Sonntagsbrief zum 12. Sonntag im Jahreskreis, 19. Juni 2016

18. Juni 2016 von Regina Grotefend-Müller

Kleider machen Leute

Taufkleid, Foto: © Regina Grotefend-Müller„Ihr alle nämlich seid Gottes Kinder im Messias Jesus durch das Vertrauen. Denn alle, die ihr in den Messias hineingetauft seid, habt den Messias angezogen wie ein Kleid. Da ist nicht jüdisch noch griechisch, da ist nicht versklavt noch frei, da ist nicht männlich und weiblich: denn alle seid ihr einzig-einig im Messias Jesus. Wenn ihr aber dem Messias  angehört, dann seid ihr folgerichtig auch Abrahams Samen, erbberechtigt aufgrund der Verheißung.“

Galater 3, 26-29
Bibel in gerechter Sprache

„Ene, mene, muh…und raus bist Du!“ Dieser Abzählreim aus Kindertagen teilt Menschen in Gruppen ein oder schließt sie vom Spiel aus. Um eine ähnliche Frage ging es in der jungen griechisch-christlichen Gemeinde der Galater: Müssen Bewerber, die sich dieser Gemeinde anschließen wollen, nicht erst Juden werden mit allen Bräuchen und Gesetzesvorschriften, um Christen zu werden? Paulus sagt: „Nein!“  Niemand darf einem anderen seine Glaubensmoral aufdrücken, das wäre religiöser Rassismus! Glaube hat mit Freiheit  und eigenem Gewissen zu tun. Und das Gewisssen ist allein Jesus Christus verpflichtet, keiner anderen religiösen oder moralischen Norm, keinem Geschlecht, keiner Herkunft. Die Einheit in Jesus unterdrückt, bevormundet und bedrängt nicht, sie befreit! Wer getauft ist, ist allen anderen gleich, die alte Grundunterscheidung zwischen Juden und Heiden wird radikal aufgehoben, Paulus wischt sie einfach weg. Sie hat in der Taufe keine Bedeutung mehr, Gott unterscheidet anders!

Das starke Bild des „Hineingetauftseins“, eine neue Schöpfung sein, so wie Gott den Menschen gemeint hat und wie er in Jesus erkennbar wurde, heißt: Das „Kleid Christus“ ist uns wie „eine neue Haut“: Unverwechselbar, unverkennbar und einzigartig. Die Taufe ist nicht bloß ein Ritual, sie ist ein klares Bekenntnis Gottes zum Menschen: Ich habe Dich angenommen und Du stehst unter meiner besonderen Obhut. Dieses „Kleid“, diese Taufe, bedeutet auch: wir haben  in dieser Welt die Rolle Jesu übernommen, wir  können tun, was Jesus auch getan hätte. Er, der sich einsetzte für Benachteiligte, Ausgestoßene, Randständige, Diskriminierte, denen die Existenzberechtigung abgesprochen wird, ihr alle habt Christi an! Denkt daran! Ihr seid mit Jesu Leben ver-wickelt, hinein-gewickelt, wie in seinen Purpurmantel, das kann auch unbequem sein. Auf alle Fälle ist dies Gewand kein eitler Schmuck, auch keine Tarnkappe und kein Mäntelchen nur für festliche Tage, nicht als  Panzer oder Rüstung einsetzbar.  Der Zuschnitt dieser neuen Haut lebt und wirkt in der Ausrichtung der guten, befreienden Botschaft, deren Basis Jesus Christus ist und die unabdingbare Liebe Gottes.

Regina Grotefend-Müller

Bildnachweis: Taufkleid, Foto: © Regina Grotefend-Müller

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