Sonntagsbrief zum 12. Sonntag im Jahreskreis, 21. Juni 2015

20. Juni 2015 von Johannes Brinkmann

Grenzsetzung

Sonntagsbrief zum 12. Sonntag im Jahreskreis

Da reagierte DER EWIGE auf Hiob aus dem Wettersturm
und sprach:
Und wer hat mit Toren das Meer verschlossen,
als es hervorbrechend aus dem Schoß trat,
als ich ihm Gewölk zum Kleid machte
und Wolkendunkel ihm zur Windel,
als ich über ihm meine Satzung zur Geltung brachte,
ihm Riegel und Tor setzte
und sprach: „Bis hierher kannst du kommen und nicht weiter,
hier bricht es bei der Höhe deiner Wellen!“?

Ijob 38,1; 8-11
Bibel in gerechter Sprache

Da setzt einer, vom Leid geprüft, den Schöpfer selbst auf die Anklagebank. Dieser Mut der Verzweiflung macht mir Ijob sehr sympathisch. Er sieht die Schöpfung von Leid verseucht, fragt sich, ob GOTT ein Gewissen hat, ob es ihm egal ist, ob einer gerecht lebt oder ein Schurke ist. Glück oder Unglück lässt GOTT auf Gerechte wie auf Ungerechte fallen, ganz willkürlich. Ijobs Freunde versuchen dagegen zu halten, doch ihre Argumente überzeugen nicht. Da endlich meldet sich Adonai selbst zu Wort. Und was ist seine Antwort: Er beschreibt sich mütterlich in seiner Schöpferkraft. Und stellt klar, diese mütterliche Kraft hebt das Chaos nicht auf, doch drängt ihre Lebens-Kraft es zurück, vernichtet die lebensfeindlichen Mächte nicht, doch hält sie sie in Schach, hat ihnen eine Grenze gesetzt, die sie nicht überschreiten können. Gute Antwort?

Johannes Brinkmann

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