Sonntagsbrief zum 27. Sonntag im Jahreskreis, 4. Oktober 2020

2. Oktober 2020 von Johannes Brinkmann

Die Welt braucht Lieder

Nina Simone, Konzert in Morlaix,Bretagne, Mai 1982. Foto: ©Roland Godefroy

Ich will singen von meinem Freund, 
das Lied meines Liebsten von seinem Weinberg. 
Mein Freund hatte einen Weinberg auf einer fruchtbaren Höhe. 
Er grub ihn um und entfernte die Steine 
und bepflanzte ihn mit edlen Reben. 
Er baute in seiner Mitte einen Turm 
und hieb zudem eine Kelter in ihm aus. 
 
Dann hoffte er, dass der Weinberg Trauben brächte, 
doch er brachte nur faule Beeren. 
Und nun, Bewohner Jerusalems und Männer von Juda, 
richtet zwischen mir und meinem Weinberg! 
Was hätte es für meinen Weinberg noch zu tun gegeben, 
das ich ihm nicht getan hätte? 
Warum hoffte ich, dass er Trauben brächte? 
Und er brachte nur faule Beeren! 

 

Jetzt aber will ich euch kundtun, 
was ich mit meinem Weinberg mache: 
seine Hecke entfernen, sodass er abgeweidet wird; 
einreißen seine Mauer, sodass er zertrampelt wird. 
Zu Ödland will ich ihn machen. 
Nicht werde er beschnitten, nicht behackt, 
sodass Dornen und Disteln hochkommen. 
Und den Wolken gebiete ich, 
keinen Regen auf ihn fallen zu lassen. 
 
Denn der Weinberg des HERRN der Heerscharen ist das Haus Israel 
und die Männer von Juda sind die Pflanzung seiner Lust. 
Er hoffte auf Rechtsspruch - doch siehe da: Rechtsbruch, 
auf Rechtsverleih - doch siehe da: Hilfegeschrei.

Jes 5,1-7 Einheitsübersetzung

Die Welt braucht Lieder

„Ich will singen von meinem Freund, das Lied meines Liebsten von seinem Weinberg.“

 

Ein Liebeslied und auch ein Liebeskummerlied! Ein Klagelied auch und auch ein Anklagelied! Und am Ende wird es zu einem Gerichtslied, ja zum Strafgerichtslied!

Wieso stimmt Jesaja das als Lied an? Wieso nur?

 

Ich selber arbeite als Therapeut für Senioren in einem großen Seniorenzentrum in Essen. Darunter sind viele hochdemente Bewohnerinnen und Bewohner. Mit vielen von ihnen kann ich ein vernünftiges Gespräch kaum noch führen. Doch mit Liedern erreiche ich sie alle.

Ich sage immer: Das Gehirn mag dement werden, das Herz nicht! Alles was uns Menschen im Leben zu Herzen gegangen ist, ist selbst bei stärkster Demenz noch abrufbar. Lieder tragen die Botschaft ihrer Texte ins Herz hinein.

Geht das Lied Jesajas dem Volk zu Herzen? Dann ist auch die Hoffnung nicht verloren? Dann hat sie einen Grund für alle Zeit.

Die Welt braucht Lieder!

 

Und so möchte ich an diesem Sonntag zur Inspiration den Kehrvers eines Liedes von Julia Engelmann anstimmen. Das Lied heißt „Das Lied": 

 

„Es geht nicht darum wen,
sondern darum dass du liebst.
Es geht nicht um wieviel,
sondern darum dass du gibst.
Es geht nicht um Gewinn,
sondern darum dass du kämpfst.
Es geht nicht um das Lied,
sondern darum dass du denkst.“
 

Ich wünsche einen gesegneten Sonntag in die ganze Runde

Johannes Brinkmann / Essen

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Schau mal wieder ins Net:

www.johannesbrinkmann.de

Bildnachweis:

Nina Simone, Konzert in Morlaix,Bretagne, Mai 1982. Foto: ©Roland Godefroy

 

 

 

 

 

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