Sonntagsbrief zum 9. Januar 2022 Taufe des Herrn

7. Januar 2022 von Sigrid Grabmeier

Geistesblitz

Petrus begann zu sprechen und sagte: „Wahrhaftig, jetzt begreife ich, dass Gott nicht parteilich ist. Vielmehr sind Gott in jedem Volk diejenigen recht, die Gott achten und rechtschaffen handeln. Das ist die Botschaft, die dem Volk Israel gesandt wurde, als Gott durch Jesus, den Gesalbten, der Macht hat über alle, Frieden verkünden ließ. Ihr wisst, was sich in ganz Judäa herumgesprochen hat: Begonnen hat Jesus aus Nazaret in Galiläa nach der Taufe, die Johannes verkündigte, als Gott ihn mit heiliger Geistkraft und Macht wie mit Salböl übergoss. Da zog er umher, tat Gutes und heilte alle, die vom Teufel unterjocht wurden, weil Gott mit ihm war.“ 

 

Apg 10, 34-38 Bibel in gerechter Sprache

 

Geistesblitz

 

Petrus ist zu Gast bei dem römischen Centurio Kornelius in Caesarea, „fromm und gottesfürchtig mit seinem ganzen Haus, erwies dem jüdischen Volk viele Wohltaten und betete immer nur zu Gott.“ Dieser hatte ihn nach einer Botschaft eines Engels zu sich rufen lassen, damit er zu ihm und seiner Familie sprechen könne. In der Mittagszeit hatte sich Petrus auf das Dache eines Hauses zum Gebet begeben, hungrig wie er war hatte auch er eine Vision: „Er sah den Himmel geöffnet und ein Behältnis, einem großen Leintuch gleich, herabkommen, das an seinen vier Zipfeln zur Erde herabgelassen wurde. In ihm waren alle Vierfüßler und Kriechtiere der Erde und die Vögel des Himmels und eine Stimme erging an ihn: „Auf, Petrus, schlachte und iss!“ Petrus sagte: „Auf keinen Fall, Herr! Habe ich doch noch nie irgendetwas gegessen, was vor Gott als abscheulich und unrein gilt.“ Aber die Stimme richtete sich wiederum an ihn: „Was Gott für rein erklärt hat, erkläre du nicht für abscheulich!“ Das geschah dreimal und sogleich wurde das Behältnis in den Himmel hinaufgenommen.“ - Noch von dieser himmlischen Botschaft bewegt, hatte Petrus sich also von Joppe aus (heute Jaffa bei Tel Aviv) etwa zwei Tagesreisen weit nach Caesarea (heute Kaiserea) aufgemacht. Und da ereilt ihn nun dieser Geistesblitz.

 

Petrus, Kephas, der Fels, wie Jesus ihn bei seiner ersten Begegnung nannte (Joh 1,42) erwies sich immer wieder als recht bröselig. Gerade dieser Petrus, auf dem Jesus der römisch-katholischen Überlieferung nach seine Kirche gründete, erfuhr in seinem Leben tiefgreifende Erschütterungen. Einmal musste er sich gar anhören: „Weiche von mir Satan.“ (Mt 16, 23) Und gerade in der Nacht, als Jesus dem Hohen Rat vorgeführt wurde, da verleugnete er diesen drei Mal. Um so wertvoller seine Erkenntnis: „Wahrhaftig, jetzt begreife ich, dass Gott nicht parteilich ist. Vielmehr sind Gott in jedem Volk diejenigen recht, die Gott achten und rechtschaffen handeln.“

 

Die römisch-katholische Kirche, die sich so gerne auf diesem bröseligen Felsen gegründet sehen möchte, bröselt selbst erheblich. Es bröselt nicht mehr nur das Ansehen, nein, es bröselt die Substanz. Und mit Substanz meine ich nicht die Riten, Liturgien, Dogmen, Traditionen. Mit Substanz meine ich: „Gott sind in jedem Volk diejenigen recht, die Gott achten und rechtschaffen handeln. Das ist die Botschaft, die dem Volk Israel gesandt wurde, als Gott durch Jesus, den Gesalbten, der Macht hat über alle, Frieden verkünden ließ.“ Denn immer mehr von diesen wenden sich von dem System „römisch-katholische Kirche“ ab.

 

Und allen Bekenntnissen zum Trotz, dass sich etwas ändern müsse: außer weiterem Substanzverlust ändert sich nichts. - Anders als bei Petrus. Der hatte nach seinem Geistesblitz das Ruder umgelegt, er blieb nicht in Israel. Er dachte radikal um. Er machte sich auf zu neuen Ufern. Er wurde Menschenfischer. 

 

Wann legt das System, die Amtskirche, endlich das Ruder herum? Ist auf Geistesblitze überhaupt noch zu hoffen?

 

Sigrid Grabmeier

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