausgespannt
zwischen Himmel und Erde
in EUREN Händen
liegt Licht und Wahrheit
und ihr erzählt
von Unrecht und Schmerz
und von kommendem Leben
das leise unaufhaltsam
unter uns
Gestalt annimmt.
So werden wir:
Kosmische Gemeinschaft
zwischen Himmel und Erde,
in der Welt
nach: Lisianne Enderli; Cristy.O. leicht geändert )

 

Cristy Orzechowski

 

Bild: Santiago Manuin Valera war ein peruanischer Menschenrechtsaktivist und indigener Führer. Er wurde in der Provinz Condorcanqui in Peru geboren. Er war ein Schlüsselführer der Aguaruna in Peru. Er war Präsident des Komitees für den Kampf um Respekt für die indigenen Völker derCondorcanqui. 

Er überlebte das Massaker von Bagua 2009, als  Angehörige indigener Bevölkerungsgruppen in der Region um Bagua begannen mit Straßensperren auf Überlandstraßen gegen Gas- und Ölförderprojekte zu protestieren, die ihren Lebensraum zerstörten. Präsident Alan Garcia ließ ihren Aufstand durch die Polizei niederschlagen.  35 Menschen kamen ums Leben, darunter zwölf Polizisten. Über 150 Personen wurden verletzt. Kurz nach dem Vorfall kippte der peruanische Kongress das umstrittene Gesetz, welches Enteignungen ohne Anhörung der Stämme zugelassen hätte. 

Er starb am 1. Juli 2020 an Covid 19

 

Weitere Informationen in englisch und spanisch

https://thegreeninterview.com/interview/manuin-santiago/

https://www.servindi.org/actualidad-cronica/03/07/2020/pamuk-santiago-manuin-el-camino-de-un-servidor-extraordinario

 

 

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