Sonntagsbrief zum 19. April 2015, 3. Sonntag der Osterzeit

18. April 2015 von Regina Grotefend-Müller

3. Sonntag der Osterzeit

In dieser Stunde standen sie auf und kehrten nach Jerusalem zurück. Dort fanden sie die Elf und ihre Gefährtinnen und Gefährten versammelt. Diese erzählten: »Der, dem wir gehören, der ist wirklich auferweckt worden und dem Simon erschienen.« Und sie selbst erzählten, was auf dem Weg geschehen war und wie er beim Brotbrechen von ihnen erkannt worden war.

Während sie aber dies erzählten, trat er selbst mitten unter sie und sagte: »Friede sei mit euch!« Da gerieten sie in Bestürzung und Furcht und meinten, einen Geist zu sehen. Während sie aber dies erzählten, trat er selbst mitten unter sie und sagte: »Friede sei mit euch!« Da gerieten sie in Bestürzung und Furcht und meinten, einen Geist zu sehen. Er sagte zu ihnen: »Was seid ihr erschrocken, und warum steigen Bedenken in eurem Herzen auf? Seht meine Hände und meine Füße: Ich bin es selbst! Rührt mich an und seht: ein Geist hat weder Fleisch noch Knochen, wie ihr seht, dass ich habe. «Und als er dies gesagt hatte, zeigte er ihnen die Hände und die Füße.

Da sie aber in ihrer Freude noch nicht glaubten und staunten, sagte er zu ihnen: »Habt ihr etwas zu essen hier?« Da reichten sie ihm ein Stück von einem gebratenen Fisch. Er nahm es und aß vor ihren Augen. Er sagte zu ihnen: »Dies sind meine Worte, die ich zu euch gesagt habe, als ich noch bei euch war: Alles muss erfüllt werden, was in der Tora des Mose und in den prophetischen Schriften und Psalmen über mich geschrieben steht.« Da öffnete er ihnen den Sinn, damit sie die Schriften verstanden, und er erklärte ihnen, was geschrieben stand, dass nämlich der Christus auf diese Weise leiden und am dritten Tag von den Toten auferstehen werde und dass auf seinen Namen hin Umkehr unter allen Völkern ausgerufen werden solle, um vom unrechten Tun abzulassen. »Fangt an in Jerusalem; und seid dafür Zeuginnen und Zeugen.“

Lk 24, 35-48
Bibel in gerechter Sprache

Am Ostersonntag berichtete die ARD in ihren Abendnachrichten von dem Massenmord  in Kenia, viele  junge Studierende wurden ermordet vorgefunden. Die Eltern  dieser jungen Menschen waren zu sehen, noch fassungslos bewegten sie sich am  Unglücksort. Sie mussten ihre ermordeten Kinder identifizieren. Erst allmählich  gingen sie weiter, ließen sich treiben. Viele Menschen standen auf den Straßen und  waren dabei, als die Eltern trauerten. Allmählich begannen sie zu klatschen. Es  entstand eine ansteckende Bewegung im 2er Rhythmus. Er ließ die Angehören langsam vorangehen. Mit den anderen - zögerlich, aber auf einem  gemeinsamen Weg. Es war Ostern und die trauernden Menschen zogen langsam und  zögerlich  in die Kathedrale; nicht zum Tanz, aber um eine Melodie zu summen, vielleicht ein Osterlied ?

Die Ostererzählung des Evangelisten Lukas berichtet von einer Jesus-Begegnung. Die Freundinnen und Freunde standen noch unter Schock des Todes von Jesus, es  herrschte große Trauer und Angst vor der Zukunft. Die „Emmaus“erfahrung hatten sie noch gar nicht begriffen, da erleben sie die Nähe der Auferweckung Jesu hautnah.

Mit ihr setzte Gott ein Zeichen des Widerspruches gegen Unrecht, Leid, Lebensverneinung und Tod. Überall, wo daher „Leben“ zu kurz kommt, behindert, zerstört oder verachtet wird sind wir  aufgerufen, uns  einzusetzen, damit Menschen wieder „leben“, aufatmen und sich entfalten können. Der Glaube an die Auferstehung lenkt also gerade nicht den Blick von der „Welt“ ab. Er schärft vielmehr das Auge für die bestehenden Verhältnisse und befähigt, das Leid und das Unrecht zu sehen, sich diesem zu stellen und sich tatkräftig für eine Verbesserung einzusetzen. Der österliche Glaube bewahrt jedoch zugleich vor Überforderung und Entmutigung.  Es geht  um Erinnerung, Begegnung und Aufbruch in ein neues, eigenständiges Glauben und Handeln und nimmt langfristige Wege und Durststrecken in Kauf. So wirkt die befreiende Kraft des Osterglaubens bereits tief in unser Leben hinein. Er will für die Menschen und die Welt wirksam werden. Er ist das Ja zum Leben, zum Leben hier und jetzt und über den Tod hinaus.

Regina Gratefend-Müller, Wennigsen

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