Sonntagsbrief zum 20. Sonntag im Jahreskreis, 16. August 2020

14. August 2020 von Cristy Orzechowski

Es geht ein Riss durch alle Dinge-, das ist die Stelle wo das Licht hineinfällt.

Es geht ein Riss durch alle Dinge-, das ist die Stelle wo das Licht hineinfällt. (Leonard Cohen) © Cristy Orzechowski

Gott sei uns gnädig und segne uns. 
Er lasse sein Angesicht über uns leuchten,

 


damit man auf Erden deinen Weg erkenne, 
deine Rettung unter allen Völkern. –

 


Die Nationen sollen sich freuen und jubeln, 
denn du richtest die Völker nach Recht 
und leitest die Nationen auf Erden.

 


Die Völker sollen dir danken, o Gott, 
danken sollen dir die Völker alle. 

 


Die Erde gab ihren Ertrag. 
Gott, unser Gott, er segne uns!

 

Es segne uns Gott! 
Fürchten sollen ihn alle Enden der Erde. –

Psalm  62,2-3,5-8 Einheitsübersetzung

 

Es geht ein Riss durch alle Dinge-, das ist die Stelle wo das Licht hineinfällt.

(Leonard Cohen)

Wie stets, halte ich mich an den „roten Faden“ der heutigen Leseordnung:Die Zielgruppe vom Propheten JESAIAS sind die damals Ausgeschlossenen der Gesellschaft: Fremde u. Kinderlose. - Und nun spricht der HERR zu diesen: „Wahrt das Recht, und sorgt für Gerechtigkeit“;…56:3 Der Fremde, der sich dem Herrn angeschlossen hat, soll nicht sagen: „Sicher wird der Herr mich ausschließen aus seinem Volk.“ Der Verschnittene soll nicht sagen:

„Ich bin nur ein dürrer Baum.“

Um solche Unterscheidungen geht es nicht. Einzig u. allein wichtig ist:

`Am-Bund-Gottes-festzuhalten´, `Recht-schaffend´ zu sein, Gerechtigkeit auszubreiten; einen befreiten gottgefälligen Zutritt zum `HAUS DES GEBETES aller Völker´ zu wirken.—

Welch ein schönes Bild für eine gelungene Globalisierungs-Vision!

Ausschluss findet vor u. seitens Gottes nicht statt. Vielmehr wird der Name dieser Ausgegrenzten untilgbar und ewig sein, mehr wert als der Stolz zur Schau und als Besitz getragene Name „Töchter und Söhne“. Da steht die Versuchung parat, Gedanken in sich zu hegen für das Vorhaben: allüberall eine Spaltung zu erzeugen... Mit Gott ist keine Exklusion zu rechtfertigen;

nur Einleuchtung, genau an dieser, mit altem Denken konstruierten Trennungslinie für: Andersartige—Andersdenkende—Andersfarbige, Anderen Religions-Angehörigen. - Auch die Trennung zw. Leib und Seele wird aufgehoben.

Aus dem Psalm 67 entnehme ich: Gott wird uns gnädig sein und sein Angesicht über uns leuchten, damit auf Erden sein Heils-Weg erkannt wird. Einleuchtung, das ist das Anliegen Gottes unter uns. Die all-sichtbaren Einschnitte in der Welt können der Ort unserer Verwandlung, unseres Umdenkens werden, ja des Segens—unter allen Völkern. Den Riss als Einfallsort des Lichtes zu begreifen, setzt unsere Licht-Empfänglichkeit in Gang:

 

-“In der Corona-Zeit tritt die permanent präsente Zerrissenheit, die durch unsere Welt geht, überaus krass zutage. Die Aufgaben für einen jeden liegen offen vor uns: BRING DICH ZUM LEUCHTEN!“ *

 

In der Segens-Schneise des Lichteinfalls können wir reifen und aus der gewonnenen Erkenntnis des Ausgeleuchteten Weges, Entwicklung anstoßen… statt Exklusion zu produzieren. *Richard Rohr nennt das den Geburtsort des ALL-EINS-SEINS—. Es ist der Beginn der Entstehungsgeschichte einer erweiterten Dreifaltigkeit: (s. zweites Foto) z.B.- Schöpfung, einschließlich der Menschen, Tiere, Pflanzen und aller Dinge! 

Dreifaltigkeit @ Cristy Orzechowski

 

Verortet Göttlichkeit- in allem!— Kosmo-Vision (die mir persönlich im Leben mit den Indigenas aufging), wird hier gespeist aus einem Universalen Christus, (wohlgemerkt nicht der Nachname Jesu*). Für mein Dafürhalten ist das eine einzigartige >Reiche-Frucht-Versprechende< Fährte für ÖKUMENE, auf der wir uns nicht mehr die Zähne an den offiziellen Verboten ausbrechen müssten.

 

Die Zahl der von uns deklarierten „Riss-Menschen-, Riss-Dinge, unwandelbaren Ideen - und multipler Situationen, die wir angelernt bekommen, ist unerschöpflich. Wir haben zu beginnen, mit der „Widerspenstigen Zähmung“ all dieser künstlichen und unwahren Dualismen, die man uns zu tragen und zu halten aufgab…(aufgibt)

 

Im obigen Sinne hören wir Paulus im Brief an die Römersprechen:

"Euch, den Heiden, sage ich: Gerade als Apostel der Heiden preise ich meinen Dienst, (…) weil ich hoffe, die Angehörigen meines Volkes eifersüchtig zu machen und wenigstens einige von ihnen zu retten.“

Mit unseren Besitzer-Allüren in Sachen Glauben und GOTTESERKENNUNG haben wir eiligst Schluss zu machen und demütig–empfangsbereit ins Licht zu treten, persönlich und institutionell.

 

Das heutige Evangelium schlägt thematisch den skandalösen Bogen: „…ja kommt nur, ich bin für die verlorenen Schafe unterwegs…“ 

 

Die um Heilung bettelnde Frau, „soll den Kindern des Lichts nicht das Brot wegstehlen und den Hunden vorwerfen..“—Eine scharfe einordnende Abweisung! Gerät Jesus selbst in die damalige Falle des Ausschließens???—oder will er nur vorführen…was da so gängig ist…? Die Frau übernimmt seelenruhig die Beschimpfung für sich, aber behauptet sich weiterhin mit ihrer Bittstellung. … Das Blatt wendet sich, Jesus sagt nun: „Frau Dein Glaube ist groß, was du willst, das soll geschehen.“… 

 

Unterscheidung, Ausgrenzung und Riss sind ausgeschaltet, bewirkt durch die Entscheidung der Frau: `zu vertrauen´. Die Chance des Risses, der Dualismen, der multiplen Trennungen im sozialen Geschehen, wird deutlich.  Unsere Empfänglichkeit für das Licht ist die Messlatte zum Dazugehören und Mitwirken…

Für mich persönlich bedeutet das: die Mystische Einbindung unseres Engagements ist unverzichtbar--

 

©Text u. Baum-Rinden-Foto: Cristy Orzechowski

* Richard Rohr—Buchtitel: Alles trägt den einen Namen--

 

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