Sonntagsbrief zum 6. Sonntag im Jahreskreis, 13. Februar 2022

11. Februar 2022 von Magnus Lux

Auferstehung: Was ist das eigentlich?

Wenn verkündigt wird, dass der Messias von den Toten aufgestanden ist, wie ist es dann möglich, dass einige von euch sagen: Es gibt keine Auferstehung der Toten? Wenn die Toten nicht aufstehen, so ist auch Christus nicht aufgestanden. Ist aber der Messias nicht aufgestanden, ist euer Vertrauen sinnlos und ihr seid noch in euren Sünden. Verloren sind dann auch die, die im Vertrauen auf den Messias gestorben sind. Wenn wir nur in der sichtbaren Lebenswirklichkeit auf Christus vertrauen, sind wir die armseligsten unter allen Menschen. Jetzt aber ist der Messias von den Toten aufgeweckt worden – als Beginn des Lebens für die Verstorbenen. 

 

1.Kor 15,12.16-20 Bibel in gerechter Sprache

 

Auferstehung: Was ist das eigentlich?

 

Jesus ist leibhaftig von den Toten auferstanden – wer glaubt denn so was noch? Keine 20 Prozent der Deutschen stimmen dieser Aussage zu, bei den katholischen Befragten sind es gerade mal 28 Prozent, bei den evangelischen 23 Prozent (Umfrage 2019). Frage: Ist unser Vertrauen sinnlos und sind wir noch in unseren Sünden, wie Paulus meint? Oder haben wir vielleicht nur eine verengte Vorstellung von dem, was Auferstehung meint? 



Vielleicht ist euch aufgefallen, dass es im Text oben heißt: Der Messias ist von den Toten aufgestanden – nicht auferstanden, wie wir es doch gewohnt sind. Er ist von den Toten aufgeweckt worden. Aufwecken, aufstehen: Das sind alltägliche Begriffe, gar nicht theologisch überfrachtet. Ja, aufwecken, aufstehen geschieht tagtäglich. Geschieht vielleicht Auferstehung der Toten jeden Tag, nicht erst dann, wenn der Mensch gestorben ist? Johannes lässt in seinem Evangelium Jesus sagen: „Ich bin die Auferstehung und das Leben: Alle, die an mich glauben, werden leben, auch wenn sie sterben; und alle, die leben und an mich glauben, werden bis in Ewigkeit nicht sterben“ (Joh 11,25f). Leben, auch wenn wir sterben? Leben und in Ewigkeit nicht sterben? Kommt mir bitte nicht mit der Floskel: Das muss man halt glauben! So nach dem Motto des Fronleichnamsliedes: „Was dem Auge sich entziehet, dem Verstande selbst entfliehet, sieht der feste Glaube ein.“ Mit Karl Rahner, dem großen Theologen des letzten Jahrhunderts, geht es mir um intellektuelle Redlichkeit auch im Glauben.



Fragen wir uns also: Was heißt „sterben“, was meint „tot sein“? Wir verwenden diese Worte auch für Lebende: „Der ist für mich gestorben“ bedeutet: Der hat in meinem Leben keinen Platz mehr, der ist für mich tot. Doch eine Freundschaft kann wieder auf-„leben“. Genauso verwendet Jesus diese Begrifflichkeit im Gleichnis vom verlorenen Sohn, als der Bruder wütend wird, dass „der da“ mit allen Ehren wieder aufgenommen ist: „Dieser, mein Sohn war tot und lebt wieder.“ Ja, er ist auferstanden von den Toten!



„Ich bin die Auferstehung und das Leben.“ Das Bekenntnis der Auferstehung an Ostern wird grundgelegt in den Auferstehungserfahrungen, die Menschen mit diesem Mann aus Nazaret gehabt haben. Er hat Krankheiten geheilt und immer wieder darauf hingewiesen: Dein Glaube hat dir geholfen. Glaube, dieses Ur-Vertrauen, dass Gott an meiner Seite steht. Ein Vertrauen, das mir heute Leben schenkt und Leben gibt über den Tod hinaus. „Der Buchstabe tötet, der Geist aber macht lebendig", schreibt Paulus (2. Kor 3,6). Wer sich sklavisch am Buchstaben festklammert, kann den Sinn des Ganzen nicht verstehen. Übrigens: Paulus bekennt die Auferstehung, ohne die Deutungs-Erzählung vom leeren Grab zu verwenden.



Wir bekennen Jesus, den Christus, den Messias als Erlöser von den Sünden. Auch das geschieht nicht erst durch seinen Tod am Kreuz. Er hat den Menschen vorgelebt, dass die „Sünde“, der Egoismus, das Unrecht, das Verbrechen, also das von Gott und den Menschen Trennende, diese zerstörerische Kraft überwunden werden kann. Gott* hat Jesus, den Christus, von den Toten auferweckt: Gott*, unser Vater und unsere Mutter, hat bestätigt, dass sein Leben richtig und vorbildhaft ist. Und so ist die Auferstehung von den Toten tatsächlich die Basis für den Glauben, der heute wirksam wird: Die befreiende Botschaft vom Reich Gottes zeigt sich in unserem Tun hier und heute, durch unseren Einsatz für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung. Diese Hoffnung trägt uns heute und über den Tod hinaus.

Manchmal feiern wir mitten im Tag ein Fest der Auferstehung.
Manchmal feiern wir mitten im Streit ein Fest der Auferstehung.
Waffen werden umgeschmiedet und ein Friede ist da.
Manchmal feiern wir mitten im Tun ein Fest der Auferstehung.
Sperren werden übersprungen und ein Geist ist da.

(Text Alois Albrecht, 1974)

Magnus Lux

 

Digitaler Thementag 19. Februar 2022

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Mit Impulsen von Dr. Harald Prinz (Österreich) und Prof'in Dr. Agnes Wuckelt (Deutschland)

 

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1. März 2022 mit  Pierre Stutz, spiritueller Autor

8. März 2022 mit Magdalena-Klara Pittracher, verantwortlich für die „Weltsynode“ in der Diözese Innsbruck

22. März 2022 mit Prof. Dr. Wolfgang Beck, Pastoraltheologe

29. März 2022 mit Sr. Dr. Katharina Ganz, Generaloberin Oberzell

 

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