Sonntagsbrief zum 5. Sonntag der Osterzeit, 10. Mai 2020

9. Mai 2020 von Sigrid Grabmeier

Der Störer

Bergpredigt; Ireneo Alfredo Benitez, Argentinien 2007, Caritas Pirckheimer Haus Nürnberg

Wenn ihr zu dem lebenden Stein kommt, den die Menschen weggeworfen haben, der vor Gott aber auserwählt und wertvoll ist, werdet ihr selbst wie lebendige Steine. Mit euch wird ein Haus gebaut, das die Geistkraft selbst zusammenhält. Ihr werdet zu einer heiligen Priesterschaft, damit ihr Gaben darbringt, die die Geistkraft wirkt, die Gott gefallen, weil sie im Vertrauen auf Jesus Christus dargebracht wurden. Deswegen heißt es in der Schrift: Siehe, ich setze in Zion einen Eckstein, erwählt und wertvoll, und wer ihm vertraut, wird nicht verloren gehen. Ihr vertraut ihm, für euch ist er das Wertvollste. Für die aber, die ihm nicht vertrauen, ist er der Stein, den die Bauleute verworfen haben, der zum Eckstein geworden ist, ein Stein, an dem sie sich stoßen, und ein Fels, der Anlass gibt, sich zu ärgern. Diejenigen, die sich durch das Wort nicht überzeugen lassen, stoßen sich daran, das ist ihre Situation. Ihr aber seid eine Familie, ausgewählt wie der Ort, an dem der König wohnt, eine Gemeinschaft von Priesterinnen und Priestern, ein heiliges Volk, ein Volk, das Gott selbst gehört. So sollt ihr der Welt verkünden, was Gott getan hat, denn Gott hat euch aus dem Dunklen in das göttliche Licht gerufen.

1 Petr 2,4-9 Bibel in gerechter Sprache

 

Der Störer

 

Eines Tages kam einer,
der störte.
Den König,
in dessen Reich er geboren wurde.
Die Folgen waren grausam.
Der Störer
störte die Schriftgelehrten,
er war gerade zwölf.
Er störte Satan,
der ihn nicht umgarnen konnte.
Er störte Dämonen
die er austrieb
und die Gesetzestreuen,
denn er heilte am Sabbat.
Er störte die Hochzeit,
sein Wein war besser.
Er störte die Herrschenden,
denn er ließ sich nicht einschüchtern.
Er störte den Tod,
denn er erweckte zum Leben.

 

 

Eines Tages kam einer
der verstörte die Fischer,
als sie mehr fingen als je zuvor.
Er verstörte die Gesellschaft
denn er berührte die Unberührbaren
und aß mit denen,
die Unrecht getan hatten.
Er verstörte die Frommen,
denn er vergab Sünden.
Er verstörte die Mächtigen,
denn er segnete die Machtlosen.
Er verstörte die Gewalttätigen,
denn er forderte Gewaltlosigkeit.
Er verstörte die Reichen,
denn er predigte Demut.
Er verstörte Pharisäer,
denn er warf ihnen Scheinheiligkeit vor.

 

 

Der Störenfried sprach:
Der Friede sei mit Euch.
Doch kein fauler Friede.
Mein Frieden ist nicht von dieser Welt.

 

 

Und sie sannen auf seine Zerstörung.
Die, die glaubten, die Macht zu haben
über richtig und falsch,
über Wahrheit und Recht,
über Leben und Tod.
Über Gott und die Welt.
Und sein Leib wurde zerstört.
Gewaltsam, grausam, zynisch.
Sein Körper geschunden,
verhöhnt und begraben.
Bis zum dritten Tag.
 

 

sein Geist störte die Grabesruhe,
zerstörte, die Fesseln des Todes,
verstörte, die ihm begegneten.

 

Stört – ewig.

Sigrid Grabmeier 

 

Bild: Bergpredigt; Ireneo Alfredo Benitez, Argentinien 2007, Caritas Pirckheimer Haus Nürnberg

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