Sonntagsbrief zum 30. Sonntag im Jahreskreis, 25. Oktober 2020

23. Oktober 2020 von Eva-Maria Kiklas

Die Liebe in den Zeiten von Corona 

Zeichen der Zeit

An diesem Tag kamen Leute aus der sadduzäischen Gruppe, die überzeugt sind, dass es keine Auferstehung der Toten gibt. Sie befragten ihn und sagten: „Lehrer, Mose sagte: Wenn ein Mann kinderlos stirbt, soll sein Bruder mit seiner Witwe eine Schwagerehe eingehen und seinem Bruder Nachkommen erwecken. Es waren bei uns sieben Brüder. Der erste heiratete und starb, und da er keine Nachkommen hatte, hinterließer seine Frau seinem Bruder. Ebenso der zweite und der dritte bis zum siebten. Als letzte von allen starb die Frau. Wessen Frau, von den Sieben, wird sie nun bei der Auferstehung sein? Denn sie alle haben sie gehabt.“ Jesus antwortete ihnen: „Ihr irrt euch und kennt weder die Schrift noch Gottes Macht. Denn bei der Auferstehung heiraten sie nicht und werden nicht geheiratet, sondern sie sind wie die Engel im Himmel. Was die Auferstehung der Toten betrifft: Habt ihr nicht gelesen, was von der Gottheit gesagt worden ist, die spricht: Ich bin Gott Abrahams, Gott Isaaks und Gott Jakobs. Es ist nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebenden.“ Als die Menschen das hörten, waren sie von seiner Lehre beeindruckt.

 

Als einige der pharisäischen Männer und Frauen hörten, dass er die sadduzäischen Leute zum Schweigen gebracht hatte, versammelten sie sich; und einer von ihnen, ein Toragelehrter, befragte ihn, um ihn auf die Probe zu stellen: „Lehrer, welches Gebot in der Tora ist das größte?“ Er sagte zu ihm: „Du sollst ADONAJ, deinen Gott, von ganzem Herzen, mit deinem ganzen Leben und mit deinem ganzen Verstand lieben. Dies ist das große und erste Gebot. Und das zweite ist ihm gleich: Du sollst deine Nächsten lieben wie dich selbst. An diesen beiden Geboten hängt die ganze Tora und die Prophetie.“

Mat 22, 23-40 Bibel in gerechter Sprache 

 

Die Liebe in den Zeiten von Corona 

 

Die Perikope im Matthäus -Evangelium ist wohl die Quintessenz der Botschaft Jesu und das „Grundgesetz“ des von ihm angestrebten „Reiches Gottes“. So allgemeingültig es ist für ein gelingendes Leben, so muß doch jede Zeit, jeder Mensch sich neu zu dieser Forderung verhalten. Die Zeit, die wir im Moment im Zeichen von Corona erleben, stellt uns vor ganz neue, noch nie erlebte Herausforderungen. Was bedeutet dieses Liebesgebot jetzt und hier? 

 

Als im März dieses unbekannte Virus Deutschland erreichte, war die Solidarität untereinander beeindruckend und weckte große Hoffnungen: Sollten die Menschen endlich entdecken, worauf es ankommt? Auch die Politik überraschte: plötzlich stand nicht mehr die Wirtschaft an erster Stelle, sondern der Schutz des menschlichen Lebens, unsere Gesundheit. Die Anordnungen wurden befolgt mit dem Ergebnis, dass im Gegensatz zu vielen anderen Ländern unser Staat die Kontrolle behielt. 

 

„Nächstenliebe“ stellt diemal ganz neue Forderungen: Unbequemlichkeiten und Vorsichtsmaßnahmen in Kauf zu nehmen, um Menschen, denen wir im Alltag begegnen, nicht zu gefährden. Wir müssen auf Vieles verzichten, was unser Leben bereichert hat, besonders auch auf Berührungen, Umarmungen, auf Nähe überhaupt. Das bedeutet hohe Anforderungen an unsere „Nächstenliebe“, zumal wir keinen Dank, kein freudiges Lächeln, keine Erfolge zu erwarten haben und unsere „Opfer“ auch denen zugute kommen, die aus Protest keine Masken tragen und gegen die notwendigen Maßnahmen auf die Straße gehen. Vielleicht muß unsere Nächstenliebe so weit gehen, dass wir ihre Angst und ihren Frust akzeptieren, so schwer es uns fällt. Aber es gibt ja auch die vielen Anderen. die mit viel Kreativität und Mühe versucht haben,  Menschen zu pflegen, zu betreuen, ihre Situation zu erleichtern, ihnen Freude und Lebensmut zu machen. Dieser „Menschendienst“ ist „Gottesdienst“, wie es Jesus in den Abschiedsreden erklärt: „Was ihr dem Geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“

 

Und wie ist es mit dem „lieben wie dich selbst“? Woher nehmen wir die Kraft in dieser Zeit, solidarisch zu sein? Ich denke, wir sollten diese schwierige Zeit nicht nur als beängstigend, einschränkend und „freiheitsberaubend“ sehen. Kann es nicht auch eine Zeit der Chance für Umkehr, Besinnung und Entschleunigung sein? Ergibt sich  daraus nicht auch die Erkenntnis, worauf es wirklich ankommt, was wichtig in unserem Leben ist, was wir eigentlich nicht brauchen, wozu wie endlich einmal Zeit finden, dass wir als Menschen nicht „alles“ machen können, auch dass manche Dinge nicht für Geld zu haben sind und der Markt nicht alles regeln kann - und dass  in dieser Corona-Herrschaft alle Völker, alle Kontinente in einem Boot sitzen?

 

Die Welt könnte aus diesen Erkenntnissen lernen, dass Solidarität und Mitmenschlichkeit - also die Nächstenliebe - unverzichtbar für das Überleben der Menschheit sind. Schaffen wir das ? 

Bleiben Sie gesund und behütet!

Eva- Maria Kiklas

 

 

 

Bild: Zeichen der Zeit

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