Sonntagsbrief zum 11. Sonntag im Jahreskreis, 14. Juni 2020

13. Juni 2020 von Johannes Brinkmann

Die Tür zum Reich Gottes suchen

Tür in einem Haus in Zagreb

Als er die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen; denn sie waren müde und erschöpft wie Schafe, die keinen Hirten haben. Da sagte er zu seinen Jüngern: Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter. Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden! Dann rief er seine zwölf Jünger zu sich und gab ihnen die Vollmacht, die unreinen Geister auszutreiben und alle Krankheiten und Leiden zu heilen.

 

Die Namen der zwölf Apostel sind: an erster Stelle Simon, genannt Petrus, und sein Bruder Andreas, dann Jakobus, der Sohn des Zebedäus, und sein Bruder Johannes, Philippus und Bartholomäus, Thomas und Matthäus, der Zöllner, Jakobus, der Sohn des Alphäus, und Thaddäus, Simon Kananäus und Judas Iskariot, der ihn ausgeliefert hat. Diese Zwölf sandte Jesus aus und gebot ihnen: Geht nicht den Weg zu den Heiden und betretet keine Stadt der Samariter, sondern geht zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel! Geht und verkündet: Das Himmelreich ist nahe! Heilt Kranke, weckt Tote auf, macht Aussätzige rein, treibt Dämonen aus! Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben.

 

Mt 9, 36-10,8 Einheitsüberstzung

 

Die Tür zum Reich Gottes suchen

 

Im Zentrum dieses Textes aus dem Evangelium nach Matthäus steht, so scheint es, die Hervorhebung der Besonderheit der zwölf Männer, Apostel genannt. Und doch sandte er diese hier ausdrücklich zu denen, die sich für etwas Besonderes hielten, nämlich „zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel!“. Bedenkenswert!

 

Und dann spricht Jesus den Satz, den ich einen Kernsatz des Glaubens nenne: „Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben.“ Dieser Satz „folgt nicht den Gesetzen des Rechnens, sondern des Schenkens.“, wie das einmal der ehemaligen Bischof von Limburg, Franz Kamphaus, in einer Predigt zu diesem Evangelium treffend formuliert hat.

 

„Reich ist man erst, wenn man etwas hat, was man für Geld nicht kaufen kann.“ sagt ein anderer Spruch. Leben ist ein Geschenk, Liebe ist ein Geschenk, und auch eine Aussendung durch GOTT, wie sie hier die Zwölf erfahren, ist und bleibt ein Geschenk.

Das Wort „umsonst“ ist in unserer deutschen Sprache doppeldeutig. „Umsonst haben wir uns bemüht, der Erfolg ist ausgeblieben, eher geht es zurück.“Im lateinischen gibt es für „umsonst“ zwei Ausdrücke: frusta und gratis! Was wir gratis bekommen, kostet uns nichts, denken wir in einer Welt, in der Rechnen und Geld dominieren. Doch stimmt das auch für ein Geschenk GOTTES?

 

„Was nichts kostet ist auch nichts wert!“ ist auch so ein Spruch unserer Zeit. Kostet ein Geschenk GOTTES also nichts? Ist es etwa nicht kost-bar?

 

„Es ist wie es ist, sagt die Liebe!“ noch so ein Satz, der mir sehr wichtig ist. Wer von GOTT ein Geschenk bekommt und es dankend annimmt, muss sich von GOTT verwandeln lassen. „Das Himmelreich ist nahe!“, soll das Lebenszeugnis derer sein, die GOTT zu jemand Besonderem erhebt.

 

Wer so erhoben wurde, muss seine Eitelkeit überwinden, jede Harmoniesucht, die die Realität schöner malt als sie ist, jeden Frust, der die Hoffnung erdrückt, jedes Machtstreben, das erzwingen will, darf die Form nicht wichtiger nehmen als den Inhalt, darf nicht dem Recht des Stärkeren anhängen, muss sein Temperament zügeln, ob hitzig mit wenig Geduld oder gar Tendenz zu Wutausbrüchen oder Manipulation oder sogar zu Narzissmus, darf nicht nach Schuldigen suchen, sondern soll in entspannter, fast gleichgültiger, supervisorischer Haltung die Dinge betrachten lernen, wie sie nun mal sind. Unbegründet Hoffnung haben und sie gegen jeden Frust aufrichten, und einfach das „wie es ist“ akzeptierend hinnehmen, es absuchen nach der Tür für GOTTES REICH! Nicht nach der Tür zum eigenen Auftritt oder Selbstdarstellung suchen, nicht nach der Tür für Rechthaberei, sondern nach der Tür, die den Satz: „Das Himmelreich ist nahe!“ wahr oder zumindest wahrer macht, erfahrbarer macht denen, zu denen wir uns gesandt wissen.

 

Wer das begriffen hat, tritt nicht als Lehrmeister auf sondern bleibt Schüler und Suchende/r. Diese/r weiß, dass wenn sie oder er sich erhebt, weil sie als Person von GOTT erhoben wurde, und sich deswegen für etwas Besonderes hält, zum Verlorenen wird. Die Person, die so tut, bringt nämlich das Himmelreich nicht näher, sondern stellt sich ihm in den Weg, wird zum „verlorenen Schaf“.

 Einen gesegneten Sonntag in die ganze Runde

 

Johannes Brinkmann / Essener

 

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