Sonntagsbrief zum Pfingstsonntag, 23. Mai 2021

21. Mai 2021 von Magnus Lux

„Uns alle hat Gott eine Geistkraft trinken lassen.“

Kenyan woman drinking

Darum erkläre ich euch: Keiner, der aus dem Geist Gottes redet, sagt: Jesus sei verflucht! Und keiner kann sagen: Jesus ist der Herr!, wenn er nicht aus dem Heiligen Geist redet.Es gibt verschiedene Gnadengaben, aber nur den einen Geist. Es gibt verschiedene Dienste, aber nur den einen Herrn. Es gibt verschiedene Kräfte, die wirken, aber nur den einen Gott: Er bewirkt alles in allen. Jedem aber wird die Offenbarung des Geistes geschenkt, damit sie anderen nützt.

 Dem einen wird vom Geist die Gabe geschenkt, Weisheit mitzuteilen, dem anderen durch denselben Geist die Gabe, Erkenntnis zu vermitteln, einem anderen in demselben Geist Glaubenskraft, einem anderen - immer in dem einen Geist - die Gabe, Krankheiten zu heilen, einem anderen Kräfte, Machttaten zu wirken, einem anderen prophetisches Reden, einem anderen die Fähigkeit, die Geister zu unterscheiden, wieder einem anderen verschiedene Arten von Zungenrede, einem anderen schließlich die Gabe, sie zu übersetzen.

Das alles bewirkt ein und derselbe Geist; einem jeden teilt er seine besondere Gabe zu, wie er will.Denn wie der Leib einer ist, doch viele Glieder hat, alle Glieder des Leibes aber, obgleich es viele sind, einen einzigen Leib bilden: So ist es auch mit Christus. Durch den einen Geist wurden wir in der Taufe alle in einen einzigen Leib aufgenommen, Juden und Griechen, Sklaven und Freie; und alle wurden wir mit dem einen Geist getränkt.

 1 Kor 12,3b-13 Einheitsübersetzung

 

„Uns alle hat Gott eine Geistkraft trinken lassen.“

 

Vor vielen Jahren war ein Religionslehrerkollege ganz begeistert, welch gutes Referat eine Schülerin über die Kirche gehalten habe. Der hierarchische Aufbau der Kirche: der Papst als der Stellvertreter Christi, die Bischöfe als die Führer, die Priester als die Verwalter der Sakramente – und dann halt auch noch die Laien. Er war sehr verwundert, ja fassungslos, als ich ihm entgegenhielt: Und das ist die Kirche? Aufgeteilt in zwei Stände? Die Kleriker, also die eigentliche Kirche: Seine unfehlbare Heiligkeit, die Eminenzen und Exzellenzen, die Prälaten, die Priester? Und die Plebs, das niedere Volk, die popligen Laien sozusagen als Anhängsel? Also die „lehrende“ und die „hörende“ Kirche? Die Hirten und die Schafe?



Von Seiner Heiligkeit, von den Hochwürdigsten und Hochwürdigen Herren sprechen wir heute kaum mehr, uns genügt Papst, Bischof und Priester. Bei der ersten Vollversammlung des Synodalen Wegs sind alle Synodalen miteinander, also „durcheinander“ eingezogen, die Bischöfe waren gekleidet wie die Priester. Das veranlasste Seine Eminenz, den Hochwürdigsten Herrn Rainer Maria Kardinal Woelki zu der Aussage, das sei nicht katholisch. Es sind einerseits die sogenannten Kleriker, von denen sich viele über die „anderen“ erhaben fühlen, andererseits schauen aber auch viele Glaubende gebannt nach oben und erwarten von dort ihre Direktiven. Wer freilich immer nach oben schaut, muss sich nicht wundern, dass auf ihn herabgeschaut wird. Und wer heute – durchaus verständlich – zum „Ungehorsam“ aufruft, erweist sich als negativ abhängig, weil er den Vorrang der Kleriker letztlich doch anerkennt. Warum sagen wir nicht einfach: Das machen wir als Getaufte so!



Ich höre schon einige kopfschüttelnd fragen: Ja dürfen wir das denn? Schauen wir doch mal, was Paulus den Christen und Christinnen in Korinth schreibt: „Es gibt verschiedene Gnadengaben, aber nur den einen Geist. Es gibt verschiedene Dienste, aber nur den einen Herrn.“ Nun ja: „Diener der Diener Gottes“ ist eine Selbstbezeichnung der Päpste, so hat eben jeder sein Amt in der Kirche, meinen die Kleriker. Der Alte Fritz sah sich auch als „ersten Diener seines Staates“ – den er absolutistisch regierte. Mit einer demütigen Selbstbezeichnung ist es nicht getan. 



Schauen wir weiter, von welchen Charismen, welchen Gaben der Geistkraft Paulus schreibt: Weisheit und Erkenntnis vermitteln, Vertrauen und Glaubenskraft, die Fähigkeit zu heilen und zu prophezeien und die Fähigkeit, die Geister zu unterscheiden. Fragen wir uns: Welche Männer und Frauen vermitteln uns heute in unserer unübersichtlich gewordenen Welt Erkenntnis? Wo wird um Vertrauen geworben und wo ein Glauben bezeugt, der uns Kraft gibt und in unserer Zeit die Liebe und Hoffnung lebt? Wo sind die Menschen, die heilen und sich bis zur Erschöpfung für ihre Mitmenschen einsetzen? Wo sind diejenigen, die einen Blick für die Zukunft unserer Erde haben? Und vor allem: Wo sind diejenigen, die einen Blick dafür haben, was zukunftsfähig ist und was nicht, was erstarrt und was weiterführt? Alle sind gefragt, nicht nur die 0,0004 Prozent der Glaubenden, die Bischöfe sind.



„Das alles bewirkt ein und derselbe Geist; jedem und jeder teilt er seine besondere Gabe zu, wie er will.“ Ja, so wie erwill, so wie siewill, die heilige Geistkraft – nicht so, wie es uns die Hierarchie glauben machen will. Das Wort Hierarchie, heilige Herrschaft, kommt im ganzen Neuen Testament nicht vor. Kirche – das sind wir alle: „Uns alle hat Gott eine Geistkraft trinken lassen.“ Die Kirche befindet sich am Beginn des 3. Jahrtausends in einem großen Umbruch. Orientieren wir uns in unserem Kirche-Sein an den ersten Christinnen und Christen!



Magnus Lux

Bild: Frau aus Kenia beim Trinken. 

 

Nächste interaktive Wir sind Kirche-Online-Andacht am 25. Mai 2021, 19:00 Uhr

 

​​Die Wir sind Kirche-Online-Andachten sind eine neue und gute Möglichkeit, auch in Corona-Zeiten im Gebet und Gespräch miteinander verbunden zu bleiben. Sie stehen in der Tradition der verschiedenen gottesdienstlichen Feiern bei den Bundesversammlungen, Begegnungstagen und PilgerRadTouren. Diese gehörten - und gehören - zu den Höhepunkten unserer Treffen. Gerade in dieser Zeit der eingeschränkten Kontakte und der oft drückenden Einsamkeit wollen wir mit diesem Angebot uns geistlich nahe sein und die kommunikative Gottesdient-Gemeinschaft pflegen.

Voranmeldung ist nicht erforderlich. ab 18:45 Uhr möglich, Zugang über diese Webseite. Texte und Gebete werden eingeblendet. 

Nächster online Jakobsbrunnen am Dienstag, 1. Juni 2021, 19-20 Uhr

Dr. Christiane Florin, Deutschlandfunk Redaktion „Religion und Gesellschaft“Dienstag, 18. Mai 2021,19-20 Uhr 

Die „Gespräche am Jakobsbrunnen“ sind seit 1998 ein Markenzeichen von Wir sind Kircheauf Katholiken- und Kirchentagen. Da der Ökumenische Kirchentag in diesem Jahr aufgrund der Pandemie im Internet stattfinden wird, werden auch wir die "Gespräche am Jakobsbrunnen" digital gestalten und setzen die Reihe in gemeinsamer Verantwortung von Wir sind Kirche Deutschland und Österreich fort.

Zugang  über diese Webseite

 

 

 

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