Sonntagsbrief zum 18. Sonntag im Jahreskreis, 1. August 2021

30. Juli 2021 von Sigrid Grabmeier

Wie lange noch... ?

Erdüberlastungstag Düsseldorf, Burgplatz, 3. Mai 2020.

 

Wieder murrte die ganze Gemeinschaft Israel gegen Mose und Aaron dort in der Wüste. Sie sagten zu den beiden: „ER hätte uns doch auch in Ägypten töten können; da saßen wir bei vollen Fleischtöpfen und hatten genug Brot zu essen. Aber ihr habt uns hierher in diese Wüste geführt, damit die ganze Gemeinde verhungert.“ SIE sprach daraufhin zu Mose: „Pass auf, ICH lasse euch Speise vom Himmel regnen. Die Leute sollen Tag für Tag hinausgehen und sie einsammeln. ICH werde prüfen, ob sie sich an meine Weisung halten oder nicht. 

 

 

ER sprach zu Mose: „Ich habe das Murren der Gemeinde Israel gehört. Sage ihnen: `Gegen Abend bekommt ihr Fleisch zu essen, am Morgen sollt ihr euch an Brot sättigen. Ihr sollt einsehen, dass ICH da bin, eure Gottheit.´“ Am Abend kamen Wachteln geflogen und bedeckten das Lager; am nächsten Morgen schlug Tau sich rings um den Zeltplatz nieder. Als der Tau verdunstete, blieb auf dem Wüstensand etwas Feines, Flockiges, wie feiner Raureif, übrig. Die Leute sahen es und riefen einander zu: „Was ist denn das?“ Sie kannten das Zeug nicht. Mose klärte sie auf: „Das ist das Brot, das ER euch zur Nahrung gibt. 

 

Ex 16, 2-4; 12-15 Bibel in gerechter Sprache

 

 

Wie lange noch ... ?

 

Vordergründig geht es in der heutigen 1. Lesung aus dem Buch Exodus um die Versorgung des Volkes Israels bei seiner Wüstenwanderung – um die Versorgung mit Nahrung. Im heutigen Evangelium, der Brotrede Joh 6, 24-35, spielen Zuhörende darauf an:

„Unsere Eltern haben in der Wüste das Manna gegessen, wie geschrieben steht: `Brotvom Himmel wurde ihnen zu essen gegeben.´“ Da sagte Jesus zu ihnen: „Amen, amen, ich sage euch: Nicht Mose hat euch das Brot vom Himmel gegeben, sondern Gott ernährt euch und gibt euch das wahre Brot vom Himmel.“

 

Die Perikopenauswahl der Leseordnung ist sehr bruchstückhaft und enthält uns wesentliche Inhalte vor. Ich empfehle daher die gesamte Passage Ex 16, 1-30 zu lesen. Diese Episode erzählt davon, wie Gott den Kontakt zum Volk aufnimmt und die Weisung für ein gutes, respektvolles, Resourcen schonendes Leben mit der Versorgung durch Wachteln und Manna verknüpft. Die Weisung verfügt, jeder und jede dürfe täglich nur soviel Manna einsammeln, wie er und sie verzehren könnten, lediglich am Tag vor dem Sabbat gäbe es die doppelte Ration. - An den anderen fünf Tagen verrottete das übrig gebliebene Himmelsbrot, das einige für den nächsten Tag aufheben wollten.

 

Es sind drei wichtige Anliegen Gottes, die durch diese Erzählung durchscheinen: Das Volk soll Gottvertrauen lernen – jeden Tag von neuem würde es das Himmelsbrot geben „Ihr sollt einsehen, dass ICH da bin, eure Gottheit.“ - Im VaterMutter unser beten wir „unser tägliches Brot gib uns heute“ – zugleich sollten die Menschen nicht mehr sammeln, als sie tatsächlich brauchten, damit für alle genug da wäre. Und Gott schenkt dem Volk die Heiligung des Sabbats: 

„Wie lange wollt ihr euch eigentlich noch meinen Anordnungen und Weisungen verschließen? Seht ihr nicht, dassICH euch den Sabbat als Feiertag gegeben habe und deshalb am sechsten Tag Speise für zwei Tage bereitstelle? Jeder und jede soll am siebten Tag zu Hause bleiben und die Wohnung nicht verlassen.“ 

 

Offensichtlich scheint der größere Zusammenhang den Männern und Frauen, die Jesus gefolgt sind und mehr von ihm haben wollten, nicht mehr bewusst gewesen zu sein. Das was der Evangelist Johannes seinem Lesepublikum mitteilen möchte ist, dass das, was in der Exoduserzählung Gott als Anspruch an die Menschen richtet, nämlich dass sie die göttliche Weisung beherzigen und befolgen, immer noch gilt. Durch Jesu Aussage „Ich bin das Brot des Lebens; alle, die zu mir kommen, werden nie mehr hungrig sein, und alle, die an mich glauben, werden niemals mehr durstig sein.“ verdeutlicht der Autor, dass diejenigen, die in die Nachfolge Jesu treten, die seine Botschaft beherzigen und befolgen, auf der göttlichen Spur sind. 

 

Wie sieht das bei uns aus? Gottvertrauen? Gemeinwohl? (Ruhe)pausen und Innehalten gönnen und sich selbst gönnen? – Fragen, die wir jenseits unserer eigenen Situation auch gesellschaftlich verstehen müssen, z.B. angesichts des Erdüberlastungstages, der in diesem Jahr auf den den 29. Juli fiel.

An diesem Tag wurde die biologische Kapazität der Erde zum Aufbau von Ressourcen sowie zur Aufnahme von Müll und Emissionen durch den Bedarf an Wäldern, Flächen, Wasser, Ackerland und Fischgründen, den die Menschen derzeit für ihre Lebens- und Wirtschaftsweise verbrauchen, überschritten.

 

Sigrid Grabmeier 

Bild: Erdüberlastungstag Düsseldorf, Burgplatz, 3. Mai 2020

 

 

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