Sonntagsbrief zum 4. Sonntag im Jahreskreis, 9. Februar 2025

7. Februar 2025 von Johannes Brinkmann

Menschen fangen

Es geschah aber: Als die Volksmenge Jesus bedrängte und das Wort Gottes hören wollte, da stand er am See Gennesaret und sah zwei Boote am See liegen. Die Fischer waren aus ihnen ausgestiegen und wuschen ihre Netze. Jesus stieg in eines der Boote, das dem Simon gehörte, und bat ihn, ein Stück weit vom Land wegzufahren. Dann setzte er sich und lehrte das Volk vom Boot aus. Als er seine Rede beendet hatte, sagte er zu Simon: Fahr hinaus, wo es tief ist, und werft eure Netze zum Fang aus! Simon antwortete ihm: Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen. Doch auf dein Wort hin werde ich die Netze auswerfen. Das taten sie und sie fingen eine große Menge Fische; ihre Netze aber drohten zu reißen. Und sie gaben ihren Gefährten im anderen Boot ein Zeichen, sie sollten kommen und ihnen helfen. Sie kamen und füllten beide Boote, sodass sie fast versanken. Als Simon Petrus das sah, fiel er Jesus zu Füßen und sagte: Geh weg von mir; denn ich bin ein sündiger Mensch, Herr! Denn Schrecken hatte ihn und alle seine Begleiter ergriffen über den Fang der Fische, den sie gemacht hatten; 1ebenso auch Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, die mit Simon zusammenarbeiteten. Da sagte Jesus zu Simon: Fürchte dich nicht! Von jetzt an wirst du Menschen fangen. Und sie zogen die Boote an Land, verließen alles und folgten ihm nach. 

Lk 5,1-11 Einheitsübersetzung

 

Menschen fangen!

„Von jetzt an sollst du Menschen fangen.“ lässt Lukas Jesus zu Simon sagen. Markus spricht in seiner Jesus-Erzählung einfach nur von Menschenfischern (Mk 1,17), statt der Fische fischen diese Fischer, die ersten Jünger, nun Menschen.

Doch bei Lukas sagt Jesus „Menschen fangen“. Hier wählt Lukas das griechische Wort zogréo, das soviel bedeutet wie Menschen lebendig fangen. Das ist bemerkenswert, denn Fische an die Luft gezogen, schnappen nach Luft und sterben. Lukas ist wichtig, dass die Menschen lebendig gefangen werden. Sie sind keine tote Beute, keine tote Masse, die man verkaufen kann, mit der man Handel treiben kann.

 

Die Menschen werden bei Lukas lebendig gefangen. Ihr Leben findet kein Ende. Was findet es statt dessen? Es findet zum ureigenen Lebenskern, wird dadurch vollständig lebendig gemacht.

Die Menschen werden nicht unterworfen, werden nicht zum Besitz eines Fischers, werden nicht zu seiner Verfügungsmasse! Sie werden gefangen zu neuem Leben, es gibt nun ein vorher und ein nachher, vorher war weniger Leben, jetzt ist es mehr. Das gilt auch für den Fischer Petrus, denn auch er wurde lebendig gefangen in der Begegnung mit Jesus, genauso wie für die von ihm gefangenen Menschen: „ein lebensnot-wendiger Dienst am Menschen.“*

 

Ich wünsche einen gesegneten Sonntag

Johannes Brinkmann / Essen

 

* „ein lebensnot-wendiger Dienst am Menschen“ dieses wunderbar geistliche Sprachbild stammt von Peter Köster SJ und bezieht es auf die Nachfolge Jesu.

 

 

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Nächste Online Andacht: Dienstag, 11. Februar 2025, 19:00 Uhr

 

Gespräche am Jakobsbrunnen

Dienstag, 18. Februar 2025

Prof. Dr. Wolfgang Beinert (Foto: Dr. Christian Eckl), emeritierter Professor für Dogmatik an der Universität Regensburg, war Assistent bei Joseph Ratzinger und hat sich bei ihm habilitiert.

Thema: Die Form der Reform - Anmerkungen zur Lage und Lehre der Kirche 
Sein aktuelles Buch: "Die Form der Reform"

 

 

 

 

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