Sonntagsbrief zum Fest Allerheiligen, 1. November 2019

31. Oktober 2019 von Cristy Orzechowski

Gnadengaben

Cristy Orzechowski

Liebe Leserinnen und Leser,

zum Fest Allerheiligen, das in der Ostkirche am 1. Sonntag nach Pfingsten gefeiert wird, versenden wir einen Sonntagsbrief, der eigentlich für den 6. Oktober geschrieben war. Es gab auf Grund von Terminunklarheiten zwei Texte. Dieser passt jedoch sehr gut zu diesem Feiertag. - 

 

Wie lange schon, Gott, rufe ich um Hilfe? Du aber hörst nicht! ´Verbrechen!` schreie ich. Du aber hilfst nicht! Warum lässt du mich Unrecht sehen – du aber siehst dem Elend unbeteiligt zu? Barbarei und Gewalt sind vor meinen Augen. Man geht vor Gericht und zerstreitet sich. 

Hab 1, 2-3;

 

Deshalb erinnere ich dich: Fache das Feuer der Gnadengabe Gottes, das durch das Auflegen meiner Hände in dir ist, wieder an, denn Gott hat uns keineswegs einen Geist der Feigheit gegeben, sondern einen Geist der tätigen Kraft und der liebevollen Zuwendung, einen Geist, der zur Vernunft bringt.

2 Tim 1, 6-7

 

Er aber sprach mit großer Autorität: „Wenn ihr Glauben hättet wie ein Senfkörnchen, dann würdet ihr zu diesem Maulbeerbaum sagen: ´Entwurzle dich und pflanze dich im Meer wieder ein` – und er würde euch gehorchen.“

Lk 17, 6

Bibel in gerechter Sprache 

 

Gnadengaben

Wie schön, wenn das Wieder-Entfachen unserer Talente, sprich: göttliche Gnadengaben, uns aus dem Geschrei zu Gott erlösen könnte.

„Du aber siehst dem Elend unbeteiligt zu? Barbarei und Gewalt sind vor meinen Augen.“

Ja vor meinen, unseren Augen geschieht es also: nicht nur Gott, zu dem ich schreie, sieht scheinbar unbeteiligt daran vorbei. Die in uns gelegten Gnadengaben könnten wir jedoch einsetzen

  • als Anreiz zur Analyse der immer ungerechter werdenden Zustände,
  • als ständiges Motiv für unsere Gebete und Meditationen, für unser Hoffnung-Schöpfen und Mutig-Sein im            wirklich „evangelisch gelebten Glauben“,
  • als Impuls für einzuleitende Hebelbewegung in die Politik hinein.
  • als tätige Kraft und liebevolle Zuwendung, als Geist-Erfüllte, zur Vernunft gebrachte Menschen.. (Tim2,7) 

Aus solcher Haltung wird Leben ermöglicht oder auch verhindert, es wird entschieden, ob das Brot für alle oder nur für einige reichen wird, besonders heutzutage, da statt der Fülle des Lebens, der Hunger globalisiert wird.

Um die Verheißung des „Lebens“, Fülle für alle, in den politischen Prozessen zu verankern, braucht es Menschen, organisiert in Gruppen, Gemeinden ..., die sich als Ferment und Sauerteig einbringen IN DIE WELT! Es braucht Menschen die es wagen, in einem Glauben der Senfkörnchen-Größe, sich zu Entwurzeln und im MEER wieder einzupflanzen--,

Dieser Anspruch lässt mich erzittern. Wie oft fehlt mir heutzutage der Mut, mit Begeisterung den Blasebalg zu betätigen: einerseits zum Entfachen meiner in mich gelegten Gnadengaben und andererseits als Beitrag dafür, dass aus vielen Noten die herrliche Melodie erschalle:

Wir wollen leben...
Wir lassen leben...
Wir wirken Leben...
Wir werden leben...

So eine Melodie wie ich sie z.B. am 20. Sept. vernahm, beim Klima-Marsch in Freiburg, mit 20.000 Teilnehmern die größte Demo nach Kriegsende – (in ganz Deutschland 1,5 Millionen in ca. 500 Städten) - Ist das schon die erfüllte Verheißung vom: „wenn Ihr Glauben hättet wie ein Senfkorn!“? 

Da sitzt die verletzliche Greta Thunberg und entfacht unsere Gaben neu! - statt dem Rat der falschen Propheten, auch seitens unserer offiziellen Kirche auf den Leim zu gehen, die sich fürchtet vor Synoden—vor Frauen.. , vor Laien,.. vor andersdenkenden Priestern u. Bischöfen, vor Neuigkeiten, vor Aufbruch..., letztendlich vor GOTT DER ÜBERRASCHUNGEN und vor den IN UNS GELEGTEN GNADENGABEN—

Für mich persönlich ist das beigefügte Foto des Baumes wie ein Symbol für die Vielstämmigkeit und Vielstimmigkeit, die in meiner Person angelegt sind. Gnadengaben noch und noch: benutzte und unbenutzte, verborgene, versteckte, ängstlich bewahrte. Ich schreie meine Lebenskrise vergrößert heraus, weil ich mein Leben nun im Altern durchbuchstabieren muss..., ein ENDLICHES ALTERN, mit Rollenverlust, Menschenverlust etc... „ein für Eigenwert blind gewordenes Dasein“ ..Doch sind da noch Schätze zu bergen und Licht zu entfachen, – das ist meine heutige „Ansprache“ aus 2 Tim.6-8 und ich wünsche, dass sich auch die sonntäglichen Leser und Leserinnen davon ansprechen lassen können...

Cristy Orzechowski

DER RAT FALSCHER PROPHETEN

DIES SEI
DIE REGEL DER
RECHTEN DIENER GOTTES:
 

STRENG AUSEINANDERZUFALTEN
DAS HIMMLISCHE UND IRDISCHE
DAS RELIGIÖSE UND POLITISCHE.

DENN NUR
HINTER DIESEM VORHANG
DER STRENG IN UNSEREN HÄNDEN
ZUSAMMENGEFALTETEN
GOTTESFÜRCHTIGKEIT
WIRD ES UNS GELINGEN

S E I N E 
HEILIGE
VERBORGENHEIT
ZU GEWÄHRLEISTEN.

NUR SO
WERDEN WIR DAS:
Ich-zeige-mich
meinem Volk“
NOCH EINMAL VERHINDERN
UND DIE GROSSTATEN GOTTES
IN DER GESCHICHTE
GEHÖRIG INS HEILIGE BUCH
SEINES VOLKES
BANNEN KÖNNEN

AUF DASS ES UNS 
UNTERWÜRFIG SEI
UND BLEIBE.

 

© Foto und - Gedicht: Cristy Orzechowski-/aus: Unerfrorene Hoffnung

 

 

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