Sonntagsbrief zum 7. Sonntag im Jahreskreis, 16. Februar 2020 (Kopie)

22. Februar 2020 von Reinhard Olma

Faschingspredigt

Ihr habt gehört, dass Gott gesagt hat: Augeum Augeund Zahn um Zahn.Ich lege euch das heute so aus: Leistet dem Bösen nicht mit gleichen Mitteln Widerstand. Vielmehr, wenn dich jemand auf die rechte Backe schlägt, halte ihm auch die andere Backe hin. Und wenn jemand gegen dich prozessiert, um dein Hemd zu bekommen, gib diesem Menschen auch deinen Mantel. Wenn dich jemand zur Zwangsarbeit für eine Meile Weg nötigt, gehe mit ihm zwei. Gib denen, die dich darum bitten, und wende dich nicht ab von denen, die etwas von dir borgen wollen.

Ihr habt gehört, dass Gott gesagt hat: Liebedeine Nächste und deinen Nächstenund hasse die feindliche Macht. Ich lege das heute so aus: Begegnet denen, die euch Feindschaft entgegenbringen, mit Liebe und betet für die, die euch verfolgen. So werdet ihr Töchter und Söhne Gottes, eures Vaters und eurer Mutter im Himmel, die ihre Sonne über Böse und Gute aufgehen lässt und es über Gerechte und Ungerechte regnen lässt. Denn wenn ihr liebt, die euch lieben, welchen Lohn wird Gott euch geben? Tun das nicht auch die Zöllnerinnen und Zöllner? Und wenn ihr nur eure Geschwister grüßt, was tut ihr Großartiges? Tun das nicht auch die Menschen aus den Völkern? Seid nun vollkommen, wie euer Gott im Himmel vollkommen ist.

Mt 5,38-48 Bibel in gerechter Sprache

 

Am Faschingssonntag ist es Brauch
und deshalb wollen wir es auch:
Wir halten heute keine Predigt,
die Sache ist für uns erledigt.
Und deshalb hört ihr heute hier
`ne Büttenpredigt ohne Bier.

 

Auch heuer sehn wir uns nicht um,
es geht ums Evangelium.
Matthäus ist der fromme Dichter,
ich hoffe, euch geh‘n auf die Lichter.
Das wünsch‘ und hoffe ich gar sehr-
doch fürcht‘ ich, manchem fällt es schwer.

 

Vergeben heißt es, statt vergelten-
und das ist heute eher selten.
Wenn einer uns ein Unrecht tut,
verdient der nicht auch unsre Wut?!
„Mein ist die Rache“, spricht der Herr.
Das anzunehmen, fällt uns schwer.

 

Und noch verrückter geht es weiter
Und dieses find ich gar nicht heiter:
Nicht Aug um Auge, Zahn um Zahn-
Zu Ende ist der Rache-Wahn!
Wenn einer dir was Böses tut,
dann sei nicht grantig; sei ihm gut!
 

Doch völlig anders denkt die Welt,
die gar nichts von Vergebung hält.
Da wird ganz schnell mal in der Nacht
ein „Böser“ einfach umgebracht.
Der Blondschopf, der den Mord befohlen,
der brüstet sich ganz unverhohlen:

 

 

Vom Bösen er die Welt befreit.
Es wär jetzt endlich an der Zeit,
die Welt mal richtig aufzuräumen
und nicht mehr von Versöhnung träumen!
„Was gut ist, das bestimme ich!“-
Ich fürchte, das wird fürchterlich.
 

Ein andrer Blondschopf, auch nicht fein,
der meint, er könne es allein;
will England wieder mächtig machen.
Wird es nicht Zeit, mal aufzuwachen?!
Nur ein Europa könnt‘ es wagen,
im Spiel der „Großen“ was zu sagen.
 

„Halt Deinem Feind die Wange hin!“
Das käme denen nicht in Sinn.
Erst kommen wir, dann kommt die Welt.
Was wichtig ist, bestimmt das Geld.
Und geht die ganze Welt kaputt-
Hauptsache ist, mir geht es gut!
 

Da saß ein Mädchen still am Rand,
Mit einem Poster in der Hand:
„Die Schöpfung, die ist in Gefahr,
es wird stets schlimmer, Jahr um Jahr.
Sehr Ihr das nicht, Ihr Weisen alle?!
Verblendet seid Ihr, in der Falle!“

 

Das ruft uns Greta allen zu.
Und wir? Wir wollen unsre Ruh‘.
Und hoffen, dass es uns nicht trifft.
Ganz anders steht es in der Schrift:
„Täuscht Euch nicht selbst, bewahrt den Tempel!“
Sonst geht Ihr ein mit Euerm Krempel.
 

Was nutzt die Weisheit dieser Welt,
wenn alles auseinanderfällt?
Schon gehen viele Inseln unter,
wir aber leben froh und munter
so, als ob nichts gewesen wär.
Uns ändern fällt uns wirklich schwer.

 

Ab Mittwoch ist die Fastenzeit,
vielleicht ist mancher dann bereit,
statt Autofahren mehr zu laufen,
was man nicht braucht, auch nicht zu kaufen.
„Ich brauch das nicht, es geht auch ohne,
mir fällt kein Zacken aus der Krone!“
 

 

Den andern auch mal anzuhören
und sich nicht ständig nur beschweren,
wenn wer `ne andre Meinung hat.
Zuhören ist `ne gute Tat!
Und manchmal auch daran zu denken,
dem Nächsten etwas Zeit zu schenken;

 

ein bisschen auch den Feind zu lieben-
und sei es nur von sechs bis sieben;
`nen Wintermantel abzugeben,
du brauchst nicht acht, um gut zu leben,
wenn nebenan wer keinen hat-
sieh dich nur um in deiner Stadt.

 

Wer solches tut, der wird belohnt,
weil Gottes Geist dann in ihm wohnt.
Nur so kommt seine Weisheit an,
die unsre Welt noch retten kann.
Und diese Weisheit hat die Kraft,
die unsern Kindern Zukunft schafft.

 

Auch Kirche will sich vorbereiten,
den synodalen Weg beschreiten,
der uns in Gottes Nähe führt.
Ich weiß nicht, ob ihr das schon spürt.
Zu sprengen sind manch alte Fesseln
und Aufsteh´n heißt`s, aus weichen Sesseln.
 

Wenn wir nur unsres Geistes Gaben,
die wir von Gott empfangen haben,
mit einbringen, dann kann`s gelingen,
das „Kirchenschiff“ in Fahrt zu bringen. 
Versuchen wir`s in Gottes Namen!
Das wollt‘ ich heute sagen. 
Amen

Reinhard Olma

Bildnachweis:

Hexen der Narrenzunft Furtwangen

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