Sonntagsbrief zum 32. Sonntag im Jahreskreis, 7. November 2021

5. November 2021 von Johannes Brinkmann

Selbstverständnis

©Joachim Specht Tridentinische Messe 2009 Speyer

Denn Christus ist nicht in ein von Menschenhand gemachtes Heiligtum hineingegangen, in ein Abbild des wirklichen, sondern in den Himmel selbst, um jetzt vor Gottes Angesicht zu erscheinen für uns; auch nicht, um sich selbst viele Male zu opfern, wie der Hohepriester jedes Jahr mit fremdem Blut in das Heiligtum hineingeht; sonst hätte er viele Male seit der Erschaffung der Welt leiden müssen. Jetzt aber ist er am Ende der Zeiten ein einziges Mal erschienen, um durch sein Opfer die Sünde zu tilgen. Und wie es dem Menschen bestimmt ist, ein einziges Mal zu sterben, worauf dann das Gericht folgt, so wurde auch Christus ein einziges Mal geopfert, um die Sünden vieler hinwegzunehmen; beim zweiten Mal wird er nicht wegen der Sünde erscheinen, sondern um die zu retten, die ihn erwarten.

 Hebr 9, 24-28 Einheitsübersetzung

Selbstverständnis

„Ein einziges Mal geopfert“ also ein einziges und einzigartiges Opfer! Aber wieso feiern wir römischen Katholiken trotzdem immer wieder ein Messopfer? Wieso haben wir Opferpriester? Wieso?

Wer kann das heute noch beantworten? Nach dem Selbstverständnis der römisch katholischen Lehre steht der Opferpriester in Stellvertretung Christi am Altar. Deshalb, so die Lehre, kann nur ein Mann zum Priester geweiht werden. Denn Jesus war ja schließlich ein Mann. Der Priester ist Träger eines kirchlichen Amts, der eine liturgische Weihe empfangen hat und zu besonderen gottesdienstlichen Handlungen bevollmächtigt ist. Und die Eucharistie, das „Messopfer“ ist DIE zentrale gottesdienstliche Handlung. Niemand kann sie durchführen, nur ein geweihter männlicher Priester. Die Kirchen der reformatorischen Tradition lehnen ein Priestertum in diesem Sinne ab. Eucharistie- und Amtsverständnis sind deshalb auch DIE Hindernisse für eine Ökumene, die Einheit hervorbringt, die aus vielen wieder EINE christliche Gemeinschaft macht.

 

Wenn mich eine/r fragte: Wer oder was steht im Zentrum der römischen Kirche, Jesus, Gott, Maria oder vielleicht die Heiligen?" Dann würde ich ihm nach all meiner jahrelangen liebevollen Reibung mit der römischen Kirche, in die ich hinein getauft wurde, antworten: Im Zentrum steht der Kleriker!

 

Brauchen wir die Kleriker noch? Wird die theologische Begründung, warum wir sie so unverzichtbar brauchen sollen, noch von uns nachvollzogen und bejaht?

Scheinbar schon, denn im Rahmen der Opferliturgie sprechen wir als Kirchenvolk aus Tradition eingeübt zum Priester hin diesen Satz: „Der Herr nehme das Opfer an aus deinen Händen, zum Lob und Ruhme seines Namens, zum Segen für uns und seine ganze heilige Kirche.“

 

Ich lade euch ein zu einer Zeitreise in die Jahre 1545-1563, dort fand das Konzil von Trient statt. 1517 hatte Martin Luther seine berühmten 95 Thesen veröffentlicht.

 

Was waren die Ziele des damaligen Konzils, warum fand es überhaupt statt? Der Kaiser drang auf Beschlüsse zu einer wirksamen Kirchenreform, um die Unruhe im Reich beizulegen, während der Papst Paul III. eine Verurteilung der protestantischen Lehren für vordringlich hielt. Die Beschlüsse dieses Konzils waren also nicht zuletzt als Bollwerk gegen die protestantischen Lehren gedacht, die ja unter anderem ein Priestertum im römischen Verständnis ablehnten.

 

Kein Wunder also, dass auch das Verständnis des „Messopfers“ dort mit Eindringlichkeit unterstrichen und beschrieben wurde.

 

Lest selbst und fragt euch, ob ihr das aus eurem Glaubensinn heute autorisieren würdet:

Um die ewige Erlösung zu wirken (Hebr. 9,12), wollte Christus sich einmal auf dem Altare des Kreuzes dem Vater zum Opfer darbringen. Sein Priestertum sollte aber mit seinem Tode nicht aufhören. Deshalb brachte er beim letzten Abendmahl seinen Leib und sein Blut unter den Gestalten von Brot und Wein Gott Vater dar und wollte damit seiner Kirche ein Opfer hinterlassen, durch welches das blutige, einmal am Kreuze darzubringende Opfer vergegenwärtigt, das Andenken daran bis zum Ende der Welt festgehalten und seine heilsame Kraft zur Nachlassung der Sünden zugewendet würde, die von uns täglich begangen werden» (Trid. Sess. XXII, c. I).

 ...

Darin liegt die überragende Würde des Opfers der heiligen Messe, dass wir in ihr Christus selbst, den lebendigen Christus mit Gottheit und Menschheit, mit seinem heiligen Innenleben, mit seinem Beten, Lieben, Lobpreisen und Sühnen, mit den unendlichen Verdiensten seines Erdenwirkens und mit der überschwenglichen Fülle der Güter und Werte seines erklärten Lebens im Himmel als unsre Gabe vor Gott bringen können. Die Macht dazu ist uns durch die heilige Taufe verliehen worden: dazu sind wir Getaufte, Christen, um diese erhabene Opfergabe Gott mit dem Priester darbringen zu können und ihm dadurch eine vollkommene, Gottes wahrhaft würdige Verherrlichung zu bieten und so den Zweck unsres Daseins ganz zu erfüllen. 

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Christus ist in der Feier der heiligen Messe der eigentliche Priester und Opferer. Aber er opfert durch den sichtbaren, d.h. durch den geweihten menschlichen Priester. Dieser besitzt in seinem Priestertum kein anderes Priestertum als das Christi selbst, er übt Christi unsichtbares Priestertum in sichtbarer Weise aus, ganz und gar abhängig vom Hohenpriester, als dessen Werkzeug und Stellvertreter.

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Christus opfert, indem er in jeder heiligen Messe, durch die Kraft seiner Gottheit und Menschheit, mittels des geweihten Priesters Brot und Wein in seinen Leib und sein Blut verwandelt. In der Verwandlung (Konsekration) vollzieht sich die eigentliche Opferhandlung der heiligen Messe. Diese Verwandlung nimmt aber in jeder heiligen Messe Christus selber vor: «Das ist mein Leib. Das ist mein Blut.»

 Vom heiligen Messopfer; Mariawalder Messbuch

Einen nachdenklichen Sonntag wünsche ich in die ganze Runde

Johannes Brinkmann

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Schau mal wieder ins Net:

www.johannesbrinkmann.de

Bild: ©Joachim Specht, Tridentinische Messe 2009 Speyer

 

 

 

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