Sonntagsbrief zum Dreifaltigkeitssonntag, 12. Juni 2022

11. Juni 2022 von Sr. Christina Blaetterbinder

Tanz der Dreifaltigkeit

Wir können in Gottes Frieden leben, weil Gott uns auf Grund unseres Vertrauens gerecht spricht und wir dem Messias Jesus gehören. Durch ihn haben wir Zugang in den Raum der Freundlichkeit Gottes. Das ist unser Ort. Wir können uns glücklich preisen, weil wir darauf hoffen, dass Gottes Gegenwart alles durchdringt. Auch in Stunden großer Not können wir uns glücklich preisen, denn wir haben die Erfahrung gemacht, dass große Not die Kraft zum Widerstehen stärkt. Diese Kraft stärkt uns, dass wir standhalten können; die Erfahrung standzuhalten stärkt die Hoffnung. Die Hoffnung führt nicht ins Leere, denn die Liebe Gottes ist durch die heilige Geistkraft in unsere Herzen gegossen. Sie ist uns geschenkt.

Röm 5, 1-5 Bibel in gerechter Sprache

 

Tanz der Dreifaltigkeit

Als Steyler Missionsschwester, Dienerin des Heiligen Geistes gehört der Dreifaltigkeitssonntag neben Pfingsten zu den wichtigsten Festen meiner Gemeinschaft. Wir dürfen an eine dreifaltige Gottheit mit väterlichem und mütterlichem Antlitz glauben, die in sich Beziehung ist. Schon früh haben Glaubende mit dem Geheimnis der Dreifaltigkeit gerungen. Die frühe Kirche drückte die Beziehung zwischen den drei Personen mit dem griechischen Begriff der perichoresis aus. Dieser theologische Begriff setzt sich aus peri (um) und choresis (Tanz oder Bewegung, die empfängt und nimmt) zusammen. Das Substantiv kann mit der Metapher des Tanzes der Dreifaltigkeit umschrieben werden. Wir Schwestern fühlen uns in unserem weltweiten Wirken in diesen Tanz der Dreifaltigkeit hineingenommen, um die Welt durch mitfühlendes Erbarmen zu verändern.

 

In meiner Vorstellung ist bei einem solchen Tanz der drei göttlichen Personen die Offenheit sehr wichtig, die einladende Haltung, dass jede:r dazukommen kann. Diese Offenheit sehe ich in meiner Kirche leider nicht in dem Maße, wie ich es mir wünschen würde. Wenn ich mir überlege, was Jesus uns im heutigen Evangelium noch gerne sagen möchte, wir aber jetzt noch nicht (er-)tragen können (vgl. Joh 16,12), kommt mir ein Satz in den Sinn, den ich in einem Brief an die Bischöfe Österreichs im Rahmen der Innsbrucker Gebetsinitiative Maria Magdalena und Co im Februar diesen Jahres geschrieben habe:

 

„(…) diese Kirche leidet. An mehreren Ecken drohen lebendige Steine, engagierte Menschen herauszubrechen, weil sie sich unverstanden, nicht wahr- und ernstgenommen fühlen: Opfer von Machtmissbrauch durch geweihte Amtsträger, Frauen und Männer, denen der Zugang zum Priesteramt verwehrt wird, obwohl sie in sich die Berufung dazu spüren, gleichgeschlechtlich Liebende, geschiedene und wiederverheiratete Menschen, …“

 

Wie können sich diese Menschen in diesen göttlichen Tanz hineingenommen fühlen? Ich bin überzeugt: Akzeptanz und das Gefühl der Annahme, wie man ist, sind Sehnsüchte, die alle Menschen aller Kulturen in sich tragen. Gerade von einer großen, weltumspannenden Institution wie der katholischen Kirche, die den Menschen die gute Nachricht verkündet, dass die Gottheit die Liebe ist (1 Joh 4,16b), kann und soll man erwarten dürfen, dass sie die Liebe als das höchste Gut und umfassend akzeptiert. So bin ich sehr dankbar für den Mut der Menschen, die hinter der Initiative #OutInChurch. Für eine Kirche ohne Angst stehen. Ich teile die dahinterstehenden Anliegen aus tiefstem Herzen. 

 

Als Ordensfrau, die zutiefst mit der Kirche verbunden ist, aber gleichzeitig auch sehr an und in ihr leidet, möchte ich Ihren Blick, liebe Leser:innen dieses Sonntagsbriefes nochmal auf die sehr tröstlichen Lesungen des heutigen Sonntags lenken: Die Geistkraft der Wahrheit wird uns alle in die Wahrheit führen (Joh 16,13) Diese Kraft stärkt uns, dass wir standhalten können; die Erfahrung standzuhalten stärkt die Hoffnung. Die Hoffnung führt nicht ins Leere, denn die Liebe Gottes ist durch die heilige Geistkraft in unsere Herzen gegossen. Sie ist uns geschenkt. (Röm 5,4-5)

 

Setzen wir uns gemeinsam für den Wandel in unserer Kirche ein und tanzen wir, wie es die Mystikerin, Poetin und Sozialarbeiterin Madeleine Delbrêl im „Ball des Gehorsams“ ausdrückt, hoffnungsvoll durch diesen Sonntag:

 

„Wenn wir wirklich Freude an dir hätten, O, Herr,
könnten wir dem Bedürfnis zu tanzen nicht widerstehen
Um gut tanzen zu können
braucht man nicht zu wissen, wohin der Tanz führt.
Man muss ihm nur folgen.“

Sr. Christina Blätterbinder SSpS

 

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5. Juli 2022

 

Die Wir sind Kirche-Online-Andachten entstanden, um auch in Corona-Zeiten im Gebet und Gespräch miteinander verbunden zu bleiben. Sie stehen in der Tradition der verschiedenen gottesdienstlichen Feiern bei den Bundesversammlungen, Begegnungstagen und PilgerRadTouren. Auch über die strengen pandemiebedingten Einschränkungen hinaus bieten wir die Online-Andachten mit Austausch zum Bibeltext und gemeinsamer Fürbitte weiterhin an. 

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