Sonntagsbrief zum 123 Sonntag im Jahreskreis, 26. Juni 2022

25. Juni 2022 von Sigrid Grabmeier

Keine Komfortzone

 

Und als die Tage seines Aufstiegs sich erfüllten, stand sein Beschluss fest, sich nach Jerusalem aufzumachen. Er schickte Boten und Botinnen vor sich her. Diese kamen in ein Dorf Samarias, wo sie für ihn um Aufnahme suchten. Sie nahmen ihn aber nicht auf, weil er darauf bestand, nach Jerusalem zu gehen. Als die Jünger Jakobus und Johannes dies sahen, sagten sie: „Du Herr, willst du, dass wir sagen: Feuer komme herab aus dem Himmel und verbrenne sie?“ Er wandte sich ab und drohte ihnen. Und sie gingen in ein anderes Dorf.

 

Als Jesus mit seinen Jüngerinnen und Jüngern unterwegs war, sprach ihn jemand an und sagte: „Ich will dir folgen, wohin auch immer du gehst.“ Da antwortete Jesus: „Die Füchse haben Höhlen und die Vögel des Himmels Nester, aber wir haben keinen Ort, an dem wir uns ausruhen können.“

 

Zu einem anderen sagte er: „Folge mir!“ Der aber antwortete: „Erlaube mir, dass ich zuerst noch einmal weggehe, um meinen Vater zu begraben.“ Jesus aber sagte zu ihm: „Lass die Toten ihre Toten begraben. Du aber mach dich auf und verkünde das Reich Gottes.“

 

Wieder jemand sagte: „Ich will dir nachfolgen, Herr. Aber zuerst erlaube mir, von denen in meinem Haus Abschied zu nehmen.“ Jesus aber sagte: „Wer die Hand an den Pflug legt und nach hinten blickt, ist nicht geeignet für das Reich Gottes.“

 

Lk 9, 51-62 Bibel in gerechter Sprache

 

Keine Komfortzone

 

Nein, kein netter Kerl, dieser Jesus. Ungemütlich, herausfordernd, radikal. Und auf jeden Fall nicht gut für einfache Lösungen. Seine Freunde bügelt er ab, als sie sich mit den falschen Mitteln für ihn einsetzen wollen. Er hält nichts von Drohungen und markigen Sprüchen. Dem, der sich ihm anschließen will, macht er klar, dass es kein Zuckerschlecken werden wird, wenn er sich der wandernden Schar um ihn anschließen will, und von dem, den er zum Mitwandern und Mitleben einlädt,fordert er, dass er damit die alten Brücken ins bisherige Leben abbricht und alle Rücksichten darauf ablegt.

 

Wer sich mit ihm einlassen will, muss beweglich bleiben, bereit sein, weiter zu gehen. Wer sich mit ihm auf den Weg macht, darf sich keine Hoffnung auf Kuschelecken machen. Wer mit ihm leben will, kann sich nicht mehr auf die alten Gewissheiten verlassen oder auf Traditionen pochen. 

 

Das ist alles eher unangenehm. Sowohl für uns selbst, denn für jeden, jede von uns ist es eine Herausforderung, nicht stehen zu bleiben, mit Unsicherheiten zu leben oder lieb gewordene Gewohnheiten oder Besitzstände loszulassen. Aber auch für die Institution, die sich auf die Fahnen geschrieben hat, ihren Weg für und mit Jesus zu gehen. 

 

Aber gerade in seiner Radikalität sind diese Herausforderungen für uns persönlich wie auch für die Kirche als ganzes in ihrer wohl größten Krise hilfreich und wegweisend. Denn sie zeigen uns, welche Fragen wir uns stellen müssen, wenn wir uns einsetzen wollen für das Reich Gottes. Wie können wir, wie kann Kirche Reich Gottes glaubwürdig verkünden? Welche Komfortzonen und Kuschelecken sind da hinderlich? Welche Traditionen stehen im Weg, wenn es voran gehen soll? Welche Rück-Sichten verstellen den Blick in die Zukunft?

 

Sowohl der Synodale Weg in Deutschland, dessen Richtung von mutlosen, ewig Gestrigen immer wieder in Zweifel gezogen wird, jedoch auch viel internationale Anerkennung erfährt, ebenso wie der weltweite Synodale Prozess müssen sich mit diesen Fragen auseinandersetzen und tun das bereits auch. 

 

Als Antwort auf die tiefe Krise der römisch-katholischen Kirche und des damit einhergehenden Bedeutungsverlustes in unserem Land kommen Reformgruppen, Betroffeneninitiativen sowie katholische Verbände und Initiativen zu einer Kirchen­Volks­Konferenz am letzten September­wochenende in Köln zusammen und laden auch alle Interessierten und Engagierten aus nah und fern herzlich dazu ein.

 

Es bedarf einer breiten Bewegung an der Kirchen­basis, die sich dafür einsetzt, die grundlegenden Transformations­prozesse in unserer Kirche voranzubringen und neue Weg zu suchen. Das Motto dieser Kirchen­Volks­Konferenz am 24. und 25. September 2022 in Köln lautet deshalb: 

Wir gehen schon mal voran – für eine synodale Kirche der Zukunft“

 

In der aktuellen Multikrise – Krieg in der Ukraine (und auch anderswo), Corona-Pandemie, Weltklima- und Hunger­krise, Kirchen­dauerkrise – braucht es Hoffnungs­botschaften, wie die des Rabbi aus Nazareth, und solidarisches Engagement. Im Geist der Ökumene wollen wir neue Hoffnung in die Kirchen und in die Gesellschaft bringen, um die Heraus­forderungen unserer heutigen Zeit gemeinsam aktiv anzugehen!

 

Sigrid Grabmeier

  

 Wir sind Kirche Online-Andacht interaktiv

Nächste Termine  jeweils Dienstag 19 Uhr 



statt 5. Juli 2022 verlegt auf 12. Juli 2022

 

Die Wir sind Kirche-Online-Andachten entstanden, um auch in Corona-Zeiten im Gebet und Gespräch miteinander verbunden zu bleiben. Sie stehen in der Tradition der verschiedenen gottesdienstlichen Feiern bei den Bundesversammlungen, Begegnungstagen und PilgerRadTouren. Auch über die strengen pandemiebedingten Einschränkungen hinaus bieten wir die Online-Andachten mit Austausch zum Bibeltext und gemeinsamer Fürbitte weiterhin an. 

> www.wir-sind-kirche.de/andachten

 

 

 

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