Sonntagsbrief zum 16. Sonntag im Jahreskreis, 18. Juli 2021

17. Juli 2021 von Sigrid Grabmeier

Zerstreut

The Canonization of Blessed Pope John XXIII and Blessed Pope John Paul II, two Popes from the 20th Century. ©Jeffrey Bruno from New York City, United States

Ach und Weh, ihr Hirtenleute, die ihr die Schafe meiner Weide umkommen lasst und zerstreut! – so GottesSpruch. Deshalb sagt Gott, die Gottheit Israels, über die Hirtenleute, die mein Volk weiden: Ihr allein habt meine Schafe zerstreut und versprengt, euch nicht für sie verantwortlich gefühlt. Nun ziehe ich euch zur Verantwortung für euer böses Handeln – so GottesSpruch. Ich selbst werde die Überlebenden meiner Schafe sammeln aus allen Ländern, wohin ich sie zerstreut habe, und werde sie an ihre Weideplätze zurückführen; sie werden fruchtbar sein und sich vermehren. Ich werde ihnen Hirtinnen und Hirten geben, die sie sorgsam weiden, dass sie sich nicht fürchten noch ängstigen müssen und keines vermisst wird – so GottesSpruch.

Seht, die Zeit wird kommen, – so GottesSpruch – da lasse ich für David einen gerechten Spross erstehen; diese Person wird umsichtig herrschen und Recht und Gerechtigkeit im Land umsetzen. 6Zu jener Zeit wird Juda Hilfe zuteil werden und Israel in Sicherheit wohnen. Ihr Name wird sein: Gottist unsere Gerechtigkeit.

Jes 23, 1-6 Bibel in gerechter Sprache

 

 

Zerstreut

Jeremia lässt an den Herrschenden in Jerusalem kein gutes Haar. Sie haben es vermasselt. Über Generationen brachten sie durch Ausbeutung, Günstlingswirtschaft Machtmissbrauch und Missmanagement ihr Land ökonomisch und ökologisch in den Ruin und damit zur leichten Beute für die angrenzenden Reiche. Er droht mit der Herrschaftsübernahme durch Nebukadnezzar und der Verschleppung des Volkes Israel. – Was dann auch eingetreten ist. 

 

Wenn wir heute im kirchlichen Milieu das Wort Hirten hören, denken wir an Pfarrer – Pastoren – und Bischöfe. Früher wurden diese positiver gesehen, heute jedoch nehmen wir wahr, dass das Bischofsamt – zum Teil auch das Priesteramt - in ähnlichen Verruf geraten sind – aus ähnlichen Gründen. 

 

Mehr allerdings als die Hirtenschelte haben mich die göttlichen Konsequenzen besonders berührt: 

„Ich selbst werde die Überlebenden meiner Schafe sammeln aus allen Ländern, wohin ich sie zerstreut habe, und werde sie an ihre Weideplätze zurückführen; sie werden fruchtbar sein und sich vermehren. Ich werde ihnen Hirtinnen und Hirten geben, die sie sorgsam weiden, dass sie sich nicht fürchten noch ängstigen müssen und keines vermisst wird – so GottesSpruch.“

 

Das Zerstreutsein erleben wir ja schon lange, denn, auch wenn die meisten Menschen die Kirchensteuergemeinschaft aus Geldgründen verlassen, so ziehen sich doch auch sehr viele zurück, die als Reaktion auf das Verhalten der Kirchenleitungen kein Geld mehr in den Kirchensäckel zahlen wollen und sich als gläubig bezeichnen.

 

Corona hat ein weiteres dazu beigetragen, dass dem Kirchenbesuch entwöhnt viele die traditionellen Gottesdienste nicht vermissen. - Aber wie weitermachen in der Entwöhnung und Zerstreuung? Einsam glauben ohne Kontakt zu anderen? Die christliche Botschaft ausschließlich als Basis für ein tätiges Leben in christlicher Verantwortung? Oder ist da noch eine Sehnsucht nach Begegnung, neuen Impulsen, Ritualen? Dahin zurückkehren, wo man entwichen ist? Neue Kontakte suchen, wen, wo, was? 

 

Es ist eine schwierige Situation, in die die anhaltende Ignoranz der Kirchenleitungen das Gottesvolk gebracht hat. Wie schnell gehen doch auch die letzten Verbindungen zur Gemeinschaft verloren, die Kommunikation untereinander nimmt ab, das Verständnis des Gewohnten verfliegt. - Wird es das geben, das Sammeln der Zerstreuten? - Wie kann das aussehen? - Brauchen wir noch Hirtinnen und Hirten? Und wenn, welche? - Was können wir selbst dazu beitragen?

Sigrid Grabmeier

Bild: 

Jeffrey Bruno from New York City, United States

ROM VATIKAN 27 APRIL 2014: Seligsprechung von Johannes XXIII und Johannes Paul II, 

 

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