Sonntagsbrief zum 3. Sonntag im Jahreskreis, 26.Januar 2020

24. Januar 2020 von Magnus Lux

Ernst machen

Ökumenische Taufvesper 2014 

Ich ermahne euch Schwestern und Brüder, im Namen unseres Herrn Jesus Christus: Seid alle einmütig und duldet keine Spaltungen unter euch; seid vielmehr eines Sinnes und einer Meinung! Es wurde mir nämlich, meine Brüder und Schwestern, von den Leuten der Chloë berichtet, dass es Streitigkeiten unter euch gibt. Ich meine damit, dass jeder von euch etwas anderes sagt: Ich halte zu Paulus –ich zu Apóllos –ich zu Kephas –ich zu Christus. Ist denn Christus zerteilt? Wurde etwa Paulus für euch gekreuzigt? Oder seid ihr auf den Namen des Paulus getauft worden?  Christus hat mich nicht gesandt zu taufen, sondern das Evangelium zu verkünden, aber nicht mit gewandten und klugen Worten, damit das Kreuz Christi nicht um seine Kraft gebracht wird.

1 Kor 1,10-13.17 Einheitsübersetzung

 

Das Evangelium verkünden

Oje, was war da los in Korinth? Paulus muss Tacheles reden, weil die Leute sich heillos zerstritten haben. Er zeigt ihnen klipp und klar, wo’s langgeht: Es geht um die Verkündigung des Evangeliums, nicht um einen Personenkult um die Verkündiger. Liegt der Streit in der DNA der Kirche?



Jahrhundertelang haben Christ*innen sich gegenseitig den wahren Glauben abgesprochen und andere aus der Kirche rausgedrängt. Ich weiß nicht, wie es den älteren Leser*innen gegangen ist; ich habe mich jedenfalls als kleiner Ministrant sehr darüber gewundert, dass wir in der Filialgemeinde einerseits Eucharistiefeier in der evangelischen Kirche gefeiert, „denen“ aber das wahre Christ-Sein abgesprochen haben; sie waren ja evangelisch, mit „denen“ wollten wir nichts zu tun haben. Und niemand ist in den Sinn gekommen, dass die Katholischen auch „evangelisch“ sein müssten, nämlich „dem Evangelium gemäß“, nein, wir hatten ja den Papst, und der war „unfehlbar“, wir hatten „Schrift und Tradition“, das war allemal besser als das protestantische „sola scriptura“.



Und wie sieht’s heute aus? Die Wogen haben sich etwas geglättet. Gerade in Deutschland gibt es viele „konfessionsverbindende Ehen“ und die Eheleute gehen gemeinsam zur Kommunion wie zum Abendmahl. Ein ehemaliger Klassenkollege hat mir mal gesagt: „Bei euch Katholiken ist es doch so, dass die konsekrierte Hostie auf Dauer als der Leib Christi angesehen und deshalb im Tabernakel aufbewahrt wird. Bei uns Protestanten ist Christus im Mahl gegenwärtig, übriggebliebene Oblaten kommen zurück in die Tüte. Und bei den Reformierten ist alles nur symbolhaft. – Meinst du, das hätte Jesus interessiert?“ Ich bin sicher, dass Jesu Antwort gewesen wäre: „Wo zwei oder drei in meinen Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“



Aber nein, so einfach machen wir uns das nicht. Da wird gar der Papst als potentieller Ketzer angesehen, wenn er nur darüber nachdenkt, ob vielleicht, innerhalb ganz enger Grenzen, evangelischen Ehepartner*innen der Zugang zur Kommunion gewährt werden könnte. Da erklären wir das „Brot des Lebens“ zur Belohnung für die eingetragenen Katholik*innen und verweigern es denen, die an Christus glauben, aber „das falsche Gebetbuch“ haben.



Die offizielle wechselseitige Anerkennung der Taufe gibt es erst seit 2007 (!). Beim Ökumenischen Kirchentag 2003 in Berlin hat der Priester alle zum Tisch des Herrn eingeladen, die sich gerufen fühlen; denn der Einladende ist nicht der Priester, sondern Christus selbst. Er wurde suspendiert und ist es bis heute. 2010 hat eine beeindruckende Menschenschlange von der evangelischen Hauptkirche in München bis zum Dom „gemeinsame Mahlfeier jetzt“ gefordert.



Wann endlich machen wir Ernst damit, dass wir nach der Lesung sagen: „Wort des lebendigen Gottes?“ Nicht der Streit um Macht und Vorrang ist der Wille Gottes, nicht die Spaltung, sondern „die Verkündigung des Evangeliums“, wie Paulus sagt. Wenn die Kirchenleitungen uns Knüppel in den Weg legen, der gemeinsam zu Christus führt, dann ermächtigen wir uns doch selbst, diesen Weg zu gehen; denn die Taufe ist unsere Priesterweihe, wir sind „ein heiliges Volk, eine königliche Priesterschaft“.



Magnus Lux

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