Sonntagsbrief zum Dreifaltigkeitssonntag, 7. Juni 2020

5. Juni 2020 von Barbara Dominguez

Dreifaltig

Mittelalterliches Fresco der Hl. Dreifaltigkeit in der St. Jakobskirche in Urschalling am Chiemsee;

Schließlich, liebe Geschwister, freut euch, fangt noch einmal an, lasst euch ermutigen, lebt einmütig und in Frieden! Gott ist Liebe und Frieden und wird mit euch sein. Begrüßt euch untereinander mit dem heiligen Kuss. Es grüßen euch alle heiligen Geschwister.

Die befreiende Zuwendung unseres Herrn Jesus Christus, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft, die uns die heilige Geistkraft schenkt, sei mit euch allen!

2 Kor 13, 11-13

 Bibel in gerechter Sprache

Dreifaltig

Als mir diese Darstellung entgegenkam, ist es mir wie eine Erleichterung aufgegangen – beim Glauben an die Dreifaltigkeit geht es überhaupt nicht um das Verstehen im intellektuellen Sinn. Es gibt so viele unterschiedliche Bilder, die nahe an dieses göttliche Geheimnis kommen, mehr als viele Worte. Geheimnisvoll und unwirklich ist ja auch dieses Bild der Dreifaltigkeit. Eine Figur mit drei Köpfen bzw. Gesichtern, mit nur zwei Armen und Händen, gekleidet in ein gemeinsames Gewand! Gott Vater und Gott Sohn wenden sich der jungen, offensichtlich weiblichen Gestalt in der Mitte zu. Hat der Künstler aus dem Mittelalter damit die Ruach, die Geistkraft Gottes gemeint? Mir gefällt der ehrfürchtige Gedanke, dass Gott für uns Menschen unvorstellbar groß, weit, unfassbar ist. „Glauben heißt, die Unbegreiflichkeit Gottes ein Leben lang aushalten“, Karl Rahner. In Gott ist auf jeden Fall alles, was wir uns kleine Menschen vorstellen können, wie der Kosmos, die Lebensalter, Mann und Frau, Beziehung und Liebe. Ohne mehr Worte zu machen lade ich ein, sich auf dieses lebendige Bild der Dreifaltigkeit einzulassen, mit dem Text von Kurt Marti:

Am Anfang also: Beziehung.

Am Anfang: Rhythmus.

Am Anfang: Geselligkeit.

Und weil Geselligkeit: Wort.

Und im Werk, das sie schuf,

suchte die gesellige Gottheit sich neue Geselligkeiten.

Weder Berührungsängste noch hierarchische Attitüden.

Eine Gottheit, die vibriert

vor Lust, vor Leben.

Die überspringen will

auf alles, auf alle.

Barbara Dominguez

 

Bild: Mittelalterliches Fresco der Hl. Dreifaltigkeit in der St. Jakobskirche in Urschalling am Chiemsee; 

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