Sonntagsbrief zum 12. Sonntag im Jahreskreis, 25. Juni 2017

21. Juni 2017 von Regina Grotefend-Müller

Bekennen - wie geht das?

Walter Green: Christus hat keine Hände

Fürchtet sie nicht! Es gibt nichts Verhülltes, was nicht aufgedeckt werden wird, und nichts Verborgenes, was nicht bekannt wird. Was ich euch in der Dunkelheit sage, das sagt im Licht! Und was euch ins Ohr geflüstert wird, das verkündet von den Dächern! Ängstigt euch nicht vor denen, die den Körper töten. Das Leben aber können sie nicht vernichten. Fürchtet vielmehr die Macht, die Körper und Leben in der Hölle vernichten kann. Werden nicht zwei Spatzen für Kleingeld verkauft? Und doch fällt keiner von ihnen ohne Gott zur Erde. Nun sind aber sogar eure Haare auf dem Kopf alle gezählt! Habt nun keine Angst, wie verschieden seid ihr und die Spatzen. Denn zu allen, die sich zu mir bekennen vor den Menschen, werde auch ich mich bekennen vor Gott, für mich Vater und Mutter im Himmel. Aber die mich verleugnen vor den Menschen, werde auch ich verleugnen vor Gott im Himmel.

Mt 10, 26-33 Bibel in gerechter Sprache

 

„Denn zu allen, die sich zu mir bekennen vor den Menschen, werde auch ich mich bekennen vor Gott…“. Dies Bekenntnis Jesu ist im guten Sinne Pro-testantisch, es ist ein Zeugnis FÜR die Menschen vor Gott. In diesem kleinen Ausschnitt der sogenannten „Aussendungsreden“ Jesu geht es um nichts anderes, als um das Bekenntnis seiner Jüngerinnen und Jünger nach Jesu Tod in der Zukunft. -

Bekennen - wie geht das? Der Evangeliumstext besteht aus einer Aneinanderreihung verschiedenster Sprüche unterschiedlicher Herkunft. Zu den Bildern der „gezählten Haare“, den billigen „Spatzen“ las ich dazu in einer Predigt : „Spatzen, die billigsten essbaren Vögel, der Braten des kleinen Mannes. Und doch fällt keiner von ihnen ohne Gott zur Erde‘. Ist das ein Trost für den Spatz im Fallen? Doch allenfalls nur, wenn sein Fallen selbst, um Braten zu sein für die kleinen Leute, guter Sinn ist. Guter Sinn seines und all der unzähligen Spatzenleben. Sein Leben und Fallen sind Sinn und Sinnbild für das Leben und Fallen Jesu, ebenso wie für das Leben und Fallen seiner Jünger. Und so sind die Spatzen Trost für die Jünger, die sich fürchten, weil ihre Nachfolge offensichtlich nichts bringt, nichts anderes als die Nähe Jesu. Nichts anderes als Jesu Bekenntnis für sie vor seinem himmlischen Vater. Das aber auf jeden Fall. Auch im tiefsten Fall.“

Jesus ermutigt zu aufrechtem Gang, nicht zur Angst und Furcht, nicht einmal vor dem Tod. Auch die Hölle wird ins Spiel gebracht. Die „Macht, die Körper und Leben in der Hölle vernichten kann“ ist Gott selbst, nicht ein Teufel! Gott selbst ist es, „der dem Tod die Liebe entgegensetzt, der den Teufel mit all seiner scheinbaren Macht gebunden hat an die Ohnmacht seiner Liebe. Der im Tod Jesu Christi eine unauflösliche Beziehung gestiftet hat zu seiner ganzen vom Tode bedrohten Kreatur. Der in der Verhältnislosigkeit des Todes neue Verhältnisse geschaffen hat, - Verhältnisse der Liebe."

Zitate aus: Klaus Kohl "Predigt über Mt 10,26-33 zum Reformationsfest "Spatzen und Glatzen".

Mein ganz persönliches „Bekenntnis“ knüpft an das Zeugnisgeben HEUTE an : 

Ich glaube an die Sehnsucht,
die uns alle verbindet,
die Sehnsucht nach der allmächtigen Liebe,
väterliche Liebe und mütterliche Liebe,
als Urkraft, um Raum zu schaffen für jeden von uns
unter dem Himmel und auf der Erde.
Ich glaube an die Propheten,
diejenigen, die verwirrt sind und gleichzeitig klar sehen,
die ihre Botschaften empfangen
durch den Heiligen Geist der Kreativität,
die ihre Gedanken gebären
im Shitstorm leiden und wissen,
dass wir alle sterben müssen,
zuletzt, aber dass dieses Sterben
weder Ziel ist, noch Sinn hat und kein Heil bringt,
sondern lediglich eine Rückkehr ist
- wohin auch immer.
Ich bekenne mich zur Gewaltenteilung,
die Trennung von Staat und Kirche,
die Meinungsfreiheit und den unabhängigen Journalismus,
Ich vertraue auf unsere Lernfähigkeit.
 
Ich glaube an die Kraft der Demut und an die des Stolzes.
Ich glaube an die Kraft aller Gebetsformen.
Ich glaube an den Heiligen Geist der Kreativität,
und an all das,
was wir mit unseren Sinnen nicht fassen können.
Ich glaube an die Gemeinschaft der Sterblichen,
die Kraft der Versöhnung auch über den Tod hinaus
und die ewige Liebe.

Regina Grotefend-Müller 

 

Bild:© Regina Grotefend Müller

Skulptur des Künstlers Walter Green (* 1952) in der Ausstellung "Bitte berühren" im Dom zu Schleswig. Die gezeigten Skulpturen, wurden aus alten Eichenbalken aus Abbruchhäusern in der Gegend geschaffen.

Das Werk trägt folgenden Titel:

Christus hat keine Hände
Nur unsere Hände.
Er hat keine Füße
Nur unsere Füße.
Er hat keine Lippen,
nur unsere Lippen.

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