Sonntagsbrief zum 8. Sonntag im Jahreskreis, 27. Februar 2022

26. Februar 2022 von Reinhard Olma

Von Balken, Splittern und Hoffnung

Ewiger Gott,

vor Dich bringen wir an diesem Tag unsere Fassungslosigkeit,

unsere Trauer und unseren Zorn. 

Die diplomatischen Bemühungen, auf die wir so gehofft hatten, haben nicht zum Ziel geführt. 

Die Sprache der brutalen Gewalt gibt jetzt den Ton an. 

Der Machthunger hat die Oberhand behalten gegenüber der Vernunft.

Sei Du jetzt bei den Menschen in der Ukraine, die durch die Gewalt der Waffen in Not und Gefahr sind. 

Lass sie spüren, dass überall auf der Welt Menschen für sie beten.

Sende Du Deinen Geist in die Herzen derer, die verantwortlich sind für aggressive Gewalt. 

Lass sie erkennen, dass durch die Gewalt alle verlieren. 

Öffne ihre Herzen, dass sie sich anrühren lassen von dem Leid, dass ihre Gewalt verursacht.

Sei bei denen, die jetzt politische Verantwortung tragen und die richtigen Entscheidungen zu treffen haben. 

Öffne Wege, der militärischen Gewalt die Klarheit in der Verurteilung des Unrechts, wirksame Gegenmaßnahmen und eine Deeskalation der Gewalt entgegenzustellen.

In uns allen stärke das, was die Basis unseres Lebens ist: Stärke unseren Glauben. 

Stärke unsere Hoffnung. Stärke unsere Liebe.

Auf dich vertrauen wir – auch jetzt.

Amen

(Heinrich Bedford-Strohm, Landesbischof der ELKB)

 

 

 

Er sagte ihnen auch ein Gleichnis: „Kann eine blinde Person eine andere blinde führen? Werden nicht beide in den Straßengraben fallen? Ein Lehrling steht nicht über der Meisterin oder dem Meister; erst wenn sie die Lehre vollendet haben, werden sie sein wie die, von denen sie gelernt haben. Warum siehst du den Splitter im Auge deiner Geschwister, nimmst aber den Balken in deinem eigenen Auge nicht wahr? Wie kannst du sagen: Geschwister, wartet, ich werde den Splitter in eurem Auge herausziehen – wenn du selbst den Balken in deinem Auge nicht siehst? Du machst dir etwas vor! Entferne zuerst den Balken aus deinem Auge, und dann wirst du sehen, ob du den Splitter aus dem Auge deiner Geschwister herausziehen kannst.“

 

„Denn es gibt keinen guten Baum, der faule Frucht bringt, und auch keinen faulen Baum, der gute Frucht bringt. Denn jeder Baum wird an seiner Frucht erkannt; von Dornen sammeln sie ja keine Feigen, und von einem Dornbusch schneiden sie keine Trauben. Wohlwollende Menschen bringen aus dem guten Schatz ihres Herzens Wohl hervor, Übelwollende aus dem schlechten Schatz Übles. Wovon dein Herz erfüllt ist, davon redet dein Mund!“

Lk 6, 39-45 Bibel in gerechter Sprache

 

Von Balken, Splittern und Hoffnung

 

Am Faschingssonntag ist es Brauch
und deshalb wollen wir es auch:
Wir halten heute keine Predigt,
die Sache ist für uns erledigt.
Und deshalb hört ihr heute hier
`ne Büttenpredigt ohne Bier.

 

Wem würd‘ es auch beim Bier behagen,
wenn wir doch alle Masken tragen!
Drum wollt‘ ich lieber drauf verzichten
Und euch ne schöne Predigt dichten.
Das Bier wird nicht mehr so schnell schlecht
und irgendwann kommt‘s wieder recht.

 

Auch heuer sehn wir uns nicht um,
es geht ums Evangelium.
Denn Lukas ist der fromme Dichter,
ich hoffe, euch geh‘n auf die Lichter.
Der Text ist wie für uns gemacht,
als wär er heute ausgedacht.
 

 

Ein Blinder geht die Straße lang,
er wird geführt bei seinem Gang.
Jedoch, man traut den Augen kaum:
Er läuft direkt gegen den Baum.
Wie kam das denn, das ist doch Mist!
Weil auch sein Führer Blinder ist.

 

Ein Blinder, der nen Blinden leitet,
dass der nicht ins Verderben gleitet?
Das würde man nicht unterstützen.
Was soll der einem Blinden nützen?
So etwas kommt bei uns nicht vor.
Meint Ihr? Da habt ihr ja Humor!
Schaut doch nur in die Politik.
Da hat so mancher „Blinde“ Glück,
ist‘s nur die richtige Partei,
ist der oft vorne mit dabei
und gibt selbst dann die Richtung an,
wenn er sie gar nicht sehen kann.

 

Und so geht’s ständig Hüh und Hott,
erst sagt er „Suppe“, dann „Kompott“,
die Leute reiben sich die Augen-
was soll ein solcher Führer taugen?
Wie soll man da die Richtung finden,
da droht man selbst noch zu erblinden.

 

Oder schau abends in die Stadt,
wer da zu demonstrieren hat.
„Erfunden ist die Pandemie,
es gibt sie nicht, es gab sie nie!“
Und kann auch mancher kaum noch pusten,
„das ist halt nur ein starker Husten“.

 

Manch „Blinder“ sieht ne Weltverschwörung-
der hat nur ne Bewusstseinsstörung.
Das Internet bestärkt ihn sehr:
„Das alles kommt von draußen her,
Drum sollen Fremde draußen bleiben,
wir wollen sie direkt vertreiben!“

 

Und in der Kirche, wo wir sind,
war da nicht mancher Bischof blind,
als Kinder haben Leid erfahren-
wollt nur die Contenance bewahren
und steht jetzt vor nem Scherbenhaufen,
weil Christen ihm davongelaufen.

  

Nun lesen wir bei Lukas weiter!
Auf andre schimpfen, das ist heiter,
sind wir denn besser als die „Blinden“?
Da wird man schnell was andres finden.
Ich les vom Balken und vom Splitter
und da wird’s gleich für manchen bitter.

 

Kannst du den andern richtig sehn
und dann das Gleichnis bald verstehn?
Du magst beim Nächsten Splitter suchen:
Du hast den Balken – Pustekuchen!
Und ich befürchte, das wird heißen,
zuerst den Balken rauszureißen.

 

Ein Balken ist in dieser Welt:
Zuerst komm‘ ich mit meinem Geld.
Dann kommt mein Land und meine Stadt,
wo der nur was zu sagen hat,
der denkt und handelt so wie ich.
Wer anders ist, der trolle sich.

 

Solange ich das Urteil fälle,
sitz‘ ich natürlich an der Quelle,
wo jeden ich bewerten kann.
Was mich betrifft- geht keinen an!
So finde ich als edler Ritter
in Deinem Auge jeden Splitter-

 

und wäre er auch noch so klein.
Da kannst Du wirklich sicher sein?!
„Nein“, sagt da Jesus, „oh Ihr Blinden,
wie wollt Ihr denn den Splitter finden
bei dem, den Ihr den Bruder nennt,
wenn Euch der Balken von ihm trennt-

 

in Euerm Auge. Ach Du Tropf! 
Damit stößt Du ihn vor den Kopf
und kommst gar nicht so dicht heran, 
dass man den Splitter finden kann
in seinem Auge. Geh jetzt heim,
wir gehen Dir nicht auf den Leim!“ 

 

Da steh’n wir nun mit unsern Balken
Und hoffen, dass wir nicht verkalken,
bevor wir sie herausgezogen
und ihren Inhalt abgewogen: 
Den Egoismus und den Frust,
dass irgendwas Du teilen musst.

 

Die Feigheit und Bequemlichkeit,
wenn jemand Hassparolen schreit;
was sind die Balken lang und dick!
Wir grollen unserm Mißgeschick-
Sind wir nicht meist recht gute Christen?!
Du kannst nicht Jesus überlisten!

 

Bei Jesus Sirach gibt’s ein Sieb, 
in dem manch Balken hängenblieb.
Warum ging ich nur hin zum Sieben,
wär ich doch nur zuhaus geblieben
mit meinem Balken gut versteckt,
dann hätte keiner ihn entdeckt!

 

Der Balken ist die Nostalgie.
Die alte Zeit, wie schön war sie!
Es soll so werden, wie es war;
fast alles war doch wunderbar!
Das Klima haben wir zerstört 
und die Reserven aufgezehrt.

 

Die Wälder brennen, Tiere sterben,
was wollen wir denn mal vererben
an unsre Enkel? Denkt ihr dran?
Ob man noch mal beginnen kann?!
Das fordern alle unsre Kinder,
und unsre Enkel auch nicht minder.
 

Die Schöpfung, die ist in Gefahr,
es wird stets schlimmer, Jahr um Jahr.
Sehr Ihr das nicht, Ihr Weisen alle?!
Verblendet seid Ihr, in der Falle!
Wir müssen ganz von vorn beginnen
Und uns auf Gottes Geist besinnen.

 

Ab Mittwoch ist die Fastenzeit,
vielleicht ist mancher dann bereit,
statt Autofahren mehr zu laufen,
was man nicht braucht, auch nicht zu kaufen.
Und manchmal auch daran zu denken,
dem Nächsten etwas Zeit zu schenken.

 

Und wenn wir die Natur beschützen,
dann wird sie uns ganz sicher nützen.
Sie lehrt uns, mit ihr umzugehen,
dass neue Viren nicht entstehen.
So werden Covid wir besiegen
Und insgesamt die Kurve kriegen!

 

Wer solches tut, der wird belohnt,
weil Gottes Geist dann in ihm wohnt.
Nur so kommt seine Weisheit an,
die unsre Welt noch retten kann.
Und diese Weisheit hat die Kraft,
die unsern Kindern Zukunft schafft.

 

Wenn wir nur unsres Geistes Gaben,
die wir von Gott empfangen haben,
stets nutzen und auch Gutes tun,
dann wird der Heil’ge Geist nicht ruhn.
um die Zerstörung auszuschalten; 
wird uns und unsre Welt erhalten.

 

Dass unser Tun zum Segen werde
für uns und für die ganze Erde,
das kann uns sicher noch gelingen,
dann können wir auch wieder singen! 
Versuchen wir`s in Gottes Namen!
Das wollt‘ ich heute sagen. 
Amen. 

 

Reinhard Olma

 

Er hätt‘ heut‘ gern nen Brief geschrieben
Für seine Leser, all die lieben.
Ihm kam der Faschingsnarr dazwischen
Mit seinen Reimen, diesen frischen.
So muss Johannes etwas warten,
kann seinen Brief erst später starten.
 
Die Verse sind davon geflogen;
Dass es mir leid tut, wär gelogen.
 

R. O.

 

 

"Gespräche am Jakobsbrunnen" online

1. März 2022 mit  Pierre Stutz, spiritueller Autor

8. März 2022 mit Magdalena-Klara Pittracher, verantwortlich für die „Weltsynode“ in der Diözese Innsbruck

22. März 2022 mit Prof. Dr. Wolfgang Beck, Pastoraltheologe

29. März 2022 mit Sr. Dr. Katharina Ganz, Generaloberin Oberzell

 

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Die nächsten Termine jeweils Dienstag 19 Uhr 15. März 2022, 12. April 2022

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