Sonntagsbrief zum 28. Sonntag im Jahreskreis, 11. Oktober 2020

10. Oktober 2020 von Barbara Dominguez

Eingeladen. Alle. Ganz besonders Du!

Hochzeitstafel in St.Peter/ Niederösterreich ©Andreas Huber

In jener Zeit erzählte Jesus den Hohepriestern und den Ältesten des Volkes das folgende Gleichnis: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem König, der seinem Sohn die Hochzeit ausrichtete. Er schickte seine Diener, um die eingeladenen Gäste zur Hochzeit rufen zu lassen. Sie aber wollten nicht kommen. Da schickte er noch einmal Diener und trug ihnen auf: Sagt den Eingeladenen: Siehe, mein Mahl ist fertig, meine Ochsen und das Mastvieh sind geschlachtet, alles ist bereit. Kommt zur Hochzeit! Sie aber kümmerten sich nicht darum, sondern der eine ging auf seinen Acker, der andere in seinen Laden, wieder andere fielen über seine Diener her, misshandelten sie und brachten sie um. Da wurde der König zornig; er schickte sein Heer, ließ die Mörder töten und ihre Stadt in Schutt und Asche legen. Dann sagte er zu seinen Dienern: Das Hochzeitsmahl ist vorbereitet, aber die Gäste waren nicht würdig. Geht also an die Kreuzungen der Straßen und ladet alle, die ihr trefft, zur Hochzeit ein! Die Diener gingen auf die Straßen hinaus und holten alle zusammen, die sie trafen, Böse und Gute, und der Festsaal füllte sich mit Gästen. Als der König eintrat, um sich die Gäste anzusehen, bemerkte er unter ihnen einen Menschen, der kein Hochzeitsgewand anhatte. Er sagte zu ihm: Freund, wie bist du hier ohne Hochzeitsgewand hereingekommen? Der aber blieb stumm. Da befahl der König seinen Dienern: Bindet ihm Hände und Füße und werft ihn hinaus in die äußerste Finsternis! Dort wird Heulen und Zähneknirschen sein. Denn viele sind gerufen, wenige aber auserwählt.

Mt 22,1-14 Einheitsübersetzung,

 

Eingeladen. Alle. Ganz besonders Du!

Frohbotschaft unseres Herrn Jesus Christus! Zumindest nachdenklich muss uns diese frohe Botschaft machen. Äußerst nachdrücklich und ernst schildert Jesus in diesem Gleichnis, dass es absolut kein leichtes Spiel ist, ins Himmelreich zu gelangen. Begreifen wir eigentlich, dass tatsächlich wir ALLE eingeladen sind und wie reagieren wir auf diese Einladung? Wir finden immer wieder „triftige“ Gründe für eine Absage. Wie leicht ist es, sich vor sich selber und den anderen zu entschuldigen, dass man – leider Gottes – doch machtlos ist zu dem was rund um uns geschieht! Welchen Einfluss hat man denn auf die Entscheidungen der Politik, der Gesellschaft und nicht zuletzt der Kirche?

 

Als ich über „Die Instruktion zur pastoralen Umkehr der Pfarreien“ las, berührte sie mich eigentlich nicht besonders, sie ist derartig fern der Realität, denn man könnte sie nicht einmal befolgen, wirkt richtig lächerlich. Äußerst unangebracht und sogar kränkend empfinde ich aber die Formulierung. Wobei sollen wir Laien, die wir uns seit vielen Jahren in unseren Pfarren engagieren, instruiert, also belehrt werden? Und warum sollen wir umkehren? Sind wir etwa auf dem falschen Weg? Apropos Laien – in den einzelnen Bereichen sind wir Experten und Expertinnen! Was für ein Schatz! Was uns verbindet ist im Letzten das Anliegen, zum Evangelium, zum Vermächtnis Jesu zu stehen und es lebendig weiterzugeben. Wir sind auf einem guten Weg, davon bin ich überzeugt. Wir brauchen keine Instruktion mit Auftrag zur Umkehr, sondern Wertschätzung, Zuversicht und Ermutigung!

 

Wir ALLE sind Eingeladene, Böse und Gute! Unglaublich. Außerdem und umgekehrt: „Wir sind Kirche“ – ja, da stimmen wir sehr gern zu. Aber wie einladend sind wir als Kirche? Es genügt nicht, sich gegen die „Institution Kirche“ aufzulehnen. Was zählt ist Kirche sein vor Ort, da wo wir daheim sind.

Die Begrüßungskarte der Pfarre Krumpendorf am Wörthersee hat mich beeindruckt und macht so deutlich, was mit „Einladung“ gemeint ist – ein kleiner Auszug:

 

Wir heißen euch ALLE herzlich willkommen!

Alle Singles, Verheirateten, Geschiedenen, Hetero- und Homosexuellen, Stinkreichen, Bettelarmen und „those, who don´t speak German“.

Herzlich willkommen ihr alle, die ihr über 60 und trotzdem Kinder Gottes geblieben seid, und ihr Jugendlichen, die ihr wie Erwachsene behandelt werden wollt.

Du bist hier willkommen, wenn du Piercings hast oder Tätowierungen oder grün gefärbte Haare.

Bei uns bist du willkommen, wenn du Probleme hast, wenn du völlig am Boden bist oder wenn du keine Religion magst, die Regeln und Dogmen vorschreibt.

Wir heißen alle willkommen: Menschen mit gebrochenem Herzen, Touristen, Flüchtlinge, Suchende, Zweifler oder auch Mitglieder anderer Religionen … und ganz besonders dich!

 

Barbara Dominguez

 

Bildnachweis: Hochzeitstafel in St.Peter/ Niederösterreich ©Andreas Huber 

 

 

 

 

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